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Rezensionen von niknak:

Was können Mängelexemplaren alles erreichen?

Ein halbes Jahr zum Glück von Timmer Julie Lawson

Inhalt:
Markie Bryant ist frisch geschieden und will mit ihrem Sohn Jesse an einem Vorort ein neues Leben beginnen und sich von der Welt verkriechen. Do da kommt ihr ihre resolute Nachbarin Mrs. Saint dazwischen, die immer unerwartet vor ihrer Tür steht und versucht Markie aus ihrem Schneckenhaus zu holen.

Obwohl sie sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, lässt Mrs. Saint nicht locker und mit der Zeit muss Markie zugeben, dass die Maßnahmen ihrer Nachbarin tatsächlich helfen.
Doch eines Tages braucht Mrs Saint Markies Hilfe…

Mein Kommentar:
Dies ist mein erster Roman, den ich von der Autorin Julie Lawson Timmer gelesen habe. Sie hat einen einfachen und flüssigen Schreibstil und das Buch ist relativ schnell gelesen, obwohl es über 460 Seiten hat.
Ich finde allerdings auch, dass man manche Szenen kürzer gestalten hätte können, ohne dass sie an Charme verloren hätten. Gewisse Szenen waren für ein wenig langatmig, obwohl mich das Buch alles in allem dennoch gut unterhalten hat.

Markie will sich nach ihrer Scheidung zurückziehen und von der Welt abschotten. Man versteht wie sie sich fühlt, obwohl ich nicht immer ihrer Meinung war und auch nicht alle Handlungen von ihr so richtig nachvollziehen konnte. Dennoch war sie authentisch beschrieben und man konnte ihre Entwicklung meiner Meinung nach gut nachvollziehen. Auch ihr Sohn Jesse ist schön beschrieben und man kann sich gut vorstellen, wie schwer diese Situation für ihn sein muss. Plötzlich weg von zu Hause an einem ganz anderen Ort, wo er sich erst einleben muss und dann auch noch eine Nachbarin, die ihn immer ausfragt und alles über ihn und seine Mutter wissen will. Doch als er dann Geld braucht, nimmt er ihre Hilfe an und arbeitet für sie und ihre Angestellten, um seine Schulden zu bezahlen. Da merkt man sehr gut, wie Jesse an diesen Aufgaben wächst und sich zu einem besseren Menschen entwickelt, der von nun an auch auf das Wohl der anderen schaut und nicht nur an sich selbst denkt.

Am besten hat mir von den Hauptprotagonisten aber Mrs. Saint gefallen. Sie hat eine sehr resolute aber auch herzliche Art und ich musste sehr oft über ihre Aktionen schmunzeln. Als sie zum Beispiel mitbekommt, dass Markie hauptsächlich Tiefkühlpizza kocht, schickt sie ihre Köchin jeden Tag mit frischem Essen rüber, damit Markie und Jesse auch gesunde Lebensmittel essen. Sie kann zwar sehr nervig sein, da man nie weiß, wann sie auftaucht und man nie sicher vor ihr ist, aber dennoch bringt sie alles auf eine sehr freundliche aber bestimmte Art rüber und man kann ihr eigentlich gar nicht richtig böse sein.
Im Lauf des Buches erfährt man mehr über die Hintergründe zu Mrs. Saints Verhalten und dabei wurde ich immer wieder überrascht, da ich mit einer solchen Wendung nicht gerechnet hätte. So konnte mich das Buch nicht nur gut unterhalten, sondern auch noch ein wenig überraschen.

Außerdem regt das Buch auch noch zum Nachdenken an, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die anderen helfen, ohne dabei an sich zu denken und die Folgen, die dadurch entstehen könnten. Man überlegt auch selbst, ob man nicht seinen Beitrag leisten könnte. So hat das Buch auch noch eine Botschaft und es wirkt noch ein wenig nach, auch wenn ich es schon fertig gelesen habe.

Mein Fazit:
Ein Buch über Nachbarschaftshilfe und wie sich Menschen gegenseitig unterstützen und helfen können, wenn sie sich nur darauf einlassen. Mit viel Charme und Humor wird der Leser dennoch auch zum Nachdenken angeregt.

