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Rezensionen von gelesengelauschtgemacht:
Witziges Sachbuch, auch für Laien
Ein Keim kommt selten allein von Egert Markus; Thadeusz Frank
„Ein Keim kommt selten allein“ ist ein witzig anmutendes Sachbuch, das von Markus Egert, einem Mikrobiologen, geschrieben wurde. Da er selbst sowohl in der Forschung wie auch für einen Betrieb gearbeitet hat, hat er den Einblick in zwei Welten. Und nebenbei ist der Autor ein ganz normaler Mensch, mit Familie, Alltag und Hobbies
Worum geht es?
Es geht um das Zusammenleben zwischen Mensch und Mikrobe, die Geschichte, den Jetztstand und mögliche Einsatzgebiete in der Zukunft.
Meine Meinung dazu:
Das Buch ist für ein Mikrobilogiebuch sehr witzig und anschaulich geschrieben. Hier werden zwar Fachausdrücke verwendet, jedoch so gut erklärt, dass sich auch Laien etwas damit anfangen können. Die gewählten Beispiele stammen durchwegs aus dem Alltag, so dass man ganz leicht einen Bezug dazu findet.
Toll finde ich, dass Vergleiche bei reißerischen Schlagzahlen der Medien auch gut pointiert erklärt werden: auch 100x so viel wie so gut wie nichts ist nicht viel.
Mein Lieblingsthema waren die Top -10 der Mikroben, denn hier habe ich einen guten Ansatzpunkt zum Einsatz in Unterricht und Schule – und schaffe es vielleicht, dem einen oder anderen dieses Buch aus unserer Schulbibliothek schmackhaft zu machen, denn es ist überaus unterhaltsam geschrieben.
Spannend ist für mich der Ausblick in die Zukunft – ich freue mich schon, auf „nützliche“ Keime, mit denen ich dann die Arbeitsplatten in der Küche reinige, mir die Hände eincreme oder mir statt Deo in den Achselbereich schmiere, um Geruchsbildung zu vermeiden.
Fazit: Ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt und werde sicher noch weitere Bücher von diesem Autor lesen, denn gerade beim Ausblick und dem Stand der Forschung habe ich dazugelernt.
Mein erstes Buch von dieser Autorin macht Lust auf mehr
Man muss auch mal loslassen können von Monika Bittl
„Man muss auch mal loslassen können“ ist das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe. Das Werk ist als Klappbroschur im Knaur Verlag erschienen. Die Verarbeitung ist hochwertig, das Papier ist angenehm dick und nach einmaligem Lesen sieht das Buch noch aus wie neu.
Worum geht es?
Charlotte, Wilma und Jessy sind drei komplett unterschiedliche Frauen, die sich das Leben nehmen und dazu eine Beratungsstelle aufsuchen wollen, denn dort lernen sie sich im Wartezimmer kennen.
Die Gründe für den geplanten Freitod sind so unterschiedlich wie die drei Frauen – und gemeinsam geht es schließlich leichter! Trotzdem bleiben Rückschläge nicht aus, so „todsicher“ scheint also keine der gewählten Methoden zu sein. Bei einer Tankstelle geraten sie dann in einen stümperhaft durchgeführten Raubüberfall – die Chance, von den beiden Räubern aus dem Leben geballert zu werden!
Meine Meinung dazu:
Holy Shit, Jessy ist so eine Möchtegern-Bitch! Dabei kommt der O-Ton der Erzählung bei ihr wahnsinnig gut rüber, so dass ich sie mir lebhaft vorstellen konnte und ich sie von den Charakteren am witzigsten gefunden habe. In dem Alter vor den Scherben der eigenen Träume zu stehen und das Gefühl zu haben, sich selbst nicht mehr aus dem Sumpf herausziehen können.
Auch die bodenständige Wilma – so könnte ich in dem Alter auch sein – steht vor den Scherben ihrer Existenz. Ihr Beruf als Wirtin war ihre Berufung, jedoch geht es auch mit der geerbten Wirtschaft wegen des Rauchverbots und entsprechenden Anzeigen wegen Verstöße dagegen nicht mehr – und wenn einem nichts mehr bleibt, was bleibt dann noch?
