Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra Sch.:
sehr gefühlsduselige und moderne Fassung der Sisi-Geschichte
Die Kaiserin von Gigi Griffis
3,5 Sterne
Die Geschichte von Kaiserin Elisabeth ist glaube ich hinlänglich bekannt.
Dieser Roman widmet sich dem Beginn: dem Kennenlernen von Elisabeth in Bayern und Kaiser Franz Joseph; bis zur Hochzeit (die aber echt nur kurz angeschnitten wird).
Der größte Teil ist das eigentliche Kennenlernen in der Kaiservilla in Bad Ischl.
Der Schreibstil ist flott und auch spannend, jedoch fand ich die Geschichte einerseits zwar mal abwechselnd frisch, andererseits war es mir ZU modern - der Kaiser wurde nicht mit "Sie" angesprochen, ebenso wenig gab es damals schon einen Martini (zumindest nicht mit diesem Namen).
Die Geschichte wird abwechselnd aus den drei Sichten von Elisabeth, Helene und Franz erzählt.
Jedoch war mir das ganze echt ZU gefühlsduselig. Gefühlt waren Franz, Sisi und Néné ständig am Grübeln über ihre Gefühle und Befindlichkeiten.
Besonders das ewige Gegrübel von Helene über ihr boshaftes Verhalten hat mit der Zeit genervt, weil es sich ständig wiederholt hat.
Auch war mir Franz Bruder Max zu übertrieben kindisch und intrigant, das war dann auch irgendwann nervig.
Schön fand ich jedoch, dass viele Gedichte von Elisabeth abgedruckt waren. Ich hab zwar nicht nachgesehen, ob es authentische Gedichte von ihr waren, aber vom Schreibstil her waren es typische Sisi-Zeilen.
Trotz der Mängel möchte ich mir jetzt nachträglich noch die Serie anschauen und bin schon sehr gespannt darauf.
Fazit:
Eine sehr gefühlsduselige, modern und locker interpretierte Version der Geschichte von Kaiserin Elisabeth, aber flott und spannend zu lesen.
wundervolles zweites Abenteuer der entzückenden Yetikinder Rosa und Bibber
Die Yetis sind los! - Ganz schön ausgefuchst (Band 2) von Stefan Gemmel
Die Yeti-Kinder Rosa und Bibber finden ein seltsames Ding im Eis, das dort schon längere Zeit verbracht haben muss. Darin sind andere wundersame Dinge.
Was das alles ist, können ihnen bestimmt ihre Menschenfreunde Jette und Finn erklären. Also machen sich die beiden gemeinsam mit dem Polarfuchs Piko mutig auf den Weg zur Menschensiedlung.
Meine Meinung:
"Ganz schön ausgefuchst" ist der zweite Teil um die Yeti-Kinder Rosa und Bibber sowie deren Polarfuchs Piko und den beiden Menschenkindern Jette und Finn.
Die gelungene Fortsetzung kann unabhängig gelesen werden, denn die wichtigsten Infos, wie die jungen Yetis die Menschenkinder kennengelernt haben, erfährt man in kurzen Andeutungen im Laufe der Geschichte.
Die VORLESEN!-Reihe überzeugt durch kindgerechte, leicht verständliche Sprache und vielen detaillierten färbigen Illustrationen, auf denen das (Vor-)Gelesene nochmals untermalt wird.
Einfache, leicht verständliche Sätze sowie kurze Kapitel sind auch für Erstleser gut geeignet.
Es war schön zu lesen, wie die Neugierde und der Wissensdrang der Yeti-Kinder diese mit ihren Freunden wieder vereint und diese Rosa und Bibber die (alten) Dinge aus dem Rucksack erklären. Darunter ist auch eine Karte.
Und an dessen Ziel decken sie gemeinsam ein großes Geheimnis auf, das sowohl das Leben der Yetis als auch das der Menschen ändern wird!
