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Rezensionen von Petra Sch.:

grandios-gelungene Fortsetzung des Totengräbers aus Wien

Das Mädchen und der Totengräber von Oliver Pötzsch

Wien, 1894: Im Kunsthistorischen Museum wird eine Mumie gefunden - und zwar eine "frische": es ist ein bekannter Professor für Ägyptologe, der sich eigentlich gerade auf Reisen befinden soll. Ist er einem Fluch zum Opfer gefallen?
Der Totengräber vom Zentralfriedhof, Augustin Rothmayer, soll Inspektor Leopold von Herzfeldt alles über das Konservieren von Leichen erzählen, worüber er auch gerade ein Buch schreibt.

Denn der Professor wurde eindeutig ermordet.
Zeitgleich werden in verschiedenen Bezirken die übel zugerichteten Leichen junger Männer gefunden, die ihrer Männlichkeit beraubt wurden.
Und dann wird auch noch ein Wärter im Tiergarten im Prater von einem Löwen zerfleischt.


Meine Meinung:
"Das Mädchen und der Totengräber" ist die Fortsetzung von "Das Buch des Totengräbers", allerdings finde ich den Titel nicht so ganz passend. Klar, Augustin Rothmayer kämpft darum, dass die Waise Anna bei ihm bleiben darf - aber hauptsächlich geht es ja um die Ägyptologie und den mumifzierten Ägyptologen bzw. die Mordserie im Stricher-Milieu. Einen Titel, der darauf hin deutet, hätte ich besser gefunden.

Es ist toll, wieder ins historische Wien zu reisen und die alten Bekannten zu treffen: den kauzigen Totengräber Augustin Rothmayer, die junge Waise Anna, die clevere Polizeifotografin Julia Wolf und ihre gehörlose Tochter Sisi, und natürlich Inspektor Leopold von Herzfeldt, der "Piefke".
In diesem Buch war eigentlich Julia für mich die Hauptfigur, denn sie hat mit viel Gewieftheit und Mut auf eigene Faust ermittelt, ist empathisch, versucht anderen zu helfen... ich mag sie einfach sehr gerne!

Der Mumienfall war anfangs total gruselig, man konnte sich nicht erklären, wieso ein angesehener Professor plötzlich als Mumie im KHM auftaucht. Und ebenso konnte man kein Motiv für die brutalen Strichermorde finden.
Mir gefiel sehr gut, wie man Schritt für Schritt mit Leo, Julia und Augustin kleinste Puzzleteilchen aufdeckt, Fäden zusammenführt und dann alles zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Die Auflösung(en) waren logisch und nachvollziehbar - auf den Mörder selbst kam ich fast bis zum Schluss nicht, der Autor hat es gut geschafft, viele mögliche Täter zu präsentieren, sodass man immer in seiner Meinung schwankt.

Sehr schön war wieder, viel über das historische Wien zu lernen. Dass es damals einen weiteren Tiergarten im Prater gab, wo auch in sogenannten Völkerschauen dunkelhäutige Menschen wie Tiere ausgestellt wurden. Und dass die Fingerabdrucktechnik gerade erst im Aufkommen war.
Natürlich gibt es wieder Wortwitz und jede Menge Wiener Ausdrücke, die in einem Glossar am Ende erklärt werden.
In der vorderen Buchklappe gibt es einen hilfreichen Plan der inneren Bezirke von Wien im Jahre 1894, in dem alle vorkommenden Örtlichkeiten eingezeichnet sind, und natürlich der Leopoldstadt mit dem Prater, wo der Tiergarten lag, in dem ein Großteil der Handlung spielt.


Fazit:
Grandios-gelungene Fortsetzung der Totengräber-Reihe, in der zwei spannende Fälle im historischen Wien von einem kauzigen Totengräber und einem piefkischen Ermittler mit Hilfe der Polizeifotografin gelöst werden müssen. Spannend, gruselig, interessant, lehrreich und mit viel schwarzem Wiener Humor.

