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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Daffodil:

Die Neunziger irgendwo im Osten

Ein heruntergekommenes Gut, irgendwo im Osten, irgendwo in der Provinz. Die Wende ist noch nicht lang her und das Gutshaus, ehemals Ambulatorium, Konsum und mehr, soll Café , Arztpraxis und Heim für Marlene, Konrad und ihre Kinder werden. Niketsch, der Ich-Erzähler, liebt seine Jugendfreundin Marlene noch immer, aber sie hat ihn verlassen, ist mit seinem Bruder Konrad verheiratet, hat mit ihm drei Kinder.

Oder ist Selma, die Älteste, vielleicht von ihm? Ungefragt ziehen die Eltern der Brüder, Rita und Pavel, mit ins Gutshaus ein. Ständig funkt es zwischen den Frauen, ständig wird Niketsch ausgenutzt. Trotzdem kann er nicht von Gut Plenskow lassen, kommt immer wieder, hilft, verzichtet auf seine Träume.
Das Gutshaus wird schön, ein geheimnisvolles Wandgemälde wird freigelegt, das Café läuft. Aber das Geld reicht nie für alle Umbauten. Die Dorfbewohner sind auch nicht erfreut über die „Neuen“ und machen ihnen das Leben schwer. Dann hat Konrad einen Unfall....
Niketsch tut, was er kann, aber wird es ihm gedankt? Nimmt jemals jemand auf seine Gefühle Rücksicht?
Ruhig, bescheiden und selbstlos ist der Protagonist dieses Buches. Sehr sympathisch. Oft möchte man ihn schütteln und ihm raten, auch einmal für sich einzustehen. Jakob, sein Neffe, scheint ihm ähnlich zu sein, wird gemobbt, hat es nicht leicht. Trotzdem mochte ich ihn, aber auch ( ein wenig) Selma. Die meisten anderen Figuren empfinde ich als selbstsüchtig, egoistisch. Von vielen Dorfbewohnern ganz zu schweigen.
Barbara Handke schildert das Dorfleben treffsicher, zeichnet die Hauptfiguren lebendig und legt Boshaftigkeit und Häme offen.
Gut zu lesen, interessant, wie Nachwendezeit im Osten beschrieben wird. Lesenswert.

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Zeit ist Geld

Ocean City - Jede Sekunde zählt Ausgezeichnet mit dem Leipziger Lesekompass 2018. Gebunden. von Acron R. T.

Crockie, ein schlauer Teenie, hat ein Geheimnis. Er flüchtet, als Verhaftung droht, wird erschossen. Sein Freund Jackson weiß nichts über den Verbleib ihres illegalen Gerätes, mit welchem man die Zeitkonten der Bewohner von Ocean City auffüllen kann. Zeit ist eine begehrte Währung, die mit harter Arbeit verdient wird.

Klar, dass die Oberen Zeitmanipulationen verhindern wollen. Jackson und der mit eingeweihte Henk versuchen, die Spuren ihrer Forschung zu verbergen. Die Ereignisse überschlagen sich. Wer ist Freund, wer Feind, können die Jungen das System überlisten?
Ocean City ist eine fiktive Stadt, bietet gesetzestreuen Bewohnern Sicherheit, aber die Bevölkerung wird rigoros reglementiert. Wer nicht 12-14 Stunden am Tag arbeitet, lebt arm oder wird auf das unsichere Festland verbannt. Schon Kinder ab neun Jahren werden vom System überwacht. Aber es gibt auch Widerstand.
Jackson ist ein sympathischer, kluger und loyaler Junge (vielleicht ein wenig zu perfekt), der seine Familie, besonders seine kleine Schwester, liebt. Es ist leicht, ihn zu mögen, mit ihm zu fiebern und ihm Erfolg zu wünschen. Spannend geschrieben, gut zu lesen - ein Jugendbuch, das gefällt. Auf eine Fortsetzung darf man gespannt sein.

