Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Michaela:
Unterhaltsam mit verschenktem Potenzial
Broken Crystal von Tobias Miller
Ein Journalist trifft sich mit einer Person, welche auf der FBI Most Wanted Liste steht, damit dieser seine Version der Geschichte erzählen kann. Eigentlich sollte der Ich-Erzähler in einem Undercover-Einsatz eine Millardärstochter, welche Teil einer fanatischen Umweltgruppe ist, zurück in dem Schoß der Familie bringen.
Allerdings entwickelt sich einiges anders als geplant.
Den Einstieg ins Buch mit dem Fahndungsaufruf und der bedrohlichen Audiobotschaft finde ich sehr gelungen. Dank des Schreibstils kommt man in einen sehr angenehmen Lesefluss. Die Länge der Kapitel finde ich auch gut gelungen. Allerdings schleichen ab Mitte des Werkes einige Längen ein und mein Interesse lässt nach. Zunehmend wirkt alles etwas zu sehr gewollt und echter Thrill kommt nicht auf. Auch wenn gegen Ende eine unerwartete Wendung kurz wieder für Spannung sorgt. Der vollkommen durchgeknallten Aktivistengruppe nehme ich echtes Engagement für die Umwelt nicht ab. Auch dass der Ich-Erzähler ein hervorragender Militärberater ist, ist nicht glaubwürdig. Selbst das FBI wird eher inkompetent dargestellt. Schade, die Grundidee hätte mehr Potenzial geboten, so bleibt es ein durchschnittliches Buch mit Unterhaltungswert.
Düstere Spannung im eisigen Schweden
Wintersonnenwende von Pascal Engman; Johannes Selåker
Selten finde ich ein Cover und den dazugehörigen Farbschnitt so gelungen. Die Stimmung des Buches wird sehr gut getroffen. Wir befinden uns im bitterkalten schwedischen Winter, als in der Silvesternacht der Freier einer Prostituierten erschossen wird und diese gerade noch nackt fliehen kann. Tomas Wolf, der ermittelnde Kommissar, nimmt die Verfolgung des Täters auf, obwohl er selbst mit einigen Traumata kämpfen muss.
Auch die Journalistin Vera Berg beginnt mit der Recherche um eine Topstory abzuliefern.
Die Charakter-Darstellung von Vera Berg und Tomas Wolf sind meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Sie ehrgeizig, getrieben auf der Jagd nach der nächsten Story und dennoch werden auch einfühlsame Seiten von ihr gezeigt. Er schwer traumatisiert und mit sich selbst kämpfend und dennoch ein hervorragender Ermittler, furchtlos mit einem guten Gespür. Der Spannungsbogen wird weitestgehend über das gesamte Buch aufrechterhalten und es werden einige düstere und grausliche Situationen ausreichend detailliert beschrieben, um einen Thriller würdig zu sein. Für mich als Fan dieses Genres war das Lesen eine Freude.
Auch wenn es sich bei Wintersonnenwende um einen abgeschlossenen Fall handelt, schadet es allerdings nicht, den ersten Band zu kennen. Ich werde dies ehestmöglich nachholen.
Wie wichtig ist Zeit?
Hast du Zeit? von Andreas Winkelmann
Der Titel stellt die Frage nach der Zeit. Hat man Zeit? Stiehlt man Zeit? Welchen Wert hat Zeit? Jeder kennt wohl das Gefühl, dass man keine Zeit hat bzw. dass diese einem gestohlen wird. Andreas Winkelmann verpackt diese Fragestellungen und diese Gefühle in einen packenden Thriller. Der Spannungsbogen ist gekonnt gesetzt und ich habe herrliche Lesestunden mit dem Werk verbracht.
Immer wieder frage ich mich, wer denn nun der Täter sein könnte und welche Verbindungen zwischen den Opfern besteht. Herrn Winkelmann gelingt es hierbei, mich in die Irre zu führen und zwingt mich, neue Überlegungen anzustreben. Der alternde Ermittler Grotheer, der durch die Geschehnisse sein Leben hinterfragt, ist mir durchwegs sympathisch und ich kann mich in ihn hineinversetzen. Auch die junge Fotografin Lilly mit ihrer Energie und den unendlichen Willen, ihre Lebensgefährtin zu finden, ist sehr gut gelungen.
Als Fazit: Gut investierte Zeit!
Aktuelles Thema
Partikel von Wolf Harlander
Eine Hochzeitsfeier auf welcher Gäste zusammenbrechen und auch sterben. Ein kleines Mädchen welches an Leberkrebs ausgelöst von Microplastik erkrankt. Deren Tante ist als Journalisten tätig und findet heraus, dass auch die Gäste der Hochzeitsfeier durch mit Mircoplastik verseuchten Fisch vergiftet wurden.
