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Rezensionen von rewareni:
Alt und krank
Leichte Böden von David Fuchs
Der Lehrer Daniel kehrt nach vielen Jahren wieder aufs Land zurück. Eigentlich wollte er nur sein altes Auto holen, das er bei seinen Verwandten Klara und Alfred abgestellt hatte. Doch schon bald muss er erkennen, dass sich vieles geändert hat. Nicht nur, dass Alfred dement ist und auf ständige Hilfe seiner Frau Klara angewiesen ist, wohnt auch der Nachbar Heinz bei ihnen, der nur mit Hilfe eines Sprachcomputers kommunizieren kann.
Daniel trifft auch auf seine Kindheitsfreundin Maria wieder mit der er gerne seine Zeit verbringen würde, doch sein ehrgeiziges Ziel ist,seinen Angehörigen um jeden Preis zu helfen. Dass das nicht so leicht ist, wie er es sich vorgestellt hat und auf wie viele Widerstände er dabei stoßen würde, hätte er zu Beginn nie gedacht. Und schon bald muss Daniel erkennen, dass seine Hilfe bei einigen gar nicht erwünscht ist.
Der Autor David Fuchs greift in seinem Roman ,,Leichte Böden“ ein sehr wichtiges Thema auf. Was passiert, wenn man alt wird und man nicht mehr für sich selbst sorgen kann und ein Angehöriger bis zur Selbstaufopferung sich um diese Person kümmern will? Die Geschichte rund um Klara, Alfred und Heinz zeigt, wie schwierig es sein kann, wenn eine Person für alles zuständig ist. Klara wirkt zwar manchmal stur und hart und will sich nicht immer helfen lassen, aber sie ist eine Frau, die genau weiß was sie will. Dabei zeigt der Autor sehr schön und auch emotional, wie die Verbindung zwischen ihr und ihrem schwer dement kranken Mann Alfred ist. Hautnah erlebt der Leser dabei mit, wie sie psychisch und physisch immer wieder an ihre Grenzen gerät. Auch wenn Daniel helfen will und mit guten Ratschlägen kommt, möchte Klara selbst bestimmen, was sie für richtig hält. Auch wenn es ein ernstes Thema ist hat es der Autor geschafft selbst in berührenden Szenen einen feinen Humor hinein zu bringen, sodass man einfach schmunzeln musste und die Tragik leichter zu ertragen war. Nach und nach erfährt man auch, was in der Vergangenheit passiert ist und warum das Verhältnis zwischen Heinz und seiner Tochter Maria so unterkühlt ist. Besonders witzig und sympathisch beschreibt der Autor immer wieder die Szenen zwischen Daniel und Maria, wenn sie sie ihre Kindheitserinnerungen auffrischen oder sich gegenseitig necken. Da steckt so viel Lebensfreude darinnen, dass diese Momente eine willkommenen Abwechslung sind. Eine spannende Geschichte, wo man als Leser selber nicht weiß, was richtig und was falsch ist. Wie weit kann und soll man sich in ein anderes Leben einmischen? Wann ist der richtige Zeitpunkt um Hilfe anzunehmen? Viele Fragen also, die nicht leicht zu beantworten sind. ,,Leichte Böden“ ist ein wunderschöner, berührender Roman der zu Herzen geht.
Der eiskalte Mörder
Die Frauenkammer von Jannes C. Cramer
Kommissar Frank Holper bekommt es innerhalb kürzester Zeit mit zwei Morden an jungen Frauen zu tun. Einzige Gemeinsamkeit ist ein Tattoo in Form eines Schmetterlings am Knöchel. Da er mit den Ermittlungen nicht weiterkommt ist Holper froh, dass er den Privatdetektiv Lukas Bender als Berater hinzuziehen kann.
Schon bald beginnen sich die beiden auch privat gut zu verstehen und ein anonymer Hinweis bei der Polizei lässt Holper hoffen, endlich eine Spur zu haben. Doch was er nicht weiß ist, dass der Täter schon längst wieder eine Frau in seiner Gefangenschaft hat.
