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Rezensionen von gelesengelauschtgemacht:
Das Beste am Buch ist Dickens Ausgangsgeschichte
Golden Darkness. Stadt aus Licht & Schatten von Brennan Sarah Rees
Das Buch ist im englischen Original als „Tell the Wind and Fire“ bereits 2016 erschienen. Die deutschsprachige Erstausgabe des Romans „Golden Darkness – Stadt aus Licht & Schatten“ erschien am 1. April 2019 als Hardcover mit wunderschönem Einband im Ravensburgerverlag.
Worum geht es?
Gehandelt wird das Buch als dystopischer Jugendromantasyroman um die Lichtmagiern Lucie und Ethan, der zur Elite der Lichtstadt gehört.
Wäre da nicht auch Carwyn, ein Dunkelmagier und Doppelgänger von Ethan, der scheinbar personifizierte Ärger.
Meine Meinung:
Im Nachwort gibt die Autorin an, dass es sich um eine Adaption von Dickens „Eine Geschichte aus zwei Städten“ handelt. Wer das Buch gelesen hat, erkennt jetzt vieles wieder, vor allem die Kernmotive. Diese machen jedoch die komplette Geschichte aus, wodurch sich für mich die Bewertung des Buches nochmals verschlechtert.
Spannend zu lesen war die Geschichte um die Dreiecksbeziehung von Lucie, Crawyn und Ethan. Die Einbettung in eine futuristische Zukunft, die nur bruchstückhaft erklärt wird, und zwei rivalisierende Gruppen, deren Motive bis zum Schluss im Verborgenen liegen, bringt die Rahmenhandlung auf kein neues Niveau sondern stiftet meiner Meinung nach nur Verwirrung. Hier hätte es viel Potential gegeben, das verschenkt wurde.
Die Geschichte um Lucie ist wahnsinnig tragisch und wird gut erzählt. Allerdings wird die „Ich“-Perspektive aus Lucies Erzählung immer wieder durch Kommentare von ihr ergänzt, so dass ich am Beginn dadurch direkte Reden als störend empfunden habe. Mir wäre es lieber gewesen, die Geschichte unkommentiert aus Lucies Sicht zu lesen. Bei der fremden Welt hätte ich trotzdem einen allwissenden Erzähler präferiert, der auch über die Funktionsweise der Magie, das politische System, den Alltag der Menschen in beiden Ländern mehr Hintergrundinformation gibt.
Das erste Drittel des Buches dient der Einleitung und das Lesen hat sich gefühlt ewig gezogen und ich musste mich phasenweise zwingen, das Buch weiterzulesen. Da ich das Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe, habe ich mich zum Weiterlesen gezwungen, ansonsten hätte ich nach Seite 100 wahrscheinlich abgebrochen, was im Nachhinein kein Fehler gewesen wäre. Wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht überzeugt ist, wird auch danach kaum noch mitzureißen sein. Bis zum Schluss habe ich nicht verstanden, wie die Welt genau funktioniert und auch von der Widerstandsbewegung habe ich wenig Inhaltliches mitbekommen und auch kaum was über deren Organisationsform.
Fazit: Wenig Innovation, Verwirrung, lieber das Original von Dickens lesen. Da lernt man nebenbei auch Geschichte.
Spannend geschrieben, liebevoll illustriert
Golden Darkness. Stadt aus Licht & Schatten von Brennan Sarah Rees
„Argos von Arassis“ ist im August 2018 als dünnes und kleines Hardcoverbuch im familia Verlag erschienen. Es kann entweder alleine, als Auftakt oder als Ergänzung zur Arassis-Trilogie gelesen werden. Ich habe dieses Buch gemeinsam mit meinem 6-Jährigen gelesen, wir kennen die Arassis – Trilogie nicht.
Worum geht es?
