Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Setze keinen Punkt an die Stelle, an die Gott ein Komma gesetzt hat von Ryu Shiva
Der koreanische Autor Shiva Ryu ist, glaube ich, eine Neuentdeckung im deutschsprachigen Raum.
Etwas anmaßend wird das Buch im Untertitel Weisheitsgeschichten genannt.
Das Thema Weisheit zu erlangen ist aber sicher zentral in diesen buddhistisch inspirierten Geschichten und manche gefallen mir ganz gut.
Nennen möchte ich z.B. schon den Prolog vom Gott Shiva, der auf einem tibetischen Gipfel lebt und seiner Frau einzigartige Geschichten erzählt und dabei belauscht wird.
Einige Geschichten haben offenbar autobiografische Bezüge. Die Studenten-Szenen sind interessante Stellen im Buch. Gelegentlich werden auch andere Schriftsteller, überwiegend westliche genannt, wie Paul Coelho, Mark Twain, Haruki Murakami, Patrick Modiano, Charles Bukowski, Hesse, Borges und andere.
Viele der folgenden Geschichten von Menschen, die in eine Krise geraten und eine Lösung finden müssen. Und manchmal kann die Lösung aus einfachen Mitteln bestehen. z.B. Häng die Sache nicht so hoch. Auch mit Mantras kann man sich selbst von positiven Dingen überzeugen.
Es gibt auch ein paar schöne Gleichnisse. Manches lernt der Autor auf seinen Reisen in Indien kennen.
Es gibt Kapitel, die sich wie Essays lesen, so etwa „Ein einziger wahrer Satz“ über Ernest Hemingway in Paris. Für mich ein Höhepunkt im Buch.
Ein weiterer Höhepunkt die Geschichte des Dichters über seine Vater.
Es gibt auch Abschnitte, mit denen ich weniger anfangen konnte, z.B. die Jung und Freud-Bezüge oder der Frage Wer bin ich.
Das Buch ist ziemlich abwechslungsreich.
Hannah Arendt und Mary McCarthy
Im Vertrauen von Hannah Arendt; Mary McCarthy
Das Buch beginnt mit einer bemerkenswerten Einleitung, die einerseits das Verhältnis zwischen Hannah Arendt und May McCarthy zeigt anderseits z.B. auch Arendts Wirken mit ihren Büchern in Amerika.
Der Briefwechsel ist umfangreich und nahezu komplett.
Auffällig ist, dass es mehr Briefe von Mary McCarthy als von Hannah Arendt gibt.
Und Mary McCarthy ist für meinen Geschmack zu geschwätzig. Die Arendt-Briefe gefallen mir besser. Ich bin überrascht, wie interessiert und sensibel ihre Briefe sind.
Die Freundschaft zwischen den beiden Frauen halte ich tatsächlich für glaubhaft. Allerdings gibt es wenig philosophisch relevantes. Von der schriftstellerischen Arbeit beider Autorinnen erfährt man aber schon etwas.
Literatur spielt eine Rolle, so tauschen sie sich z.B. über Günter Grass Blechtrommel aus und über den überraschende Literaturnobelpreis an John Steinbeck. Auch Solschenizyn, Rolf Hochhuth, Susan Sontag, Saul Bellow uva. werden erwähnt.
Nebenbei kann man in manchen Passagen auch Entwicklung der Welt erkennen, z.B. der Vietnamkrieg und Watergate.
Das Buch ist aufgeteilt in Zeitabschnitte und es gibt auch zahlreiche informative Fußnoten.
vom sterben
Mutter von Melitta Breznik
Melitta Breznik ist Schriftstellerin und Ärztin, arbeitete in der Psychiatrie und hat mit „Mutter. Chronik eines Abschieds“ ein Buch über ihre 90jährige Mutter geschrieben. Bei der alten Frau wird Krebs ohne Heilungschancen festgestellt. Die Autorin schildert detailliert die letzten Monate, die ihre Mutter zu Hause verbringt.
Die Mutter ist noch geistig klar und eigenständig, aber durch die Krankheit bedarf sie Pflege und das und die Sterbebegleitung leistet Melitta Breznik.
Die Mutter ist eine würdevolle Persönlichkeit, manchmal stur.