,, Die Frauenkammer“ von Jannes C. Cramer ist ein Thriller, bei dem es dem Leser immer wieder die Nackenhaare aufstellt, wenn man sich bildhaft vorstellt, wie die Frauen in dieser kleinen Kammer, in der sie nur zusammengekauert liegen können, vom Täter physisch und psychisch gequält werden. Von Beginn weg weiß man zwar wer der Täter ist, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Man hat ständig das Gefühl, dass man den Mörder auf Schritt und Tritt begleitet und seine Foltermethoden sind nicht immer leicht zu verdauen. Der Kommissar spielt in diesem Roman eher eine Nebenrolle, da sich der Autor hauptsächlich auf den Psychopathen eingestellt hat. Dieser wird gut dargestellt, als Sadist, als extrem vorausschauend und sehr manipulativ. Frank Holper kommt mit seinen Handlungen und Ermittlungen nicht immer gut weg und es hat manchmal den Anschein, als ob er etwas nachlässig agieren würde. Die Kapitel beginnen immer wieder mit dem Namen der Person, die darin die Hauptrolle spielt. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und flüssig zu lesen. Die Perspektivenwechsel innerhalb der jeweiligen Kapitel macht die ganze Geschichte noch interessanter, weil man dabei das Gefühl hat, man kann zwei Handlungen gleichzeitig folgen. Es ist vielleicht für manche Leser ungewöhnlich oder verwirrend, aber mir gefallen diese schnelle Sprünge von einem Ort zum anderen. Ein gut geschriebener Thriller, wo auch das Cover herrlich dazu passt und schon vor dem Lesen Gänsehaut erzeugt.
Die Sprache der Blumen
Die Frauenkammer von Jannes C. Cramer
Der angesehene Schriftsteller Ernst Hoffmann ist tot und besonders hart trifft dies seine Enkelin Lilly, die ihn abgöttisch geliebt hat. Deshalb kann sie es nicht verstehen, warum ihre Mutter Iris immer wieder schlecht von ihrem Vater spricht und scheinbar keine Gefühle für ihn hatte. Als Lilly in das ihr hinterlassene alte Gutshaus ihres Großvaters zurückkehrt, findet sie das Tagebuch ihrer Großmutter Isabelle, die sie leider nie kennen gelernt hatte.
Die tragische Geschichte ihrer Großmutter und die Liebe zu ihrem Blumengarten, lässt plötzlich ihren Großvater in einem anderen Licht erscheinen. Lilly entdeckt auch den Garten, von dem ihre Großmutter geschrieben hatte. Doch jetzt ist dieser verwildert und für Lilly stellt sich nun eine neue Herausforderung. Sie will diesen Garten wieder zum Blühen bringen. Je mehr sie in die Vergangenheit eintaucht, umso mehr wird sie auch mit ihren eigenen Problemen konfrontiert und so wie Isabelle um Glück und Liebe kämpfen musste, muss sich auch Lilly entscheiden, wohin sie ihr Lebensweg führen soll.
,, Der Liliengarten“ von Jana Seidel lässt den Leser in einer ,,blumigen“ Sprache an drei Frauenschicksalen teilhaben, die über Generationen hinweg mit Freud und Leid zu kämpfen haben. Dabei hat die Autorin besonders die Schicksale von Isabelle und Lilly in den Vordergrund gestellt. Sie wechselt dabei nicht nur zwischen den Zeiten, sondern auch in der Ich- und auktorialer Erzählsituation. Als Leser reist man zu Isabelle ins Jahr 1959 und erlebt mit, wie sie als Frau nicht nur unter dem Druck steht, endlich schwanger zu werden, sondern auch wie die damaligen Zeiten, den Mann als Oberhaupt der Familie sieht, der entscheidet, was gut für seine Frau ist. Man leidet mit ihr, wenn sie versucht aus den gesellschaftlichen Fesseln auszubrechen, man spürt ihre Leidenschaft, die sie in ihren Blumengarten legt und man erkennt, dass sie eine Gefangene ihrer Zeit ist, wo sie nicht auf ihr Herz, sondern auf ihren Verstand hören muss und sie trotzdem nicht das in ihrem Leben findet, wonach sie gesucht hat. Iris wird in dem Roman kaum erwähnt und ist im Grunde ein Bindeglied zwischen den Zeiten, wo 2020 ihre Tochter Lilly nicht nur in die Vergangenheit reist, sondern auch vieles über sich selbst erfährt. War Isabelle von Beginn weg sympathisch und einfühlsam, so ist Lilly genau das Gegenteil, wo man als Leser nicht gleich einen Zugang zu ihr finden konnte. Sie ist in ihrer Art ruppig, unfreundlich und lässt keine wirklichen Gefühle zu. Erst das Tagebuch ihrer Großmutter lässt sie weicher werden und auch eine andere Sichtweise auf ihr Leben erkennen. Besonders intensiv hat sich die Autorin mit der ,,Sprache“ der Blumen beschäftigt und man erfährt vieles über die nonverbale zwischenmenschliche Kommunikation. In den Roman wird man langsam hineingeführt in Schicksale, die über Generationen hinweg ihre Spuren hinterlassen. Wer also Eintauchen möchte in eine romantische Blumenwelt, wo Gefühle und Emotionen in einer ruhigen und einfühlsamen Art und Weise beschrieben werden der findet in dem Roman ,,Der Liliengarten“ sicherlich schöne Lesestunden.