Argos ist der Hund eines Zauberers und kann etwas ganz Besonderes: sprechen! Seine große Leidenschaft ist Menschenessen, das beim Feriencamp, in dem er wohnt, auch reichlich zur Verfügung steht. Im Rahmen eines Wettbewerbs gewinnt eine Campteilnehmerin bei der Kinderolympiade einen magischen Pokal, der drei Wünsche erfüllt –und der über Nacht verschwindet, große Schwierigkeiten sind vorprogrammiert!
Meine Meinung zum Buch
Ganz toll und detailliert sind die kapitelweise angefertigten Zeichnungen in s/w von Argos. Durch die farbige Darstellung des Hundes auf dem Deckblatt ist es leicht, sich auch die übrigen Bilder in Farben vorzustellen. Meinem Sohn haben die Bilder geholfen, das Kapitel jeweils abzurunden.
Die Schrift ist eher klein und daher zum Selberlesen erst für Kinder ab der 3. Schulstufe geeignet. Als Vorlesebuch finde ich das Buch ab dem letzten Kindergartenjahr bzw. der Vorschulstufe toll, denn die Kapitel sind etwas länger und brauchen daher auch bereits eine entsprechende Aufmerksamkeitsspanne.
Häufig sind Kinderbücher für die vorlesenden oder mitlesenden Erwachsenen nicht besonders spannend – das trifft auf dieses Buch überhaupt nicht zu! Zwar konnte sich mein Sohn, der sehr gerne nascht (das aber wegen seiner heftigen Reaktion auf Zucker nur sehr wenig darf), voll und ganz mit Argos identifizieren und hat mit ihm mitgefiebert, wohingegen mir die Identifikationsfigur im Buch gefehlt hat. Das hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan, denn ich fand die Geschichte nicht übertrieben vorhersehbar, sie hat die eine oder andere spannende Wendung auch für mich bereitgehalten.
Die magische Welt passt hervorragend für Kinder bis zur Pubertät, ganz besonders, weil sie sich mit der realen Welt ergänzt. Das Kinderbild ist modern gehalten, kommt aber trotzdem ohne technischen Schnickschnack aus, so dass Sport, Freundschaft und Abenteuer im Buch stehen.
Die anderen Bücher aus der Arassis-Reihe möchte der Junior in absehbarer Zeit nicht lesen, eine weitere Geschichte um Argos wünscht er sich jedoch sehr und würde sich über eine Fortsetzung freuen.
Fazit: Toll geschriebenes und liebevoll illustriertes Buch, das Kinder und Eltern gleichermaßen anspricht.
Kann denn Lesen Sünde sein?
Saligia von Swantje Oppermann
„SALIGIA – Spiel der Todsünden“ von Swantje Oppermann erscheint Mitte Februar 2019 im Beltz Verlag und wird unter Jugendliteratur gelistet. Meine persönliche Empfehlung wären Jugendliche ab frühestens 13 Jahren, durch die Thematik sind sowohl sexuelle Handlungen wie auch Gewaltszenen im Buch zu finden.
Worum geht es?
Keira ist immer wütend und Außenseiterin an ihrer Schule. Doch ihre Wut erfasst nicht nur sie selbst, sie hat das Gefühl, dass sie ihre Wut auf ihre Mitmenschen übertragen kann, wodurch es dann zu Gewaltausbrüchen um sie herum kommt. Von einem geheimnisvollen Fremden erfährt sie, dass es noch mehr Menschen gibt wie sie: SALIGIA, die eine Todsünde verkörpern und entsprechende Fähigkeiten haben. Die Abkürzung SALIGIA steht für die sieben Todsünden Hochmut (Superbia), Habgier (Avaritia), Lust (Luxuria), Zorn (Ira), Völlerei (Gula), Neid (Invidia), Trägheit (Acedia). Keira kommt dadurch in ein Internat, das ausschließlich Saligia vorbehalten ist, und soll dort lernen, ihre Gabe zu kontrollieren.