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großartiger Reihenauftakt: der erste Fall für Florentine Blix

Florentine Blix (1). Tatort der Kuscheltiere von Alice Pantermüller

An dem Tag, an dem Florentine Blix' Kuscheltiere verschwinden, bekommt sie auch einen neuen Mitschüler: Bo aus Dänemark. Den kann sie nicht leiden, weil sich der einfach neben sie setzt.
Und dann findet er auch noch ihre ganz geheime Kommandozentrale, ein verfallenes Häuschen, mitten im Wald.
Es ist ganz klar: sie muss Bo loswerden.

Um das zu erreichen, verspricht sie ihm, ihm bei der Suche nach seinem verschwundenen Cousin Jesper zu helfen. Und dabei wird sie von ihrer besten Freundin Maja unterstützt, denn die denkt genauso wie Florentine.


Meine Meinung:
Florentine, ein etwas anderes Mädchen mit autistischen Zügen, liebt es zu ermitteln. Bzw. lenkt sie das vom doch für sie eher schwierigen Alltag und dem Umgang mit anderen Menschen ab. Es ist so etwas wie abschalten für sie. Sie braucht klare Regeln, kann nicht Lügen und nicht mit Redewendungen umgehen, weil sie alles Gesagte für bare Münze nimmt.
Ihre Lieblingsfarbe ist grün, in allen Schattierungen. Sie zieht nur grüne Sachen an, und gute Gefühle sind für sie grün. Alles, womit sie sich nicht gut fühlt, erscheint ihr in Rottönen.

Florentine erzählt dem Leser ihre Geschichte wie in einer Akte. Dazu sind Ringe wie in einer echten Mappe auf jeder Seite abgebildet. Man erlebt die Geschichte daher total intensiv und es ist auch sehr humorvoll, und der Kriminalfall ist spannend. Man rätselt und ermittelt mit Florentine direkt mit. Die Kuscheltiere geraten eher in den Hintergrund, die Suche um Jesper ist der eigentliche Fall (und dieser ist auch viel fesselnder).
Florentine ist ehrlich, empathisch und hat eine sehr gute Kombinationsgabe.
Die Wahrheit über ihre Freundin Maja hatte ich bald herausgefunden, doch anfangs hat mir das nicht so gefallen. Mit der Zeit jedoch fand ich es außergewöhnlich und konnte mich damit anfreunden, es hat die Geschichte sogar aufgewertet.

Kleine Einschübe in Form von "Zetteln", zum Beispiel "wichtige Erkenntnisse", Auflistungen von Vor- und Nachteilen, (Gedächtnis-)Protokolle, Infozetteln zu bestimmten Dingen (zB über wichtige Bauten und Stadtteile in Flensburg und andere Dinge, etwa was ein Dodo ist oder ein Dietrich), bringen einem spielerisch viele neue Dinge bei.
Besonders toll finde ich, dass auch immer wieder mal (detaillierte) Stadtpläne von Flensburg enthalten sind sowie wissenswerte Infos dazu, auf denen man Florentines Weg nachvollziehen kann und somit Flensburg auch näher kennenlernt.
Auch die handelnden Personen werden mit Steckbriefen, inkl. Zeichnung, näher vorgestellt.
Und nachdem Florentines Lieblingsfarbe Grün ist (in allen Schattierungen), sind auch die Illustrationen im Buch schwarz-grün.


Fazit:
Eine etwas andere, junge Ermittlerin löst ihren ersten Fall. Humorvoll, spannend, außergewöhnlich spooky. Und ein toller Aufbau mit Zetteln, Gedächtnisprotokollen u.ä. Ich freue mich schon sehr auf Florentines zweiten Fall!

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Wie Cate lernt, ihren Eispanzer zu öffnen und Gefühle zuzulassen...