Charlotte ist todkrank und hat, neben einer lebensbedrohlichen Erkrankung, auch noch Schwierigkeiten, weil sie es geschafft hat, ohne Krankenversicherung da zu stehen. Um ihrer Familie nicht noch finanziell zur Last zu fallen und ohne Prognose auf eine lebenswerte Zukunft hat sie für mich das stärkste Motiv, um aus dem Leben scheiden zu wollen.
Das Buch war vom Stil her nicht ganz so witzig geschrieben, weshalb ich es selbst in das Genre „Roman“ und nicht „Humor“ einordnen würde. Viele gesellschaftliche und politische Entwicklungen werden auf leichte Art in diesem Buch angesprochen, den Tabus gibt es hier nicht.
Fazit: Ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt und werde sicher noch weitere Bücher von der Autorin lesen.
Für mich das bisher beste Jugendfantasybuch 2018
The Crown's Game von Evelyn Skye
The Crown’s Game von Evelyn Skye ist im August 2018 im Gulliververlag erschienen, das englischsprachige Original ist unter dem gleichen Titel veröffentlicht worden. Ich hatte bisher noch nichts von dieser Autorin gelesen oder gehört, jedoch hat mich der Klappentext sehr neugierig auf das Buch gemacht.
Worum geht es?
Im russischen Zarenreich trifft der Zar die Entscheidung, dass es einen neuen Hofmagier braucht – denn die Krone soll bald an den Kronprinzen übergeben werden, und dem stehen mächtige Feinde an den Grenzen gegenüber. Diesmal leben jedoch nicht ein Magier, sondern zwei. Davon weiß jedoch nicht mal einer der beiden Ausbildner. Daher muss „Das Spiel der Krone“ durchgeführt werden, um die gesamte Magie auf einer der beiden Personen zu bündeln. In einem Wettkampf treten daher Vika, in die sich der junge Zar verliebt hat, sowie der beste Freund des Zaren, Nikolai, gegenander an. Und auch zwischen Vika und Nikolai knistert es.
Meine Meinung:
Meiner Meinung nach handelt es sich wahrscheinlich um das beste Jugendfantasybuch, das 2018 bisher erschienen ist, denn dieses Buch bringt alles mit, was die perfekte Geschichte braucht. Ich habe in Vika eine Identifikationsfigur gefunden und konnte die Welt durch ihre Augen sehen. Angefangen vom Leben im Dorf, bis hin zu den Trainings mit ihrem Vater und den Aufgaben, die gestellt werden, sowie die Art der Magie, die sie verwendet hat.
Alles ist sofort in meinem Kopfkino sichtbar gewesen, das führe ich auf den tollen Schreibstil zurück, bei dem die Seiten nur so dahingeflogen sind. Viele direkte Reden sorgen dafür, dass die Leserin schnell einen Eindruck vom Charakter und der Denkweise der einzelnen Personen bekommt, auch wenn diese im Buch dann keine große Bedeutung für die Handlung haben. Obwohl ich noch nie in Russland war, konnte ich mir von der Umgebung ein gutes Bild machen, das sich harmonisch in den Text eingefügt hat und das ich während des Lesens auch nicht korrigieren musste.
Auch der Konkurrent Nikolai ist mir ans Herz gewachsen, wodurch es für mich doppelt bitter war, herauszulesen, wer von den beiden letztendlich das Spiel gewinnen wird, denn dass es zwei Sieger geben könnte oder sie sich die Magie teilen dürfen, wird bereits zu Beginn der Handlung kategorisch ausgeschlossen – einer muss sterben.
Der Kronprinz hat eine zentrale Rolle und weiß über weite Teile der Handlung gar nicht, wie sehr er zwischen die Fronten geraten ist, und wie groß sein Beitrag zu den Ereignissen ist. Auch diese Sichtweise ist gut geschrieben.
Alle Charaktere machen im Laufe des Buches eine große Entwicklung durch, was dieses Werk ganz besonders lesenswert macht, da es sich nicht auf „gut und böse“, „richtig oder falsch“, also „schwarz und weiß“ reduzieren lässt und eine Option nicht zwingend besser ist als die andere:
Fazit: Für mich bisher das beste Jugendfantasybuch 2018.