Wie auch im ersten Teil sind die wichtigen Botschaften dieser Geschichte Freundschaft und Zusammenhalt, Offenheit und Toleranz, Mut und Neugierde, Neues zu lernen.
Am Ende des Buches gibt es motivierende Belohnungssticker, die man nach jedem gelesenen Kapitel vorn im Buch einkleben kann.
Auch ein praktisches Lesebändchen beinhaltet das Buch.
Auf fast jeder Doppelseite gibt es färbige Illustrationen, die wunderschön und liebevoll gezeichnet sind.
Fazit:
Ein wunderbarer zweiter Teil der Yeti-Reihe, liebevoll illustriert und mit wichtigen Botschaften über Freundschaft und Zusammenhalt, Mut, Offenheit und Toleranz - und sich selbst und v.a. andere so zu akzeptieren, wie man ist und die Neugierde, Neues zu lernen, offen zu sein.
ein außergewöhnliches Leseerlebnis
Anatomy von Dana Schwartz
Edinburgh 1817. Die 17jährige Hazel Sinnett hält nichts von gesellschaftlichen Konventionen und möchte Medizin bei Dr. William Beecham studieren. Doch für Frauen ist das verboten. Also gibt sie sich als ihr Bruder aus und wird die Beste in ihrer Klasse. Bis sie auffliegt und ausgeschlossen wird, aber sie gibt nicht auf.
Das fand ich an Hazel so toll. Dass sie zu ihrer Meinung steht, sich offen reden traut und sich trotz der damals geltenden gesellschaftlichen und rechtlichen Gegebenheiten nicht davon abhalten lässt, ihren Traum, Ärztin zu werden, zu verwirklichen. Das hat mir wieder vor Augen gehalten, wie gut es uns geht, in der heutigen Zeit in einem Land zu leben, wo Frauen (zumindest am Papier) den Männern gleichgestellt sind. Und zumindest denjenigen Beruf ausüben dürfen, den sie wollen.
Allerdings war es für Hazel natürlich eher leichter, ihre Wünsche zu verwirklichen, da sie eine Adelige ist und keine Geldsorgen hat, wie leider sonst viele Bewohner von Edinburgh. Vor allem, als wieder das Römische Fieber umgeht, und viele Menschen sterben bzw. deshalb ihre Arbeit verlieren.
Mir hat gefallen, wie die Autorin das damalige Leben, die gesellschaftlichen Unterschiede und vor allem die Medizin beschreiben hat; es fühlte sich für mich sehr authentisch an. Auch, dass die Menschen aus der Unterschicht alles getan haben, um den Winter zu überleben. Wie zum Beispiel der 17jährige Jack Currer, der sich als Auferstehungsmann über Wasser hält: er gräbt frische Leichen aus, um diese an Ärzte als Forschungsobjekte zu verkaufen.
Auch der Schreibstil ist flott, die Sprache ist der damaligen Zeit angepasst und fühlt sich eher alt an, aber trotzdem passend für ein Jugendbuch.
Ich persönlich mochte die vielen medizinischen Ausdrücke und die detaillierte Beschreibung der menschlichen Anatomie, ob Jugendliche das allerdings mögen, ist fraglich-denn es ist schon gruselig ;) Dazu kommt düstere Friedhofsatmosphäre.
Obwohl "Eine Liebesgeschichte" auf dem Cover steht, überwiegt in der Geschichte mMn der Krimianteil. Man verfolgt die sanft sprießende Liebe zwischen Hazel und Jack, die eigentlich nicht sein darf, und das ist auch bezaubernd.
Aber die Auferstehungsmänner und sonstige Personen aus ärmsten Verhältnissen, die verschwinden, und wie Hazel diese Ungeheuerlichkeit aufdeckt, fand ich spannend und sehr gut gelungen.
Die Einwürfe (jeweils auf schwarzem Hintergrund gedruckt), in denen man zB Auszüge aus Dr. Beechams Abhandlung liest oder Zeitungsausschnitte, peppen das Ganze auf.
