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Rezensionen von LEXI:

Vier Jugendliche aus vier kaputten Familien, so verschieden wie Feuer und Wasser, unterwegs zum Meer

Die Ausreißer – Sehnsucht nach Meer von Melissa C. Feurer

„Es gibt so viel Mist auf der Welt. Und die schlimmsten Dinge passieren in Familien. Diese glücklichen, netten Familien mit Vater, Mutter und zwei Musterkindern, die sich alle anstrahlen, als gäbe es nichts Schöneres auf der Welt – die gibt es doch nur auf Müslipackungen!“ (Lars)

Der Halbwaise Lars glaubt nicht an eine heile Familienwelt.

Er lebt bei seinem gewalttätigen alkoholkranken Vater, ist ein unscheinbarer und feinfühliger Junge, der sich hart und abweisend gibt und keine Freunde hat. In der Schule vermeidet er es konsequent, aufzufallen und wird von den meisten einfach übersehen. Lars ist ruhig, mag keinen Lärm, und hält sich tunlichst aus allem raus.

Nele Zimmermann ist unsportlich und mollig, hat ebenso wie Lars keine Freunde und wird als unbeliebte Schülerin in ihrer Klasse gemobbt. Als braves Mädchen aus christlichem Elternhaus, deren Vater kürzlich die Familie verlassen hat und mit seiner neuen Freundin im Norden des Landes lebt, stellt sie ein begehrtes Zielobjekt für die Schikanen ihrer Mitschüler dar. Das Selbstbewusstsein des warmherzigen und einfühlsamen Scheidungskindes leidet fürchterlich unter dieser Situation, und als sie wieder einmal von ihren Mitschülerinnen grausam gehänselt und gekränkt wird, kommt ihr völlig unerwartet Lars zu Hilfe.

Der ruhelose Einzelgänger Noah ist bereits seit seinem achtzehnten Geburtstag auf der Straße unterwegs. Eine zottige Mischlingshündin namens Cassiopeia begleitet ihn auf seiner Wanderschaft. Als der Hund in Karlstadt von einem Auto angefahren wird, ist Lars zufällig Zeuge dieses Zwischenfalls. Er hilft Noah, das Tier zu verarzten und besorgt den beiden eine Unterkunft. Der charismatische und stets gut gelaunte Noah erzählt Lars von seinem nächsten Ziel und lädt Lars spontan ein, ihn auf seiner Wanderschaft zur Nordsee zu begleiten. Durch einen Zwischenfall in der Schule eskaliert schließlich die Lage in Karlstadt und Lars packt tatsächlich seinen Rucksack. Er beschließt, abzuhauen und sich dem gewalttätigen Einfluss seines Vaters zu entziehen. Zugleich spitzen sich jedoch auch bei Nele die Dinge zu, bei ihr bahnt sich ebenfalls eine Katastrophe an. Als sich unterwegs auch noch Noahs Bekannte Angel zum Trio gesellt, sind kurz darauf vier Jugendliche und ein Hund unterwegs zum Meer.

Melissa C. Feurer erzählt in diesem beeindruckenden Jugendbuch die traurigen Geschichten von vier jungen Menschen, deren hervorragende Charakterisierung sie dem Leser sofort ans Herz wachsen lässt. Die vier Protagonisten sind grundverschieden, haben jeder für sich einen Grund, abzuhauen. Die Wanderschaft stellt sich alles andere als einfach heraus. Nicht nur mangelnder Komfort, Hunger und die Suche nach Schlafplätzen machen ihnen zu schaffen, sondern auch ihre seelischen Wunden. Während ihrer Reise unterwegs zum Meer müssen sie sich ihren Gefühlen stellen. Das Verarbeiten ihrer Probleme und der damit einhergehende Veränderungsprozess werden von der Autorin eindrucksvoll beschrieben. Die handelnden Figuren sind vielschichtig dargestellt. Noah hält die ganze Gruppe zusammen und trägt dazu bei, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Die harten Fassaden der Jugendlichen bröckeln langsam, und der Weg zum Meer wird zugleich auch zu einem Weg der Selbstfindung und Heilung.

Der Schreibstil der Autorin ist äußerst einnehmend. Behutsam und mit viel Feingefühl tastet sie sich nach und nach an die Probleme ihrer Figuren heran, offenbart in kleinen Schritten deren seelische Verletzungen. In Form von beeindruckenden und sehr tiefsinnigen Dialogen dürfen die traumatisierten Teenager gegenseitige Verständnis und Wertschätzung erfahren.

„Die Ausreißer - Sehnsucht nach Meer“ ist ein sehr berührender Jugendroman, der schwierige familiäre Situationen und das Mobbing in Schulen zum Kernthema hat. Melissa C. Feurer legt zudem großes Gewicht auf den christlichen Glauben und wartet darüber hinaus mit einer Fülle von Lebensweisheiten auf. Sie plädiert dafür, die Hoffnung niemals aufzugeben und führt ihre Protagonisten letztendlich zur Erkenntnis, dass Zeit zwar nicht alle Wunden heilt, manche schmerzhaften Erfahrungen im Leben jedoch zur persönlichen Entwicklung beitragen.

„Vielleicht geht es Menschen im Bezug auf Gott manchmal auch so. Sie sind wütend und enttäuscht, weil Gott ihnen eine schmerzhafte Erfahrung nicht erspart hat, und erkennen einfach nicht, dass er es gut mit ihnen meint.“

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Bräute auf Abwegen

Bräute auf Abwegen von Karen Witemeyer; Regina Jennings; Mary Connealy

Der bezaubernde Sammelband mit dem Titel „Bräute auf Abwegen“ und einer Protagonistin im Hochzeitskleid auf dem Buchcover beinhaltet drei jeweils nur etwas über einhundert Seiten zählende, romantische Liebeskomödien von drei namhaften christlichen Autorinnen.

Im ersten Abschnitt präsentiert Karen Witemeyer „Das Ehemann-Manöver“, in dem Marietta Hawkins, die Tochter eines texanischen Ranchers, sich in den attraktiven Vormann ihres Vaters verliebte.