Guter Auftakt einer Social-Media-Jugendbuchreihe
Mein Leben im Hotel Royal - Warum mein Dackel mehr Follower hat als ich von Birchall Katy
„Mein Leben im Hotel Royal – Warum mein Dackel mehr Follower hat als ich“ ist der Auftaktband der Hotel Royal Reihe um Felicity „Flick“ Royal, die im von ihrer Mutter geführten Hotel aufwächst und das verzogene Möchtegern-It-Girl gibt.
Das Buch ist im Juli im Schneiderbuch Verlag als Klappbroschur erschienen, die Autorin Katy Birchall hat bereits die It-Girl-Reihe geschrieben.
Felicity Royal ist zu Beginn des Buches ein trotziger Teenager, der von den Abläufen im Hotel keine Ahnung und auch kein Interesse daran hat und ständig den Ablauf stört. Hund Fritz, ihr ganzer Stolz, hat ein erfolgreiches Socialmediaprofil und sein Frauchen veröffentlicht täglich ein Foto von ihm – teilweise auch mit Bekleidung. Flick freundet sich mit Popstar Skylar an – was zu weiteren Versuchungen und Grenzüberschreitungen führt- und zur Chance, persönlich zu wachsen, mit der Hilfe eines gleichaltrigen Freundes.
Das Buch hat mir anfangs gar nicht gefallen, so dass ich es nach 30 Seiten zur Seite gelegt und etwas anderes Zwischengelesen habe. Flick hat zusehends genervt und es passierte auch noch nichts. Die Handlung und Flicks Entwicklung nehmen jedoch schnell an Fahrt auf, so dass mich das Buch ab der Hälfte total in seinen Bann gezogen hatte. Was mir jedoch fehlt ist eine Identifikationsfigur in dem Buch. Am ehesten finde ich mich noch in Flicks Mutter, die jedoch im Buch nie da ist, weil sie ständig arbeitet und daher als Charakter flach bleibt.
Der Schreibstil passt, mit einfachen Sätzen und vielen direkten Reden, sehr gut zu einem Jugendbuch. Dass soziale Medien eine wichtige Rolle spielen gefällt mir, da diese Technologie tief in der heutigen Jugendkultur verwurzelt ist, und die „Jagd“ nach Followern für mich als Erwachsene teilweise sehr seltsame Züge annimmt, deren tiefer Sinn mir auch verschlossen bleibt.
Durch die Entwicklung der Protagonistin und das Kennenlernen des Hotels hat mir das Buch in Summe gut gefallen, so dass ich auch noch gerne weitere Bände der Reihe lesen möchte. Außerdem fand ich es schön zu sehen, dass die Stars auch nur Menschen mit alltäglichen Problemen sind.
Fazit: Guter Auftakt, auch wenn sich der Beginn etwas zieht.
Eröffnet eine neue Sichtweise, mir jedoch zu redundant
Die Kunst, einfache Lösungen zu finden von Christian Ankowitsch
Das Buch "Die Kunst einfache Lösungen zu finden" von Christian Ankowitsch ist das erste Buch, das ich von diesem Autor lese. Da ich beruflich ständig mit "Troubleshooting" zu tun habe, und auch das eine oder andere Problem habe, das sich scheinbar nicht lösen lassen möchte, war ich interessiert, welchen neuen Ansatz das Buch anbietet.
Vorneweg: Das Buch hätte von mir 5 Sterne bekommen, wenn es auf ständige Wiederholungen verzichtet hätte. Dadurch wäre eine Kürzung auf 180 bis 200 Seiten möglich gewesen, ohne etwas an Inhalt zu verlieren.
Der Schreibstil ist einfach gehalten, das Buch lässt sich ohne übermäßige Konzentration lesen, so dass man sich während des Lesens dem Verstehen widmen kann und diese Prozesse nicht hintereinander ablaufen müssen.
Die zentrale Aussage des Buches lässt sich in einem Satz zusammenfassen: einfachste Lösung = beste Lösung. Sollte die einfachste Lösung doch nicht sofort funktionieren, so lässt sich mein Leitsatz "Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tue, was du noch nie getan hast" anwenden.