Gleichung mit zwei Unbekannten,1 Audio-CD, MP3 von Cara Feuersänger

Cate O'Reilly arbeitet in einer Hamburger Bank. Dort ist sie erfolgreich als Abteilungsleiterin, denn sie kann supergut mit Zahlen - mit Menschen hingegen jedoch überhaupt nicht.
Bis eines Tages ihre Cousine Joanne samt einer Straßenkatze vor ihrer Tür steht und ihr Leben gehörig durcheinanderbringt.

Als sie dann auch noch Matthis kennenlernt, ist nichts mehr so, wie es war...


Meine Meinung:
Die Geschichte ist angenehm erzählt, und Cate ist eine Protagonistin, die man anfangs überhaupt nicht mag. Sie ist kalt gegenüber anderen Menschen, sogar unhöflich zu ihren Mitarbeitern, und man kann zuerst auch nicht nachvollziehen, warum sie Joanne derart ablehnt, ja fast schon hasst.
Doch dann kristallisiert sich nach und nach die ganze Wahrheit heraus, und man bekommt Mitgefühl mit Cate. Und Cate selbst lernt durch ihre chaotische, freundliche und offene Cousine, dass man sein Herz nicht vor allen anderen verschließen muss, weder Mensch noch Tier. Und dass man eine traumatische Vergangenheit und familiäre Probleme aufarbeiten muss.

Die Romanze mit Matthis und dessen Hintergrundgeschichte ist auch spannend aufgebaut, da gibt es noch ordentlich Troubles in Cates Leben, denn wenn sie sich schon verliebt, dann kompliziert ;)

Jedoch ging mir Cates Entwicklung vom verschlossenen Egozentriker zum gefühlvollen, offenen Menschen gegen Schluss dann doch zu schnell. Klar hatte sie gute Gründe, nun nicht mehr so ablehnend zu sein, aber sie war plötzlich ein um 180 Grad anderer Mensch.
Auch wenn Cate die Protagonistin ist, war Joanne meine heimliche Favoritin ;)

Besonders toll sind die Beschreibungen von Hamburg, man bekommt so ein richtiges Hansestadt-Feeling.
Die Sprecherin hat eine angenehme Stimme, gute Intonation und Sprechgeschwindigkeit.


Fazit:
Eine sommerliche Liebesgeschichte, in der die anfangs unsympathische Protagonistin wächst und einen starken Charakter bekommt; mit tollem Hamburg-Flair. Ich vergebe 3,5 Sterne.

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der erste (Zwischen-)Fall für die Vikki

Zurück nach Übertreibling von Gloria Gray; Robin Felder

3,5 Sterne


Als eines Tages der Widersacher von Künstlerin Vikki Victoria, 41, aus dem Gefängnis flüchtet - der Toni, der ihr in den letzten 13 Jahren jede Menge Drohungen geschickt hat - muss sie sich schnellstens in Sicherheit bringen. Am besten in dem Kaff, aus dem sie kommt: Übertreibling.

Gemeinsam mit dem Biker Wolf macht sie sich auf in die alte Heimat. Und dort gilt es herauszufinden, warum der Toni damals geglaubt hat, dass sie ihn am Mord an seiner Frau bei der Polizei angeschwärzt hat. Und bringt sich dabei in Gefahr...


Meine Meinung:
Vikki Victoria, die mal ein Junge im bayrischen Dorf war und jetzt als Frau in München lebt, erzählt in ich-Form den Lesern ihre Geschichte - mit all ihren (geheimen) Gedanken - ich finde das einfach göttlich! Man hat das Gefühl, man ist direkt bei Vikkis Abenteuer dabei. Dabei muss man ihren Redeschwall schon aushalten können.
Der Schreibstil bzw. eben Vikkis Erzählung ist zwar hastig und schnell, auch mal überdreht und chaotisch (so wie Vikki halt ist), aber sie spricht ihre Gedanken so aus, wie sie ihr kommen: ehrlich, schrill und geradeheraus. Auch hält sie nicht mit ihrer Meinung über die anderen hinterm Berg und teilt ihre Spitzen aus. Das liest sich sehr humorig, amüsant und unterhaltsam.
Wie ich erwartet hatte, ist die Geschichte ausgefallen, skurril und auch überzogen - das hat mich anfangs total vom Hocker gehauen! Doch mit der Zeit wurde es mir doch zu viel des Guten; auch Vikkis Alleingang fand ich nicht überzeugend. Auch werden sämtliche Klischees bedient.

