Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Michaela:
Gewaltig
Asa von Zoran Drvenkar
Asa ist auf Rachefeldzug, aber nicht nur dieser beschäftigt uns auf den nächsten fast 700 Seiten. Auch ihre Familiengeschichte wird mit Höhen und Tiefen dem Leser bzw. Der Leserin nähergebracht.
Der ungewöhnliche Schreibstil schafft es von Beginn an, mich durch die Seiten fliegen zu lassen. Dennoch habe ich mir stellenweise mit der Darstellung der wörtlichen Rede schwergetan, ebenso aus welcher Perspektive die Geschichte nun erzählt wird.
Nachdem ich mich daran gewöhnt habe, kann ich das Buch kaum aus den Händen legen. Ich möchte wissen, was die Familie Kolbert antreibt, wieso sie so agiert, wie sie agiert. Was hat Asa dazu bewegt, auf Rachefeldzug zu gehen? Die Spannung steigt mit fast jeder Seite und ich bin überrascht, welche Zusammenhänge zutage treten. Ein wirklich sehr klug konstruierter Thriller, aber nicht nur das: auch eine spannende Familiensaga und dies mit einer außerordentlich Wortgewalt erzählt. Von mir eine klare Leseempfehlung!
Was ist mit Matti geschehen?
Die Farbe des Schattens von Susanne Tägder
In einer Plattenbau-Siedlung verschwindet der 11-jährige Matti quasi spurlos. Hauptkommissar Arno Groth übernimmt den Fall und weiß: Spurlos gibt es nicht, man hat die Spur nur noch nicht gefunden. Daher startet er ein groß angelegte Suchaktion.
Der zweite Teil der Arno Groth Reihe hat mich wesentlich mehr in den Bann gezogen als Band eins.
Ich wollte wissen, wie es weitergeht und konnte das Buch teilweise nur schwer aus der Hand legen.
Das ruhige Tempo von 'Die Farben des Schattens' erzeugt eine gute Stimmung, welche mir sehr gut gefällt. Die Atmosphäre der mitunter prekären Lebenswelten wird gut dargestellt und ich konnte mir die Situationen sehr gut vorstellen, auch wenn manches etwas klischeehaft anmutet. Die Weiterentwicklung von Herrn Groth finde ich auch sehr gelungen, sowie den Umstand, dass sein privates Unglück weniger Raum einnimmt. In Summe ein lesenswerter Kriminalroman.
Melodisch und poetisch
Die Geschichte des Klangs von Ben Shattuck
In 'Die Geschichte des Klangs' erzählt Ben Shattuck in einer wahnsinnig ruhigen, melodischen und poetischen Sprache von der Liebe zwischen Lionel und David, welche nur einen Sommer währt und von Anni und Henry, welche Jahre später beim Entrümpeln auf die Wachszylinder stoßen, die in diesem Sommer voller Liebe entstanden sind.
Ein Werk, welches auf wenigen Seiten tiefe Einblicke gibt, viel sagt, zum Nachdenken anregt und einfach schön ist. Ich bin eingetaucht und habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und war fast ein bisschen traurig, dass ich Lionel und Anni nicht noch weiter begleiten darf. Dennoch ist das Erzählte rund, mit viel Tiefgang ohne unnötige Ausschweifungen. Ein sehr starkes Buch, welches nachwirkt und durchaus die Frage aufwirft, was wäre, wenn man an dem ein oder anderen Punkt im Leben anders entschieden hätte.
Unterhaltsame Urlaubslektüre
Der dunkle Sommer von Vera Buck
Tilda will in die Einsamkeit entfliehen und kauft in einem verlassenen Dorf auf Sardinien ein Haus um einen Euro. Was sie nicht weiß, in diesem Dorf ist vor ca. 40 Jahren etwas Schreckliches passiert. Der angenehme Schreibstil von Vera Buck lässt mich schnell in die Geschichte kommen und ich bin gespannt, wie die Geschichten von Tilda, Enzo und Franca zusammenspielen.