Keine Ruhe in Friedberg
Ruhet in Friedberg von Rudolf Ruschel
Welch furchtbare Dinge in dem kleinen Provinznest Friedberg Ende der 90 er Jahre in Österreich passieren, hätte wohl niemand gedacht. Die bei der Bestattung als Aushilfen tätigen Freunde Andi und Fipsi, erleben sprichwörtlich die Hölle auf Erden, als sie sich plötzlich mit Leichen, die nicht ganz freiwillig bei ihnen gelandet sind, herum schlagen müssen und auch ihr Vorarbeiter Macho sich mit finsteren Gestalten abgibt.
Schneller als gedacht werden alle mit menschlichen Abgründen konfrontiert, wo keiner mehr weiß, ob er dem anderen noch vertrauen kann, denn plötzlich scheint jeder etwas zu verbergen zu haben.
,,Ruhet in Friedberg“ von Rudolf Ruschel ist ein Kriminalroman der besonderen Art. Dass ein Krimi humorvoll sein kann, ist im Grunde nichts ungewöhnliches, aber hier muss man sich auf einen Roman gefasst machen, wo man entweder von Beginn weg begeistert oder geschockt ist. Angefangen mit der Sprache, wo immer wieder der österreichische Dialekt hervorkommt, der durchaus auch einmal derb sein kann, wo man sich aber als Einheimischer die Szenen dabei bildhaft vorstellen kann, wenn in einer feuchtfröhlichen Runde über Gott und die Welt philosophiert wird, wenn dabei Vorurteile am laufenden Band die Gemüter erhitzen. Der Autor war dabei sehr mutig und hat seinen Lesern dabei einiges abverlangt. Er scheut sich dabei nicht viele Themen brutal ehrlich aufzugreifen und lässt seine Protagonisten über Schwule, Huren und sonstige Feindbilder der Gesellschaft herziehen. Dass dabei nicht immer der feine Ton getroffen wird ist klar, aber gerade das macht den Roman interessant, weil er dabei den Menschen einen Spiegel vorhält und das erzählt, was man immer wieder in Zeitungen liest oder von den Menschen auf der Straße zu hören bekommt, wenn sie ein Hassobjekt gefunden haben. Gleich zu Beginn bekommt man im Klappeneinband die wichtigsten Personen mit ihren Eigenheiten beschrieben. Dabei merkt man schon, dass man den Roman nicht ganz ernst nehmen sollte. Die Figuren sind herrlich verschroben und man muss immer wieder schmunzeln oder den Kopf schütteln, ob ihrer Einfälle. Die Geschichte ist so abgedreht, dass sie schon wieder spannend ist. Der Humor ist sicher nicht jedermanns Sache, weil dieser nicht nur zynisch, rabenschwarz sondern auch manchmal hart an der Schmerzgrenze ist. Ebenso findet man sich immer wieder einmal in brutalen Szenen wieder, wo einem kurz die Luft wegbleibt. Der Autor schafft es aber seine Geschichte so rasend schnell, spannend und witzig zu erzählen, dass man einfach weiterlesen muss. Seine originellen Einfälle dabei scheinen grenzenlos zu sein und ich kann garantieren, dass niemand mit diesem Ende rechnen würde. Wer also mutig ist und sich nach ,,Friedberg“ traut, der wird sicher gut unterhalten werden.