Marietta hat es sich in ihren hübschen Kopf gesetzt, das Herz dieses faszinierenden Daniel Barrett zu erobern. Als sie erfährt, dass Daniel jedoch Hawk’s Haven in Kürze verlassen und eine eigene Ranch gründen wird, drängt die Zeit. Die junge Frau mit den sanften braunen Augen macht sich sehr zielstrebig und mit äußerster Entschlossenheit – „Es ist an der Zeit, die Möglichkeiten zu erkennen, nicht die Probleme zu sehen. Die Möglichkeiten von Liebe und Heirat, um genau zu sein.“

Die zweite Geschichte mit dem Titel „Der Bräutigam, der sich nicht traut“ stammt aus der Feder Regina Jennings und spielt in Missouri, wo nach vielen Regenfällen ein Fluss über die Ufer tritt. In einem kleinen Haus in der Nähe lebt die achtzehnjährige Katie Ellen Watson, deren Eltern für ein paar Tage verreist sind. Als ein ungepflegter und bedrohlich wirkender Fremder plötzlich in ihr Haus kommt, steht ihr Josiah Huckabee, Katies bester Freund aus Jugendtagen, zur Seite. Doch Josiah scheint für Katie nichts als ein großes Ärgernis darzustellen. Es wird für die beiden zu einer echten Bewährungsprobe, die vorgetäuschte Fassade aufrechtzuerhalten und dem unheimlichen Eindringling ein jung vermähltes Ehepaar vorzuspielen.

Mary Connealy erzählt zu guter Letzt von einem romantischen Abenteuer in Houston, Texas, das den Titel „Eine Braut auf der Flucht“ trägt. Die elegante zarte Carolyn Halsey wurde von ihrem Vater aufgrund hoher Spielschulden verschachert. Gemeinsam mit ihrem Bruder Isaac flieht sie in der Nacht vor ihrer Zwangsverheiratung. Carries Schwester Audrey bittet einen großgewachsenen Texas Ranger namens John Conroy, sie aus Houston herauszuholen und zu ihr nach Colorado zu bringen. Der gutaussehende und kampferprobte Mann mit den durchdringenden blauen Augen erscheint Carrie wie ein Retter, der direkt vom Himmel geschickt wurde. Doch Carries verschmähter Bräutigam ist nicht nur für seinen Reichtum, sondern auch für seine Brutalität und Grausamkeit bekannt. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um seine Braut zurückzubekommen.

Drei ausgezeichnete Autorinnen sorgen durch drei amüsante Liebesabenteuer für ein vortreffliches Lesevergnügen. Durch den locker-leichten Schreibstil, eine Menge Charme und eine beachtliche Portion Humor stellen diese drei Kurzgeschichten eine kurzweilige Lektüre dar. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und kann dieses Buch Lesern mit einem Faible für historische Liebesromane wärmstens weiterempfehlen.

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Wohin willst du, Zeitreisemädchen?

Liebe ist stärker als Raum und Zeit - 2018 von Susanne Wittpennig

Susanne Wittpennigs aktuelle Neuerscheinung schließt direkt an den ersten Band dieser Buchreihe an. Der Leser wird gleich zu Beginn mit der furchtbaren Tatsache konfrontiert, dass der Versuch, Lisas zweites „ältere Ich“ namens Lisa Whitfield in die Zukunft zurückzuschicken, schiefgelaufen ist.

Anstelle der fünfundvierzigjährigen Lisa Whitfield landet nämlich nun versehentlich die sechzehnjährige Lisa Leonor Lambridge im Jahr 2018. Ihre Freunde warten am 14. Februar 1990 vergeblich auf den Teenager – Lisa kehrt nicht wie erwartet zurück und bleibt neunundzwanzig Jahre lang verschollen. Doc Silverman und sein Sohn Zac sind entsetzt, Lisas bester Freund Momo, der sie kurz vor ihrem Verschwinden so schwer enttäuscht hatte, ist am Verzweifeln. Seinen seelischen Schmerz ertränkt er in Alkohol – eine Verhaltensweise, die ihm ab sofort zur zweiten Natur wird.

Die sechzehnjährige Lisa taucht im Jahr 2018 auf und wird von den gealterten Ausgaben des Dr. Levi Gideon Silverman und seines Sohnes Zac Zimmerman bereits erwartet. Die Technologie haben sich zwischenzeitlich rasant geändert. Lisa darf eine neue und moderne Variante des Time-Transmitters bewundern, der Zacs Lebenswerk darstellt, und wird mit der fremden, aufregenden Welt des Internet konfrontiert. Obgleich sie in ihrer Schulzeit im Jahr 1990 stets als fortschrittlicher und technisch begeisterter Teenager galt, mutiert sie im Jahr 2018 zum verschrobenen „Retro-Girl“, das weder ein Smartphone bedienen kann, noch um die Bedeutung von apps oder sozialen Plattformen weiß. Die beiden Wissenschaftler haben die Jahre bis zur berechneten Ankunft von Lisa genutzt und planen, sie so rasch wie möglich zurück in die Vergangenheit zu schicken. Der einzige Unsicherheitsfaktor in dem perfekt ausgearbeiteten Plan ist die Ungewissheit über den Verbleib des bösen Professor Ash, der mit aller Macht versucht, in den Besitz der Zeitmaschine zu gelangen. Die Monate bis zu ihrem geplanten Aufbruch verbringt Lisa als Austauschschülerin in ihrer alten Schule – und erlebt so einige Überraschungen. Als sie auch noch Informationen über ihre große Liebe Momo erlangt, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als nur ein einziges Mal wieder in Momos Armen liegen zu dürfen. Doch der weise Doc Silverman warnt das junge Mädchen davor, die Zukunft zu beeinflussen, er meint: „Die Zeitlinie kann vieles reparieren, aber nicht dein Herz.“ Und Lisa merkt sehr bald, wie recht der alte Wissenschaftler damit hat. Denn ihr Herz macht Lisa die Entscheidung zwischen den beiden Welten letztendlich so unsagbar schwer.