Ganz liebe Grüße,
Niknak

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Rezensionen von niknak:

Dornröschen

Ein halbes Jahr zum Glück von Timmer Julie Lawson

Inhalt:
Rosannas hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und ihren eigenen kleinen Rosenladen eröffnet. Sie ist glücklich damit, bis sie ihre große Liebe Philip eines Tages kennenlernt, welcher alte Bücher restauriert und ihnen neues Leben einhaucht. Nun sind Rosannas Interessen auch in eine andere Richtung gelenkt.

Zum Glück ist gerade ihre Cousine Juta bei ihr, die ihr Tatkräftig unter die Arme greift und ihr hilft, ihren Laden am Laufen zu halten. Schafft es Rosanna das Herz ihres Prinzen zu erobern, oder ist der Preis dafür zu hoch und warum kam gerade Juta in dieser Zeit zu ihr? War es nur ein positiver Zufall oder steckt doch mehr dahinter?

Mein Kommentar:
Dies ist der dritte Band einer Reihe der Autorin Nadin Hardwiger. Nachdem man die ersten beiden Teile mit (Verlieben verboten und Küssen verboten) unabhängig und in willkürlicher Reihenfolge lesen kann, würde ich vorschlagen diesen Band erst als letzten zu lesen, da es immer wieder Hinweise zur Geschichte der anderen beiden Bände gibt. Außerdem erfährt man auch einiges, was sich vorher ereignet hat. Dennoch ist er auch separat schön zu lesen, wenn man keine Angst vor Spoilern hat. Ich fand es sehr schön, auch noch ein wenig von den anderen beiden Hauptprotagonisten der Vorgängerbände zu lesen.

Ich fand es sehr schön, dass sich dadurch doch noch alle drei Bände zu einer Einheit verbunden haben. Denn alle drei weiblichen Hauptpersonen leben gemeinsam in einer Wohngemeinschaft, welches zwar in den anderen beiden Bänden schon erwähnt wurde, aber nicht so stark zum Tragen kommt, wie in diesem Band. So ist es auch ein schöner Abschluss für diese Trilogie.

Die Autorin hat auch hier wieder einen sehr schönen und märchenhaften Schreibstil gewählt und lädt den Leser, obwohl es der Titel anders vermuten lässt, zum Träumen ein. Man kann sich einfach zurücklegen und von dieser Märchenwelt träumen. Diesmal wird das Märchen von Dornröschen neu interpretiert und in die heutige Zeit versetzt. Diese neue Geschichte fand ich sehr schön zum Lesen und durch die wenigen Seiten (144) war die Geschichte auch in einem Rutsch fertig. Ich las sie an Abend fertig.

Die Protagonisten sind zwar recht schön, aber nicht allzu genau beschrieben, aber das hat mich durch die kurze Länge auch nicht gestört. Dennoch war das Buch sehr schön gestaltet und man konnte mit den Personen mitfiebern. Man hoffte immer auf ein Happy End zwischen Rosanna und Philip welches aber nie so leicht zu erreichen schien. So blieb die Geschichte lebendig und konnte mich zum Schluss sogar noch ein wenig überraschen. Aber mehr kann ich dazu nicht verraten, das müsst ihr schon selbst lesen.

Mein Fazit:
Ein wirklich gelungener Abschluss dieser märchenhaften Trilogie, obwohl ich hoffe, dass es dennoch mehr solche Bücher der Autorin geben wird, bei denen man sich zurücklegen und in eine Märchenwelt eintauchen kann.

Ganz liebe Grüße,
Niknak

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Rezensionen von niknak:

Kämpfen für die wahre Liebe

Ein halbes Jahr zum Glück von Timmer Julie Lawson

Inhalt:
Andre verbringt mit seinen drei besten Freunden immer zwei Wochen Urlaub auf Ibiza. Doch die letzten Jahre mussten seine Freunde als Alibi herhalten, da er sich dort heimlich mit seiner Liebe Nathan trifft.
Nathan will dieses Versteckspiel nicht mehr länger und als er dann auch noch verschwindet, muss sich Andre entscheiden, was wirklich in seinem Leben wichtig ist und wohin ihn sein Weg führen soll.