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Raffinierter Thriller

Hangman. Das Spiel des Mörders Thriller. 02.01.2018. Paperback / softback. von Cole Daniel

Eigentlich mag ich es gar nicht, wenn im Prolog das Buchende vorweggenommen wird. Dieses Manko wird in „Hangman“ mehr als wettgemacht. Unglaublich spannend wird die Jagd nach dem Initiator bizarrer Morde in London und New York beschrieben. Warum sind es immer zwei Tote, einer mit „Köder“, der andere mit „Puppe“ tätowiert? Wer zieht die Fäden dieser Marionetten? Viele Täter, viele Opfer, viele falsche Spuren und die unglaublich engagierte Arbeit von der Hauptfigur, Emily Baxter, sind beschrieben.

Sehr sympathisch einige ihrer Mitstreiter, weniger hilfreich sture Vorgesetzte oder missgünstige Kollegen. Glaubhaft die familiären Probleme.
Wer einen Thriller erwartet, den er nicht so schnell wieder aus der Hand legen kann, wird hier bestens bedient.

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Menschenhandel

In eisiger Nacht von Parsons Tony

Es ist so eiseskalt, dass 12 junge Frauen in einem Kühllaster erfrieren. Sie stammen aus verschiedenen Ländern, wollen Arbeit und eine Perspektive in einem Land, in dem es ihnen besser gehen soll. Nur sind sie an ihnen skrupellosen Menschenhändler geraten, der zu dumm ist, den Schmuggel-Lkw zu führen.

Detective Max Wolfe findet im Fahrzeug 11 Leichen, eine sterbende Frau und 13 Pässe. Wo ist die Überlebende? Ein Zufallsfoto des Bruders eines der Opfer zeigt eine Spur. Die mühsame Ermittlung der Verantwortlichen beginnt. Wolfe hat eine engagierte und taffe Partnerin, einen jungen, mutigen Kollegen und eine zutiefst unsympathische Vorgesetzte. Dass ihr oberstes Ziel das Finden der Verantwortlichen ist, versteht man. Wie sie dabei vorgeht, nicht. Wolfe taucht wieder hinab in menschliche Abgründe, Zwangsprostitution, Mord, Gewalt, Brutalität.
Spannend, ergreifen, Elend zeigend, hat Tony Parson ein aktuelles Thema packend und nahegehend beschrieben. Auswüchse des Menschenhandels, die chinesische Mafia, Leben unter unwürdigsten Bedingungen,Anarchie, Missachtung der Gesetze zum eigenen Vorteil, das Ausnutzen illegaler Einwanderer - all das wird anschaulich geschildert. Sehr gut zu lesen. Regt zum Nachdenken an.

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Rache ist alles?

In eisiger Nacht von Parsons Tony

Sehr amüsant: zwei Lankwitzerinnen, raus aus dem Knast, in dem sie mehr oder weniger unschuldig Teile ihres Lebens verbracht hatten, fragen sich, wie es weiter gehen soll. Für das horizontale Gewerbe zu alt, für einen Verkäuferjob zu vorbestraft, für Anderes nicht geeignet. Wie wäre es mit einer Art Racheagentur für gedemütigte Frauen? Eine macht Aquise, die Andere übernimmt die Racheaktion, läuft, oder? Aber die Konkurrenz, sehr niederträchtig und skrupellos, plant die feindliche Übernahme.

Klappt das? Wie geht es weiter?
Anfänglich wirklich gut zu lesen, zugegebenermaßen mit einiger Schadenfreude, ufert die Handlung ins Geschmacklose aus. Zu viel Fäkalien, zu viel Gemeinheit.
Nette Idee, die Umsetzung gefällt nicht. Zu zynisch, zu menschenverachtend - auch wenn alles fiktional ist.

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Über die Liebe ... zum Boot und mehr

Hafenkino von von Wolff Steffi

Vor mich hin grienend, lautes Herausplatzen vor Lachen, dezentes Lächeln – als das konnte mein Mann bei mir registrieren, während ich das „Hafenkino“ las. Punktgenaue Beschreibungen von Situationen, die nur ein Bootsliebhaber vollständig nachvollziehen kann. Irrwitzige Begegnungen, leidenschaftliche Liebe (zum Boot natürlich), Urlaube, die erholsam waren oder auch nicht, all das beschreibt Steffi von Wolff.