Der zweite Band dieser interessanten Jugendbuchreihe um das Zeitreisemädchen Lisa ist genauso spannend, unterhaltsam und fesselnd wie dessen Vorgänger und ich war sofort wieder mitten im Geschehen. Der einnehmende und lockere Schreibstil, die angenehme Schriftgröße und der großzügige Zeilenabstand trugen neben dem hoch interessanten Inhalt ebenfalls dazu bei, das Lesen zu einem Vergnügen zu machen. Die Sprache ist der jugendlichen Zielgruppe angepasst, und angesichts der Tatsache, dass Hüte und Brillen bei Susanne Wittpennig nicht aufgesetzt oder abgenommen, sondern „an- und ausgezogen“ werden, legt mir die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um Redewendungen aus einer Dialektsprache handelt. Der Spannungsbogen war angesichts der Thematik groß, wurde durch drohende Übergriffe des Antagonisten Archibald Ash noch zusätzlich erhöht und steigerte sich am Ende zu einem grandiosen Finale - ein Finale, das eine aufregende Fortsetzung der Geschichte im nächsten Band verspricht.

Die Autorin beschäftigt sich auch in diesem zweiten Band um die alltäglichen Sorgen und Probleme des Erwachsenwerdens und vergleicht die technischen Entwicklungen, die Modetrends und das Verhalten der Jugendlichen zwischen 1990 und 2018. Da ich etwa im Alter der Protagonistin bin, war dieses Buch nicht nur für die Jugendliche Zielgruppe, sondern auch für mich eine sehr bereichernde Lektüre. Durch das „Retro-Girl“ Lee wurden viele Erinnerungen wie beispielsweise das mühsame Aufnehmen von Liedern aus dem Radio auf Kassettenrecorder und viele bestimmte Hits aus dieser Zeit geweckt. Ich musste über den Frisurentrend „Vokuhila“ schmunzeln und hatte die im Buch erwähnten Mickey Mouse T-Shirts oder die pinkfarbenen Leggins und Haarbänder wieder lebhaft vor Augen. Dem Hauptthema „Zeitreise“ sowie den Auswirkungen der Beeinflussung von Vergangenheit und Zukunft wird natürlich die meiste Aufmerksamkeit zuteil, und so manche Ausführungen der beiden Wissenschaftler hinsichtlich eines Zeitparadaxon forderten volle Konzentration.

Die handelnden Personen waren sehr gut ausgearbeitet und ich freute mich darüber, einigen von ihnen aus dem ersten Band in Form ihres „älteren Ichs“ wiederbegegnen zu dürfen.

Fazit: „Time Travel Girl 2018“ war genau wie der Vorgängerband ein sehr überzeugendes, spannendes Jugendbuch mit einer interessanten Thematik, das mich ausgezeichnet unterhalten hat. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen, möchte jedoch zum besseren Verständnis vorab jedem die Lektüre des ersten Bandes ans Herz legen. Ich bin bereits sehr gespannt auf die Fortsetzung dieser Geschichte!

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König und Königin von Böhmen – einen Winter lang!

Die Spionin des Winterkönigs von Tereza Vanek

„Liebe trübte das Urteilsvermögen, stellte manche Menschen auf Podeste, sodass andere neben ihnen klein und unscheinbar wurden. Genau das machte Liebe vielleicht so einzigartig, eben weil doch jeder davon träumte, auf so einem Podest zu stehen.“

Die schwärmerische Verliebtheit von Fronicka von Odenwald in den jungen Kurfürsten Friedrich von der Pfalz findet ein jähes Ende, als Friedrich nach England reist und der englischen Königstochter zum ersten Mal leibhaftig gegenübersteht.

Elizabeth Stuart gilt als begehrteste Braut Europas und die Kultiviertheit und strahlende Schönheit der Stuartprinzessin erobern auf der Stelle das Herz ihres Bräutigams. Vergessen ist Froni, die schüchterne und gutgläubige Tochter einer unbedeutenden Hofdame, die einst Friedrichs liebste Spielkameradin am Heidelberger Hof war. Als das blendend aussehende und vor Glück strahlende junge Ehepaar nach der Vermählung Einzug im Heidelberger Schloss hält, wird Froni sofort klar, dass Friedrich in der bezaubernden Schönheit königlichen Geblüts seine Liebe fürs Leben gefunden hat. Aufgrund ihrer Intelligenz und Zuverlässigkeit avanciert Froni sehr rasch zur Hofdame von Elizabeth Stuart, und nachdem Friedrich die böhmische Königskrone angeboten wird, darf auch sie das neue böhmische Königspaar in ihre neue Residenz nach Prag begleiten. Das böhmische Volk begrüßt ihre gutaussehenden neuen Regenten stürmisch, doch bald ändert sich die politische Lage und die Unzufriedenheit des Volkes wächst. Wird es für Friedrich und Elizabeth eine Zukunft in Prag geben? Und wie wird es mit Froni weitergehen, die sich in den einfühlsamen und klugen Sohn eines protestantischen Predigers verliebt? Als zwei katholische Statthalter und ihr Sekretär aus dem Fenster der Prager Burg geworfen werden, wird dies als Kriegserklärung an den Kaiser aufgefasst und markiert den Beginn des Aufstands der böhmischen Protestanten gegen die katholischen Habsburger.

Die Autorin wählt für ihre Haupthandlung den Zeitraum beginnend vom Einzug des jung vermählten Paares Elizabeth und Friedrich bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges. An der Seite ihrer Protagonistin Fronicka von Odenwald darf man als interessierter Leser tief in ausgezeichnet recherchierte historische Ereignisse eintauchen und auf diese Weise Geschichte hautnah erleben. Froni begleitet Elizabeth Stuart und Kurfürst Friedrich von der Pfalz nach Prag, wird mit der Armut und Verzweiflung der Bevölkerung sowie den religiösen Konflikten des Landes konfrontiert und flieht schließlich an der Seite des Königspaares nach Den Haag. Die Aufstände und die latente Kriegsgefahr sowie Fronis abenteuerliche Reisen sorgen für einen konstanten Spannungsbogen im Buch. Die höfischen Etikette und sehr viele in die Geschichte eingebrachte historische Fakten trugen viel dazu bei, dass die Lektüre dieses Romans für mich zu einem herausragenden Lesevergnügen wurde. Ich habe die Art und Weise, wie Tereza Vanek die historischen Ereignisse und die Auseinandersetzungen der Katholiken und Protestanten rund um ihre handelnden Personen zu einem erstklassigen Roman verwoben hat, zutiefst genossen. Ihren Figuren verlieh sie starke Authentizität, der gesamte Handlungsverlauf ist auf einer vortrefflichen Recherchearbeit und einer großen Liebe zum Detail begründet. Die wunderschöne Ausdrucksweise, der einnehmende Schreibstil und die an manchen Stellen bildhafte Beschreibung von Örtlichkeiten machten diese Lektüre zu einem lebendigen und unterhaltsamen Vergnügen, das lehrreich war und zugleich großen Unterhaltungswert aufwies. Im Nachwort liefert die Autorin geschichtliche Details zu ihrem Roman.