Mein Kommentar:
Dies ist eine Kurzgeschichte aus der Love Shots Reihe und stammt von der Autorin Bettina Kiraly. Sie hat einen lockeren und flüssigen Schreibstil und man hat das Buch in einem Rutsch durchgelesen.

Es besteht aus vier Kapiteln, die alle von einer anderen Lebenssituation der Hauptprotagonisten berichtet. Dadurch wirkt das Buch für mich ein wenig sprunghaft, da man in jedem Kapitel nur einen kurzen Einblick in die Situation erhält. Es passiert immer recht viel auf einmal in diesen Kapiteln. So wäre es teilweise interessanter, wenn man gewisse Dinge weggelassen hätte und dafür andere Szenen ausführlicher beschrieben hätte. So hätte es beim Coming Out mit der Familie gereicht, wenn dieses schön ausführlich beschrieben und einige Emotionen eingebaut worden wären. Dafür hätte die Autorin meiner Meinung nach die Szenen mit der beginnenden Geburt von Andres Schwester weglassen können. Das war etwas zu viel Information für mich, die es nicht gebraucht hätte.

Auch die Personen waren meiner Meinung nach nur sehr oberflächlich beschrieben und auch die erotische Szene zu Beginn des Buches blieb für mich sehr flach. Es schien fast so, als ob die Autorin möglichst viele Informationen und Erlebnisse in diese Geschichte verpacken wollte. Aber das ist meine persönliche Meinung. Ich bin nur manchmal der Meinung, dass weniger mehr ist. Dann hätte man auch noch mehr Gefühle und Emotionen in die Geschichte verpacken können, die so leider etwas zu kurz gekommen sind.

Trotz der Schwächen hat mich die Geschichte gut unterhalten und für eine kurzweilige Lesezeit gesorgt. Ich fand es sehr interessant wieder einmal in dieses Genre einzutauchen und auch von einer Gay Liebe zu lesen, da es ja nicht allzu viele Bücher in dieser Sparte gibt. Es war eine gelungene Abwechslung für mich, die allerdings noch Potential nach oben hat.

Mein Fazit:
Eine schöne Geschichte über eine ungewöhnliche Liebe, die nicht alltäglich ist und auch heute noch oft ein Tabuthema darstellt. So wird der Leser auch angeregt über dieses Thema nachzudenken und sich so seine persönlichen Gedanken dazu zu machen.

Ganz liebe Grüße,
Niknak

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Rezensionen von niknak:

Alte Klassiker - leider nicht zum Lachen

Ein halbes Jahr zum Glück von Timmer Julie Lawson

Inhalt:
Das Hörbuch “ Da lachen ja die Hühner” enthält eine Vielzahl von verschiedenen Geschichten von unterschiedlichen Autoren. Dabei werden bekannte und weniger bekannte Klassiker von mehreren verschiedenen Sprechern vorgetragen.

Mein Kommentar:
Leider war ich von diesem Hörbuch sehr enttäuscht.

Der Titel verspricht eine Humorbox, bei der man viel lachen muss. Das könnte ich leider überhaupt nicht erleben. Für mich war es eher eine Zusammenfassung von Klassikern, welche gekonnt auf einer CD gesammelt wurden. Dabei gefiel mir die Mischung aus bekannten und unbekannten Werken.

Diese hatten auch eine unterschiedliche Länge. So besteht das Hörbuch aus ungefähr 3 CDs mit einer Gesamtlänge von 230 min. Das die einzelnen Stücke sind zwischen 30 sec und 76 min lang. CD 2 besteht zum Beispiel aus nur einem Werk – „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde und hat eine Spielzeit von 76:30 Minuten.

Vorgetragen werden die Werke unter anderem von Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich, Katharina Thalbach und vielen mehr. Die Sprecher waren in ihrem Stil sehr unterschiedlich. Manchen gelang es besser Emotionen und verschiedene Stimmungen rüber zu bringen, als anderen. Aber alles in allem gefällt mir die Auswahl der Sprecher.
Auch die Werke sind schön gewählt, nur leider blieb für mich der Humor auf der Strecke.

