Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Petra Sch.:

Gelungener Auftakt der Skandinavien-Krimi-Reihe in Eis und Schnee

Kalt und still von Viveca Sten

Hanna Ahlander, 34, verliert am gleichen Tag sowohl ihre Arbeit bei der Citypolizei in Stockholm und auch ihren Freund.
Sie verkriecht sich im luxuriösen Ferienhaus ihrer Schwester im Skiort Åre, um ihre Wunden zu lecken.
Doch dann verschwindet die 18jährige Amanda nach einer Party, und das Bergdorf ist in Aufruhr.

Unter der Leitung von Missing People helfen alle, das Mädchen zu suchen, denn bei den extrem eisigen Minustemperaturen zählt jede Stunde.


Meine Meinung:
Der Auftakt der Reihe um Hanna Ahlander hat mir sehr gut gefallen; der Schreibstil ist unkompliziert und sehr flott, man wird nur so durch die Geschichte gepeitscht, auch aufgrund der sehr kurzen Kapitel.
Die Kapitel haben das jeweilige Datum als Überschrift, beginnend beim 9. Dezember 2019, und geht bis zum 22. Dezember. Dazwischen eingeschoben in Kursivschrift liest man immer wieder kurz über die Strapazen von Amanda.

Bei Hanna hab ich zwar ein bisschen gebraucht, um mit ihr warm zu werden (sie war mir anfangs etwas zu weinerlich), doch dann entpuppt sie sich als taffe Ermittlerin, die nicht aufgibt. Und die auch endlich wieder traut, ihren Instinkten zu vertrauen.
Viel hat sie Kriminalkommissar Daniel Lindskog zu verdanken, der auf sie vertraut und sie in sein Team aufnimmt, was ihr Selbstbewusstsein stärkt. Und er wird nicht enttäuscht.

Mit hat besonders gut gefallen, dass die Gegend um Åre und die schneebedeckte Landschaft so gut dargestellt ist, dass man alles genau vor Augen hat.
Und man friert beim Lesen, weil die Eiseskälte und der Schnee einen komplett durchdringen.
Nicht so gut fand ich, dass einige Dinge immer nur angedeutet wurden, und sich dies und auch andere Aussagen öfter wiederholt haben.

Der Fall ist abgeschlossen und hat sich nachvollziehbar aufgelöst, nachdem ich immer wieder an den Motiven und der Handlung des Täters gezweifelt hab. Trotzdem man einige Verdächtige präsentiert bekommt, hatte ich den Täter schon von Anfang an auf dem Schirm. Trotzdem war es ein spannender Kriminalfall und ich freue mich schon auf den nächsten Band.


Fazit:
Gelungener Auftakt der Skandinavien-Krimi-Reihe in Eis und Schnee mit einer sympathischen Ermittlerin.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

Auftakt einer düsteren Island-Krimi-Reihe

Verschwiegen von Eva Björg Ægisdóttir

Polizistin Elma ist aus persönlichen Gründen wieder in das Dorf ihrer Kindheit zurückgekehrt und wird dort auch gleich mit dem Fall einer unbekannten Frau konfrontiert, die tot neben dem alten Leuchtturm aufgefunden wurde.
Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf immer mehr Geheimnisse aus der Vergangenheit, bis sich die Puzzleteile endlich zu einem Ganzen fügen.

Meine Meinung:
Dieser nordische Krimi hat es in sich: die Landschaft Islands wird wunderbar beschrieben, dies lässt einen auch trotz herrschender Novemberkälte Lust auf eine Reise in dieses Land bekommen.
Auch das soziale Gefüge dieser Kleinstadt ist authentisch und lebendig dargestellt; jeder kennt jeden, was auch der Grund ist, warum der Polizeichef nicht so intensiv ermittelt, wie er eigentlich sollte, weil er sich mit niemandem anlegen will.
Doch gut, dass nun eine junge, engagierte Ermittlerin in Form von Elma da ist, die schon jahrelang nicht mehr 'daheim' war, und somit mit ihren Fragen und Nachforschungen niemanden auf die Füße treten kann. Denn nur so erhält man Ergebnisse.