Außer diesen Zentralen Aussagen gibt es noch Praxisbeispiele und im dritten Abschnitt wird erörtert, dass das Lösen von Problemen nicht zwangsweise zur Verbesserung der Gesamtsituation beträgt, dass der Ansatz Problem = schlecht und Lösung = gut nicht generell gilt.
Was ich mir aus dem Buch mitnehme sind praktische Tools, die mir in meiner täglichen Arbeit helfen. Vieles davon setze ich bereits um (Körpersprache: wenn etwas spannend sein soll, muss auch Spannung in den Körper, lächeln um gute Laune zu genieren etc). Die Übung mit dem "gehe 5 Schritte nach vorne und lass dir von deinem älteren Ich einen Tipp geben" werde ich auf jeden Fall ausprobieren - sowohl selbst, wie auch mit anderen.
Dass Tipps von anderen nur begrenzt helfen, durfte ich in einem Seminar ausprobieren. Hierbei ging es darum, das eigene Verhalten zu reflektieren (Frühaufsteher vs. Nachteule) und sich gruppenweise Tipps zu geben, wie man früher aus den Federn kommt bzw. bis spät in die Nacht fit bleibt. Die Erfahrung zu machen, dass man sich aus den angebotenen Lösungen eine (oder keine) aussucht, weil nicht jede Lösung zu einem selbst passt, fand ich sehr aufschlussreich.
Uneingeschränkt empfehle ich das Buch Menschen, die gefühlt in einer unlösbaren Problemsituation sehen, um auf das Problem einen neuen Blickwinkel und neue Lösungsansätze zu bekommen.
Fazit: Sehr gute und praxistaugliche Ansätze, mir ist es zu redundant.
Farbenfroher Backspaß
Scarlett von Remington Laurel
Das Buch „Scarlett – Ein Löffelchen Geheimnis und der Duft von Magie“ von Laurel Remington ist im Juli 2018 im Chickenhouse Verlag erschienen. Die Altersempfehlung ist ab 10 Jahren, bei dieser Empfehlung schließe ich mich gerne an. Auch für Mamas ist das Buch auf jeden Fall geeignet.
Worum geht es?
Scarlett hat es nicht leicht im Leben, denn sie lebt nicht nur alleine mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester, sie ist auch die Hauptakteurin im sehr erfolgreichen Blog ihrer Mutter.
Leider schreibt diese Hauptsächlich von Problemen bei der Erziehung und den Schattenseiten des Alltags mit Kindern, so dass jeder Fauxpas von Scarlett im WWW breitgetreten wird – natürlich wird der Blog von anderen SchülerInnen und Lehrpersonen gelesen, weshalb Scarlett sämtliche Hobbies aufgegeben hat und versucht, ein möglichst langweiliges Leben zu führen. Erst mit dem Krankenhausaufenthalt der älteren Nachbarin entwickelt Scarlett ein Hobby das Backen, denn das geheimnisvolle Kochbuch und die großartige Küche lassen sie nicht mehr los. Schon bald stößt das neue Mädchen an der Schule, Violet, dazu und sie gründen gemeinsam den geheimen Kochclub.
Meine Meinung:
Die zentralen Themen des Buches sind, neben der neuen Medien, Familie, Nachbarschaft und Freundschaft. Die Nachbarin von Scarlett und ihrer Familie braucht Unterstützung zu Hause, weshalb ihr berühmter und wohlhabender Neffe sie lieber in einem Pflegeheim sehen möchte, was die alte Dame auf gar keinen Fall möchte.