Meine Meinung
Das Buch ist sprachlich sehr fesselnd geschrieben und die Seiten fliegen nur so dahin. Die Dialoge und Gespräche im Buch lassen die Leserin schnelle Einblicke in das Seelenleben der einzelnen Charaktere werfen, auch ich hatte schnell ein Bild von den einzelnen Personen vor Augen, das ich während des Lesens nicht korrigieren musste.
Die Idee der unterschiedlich farbigen Kleidung in der Schule finde ich gut, da für die Erwachsenen sofort die Gruppenzusammensetzung klar wird. Ebenso finde ich das Zimmerkonzept sehr spannend –die Räume müssen ja riesig sein, um so viele Personen zum Lernen, Schlafen und mit ihren persönlichen Gegenständen zu beherbergen.
Die Handlung fand ich durchweg spannend. Einerseits das Erwachen von Keiras Gabe, andererseits das ungeklärte Verschwinden einer Schülerin und dann auch noch den Luxuria Taran, der Keira schöne Augen macht – meint er es ernst mit ihr oder ist es nur durch seine Gabe bedingt, dass er ihr gerne näher kommen würde?
Sowohl das Cover wie auch das Buchkonzept finde ich genial und hoffe, dass es sich nicht um einen Einzelband sondern um eine mehrteilige Reihe handelt, leider kann ich hierzu nirgendwo Informationen finden.
Fazit: Ein etwas anderer Fantasy-Jugendroman, der mich voll und ganz begeistert.
Originieller Einstieg, gelungener Serienauftakt
Bad Bachelor von Stefanie London
„Bad Bachelor“ ist der Serienauftakt der Reihe von Stefanie London, die ausschließlich aus E-Book in der deutschsprachigen Übersetzung erscheinen werden. Derzeit sind drei Bände erschienen, der Folgeband „Bad Boss“ wird ab April 2019 erhältlich sein.
Worum geht es?
Darcy, die vor einem Jahr verlassen wurde, wird von ihren Freundinnen auf eine Single-Männer-Bewertungsapp aufmerksam gemacht.
Zum Spaß sieht sie sich diverse Profile an – so auch jene, vom attraktiven PR-Manager Reed, mit dem sie für die Bücherei, in der sie arbeitet, eine Spendengala organisieren soll. Laut App handelt es sich hier um einen herzlosen Playboy, der die Frauen nach Strich und Faden manipuliert, um sie ins Bett zu bekommen. Trotzdem geht er ihr nicht mehr aus dem Kopf.
Meine Meinung
Mit Darcy und ihren Freundinnen sind ungewöhnliche Frauen in der Hauptrolle. Darcy als Gothic-Bibliothekarin gefällt mir sehr gut, ich glaube, so einen Charakter hatte ich noch nie als weibliche Hauptperson. Sie hadert mit dem Schicksal, da ihr Freund sie mit dem Trauzeugen betrogen hat, ihre Mutter möchte sie endlich unter der Haube sehen und auch ihre Freundinnen reden ihr zu, endlich wieder auszugehen. Auf der einen Seite ist sie sehr schlagfertig, auf der anderen Seite jedoch sehr verletzlich.
Reed McMahon ist einer der Top-PR-Agenten. Egal, was seine Klienten auf dem Kerbholz haben, Reed rückt das öffentliche Bild wieder gerade. Doch die schlechten Bewertungen auf der immer populärer werdenden App haben berufliche Konsequenzen, denn niemand will einen PR-Berater, der sein eigenes Image nicht voll und ganz im Griff hat.
Der Schreibstil selbst passt gut zu einem erotischen Roman, die Sprache ist sehr bildlich und bei den Dialogen müsste ich öfters Schmunzeln. Auch der Einstieg in die Geschichte ist herrlich unkonventionell, so dass ich sofort mit voller Konzentration die ersten Seiten gelesen habe und dabei in der Handlung versunken bin. Ich konnte das Buch dann auch nicht mehr aus der Hand legen und habe in einem Rutsch durchgelesen.