Zwischen Leben und Tod
Ruhet in Friedberg von Rudolf Ruschel
Die Sekretärin Rebekka Braun ist verzweifelt. Ihre Kollegin und Freundin die Journalistin Natalia ist plötzlich verschwunden und niemand scheint dies aufzufallen. Auch ihr Chef Dr. Bergmann sieht dies nicht als tragisch an und verbietet Rebekka sogar Nachforschungen anzustellen. Doch das kommt für sie nicht in Frage und sie beginnt heimlich nachzuforschen wo unter anderem auch eine Spur zu einem dubiosen Escort Service führt.
Als Rebekka auch ihrem Chef unangenehme Fragen stellt und er merkt, dass Natalia tatsächlich bereits tagelang spurlos verschwunden ist, beginnt auch er sie zu unterstützen. Was keiner weiß ist, dass weit entfernt, an einem anderen Ort, Natalia um ihr Leben kämpft und ihr Körper und ihr Geist zwischen Leben und Tod schweben und sie viele Dinge erlebt, die darüber entscheiden ob sie leben oder sterben wird.
Der Autor David Novel hat mit seinem spirituellen Roman ,,Gestrandet in der Zwischenwelt“ eine interessante und bildhafte Geschichte erzählt, die den Leser in eine Welt zwischen Leben und Tod entführt. Auf der einen Seite beschreibt er die Freundschaft von Rebekka zu Natalia, die alles daran setzt ihre Freundin zu finden. Egal welche Widerstände auftreten oder wie ausweglos eine Situation erscheint, sie gibt nicht auf. Dabei hat der Autor viele Gedanken mit Hilfe der wörtlichen Rede dargestellt. Das war für mich manchmal schon ein wenig verwirrend, weil nicht gleich zu erkennen war ob es sich nun um Gedanken oder tatsächliche Gespräche handelt. Interessant waren die Szenen und Erlebnisse in der Zwischenwelt beschrieben, wo man als Leser mit Natalia mitgelitten hat, ob ihrer scheinbaren aussichtslosen Situation. Bildhaft hat dabei der Autor ihre Sorgen und Ängste beschrieben. Man hat sehr gut ihre Verzweiflung gespürt, wenn sie Hunger, Durst und Erinnerungslücken gequält haben. Auch wenn der Roman spirituelle Züge aufweist, kann man ihn sehr gut lesen ohne dass man mit religiösen Inhalten konfrontiert wird, falls jemand das dem Titel nach befürchtet. Der Autor hat sich sehr bemüht, viele Details zu erwähnen, die aber manchmal etwas zu viel sind. Eine nette Geschichte die zeigt, dass man nie aufgeben soll und es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die man sich nicht erklären kann.
Auf Jo ist immer Verlass
Komplizierte Situationen von Nicki Borell
Jo Beck ist ein Mann für komplizierte Fälle. Da er es selbst nicht immer so genau mit dem Gesetz nimmt, sind seine Auftraggeber froh, wenn er sich bei Vertragsverhandlungen um ,,schwierige“ Kunden kümmert. Da er selbst nicht mehr als Cop arbeitet, nimmt er nur mehr Jobs an, die ihm Spaß machen, auch wenn sie nicht ganz lupenrein sind.
Als seine Freundin Jana bemerkt, dass vom Computer ihres Stiefvaters aus die Börse mit manipulierten Kursen betrogen wird, bittet sie Jo um Hilfe. Doch der hat seine eigenen Probleme, da die Organisation, die viel Geld für den US Wahlkampf braucht und auch der korrupte Detective Rotriges, der immer wieder ,, Schweigegeld“ von Jo fordert, ihn gehörig auf Trab halten. Aber Jo weiß, wie er mit komplizierten Fällen umzugehen hat, selbst wenn es dabei Leichen gibt.