Auch ein bisschen Mystery kommt gegen Ende vor, was mir persönlich leider nicht so gut gefallen hat. Und der Schluss deutet wohl auf einen zweiten Teil hin, auf den ich schon sehr gespannt bin.
Fazit:
Spannender Jugendkrimi im Jahr 1817 mit einer taffen Protagonistin, viel Anatomie, Leichen, etwas Liebesgedöns und leider auch Mystery, was mir persönlich nicht so gut gefallen hat.
Mystery-Thriller in der schneeweißen Weite des eiskalten Islands
SCHNEE von Yrsa Sigurdardóttir
Im harten Winter verschwinden vier Touristen spurlos im Isländischen Hochland. Was wollten die Vier in der Eiseskälte dort?
Ein Suchtrupp, der ausgeschickt wurde, um die Vermissten zu suchen, findet diese: unbekleidet, erfroren im Schnee. Was ist passiert?
Und dann sind da auch noch die seltsamen Vorkommnisse in der einsam gelegenen Radarstation in Stokksnes.
Meine Meinung:
Dies war mein erster Thriller aus der Feder von Yrsa Sigurdardottir und ich war gefesselt von der spannenden Schreibweise der Autorin.
Schon der Beginn ist total packend, als die Käufer des Elternhauses von Kolbeinn ihm eine Kiste mit im Haus gefundenen Dingen bringen sowie einen einsamen rosa Kleinkindschuh, den sie im Garten ausgegraben hatten.
Man fiebert sowohl mit Jóhanna von der Rettungswacht mit, die mit ihrem Reykjaviker Kollegen Pórir dem Suchtrupp angehört; sowie mit Dröfn, die mit ihrem Mann und einem befreundeten Ehepaar sowie deren Führer Haukur in der weißen Weite Islands unterwegs ist.
So wird abwechselnd von der Suche aus Sicht von Jóhannna, den Erlebnissen der Schneewanderer eine Woche zuvor aus Sicht von Dröfn und den mysteriösen Vorkommnissen in der Radarstation aus Sicht des Mitarbeiters Hjörvar erzählt.
Der Autorin ist es großartig gelungen, die eiskalte Atmosphäre und die weiße Weite im harten isländischen Winter perfekt einzufangen, sodass einem beim Lesen kalt wurde. "Sobald der Schnee nicht mehr unter ihren Füßen knirschte, war es vollkommen still. Kein Wind, kein Vogelgezwitscher, nichts. Es war, als hätte die Welt alle Geräusche ausgeschaltet."
"Eine winterlichere Landschaft konnte man sich kaum vorstellen. Schneeweiß und eintönig. Die Luft war geruchlos, und es herrschte absolute Windstille. Das Einzige, was die Sinne wahrnahmen, war Kälte. Die Kälte biss in die Wangen, drang durch Schuhsohlen und Handschuhe, umschlang die Finger und drückte zu."
Ich finde es nur immer schade, wenn man etwas anderes bekommt, als man erwartet hat. Dabei wäre es hier so leicht richtig zu kennzeichnen gewesen, wenn man "Mystery-Thriller" aufs Cover gedruckt hätte, anstatt nur "Thriller". Denn von einem Thriller erwarte ich mir eine realistische Handlung, und nichts Mysteriöses und Übersinnliches. Ich lese auch gerne ab und zu mal einen Mystery-Thriller, nur will das dann aber vorher wissen.
Nichts desto trotz ist der Autorin auch die gruselige Atmosphäre darzustellen so gut gelungen, dass man Gänsehaut bekommt. Die Geräusche/Stimme... das kleine Mädchen...brrr...
Leider hat mir die Auflösung nicht wirklich gefallen, weil ich die Beweggründe und Motivation so überhaupt nicht nachvollziehen konnte und diese Handlungen für mich keinen Sinn ergaben.