Fazit: „Die Spionin des Winterkönigs“ ist eine gut recherchierte und fesselnd erzählte Geschichte mit interessanten Personen und historisch belegten Handlungen. Es ist mein erstes, aber mit absoluter Sicherheit nicht mein letztes Buch von Tereza Vanek.

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Tod im Höllental

Tod im Höllental von Astrid Fritz

Der vierte Band um Serafina Stadlerin stellt einen Abschied, zugleich jedoch auch einen Neubeginn für die unerschrockene Freiburger Begine dar. Serafinas Abschied von den anderen Schwestern von Sankt Christoffel und ihre Hochzeit mit dem beliebten Stadtphysikus Adalbert Achaz stehen kurz bevor. Eine Schmähschrift gegen die Gemeinschaft der Beginen sowie die Hetzreden des Dominikanermönchs und Wanderpredigers Thomas bereiten der jungen Frau jedoch große Sorgen.

Nachdem die junge Lämmlein-Schwester Mia ermordet aufgefunden wird, hofft die Meisterin der Schwestern zu Sankt Christoffel auf Unterstützung durch den Konstanzer Bischof und macht sich gemeinsam mit ihrer Mitschwester Hedwig von Üsenberg auf den Weg. Mutter Catharina soll Konstanz jedoch niemals erreichen. Ihre Begleiterin Hedwig wird schwer verletzt aufgefunden, Catharina bleibt verschwunden. Serafina startet gemeinsam mit dem Prior der Wilhelmiten-Mönche eine Suchaktion und folgt der Begine ins Höllental…

Obgleich mir die Vorgängerbände dieser Buchreihe nicht bekannt sind, hat mich diese Geschichte um die wunderschöne Begine mit dem dunklen Haar und den tiefblauen Augen sofort in den Bann gezogen. Serafina Stadlerin wird als unerschrockene, hart anpackende und manchmal auch vorwitzige Frau dargestellt, die ihr großes Wissen rund um die Heilkunde immer wieder unter Beweis stellt. Als Protagonistin dieses Historischen Romans sorgt sie mit ihrer impulsiven Art für Spannung und Abenteuer, während ihr Verlobter Adalbert Achaz als ruhiger, bedächtiger und zurückhaltender Mann charakterisiert wird. Der studierte Medicus und Ratsherr in Freiburg genießt ein sehr hohes Ansehen, welches er sich als Fürsprecher für die Angelegenheiten der Beginengemeinschaften zunutze machen möchte. Die Autorin bringt mit Mutter Catharina und Bruder Matthäus sehr liebenswerte Nebenfiguren in die Handlung ein. Ein junger Mann namens Vitus, Mitglied der Gauklertruppe „Straßburger Compania“, Serafinas gutherzige Freundin Grethe und eine Köhlerfamilie am Rande der Höllenschlucht spielen ebenfalls wichtige Rollen in diesem Kriminalfall. Als einer der Antagonisten dieses Buches fungiert der krankhaft ehrgeizige Ratsherr Schneehas, dem die Laienschwestern schon lange ein Dorn im Auge sind. Im vorliegenden Roman taucht immer wieder auch ein tierischer Protagonist namens Michel auf – der süße Mischlingshund ist zwar nicht immer an der Seite Serafinas, sorgt jedoch durch sein unerschrockenes Auftreten für Aufregung und Durcheinander. Die handelnden Figuren sind mir sehr rasch ans Herz gewachsen, und dank des hilfreichen Personenregisters und des Glossars konnte ich mich auch mangels Vorkenntnissen innerhalb kürzester Zeit im Buch orientieren.

Der Autorin ist ein wunderschöner Schreibstil zu eigen, die gründlich recherchierten historischen Details und der durch den Kriminalfall konstant steigende Spannungsbogen bereiteten mir aufregende Lesestunden. Ich durfte tief in das Denken und Handeln der Menschen Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts eintauchen, erfuhr eine Menge über eine faszinierende Gemeinschaft christlicher Frauen, die sich Beginen nannten, ein religiöses, eheloses Leben führten und sich der Armen, Kranken und Sterbenden annahmen. Astrid Fritz berichtet zudem von deren Verfolgung als Ketzerinnen durch die kirchliche Obrigkeit und Ratsherren, denen das unabhängige Leben dieser Frauengemeinschaften ein Dorn im Auge war.

Die optische Gestaltung dieses Buches ist dem Verlag hervorragend gelungen. Die Darstellung einer Frau, die vom Betrachter abgewandt in eine tiefe Schlucht blickt, gleicht einem wunderschönen Gemälde, wirkt sehr aussagekräftig und harmonisch. Der dunkelrote Autorenname und der in goldener Prägeschrift gehaltener Buchtitel wirken elegant und stilvoll. Dieses Buch würde in einem Buchladen allein schon aufgrund seiner bemerkenswerten Optik meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Besonders hervorheben möchte ich das Personenverzeichnis - Dramatis Personae - zu Beginn, sowie das Glossar am Ende des Buches. Ich würde mir diese beiden wertvollen Details als Standardausstattung eines jeden Romans wünschen. Die Schrift für den Buchtext ist zwar ein wenig klein geraten, dies wird jedoch meiner Meinung nach durch den großzügigen Zeilenabstand kompensiert.

FAZIT: Als Quereinsteiger durfte ich die sympathische Begine Serafina Stadlerin durch das Buch „Tod im Höllental“ kennenlernen und an ihrer Seite ein spannendes Abenteuer erleben. Dieser historische Roman aus der Feder von Astrid Fritz hat mir ausgezeichnet gefallen und mir aufregende und interessante Lesestunden beschert.

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Wer immer dich zur Frau kriegt, tut mir jetzt schon leid!