,, Komplizierte Situationen“ ist ein Techno Thriller von Nicki Borell, der in einem rasanten Stil die Geschichte rund um Jo Beck erzählt. Ungewohnt dabei sind die oft sehr kurzen Kapitel, die sogar nur aus einem oder zwei Sätzen bestehen können. Es dauert eine Zeit lang bis man sich an das schnelle Tempo bezüglich Handlung, aber auch der Ausdrucksweise des Autors gewöhnt hat. Manchmal ist es wie eine Aufzählung von Fakten, die ein Geschehen beschreiben, wo ich ein wenig die Emotionen vermisst habe, weil es eher kühl und sachlich beschrieben ist. Für mich waren auch Auflistungen von Straßennamen oder Telefonnummern nicht wirklich wichtig. Die Sprache des Autors ist eine Mischung zwischen kurz und abgehackt bis cool und schonungslos. Die Handlung verläuft über mehrere Stränge, wo man verschiedene Personen und ihre Ambitionen kennen lernt, die sich aber am Ende alle zusammen fügen. Es werden Themen aufgegriffen wie man z.b die Börsenkurse manipulieren kann, wie man in der IT Branche Computer hacken kann... Es gibt dazu immer wieder interessante Informationen für Leser, die mit diesen Bereichen nichts oder kaum etwas zu tun haben. Die Protagonisten handeln und agieren für mich eher nüchtern und deshalb konnte ich nicht wirklich eine ,,Beziehung“ zu ihnen aufbauen. Ein ungewöhnlicher Roman sowohl vom Schreibstil her, als auch vom Aufbau der Handlung, wo es manchmal rasch wechselt zwischen Nebensächlichkeiten bis hin zu einem harten Schlagabtausch zwischen den Protagonisten. Das Ende ist für den Roman passend und es geht für Jo und Jana bald schon in einem zweiten Teil weiter.
Gute Unterhaltung
Die ungeahnte Begegnung von Gerald Orthen
Das 120 Seiten umfassende Büchlein von Gerald Orthen entführt den Leser mit 7 Kurzgeschichten
in eine kriminelle, aber auch humorvolle und zum nachdenkende Welt der Geschichten, wo vieles
nicht so ist, wie es am Anfang erscheint.
Der Buchtitel ,,Die Ungeahnte Begegnung“ ist auch gleichzeitig die Überschrift einer Erzählung der
etwas unheimlichen Art, wo der Leser mit dem früheren Ich des Protagonisten Bekanntschaft
machen darf.
Aber auch ein neues Ermittlerteam stellt der Autor in sympathischer Art und Weise vor, wo man bildhaft ins Nachkriegsdeutschland eintauchen kann und man den jungen Kommissar Eugen Kranzel kennen lernen darf.
Der Autor hat einen angenehmen Schreibstil, wo er zeigt, dass er von witzig bis ernst seine Botschaften in den Geschichten gut rüber bringen kann. Es ist eine bunte Mischung die den Reiz des kleinen Buches aus macht, wo zwischen Leben und Sterben eines Menschens, vieles passieren kann. Es sind einige emotionale Geschichten zu finden, die Gerald Orthen sowohl sprachlich als auch bildhaft gut dem Leser rüber gebracht hat. Der Klappentext ist zwar ein wenig verwirrend, da er überwiegend kriminelle Geschichten verspricht und es im Grunde nur 2 sind, aber trotzdem hat man an der bunten Mixtur seine Freude.
Der nackte Mensch
Nackt von Sven j. Olsson
In der Novelle ,, Nackt“ entführt der Autor Sven j. Olsson den Leser in eine Stadt, die es überall geben kann und wo man Menschen trifft, die in Selbstgesprächen über ihre Ängste, Hoffnungen und verlorenen Träumen erzählen. Wenn man zu lesen beginnt ist man zuerst noch eine wenig verwirrt, ob oder wie die einzelnen Geschichten zusammen gehören.
Es findet auch immer wieder ein schneller Wechsel zwischen den Personen und deren Erlebnissen und Erinnerungen statt. Die Novelle gehört auf alle Fälle langsam und aufmerksam gelesen, weil so vieles zwischen den Zeilen steht und es schade ist, wenn man nur schnell drüber lesen würde.
Der Autor beschreibt eine Woche im Leben von 5 Menschen, die zwar alle unterschiedlich von ihrer Herkunft, der Vergangenheit und deren Lebensumständen sind, aber eines haben alle gemeinsam,
letztendlich präsentieren sie sich dem Leser ,,nackt“, indem sie ihre Gedanken und Gefühle offen und schonungslos darlegen.