Doch die Leute sind sooo deprimierend dargestellt; jeder in der Kleinstadt Akranes hat ein bemitleidenswertes Leben, wird/wurde gemobbt, Gewalt spielt eine Rolle usw... - womit ich selbst so richtig hinuntergezogen wurde, was ich so gar nicht mag. Von einer Geschichte möchte ich unterhalten werden, und nicht in depressive Stimmung versetzt werden.
Somit ist dieser Krimi nicht nur ein Skandinavien-Krimi, sondern so richtig Nordic Noir.

Doch der Kriminalfall hat mehr als überzeugen können!
Abwechselnd wird in der Gegenwart und in der Vergangenheit vor ca. 30 Jahren berichtet, sodass man als Leser immer einen kleinen Vorsprung hat, jedoch trotzdem nie das große Ganze sieht.
Die Ermittlungsarbeit ist authentisch und interessant dargestellt.
Der Fall und die Auflösung ist furchterregend real, so etwas wird es wohl leider immer wieder geben. Was die ganze Geschichte noch bedrückender macht.

Der Titel passt perfekt zur Geschichte, denn alle haben Geheimnisse und niemand erzählt etwas.
Zu erwähnen sind auch die Karten von Island und Akranes in den inneren Buchdeckeln.


Fazit:
Wer so richtiges Nordic Noir mag, ist hier bestens aufgehoben. Der Fall vor der traumhaften isländischen Kulisse war total interessant und spannend, nur diese extrem deprimierende Atmosphäre war leider so gar nicht meins.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

3. Teil der Reihe um den Troubadour Niki

Isengrim von Christoph Görg

Im November des Jahres 1194 passieren grausame Frauenmorde: einige Bademägde werden erstochen und ausgeweidet in Krems aufgefunden, und die Bewohner haben Angst, dass "Isengrim", der Werwolf, umgeht.
Nachdem die erste Tote, Bademagd Magdalena, die Engeltruds Trauzeugin werden sollte, jedoch vor der Tür des Juden Mendel aufgefunden wurde, und sie auch eine Schachfigur aus dessen Spiel bei sich hatte, wurde dieser zum Tode verurteilt.

Nikolaus von Dürnstein kann einige Tage herausschlagen, in denen er den wahren Täter finden muss, um die Hinrichtung von Mendel zu verhindern. Denn er ist sich sicher: Mendel ist unschuldig.
Doch wer ist der Mörder und warum? Und kann Niki ihn rechtzeitig finden, um seine Verlobte Engeltrud zu retten?


Meine Meinung:
"Isengrim" ist der 3. Teil um den Zeitreisenden Niki, den es durch einen Sturz von der Mauer der Ruine Dürnstein vor knapp zwei Jahren von der Jetztzeit ins Mittelalter verschlagen hat (nachzulesen in "Troubadour").
Hier geht es nun um genau sieben Tage im November des Jahres 1194, in denen Niki grausame Frauenmorde aufklären muss, denn er möchte nicht, dass ein Unschuldiger dafür gehängt wird.

Mir gefiel wieder die fesselnde Schreibweise, der Humor (v.a. wenn Niki Begriffe aus der Jetzt-Zeit verwendet oder Austropop-Hits vorträgt) und die vielen historisch korrekt recherchierten Details.
Man trifft wieder auf alle alten Bekannten; außer Niki noch seine Verlobte Engeltrud, deren Bruder Bertram, Nikis Freund Joachim von Senftenberg und die Brüder Gerwald und Gottfried.
Der Kriminalfall selbst war sehr spannend. Es ist ein typischer Whodunit, bei dem man Niki und Bertram bei Zeugenbefragungen und der Suche nach Spuren und Beweisen begleitet. Man bekommt immer wieder neue Verdächtige präsentiert, die alle ein Motiv haben, doch auf den tatsächlichen Mörder bin ich lange nicht gekommen.

Leider war für mich jedoch absolut nicht glaubhaft, dass Niki, ein 20 Jahre junger Mensch, sämtliche Details aus der Geschichte Wiens und Krems' kennt. Allerdings war es natürlich total interessant zu lesen, und dieses Wissen hilft ihm auch oft weiter bzw. rettet ihn aus Miseren (bringt ihn aber auch manchmal in welche ;)

Die Auflösung ist altbekannt und erfolgreich: Niki lässt alle Hauptverdächtigen zusammenkommen, präsentiert von jedem ein mögliches Motiv, und erst am Schluss offenbart er den Täter. Was natürlich nicht ohne Folgen bleibt und es zu einem rasanten Showdown kommt.