Die Verstrickungen und Verwicklungen hingegen haben mich positiv überrascht, doch wurde die Aufklärung derer am Ende einfach nur schnell gefühlt im Telegrafenstil abgehandelt. Man hatte das Gefühl, die Autorin wusste nicht, wie sie diese Erklärungen geschickter in der Geschichte verweben konnte.
Leider konnten diese überraschenden Zusammenhänge sowie der hohe Spannungsbogen diese Geschichte, die sich dann als Mystery-Thriller entpuppt hat, sowie die enttäuschende Auflösung, für mich leider nicht zu einem Lesehighlight machen.
Fazit:
Spannender Mystery-Thriller in der schneeweißen Weite des eiskalten Islands; mit einer für mich leider nicht zufriedenstellenden Auflösung.
Mord mit Ankündigung: #inkürzetot
Stille blutet von Ursula Poznanski
Es beginnt mit der Nachrichtensprecherin Nadine Just: Sie sagt vor laufender Kamera ihren Tod an, der kurz darauf auch eintritt: Sie wird nach der Sendung von ihrer Redakteurin und ihrem Ex-Freund Tibor Glaser tot in ihrer Garderobe aufgefunden, mit durchgeschnittener Kehle.
Kurz darauf werden auch ein Blogger, ein Youtuber und ein Kulturkritiker tot aufgefunden - ebenfalls mit der Ankündigung der gewaltsamen Tode auf deren Sozialen Medien.
Wie hängen diese Morde zusammen?
Meine Meinung:
"Stille blutet" ist der Auftakt der neuen Thriller-Reihe von Ursula Poznanski, die in Wien spielt und in deren Mittelpunt die junge Ermittlerin Fina Plank steht.
Ursula Poznanski überzeugt wieder durch einen mitreißenden Schreibstil, deren Sog sich man nicht entziehen kann.
Der Plot selbst ist innovativ und spannend, denn wie kann es sein, dass Medien"stars" ihren eigenen (gewaltsamen) Tod ankündigen und dann tatsächlich kurz darauf tot sind?
Allerdings haben die Ermordeten polarisiert: sie haben kein Blatt vor den Mund genommen, und Nadine Just hat sogar oft unter der Gürtellinie kritisiert. Nachvollziehbar, dass sich viele Menschen über deren Tod freuen. Doch was ist der wahre Grund für die Taten?
Man bekommt viele Personen präsentiert, aber der Hauptverdächtige der Polizei fällt für den Leser sofort raus, denn zumindest für die Tatzeit des Mordes an Nadine hat er ein Alibi. Doch immer mehr Beweise deuten eindeutig auf Tibor als Täter hin.
Die Auflösung war dann wirklich total überraschend.
Auch gibt es neben der erzählenden Geschichte kurze Kapitel aus Sicht eines Dritten, in ich-Form geschrieben, der einen Toten in diese Mordserie schummelt. Wer ist diese Stimme aus dem Off, und was hat sie noch vor? Jedenfalls enden diese kleinen Einspielungen mit einem Cliffhanger, sodass man Neugierde auf den nächsten Teil bekommt.
Leider gibt es in diesem Thriller die typischen Klischees, die mir persönlich nicht gefallen, da schon zu 'abgelutscht': die kleine dicke Polizistin, die von ihrem Kollegen nicht ernst genommen wird und der sie schikaniert, wo es nur geht. Und sie kann sich nicht behaupten. Allerdings ist SIE vif und hat eine gute Kombinationsgabe, während ER Scheuklappen aufhat (Klar, wenn man einen Täter präsentiert bekommen hat, auf den alles deutet, warum dann noch in andere Richtungen ermitteln?) Das hat leider etwas genervt.
Sehr gut hat mir hingegen gefallen, wie die Gefahren von Social Media hier aufgezeigt werden: der Hashtag #inkürzetot geht viral und erschwert die Ermittlungsarbeit der Polizei ungemein, weil man nur mehr schwer herausfiltern kann: was ist ernst gemeint, was sind schlechte Scherze und was wurde nur mit diesem Hashtag versehen, um mehr Klicks zu bekommen?