Vor allem Francas Geschichte in der Vergangenheit zieht mich in den Bann. Im Mittelteil jedoch
wünsche ich mir, dass die ersten Verknüpfungen dargestellt werden. Auch habe ich das Gefühl, dass die Geschichte über einige Seiten nur so vor sich hinplätschert. Gegen Ende wird es dann wieder spannender, auch wenn die Auflösung etwas vorhersehbar ist. Daher bin ich etwas hin und her gerissen, habe mich im Großen und Ganzen jedoch gut unterhalten gefühlt und würde 'Der dunkle Sommer' durchaus als Urlaubslektüre empfehlen.
Spannung für den Sommer
Aschesommer von Benjamin Cors
In 'Aschesommer' darf sich die Gruppe 4 um ein weiteres Serienverbrechen kümmern. Über eine Todesanzeige werden die Ermittler an einem eisigen Tatort geführt, wo sie zwei eng umschlungene Leichen finden und dies in brütender Sommerhitze.
Auch die Fortsetzung von Krähentage hat es in sich, wobei ich anfangs Probleme hatte, in die Geschichte einzutauchen, dies mag jedoch eher an mir als an dem Buch liegen.
Auch sind einige Abschnitte etwas vorhersehbar. Ab ca. der Hälfte konnte ich das Buch jedoch nicht mehr aus der Hand legen. Mit jeder Seite baute sich mehr Spannung auf, welche in einem fulminanten Ende gipfelt. Das Ermittlerteam wird näher vorgestellt, wodurch diese mehr Tiefe erhalten und ihr Agieren nachvollziehbarer wird. Generell wird die Atmosphäre sehr gut ausgearbeitet, wodurch sich in Summe ein sehr gut gemachter Thriller ergibt.
Suche nach der Wahrheit
Die unsichtbare Hand von Julie Clark
Olivia Dumont ist eine nach einer unbedachten Aussage in Ungnade gefallene Ghostwriterin. Kurz vor ihrem finanziellen Ruin erhält sie das Angebot für Vincent Taylor, seine Memoiren zu verfassen. Dies ist eine Chance, allerdings kostet es sie einiges an Überwindung, denn Vincent Taylor ist ihr Vater und wird verdächtig, vor fünfzig Jahren seine Geschwister ermordet zu haben.
Der Schreibstil von 'Die unsichtbare Hand' gefällt mir sehr gut, er ist über weite Teile sehr fesseln und die komplizierten Beziehungen werden sehr nachvollziehbar dargestellt. Der Spannungsbogen wird gekonnt langsam aufgebaut und als Leserin bin ich brennend interessiert, was in der Nacht im Sommer 1975 wirklich geschah. Dadurch habe ich in der zweiten Hälfte des Buches eine Ungeduld entwickelt und mir öfters gedacht, jetzt wäre es gut, wenn die Leser und Leserinnen etwas mehr erfahren. Immer wenn ich diesen Punkt erreicht hatte, konnte mich Julie Clarks Geschichte allerdings wieder abholen und in die Geschichte ziehen. Deshalb wäre mein Fazit: ein solider und unterhaltsamer Spannungsroman.
Nett, mit zum Nachdenken anregenden Ende
Teddy von Emily Dunlay
Teddy ist die Tochter einer wohlhabenden texanischen Familie. Ihr Onkel ist Senator mit Ambitionen, der nächste US-Präsident zu werden. Knapp vor ihren 35. Geburtstag findet Teddy mit David einen Ehemann, welcher in Rom für den diplomatischen Dienst arbeitet. Am Beginn erfahren wir, von welchem Leben Teddy in Rom träumt - mit viel Glamour, Stil und Partys.