Die Salzpiratin von Beate Maly

Rainer, der älteste Sohn des Gutsherrn, weiß, wovon er spricht, als er seine sechzehnjährige Schwester Ursel mit dieser Aussage konfrontiert. Diese liebt nämlich nichts mehr, als Bögen zu schnitzen, auf die Jagd zu gehen und mit ihren Brüdern die Wälder zu durchstreifen. Für hausfrauliche Tätigkeiten wie Handarbeit oder Kochen hat das zierliche Mädchen mit dem blonden Haar und den bernsteinfarbenen Augen absolut nichts übrig.

Ursels glückliche und behütete Kindheit auf dem großen elterlichen Gutshof auf der Halbinsel unterhalb des Traunsteins findet ein jähes Ende, als während des Sonnwendfestes im Jahre 950 ihre gesamte Familie durch ein Massaker ums Leben kommt. Das kleine Dorf wird überfallen, die einzigen Überlebenden sind Ursel und ihr behinderter kleiner Bruder Nikolaus. Nachdem der friedfertige und liebevolle Junge ebenfalls spurlos verschwindet, wähnt Ursel sich völlig alleine als mittelloses Mädchen ohne Familie. In ihrer Verzweiflung schmiedet sie einen gefährlichen Plan: sie schneidet ihr Haar, verkleidet sich als Junge und schließt sich den Gesetzlosen in den umliegenden Wäldern des Traunsees an. Ihrer verblüffenden Ähnlichkeit mit ihrem ermordeten Bruder Hans sowie ihrer knabenhaften Figur ist es zu verdanken, dass Ursels Tarnung vorerst nicht auffliegt. Sie lebt sich schnell bei den Salzpiraten ein, gilt als geschickte Jägerin und wird von allen aufgrund ihrer geringen Größe und schmächtigen Gestalt nur „der Zwerg“ genannt. Bei einem Überfall auf ein Schiff des Grafen Wilhelm von Chiemgau fällt den Piraten dessen Sekretär Steffen in die Hände. Der gelehrte und besonnene ruhige Mann mit dem ansteckenden Lachen übt eine unerklärliche Anziehungskraft auf Ursel aus, und auch Steffen verliebt sich Hals über Kopf in Ursel. Doch Steffen scheint leider nicht die einzige Person zu sein, der Zweifel hinsichtlich der Männlichkeit „des Zwerges“ aufgekommen sind. Sollte Ursels wahre Identität ans Licht kommen, würde dies eine tödliche Gefahr für das Mädchen bedeuten. Gerold, der dominante und unberechenbare Anführer der Salzpiraten, kennt keine Gnade, wenn jemand unehrlich ist und ihn belügt.

Ich durfte die österreichische Autorin Beate Maly bereits vor einigen Jahren durch ihre hervorragenden historischen Romane kennenlernen. Auch mit dem vorliegenden Buch „Die Salzpiraten“ ist ihr meines Erachtens wieder ein Bestseller gelungen. Die Geschichte rund um den Salzhandel im Salzkammergut des Jahres 950 bot mir nicht nur höchst interessante historische Fakten, sie hat mich zudem auch ausgezeichnet unterhalten. Dem machthungrigen und skrupellosen Grafen Wilhelm von Chiemgau sowie den Gesetzlosen in den Wäldern unter der Herrschaft des tyrannischen Gerold verdankt dieser Roman einen sehr hohen Spannungsbogen. Die handelnden Figuren wurden überzeugend dargestellt. Beate Maly konzentriert sich nicht allein auf ihre beiden Protagonisten Ursel und Steffen, sie gestaltete auch ihre Nebenfiguren sehr komplex und umfassend. Meine persönlichen Favoriten in diesem Buch waren Ursels behinderter Bruder und der Schmied Michel. Sowohl der anhängliche Nikolaus mit seinem kindlichen Gemüt, als auch der große, ruhige und sanftmütige Michel verabscheuen jegliche Gewalt und sind mir im Verlauf des Buches sehr ans Herz gewachsen. Dem Antagonisten Graf Wilhelm steht in der Person seiner Cousine Ata eine grausame, machthungrige und eiskalte Frau zur Seite. Als ständiger Begleiter und treuer Bewacher Ursels findet sich zudem ein struppiger grauer Mischling namens Nero als tierischer Protagonist inmitten dieses Romans.

Ich würde dieses Buch in einer Buchhandlung bereits allein aufgrund des aussagekräftigen und malerisch gestalteten Buchcovers zur Hand nehmen. Das kunstvolle und harmonisch wirkende Coverfoto beinhaltet sämtliche Elemente, die im Inhalt eine wichtige Rolle spielen – nämlich den Traunsee, die umliegenden Wälder, die wendigen Boote der Salzpiraten sowie ein Sack voller Salz in den Händen einer jungen Frau.

Fazit: „Die Salzpiratin“ war eine Lektüre, die mir unterhaltsame und anregende Lesestunden bereitet hat und durch einen einnehmenden Schreibstil, einen relativ hohen Spannungsbogen, die ausgezeichnete Umsetzung einer höchst interessanten Geschichte, sowie die Authentizität ihrer handelnden Figuren punktet. Ich kann diesen wunderschönen historischen Roman uneingeschränkt weiterempfehlen und freue mich bereits jetzt auf weitere Werke aus der Feder von Beate Maly.

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Die Süße und die Bitternis der Liebe – wie untrennbar sind sie doch miteinander verbunden!

Die Oleanderfrauen von Teresa Simon

„Wir Terhovens in der weiblichen Linie sind Oleanderfrauen. Jede von uns musste lernen, das zur Süße der Liebe auch viel Bitternis gehört. Es ist wie in der alten Geschichte von Hero und Leander – die, die wir wirklich lieben, sind für uns unerreichbar.“

„In dieser anmutigen Pflanze wohnt der Tod.