Es werden auch sämtliche typischen Wiener Kaffeehäuser bzw. Restaurants im Laufe der Geschichte aufgezählt; man schlendert auch bildlich durch Wien, was mir sehr gut gefallen hat, besonders eben, wenn man die Örtlichkeiten kennt.
Nur dass die Autorin erwähnt, dass auf den Wiener Straßen Pferdeäpfel von den Fiakerpferden herumliegen, hat mir so gar nicht gefallen, denn das tut es eben nicht mehr, seit es die sog. Pooh-Bags verpflichtend gibt - und das schon seit fast 20 Jahren.
Fazit:
Neuartiger, spannender Plot mit hohem Spannungsbogen, allerdings etlichen Klischees und einem Cliffhanger, der neugierig auf den nächsten Band macht.
ein gelungener zweiter Teil um die liebevollen Stofftier-Freunde
Die Stoffis - Alle für einen (Band 2) von Sabine Städing
Die sechs Stoffis haben sich im Gartenhäuschen von Holda Regenstein gut eingelebt.
Doch als Einhorn Sunny und Seestern Sternchen im Wald Beeren sammeln sind, wird Sternchen leider von einer Gruppe Kindergartenkinder entdeckt und mitgenommen.
Da ist ja ganz klar: die anderen Stoffis müssen sich auf die Suche nach Sternchen machen und sie retten!
Meine Meinung:
Die VORLESEN!-Reihe überzeugt durch kindgerechte, meist leicht verständliche Sprache und vielen detaillierten färbigen Illustrationen, auf denen das (Vor-)Gelesene nochmals untermalt wird.
Die Stoffi-Reihe bietet noch dazu jede Menge unterschiedlicher Charaktere, wo sich jedes Kind mit einem davon identifizieren kann.
Die fantasievolle und turbulente Geschichte vermittelt spielerisch die wichtigen Themen Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Vertrauen, Mut und auch Lösungsfindung bei Problemen. Und auch, dass man aufeinander acht geben soll und dass man gemeinsam mehr erreicht.
Besonders toll ist hier, dass diese Geschichte völlig geschlechtsneutral sowohl für Mädchen als auch Jungs verfasst ist - was man auch am Cover und dessen Farben super erkennen kann.
Sehr schön wurden hier Freundschaft und Vertrauen dargestellt, da Sternchen ganz davon überzeugt ist, dass ihre Freunde sie retten kommen.
Die Stofftiere erleben wieder turbulente und aufregende Abenteuer, und man fiebert immer mit ihnen mit.
Das Ende ist wundervoll und überraschend, und ein Cliffhanger lässt einen schon auf den nächsten Band freuen! :D
Zu Beginn werden alle sechs Stoffis vorgestellt; und am Ende gibt es motivierende Belohnungssticker, die man nach jedem gelesenen Kapitel vorn im Buch einkleben kann.
Auch ein praktisches Lesebändchen beinhaltet das Buch.
Auf fast jeder Doppelseite gibt es färbige Illustrationen, die wunderschön, liebevoll und detailreich sind.
Fazit:
Auch der zweite Teil der Stoffis bietet eine warmherzige Geschichte über Freundschaft, Mut, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt mit außergewöhnlichen plüschigen Protagonisten und wunderschönen färbigen Illustrationen.
Dian Fossey, die Nyirmachabelli
Dian Fossey - Die Forscherin von Susanna Leonard
Wer kennt sie nicht: Dian Fossey, DIE Gorillaforscherin. Durch den Film "Gorillas im Nebel" hat sie weltweiten Ruhm erlangt.
In diesem Buch erfährt man alles über ihre Kindheit, ihre Tierliebe, aber auch ihr Erwachsenen- und Liebesleben und wie sie dazu gekommen ist, in Afrika die bedrohten Berggorillas zu erforschen.