Weiters recherchiert sie über Cyaclean, einem innovativen Unternehmen, dass an einer umweltschonenden Beseitigung von Plastik forscht. Zeitgleich ermittelt ein Team vom BND im Fall eines gesunkenen Frachtschiffes, welches illegalen Plastikmüll geladen hatte. All diese Handlungsstränge werden zu einem überaus spannenden, gesellschaftskritischen und informativen Roman verwoben - als Thriller würde ich Partikel weniger bezeichnen. Was dem Lektürevergnügen allerdings keinen Abbruch tut. Es werden auf den gut 600 Seiten viele durchaus bedrohliche Szenarien gezeichnet, welche so stattfinden könnten. Immer wieder beginne ich mein eigenes Verhalten im Umgang mit Plastik zu hinterfragen und auch wie auch die weitere Recyclingwege aussehen und verbessert werden könnten.
Mein Fazit: Sehr lesenswert.
Bewegend, schockierend, gefühlvoll
Die Frauen jenseits des Flusses von Kristin Hannah
Mit jeder Seite von 'Die Frauen jenseits des Flusses' kann man die Kraft von Frances McGrath spüren. Die Hoffnungslosigkeit des Krieges und schnell geschlossene Freundschaften, die das Weitermachen ermöglichen. Neben all der Tragik wird sehr einfühlsam beschrieben, mit welchen Taktiken die Krankenschwestern, Ärzte und Soldaten lernen, mit diesen Situationen umzugehen und ihre Aufmerksamkeit auf die positiven Seiten zu lenken.
Und mit denselben Gespür für feine Nuancen wird auch ihre Heimkehr und die damit verbundenen Schwierigkeiten beschrieben. Der Kampf wieder in einem Leben in der normalen Welt zu bestehen, in der es immer wieder heißt es gab keinen Frauen in Vietnam. Ich habe jede Seite des Werks geliebt und konnte mich dank des wunderbaren Schreibstils sehr gut in Frankie und ihre Beweggründe hineinversetzen. Sie und ihre Freundinnen Barb und Ethel sind mir sehr ans Herz gewachsen. Eine, wie ich finde, sehr lesenswerte Geschichte über starke Frauen, welche viel zu oft übersehen werden.
Trifft absolut nicht meinen Geschmack
Der Ire von Peter Mann
Der Ansatz ist spannend und ungewöhnlich, eine Geschichte über einen Doppelagenten aus zwei Perspektiven zu erzählen. Zwei verschiedene Sichtweisen auf ein Leben. Auch das Cover finde ich geheimnisvoll und ansprechend. Allerdings empfinde ich den Schreibstil als sehr gewöhnungsbedürftig, langatmig und ausschweifend.
Weshalb ich mir beim Lesen oft denke: komm auf den Punkt. Erst gegen Ende nimmt die Erzählung etwas Fahrt auf, bleibt dennoch langatmig. Vor allem die Tagebucheinträge von Herrn de Groot sind teilweise eher langweilig. Dagegen passiert in den Schilderungen von Finn McCool schon mehr, allerdings oft auf eine abstoßende Art und Weise. Weiters war ich zunehmend von den immer wiederkehrenden sexuellen Anspielungen genervt, kaum ein Kapitel kommt ohne aus. Die beiden Hauptfigur bleiben mir auch fremd und ich finde sie nicht geheimnisvoll, interessant oder verwegen - von Sympathien gar nicht zu reden, wobei dies meiner Ansicht vom Autor durchaus gewollt ist. Darüber hinaus hätte ich mir eine Namensliste gewünscht, um mich besser orientieren zu können, welche Personen unter welchem Alterego agieren. Dennoch ist zumindest die düstere Stimmung dieser Zeit gut getroffen und dieser Spionagethriller wird seine Leser/-innen finden. Ich gehöre nicht dazu.
Verwegen, durchtrieben auf zwei Zeitebenen.
All das Böse, das wir tun von Sandrone Dazieri
'All das Böse, das wir tun' beginnt fulminant. Die 17-jährige Amala wird entführt und ihre Tante, die Rechtsanwältin Francesca Cavalcante, versucht über alte Fälle eine Verbindung zu finden. Einige Kapitel gehen auch auf die Entführung und die Taten des 'Monsters' ein. 30 Jahre zuvor erfahren wir mehr über die Polizeiarbeit rund um die Entführungsfälle von jungen Frauen.