Geärgert habe ich mich aber auch: wie kann frau dermaßen unterwürfig auf die Launen ihres Mannes reagieren? Aber sicher war alles nur aus literarischen Gründen überspitzt dargestellt … Wenn mal wollte, konnte man auch viele nautische Begriffe erlesen, sich über selbstironische Bemerkungen amüsieren, seltsame Mitmenschen kennenlernen, eigene Verhaltensweisen hinterfragen.
Flott und locker geschrieben, auf alle Fälle unterhaltsam.

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So sollte das icht enden....

The Woman in Cabin 10 von Ruth Ware

Lo, eigentlich Laura Blacklock, erhält die Chance, sich auf einer Fjordkreuzfahrt als ernsthafte Journalistin zu etablieren. Zugleich ist die Fahrt auf dem luxuriösen Schiff eine Flucht vor ihrem Freund, der sie zu einer Entscheidung drängen will und vor der Einsamkeit in ihrer Wohnung, in der sie überfallen wurde.

Die Aurora erweist sich als wirklich exquisit ausgestattet, bietet Platz für 10 Passagierkabinen, weitere excellente Räumlichkeiten und verfügt über handverlesenes Personal. Lord Bullmer, der Eigentümer, residiert mit seiner reichen, aber schwerkranken Frau an Bord. Welches Ziel hat diese Kreuzfahrt? Ebenfalls auf dem Schiff: ein bekannter Abenteurer, andere Reporter, auch ein ehemaliger Kollege, Ben Howard. Der ist immer noch an Lo interessiert.
Am Anreisetag ist Lo übermüdet, traumatisiert, angeheitert. In der Nacht hört sie in der Nachbarkabine, wie ein schwerer Gegenstand (ein Körper?) ins Wasser fällt. Seitdem ist die junge Frau aus Kabine 10 verschwunden. Lo fürchtet, dass der mutmaßliche Mörder es jetzt auch auf sie als Zeugin abgesehen haben könnte. Sie macht sich auf die Suche nach der verschwundenen Frau. Aber Niemand glaubt ihr. Sie spricht mit allen Personen an Bord, jedoch hat Keiner die Vermisste je gesehen. Es wird immer unheimlicher, die Route wird geändert, der Funkverkehr ist gestört, Fotoapparate werden unbrauchbar... Lo findet sich eingesperrt in einer winzigen Kabine unter Deck wieder. Einblendungen von Freunden und Familienmitgliedern, die verzweifelt auf ein Lebenszeichen von ihr hoffen, lassen Schlimmes ahnen. Dann wird eine unbekannte Frauenleiche gefunden.
Als Leser ist man hin- und hergerissen. Wie glaubwürdig ist Lo? Überraschende Wendungen halten die Spannung aufrecht. Auf eine positive Begebenheit kommt eine Wende zum Schlechten. Wie wird das enden? Sehr spannend, sehr packend geschrieben.

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So ist das Leben

Lied der Weite von Kent Haruf

Amerika, kleinstädtisch-ländliche Gegend. Verschiedenste Charaktere, durchschnittliche Menschen, Einzelschicksale. Zum Beispiel Victoria: sie ist 17, Schülerin und schwanger. Die Mutter wirft sie aus der Wohnung, der Freund verschwindet. Bobby, Ike, ihr Vater. Die Mutter dazu ist schwer depressiv und lässt die Familie im Stich.

Die Jungs kämpfen sich ziemlich allein gelassen durch. Ihr Vater ist überfordert, müht sich mit Erziehung und Job.
Die McPherons: sympathisches altes Bruderpaar. Bewirtschaften eine Rinderfarm, arbeiten hart, sind sich eigentlich selbst genug. Beweisen viel Herz.
Sie und andere werden unaufgeregt beschrieben. So gut, dass man sie förmlich vor sich sieht. Man könnte sie kennen. Ihr Leben beinhaltet so schmerzhafte Erlebnisse, dass das Lesen schwerfällt. Ein wunderbarer Roman, zutiefst menschlich, zutiefst anrührend, trotz allen Widrigkeiten optimistisch.