Einfach wahnsinnig interessant, und vor allem sooo fesselnd geschrieben: eine Biografie in einem spannenden Roman verpackt.
Die Abschnitte aus Dians Kindheit werden in ich-Form erzählt, und man wundert sich nicht, dass Dian durch ihre Mutter, die sich vom autoritären Stiefvater unterdrücken lässt, und dessen Härte und Ablehnung ihr gegenüber zu einer gefühlskalt erscheinenden Frau werden konnte. Allerdings war sie herzensgut und vor allem ihre Gorillas haben ihr alles bedeutet, sie konnte nur Emotionen nicht gut ausdrücken.
Insgesamt lässt eine packende und lebendige Schreibweise einen nur so durch das Buch fliegen.
Leider gibt es viele Zeitsprünge, nicht chronologisch, sondern vermischt hin und her, was es anfangs etwas schwierig gemacht hat, der Geschichte zu folgen und alles zeitlich richtig zuzuordnen.
Doch der Schreibstil ist sehr einfühlsam und lebendig, und teilweise so spannend wie ein Krimi. Vor allem, was die vielen Steine und Hindernisse betrifft, die Dian in den Weg gelegt werden, und die sie aber mit ihrem großen Selbstbewusstsein und ihrer Stärke überwindet und alle Gefahren übersteht - bis auf die letzte.
Denn die Geschichte läuft auf ihren Todestag am Zweiten Weihnachtsfeiertag im Jahr 1985 hinaus, und ich hatte so oft Tränen in den Augen, da ich emotional derart abgeholt wurde.
Eine Zeittafel und ein Glossar am Ende ergänzen diesen Roman.
Dian Fossey wurde mir durch dieses Buch menschlich nähergebracht und hat mir nochmal ins Gedächtnis gerufen, dass das Überleben der Berggorillas nur durch Dians Stärke, Sturheit und Durchsetzungsvermögen gesichert werden konnte.
Fazit:
Eine gut recherchierte, großartige Romanbiografie über eine starke, mutige Frau, die viel zum Schutz und Überleben der seltenen Berggorillas beigetragen hat.
neuartige Behandlungsmethoden im Schlaflabor in der Schweiz
Das Schlaflabor von Marc Meller
Die letzte Hoffnung für die schweren Schlafstörungen sieht Tom Sonnborn in einem teuren Schweizer Schlaflabor.
Die dortige Therapie hilft tatsächlich, auch noch, als er wieder daheim in Köln ist - bis er eines morgens blutüberströmt aufwacht und die Polizei ihn des Mordes an Myriam verdächtigt, die ebenfalls Patientin im Schlaflabor war.
Doch Tom kann sich an nichts erinnern - was wurde in diesem Schlaflabor an ihm vorgenommen? Kann es sein, dass er nun tatsächlich zu einem Mörder geworden ist?
Meine Meinung:
Ein mitreißender Schreibstil und hoher Spannungsbogen zeichnet den neuen Thriller von Marc Meller aus.
Die Geschichte beginnt gleich fesselnd mit einem brutalen Mord und danach lernt man Tom und seine extrem schlimmen Schlafprobleme kennen, die er seit ca. einem halben Jahr hat, und wo bisher keine Behandlung geholfen hat. Natürlich leidet auch sein Arbeits- und Privatleben sehr darunter.
Seine letzte Chance sieht er in dem teuren Schweizer Schlaflabor, das schon aufgrund der extrem hohen Kosten dubios erscheint. Ebenso wie das Verhalten der Ärzte dort. Und natürlich, dass in dessen Umfeld einige seltsame Unfälle passiert sind.