Schon vom Beginn weg kann ich mich gut mit Scarlett identifizieren (okay, mein jüngeres Ich kann es) und ich verstehe, wie sehr sie darunter leidet die Hauptakteurin im Blog ihrer Mutter zu sein. Dass aber bisher keine Lehrer von Scarlett auf die Mutter zugegangen sind, kann ich nicht verstehen, aber sonst gäbe es schließlich diese Geschichte nicht. Scarlett hat schon mehrmals versucht, mit ihrer Mutter darüber zu reden, wie unangenehm die Situation für sie ist – und obwohl sie den Alltag der Familie organisiert, wenn ihre Mutter mal wieder am Arbeiten ist, findet sie wenig Gehör. Die Mutter ist stolz darauf, sich selbst erhalten zu können und denkt daher gar nicht daran, den so erfolgreichen und lukrativen Blog einzustellen und stürzt sich nur noch weiter in die Arbeit. Außerdem erhält die 12-Jährige Protagonistin zu Hause keinen Zugang zum Internet, mit ihren Problemen wird sie vollkommen alleine gelassen.
Beim Backen vergisst Scarlett dann die Zeit, fürchtet sich aber davor, von ihrer Mutter bei dem Hobby erwischt zu werden, weil es sonst wieder im Blog verarbeitet wird. Diese Angst ist beim Lesen spürbar, wie auch die anderen Emotionen, die in diesem Buch geschildert werden.
Schnell hatte ich beim Lesen sowohl die handlungstragenden Charaktere wie auch die Umgebung vor Augen, so dass ich regelrecht beim Lesen in die Handlung hineingefallen bin. Der Schreibstil ist einfach genug für Kinder und ausführlich genug, dass sich auch Erwachsene noch etwas mit dem Buch anfangen können. Trotzdem glaube ich, dass das Buch hauptsächlich Mädchen ansprechen wird, auch von der Aufmachung her werden Burschen weniger danach greifen, was ich schade finde, denn Kochen, Backen und Bloßstellung durch die Eltern geht beide Geschlechter etwas an.
Ich habe mitgefiebert, mitgelacht, mitgeweint und mich mitgefreut. Das einzige im Buch vorkommende Rezept habe ich nicht nachgebacken, weil ich bei Temperaturen von über 30 Grad über Wochen hinweg nicht den geringsten Drang zum Backen von Zimtteilchen verspüre – ab dem Spätherbst ist das aber sicher einen Versuch wert, vielleicht mit dem eignen Kind in der Adventzeit.
Was ich mir auf jeden Fall aus dem Buch mitnehme ist die Idee des Kochbuchs für „die kleine Köchin“, wobei ich das Buch für „den kleinen Koch“ schreiben werde, damit sämtliche Lieblingsrezepte aus der Kindheit erhalten bleiben. Dabei werde ich auch Figuren wählen, die meinem Sohn gut gefallen, und beginne mit „Super Marios Tomatensugo“.
Fazit: ein wunderbar geschriebenes Buch, das ich Mädchen ab 10 und deren Müttern und Großmüttern wärmstens empfehlen kann.
Zwei Erzähler auf zwei Zeitebenen, flache bzw. unrunde Charaktere, Spannung kommt erst in der zweiten Hälfte auf
Vier.Zwei.Eins. von Erin Kelly
„Vier. Zwei. Eins.“ ist das erste Buch, das ich von der Autorin Erin Kelly lese. Das Buch ist mit Klappbroschur im Fischer(Scherz) Verlag erschienen. Da ich mich sehr für Sonnenfinsternis und Astronomie allgemein interessiere und auch den einen oder anderen Thriller lese, dachte ich, das Buch wäre die perfekte Kombination.
Worum geht es?
„Kit behauptete, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen; ich glaube eher, es dauerte zwölf Stunden. Wir haben uns darauf geeinigt, uns nicht einig zu sein (S. 28)“.
Kit und Laura sind seit Studienzeiten ein Paar. Die Geschichte beginnt 1999 bzw. 2015 und verläuft in zwei parallelen Handlungssträngen auf zwei Zeitebenen, die jeweils abwechselnd von Laura und Kit, den beiden Protagonisten des Buches, erzählt werden.
Außerdem ist das Buch in verschiedene Abschnitte gegliedert, die den Phasen einer Sonnenfinsternis entsprechen. Bei den Kapitelüberschriften gibt es ein entsprechendes Symbol.