Inez, die illegal als Putzkraft arbeitet und sich nach ihrer Familie sehnt und spürt, dass sie hier nicht ein neues zu Hause finden wird.
Otto, der Obdachlose, der sein weniges Hab und Gut täglich mit sich herumschleppt und sich noch kaum an sein früheres Leben erinnern kann.
Volker, der Vergewaltiger, der jahrelang seine Strafe im Gefängnis verbüßt hat und ruhelos von Stadt zu Stadt zieht weil er nirgends erwünscht ist.
Piet, der selbstbewusste Politiker, der stets weiß wie er medienwirksam die Abschaffung der Privatsphäre unters Volk bringen kann.
Und Anna, die Autistin, die in ihrer eigen Welt lebt und nur selbst versteht, was sie mit sich selbst tagtäglich redet.
Der Autor hat in teils berührenden Selbstgesprächen spürbar das Leid, die Angst und vor allem auch die Hoffnungslosigkeit der Personen rüber gebracht. Als Leser hat man sich dabei oft direkt angesprochen gefühlt, wenn eine Frage an eine ,, unsichtbare“ Person gestellt wurde und man dafür selbst keine Antwort gewusst hat.
Sven j. Olsson hat die Erlebnisse und Handlungen zwischen belanglos und sehr detailliert beschrieben, wo man sich als Leser diese bildhaft vorstellen konnte. Man verrichtet oft unbewusst jeden Tag Tätigkeiten und denkt gar nicht darüber nach , was ein anderer zur selben Zeit erlebt und selbst wenn man einen Obdachlosen, einen Behinderten.......sieht, interessiert es einem zumeist gar nicht wirklich, welches menschliche Schicksal dahinter steckt.
Eine schöne und auch traurige Novelle, die sehr einfühlsam geschrieben ist.
Mobbing im Business Geschäft
Würdest du schweigen von Alfred Kunz
Im Handwerkerverein brechen neue Zeiten an, als der unerfahrene Günter Godano den Marketing Bereich übernimmt. Der seit Jahren für den Verlag zuständige Ben Barnebas erlebt in den nächsten Jahren ein Arbeitsklima, bei dem er machtlos miterleben muss, wie langjährige Mitarbeiter unter fadenscheinigen Begründungen entlassen werden, wie Gelder veruntreut werden und wie auch er schlussendlich entlassen wird.
Auf schmerzvolle Art und Weise wird Ben mit Mobbing der perfiden Art konfrontiert und er muss erkennen, wie hilflos man dabei sein kann.
Der Autor Alfred Kunz hat mit dem Roman ,,Würdest du schweigen“ einen Business Roman über das Thema Mobbing geschrieben. Darin beschreibt er mit welchen Mitteln und Wegen Personen es schaffen einen ganzen Verein zu schädigen und deren Mitarbeiter zu ihren Gunsten zu manipulieren. Ein wenig überfordert war ich schon einmal über die Menge an Personen, die namentlich immer wieder erwähnt wurden und sich alleine auf ca. 30 Stück alleine nur im Handwerkerverein beliefen, wo die anderen Protagonisten noch nicht einmal mitgezählt sind. Das Thema Mobbing ist natürlich wichtig und sehr facettenreich. Hier konnte mich der Autor aber leider nicht wirklich von seiner Geschichte überzeugen. Die Gespräche und Gedankengänge haben sich im Grunde immer wieder im Kreis gedreht und haben sich dadurch auch oft wiederholt. Fragen wie ,,Warum ist das passiert?, Wieso hat keiner etwas gesagt?“ ...... sind dabei ständig zu finden. Auch war es beim Lesen wirklich verwunderlich, dass eine Person, die von dem ganzen Geschäft keine Ahnung hat, so sang- und klanglos schalten und walten konnte, und dabei Millionen Verluste dabei gemacht hat, viele Mitarbeiter gekündigt wurden und sich fast jeder finanziell kaufen ließ. Es hat noch einen zweiten Erzählstrang gegeben, der weitgehend den Tatsachen entsprochen hat, nämlich des vom Autor selbst gegründeten Story Hauses. In der Form des Journalisten Timos hat er den Weg, die Probleme und Möglichkeiten beschrieben wie man vom Gedanken der Schriftstellerei bis hin zum eigenen Buchprojekt und eigenem Verlag kommen kann.