Sie ist immens giftig, die Blätter, die Blüten, die Wurzeln, einfach alles. Die Bitternis neben der Süße. Manche Leute behaupten ja, genau das sei das Charakteristikum der Liebe – die bei aller Schönheit stets auch sehr gefährlich sein kann.“

Sophie Terhoven ist siebzehn und führt als Tochter eines einflussreichen Kaffeebarons ein komfortables Leben in der elterlichen Villa in Hamburg. Ihre wunderschöne elegante Mutter Delia widmet sich bevorzugt ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen, ihr Vater Friedrich geht seinen Geschäften nach. Die unkonventionelle Sophie genießt ihren großen Freiraum, ihre beiden besten Freunde sind Malte Voss und Hannes Kröger. Während sie im feinsinnigen, sensiblen und äußerst intelligenten Malte eher einen engen Vertrauten und Kumpel sieht, wurde aus ihrer innige Kinderfreundschaft mit Hannes im Verlauf der Jahre die große Liebe ihres Lebens. Als unehelicher Sohn der Köchin der Familie Terhoven ist der charismatische junge Mann mit dem unwiderstehlichen Lächeln als Heiratskandidat jedoch völlig indiskutabel. Die beiden Liebenden leiden unter dieser Situation, ihr einziger Kontakt besteht in heimlichen Treffen im Gewächshaus zwischen den duftenden Oleanderpflanzen. Ein folgenschweres Ereignis sorgt schließlich dafür, dass Sophie und Hannes ihre Liebe nicht mehr verheimlichen können…

Teresa Simon erzählt in diesem prachtvollen Familienepos die Geschichte der Terhovens, umrahmt von den tragischen Ereignissen der Vorkriegszeit in Deutschland. Hierbei werden unter anderem auch der Fackellauf der Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, die Olympischen Sommerspiele in Berlin, die Unterdrückung und Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten sowie der Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges thematisiert. Die Autorin präsentiert einen von äußerst authentischen Figuren und ausgezeichnet recherchierten historischen Fakten getragenen Roman, der durch seinen einnehmenden Schreibstil und eine wunderschöne Sprache punktet.

Die Haupthandlung besteht aus zwei parallelen Erzählsträngen, die gegen Ende hin zusammengeführt werden. Während sich der erste Strang mit den Ereignissen der Gegenwart befasst, in der die dreißigjährige Barista Jule Weisbach um den Fortbestand ihres kleinen Cafés kämpft, handelt der zweite Strang von den Ereignissen der Vergangenheit, welche in Form von Tagebucheinträgen der Sophie Terhoven nach und nach aufgerollt werden. Durch diese sukzessiven Enthüllungen entsteht ein hoher Spannungsbogen, der konstant aufrecht gehalten wird.

Die Autorin hat sowohl ihre Hauptakteure Jule, Sophie und Hannes, als auch die zahlreichen Nebenfiguren äußerst detailliert und authentisch gezeichnet. Meine ganz besondere Sympathie galt dem Lyrik- und Swingfan Malte Voss, der Sophie in aufrichtiger und rückhaltloser Freundschaft zugetan war. Bei den Ereignissen in der Gegenwart zählte Johanna Martens zu meinen favorisierten Nebenfiguren. Die unverheiratete ältere Dame findet unter dem Gerümpel auf dem Dachboden ein altes Tagebuch, dessen Inhalt sie nicht mehr loslässt – und das letztendlich ihr Leben verändert. Neben einigen weiteren Statisten spielt der attraktive, eiskalte und äußerst gefährliche SS-Offizier Hellmuth Moers eine bedeutende Rolle, er fungiert zudem als Antagonist dieses Buches.

Neben dem beeindruckenden Inhalt und einer übersichtlichen Gliederung besticht auch die optische Aufmachung dieses Buches. Eine vom Betrachter abgewandte elegant gekleidete Frau blickt zu einer wunderschönen Villa inmitten einer prachtvollen Gartenanlage, umgeben von zarten rosafarbenen Oleanderblüten. Der Autorenname wurde in warmen Rottönen dargestellt, der Buchtitel lenkt durch seine zentral platzierten erhobenen Lettern in dunkelroter glänzender Farbe die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Mein einziger Kritikpunkt ist die Wahl der Schriftform bei der Darstellung der Tagebucheinträge der Sophie Terhoven. Die festgehaltenen Gedanken der Protagonistin werden im Buch als "steile, bisweilen schwer leserliche Jungmädchenschrift" beschrieben - und genau so wurde diese Schrift seitens Verlag auch dargestellt. Diese Authentizität geht jedoch leider zu Lasten der Leser. Da den Tagebucheinträgen viel Raum gewidmet wurde, gestaltet sich die Lektüre dieser Passagen auf längere Zeit gesehen als ziemlich anstrengend.

Fazit:
Teresa Simon hat mir mit dieser imposanten Familiengeschichte ein exquisites Lesevergnügen mit großen Emotionen und sehr hohem Spannungsfaktor bereitet. Ich möchte dieses Buch jedem Leser mit einem Faible für niveauvolle Familien- und Liebesromane und ausgezeichnet recherchiertem historischen Hintergrund ans Herz legen. „Die Oleanderfrauen“ war mein erstes Buch dieser Autorin, aber mit Sicherheit nicht mein letztes. Ich freue mich bereits auf weitere Werke aus der Feder Teresa Simons.

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Wenn Drohnen tief fliegen

Abfahrt in den Tod von Giradelli Marc; Grünig Michaela

„Abfahrtsläufer sind moderne Gladiatoren. Wie im alten Rom ergötzen sich die Massen vor Ort und an den Bildschirmen an ihrem Wagemut und Können.“

Als ehemaliger alpiner Skirennläufer schöpfte der gebürtige Österreicher Marc Girardelli aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz, als er in Zusammenarbeit mit der Schweizer Autorin Michaela Grünig seinen ersten Ski-Krimi veröffentlichte.

Das Erstlingswerk des Autorenduos „Abfahrt in den Tod“ spielt im Profi-Milieu und thematisiert die Welt der Rennläufer im Zuge eines Ski-Weltcups.