Insgesamt war die Geschichte sehr unterhaltsam, es gab überraschende Wendungen, und die Vikki ist ein ehrlicher Mensch und nimmt kein Blatt vor den Mund - das macht sie mir sehr sympathisch. Trotz des "zu viel" am Ende freue ich mich schon auf ihren zweiten Zwischenfall! :D


Fazit:
Auftakt einer bayrisch-humorigen Krimi-Reihe mit einer etwas anderen, aufgedrehten und skurrilen Protagonistin.

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fesselnder historischer Jugendkrimi mit einer ganz tollen, vifen Protagonistin

Mord im Gewächshaus von Elizabeth C. Bunce

Die 12jährige Myrtle Hardcastle ist ein äußerst aufgewecktes, neugieriges und cleveres Kind, das große Freude am Beobachten und an der Detektivarbeit hat und alles über die Sicherung von Beweisen und die Gerichtsmedizin wissen will.
Was sie natürlich zu einer Außenseiterin macht, denn junge Damen im Jahre 1893 haben sich über derlei Dinge nicht den Kopf zu zerbrechen.

Als die ältliche Nachbarin, die wohlhabende Witwe Miss Wodehouse, die erfolgreich seltene Lilien züchtet, plötzlich unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden wird, macht sich Myrtle mit Hilfe ihrer Gouvernante Miss Judson ans Ermitteln und begibt sich dabei selbst in Gefahr.


Meine Meinung:
Der Auftakt der Reihe um die Junior-Detektivin Myrtle Hardcastle ist hervorragend gelungen! Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert in einem kleinen Dorf in England.
Die Sprache, die etwas an das damalige Zeitalter angepasst ist, ist interessant zu lesen - ich finde jedoch, für Kinder ab 12 noch etwas zu anspruchsvoll. Ebenso die doch öfter mal vorkommenden schwierigeren Ausdrücke, die jedoch durch Fußnoten erklärt werden.

Myrtle selbst ist so ganz anders, als junge Damen damals zu sein hatten: äußerst neugierig, wissbegierig, clever, mit guter Kombinationsgabe, und sehr interessiert an Gesetzten und Rechtsprechung (ihr Vater ist Staatsanwalt), an dem Verfolgen von Spuren und der Tatortanalyse, Ermittlungen, und auch an der Gerichtsmedizin (das ganz besonders).
Sämtliche Figuren sind detailreich und lebendig ausgearbeitet, die Beschreibung der Örtlichkeiten lassen einen alles vor dem inneren Auge auferstehen, und auch die Lebensbedingungen und die soziale Situation zur damaligen Zeit sind authentisch und interessant in die Geschichte eingebaut.

Besonders spannend ist der Fall selbst: die eher unbeliebte reiche Witwe wird tot aufgefunden, wobei man zuerst von einem natürlichen Tod ausgeht. Nur Myrtles Beobachtungs- und Kombinationsgabe und vor allem auch ihrer Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass man dem Mord auf die Spur kommt.
Es werden viele mögliche Täter präsentiert, die alle einen guten Grund für den Mord gehabt hätten. Und man wechselt immer in seiner Meinung hin und her.
Ein Gefühl hat mich aber schon bald auf den wahren Täter tippen lassen, auch wenn ich noch kein Motiv gefunden hatte.