Die Autoren der einzelnen Werke haben alle um die vorherige Jahrtausendwende gelebt (19. – 20. Jahrhundert). Es steht im Klappentext, dass es sich um Klassiker handelt und auf der Rückseite der CD-Hülle werden auch alle Autoren namentlich erwähnt, aber nicht welche Werke vorgelesen werden. So gesehen habe ich zum Teil gewusst was auf mich zukommt, trotzdem habe ich, aufgrund des Titels und der gesamten Aufmachung, ein bisschen was anderes erwartet.

Wenn das Hörbuch als Sammlung von verschiedenen Klassikern betitelt wäre, hätte ich sicher 4 Sterne gegeben, da ich dann mit anderen Voraussetzungen rangegangen wäre. Aber so wurden meine Erwartungen leider überhaupt nicht erfüllt. Im Gegenteil, manche Geschichten fand ich sogar eher traurig, als lustig. Es gab nur wenige Geschichten (wie z.B.: “Die erste alte Tante sprach” von Wilhelm Busch), die mir ein Schmunzeln entlocken konnten. Aber dies kann leider viel zu selten vor. Ich dachte ich kann bei dieser CD die meiste Zeit herzhaft lachen.

Mein Fazit:
Ein Hörbuch, welches mich leider nicht überzeugen konnte mit seinen Humor. Dennoch sind tolle Klassiker dabei, die ich mir zu einem anderen Zeitpunkt sicher nochmals anhören werde, aber diesmal eben unter anderen Voraussetzungen und Erwartungen, da ich weiß was mich erwartet.
Vielleicht haben diese Werke auch einfach meinen Humor nicht getroffen. Dies ist eine absolut subjektive Wertung, da jeder eine andere Wahrnehmung hat und andere sind vielleicht absolut nicht meiner Meinung. Jeder muss dies für sich selbst entscheiden.

Ganz liebe Grüße,
Niknak

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Rezensionen von jiskett:

Interessante Darstellung einer grausamen Welt

Dark Palace – Zehn Jahre musst du opfern von Vic James

In "Dark Palace - Zehn Jahre musst du opfern" ist die Gesellschaft streng in zwei Gruppen unterteilt. Zum einen gibt es die Ebenbürtigen, die privilegierte Leben führen und Magie beziehungsweise Geschick beherrschen, zum anderen die Gewöhnlichen, die diese Begabung nicht haben und zudem gezwungen sind, im Laufe ihres Lebens zehn Sklavenjahre abzuleisten, während denen sie keine Rechte haben.

Die Autorin hat ihre Welt sehr gut herausgearbeitet und es wird die ganze Zeit deutlich, wie grausam und ungerecht sie in vielerlei Hinsicht ist. Menschen werden misshandelt, Geschick wird zu unlauteren Zwecken eingesetzt und die Elite sieht das alles als gut und richtig an, weil sie davon profitiert. Die Sklaven sind ihrem Willen absolut ausgeliefert und es wurde eindringlich dargestellt, was sie alles durchstehen müssen; ihnen bleibt eigentlich nichts erspart und deshalb war es leicht, Mitgefühl für sie zu haben und zu hoffen, dass irgendetwas passieren würde, um die schreckliche Situation zu korrigieren. Leider wäre es nicht realistisch, wenn ein solches System sich schnell oder leicht stürzen ließe, aber es war trotzdem interessant zu sehen, was unternommen wurde und wie die einzelnen Charaktere gegen ihr Schicksal ankämpften.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von verschiedenen Figuren erzählt, die teilweise zu den Ebenbürtigen, teilweise zu den Gewöhnlichen gehören. Dadurch bekommt man differenzierte Einblicke in die Geschehnisse und es war irgendwie faszinierend, wie unterschiedlich ihre Wahrnehmung von gewissen Ereignissen war. Zudem haben diese Kapitel dazu beigetragen, dass man auch eine andere Sicht auf die Charaktere selbst bekam. Man hat neue Einzelheiten über sie erfahren und konnte besser verstehen, was sie antrieb, was auf jeden Fall dabei geholfen hat, sie sympathischer zu finden. Trotzdem hatte ich am Ende noch das Gefühl, nur über wenige der Protagonisten wirklich viel zu wissen, wodurch ich eine gewisse Distanz zu ihnen hatte. Dies hat auch dazu geführt, dass ich nicht richtig mit ihnen mitleiden konnte; gerade bei diesem Buch war das ein bisschen kontraproduktiv, da ihnen sehr viel zustößt und sie schreckliche Schicksale erleiden könnten.