Der Autor hat sich sichtlich bemüht auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen, aber die Umsetzung war nicht wirklich gut gelungen. Viele unnötige Beschreibungen z.b was es jedes Mal zu Essen gibt, immer wieder um das gleiche drum herum reden und die Geschichte von Timos, die für mich in dem Roman jetzt nicht wirklich hinein gepasst hat. Der Schreibstil war mir ein wenig zu sachlich und unpersönlich, ein bisschen mehr an Lebendigkeit und Schwung hätten den Roman sicher gut getan. Weniger detailreiche Wiederholungen, die Geschichte von Timos in einem anderen Buch unterbringen und auch aufzeigen, dass es sehr wohl auch Konsequenzen für diejenigen einmal gibt, die des Mobbings überführt werden. Dann wäre der Business Roman ,,Würdest du schweigen“ sicher interessanter zu lesen.
Humorvoll und originell
Würdest du schweigen von Alfred Kunz
Dank dem Autor Andreas V. Engel bekommt man in seinem neuesten Werk ,, Denk-an -Sätze“, sogenannte weitere humoristische Sichtweisen, von Menschen, Tieren und sonstigen lebenden und toten Personen. Besonders der Wiener in seiner bekannten grantigen, zynischen, aber im Grunde liebenswürdigen Art und Weise, bekommt hier wieder einmal das ,, Fett weg“.
Bereits aus dem ersten Buch ,, Gemischte Sätze“,hat der Leser die grantelnde Frau Mariann kennen gelernt, die sich auch hier wieder austoben kann. Herrlich beschreibt hier der Autor in gereimter Form die Tücken des Alltages, die Frau Mariann regelmäßig zum Explodieren bringt.
Aber auch die beiden Herren Havlitschek und Einfalt dürfen wieder in guter alter Manier der
Doppelconference a la Waldbrunn und Farkas, ihre Gespräche wieder geben. Diese Texte muss man mit einem großen Augenzwinkern lesen, da sie doch ein wenig überspitzt geschrieben sind, aber trotzdem hat man seine Freude dabei.
Andreas V. Engel ist im Grunde ein richtiger ,, Bengel“, der Gott und die Welt sprichwörtlich auf die Schaufel nimmt und nichts und niemand ist vor seiner spitzen Feder sicher. Das Buch ist wie ein kleines Schatzkästchen, aus dem jedes Mal, wenn man es öffnet, ein anderer literarischer Schatz heraus kommt. Das schöne und abwechslungsreiche bei ihm ist, dass es für ihn kein Tabu gibt, wie er seine Texte zu Papier bringt. Egal ob es Kurzgeschichten, Gedichte oder gereimte Texte sind, man bekommt als Leser stets etwas zum Lachen, zum Schmunzeln oder zum Nachdenken.
Man merkt, dass der Autor ein guter Beobachter und Zuhörer ist und viele Dinge haargenau auf den Punkt bringt. Sind es die nervigen Werbungen, die alles versprechen, was man bisher in seinem Leben vermisst hat oder die Vorurteile die viele anderen gegenüber haben ohne sie wirklich zu kennen, immer wieder bringt es der Autor pointenreich, aber auch manchmal etwas zynisch dem Leser rüber. Herrlich sind natürlich die vielen im Dialekt geschriebenen Zeilen die Spaß machen sie
zu lesen, auch wenn sie anderen vielleicht ein wenig Probleme bereiten.
Ich bin jedes Mal überrascht welch witzige und oft auch kuriose Einfälle der Autor hat. Ist es der legendäre fast schon zu Tode bringende ,, Männerschnupfen“ oder Fluss- und Städtenamen, die er originell in einem Text unterbringt, immer wieder schafft es Andres V. Engel mich zu überraschen. Wer also den ,,typischen Wiener „ kennen lernen möchte der grantelnd durch die Stadt zieht und zuhören möchte wie sich Mäuse und Promille mit schwerwiegenden Themen auseinander setzen müssen, der kommt hier auf seine Kosten.