Fazit:
Unterhaltsamer, humorvoller und spannender Krimi, in dem der Zeitreisende Niki Mordfälle im historischen Krems lösen muss.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

Auftakt der Reihe um einen französischen Auftragskiller

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens von Pierre Martin

3,5 Sterne

Lucien Comte de Chacarasse, der ein gutgehendes Restaurant betreibt, muss sich nach dem Tod seines Vaters, der erschossen wurde, leider dem Familiengeschäft widmen: dem Auftragsmord. Obwohl er Töten hasst.
Francine, die Sekretärin seines Vaters, tritt auch in seine Dienste und gemeinsam versuchen sie, Ideen zu finden, um die Auftragsmorde durchzuführen, ohne töten zu müssen.

Meine Meinung:
Der Auftakt der Reihe startet etwas schwierig, da zu Beginn nicht viel passiert und es etwas zäh ist.
Auch, dass so lange ein "Geheimnis" darum gemacht wird, welches das große Familiengeschäft der Chacarasse ist (obwohl man es sich als Leser eh schon denken konnte), fand ich etwas überzogen - warum wird da so ein Tamtam drum gemacht? Und gibt es sowas überhaupt noch? Eine Familie von Auftragskillern? War für mich unglaubwürdig.
Allerdings war der Verlauf der Geschichte dann doch unterhaltsam.
Dass viele französische Ausdrücke übernommen wurden, hat mir sehr gut gefallen. Teilweise war die Übersetzung auch gleich im fortlaufenden Text inkludiert, aber leider nicht immer.
Auch liest man viel über französische Gerichte und Wein, da Lucien ja eigentlich ein Restaurantbesitzer ist.

Auch dass Lucien das Töten eigentlich hasst, aber doch perfekt in allen Arten davon ist, war für mich unglaubwürdig - ebenso wie das Versprechen an seinen Vater an dessen Totenbett. Warum glaubt er, es dann tun zu müssen, wenn er es doch nicht will? Sein Vater kann ihn dafür ja nicht mehr verurteilen.
Naja, so findet er dann andere kreative Problemlösungen dafür, was ich ganz witzig fand.

So richtig warm konnte ich mit Lucien und seiner Art nicht werden, er lebt so in den Tag hinein und ist den Frauen und dem Wein sehr zugetan, bis er dann den inneren Konflikt hat, dem Versprechen an seinen Vater nachzukommen, obwohl er doch nicht töten will; sein Onkel ist unsympathisch, arrogant und nur aufs Geld aus; und Francine ist kühl und unnahbar, sie taut jedoch gegen Ende etwas auf.
Die einzig sympathische Figur im Buch ist die Haushälterin Rosalie, die man einfach ins Herz schließen muss.
Wer Luciens Vater getötet hat, wird in einem actionreichen Showdown auch noch aufgelöst.


Fazit:
Nach einem schwierigen Einstieg ein ganz unterhaltsamer Krimi mit tollem Frankreich-Flair, leider ohne richtig viel Spannung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

Wie wird man reich und berühmt?

Gregs Tagebuch 17 - Voll aufgedreht! von Jeff Kinney

Im 17. Band von Gregs Tagebuch geht es darum, dass Greg gerne reich wäre. Aber ohne berühmt zu sein, denn das hat ja bekanntlich so gewisse Schattenseiten. Daher wäre er gerne der beste Freund von jemand Berühmten - oder der Bruder!
Und so hilft er seinem älteren Bruder Rodrick, dass dessen Rockband "Folle Vindl" berühmt - und somit auch reich - wird.

Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, Greg ist wohl kein Literaturtalent ;)
Aber der einfache und kurze Text im Comic-Stil ist leicht und schnell zu lesen - und Greg hat schon viele Lesemuffel motiviert.
Die schwarz-weiß Zeichnungen sind auch eher einfach gehalten, dennoch kann man alles genau erkennen, sogar die Gesichtsausdrücke (und somit Gefühle) der Personen.

Die Geschichte selbst konnte mich persönlich jetzt nicht so vom Hocker reißen, denn es werden alle Möglichkeiten, um berühmt zu werden, abgearbeitet - und natürlich endet alles in mehr oder weniger großem Chaos. Das nervt dann mit der Zeit sehr, auch die Wiederholungen. Und auch, dass alles extrem überzogen ist.