Die Entwicklung der beiden Protagonisten zu beobachten hat mir viel Freude gemacht und auch die heißen Szenen kamen nicht zu kurz. Einige Wendungen waren für mich überraschend, manche Dinge jedoch auch herrlich vorhersehbar, so dass ich beim Lesen voll und ganz auf meine Kosten gekommen bin.
Nachdem es sich um einen Roman aus dem erotischen Bereich handelt, finde ich es in Ordnung, dass die juristische Seite der App nicht überstrapaziert wurde, denn ihren Zweck als Aufhänger der Serie erfüllt sie voll und ganz.
Fazit: Ich freue mich schon darauf, wenn die anderen Romane erschienen und möchte auch den Rest der Serie unbedingt lesen.
Zu abgedreht in der zweiten Buchhälfte
Bad Bachelor von Stefanie London
„Bad Boy by Banana. Zwischen uns die Zeit“ ist der Auftakt einer Reihe um den Steuerberater Tom Sandmann. Das Buch ist im Selbstverlag als E-Book von Alva Furisto erschienen.
Worum geht es?
Tom Sandmann ist in seinen späten 40ern und irgendwo zwischen Burnout und Midlifecrisis gefangen, als ihn sein Geschäftspartner Richard auf einen „Back to the roots“ Erholungsurlaub nach Finnland in eine einsame Hütte schickt – für vier Wochen.
Unerwartet ist Tom jedoch nicht allein, sondern teilt sich mit der jungen und äußerst attraktiven Nancy, genannt „die Bärin“ die Hütte.
Meine Meinung
Den Beginn des Buches, der auch im Klappentext zu finden ist, fand ich extrem witzig geschrieben. Die Leseprobe hatte mich überzeugt: ich wollte beim Buch unbedingt weiterlesen. Die Sprache des Buches ist unkonventionell und ungewohnt, hier finden sich sehr viele Kraftausdrücke. Wer sich daran stört, sollte lieber nicht zu dem Buch greifen. Für mich hat das jedoch gut zum Protagonisten gepasst.
In der ersten Hälfte des Buches lernt man viele tolle Leute kennen, von denen jeder einen Spitznamen von Tom erhält. Seine Verflossenen und aktuellen „Betthäschen“ bekommen alle Vogelnamen, in Finnland hat er „die Bärin“ kennengelernt und zusammen arbeitet er mit der eloquenten und hochprofessionellen Sophia Gomez, der „Senora“.
Ich konnte mir, trotz geringer Beschreibung, die Personen und Orte gut vorstellen und musste mein Bild nicht korrigieren.
Zu abgedreht wurde es mir dann in der zweiten Hälfte. Das plötzliche Auftauchen der Exfreundin, das Thema Pflege, das hier sehr lieblos abgehandelt wird, sehr unprofessionelle psychologische Betreuung, zu viel esoterisch/mystische Handlungselemente und Personen, die mit der Handlung dann gar nichts mehr zu tun haben und trotzdem eingeführt werden – bei 300 Seien Text.
Mühsam zum Lesen fand ich auch die Schriftart – Schreibmaschinenschrift lässt sich auf meinem Tablet nicht gut darstellen, so dass ich entweder sehr oft umblättern musste oder Mühe beim Lesen hatte, weil der Weißanteil der Schrift sehr groß ist.
Fazit: Weniger ist oft mehr. Mir wäre es lieber gewesen, die Handlungen aus der ersten Buchhälfte wären ordentlich und ohne die ganzen Übertreibungen, die danach kamen, zusammengeführt worden. Was soll da in Folgebänden noch über den Protagonisten kommen?