Die Handlung selbst ist wendungsreich und gerade am Ende passiert einiges, das alles auf den Kopf stellt. Ich bin nicht mit allen Entwicklungen wirklich glücklich, aber sie sind stimmig und passen zu der grausamen Welt, die James hier erschaffen hat. Zudem gibt es dadurch viel Potential für den zweiten Band, sodass ich neugierig darauf bin, wie es weiter geht.
3,5 Sterne

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Rezensionen von yellowdog:

Nach dem Tod wird er ein Rabe sein

Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! von Carmen-Francesca Banciu

Ein sehr autobiographischer Roman, erstaunlicherweise durchgängig und konsequent in einer Versform, die aber gut lesbar ist. Ein langes Prosagedicht! Von dieser Form sollte sich kein Leser abschrecken lassen. Sie ist im Gegenteil ein entscheidender Mehrwert.

Die Autorin stammt aus Rumänien,lebt aber schon lange in Deutschland und schreibt auch auf Deutsch.

Die Protagonistin des Romans kehrt für kurze Zeit zurück, als ihr Vater nach einem Unfall zum Pflegefall wird. Er liegt im Krankenhaus und wohl bald sterben wird.
Doch die Distanz zwischen ihnen ist groß. Er war immer ein 100prozentiger Kommunist, ein hoher Parteifunktionär. Nicht umsonst ist der Untertitel des Romans Tod eines Patrioten.
Der Vater hatte 2 langjährige Geliebte, Rebecca und Daria. Aber seine Tochter, die das Land verlassen hatte, ist für ihn eine Verräterin.
An so einem Vater kann man sich abarbeiten. Das tut sie und zeigt einen langen Sterbevorgang. An manchen Stellen kann das Lesen auch qualvoll sein.

Erwähnenswert ist noch das kluge Nachwort des großen György Dalos.

Erschienen ist das Buch in dem den kleinen unabhängigen Verlag PalmArtPress. Es sei dem Buch zu wünschen, dass es beim Deutschen Buchpreis auch in die Short List kommt.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Grandioser abschluss der Trilogie

Das Jahrhundertversprechen von Richard Dübell

Nun ist er gelesen, der letzte Band der Jahrhundert-Trilogie rund um die Familie von Briest. Wie schon in den ersten beiden Bänden „Jahrhunderttraum“ und Jahrhundertsturm“ spielt eine wichtige technische Errungenschaft eine große Rolle: Zuerst die Eisenbahn und Flugzeug, ist diesmal das Auto der rote Faden durch das Buch.

Doch kurz zusammengefasst:

Drei Jahre nach dem Ende des Großen Krieges, wie der Erste Weltkrieg damals genannt wurde, liegen Deutschlands Moral und Wirtschaft darnieder. Die Kriegsschäden und Reparationszahlungen verlangen den Menschen alles ab. Auch vormals Vermögende wie die Familie von Briest stehen vor dem Bankrott. Über ihren privaten Sorgen, nämlich ob sie das Gut Briest verlieren werden oder nicht, verkennen sie beinahe die heraufziehende politische Lage. Und, als wäre die Weimarer Republik, die Inflation und die hohe Arbeitslosigkeit nicht genug, haben Otto von Briest und seine Familie nach wie vor gegen Magda von Schramm und ihren Sohn Sigurd zu kämpfen. Die seit mehreren Generationen schwelende Konflikt zwischen den Familien scheint nun endgültig zu eskalieren, als Magda Gut Briest zu einem Bruchteil seines Wertes kaufen will.