Kit ist Astrophysiker und studierte in Oxford, hat einen Zwillingsbruder, Mac, in dessen Schatten er permanent steht und ist passionierter Sonnenfinsternisjäger. Laura möchte im sozialen Bereich arbeiten, kann sich schnell für eine Sache begeistern und hat das Bedürfnis, Menschen um sich herum zu helfen. Laura und Kit verbringen die Sonnenfinsternis 1999 zusammen, bei der nicht viel zu sehen ist, da Wolken durchziehen. Am Rückweg von der Sonnenfinsternis wird Laura Zeugin von der Vergewaltigung einer jungen Frau, Beth, und zwischen den beiden entsteht eine Verbindung.
Meine Meinung zu dem Buch:
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar gelesen. Wäre ich anders zu dem Buch gekommen, hätte ich nach 100 Seiten sicher abgebrochen, da es das Buch nicht geschafft hat, mich bis dahin in seinen Bann zu ziehen. Das Lesen der ersten beiden Abschnitte empfand ich als zäh und habe dafür eine Woche gebraucht, in der ich das Buch immer wieder zur Seite gelegt habe.
Mir hätte die Geschichte besser gefallen, wenn sie chronologisch erzählt worden wäre. Laura und Kit als Erzählende plus zwei Zeitebenen waren mir zu viel – vor allem, wo beim Gerichtsverfahren um die Vergewaltigung nochmal ganz viele andere Personen Gehör gefunden haben und ich irgendwann nicht mehr wusste, aus wessen Sicht ich gerade lese. Hier wäre ein Weniger an Stilmitteln ein Mehr für mich gewesen, was die Lesbarkeit angeht.
Die wichtigen Nebenpersonen bleiben aus meiner Sicht sehr flach, die Geschichte konzentriert sich auf die Protagonisten und Beth. Sowohl von Mac und seiner Lebensgefährtin und besten Freundin von Laura, Ling, habe ich nur ein sehr flaches Bild. Richard bekommt etwas mehr Profil, daher bin ich davon ausgegangen, dass er etwas Entscheidendes zur Handlung wird beitragen. Durch die wenigen zur Auswahl stehenden Personen, die für mich irgendwie komisch waren, war es mir nicht möglich, eine Identifikationsfigur in der Geschichte zu finden.
Bei einem Thriller hätte ich mir mehr Spannung erwartet – das Cover weist auch auf mehr Spannung hin. Die Erzählweise der Verhandlung reicht nicht an Grisham heran und nimmt trotzdem einen guten Teil des Buches ein und ist für mich der spannendere Teil der ersten Hälfte, in der es sehr viele Längen gibt, auf die man aus meiner Sicht nach Lektüre des Buches hätte verzichten können, ohne dass die Geschichte etwas verloren hätte. Vom Umfang her hätten 100 Seiten weniger mit Nebensächlichkeiten trotzdem noch ausgereicht, da es das Buch auf über 460 Seiten bringt.
Was mich außerdem gestört hat, war, dass auf Seite 304 für einen Absatz von der „Ich-Perspektive“ in die allwissende Erzählform gewechselt wird „Vier Wochen, nachdem (… wegen Spoilergefahr ausgelassen), heirateten Laura Langrishe und Kit McCall, (…) im Standesamt von Lambeth. Als Christioper und Laura Smith verließen sie das Gebäude (…). Es gab kein Hochzeitsfrühstück, niemand trug die Braut über die Schwelle (…)“. Und danach geht es im Halbabsatz weiter mit „Wir waren erst zweiundzwanzig, und die stille Intensität dieser Woche war einfach zu viel für zwei halbe Kinder“.
Die Auflösung war für mich zwar logisch, aber fast schon enttäuschend und liefert meiner Meinung nach nicht genug Anlass für die Vorkommnisse. Ja, es waren viele Geheimnisse in diesem Buch, jedoch glaube ich nicht, dass es diese Geheimnisse wert werden, in Echt damit zu leben und so viele Strapazen für 16 Jahre auf sich zu nehmen. Irgendwann wäre der passende Zeitpunkt da, um dem Partner gegenüber geständig zu sein, ein ehrliches Fundament zu schaffen (was meiner Meinung nach bereits VOR der Eheschließung unbedingt her gehört) und dann darauf aufzubauen.
Fazit: Ein Thriller mit zu wenig Thrill und unrunden Figuren, zähe erste Hälfte, vollständige Aufklärung.