Auch gut als Einstieg in die Reihe lesbar
Bad Bachelor von Stefanie London
„Cole & Autumn – A San Francisco College Romance“ ist der zweite von drei voneinander unabhängig lesbaren Bänden der Serie von Chistiane Bößel, die derzeit als E-Books vom Forever by Ullstein Verlag erhältlich sind. Die Covergestaltung weist bereits darauf hin, dass es sich um einen Frauenroman handelt – es ist keine reine Liebesgeschichte, denn auch einige erotische Szenen sind eingearbeitet.
Wer sich daran also stört, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen. Der Wiedererkennungswert der Cover dieser Serie ist gegeben, auch wenn es bei mir selbst der Einstieg in die Serie war und ich den Vorgängerband daher nicht gelesen habe.
Worum geht es?
Im Rahmen dieser drei Bände verlieben sich drei Mitbewohner der Jungs-WG in ihre Traumfrauen. Diesmal ist Cole, der Footballer, an der Reihe, der häufig bedeutungslosen Sex mit jungen Frauen hat, denen aber vorher kommuniziert, dass er an mehr im Moment nicht interessiert ist. Das krasse Gegenteil dazu ist Autumn, die von Männern, bisher alle Sportler, stets betrogen wurde. Durch einen damals lebensbedrohlichen Unfall hat Autumn halbseitige Verbrennungen mit Narben davongetragen und fühlt sich daher unattraktiv oder „mangelhaft“, wie sie selbst und Neiderinnen sowie fiese Exfreunde bezeichnen, die nie an der jungen Frau als Menschen sondern nur als Bettgefährtin interessiert waren.
Meine Meinung
Cole und Autumn sind tolle und vielschichte Protagonisten, die die Handlung abwechselnd aus der Ich-Perspektive erzählen. Der Schreibstil ist sehr anschaulich, wodurch mein Kopfkino schon nach wenigen Seiten angesprungen ist und ich das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen habe, weil ich am Ende jedes Kapitels unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.
Cole und Autumn verhalten sich durch die ganze Handlung hinweg authentisch. Am besten hat es mir gefallen, die Familien der beiden kennenzulernen, mehr über ihre Geschichte und ihre Dämonen zu erfahren, mit denen sie nach wie vor fertig werden müssen. Das hat die erotische Liebesgeschichte für mich abgerundet.
Autumn hat sich auch nicht, wie in anderen Romanen üblich, künstlich geziert. Ihr Misstrauen gegenüber Männern im Allgemeinen und Sportlern im Speziellen war total nachvollziehbar, vor allem, wo sie vom Oberflittlichen, das sich an Cole immer wieder rangemacht hat, stetig zu hören bekommt, dass sie selbst mangelhaft und damit nicht liebenswert genug wäre.
Mein Lieblingscharakter in dem Buch ist Autums verantwortungsvoller Bruder, der als Tierarzt arbeitet und zu dem sie eine ganz besonders innige Beziehung zu haben scheint. Es hat mir große Freue gemacht, Autumn nach ihrer Rückkehr vom Orientierungsjahr zu begleiten und die Welt durch ihre Augen zu sehen. Coles Sichtweise war für mich nicht weniger interessant, denn dadurch wurde auch die zweite Seite der Liebesgeschichte erfahrbar.
Fazit: Ein großartig geschriebener Liebesroman mit Erotik, ich freue mich bereits darauf, auch die anderen Bände der Reihe zu lesen.
Nicht für jüngere Jugendliche geeignet
Dance. Love. Learn. Repeat. von Lucy Ivison Tom Ellen Tom Ellen
„Dance. Love. Learn. Repeat.“ Ist das erste Buch, das ich von dem Autorenduo Tom Ellen und Lucy Ivison gelesen habe. Das Buch „Never Evers“ habe ich nicht gelesen und bisher auch noch nichts davon gehört. Umso gespannter war ich, was sich hinter der Neuerscheinung aus dem Chicken House Verlag verbirgt.