Doch nicht nur der drohende Verlust des Gutes überschattet das Leben derer von Briest. Max Brandow, der Ende des zweiten Bandes der kleinen Luisa von Briest das Leben gerettet hat, und seitdem in die Familie aufgenommen worden ist, obwohl er aus der Berliner Unterschicht stammt, hat so seine liebe Not mit Sigurd von Cramm. Max teilt mit dem verwöhnten Bengel Sigurd die Leidenschaft für Autorennen. Nur, dass Sigurd mit fiesen Tricks seine Konkurrenten von der Rennstrecke befördert.


Meine Meinung:

Ein gut gelungener Abschluss der Trilogie bei dem die Geschichte der Jahre zwischen 1921 und 1928 den Lesern nähergebracht wird. Doch so subtil und unaufgeregt, dass niemand merkt, dass hier Geschichtsunterricht passiert.
Wegen des roten Fadens Automobil begegnen wir Rennsportgrößen wie Christian Riecken, Fritz von Opel, Rudolf Caracciola und Clänore Stinnes, der Tochter des AVUS-Mitbegründer Hugo Stinnes, die selbst Rennen gefahren ist.

Doch wir machen auch Bekanntschaft mit Politikern der Zwischenkriegszeit wie Walter Rathenau, der wie einige andere bemüht war, die Einschränkungen und Reparationszahlungen zu vermindern. Die Schuld der wirtschaftlichen Katastrophe wird sofort den Juden zugeschrieben. Dem aufkeimenden Nationalsozialismus fallen Rathenau und andere den Attentaten der SA-Sturmtruppen zum Opfer. Diese gespenstische Stimmung fängt Richard Dübell sehr elegant ein, in dem sich auch Sigurd von Cramm, der eigentlich ein Feigling und Versager ist, wohl fühlt.

Da die Menschen in dieser Zeit, um den tristen Alltag zu vergessen, für Vergnügungen aller Art sehr empfänglich sind, darf auch die Zeit der großen Stummfilme nicht fehlen. So begleiten wir Luisa, die gerne Schauspielerin werden möchte in die Anfänge der UfA. Dort treffen wir Fritz Lang, der Unsummen für seinen Film „Metropolis“ ausgibt, der letztlich ein Misserfolg wird.

Ich persönlich hätte mir ja noch ein bisschen mehr Automobilgeschichte, technische Details usw. gewünscht. Ich hätte noch gerne ein bisschen länger mit Max unter dem Auto gelegen und an dem Chassis herumgeschraubt. Aber, das ist nur eine kleine persönliche Anmerkung.

Der Schreibstil ist, wie wir es von Richard Dübell gewöhnt sind, opulent, wortgewaltig und penibel recherchiert. Das Einflechten der „Berliner Schnauze“, die sowohl Max als auch Hermine von Briest perfekt beherrschen.

Fazit:

Ein gelungener Abschluss der Familien-Saga. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fesselnder hist. Roman

Der englische Liebhaber von Federica De Cesco

Die junge Filmemacherin Charlotte kehrt anlässlich des bevorstehenden Todes ihrer Mutter Anna von Berlin nach Münster zurück.
Das Verhältnis der beiden Frauen ist unterkühlt und distanziert, denn Charlotte ist ein sogenanntes „Besatzungskind“. Anna hat in den Nachkriegsjahren, um ihre Familie zu erhalten, bei den Englischen Besatzern als Dolmetscherin gearbeitet und sich in einen der Offiziere, Jeremy Fraser, verliebt und ist prompt schwanger geworden.

Noch bevor Jeremy die Scheidung von seiner englischen Frau vollziehen kann, wird er abkommandiert. Was Anna nämlich nicht weiß, dass für Jeremy, einem Geheimdienstoffizier des SIS, besondere Regeln des Fraternisierungsverbotes gelten.
Der beiderseitige Briefwechsel wird abgefangen und so muss Anna ihre Tochter ohne Vater aufziehen, im bigotten Nachkriegsdeutschland eine ziemliche Tortur für beide.

Erst 26 Jahre nach Jeremys Verschwinden gelingt es Anna ihren Geliebten ausfindig zu machen. Wird sich Jeremy wieder aus der Verantwortung stehlen?