Man wird zu jeder Zeit gut unterhalten und es kommt nie Langeweile auf. Nur die vielen medizinischen Fachbegriffen wurden für meinen Geschmack zu detailliert ausgeführt; ich habe auch einiges gar nicht richtig verstanden. Auch wenn die Problematik Schlafstörungen und auch die neurologischen Zusammenhänge im Gehirn natürlich sehr interessant sind, hat das den Lesefluss leider mehrmals unterbrochen.
Durch die Erzählweise in ich-Form aus Sicht von Tom wird sein Leiden noch deutlicher und eindrücklicher, und man kann sich noch mehr in ihn hineinversetzen und leidet mit ihm mit, vor allem auch, als er des Mordes verdächtigt wird, und er sich aber an nichts mehr erinnern kann - und bald selbst an sich zweifelt.
Der Autor hat es geschafft, einen auf viele falsche Fährten zu locken und man kann bei diesem Buch sehr gut miträtseln.
Die Ermittler werden typisch klischeehaft mit Scheuklappen dargestellt (Wenn es mal einen potentiellen Täter und Spuren in dessen Richtung gibt, wozu dann noch in andere Richtungen ermitteln?)
Leider war der Showdown viel zu schnell; und die Auflösung war überraschend und ganz anders, als man eigentlich dachte, wo die Geschichte hingehen wird - für mich leider nicht ganz zufriedenstellend und zu konstruiert; auch sind einige Dinge ungeklärt und Fragen offen geblieben. Die beiden Escape-Thriller des Autors haben mir besser gefallen!
Fazit:
Fesselnder Thriller mit hohem Spannungsbogen, bei dem man super miträtseln kann. Jedoch waren es für mich zu viele medizinische Details und eine unerwartete Auflösung, die mich leider nicht überzeugt hat, daher diesmal nur 3,5 Sterne.
ein klischeehafter Weihnachts-Unterhaltungsroman über deutsch-türkische Kulturunterschiede
Ein Alman feiert selten allein von Aylin Atmaca
Elif, die als Kind türkischer Gastarbeiter in Deutschland großgeworden ist, feiert zum ersten Mal "richtige" Weihnachten: mit der Familie ihres deutschen Freundes Jonas.
Elif hatte bis jetzt Weihnachten immer gerne gefeiert, denn ihre Eltern haben den Kindern zu liebe auch immer typisch deutsche Feste gefeiert.
Doch schon die Weihnachtseinladungen von Jonas' Eltern im September (!) sowie die dazugehörige WhatsApp-Planungsgruppe lassen Elif erahnen, dass dieses Weihnachten kein besinnliches Fest wird...
Meine Meinung:
Die Geschichte ist natürlich extrem überzogen und strotzt nur so vor Klischees: aber genau das macht die Unterhaltung und den Humor aus. Mal extrem die Unterschiede zwischen deutschen und türkischen Familien und deren Lebensweisen vorgezeigt zu bekommen. Und wer kann das besser, als eine Deutsch-Türkin, die ihre Lebensgeschichte in einen Roman verpackt?
Man leidet mit Elif wirklich mit, denn ihre bisherigen Vorstellungen von Weihnachten waren diese: "Ein organisatorisches Kinderspiel. Drei Tage, ein Baum, viele Geschenke". Doch Familie Neubauer übertreibt es bezüglich Weihnachten in jeder Hinsicht: Einladungen im September, selbstverständlich auch dann schon eine Weihnachtsfeier-Planungsgruppe per WhatsApp, in der alle Familienmitglieder, die zu Weihnachten eingeladen sind, mitmischen müssen. Jeder erhält eine Aufgabe, und der 24. Dezember ist minütlich durchgetaktet.
Sehr überspitzt und skurril, denn ich kenne keine Familie, die SO feiert, daher war diese Darstellung für mich eher unglaubwürdig - Oder gibt es solche Menschen/Familien tatsächlich? ;)
Auch wurden die Kulturunterschiede oft aufs Korn genommen, meist von Onkel Georg, und Elif lässt alles über sich ergehen, wofür ich sie manchmal einfach nur hätte schütteln können und fragen: Warum bist du nicht du selbst? (Zumindest in abgeschwächter Form?) Man muss sich ja nicht komplett verstellen, um der Schwiegerfamilie zu gefallen, oder alles wortlos über sich ergehen lassen. Ebenso wie sie sich von Jonas' Schwester Bianca mobben lässt und sich nicht wehrt bzw. rechtfertigt.