Obwohl die bunte Aufmachung in glitzernder Neonoptik meiner Meinung nach am ehesten eine Zielgruppe von Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren anspricht, ist das empfohlene Alter des Verlages bei 16 Jahren. Nach der Lektüre schließe ich mich hier an – für Jugendliche unter 14 Jahren ist der Inhalt des Buches wegen der zahlreichen sexuellen Handlungen und Alkoholexzesse, sowie dem gedankenlosen Drogenkonsum auf gar keinen Fall geeignet.
Worum geht es?
Luke und Phoebe waren gemeinsam auf einer Schule und studieren jetzt gemeinsam an der gleichen Uni. Phoebe ist Luke nie so richtig aufgefallen, Luke ihr hingegen sehr. Seit Jahren schwärmt Phoebe von Luke und hat sich gemeinsame Zeit schon in den schillerndsten Farben ausgemalt.
Auf einer Party in der ersten Woche kommen sich die beiden näher, als eine gemeinsame neue Bekanntschaft den Weg ins Wohnheim alleine nicht mehr schafft. Der Luke aus der Realität scheint noch besser zu sein als die Person, die sich Phoebe in ihren Fantasien zusammengeträumt hat – bis sich Luke scheinbar nicht mehr meldet – und ist er außerdem nicht noch immer mit dem tollen Mädchen aus der Schulzeit zusammen?
Meine Meinung zu dem Buch
Der Schreibstil ist für ein YA – Buch fast schon zu einfach gehalten, für ein Jugendbuch empfinde ich die kurzen Sätze und vielen direkten Reden als sinnvoll. Auch die abwechselnde Kapitelerzählweise geben dem Buch mehr Tiefe, da man sich in beide Seiten, Luke und Phoebe, sehr gut hineinversetzen kann.
Wovon man als Leserin jedoch sehr wenig mitbekommt ist der Alltag an der Universität, sowie die Motivation von Luke und Phoebe, sich gemeinsame Seminare durch ähnliche Studienrichtungen auszusuchen. Für mich bleibt ganz besonders Phoebe etwas farblos und auch die Charaktere sind mir zu stereotyp überzeichnet.
Pluspunkte sammeln manche Stellen des Buches, an denen ich lachen musste, da ich mir schon vorstellen kann, dass einige Erstsemestrige in Wohnheimen auf solche (Ernährungs-)Ideen kommen und die im Buch genannten Konflikte heraufberufen.
Einige Abschnitte waren mir zu langatmig und manche Handlungen auch nicht in sich logisch oder stimmig oder haben nicht zu meiner Vorstellung des jeweiligen Charakters gepasst, so dass ich mein Bild während des Lesens häufig korrigieren musste.
Ebenso kamen ganz viele Personen in dem Buch vor, die nur Nebencharaktere blieben. In der Summe waren es für mich zu viele, da zum Zeitpunkt des ersten Auftretens nicht klar war, wer in weiterer Folge für die Handlung wichtig sein wird.
Ich weiß auch nicht, welche zusätzliche Dimension die sehr offene sexuelle Haltung (gerade im englischsprachigen Bereich) und der unreflektierte Alkohol- und Drogenkonsum im Buch der Handlung verleihen sollen, ich empfand das eher als störend, weil sich dadurch die Zielgruppe der Leser*innen drastisch verkleinert.
Fazit: Weniger Ausschweifungen und dafür mehr Tiefe und Hintergrundinformation zu Luke und Phoebe wären mir lieber gewesen.
Ein Buch ohne Ecken und Kanten
The One Best Man von Piper Rayne
„The one best man“ ist der Auftaktband einer neuen E-Book Serie des Autorinnenduos Piper Rayne. Das Buch ist ursprünglich auf Englisch erschienen und seit Anfang November im Forever (Ulllstein) Verlag erschienen.
Worum geht es?
In diesem erotischen Liebesroman geht es um Victoria, die mit ihrer kleinen Tochter zu ihrer kranken Mutter nach Chicago gezogen ist.