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Wer ist der Mörder?

Lied der Weite von Kent Haruf

Verena beginnt einen neuen Job auf einem Gut in Meck–Pom, ihre verwaiste Nichte im Schlepptau. Sie soll sich um Jemanden kümmern, der einen Unfall hatte und in dessen Folge an Gedächtnisproblemen leidet. Dieser Jemand ist ein attraktiver Profiler, der auf dem luxuriösen Anwesen seiner Tante residiert.

Optimale Bedingungen für Verena und Nichte, die absolut verwöhnt werden. Nur: der smarte Carl ermittelt in einem Mordfall und braucht dabei Hilfe. Anfangs zögerlich, kniet sich Verena voll in die Ermittlungen hinein, erlebt aufregende Dinge, gerät in eine Prügelei und hat gute Ideen. Und sie greift aktiv ins Geschehen ein. Mehrere Leichen werden gefunden. Treibt hier ein Serienmörder sein Unwesen? Leicht und gut zu lesende Lektüre. Sogar die Liebe kommt nicht zu kurz. Manches ist zu vorhersehbar. Schön der Bezug zur Fontaneschen Ribbeck– Ballade. Nicht so schön, das abwertende „Dunkel Land“ im Titel. Passt zum Cover. Dieses wiederum passt nicht ganz so gut zum Inhalt. Trotzdem drei Sterne für entspannende Lesezeit.

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Süchtig

Nachtlichter von Liptrot Amy

Nachtlichter“ ist wunderbar und zugleich schwer zu lesen. Kaum zu ertragen sind die schrecklichen alkoholbedingten Abstürze der Autorin. Kann man tiefer sinken? Ja, doch, aber Amy Liptrot will dem Teufelskreis der Sucht entkommen.
Aufgewachsen auf einer menschenarmen Orkney–Insel, mit einem manisch–depressiven Vater und einer zur Religion abgewanderten Mutter, sucht sie Abwechslung, Coolness und Karriere in London.

Der Kick stellt sich nur nach immer mehr Alkohol ein. Peinliche Vorfälle, Jobverluste, Wohnungsnot, der Verlust des Freundes folgten. Versuche, trocken zu werden, ihre Unzufriedenheit abzulegen, scheitern mehrfach.
Ein erster Erfolg: mit Hilfe eines dreimonatigen Programms bleibt sie erstmals längere Zeit trocken. Eine Flucht zurück zu ihrem Geburtsort soll weiter helfen. Die Ablenkung durch harte Arbeit ist nur teilweise erfolgreich, die Lust auf Alkohol bleibt. Amy hat stets das Gefühl, dass etwas fehlt. Sie taucht tief ein in die Natur, erforscht verschiedenste Gebiete und analysiert sich selbst. Sie nimmt den Leser schonungslos ehrlich mit in ihre Welt. Dabei wird so viel Wissen eingewebt! Orkneys Einwohner heißen Orkadier. Was für Wolkenarten gibt es, was hat es mit dem Wachtelkönig auf sich, wie baut man Trockenmauern, woher kommen einige merkwürdige Worte, was passiert beim Ablammen? Kleinste Inseln, seltene Tiere, Grabhügel werden erforscht, Sagen erzählt.
Amy verbringt den Winter auf Papay. Dort leben 70 Menschen. Auch über ihre Bräuche erfährt der Leser Einiges: Muckle Supper, First Footing, Papay Gyro Nights. Genaue Naturbeobachtungen über die „Merry Dancers“, Luftspiegelungen, geografische Auffälligkeiten, Nebelwarnsysteme faszinieren.
Trotzdem ist da noch immer das bekannte Gefühl, abgelehnt zu werden, etwas zu verpassen. Amy stellt sich immer neuen Herausforderungen.
Ein sehr ehrliches, umfassendes Buch, das eine Lebensetappe anschaulich und offen beschreibt. Gleichzeitig eine liebevolle Beschreibung der Schottischen Inselwelt. Absolut lesenswert.

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