Gleich nach wenigen Seiten stelle ich mir die Fragen: Wer ist Gerry und wie passt er in diese Geschichte? Was sind die Hintergründe des Monsters? Was ist vor 30 Jahren wirklich passiert?
Während des Lesens bin ich durchgehend gefesselt und gespannt, wie es weiter geht. Es werden immer neue Handlungsstränge aufgeworfen, welche gekonnt miteinander verwebt sind. Von den gut 500 Seiten ist keine zu viel, die Spannung bleibt bis zur letzten Seite aufrecht. Sobald sich ein Rätsel löst, werden neue aufgeworfen, ohne konstruiert oder erzwungen zu wirken. Wirklich großartig.
Einziger Kritikpunkt: die fehlende Kapitelunterteilung in den Großkapiteln von vor 30 Jahren.
Ein ungewöhnliches Thema, leider ermüdend interpretiert
Anna O. von Matthew Blake
Ich bin von der ersten Seite weg von 'Anna O' gefesselt und werde in die Geschichte gezogen. Ich kann das Buch kaum zur Seite legen. Was ist in der Nacht des 30. August auf der Farm tatsächlich passiert? Wieso schläft Anna O seit dem? Schafft es Ben Prince sie aufzuwecken?
Leider nimmt dieser Enthusiasmus im Verlauf des Buchs zunehmend ab.
Zwischenzeit habe ich das Gefühl seitenweise Nebenerzählungen zu lesen, welche kaum mit dem Fall zu tun haben. Auch wenn es durchaus auch wieder spannende Elemente gibt, zieht sich das Werk gegen Ende wie ein Kaugummi. Ich werde das Gefühl nicht los, um den heißen Brei herum zu lesen. Auch das Ende finde ich irgendwie unbefriedigend und bleibe mit einem enttäuschten Gefühl zurück. Für mich wurde der sehr außergewöhnliche Ansatz leider nicht überzeugend umgesetzt. Denn dem Thema, ob man schlafend morden kann, wurde meines Erachtens zu wenig Diskussionsraum gegeben. Sehr schade, vor allem nach diesen wirklich starken Beginn.
Veränderungen, Verlust und ihre Auswirkungen
Ich komme nicht zurück von Rasha Khayat
In 'Ich komme nicht zurück' erfahren wir einiges über die Freundschaft von Hannah, Cem und Zeyna. Die drei habe ihre Kindheit und Jugend miteinander verbracht. Leider kam es zwischen Hannah und Zeyna im Laufe der Zeit zu einem Bruch in der Freundschaft. Nun sitzt Hannah während der Corona-Pandemie allein in der Wohnung ihrer verstorbenen Großeltern und als Leserin kann ich ihre Einsamkeit spüren.
Auch die Trauer über den Verlust ihrer Großmutter wird sehr einfühlsam dargestellt. Durch all dies wird Hannah bewußt wie sehr sie ihre Freundin von damals vermisst. Dennoch werden wir Leser/innen auch daran erinnert, dass das Leben nunmal Veränderung bedeutet und nach schweren Schicksalsschläge und Verlusten weitergeht.
Die Geschichte ist in einer gefühlvollen und warmherzigen Sprache geschrieben und obwohl sie über weite Teile sehr traurig ist, ist sie nie schwermütig. Ich wurde zum Nachdenken angeregt und spüre die Worte nach.
Solide
Tode, die wir sterben von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson
Das Ermittlerteam Svea Karhuu und Jon Nordh werden nach dem Mord am 13-jährigen Rashid zu einem Team. Svea Karhuu wurde nach Malmö strafversetzt, nachdem es in Stockholm einige Probleme gab. Jon Nordh hatte sich nach dem Tod seiner Frau eine Auszeit genommen. Neben dem Aufarbeiten der privaten Probleme, geht es nun darum den Fall möglichst schnell zu klären, damit sich beide Ermittler rehabilitieren.
Der Kriminalroman ist meines Erachtens sehr solide. Man lernt das Ermittlerteam mit Schwächen und Stärken kennen, welche durchaus meine Sympathien erhalten. Begleitet die Ermittlungen und die fortschreitenden Erkenntnisse sowie klassische Probleme mit diesen. Der Spannungsbogen ist gekonnt gesetzt und wird gut durchgehalten. Darüber hinaus werden wichtige gesellschaftliche Problembereiche angesprochen. In Summe würde ich 'Tode, die wir sterben' als gut gemachten Krimi bezeichnen, welcher mich allerdings nicht voll in seinen Bann ziehen konnte.