Zu diesem Zeitpunkt war Victoria frisch geschieden von einem Anwalt, mit dem die Ehe ganz anders war, als sie sich das ursprünglich vorgestellt hat. Als sie ihre Tochter zur Schule bringt, trifft sie Reed,den äußert attraktiven Trauzeugen ihres Mannes, wieder und es beginnt zwischen Victoria und Reed zu knistern.
Meine Meinung zum Buch
Das Cover ist ein wahrer Blickfang, dadurch, dass das Gesicht nicht sichtbar ist, bleibt der Leserin viel Spielraum zum Interpretieren und Träumen. Sowohl Victoria wie auch Reed haben einiges an Geschichte und ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen hinter sich, wodurch es klar ist, dass und warum es zwischen den beiden zu knistern beginnt. Hierbei möchte ich jedoch nicht ins Detail gehen, weil das das Lesevergnügen erheblich schmälern würde.
Was mir gut gefällt ist der lockere und bildhafte Schreibstil des Buches, der der Übersetzerin zu verdanken ist, denn ich war von Beginn weg mitten drin in der Handlung und konnte mir alle Personen und Orte sehr gut vorstellen, die Seiten sind beim Lesen nur so dahin geflogen.
Als negativ bewerte ich, dass sich sämtliche Probleme und Problemchen, die sich sowohl dem Paar wie auch den Einzelpersonen in den Weg gestellt haben, vollständig und ohne größeres Zutun lösen ließen. Auch, wenn es solche Glückspilze im wahren Leben geben mag, erscheint mir das bei den Lebensgeschichten von Victoria und Reed höchst unwahrscheinlich, dass sich sämtliche Schwierigkeiten so mir nichts, dir nichts in Wohlgefallen auflösen.
Dadurch ergibt sich für mich in Summe nur ein durchschnittliches Lesevergnügen, hätte ich mir doch mehr Ecken und Kanten in der Handlung gewünscht Da es bei der Reihe voraussichtlich so weitergehen wird, werde ich die Folgebände nicht lesen.
Fazit: Guter Schreibstil, zu wenig wahre Spannungselemente.
Hervorragender Serienauftakt
Arlo Finch (1). Im Tal des Feuers von August John
„Arlo Finch – im Tal des Feuers“ ist der erste Band der „Arlo - Finch –Reihe“ von John August, der zweite Band wird im August 2019 auf Deutsch erscheinen. Das Buch ist als Hardcover mit hochwertiger Verarbeitung im Arena Verlag erschienen und sieht nach einmaligem Lesen neuwertig aus.
Besonders am Cover ist, dass der Schriftzug erhöht gedruckt ist, die Illustrationen auf der Innenseite des Covers versetzen die Leserin sofort in den Wald bei Pine Mountain.
Dieses Buch ist für Buben und Mädchen gleichermaßen geeignet, ganz besonders wird es Leser_innen ansprechen, die selbst Erfahrung mit Pfadfindern oder ähnlichen Gruppierungen gemacht haben. Ab und zu befinden sich gut gezeichnete ganzseitige Illustrationen im Buch, die die Umgebung, Personen und ganz besonders Fantasiewesen leichter vorstellbar machen.
Am Beginn jedes Covers sind gestickte Aufnäher, die Ranger-Abzeichen darstellen. Im Anhang werden die Abzeichen und die Aufgaben zur Erlangung erklärt, was ebenfalls große Parallelen zu den Pfadfindern hat.
Worum geht es in dem Buch?
Arlo zieht mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester zurück nach Pine Mountain, dem Heimatort seiner Mutter, um bei seinem Onkel zu leben, der besonders ausgefallene ausgestopfte Tiere herstellt um seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Arlo geht, mal wieder, auf eine neue Schule. Eigentlich hat er sich schon damit abgefunden, gar keine Freunde zu suchen, weil seine Familie sehr oft umzieht, doch schnell freundet er sich mit anderen Kindern an. Ständig passieren seltsame Dinge, die sich scheinbar alle außer Arlo erklären können. Seine neuen Freunde Henry und Indira nehmen ihn mit zu den ortsansässigen Rangern, denen Arlo ebenfalls beitritt. Die Long Woods scheinen viele Geheimnisse zu beherbergen, eine Welt, in die Arlo nach und nach hineingezogen wird.