Aber bei der Jugend scheint's wohl anzukommen, meine Tochter kennt alle Greg-Bände und war auch von diesem hier wieder restlos begeistert. Der Autor scheint für seine Zielgruppe wohl alles richtig zu machen ;)


Fazit:
Für mich eher mittelmäßig; meiner Tochter hat's wieder super gefallen. Daher unser Durchschnitt von 4 Sternen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

sehr gefühlsduselige und moderne Fassung der Sisi-Geschichte

Die Kaiserin von Gigi Griffis

3,5 Sterne

Die Geschichte von Kaiserin Elisabeth ist glaube ich hinlänglich bekannt.
Dieser Roman widmet sich dem Beginn: dem Kennenlernen von Elisabeth in Bayern und Kaiser Franz Joseph; bis zur Hochzeit (die aber echt nur kurz angeschnitten wird).
Der größte Teil ist das eigentliche Kennenlernen in der Kaiservilla in Bad Ischl.

Der Schreibstil ist flott und auch spannend, jedoch fand ich die Geschichte einerseits zwar mal abwechselnd frisch, andererseits war es mir ZU modern - der Kaiser wurde nicht mit "Sie" angesprochen, ebenso wenig gab es damals schon einen Martini (zumindest nicht mit diesem Namen).

Die Geschichte wird abwechselnd aus den drei Sichten von Elisabeth, Helene und Franz erzählt.
Jedoch war mir das ganze echt ZU gefühlsduselig. Gefühlt waren Franz, Sisi und Néné ständig am Grübeln über ihre Gefühle und Befindlichkeiten.
Besonders das ewige Gegrübel von Helene über ihr boshaftes Verhalten hat mit der Zeit genervt, weil es sich ständig wiederholt hat.
Auch war mir Franz Bruder Max zu übertrieben kindisch und intrigant, das war dann auch irgendwann nervig.

Schön fand ich jedoch, dass viele Gedichte von Elisabeth abgedruckt waren. Ich hab zwar nicht nachgesehen, ob es authentische Gedichte von ihr waren, aber vom Schreibstil her waren es typische Sisi-Zeilen.
Trotz der Mängel möchte ich mir jetzt nachträglich noch die Serie anschauen und bin schon sehr gespannt darauf.


Fazit:
Eine sehr gefühlsduselige, modern und locker interpretierte Version der Geschichte von Kaiserin Elisabeth, aber flott und spannend zu lesen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

wundervolles zweites Abenteuer der entzückenden Yetikinder Rosa und Bibber

Die Yetis sind los! - Ganz schön ausgefuchst (Band 2) von Stefan Gemmel

Die Yeti-Kinder Rosa und Bibber finden ein seltsames Ding im Eis, das dort schon längere Zeit verbracht haben muss. Darin sind andere wundersame Dinge.
Was das alles ist, können ihnen bestimmt ihre Menschenfreunde Jette und Finn erklären. Also machen sich die beiden gemeinsam mit dem Polarfuchs Piko mutig auf den Weg zur Menschensiedlung.

Meine Meinung:
"Ganz schön ausgefuchst" ist der zweite Teil um die Yeti-Kinder Rosa und Bibber sowie deren Polarfuchs Piko und den beiden Menschenkindern Jette und Finn.
Die gelungene Fortsetzung kann unabhängig gelesen werden, denn die wichtigsten Infos, wie die jungen Yetis die Menschenkinder kennengelernt haben, erfährt man in kurzen Andeutungen im Laufe der Geschichte.
Die VORLESEN!-Reihe überzeugt durch kindgerechte, leicht verständliche Sprache und vielen detaillierten färbigen Illustrationen, auf denen das (Vor-)Gelesene nochmals untermalt wird.
Einfache, leicht verständliche Sätze sowie kurze Kapitel sind auch für Erstleser gut geeignet.

Es war schön zu lesen, wie die Neugierde und der Wissensdrang der Yeti-Kinder diese mit ihren Freunden wieder vereint und diese Rosa und Bibber die (alten) Dinge aus dem Rucksack erklären. Darunter ist auch eine Karte.
Und an dessen Ziel decken sie gemeinsam ein großes Geheimnis auf, das sowohl das Leben der Yetis als auch das der Menschen ändern wird!