Nach einigen Anfangsschwierigkeiten funktioniert dies auch gut. Beim Lesen konnte ich mich gut in die Zeit versetzen und Teddys teilweise naive Vorgehensweise durchaus nachvollziehen. Ihren Mann David konnte ich von Beginn nicht leiden und fand ihn unmöglich und sehr toxisch. Allerdings sind wir Ende der 1960er-Jahre, wo sein Verhalten wohl nicht gänzlich ungewöhnlich ist. Mit der Zeit entwickelt sich die Geschichte eines Skandals und zunehmend finde ich Teddys Verhalten sehr fragwürdig und selbstzerstörerisch. Auch nimmt für mich die Spannung zunehmend ab und irgendwie ist das letzte Drittel recht langwierig, um dann sehr abrupt zu enden und im Epilog noch zum Nachdenken anzuregen. Ganz konnte mich Teddy also nicht überzeugen, dennoch würde ich das Lesen nicht als verschwendete Zeit erachten.
Wirkt nach
Dunkle Momente von Elisa Hoven
'Dunkle Momente' hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Nach 30 Jahren als Strafverteidigerin beschließt Eva Herberger ihre Anwaltslizenz zurück zulegen. Wie es dazu kommt, wird in neun verschiedenen Fällen erzählt, welche ihre Sicht auf Schuld und Unschuld beeinflussen und verändern. Jeder Fall lässt mich mit meinen eigenen Überlegungen und Gedanken zurück.
Wie würde ich die Situation beurteilen? Was bedeutet Schuld, ein Schuldspruch oder ein Freispruch für die betroffenen Personen? Und kann ich das Handeln der Strafverteidigerin oder auch der Täter und Opfer nachvollziehen oder lässt es mich ratlos zurück?
'Dunkle Momente' ist hierbei in einer bewegenden und klaren Sprache geschrieben, welche mich ganz in den Bann zieht. Spannend und zum Nachdenken anregend, was heißt Recht und Gerechtigkeit. Lesen und selbst entscheiden, lautet mein Urteil.
Einfach schön und lesenswert!
Das Licht in den Wellen von Janne Mommsen
'Das Licht in den Wellen' erzählt das bewegte Leben von Inge, welche als junge Frau von Föhr nach New York auswandert, um dort ihr Glück zu suchen. Umrahmt wird dies von einer Schiffsreise nach New York, welche die fast 100-jährige Inge mit ihrer Urenkelin Swantje unternimmt, um all die Orte aus ihrer Zeit in New York nochmals zu besuchen.
Janne Mommsen beschreibt das Leben von Inge in einer melodischen, bildhaften und einfühlsamen Sprache. Die Atmosphäre ist richtig spürbar. Ich fühle Inges Ängste und Traurigkeit zum Beispiel bei der Abreise aus Föhr, ihre teilweise Überforderung in der ersten Zeit in New York, ihr Heimweh und freue mich über ihr Glück und ihren Erfolg. Ein wahrer Wohlfühl-Roman, welcher mich als Leserin mit einem guten Gefühl zurücklässt. Ich kann nur sagen, dass ich die Geschichte von Inge geliebt habe. Daher eine absolute Leseempfehlung von meiner Seite.
Leider nicht mein Buch
Der ewige Tanz von Steffen Schroeder
Der ewige Tanz erzählt die Geschichte und das Leben von Anita Berber. Eine Persönlichkeit, deren Leben der Tanz ist, mit einem aufregenden Leben, hingebungsvollen Liebschaften und entsprechenden Skandalen.
Ich habe die Kurzbeschreibung gelesen und dachte mir: Das wird ein Buch für mich - aufregend, schillernd mit einer schönen, eigensinnigen und undurchschaubaren Protagonisten.
Leider war dem nicht so, ich komme nicht so richtig in die Geschichte, muss mich teilweise sogar zum Weiterlesen zwingen. Mir bleibt Anita Berber fremd und ich kann keine Beziehung zu ihr aufbauen. Es entsteht keine Faszination für ihr Leben, kein Mitfiebern, wie sich die eine oder andere Episode entwickelt, was ihr als nächstes einfällt oder welche Wendungen ihr Leben nimmt. Ich habe öfters auch das Gefühl, das Geschichten enden ohne auserzählt zu sein, Personen tauchen auf und spielen plötzlich keine Rolle mehr.
Schade nicht mein Buch.