Meine Meinung:
Der Schreibstil macht das Buch besonders lebendig. Kurze Sätze und viele Dialoge lassen die Handlung lebendig werden und Bilder sorgen zusätzlich dafür, sich Fantasiefiguren gut vorstellen zu können.
Arlos Besonderheit und auch sein Verhalten machen ihn zu einem tollen Protagonisten für die Geschichte, auch für Mädchen finden sich viele starke Identifikationsfiguren in diesem Buch.
Die Geschichte ist durchwegs spannend geschrieben, es kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, lässt aber noch viel Handlungsspielraum und weiterführende Erklärungen für weiterführende Teile.
Fazit: Hervorragender Serienauftakt, ich freue mich schon auf den nächsten Band.
Ge(h)nial
Gehen. Weiter gehen von Kagge Erling
Das Buch „Gehen. Weiter gehen – eine Anleitung“ von Erling Kagge ist die deutsche Übersetzung des norwegischen Originaltitels A ga. Ett Skritt om gangen und im Insel-Verlag als Hardcover im Oktober 2018 erschienen. Erling Kagge ist selbst Abenteurer, Weitwanderer und Bergsteiger und schreibt in diesem Buch über seine Leidenschaft, das Gehen.
Inhalt:
Obwohl das Buch als Sachbuch gehandelt wird, sehe ich das Buch eher als philosophisches Werk über das Gehen. Viele Zitate und Studien, die allesamt mit Quellen belegt sind, finden sich in diesem dünnen Buch, das trotz weniger Seiten der umfassend ist.
Meine Meinung:
Der Autor, der selbst als erster sowohl den Nord- und Südpol sowie den Mount Everest begangen hat, weiß definitiv wovon er schreibt. Auch wenn ich selbst passionierte Geherin (und eher den „Wild Urbs“ zuzurechnen bin als den Bergsteigern und Weitwanderern) eher gemütlichere und familientaugliche Touren bevorzuge, so kann ich aus eigener Erfahrung den Reiz des Gehens nachvollziehen und hatte während der gesamten Lektüre das Gefühl, dass mir der Autor direkt aus der Seele schreibt.
In vielen Sprachen, vor allem Sanskrit, worauf auch im Buch eingehend Bezug genommen wird, hat das Wort „gehen“ eine zentrale Bedeutung, die sich auch in der deutschen Sprache wieder findet. „Wie geht es dir?“ ist uns ebenso geläufig wie „etwas durchgehen“, jemanden etwas „angehen“ „umgänglich sein“ und „es geht“ als Synonym für etwas, das funktioniert. Gleichzeitig gehen wir immer weniger, so lange, bis nichts mehr geht und Menschen völlig ausgebrannt zurückbleiben, und nicht mehr „in die Gänge“ kommen.
Angesteckt durch meinen Mann zähle ich mittlerweile, wie viele andere auch, wie viele Schritte ich täglich gehe und bin ähnlich entsetzt wie der Autor. Durchschnittlich bewegen sich Frauen in meinem Alter etwa 4000 Schritte täglich und auch Kinder bewegen sich immer weniger und befinden sich viel öfter in geschlossenen Räumen und vor Bildschirmen, obwohl weithin bekannt ist, dass gerade motorische Erfahrungen eng mit dem kognitiven Lernprozess von Kindern verknüpft ist.
Das Gehen selbst wird von jeder möglichen Facette aus beleuchtet, so dass es „durchgängig“ spannend zu lesen ist.
Fazit: Ein tolles Werk für Menschen, die gerne gehen, und jene, die gerne mehr gehen würden- es geht!