Erst nach Annas Tod kommt Charlotte ihrer Mutter und Jeremy näher, findet sie doch in derem Nachlass Briefe, Tagebücher und Tonbandaufnahmen.

Meine Meinung:

Ich kenne fast alle Bücher der Autorin und ihren eindringlichen Erzählstil. Mit einfühlsamen und emotionalen Sätzen gelingt es ihr mühelos die Zeit nach 1945 in Deutschland wieder auferstehen zu lassen, ohne kitschig zu wirken. Der Kampf ums tägliche Überleben weicht den Schuldgefühlen an den Gräueln des Zweiten Weltkriegs beteiligt zu sein (die ewig Gestrigen ausgenommen).

Die Handlung selbst ist in zwei Erzählsträngen angelegt. Der eine spielt 1988 und der andere gibt, durch die Tagebucheintragungen Annas Situation ab dem Jahr 1945/46 wieder. Die Leser hungern und frieren mit Anna, können den Schrecken über die Niederlage Hitler-Deutschlands und die Angst vor der Zukunft hautnah miterleben.

Die historischen Hintergründe sind, wie wir es von der Autorin kennen, penibel recherchiert, zumal sie nahe an einer wahren Begebenheit aus ihrer eigenen Familie bleibt. Die Vorurteile, die unverheiratete Mütter und ihre Kinder ausgesetzt sind, lassen uns später Geborene ziemlich wütend werden.

Die Charaktere sind liebevoll gestaltet. Da ist zum einem Annas Herkunftsfamilie: Die Töchter, Linchen und Anna, sind nicht so geachtet, wie der einzige Sohn Manfred, der sich als strammer Nazi entpuppt und letztlich in Russland fällt. Während die meisten auf Hitler hereinfallen, hat sich Annas Mutter einen kritischen Geist bewahrt und trauert ihr Leben lang um ihre jüdische Freundin Nora Tannenbaum, der es nicht mehr gelingt aus Deutschland zu fliehen. Es ist keine Familie, die liebevoll miteinander umgeht. Das färbt auch auf Anna ab. Später wird sie ihre Verschlossenheit auch Charlotte gegenüber an den Tag legen, die mit schroffer Zurückweisung antwortet. Manchmal scheint Charlotte ohne Empathie zu sein. Ich denke, es ist schwierig Gefühle zu zeigen, wenn man selbst diese Erfahrung vermissen musste.
Auch Jeremys Charakter ist voller Ecken und Kanten. Er scheint tiefer Gefühle für Anna fähig, will sein bisheriges Leben aufgeben und mit ihr ein neues anfangen. Seine berufliche Situation als Geheimdienstmitarbeiter hält ihn bis zuletzt gefangen.

Fazit:

Ein historischer Roman, der unter die Haut geht. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fesselnd bis zur letzten Seite

Tiefer denn die Hölle von Peter Gallert; Jörg Reiter

Der evangelische Polizeiseelsorger Martin Bauer steht wieder einmal vor großen Herausforderungen. Da ist einmal die bevorstehende Geburt seines zweiten Kindes und das wackelige Gefüge seiner Ehe. Andererseits der aktuelle Fall: Sein katholischer Kollege Rüdiger Vaals liegt mit einem schweren Herzinfarkt in der Klinik.

Was ist passiert?

Bei einem Kontrollgang in einem aufgelassenen Flöz tief unter der Oberfläche findet ein Bergmann eine nackte und mit Honig übergossene Leiche. Der hinzugezogene Polizist, ein gläubiger Katholik erleidet eine Panikattacke und weigert sich den Förderkorb zu betreten. Vaals ist in die Tiefe um den Polizisten zu beruhigen und hat beim Anblick der Leiche einen Herzstillstand. Kennt er den Toten?