Das Buch hat somit großen Spaß gemacht: das Leben in England in der damaligen Zeit kennenzulernen, und mit Myrtle gemeinsam Spuren zu verfolgen, Puzzleteile zusammenzusetzen und auf Täterjagd zu gehen.
Ich freue mich schon sehr auf den Folgeband!


Fazit:
Grandioser Auftakt der Jugend-Krimi-Reihe um Myrtle Hardcastle, eine außergewöhnlich clevere und kriminaltechnisch begabte junge Dame im England des 19. Jahrhunderts.

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gelungener Auftakt der Golden Hill Reihe

Golden Hill Touches von Nicole Böhm

4,5 Sterne

Parker kauft die ehemalige Ranch seiner Großeltern zurück, die sie aufgrund der Erkrankung des Großvaters verkaufen mussten. Denn er will daraus gemeinsam mit seiner Schwester Sadie eine Pferdetherapiestätte machen.
Doch leider sind etliche Bewohner des Örtchens Boulder Creek nicht mit seinen Plänen einverstanden und er muss ständig Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, beseitigen.

Fast ist das Projekt zum Scheitern verurteilt, doch Clay, die als Jugendliche in Parker verknallt war, steht ihm helfend zur Seite, auch wenn sie anfangs nicht glücklich ist, dass er nach Boulder Creek zurückgekehrt ist.


Meine Meinung:
"Touches" ist der Auftakt der Saga um die Golden Hill Ranch.
Die Geschichte ist abwechselnd aus Sicht von Parker und Clay geschrieben, jeweils in ich-Form, sodass man sich noch besser in die jeweilige Person hineinversetzen kann, weil man die tiefsten Gedanken und Gefühle erfährt. Auch gibt es immer wieder Rückblenden in die Zeit vor 11 Jahren, als der widerspenstige 17jährige Parker zum ersten Mal auf das Anwesen seiner Großeltern kam und Clay kennenlernte.
Was mir besonders gut gefallen hat, waren die detaillierten Beschreibungen der Landschaft und dem Anwesen. Ich hatte alles ganz genau vor Augen und würde am liebsten sofort dorthin fahren!

Die Pferde kommen in diesem ersten Band für meinen Geschmack noch etwas zu kurz; aber die Ranch wird ja auch erst aufgebaut und ich gehe davon aus, dass sie in den nächsten Bänden, wenn das Therapiezentrum schon "im Einsatz" ist, mehr Erwähnung finden.

Sehr schön war auch die sanfte Liebesgeschichte zwischen Clay und Parker, die sich langsam entwickelt hat. Leider erfährt man nur häppchenweise und nach und nach, was damals vor elf Jahren zwischen den beiden vorgefallen ist (und ganz konnte mich das leider nicht überzeugen). Aber die Freundschaft, die sich zuerst zwischen den beiden entwickelt, und dann die langsame Annäherung, war authentisch und einfach nur wunderschön zu verfolgen; und natürlich romantisch.

Auch Krimi-Freunde kommen hier nicht zu kurz, denn die Manipulationen an der Baustelle waren auffällig und konnten nicht nur Zufall sein. Leider haben Parker und Clay erst viel zu spät bemerkt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
Das Rätseln, welcher der Einwohner von Boulder Creek hier ein perfides Spiel spielt, war für mich als Krimi-Fan natürlich besonders toll :D


Fazit:
Ein solider Auftakt der Reihe, der eine romantische Liebesgeschichte mit wundervollen Naturbeschreibungen und einem kleinen Krimi kombiniert. Für mich hätten die Pferde ruhig einen größeren Stellenwert einnehmen können; aber das kommt hoffentlich in den nächsten Bänden.

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jeder braucht ein Möhrchen

Grimm und Möhrchen - Teil 1: Ein Zesel zieht ein,2 Audio-CD von Stephanie Schneider

Eines Regentages spaziert Möhrchen, ein kleines Zesel (Mischung aus Zebra und Esel) in den Laden des Buchhändlers Grimm. Grimm ist einsam und schreibt oft an seinen Geschichten.
Mit Möhrchen ist Grimm nun nicht mehr einsam und das kleine Zesel bringt jede Menge Chaos und Aufregung in Grimms Leben.