Aber das schöne ist, Elif wird selbstbewusster (und somit mutiger) und die anderen entwickeln sich ebenso weiter.
Ansonsten hat diese aufgebauschte Darstellung der Kulturunterschiede und eines extremen Weihnachtsfestes genau die richtige Menge Humor rübergebracht, um einfach mal abzuschalten und sich köstlich unterhalten zu lassen und große Vorfreude auf das schönste Fest des Jahres zu bekommen.
Gerne hätten es auch mehr als die etwas mageren 189 Seiten sein können.
Fazit:
Ein unterhaltsamer, aber klischeebehafteter Roman über die schönste Zeit des Jahres sowie anhand dessen die deutsch-türkischen Kulturunterschiede aufgezeigt werden. Sehr überspitzt, aber humorvoll.
tödliches Speed-Dating in Brunngries
Prost, auf die Singles von Friedrich Kalpenstein
Die Brunngrieserin Tanja Kleinschmidt wird am Morgen nach dem Speed-Dating im Ort tot aufgefunden.
Leider hat keiner der Teilnehmer etwas positives über die junge Frau zu sagen, denn sie hat überall angeeckt.
Sogar Polizeiobermeister Felix Fink ist verdächtig, denn er war ebenfalls bei diesem Single-Treff.
Kann Hauptkommissar Constantin Tischler die Unschuld seines Kollegen beweisen und den wahren Täter finden?
Meine Meinung:
Im 5. Fall von Kommissar Tischler wird die Single-Szene von Brunngries, einem kleinen Kaff in Bayern, wo jeder jeden kennt, aufgemischt. Die Geschichte kann aber eigenständig gelesen werden, da der Fall in sich abgeschlossen ist.
Der Schreibstil ist wieder mit sehr viel Humor und Wortwitz gespickt und flott zu lesen, auch durch die recht kurzen Kapitel mit den treffenden Überschriften, die man aber erst nach dem Beenden des jeweiligen Kapitels versteht ;)
Der Autor präsentiert eine derart unsympathische Tote, sodass man als Leser überhaupt kein Mitleid hat.
Und jede Menge Verdächtige, da niemand Tanja Kleinschmidt aufgrund ihrer direkten und beleidigenden Art mochte, und sie auch in der Arbeit als Krankenschwester aufgrund ihrer Influencer-Karriere überall angeeckt hat. Die Ermittlungen gestalten sich also rasant und humorvoll.
Sogar über die falsche Fährte Fink hab ich kurzzeitig gegrübelt - aber ich glaube, so viel darf man verraten: Felix Fink ist natürlich kein Mörder ;)
Die Zusammenarbeit der beiden Ermittler gestaltete sich manchmal nicht so einfach, denn Tischler durfte Fink ja nicht von Haus aus ausschließen.
Die Auflösung brachte nochmal eine gute Wendung, denn ich hatte viele andere Täter in Verdacht.
Fink mochte ich ja schon immer, und diesmal hat sich ab der Hälfte des Buches auch Tischler in mein Herz geschlichen, weil er nahbarer und emotionaler wurde.
Die süße Resi darf diesmal für längere Zeit zu Tischler ziehen, da ihr Herrchen auf Kur ist. Resi ist für mich der heimliche Star dieser Reihe! :D
Fazit:
Für diese spannende und humorvolle Unterhaltung im 5. Brunngrieser Provinzkrimi mit smarten Ermittlern, einer überraschenden Auflösung und einer niedlichen Dackeldame vergebe ich 4,5 Sterne.











