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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Die Kapitel, in denen der Sebi erzählt

Der Halbbart von Charles Lewinsky



Die Handlung von Der Halbbart ist im frühen 14.Jahrhundert angelegt und der Schweizer Schriftsteller Charles Lewinsky erzeugt auch sprachlich ein Gefühl für die Zeit.

Der Roman wird durch die Erzählperspektive geprägt.
Der Erzähler Sebi ist ein naiver Junge, der aber auch manchmal ganz klug und vernünftig sein kann.

Er ist fasziniert vom neuen Einwohner der Gegend, dem Halbbart. So wird ein kluger, welterfahrener Mann genannt, dem aufgrund von Brandwunden im Gesicht nur auf einer Gesichtshälfte ein Bart sprießt.
Für Sebi ist er ein Quell des Wissens. Erst nach einer Weile erfährt der Leser auch mehr vom Schicksal des Halbbarts.

Es ist ein umfangreicher Roman und die Ironie erinnert mich ganz leicht an Thomas Manns Joseph und seine Brüder. Auch Charles Lewinsky nutzt einen charismatischen Plauderton, allerdings sehr genau ausgeführt, um die Geschichte des Dorfes und seiner Einwohner, des Halbbarts und Sebis und seinen Brüdern zu erzählen.
Es ist amüsant, aber es gibt auch ernste Themen.
Und am Ende ist es auch eine Coming-of-Age-Geschichte, die Sebis Weg zeigt. Er taugt weder zum Soldat noch zum Mönch. Er ist kein mutiger Junge, aber wenn es darauf ankommt, ist er da und schließlich weiß er, was er will. Es ist eigentlich unmöglich diesen Protagonisten nicht zu mögen.

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stimmungsvoll und überzeugend

Unter uns das Meer von Amity Gaige



Eine Familie, die für ein Jahr aus dem Alltag aussteigt und mit einem Segelboot durch die Karibik segelt.
Treibende Kraft ist Michael. für ihn ist es ein großer Traum, schon mit seinem früh verstorbenen Vater war er oft segeln. Seine Frau Juliet hatte Zweifel an diesem Abenteuer. Dennoch, sie nehmen ihre 2 Kinder mit und los gehts.

Die Erählweise ist geschickt gemacht. Erzählt wird einerseits von Juliet, dazwischen sind immer wieder Ausschnitte aus dem Logbuch, das Michael führt und in dem in erster Linie private Gefühle stehen.Es ist also eigentlich mehr ein Tagebuch.

Die Reise ist tatsächlich paradiesisch, besonders die Tochter Sybil genießt das Leben auf der Yacht, das Meer und die Freiheit. Das naseweise Mädchen wird schnell meine Lieblingsfigur, aber natürlich mag ich alle Figuren! Das heißt aber nicht, dass sie einfache Typen sind.
Zwischen Juliet und Michel gibt es immer wieder Konflikte. Sie schleppen einiges an emotionalen Ballast mit sich. Im Verlaufe des Buches erfährt der Leser mehr.

Für mich ist es ein sehr gutes Buch, weil man sowohl Juliets als auch Michaels Gedanken und Emotionen kennenlernt und verstehen kann. Interessant wird es auch, als Juliet später das Logbuch von Michael liest und im Rückblick Ereignisse wertet.

Die amerikanische Autorin Amity Gaige hatte ich vorher noch nie gelesen. Sie ist eine gute Entdeckung für mich.

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Zukunft und Vergangenheit

Fremdes Licht von Stavaric Michael

Fremdes Licht ist ein ungewöhnliches Buch in zwei Teilen:

1. Winterthur und das Ende der Welt
2. Grönland und die Weiße Stadt

Es teilt sich auf in Zukunft und Vergangenheit, und doch sind die Teile miteinander verbunden.

Sowohl die Dystopie um Eliane Duvel als auch der historische Anteil um die Inuk Uni haben Qualitäten.

Es beinhaltet die Besinnung auf die Kultur der Inuit.

Auffällig am Buch ist das phantastische Cover, das viel verspricht und tatsächlich kreiert der Autor Michael Stavaric Sprachbilder von Eis, bittere Kälte und tiefem Schnee.