Nachdem der zweiunddreißigjährige Protagonist Marc Gassman nach einer Knieverletzung wieder in der Lage ist, Rennen zu fahren, richtet er sein ganzes Augenmerk darauf, wieder zurück an die Weltspitze zu gelangen. Der sympathische Wengener ist zwar äußerst beliebt und gilt als Schweizer Nationalheld, scheint sich aber auch Feinde gemacht zu haben. Er nimmt anonyme Drohbriefe nicht ernst und entgeht kurz darauf nur knapp einem tödlichen Anschlag mit einer Drohne. Die Kantonspolizei Zürich-West ernennt ihre Mitarbeiterin Andrea Brunner zur Leiterin einer Sonderkommission und beauftragt sie mit der Untersuchung dieses Zwischenfalles. Aufgrund ihrer Ausbildung im Nahkampf wird Andrea zudem zu Marc Gassmanns Schutz abgestellt, eine Aufgabe, die ihr zutiefst verhasst ist. Seit ihre Beziehung mit Marc vor dreizehn Jahren mit einer hässlichen Szene endete, verhält sie sich ihm gegenüber zutiefst feindselig. Die Tatsache, dass Andreas Ehemann Daniel bereits seit ihrer Heirat von einer permanenten und grundlosen Eifersucht geplagt wird, die sich speziell auf Marc konzentriert, führt zu zusätzlichen Komplikationen in diesem Ermittlungsfall und zu einigen Turbulenzen in Andreas Ehe.
Marc Girardelli und Andrea Grünig glänzen mit einer überzeugenden, geschickt konstruierten Handlung, die den Leser auch auf etliche falsche Fährten lenkt. Kurze Passagen in kursiver Schrift drücken die Gedanken eines Antagonisten dieses Buches aus, der zunächst anonym bleibt. Schriftliche und verbale Drohungen, versuchte Anschläge und die Ermittlungen im Kreise der Verdächtigen tragen zu einem die gesamte Handlung über konstant hohen Spannungsbogen bei.

Die Protagonisten dieses Buches wurden ausdrucksvoll und authentisch beschrieben, etliche Nebenfiguren fungieren als potenzielle Verdächtige in diesem rasanten Plot. In atemberaubenden Szenen und bildhafter Sprache gelingt es dem Autorenduo meisterhaft, die Krimihandlung kunstvoll mit diesem hochriskanten Sport zu verbinden. Als Leser erfährt man Hintergründe über die Abfahrtsrennen, die Vorbereitungen und das harte Training, die Bedeutung von Publicity und Sponsoren. Man darf an den Gedanken und Emotionen jener wagemutigen Männer teilhaben, die mit halsbrecherischer Geschwindigkeit entlang der Rennstrecke ins Ziel rasen. Anhand akribisch beschriebener adrenalingeladener Abfahrten nehmen die Abfahrtsläufer den Leser mit auf ihren gefährlichen Weg, man kann die Anspannung und die Konzentration beinahe hautnah miterleben.

„Ein Ski-Krimi, der im Profil-Milieu spielt und die einzigartige, atemberaubende Atmosphäre der großen Rennen einfängt“ (Hansi Hinterseer)

Die gewählte Ausdrucksweise und der einnehmende Schreibstil von Marc Girardelli und Andrea Grünig haben mir ausgezeichnet gefallen. Mein einziger Kritikpunkt war der Einsatz der Gossensprache, der aus meiner Sicht nicht zu dem ansonsten sprachlich anspruchsvollen und inhaltlich exzellenten Buch passt.

Nichtsdestotrotz empfand ich diesen mitreißenden und erstklassig gelungenen Ski-Krimi als dermaßen anregend und bereichernd, dass ich mir auf jeden Fall so rasch als möglich den Nachfolgeband „Mordsschnee“ zu Gemüte führen werde. „Abfahrt in den Tod“ bot mir eine hoch spannende Unterhaltung mit sehr gut gezeichneten handelnden Figuren und einem rasanten Plot – eine Lektüre, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

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Luise Pimpernell - die burgenländische Miss Marple ermittelt in ihrem ersten Fall

Tod eines Surfers von Evelyne Weissenbach

Die Wahlburgenländerin Evelyne Weissenbach präsentiert mit ihrem ersten Roman einen Regionalkrimi mit einer skurrilen Ermittlerin namens Luise Pimpernell. Die hochrangige Dezernatsleiterin des LKA Eisenstadt ist routiniert, kompetent und besitzt eine geniale Intuition, einen untrügerischen Instinkt und eine sehr gute Kombinationsgabe.

Luises äußere Erscheinung kann es mit ihrem ausgefallenen Namen durchaus aufnehmen. Die resolute Dame in den Fünfzigern ist korpulent, trägt ausgesprochen eigenwillige Kleidung und hat ein Faible für ebensolche Kopfbedeckungen. Sie wohnt in einem alten Streckhof, umgibt sich mit altertümlichen Möbeln und sorgt pfleglich für ihre Oldtimer. Ihrer weiblichen Seite verleiht sie durch ihr Faible für Häkeln und Stricken Ausdruck, die Liebe zur amerikanischen Jazzmusik teilte sie mit ihrer verstorbenen Großmutter. Als in Schilfern am See ein Surfer mit lockerem Lebenswandel tot aufgefunden wird, tritt Luise Pimpernell auf den Plan und leitet gemeinsam mit Kriminalabteilungsinspektor Roman Grümpl, ihrem Kollegen aus dem Wachzimmer Neusiedl, die Nachforschungen ein.

Das Coverfoto dieses Buches hat mich im Grunde erstmals auf diese Neuerscheinung aus der Feder Evelyne Weissenbachs aufmerksam gemacht. Das markante Foto des Leuchtturms in Podersdorf am See sowie der Untertitel „Neusiedlersee-Krimi“ haben augenblicklich mein Interesse geweckt.

Evelyne Weissenbach ist es auf hervorragende Art und Weise gelungen, die Mentalität der Burgenländer – insbesondere der Seewinkler – sowie deren Lebensart und Umfeld in Worte zu fassen. Ihre Liebe zur Landschaft durchdringt das gesamte Buch, die an mancher Stelle poetischen Beschreibungen wecken das Bedürfnis, den Schauplatz der Handlung zu besuchen und die Gegend um den Neusiedler See persönlich kennenzulernen.