Die Kurzgeschichten mit dem kleinen Zesel zeigen, dass man nicht alles so ernst nehmen muss; dass man Dinge auch mal so machen kann, wie man sie für gut und richtig befindet und nicht so, wie alle das machen. Und das man das Leben genießen soll.
Möhrchen schließt man sofort in sein Herz, er ist freundlich, offen und ehrlich, und sagt, was er denkt.
Die Sprache ist kindgerecht, einfallsreich und warmherzig, und es werden auch die wichtigen Themen Freundschaft, Vertrauen, Missverständnisse und sich danach verzeihen angesprochen.
Aber es kommen auch außergewöhnliche Wörter vor, die man im Sprachgebrauch kaum mehr verwendet. So wird der Wortschatz der Kinder spielerisch erweitert.

Der Sprecher, Boris Aljinovic, haucht Grimm und Möhrchen auf 2 CD's mit einer Laufzeit von ca. 1,5 Stunden mit eigenen Stimmen Leben ein; er erzählt in einer eher langsamen, ruhigen Sprechweise und ist angenehm zu hören.
Das Titellied ist ein richtiger Ohrwurm.


Fazit:
Eine warmherzige Geschichte über ein kleines Zesel, das das Leben des ernsten und einsamen Buchhändlers lockerer, lustiger und lebenswerter macht.

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spuken tatsächlich Geister auf Baneberry Hall?

Home - Haus der bösen Schatten Psychothriller von Bestsellerautor Riley Sager von Riley Sager

Maggie hat als kleines Kind mit ihren Eltern auf dem Anwesen Baneberry Hall gelebt, das nach den gleichnamigen schönen, jedoch giftigen Beeren benannt ist und um das sich viele Spukgeschichten ranken.
Doch nach nur 20 Tagen flüchtet die Familie nach einer Schreckensnacht und der Vater schreibt daraufhin ein Buch über die gruseligen Erlebnisse dort.

Maggie kann sich jedoch an nichts mehr aus der Zeit auf Baneberry Hall erinnern; sie kennt die Geschehnisse nur aus den wenigen Erzählungen der Eltern und dem Buch des Vaters - doch viel sprechen ihre Eltern nicht über damals.
25 Jahre später erbt Maggie das Haus, als ihr Vater stirbt. Wieso war es noch in seinem Besitz? Warum hat er es ihr vererbt? Was geschah damals in dieser Nacht?
Als Maggie das Haus renovieren und verkaufen will, passieren wieder jede Menge seltsame Dinge...


Meine Meinung:
Die Geschichte ist so lebendig geschrieben, es ist Kopfkino pur und verursacht Gänsehaut-Gruselfeeling.
Es werden zwei Handlungsstränge auf zwei Zeitebenen erzählt: Maggie in der Gegenwart, der Vater und sein Buch in der Vergangenheit. Zwei verschiedene Sprecher verkörpern diese unterschiedlichen Erzählungen nicht nur perfekt, sondern man weiß beim Hören auch immer gleich sofort, in welcher Zeit man ist bzw. aus wessen Sicht gerade berichtet wird.

Ich habe das Anwesen genau vor Augen, und die Aufteilung, dass man abwechselnd in der Gegenwart aus Sicht von Maggie erfährt und dann quasi als Rückblick Auszüge aus dem Roman hört, eben von einem weiblichen und einem männlichen Sprecher*in vorgelesen, macht das ganze authentischer und noch interessanter.
Die schaurige Vergangenheit des Hauses mit den vielen Todesfällen, bei denen immer nur Mädchen von ihren Vätern umgebracht wurden, lassen die Story aus der Vergangenheit einer Gespenstergeschichte gleichen, während sich die Geschichte in der Gegenwart zu einem Kriminalfall entwickelt.