Beginn der Frauenbewegung
Die Frauen vom Löwenhof - Agnetas Erbe von Corina Bomann
„Die Frauen vom Löwenhof – Agnetas Erbe“ ist der erste Band einer Trilogie von Corina Bomann. Die beiden Folgebände erscheinen innerhalb des nächsten Jahres, die Titel lauten „Marthildas Geheimnis“ und „Solveigs Versprechen“. Es ist das zweite Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe, daher lag die Latte für dieses Buch sehr hoch.
Über 700 Seiten bzw. 900 Minuten beim Hörbuch sind ganz schön viel, daher rate ich, vor dem Kauf unbedingt in die Hör- oder Leseprobe reinzuschauen, ob Schreibstil bzw. Sprechweise auch über so weite Strecken gefallen können. Wer die Erzählweise der Autorin bereits kennt, kann sich das getrost sparen – das Buch ist wieder sehr gefühlvoll und plastisch geschrieben, das Kopfkino ist bei mir schon auf den ersten Seiten angesprungen.
Der Titel des Buches nimmt schon einen Teil der Handlung vorweg – denn bei „Agnetas Erbe“ ist klar, dass sich Agneta als Erbin des Löwenhofes wiederfindet. Ich habe sehr mit ihrem Vater und ganz besonders mit ihrem Bruder mitgefiebert und mitgelitten, der Bruder war meine Lieblingsfigur im Buch, denn seine Herzlichkeit war für mich spürbar.
Agneta ist Studentin der Kunst im Stockholm, verliebt in einen anderen Studenten und muss plötzlich in ihre Heimat zurückkehren. Die Rückkehr bedeutet für sie, dass sie ihren Traum, Künstlerin zu werden, zum Wohl des Löwenhofes aufgeben muss. Für sie ist es besonders schwer, da sie kein konventionelles Leben als Ehefrau und Mutter fristen möchte. Sie glaubt daran, dass auch Frauen einen Platz in der Gesellschaft haben sollten, der zu dieser Zeit nur Männern vorbehalten war. Es war der Beginn der Frauenbewegung, Frauen wurden erstmals zu Universitäten zugelassen und begannen, dort Karriere zu machen. Agneta möchte sich nicht angepasst verhalten, sondern für ihre Träume kämpfen, doch als ihr Traum zerplatzt sieht sie, wie wenig Rückendeckung einer Frau bleibt, wenn sie nicht mit den Konventionen der Gesellschaft geht und wie wenig die Lippenbekenntnisse von Menschen in guten Zeiten in der Not wert sein können. Diese Naivität passt zum geringen Lebensalter der Protagonistin, die auch mit dem goldenen Löffel im Mund groß wurde und nie körperlich arbeiten oder um ihr finanzielles Auskommen sorgen musste.
Das Leben am Hof ist mit Agnetas verhassten Mutter, der schönen und strengen Stella verbunden, die ständig ungebeten mit Ratschlägen auf der Matte steht, verbunden. Stella hat bestimmte Vorstellungen, wie sich eine Frau in der Gesellschaft zu verhalten hat und kritisiert Agnetas Verhalten permanent und fordert mehr Haltung und würdevolleres Auftreten von ihrer Tochter, Konflikte stehen auf der Tagesordnung.
Die Geschichte erlaubt tiefe Einblicke in die damalige Zeit, besonders, wie es vielen Frauen damals ergangen ist. Die Handlung beginnt 1913 und reicht bis etwa zur Mitte des ersten Weltkrieges. Obwohl sich die Handlung in Schweden abspielt, bekommt man schon viel vom Krieg mit, da sich die Auswirkungen teilweise auch bis nach Schweden ziehen.
Interessant ist für mich auch, welche unterschiedlichen soziale Schichten die Frauenbewegung damals angezogen hat, und wie kollektiv die Probleme von Frauen zur damaligen Zeit waren und was sich seither alles getan hat.