Vielleicht sind manche Formulierungen etwas überzogen, doch der Stil dürfte mit der Grund dafür sein, dass das Buch auf die Longlist zum Österreichischen Buchpreis gelandet ist.

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Die Brüchigkeit der Welt

Wenn es dunkel wird von Peter Stamm

Peter Stamms neues Erzählungsband kommt mir zunächst zahmer vor als seiner bisherigen Bücher. Die Story „Der erste Schnee“ zum Beispiel hat gute Ansätze, wird dann aber zu harmonisch. Das ist etwas unterkomplex. Da hätte man mehr draus machen können.
Die Titelgeschichte ist erwähnenswert weil es einige gute Formulierungen gibt, doch dann läuft sie irgendwie ins Leere.

Sehr schön aber die Geschichte Mein Blut für Dich.
Langsam kommt man dem Thema auf die Spur.
Es sind bestimmte Momente und Erkenntnisse, die das Leben der Protagonisten der Geschichten beeinflussen und verändern.

Meine favorisierten Geschichten sind Die Frau im grünen Mantel und Sabrina, 2019.
Am Ende spürt man ihn doch, den bekannten Peter Stamm-Ton.

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Die Abschottung

Die Stadt am Ende der Welt von Thomas Mullen

Die Stadt am Ende der Welt ist Thomas Mullens Debütroman von 2006, der in den USA ca. 1918 angesiedelt ist und die Stadt Commonwealth in einem Ausnahmezustand zeigt. Aus Angst vor der Spanischen Grippe schottet die Stadt sich ab. Zu den bewaffneten Wächtern der Stadtgrenze gehören die Hauptfiguren Graham, der sogar einen fremden erschießt, der sich nähert und der erst 16jährige Philip, der kurze Zeit später vor der gleichen Problematik steht.

Nur ist es bei ihm so, dass er und der fremde Soldat in Kontakt kommen und daher beide außerhalb der Stadt evakuiert werden. Sie kommen ins Gespräch, aber es sind auch Gegensätze und Konflikte da. Gerade diese Abschnitte sind sehr interessant.

Man fragt sich auch, ob der Soldat ein Deserteur oder ein Spion ist.
Philips Gefühle kann man nachvollziehen. Jeden Morgen prüft er sich besorgt, ob er noch gesund ist.
Für seine Recherchen wurde Thomas Mullen preisgekrönt. Ich glaube auch, dass er es schafft, ein glaubwürdiges Porträt dieser Zeit zu zeichnen. Sprachlich ist der Roman durchwachsen, aber Atmosphäre kann man ihm nicht absprechen. Und als Gesellschaftsroman funktioniert es. Es ist daher ein lesenswertes Buch!

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Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

Heimat muss man selber machen von Sina Trinkwalder

Die Unternehmerin Sina Trinkwalder hat mit „Wunder muss man selber machen“ schon ein Buch über ihre Unternehmensgründung geschrieben. Wer das nicht gelesen hat, dem fehlt ein wenig war. Das neue Buch beschäftigt sich viel mit dem Erfolg nach 10 Jahren ihrer Firma manoma.
Sie ist eine erfolgreiche Unternehmerin, weil sie Ideen und Mut hat und ihre Einstellung, wie sie führt, konsequent durchzuhalten.

Sina Trinkwalder sagt, Sprache ist etwas wunderbares und sie weiß, damit umzugehen und offenbar auch, mit ihren Leuten wirklich und richtig zu reden. Sie gibt auch Beispiele für z.B. rassistische Sprache.
Sie thematisiert überhaupt viele Werte in diesem Buch: Mut, Ehrlichkeit, Umgang mit Neidgefühle, Zusammenhalt.
Ihre Einstellung finde ich sehr gut. Natürlich ist ihr Beispiel nicht gerade flächendeckend im Mittelstand. Aber wer heute noch nur von oben herab führt, wird auf lange Dauer Probleme haben.

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Winterwohlbereit

Der Winter des Bären von Kiran Millwood Hargrave

Der Winter des Bären ist ein schön gestaltetes Buch mit Verzierungen auf jeder Seite.
Es erzählt von einem Unsterblichen, genannt der Bär, der einen ewigen Winter ausgelöst hatte. Im Blickfeld des Lesers sind aber Mila und ihre Schwestern und ihr Bruder Oskar. Die Mutter ist tot, der Vater hat die Familie verlassen und so müssen die Geschwister alleine in der winterlichen Welt zurechtkommen.