Wie auch im ersten Teil sind die wichtigen Botschaften dieser Geschichte Freundschaft und Zusammenhalt, Offenheit und Toleranz, Mut und Neugierde, Neues zu lernen.
Am Ende des Buches gibt es motivierende Belohnungssticker, die man nach jedem gelesenen Kapitel vorn im Buch einkleben kann.
Auch ein praktisches Lesebändchen beinhaltet das Buch.
Auf fast jeder Doppelseite gibt es färbige Illustrationen, die wunderschön und liebevoll gezeichnet sind.


Fazit:
Ein wunderbarer zweiter Teil der Yeti-Reihe, liebevoll illustriert und mit wichtigen Botschaften über Freundschaft und Zusammenhalt, Mut, Offenheit und Toleranz - und sich selbst und v.a. andere so zu akzeptieren, wie man ist und die Neugierde, Neues zu lernen, offen zu sein.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

ein außergewöhnliches Leseerlebnis

Anatomy von Dana Schwartz

Edinburgh 1817. Die 17jährige Hazel Sinnett hält nichts von gesellschaftlichen Konventionen und möchte Medizin bei Dr. William Beecham studieren. Doch für Frauen ist das verboten. Also gibt sie sich als ihr Bruder aus und wird die Beste in ihrer Klasse. Bis sie auffliegt und ausgeschlossen wird, aber sie gibt nicht auf.

Das fand ich an Hazel so toll. Dass sie zu ihrer Meinung steht, sich offen reden traut und sich trotz der damals geltenden gesellschaftlichen und rechtlichen Gegebenheiten nicht davon abhalten lässt, ihren Traum, Ärztin zu werden, zu verwirklichen. Das hat mir wieder vor Augen gehalten, wie gut es uns geht, in der heutigen Zeit in einem Land zu leben, wo Frauen (zumindest am Papier) den Männern gleichgestellt sind. Und zumindest denjenigen Beruf ausüben dürfen, den sie wollen.
Allerdings war es für Hazel natürlich eher leichter, ihre Wünsche zu verwirklichen, da sie eine Adelige ist und keine Geldsorgen hat, wie leider sonst viele Bewohner von Edinburgh. Vor allem, als wieder das Römische Fieber umgeht, und viele Menschen sterben bzw. deshalb ihre Arbeit verlieren.

Mir hat gefallen, wie die Autorin das damalige Leben, die gesellschaftlichen Unterschiede und vor allem die Medizin beschreiben hat; es fühlte sich für mich sehr authentisch an. Auch, dass die Menschen aus der Unterschicht alles getan haben, um den Winter zu überleben. Wie zum Beispiel der 17jährige Jack Currer, der sich als Auferstehungsmann über Wasser hält: er gräbt frische Leichen aus, um diese an Ärzte als Forschungsobjekte zu verkaufen.
Auch der Schreibstil ist flott, die Sprache ist der damaligen Zeit angepasst und fühlt sich eher alt an, aber trotzdem passend für ein Jugendbuch.
Ich persönlich mochte die vielen medizinischen Ausdrücke und die detaillierte Beschreibung der menschlichen Anatomie, ob Jugendliche das allerdings mögen, ist fraglich-denn es ist schon gruselig ;) Dazu kommt düstere Friedhofsatmosphäre.

Obwohl "Eine Liebesgeschichte" auf dem Cover steht, überwiegt in der Geschichte mMn der Krimianteil. Man verfolgt die sanft sprießende Liebe zwischen Hazel und Jack, die eigentlich nicht sein darf, und das ist auch bezaubernd.
Aber die Auferstehungsmänner und sonstige Personen aus ärmsten Verhältnissen, die verschwinden, und wie Hazel diese Ungeheuerlichkeit aufdeckt, fand ich spannend und sehr gut gelungen.
Die Einwürfe (jeweils auf schwarzem Hintergrund gedruckt), in denen man zB Auszüge aus Dr. Beechams Abhandlung liest oder Zeitungsausschnitte, peppen das Ganze auf.
Auch ein bisschen Mystery kommt gegen Ende vor, was mir persönlich leider nicht so gut gefallen hat. Und der Schluss deutet wohl auf einen zweiten Teil hin, auf den ich schon sehr gespannt bin.