Es kommen die Erinnerungen an die Vergangenheit und die manchmal nicht einfache Beziehung zwischen ihnen. Auch Melitta Brezniks Vater, der schon lange verstorben ist, wird mal erwähnt. Über ihn hat die Autorin auch schon geschrieben.
Wie Melitta Breznik ihre Erfahrungen mit dieser Situation beschreibt ist überaus respektvoll und spricht mich auch aufgrund der literarischen Qualitäten sehr an.
Das Buch ist nominiert für den Österreichischen Buchpreis 2020 und ich halte das Buch trotz des Themas für chancenreich.
Fünfter Teil
Hamster im hinteren Stromgebiet von Joachim Meyerhoff
Im fünften Teil seiner erfolgreichen autobiografischen Buchreihe „Alle Toten fliegen hoch“ schreibt der Schauspieler Joachim Meyerhoff von seiner plötzlichen Erkrankung, ein Schlaganfall und dem darauffolgenden Klinikaufenthalt und seiner allmählichen Rekonvaleszenz.
Mich beeindruckt die Detailgenauigkeit seiner Beschreibungen.
Selbst in seiner Situation der Erkrankung beobachtet er genau. In vielen erkennt er auch das komische. Überhaupt ist der Humor von Joachim Meyerhoff großartig. Hinzu kommt die spürbare Zuneigung, die er für die Menschen empfindet, insbesondere natürlich für seine 3 Kinder, die immer wieder eine große Rolle im Buch spielen.
Vergleicht man „Hamster im hinteren Stromgebiet“ mit Meyerhoffs erstem Buch Amerika, sieht man deutlich, wie er sich als Schriftsteller weiterentwickelt hat.
glimmt nur
Das Palais muss brennen von Spannagel Mercedes
Der Roman ist locker, angenehm verspielt und wirklich amüsant.
Von bitterbösen Sprachwitz, wie angepriesen, würde ich aber nicht gerade sprechen. Einige Dialoge sind zwar toll ironisch, aber insgesamt bleibt der Eindruck des zu harmlosen. Manches wirkt auch zu gewollt.
Mercedes Spannagel Hauptfigur Luise lässt einfach alles auf sich nur zukommen.
Sie agiert meiner Einschätzung nicht wirklich, außer ein paar Aktionen und sich einen Mops namens Marx zu kaufen. Naja.
Die Vorschusslorbeeren für das Debüt waren einfach zu dick aufgetragen. Das schürte eine nicht zu erreichende Erwartungshaltung.
Ich würde das Buch irgendwo im mittleren Bereich bewerten. Kann man lesen, aber das Palais brennt nicht, es glimmt nur ein wenig.
Ein kriminalistischer Spaß
Mord in Highgate von Anthony Horowitz
Der britische Schriftsteller Anthony Horowitz bringt in seinem zweite Roman um den Privatdetektiv Daniel Hawthorne amüsanterweise Fiktion und Realität zusammen, indem der Autor selbst als Hauptfigur auftritt. Ein Buch hat er (sowphl die reale wie fiktive Person) schon über Hawthorne geschrieben, dies soll der zweite werden.
Dazu muss der Detektiv begleiten.
Der Fall ist der Mord an dem Scheidungsanwalt Richard Pryce.
London als Schauplatz verleiht der Handlung Atmosphäre.
Anthony Horowith schreibt auch Drehbücher, daher erstaunt es nicht, das filmische Aspekte relativ oft reflektiert werden, z.B. trägt da ein Mann eine braune Lederjacke „wie eine Erinnerung an die alte Fernsehserie Starsky & Hutch, es gibt Poster von Matrix und Star Wars und Filmstars wie Tom Cruise oder Meryl Streep werden erwähnt.
Zu den Running Gags gehört, dass viele Werke von Horowitz immer wieder erwähnt werden, z.B. Alec Rider, wobei der Name immer wieder falsch genannt wird und das Hawthorne ihn immer wieder jovial „Sportsfreund“ nennt.
Ich finde übrigens, dass Mord in Highgate nicht verfilmbar ist, weil dann der literarische Witz weg wäre. Aber wer weiß, Horowitz traue ich zu, dass er Lösungen findet.
Ich mag die Lässigkeit im Stil des Autors, gepaart mit viel Ironie.
Ich habe aber auch Kritikpunkte. Den Fall fand ich relativ langweilig und der angeblich geniale Detektiv Daniel Hawthorne ist eine zeitgemäße Mischung aus Hercule Poirot und Sherlock Holmes. Als Figur beeindruckt er mich nicht.
