Persönliche Lese- tipps
Jahre des Jägers
Jahre des Jägers von Winslow Don
Art Keller at his best – Art Keller in Hochform! Don Winslows Abschluss der Trilogie um den mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg, ein Wiedersehen mit Totgeglaubten und in Vergessenheit geratenen Freunden, Feinden und Drogen. Die amerikanische Drogenpolitik ist gescheitert und der Hunger nach Heroin ist stärker als jemals zuvor.
Auch hier schafft es Don Winslow wieder seine Geschichte spannend und nah an der Realität zu erzählen.
Wer hat meinen Vater umgebracht
Wer hat meinen Vater umgebracht von Édouard Louis
Édouard Louis ist Mitte 20 – und Frankreichs neuer Großdenker. Seine Methode nennt er „konfrontativ“. In „Wer hat meinen Vater umgebracht“ macht er keine Gefangenen. Der Text ist eine Abrechnung mit dem Frankreich der Gegenwart. Und der Vater eine Übermetapher: Ein einstiger Polterer, ein Prügler, ein insgeheim sentimentaler Täter und das abgewrackte Opfer optimierungssüchtiger Zeiten.
Das Buch ist aber auch die Geschichte einer Annäherung. Zorn war selten rührender. Und Rührung selten aufschlussreicher.
Gier
GIER - Wie weit würdest du gehen? von Marc Elsberg
Seit Blackout steht Marc Elsberg für perfekten Mix aus Thrill, Wissenschaft & Gesellschaftspolitik, Gier ist eine Neuauflage dieser Bestseller-Kombi. Jan wird in Berlin Zeuge eines Mordes, das Opfer ist Nobelpreisträger Thompson, der sich auf dem Weg zu einer wichtigen Rede befindet. Denn die Welt steht am wirtschaftlichen Abgrund, Thompson hätte die Lösung, ein revolutionäres neues Wirtschaftskonzept, im Gepäck.
Nicht im Sinne von Hedgefonds, Heuschrecken & Co, die eine mörderische Jagd auf Jan beginnen.
Robert Renk empfiehlt:
Kiras Version
Kiras Version von Emil Hakl
Emil Hakl ist wohl eine der eigenwilligsten Stimmen der aktuellen tschechischen Literatur. Er, der unter Pseudonym schreibt, die Schule erst nach einer 10jährigen Pause, wegen Drogenkonsums, abgeschlossen hat, legt nun mit „Kiras Version“ ein modernes Robotermärchen vor. Ein sich recht motivationsfrei durchs Leben schlängelnder Typ wird auserwählt, den Prototyp einer künstlichen Frau zu testen.
Was künstlich beginnt wird schnell all zu menschlich. Flott zu lesen!
Fähre nach Manhatten
Fähre nach Manhattan von Armin Thurnher
Das neue Buch von Armin Thurnher ist autobiografisch und fiktional zugleich. Der Roman „Fähre nach Manhattan“ reflektiert die reale Reise des Autors in die USA kurz vor dem symbolträchtigen 68er Jahr, aber Thurnher besteht darauf, dass der Protagonist, der im Präsens erzählt, kein Alter Ego sei.
Wir wollen das gerne glauben, auch weil ein Buch vorliegt, das witzig, klug und liebevoll den kurzen Studienaufenthalt in den USA schildert. Ein Buch, das bei der Lektüre Spaß macht, eines, das man am Ende ungern weglegt.
Uneingeschränkte Leseempfehlung!
Frau im Dunkeln
Frau im Dunkeln von Elena Ferrante
Leda beobachtet am Strand ihres süditalienischen Urlaubsorts eine neapoletanische Großfamilie, besonders die junge Nina und ihre Tochter Elena. Die eigene Vergangenheit drängt sich heftig in ihre Erinnerung, und sie begeht eine Tat, die ihr selbst unerklärlich ist. Der Roman ist ein elegantes Meisterwerk schonungsloser und kristallscharfer Offenlegung der Schönheit und Grausamkeit in den Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern.
Spannung bis zum letzten Satz bekommt man als Draufgabe dazu.
Rechtswalzer
Rechtswalzer von Franzobel
Österreich 2024, türkis-blau ist Vergangenheit, LIMES verpasst dem Land ein orbanitäres Antlitz. Bobo Malte Dinger stolpert über eine Fahrscheinkontrolle in 25 Jahre Häfn, Kommissar Groschen über eine innerlich verbrühte Leiche in korrupte Machenschaften. Georgische Kriminelle, hysterische Buschenschaftlerinnen, Neonazis und Anarchisten treffen sich schließlich zum Finale infernale am Opernball.
Stilsicher, sprachgewandt, wort- und lautverdrehend setzt Anzfrobel eine neue Muftdarke in die kottaneske Limikrandschaft.
Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet
Identität Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet von Fukuyama Francis
Dieses Buch, so bekennt der Autor gleich zu Beginn, gäbe es nicht, wäre Donald Trump nicht zum Präsidenten gewählt worden. Für einen gestandenen Liberalen wie Francis Fukuyama wohl ein Alptraum. Dennoch ist es keine Abrechnung des US-Politologen, sondern eine unaufgeregte Analyse, die bei der Erklärung gegenwärtiger Phänomene bis in die Antike und Frühe Neuzeit zurückgeht, ohne akademischen Ballast aufzutürmen – eine überaus anregende und fundierte Kritik rechter wie linker Identitätspolitik.
Elena Ferrante - meine geniale Autorin
Elena Ferrante meine geniale Autorin von Bardola Nicola
»Wen könnte es interessieren, was von mir übrig bleibt, außerhalb der Bücher« hat Elena Ferrante einmal auf die Frage geantwortet wer sie sei. Nicola Bardola versucht dennoch mit diesem Buch durch die Analyse ihrer Texte, ihrer Sprache und anhand verschiedener „Interviews“, die sie gegeben hat, E.
Ferrante eine fassbare Identität zu geben. Ohne sich auf einen der kursierenden, aber nicht bestätigten Namen festzulegen. Warum eigentlich? Weil Bücher alleine nicht immer für sich sprechen können.
Durch deine Augen
Durch deine Augen von Peter Høeg
Seit Fräulein Smilla hat Peter Høeg einen Fixplatz im Literaturuniversum. Der nun vorgelegte neue Roman gefährdet diesen Fixplatz nicht. Es geht um Simon, Lisa und Peter, um ihre Kinderfreundschaft und ihre heutige Beziehung und um Neurowissenschaft. Vermutlich bringen nur wenige andere AutorInnen das alles unter einen Literatenhut.
Høeg kann das. „Durch deine Augen“ ist unglaublich poetisch und lehrreich zugleich. Dabei spannend und ein echter „pageturner“. Was will man mehr?