Da ich von der Handlung nicht viel vorweg nehmen möchte, lobe ich an dieser Stelle den logischen und schlüssigen Aufbau. Ich konnte die Welt stets durch Agnetas Augen und mir ihren Gefühlen wahrnehmen und mich auch immer besser in andere Personen, wie zum Beispiel Agnetas Mutter, hineinversetzen. Ich bin schon gespannt darauf, wie die Geschichte in den weiteren Bänden fortgesetzt wird, denn im aktuellen Band sind für mich noch einige Fragen offen geblieben.
Fazit: Ein gut konstruierter historischer Roman zum Beginn der Frauenbewegung
Guter Auftaktband
Iron Flowers Die Rebellinnen 25.04.2018. Hardback. von Banghart Tracy
Serina und Nomi leben in einer Welt, in der Frauen Fabrikarbeiterinnen, Ehefrauen, Mütter oder, als höchster Karriereschritt, Graces werden können. Graces werden vom Herrscher auserwählt und verkörpern das Idealbild der Weiblichkeit und sollen Idole für alle anderen Frauen sein.
Serina ist die ältere Schwester von Nomi und wird, wegen ihrer Anmut, schon von Kindesbeinen an dazu erzogen, irgendwann eine Grace zu werden und schafft es zu Beginn des Buches auch in das nähere Auswahlverfahren.
Mich hat das ganze etwas an den Beginn der Selection Reihe erinnert, jedoch erfährt man in Iron Flowers weit weniger über die Gesellschaft und die Herkunft der Kandidatinnen, das politische Motiv wird auf die Unterdrückung von Frauen reduziert. Nomi steht von klein auf im Schatten ihrer Schwester und lernt heimlich vom Bruder lesen und schreiben – was für Frauen in der Gesellschaft strengstens verboten ist – wie die Ausübung der meisten Berufe auch.
Die Welt ist für mich vorstellbar und das Kopfkino springt bei mir beim Lesen sofort an. Ich bin dabei, als Serina als potentielle Grace mit der möglichen zukünftigen Zofe Nomi auf das Schiff steigt, und alle Hoffnungen der Familie auf ihr ruhen. Die Stellung einer Grace hätte große gesellschaftliche und finanzielle Vorteile für die ganze Familie und Serina träumt auch davon, ihrer Schwester das Schicksal als Ehefrau und Arbeiterin zu ersparen. Für sie ist das Leben im Palast mit ausreichender Versorgung mit Nahrungsmitteln und in Sicherheit eine erstrebenswerte Zukunft, während Nomi darin nur den goldenen Käfig sieht, der zwischen ihr und der von ihr erträumten Freiheit steht.
Die Geschichte wird kapitelweise aus der Sicht der beiden Schwestern erzählt, wobei zu Beginn jedes Kapitels vermerkt ist, aus welcher Sicht die Handlung gerade erzählt wird. Der Schreibstil ist locker und flüssig und kommt ohne große Erklärung oder Beschreibung aus, wodurch viel Raum für eigene Fantasie ist. Jedoch hätten mir mehr Beschreibungen im Buch sehr gut gefallen, dafür hätte das Buch gerne um 100 bis 120 Seiten länger ausfallen dürfen. Immer wieder gibt es unerwartete Wendungen in der Geschichte, gegen Ende hin ist es mir jedoch schon fast zu viel an Zufällen, die Motive der bösen Charaktere bleiben während der gesamten Handlung verborgen, was viele Charaktere aus meiner Sicht flach erscheinen lässt. Hier hätte weiter Spannung aufgebaut werden können, ebenso wären die Figuren besser im Gedächtnis geblieben für den zweiten Band, der jedoch erst im Herbst 2019 erscheint. Bis dahin werde ich mich sicher nicht mehr detailliert genug erinnern können, um das Lesen fortzusetzen.
Da ich nicht weiß, wie viele Bände geplant sind, werde ich auf jeden Fall das Ende der Serie abwarten, um dann die Folgebände in einem Rutsch lesen zu können – wenn jährlich ein Band erscheint, dann ist die Vergessenskurve bei mir zu ausgeprägt – Bücher lese ich nur im Ausnahmefall doppelt.
Fazit: Ein guter Auftaktband einer Serie, der gerne noch mehr Tiefe und mehr Erklärungen hatte beinhalten dürfen.