Als Rahmenhandlung hat die Autorin einen Todesfall mit begründetem Verdacht auf Fremdeinwirkung gewählt, wobei es sich bei dem Schauplatz der Handlung um eine der vielen Fremdenpensionen am Ufer des Neusiedler Sees handelt, die speziell während des Surf Openings die teilnehmenden Surfer sowie an diesem Sport Interessierte beherbergen. Auf sehr eindrucksvolle Weise wird nicht nur die Landschaft beschrieben, es werden dem Leser vielmehr auch kleine Eigenheiten und spezielle Schmankerl der Region schmackhaft gemacht. Und so ganz nebenbei wird ein Mordfall aufgelöst…

Der Krimi weist einen nicht allzu hohen, konstant verlaufenden Spannungsbogen auf, der Fokus liegt jedoch in erster Linie auf der Protagonistin und ihrer Ermittlungsarbeit. Der einnehmende Schreibstil ist mit einer Menge - manchmal sehr tiefgründigem - Humor versehen, die wichtigsten Dialektausdrücke werden in einem Glossar zu Beginn des Buches erläutert. Die „speziell aussehende“ Hauptakteurin wurde auch charakterlich ganz hervorragend gezeichnet. Luise Pimpernell ist schräg, scharfsichtig, manchmal schroff, jedoch kompetent und vor allen Dingen äußerst interessant.

Fazit: „Tod eines Surfers – Luise Pimpernell ermittelt“ ist ein beschaulicher und amüsanter Regionalkrimi, der ohne brutale Szenen und Blut auskommt, ein Buch, das mir allergrößtes Lesevergnügen bereitet hat. Die Tatsache, dass es sich hierbei um den Schauplatz Neusiedlersee handelt, hat den Anreiz, es zu lesen, noch erhöht. Evelyne Weissenbach hat meinen Lesegeschmack wahrlich getroffen und avancierte bereits mit ihrem ersten Buch dieses Genres zu einer meiner favorisierten Krimi-Autoren. Ich freue mich bereits jetzt auf eine Fortsetzung „in Sachen Luise Pimpernell“!

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DAS BÖSE IST ZURÜCKGEKEHRT

Die Eishexe von Läckberg Camilla

„Stellas Eltern hatten den Alltag vergehen lassen, ohne ständig innezuhalten und sich über ihr Glück zu freuen. So wie die meisten. Erst wenn etwas passierte, lernte man jede Sekunde zu schätzen, die man mit den geliebten Menschen verbringen durfte.“

Als nach dem Fund einer Kinderleiche in Fjällbacka, Schweden, zwei dreizehnjährige Mädchen den Mord gestehen, ist deren gesamtes Umfeld wie gelähmt vor Schock.

Weder der zurückhaltenden, schüchternen Helen Persson, Tochter aus gut situiertem und scheinbar perfektem Elternhaus, noch ihrer besten Freundin Marie Wall, hätte man eine solch grauenhafte Tat zugetraut.

Dreißig Jahre später kehrt Marie als strahlend schöne und erfolgreiche Schauspielerin zurück in ihre Heimat, um die Hauptrolle im Film ihres Lebens zu spielen. Als nur wenig später die kleine Tochter von Eva und Peter Berg vermisst und kurz darauf tot aufgefunden wird, geht ein Aufschrei durch den Ort und die Suche nach dem Mörder beginnt. Hierbei wird jedoch auch der Fall Stella neu aufgerollt und die Polizeidienststelle Tanum ermittelt in alle Richtungen.

„Die Eishexe“ ist meine erste Lektüre der Bestsellerautorin und „Königin des schwedischen Kriminalromans“ Camilla Läckberg. Ihre Neuerscheinung spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen, sie konzentriert sich zudem auf mehrere Handlungsstränge. Die Autorin erzählt von einem tragischen Schicksal in Bohuslän im Jahre 1671, das den Part in der Vergangenheit darstellt und sich mit der Hexenverfolgung, dem Kampf gegen Zauberei und satanischer Werke beschäftigt.

Die Handlungsstränge in der Gegenwart sind allesamt sehr kurz, und gehen beinahe unmerklich in einander über. Es gibt keine Kennzeichnung beim permanenten Wechsel zwischen den verschiedenen Schauplätzen und Handlungen. Dieser stete und leider völlig übergangslose Wechsel erschwerte jedoch meinen Lesefluss erheblich. Kaum hat man sich auf eine Situation eingelassen, ist bereits eine gedankliche Neuorientierung mit anderem Schauplatz und neuen Figuren erforderlich. Die Protagonisten und Nebenfiguren wurden von der Autorin sehr gut ausgearbeitet. Abgesehen davon überforderte mich jedoch die übermäßige Anzahl der vierzig bis fünfzig verschiedenen Charaktere, die Camilla Läckberg agieren lässt. Da im Buch leider kein Personenregister vorhanden ist, musste ich mir während der Lektüre ein solches erstellen, um den Überblick zu behalten - die Figuren zuordnen zu können und deren Hintergründe sowie die wichtigsten Fakten dazu vor Augen zu haben.

Die Autorin greift in ihrem Buch verschiedene Themenbereiche auf, für meinen Geschmack ein wenig zu viele. Camilla Läckberg beschäftigt sich mit der Hexenverfolgung in der Vergangenheit, mit der Flüchtlingsproblematik und dem Fremdenhass in der der Gegenwart, dem Mobbing und der brandgefährlichen Reaktion der Jugendlichen darauf. Durch ihre Protagonisten und Nebendarsteller thematisiert sie Patchwork-Familien, gleichgeschlechtliche Beziehungen, Mutter-Tochter-, und Vater-Sohn-Beziehungen mit all den damit verbundenen Problemen, das Ableben von geliebten Ehepartnern und den Umgang mit dem gewaltsamen Tod seines Kindes.

Ich empfand den Schreibstil dieses Buches einerseits als angenehm zu lesen, die vielen abrupten Unterbrechungen durch den permanenten Szenenwechsel unterbrachen jedoch stets meinen Lesefluss. Da ich zudem Bücher mit einem gewissen Sprachniveau bevorzuge, war ich auch vom reichlichen Gebrauch der Gossensprache in diesem Krimi enttäuscht.

Fazit: „Die Eishexe“ war ein interessanter, durch einen konstant hohen Spannungsbogen gekennzeichneter Kriminalroman, der sich mit längst vergangener Zeiten, aber auch mit vielen aktuellen Themenbereichen befasst. Für meinen ganz persönlichen Lesegeschmack wurde sich hierbei jedoch zu vieler verschiedener Charaktere und zu vieler verschiedener Handlungsstränge bedient, was meinen Lesefluss erheblich hemmte und das Ganze unübersichtlich machte. Ich habe hier wohl zur falschen Lektüre gegriffen und werde daher meine Bekanntschaft mit Camilla Läckbergs Werke auf dieses eine Buch beschränken.

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