Fazit:
Spannender Jugendkrimi im Jahr 1817 mit einer taffen Protagonistin, viel Anatomie, Leichen, etwas Liebesgedöns und leider auch Mystery, was mir persönlich nicht so gut gefallen hat.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

Mystery-Thriller in der schneeweißen Weite des eiskalten Islands

SCHNEE von Yrsa Sigurdardóttir

Im harten Winter verschwinden vier Touristen spurlos im Isländischen Hochland. Was wollten die Vier in der Eiseskälte dort?
Ein Suchtrupp, der ausgeschickt wurde, um die Vermissten zu suchen, findet diese: unbekleidet, erfroren im Schnee. Was ist passiert?
Und dann sind da auch noch die seltsamen Vorkommnisse in der einsam gelegenen Radarstation in Stokksnes.

Meine Meinung:
Dies war mein erster Thriller aus der Feder von Yrsa Sigurdardottir und ich war gefesselt von der spannenden Schreibweise der Autorin.
Schon der Beginn ist total packend, als die Käufer des Elternhauses von Kolbeinn ihm eine Kiste mit im Haus gefundenen Dingen bringen sowie einen einsamen rosa Kleinkindschuh, den sie im Garten ausgegraben hatten.
Man fiebert sowohl mit Jóhanna von der Rettungswacht mit, die mit ihrem Reykjaviker Kollegen Pórir dem Suchtrupp angehört; sowie mit Dröfn, die mit ihrem Mann und einem befreundeten Ehepaar sowie deren Führer Haukur in der weißen Weite Islands unterwegs ist.
So wird abwechselnd von der Suche aus Sicht von Jóhannna, den Erlebnissen der Schneewanderer eine Woche zuvor aus Sicht von Dröfn und den mysteriösen Vorkommnissen in der Radarstation aus Sicht des Mitarbeiters Hjörvar erzählt.

Der Autorin ist es großartig gelungen, die eiskalte Atmosphäre und die weiße Weite im harten isländischen Winter perfekt einzufangen, sodass einem beim Lesen kalt wurde. "Sobald der Schnee nicht mehr unter ihren Füßen knirschte, war es vollkommen still. Kein Wind, kein Vogelgezwitscher, nichts. Es war, als hätte die Welt alle Geräusche ausgeschaltet."
"Eine winterlichere Landschaft konnte man sich kaum vorstellen. Schneeweiß und eintönig. Die Luft war geruchlos, und es herrschte absolute Windstille. Das Einzige, was die Sinne wahrnahmen, war Kälte. Die Kälte biss in die Wangen, drang durch Schuhsohlen und Handschuhe, umschlang die Finger und drückte zu."

Ich finde es nur immer schade, wenn man etwas anderes bekommt, als man erwartet hat. Dabei wäre es hier so leicht richtig zu kennzeichnen gewesen, wenn man "Mystery-Thriller" aufs Cover gedruckt hätte, anstatt nur "Thriller". Denn von einem Thriller erwarte ich mir eine realistische Handlung, und nichts Mysteriöses und Übersinnliches. Ich lese auch gerne ab und zu mal einen Mystery-Thriller, nur will das dann aber vorher wissen.
Nichts desto trotz ist der Autorin auch die gruselige Atmosphäre darzustellen so gut gelungen, dass man Gänsehaut bekommt. Die Geräusche/Stimme... das kleine Mädchen...brrr...

Leider hat mir die Auflösung nicht wirklich gefallen, weil ich die Beweggründe und Motivation so überhaupt nicht nachvollziehen konnte und diese Handlungen für mich keinen Sinn ergaben.
Die Verstrickungen und Verwicklungen hingegen haben mich positiv überrascht, doch wurde die Aufklärung derer am Ende einfach nur schnell gefühlt im Telegrafenstil abgehandelt. Man hatte das Gefühl, die Autorin wusste nicht, wie sie diese Erklärungen geschickter in der Geschichte verweben konnte.
Leider konnten diese überraschenden Zusammenhänge sowie der hohe Spannungsbogen diese Geschichte, die sich dann als Mystery-Thriller entpuppt hat, sowie die enttäuschende Auflösung, für mich leider nicht zu einem Lesehighlight machen.