Es ist auch toll gelöst, dass man als Leser nicht weiß, ob das Buch von Maggies Vater die Wahrheit erzählt oder nur ausgedacht ist. Man schwankt hier oft in seiner Meinung.
Man bleibt auch bis zum Schuss mit vielen Fragen im Ungewissen: warum kann sich Maggie an nichts erinnern? Ist etwas so unaussprechliches passiert, dass sie komplett alles verdrängt hat? Wieso haben ihr ihre Eltern NIE die Wahrheit erzählt, sind immer ausgewichen? Und WARUM hat ihr Vater das Haus nie verkauft?

Der Gruselfaktor wird auch konstant hoch gehalten: das Licht, das immer wieder angeht; die Glöckchen, die klingeln; der Plattenspieler, der von selbst Musik wiedergibt und Sachen, die verschwinden. Als Hörer überlegt man ständig: gibt es tatsächlich Gespenster auf Baneberry Hall oder hat sich jemand heimlich ins Haus geschlichen und will die Familie in den Wahnsinn treiben?


Fazit:
Fesselnde Gruselgeschichte über ein altes Haus, in dem immer wieder Todesfälle vorkamen. Durch die beiden unterschiedlichen Sprecher/in sind die zwei Zeitebenen gut erkennbar.

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aufregende Abenteuer mit einem außergewöhnlichen Dings

Das Dings aus dem Schrank von Anja Kiel

Die 10-jährige Sophia findet am Straßenrand einen wunderschönen Schrank, der früher dem Spielzeugerfinder Edmund Experiri (E.E.) gehört hat. Doch in dem Schrank lebt ein undefinierbares "Dings" namens Dings, das je nachdem, was es gefressen hat, seine Farbe und Konsistenz ändert: einmal ist es ein flauschiges violettes "Stofftier", dann ein gummiartiger roter Ball, und dann auch mal unsichtbar.

Jedenfalls bringt das Dings Sophias Leben gehörig durcheinander, hilft ihr aber auch in vielen Situationen und bringt sie zum Lachen und auch zum Nachdenken.


Meine Meinung:
In das Dings muss man sich einfach verlieben! Es ist sooo niedlich, in jeder seiner Formen, und es ist liebenswert chaotisch, aber auch warmherzig und hilfsbereit. Trotzdem bringt es Sophia oft in Verlegenheit - auch deshalb, weil sie es natürlich verheimlichen muss, sogar vor ihrem besten Freund Jan.

Der Schreibstil ist locker, leicht, witzig und kindgerecht; die Geschichte ist freundlich, farbenfroh und auch chaotisch. Und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Jeder neue Tag ist ein eigenes Kapitel.
Das Tolle an dem Dings ist nicht nur, dass es jeden Tag anders aussieht (oft bekommt Sophia geheime Nachrichten von E.E. mit Fütterungs-Tipps), sondern dass es sich sehr vornehm ausdrückt, besonders höflich ist und gute, altmodische Manieren hat. Das ist nicht nur total lustig zu lesen, sondern somit lernen die Kids nebenbei noch spielerisch Freundlichkeit und Ausdrücke, die aktuell nicht mehr so oft Verwendung finden.
Die Themen Freundschaft, Geheimnisse haben, Streiten und sich-wieder-vertragen, Akzeptanz und auch Mut, mal über seinen Schatten zu springen werden in dieser Geschichte spielerisch verarbeitet.

Das Dings ist immer fröhlich und animiert Sophia, neue Dinge auszuprobieren und etwas zu wagen.
"Es ist kein Haustier und kein Spielzeug. Und schon gar kein Katzen-Spielzeug. Es ist ein Dings. Und ein Freund. Genau wie Jan."
Die färbigen Illustrationen von Iris Hardt sind wunderschön, liebevoll und sehr detailreich. Das Dings mit seinen kleinen Zähnchen sieht einfach nur oberniedlich aus!! :D


Fazit:
Eine ganz tolle, besonders fantasievolle Geschichte über ein außergewöhnliches, liebenswertes Dings, das Sophias Leben durcheinanderbringt und aufregender macht.