Das funktioniert bis eines Tages Oskar verschwindet, vermutlich vom Bär entführt und Mila macht sich zusammen mit ihrer kleinen Schwester Pipa und mit dem Zauberer Rune auf den Weg, ihn zu finden. Der zweite Teil behandelt ihre beschwerliche Reise in den Norden. Das Finale erfolgt in Thule.

Die englische Schriftstellerin Kiran Millwood Hargrave arbeitet dabei die Emotionen ihrer Figuren gut heraus. Sie nutzt vom folkloristischen und mythologischen beeinflusste Mittel.
Sprachlich besitzt sie eine ansprechende Eleganz, die sich auch in vielen Detailbeschreibungen ausdrückt.

Wirklich ein wundervolles Buch!

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Schuldig auf Verdacht

In der Hitze eines Sommers von Flint Emma

Es ist 1965 in den USA und das Frauenbild der Gesellschaft vorgeprägt. Daher ist die zweifache Mutter Ruth Malone, die von ihrem Mann getrennt lebt und wechselnde Männerbekanntschaften hat, als Femme Fatal gebrandmarkt.
Als ihre kleinen Kinder verschwinden, gerät sie unter Verdacht. Ihre vierjährige Tochter wird tot aufgefunden, der Junge bleibt verschwunden.

Detective-Sergant Devlin ermittelt gegen sie.
Auch von der Presse wird sie im „Malone-Fall“ vorverurteilt.
Der noch unerfahrene Reporter Pete Wonicke arbeitet für den Herald und er ist der einzige, der an Ruth Unschuld glaubt.

Emma Flint lässt die schwelende Spannung immer mehr glimmen. Ein Touch von Real Crime ist enthalten. Tatsächlich ist der Stoff von einem realen Fall inspiriert.

Die beschriebenen Abläufe bei der Polizei- wie Journallisten-Arbeit sind glaubwürdig geschildert. Das gilt auch für die Gerichtsverhandlung, die das Finale des Romans bildet.

Das ist ein ganz geschickt gemachter Roman, der den Themen Doppelmoral und Vorverurteilung auf die Spur kommt.

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Die Gangster von Guam tragen keine Anzüge

Heißes Blut von Un-Su Kim

Der erste Roman von Un-Su Kim, der ins Deutsche übertragen wurde, hieß Die Plotter. Das war ein koreanischer Thriller, der knallhart war. So zynisch, rasant und wild hat es kaum einen vor ihm gegeben. Heißes Blut geht in die gleiche Richtung, ist aber nicht ganz so explosiv und betont das ironisch-spöttische sowie das Schicksalhafte der Figuren noch mehr.

Es ist ganz und gar eine Geschichte im Gangstermilieu, deswegen kann man die Figuren auch nicht verurteilen. Sie sind in das Milieu hineingeboren, schon ihre Väter haben hier gelebt. Und sie haben keine Wahl. Das gilt auch für den Protagonisten Huisu. Und auch seine Freundin Insuk kann sich dem Schicksal als Prostituierte nicht entziehen.

Un-Su Kim nutzt die Ästhetik des Gangsterfilms der neunziger Jahre um seinen Roman entsprechend zu gestalten.

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Gehobenes Mittelmaß

Bis wieder einer weint von Eva Sichelschmidt

Bis wieder jemand weint ist eine Familiengeschichte Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland. Natürlich ist es eine erfolgreiche Unternehmerfamilie und es wird über mehrere Generationen erzählt. Von dieser Art gibt es viele Bücher im Unterhaltungsgenre und fast alle sind gleich gemacht. Aber diese Romane landet normalerweise nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Wie konnte das nur passieren?

Eva Sichelschmidt gestaltet ihren Roman im Prinzip nicht anders als andere. Besonders literarisch finde ich ihren Stil leider nicht, obwohl es gut versteckt ein paar bemerkenswerte Motive gibt.

Zu den verhaltenen Figuren konnte ich keine Zugang finden. Weder zu Inga noch zu Wilhelm, eher noch zu der jüngeren Generation.

Vielleicht unterschätze ich den Roman ja auch, aber für mich war er nur gehobenes Mittelmaß.

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