Das muss aber vielleicht auch nicht sein. Er dient Horowitz mehr als Verneigung an die klassischen Kriminalroman-Autoren Conan Doyle und A.Christie.
Und es ist spürbar, was für Spaß dem Autor das Buch gemacht hat und das überträgt sich auf den Leser.
ausgeklügelte Sprachbilder
Malé von Roman Ehrlich
Roman Ehrlich siedelt seinen Roman auf den Malediven an und arbeitet mit ausgeklügelt erstellten Sprachbildern.
Zu seinen Figuren hält er eine gewisse Distanz. So heißt es immer “der verzweifelte Vater, “der übergewichtige Schriftsteller” usw.
Als Charakterisierung wirkt das einschränkend.
Der Vater der Schauspielerin Mona bauch kommt nach Malé, um den Suizid seiner Tochter dort zu verstehen. Sie lebte zusammen mit einem Lyriker, der verschwunden ist. In verschiedenen Gesprächen versucht der Vater den Vorgängen auf die Spur zu kommen.
Außerdem gibt es eine Droge auf der Insel, um der sich verschiedene Interessengruppen auseinandersetzen.
Als Leser bleibe ich ratlos! Es ist aber ein Text, der sich lohnt, darüber nachzudenken.
Beeindruckendes Porträt
Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt von Dagmar Fohl
Dagmar Fohl hatte mich schon mit ihrem letzten Roman Frieda beeindruckt. Dieses neue Buch hat ganz ähnliche Qualitäten.
Die Autorin erzählt vom Leben eines portugiesischen Konsuls, der wirklich existierte. Dieser Konsul stellte in Bordeaux entgegen dem Befehl des Diktators Salazar vielen Flüchtlingen, darunter auch Juden, Transitvisa aus.
Damit rettete er tausende von Leben.
Natürlich fiel er dadurch in Portugal in Ungnaden und wurde abgesetzt. Ein hoher Preis, den er zahlen muss.
Das Buch ist ein Porträt dieses Mannes. Die große Begabung der Autorin ist es, den Leser dicht an die Gefühls- und Gedankenwelt des Protagonisten heranzuführen. Sie hat einen Ton gefunden. Dadurch wird das Lesen so intensiv und ein Erlebnis.
Tod und Trauer
Sterben im Sommer von Zsuzsa Bánk
Zsuzsa Bank erzählt in ihrem autobiografischen Bericht vom Sterben ihres Vaters. Er stammte aus Ungarn, war ein 56ziger, der beim Aufstand in den Westen flüchten musste. Trotzdem war der Balaton immer ein Stück von ihm.
Es wird ein langer schwerer Abschied. Die Autorin schreibt ausführlich über die Details, die dazu gehören, z.
B. bei den Klinikaufenthalten, später auch über die Trauer.
Obwohl das Buch teilweise wirklich schmerzhaft ist, bereue ich nicht, es gelesen zu haben. Zsuzsa Bank überzeugt einmal mehr mit ihrer sprachlichen Qualität.
Donald und der Hüter der Lady Liberty
Das Ding - Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl von Jürgen Neffe
Ein anscheinend teilweise autobiografischer Roman, herrlich ironisch überspitzt von und mit Jürgen Neffe, der tatsächlich Donald Trump getroffen hatte.
Beim Lesen hat man das Gefühl, dass der Autor viel Spaß mit seinem Buch hatte.
Jürgen Neffe flog in die USA und wird da bei der Einreise festgehalten.
Diese Verhöre nehmen einen zentralen Raum im Buch ein, für meinen Geschmack zu viel.
Aber die Interview-Passagen mit Donald Trump sind brillant.
Dem Trump-Szenen setzt Jürgen Neffe aber noch ein Porträt eines einfachen amerikanischen Mannes entgegen. Charlie DeLeo. Sohn italienischer Einwanderer und er kümmert sich als Teil des Wartungspersonal um die Freiheitsstatue. Seine Bescheidenheit ist ein Gegensatz zum Aufschneider Trump. Keine Frage, wenn man mehr mag und wenn man lieber treffen möchte.
Das Buch ist im Europa-Verlag erschienen und ich gebe gerne 4 von 5 Sterne.