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gelungener Abschluss der Polizeiärztin-Trilogie

Polizeiärztin Magda Fuchs - Das Leben, ein wilder Tanz von Helene Sommerfeld

Berlin, 1924 bis 1926. Die Polizeiärztin Magda Fuchs, die nun auch eine eigene gynäkologische Ordination betreibt, entlässt eine aus dem Kanal gerettete wohlhabende Dame als genesen. Doch kurz darauf wird diese tot aufgefunden, und Magda und ihr Mann Kuno, Kommissar bei der Berliner Polizei, forschen in den erlesenen Kreisen nach dem Grund dafür und treten dabei einflussreichen, mächtigen Persönlichkeiten auf die Zehen.

Weiters hat Magda immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, den kleinen Bruder von Elke zu finden, der vor 3 Jahren verschleppt wurde.


Meine Meinung:
"Das Leben, ein wilder Tanz" ist der letzte Band der Polizeiärztin-Trilogie und ein gelungener Abschluss der Reihe.
Der Schreibstil ist wie gewohnt mitreißend und lebendig, man fiebert mit allen handelnden Personen mit, und das Leben der Menschen im Berlin in der zweiten Hälfte der 1920er ist gut recherchiert und authentisch dargestellt.
Man erfährt nicht nur über die Klassenunterschiede, wie Menschen teilweise zurechtkommen mussten bzw. was sie alles taten, um zu überleben, sondern auch viel über die zwielichtige Szene. Mir war gar nicht bewusst, dass es auch damals schon Menschen gab, die spezielle Arten von Liebe suchten und brauchten.

Es ist schön, wieder alle alten Bekannten zu treffen, und die Frauen aus der Pension sind alle gereift und erwachsen geworden und gehen ihren Weg. Und Magda, die immer schon die reifste und verantwortungsbewussteste war, muss mit Kuno gemeinsam eine schwierige Entscheidung treffen.
Auch in diesem Band geht es wieder sehr viel um Celia, die mir jetzt aber zum ersten Mal sympathisch ist, denn sie ist endlich erwachsen geworden.

Der Kriminalfall ist sehr komplex und speziell, aber genau deshalb sehr interessant und fesselnd.
Besonders spannend fand ich, dass in dieser Zeit die Daktyloskopie (Fingerabdrücke) an Bedeutung gewinnt und Magda bzw. Kuno hoffen, mithilfe derer auf Ottos Spur zu kommen.
Auch die Gleichberechtigung der Frauen ist noch nicht wirklich weiter gekommen, aber die Frauen fangen endlich an, sich stärker aufzulehnen. Vor allem in der gehobenen Gesellschaft waren Frauen nur dazu da, männliche Erben zu "produzieren".
Dem Autorenpaar ist es wundervoll gelungen, die Atmosphäre der damaligen Zeit lebendig einzufangen, mich zu berühren und in seinen Bann zu ziehen.

Es gibt auch eine Verbindung zur Ärztin-Trilogie des Autorenduos und daraus resultierend eine weitere Reihe, auf die ich schon sehr neugierig bin.
Zu Beginn gibt es ein Register aller handelnder Personen; in der vorderen Klappe findet man einen übersichtlichen Plan von Berlin im Jahre 1925; und in der hinteren Klappe Kurzbeschreibungen der starken, außergewöhnlichen Frauen Magda Fuchs, Ina Dietrich, Ruth Jessen, Celia Hinnes, Doris Kaufmann und Erika Hausner.


Fazit:
Ein fesselnder, mitreißender und berührender Abschluss der Polizeiärztin-Trilogie.

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