Fazit:
Spannender Mystery-Thriller in der schneeweißen Weite des eiskalten Islands; mit einer für mich leider nicht zufriedenstellenden Auflösung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.

Mord mit Ankündigung: #inkürzetot

Stille blutet von Ursula Poznanski

Es beginnt mit der Nachrichtensprecherin Nadine Just: Sie sagt vor laufender Kamera ihren Tod an, der kurz darauf auch eintritt: Sie wird nach der Sendung von ihrer Redakteurin und ihrem Ex-Freund Tibor Glaser tot in ihrer Garderobe aufgefunden, mit durchgeschnittener Kehle.
Kurz darauf werden auch ein Blogger, ein Youtuber und ein Kulturkritiker tot aufgefunden - ebenfalls mit der Ankündigung der gewaltsamen Tode auf deren Sozialen Medien.

Wie hängen diese Morde zusammen?


Meine Meinung:
"Stille blutet" ist der Auftakt der neuen Thriller-Reihe von Ursula Poznanski, die in Wien spielt und in deren Mittelpunt die junge Ermittlerin Fina Plank steht.
Ursula Poznanski überzeugt wieder durch einen mitreißenden Schreibstil, deren Sog sich man nicht entziehen kann.
Der Plot selbst ist innovativ und spannend, denn wie kann es sein, dass Medien"stars" ihren eigenen (gewaltsamen) Tod ankündigen und dann tatsächlich kurz darauf tot sind?

Allerdings haben die Ermordeten polarisiert: sie haben kein Blatt vor den Mund genommen, und Nadine Just hat sogar oft unter der Gürtellinie kritisiert. Nachvollziehbar, dass sich viele Menschen über deren Tod freuen. Doch was ist der wahre Grund für die Taten?
Man bekommt viele Personen präsentiert, aber der Hauptverdächtige der Polizei fällt für den Leser sofort raus, denn zumindest für die Tatzeit des Mordes an Nadine hat er ein Alibi. Doch immer mehr Beweise deuten eindeutig auf Tibor als Täter hin.
Die Auflösung war dann wirklich total überraschend.
Auch gibt es neben der erzählenden Geschichte kurze Kapitel aus Sicht eines Dritten, in ich-Form geschrieben, der einen Toten in diese Mordserie schummelt. Wer ist diese Stimme aus dem Off, und was hat sie noch vor? Jedenfalls enden diese kleinen Einspielungen mit einem Cliffhanger, sodass man Neugierde auf den nächsten Teil bekommt.

Leider gibt es in diesem Thriller die typischen Klischees, die mir persönlich nicht gefallen, da schon zu 'abgelutscht': die kleine dicke Polizistin, die von ihrem Kollegen nicht ernst genommen wird und der sie schikaniert, wo es nur geht. Und sie kann sich nicht behaupten. Allerdings ist SIE vif und hat eine gute Kombinationsgabe, während ER Scheuklappen aufhat (Klar, wenn man einen Täter präsentiert bekommen hat, auf den alles deutet, warum dann noch in andere Richtungen ermitteln?) Das hat leider etwas genervt.

Sehr gut hat mir hingegen gefallen, wie die Gefahren von Social Media hier aufgezeigt werden: der Hashtag #inkürzetot geht viral und erschwert die Ermittlungsarbeit der Polizei ungemein, weil man nur mehr schwer herausfiltern kann: was ist ernst gemeint, was sind schlechte Scherze und was wurde nur mit diesem Hashtag versehen, um mehr Klicks zu bekommen?

Es werden auch sämtliche typischen Wiener Kaffeehäuser bzw. Restaurants im Laufe der Geschichte aufgezählt; man schlendert auch bildlich durch Wien, was mir sehr gut gefallen hat, besonders eben, wenn man die Örtlichkeiten kennt.
Nur dass die Autorin erwähnt, dass auf den Wiener Straßen Pferdeäpfel von den Fiakerpferden herumliegen, hat mir so gar nicht gefallen, denn das tut es eben nicht mehr, seit es die sog. Pooh-Bags verpflichtend gibt - und das schon seit fast 20 Jahren.


Fazit:
Neuartiger, spannender Plot mit hohem Spannungsbogen, allerdings etlichen Klischees und einem Cliffhanger, der neugierig auf den nächsten Band macht.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Sch.