Erst Bauer, der für diesen Einsatz wieder einmal seine Frau versetzt, gelingt es die Eingeschlossenen ans Tageslicht zu befördern. Auf dem Weg ins Krankenhaus flüstert Vaal ein paar kryptische Worte, die Bauer zum unbefugten Ermitteln anstiften …

Meine Meinung:

Nach „Glaube, Liebe, Tod“ ein weiterer fesselnder Krimi rund um Martin Bauer und die KHK Dohr. Dohr hat nach wie vor einen schweren Stand bei Kollegen Guido Karman, der nur allzu gerne ihre Stelle haben möchte, und Direktor Lutz, der Frauen im Polizeidienst im Allgemeinen und die kompromisslose Dohr im Speziellen, nicht leiden kann.

Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten. Sie wirken aus dem Leben gegriffen. Intrigante Kollegen und ignorante Chefs – wer kennt das nicht?

Gut gefällt mir, wie die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet eingeflochten wird. Der Leser erhält einen Eindruck der Stimmung als eine Zeche nach der anderen geschlossen wird.

Die privaten Schwierigkeiten von Martin Bauer sind glaubhaft dargestellt. Bauer ist mit Leib und Seele Seelsorger und „vergisst“ daher häufig auf die eigene Familie. Schön, dass Teenagertochter Nina nun ihren eigenen Weg geht. Ob er dadurch eine Sorge weniger hat?

Das Autorenduo versteht es gut, die Spannung hochzuhalten. Auch wenn sich der eine oder andere stellenweise heldenhaft verhält, so sind die Protagonisten Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihren Wünschen, Träumen und dem Leben, das nicht immer fair ist.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi bei dem nicht alles so ist, wie es scheint. Gerne gebe ich 5 Sterne.

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Fesselnde Krimi-Unterhaltung

Lost in Fuseta - Spur der Schatten von Ribeiro Gil

Auch der zweite Fall, an dem Leander Lost mitarbeitet, hat mich überzeugt.

Worum geht’s?

Teresa Fiadeiro, eine äußerst zuverlässige Kollegin erscheint bei Schichtwechsel nicht in der Polizeistation. Als Graciana Rosada Nachschau hält, liegt das Mobiltelefon der Kollegin in deren Wohnung, doch von Teresa keine Spur.

Bei Graciana läuten alle Alarmglocken, denn Teresa ohne Mobiltelefon ist nicht vorstellbar. Obwohl es keine Lösegeldforderung oder ähnliches gibt, geht Graciana von einer Entführung aus, und löst eine Fahndung aus.

Gleichzeitig muss sich das Team um Flores Yola, eine angolanische Journalistin, die auf dem Weg zu einem Vortrag in Lissabon noch die Stadt ihres Vaters kennenlernen möchte, kümmern. Eine Aufgabe, die der spanisch stämmige Miguel Duarte, gerne übernimmt, allerdings nur mit einer neuen Kevlar-Weste.

Recht bald stellt sich heraus, dass Teresa ermordet wurde. Nur weshalb und von wem? Und welche Rolle spielt die Ausgabe von Albert Camus‘ „Pest“, die Teresa in einer weit entfernten Buchhandlung gekauft hat? Sie ist zwar ein wahrer Fan von Camus, hat aber genau diese Ausgabe schon im Regal stehen.

Während akribisch nach Motiv und Täter gesucht wird, trifft Eva, Teresas Tochter, in Fuseta ein. Leander erkennt eine Seelenverwandte in ihr.

Meine Meinung:

Wieder ist Gil Ribeiro (alias Holger Karsten Schmidt) ein toller Krimi gelungen. Nicht nur die portugiesische Küche bringt uns der Autor näher, sondern auch die Lebensart der Portugiesen, die ein wenig gemütlicher als die preußische Art ist. So kann sich Leander von seinen portugiesischen Kollegen akzeptiert fühlen. Seine, durch das Asperger-Syndrom hervorgerufenen, seltsam anmutenden Verhaltensweisen, werden von Graciana Rosado und ihrem Team, auch den kulturellen Unterschieden zwischen Portugal und Deutschland angelastet. Seine analytischen Fähigkeiten sind gerne gesehen, auch wenn er auch manchmal, durch seine Unfähigkeit zu lügen, die kleinen Tricks des Teams beinahe auffliegen lässt.

Leander arbeitet an seinem Manko, Zwischentöne zu hören bzw. Mimik zu interpretieren. Dies gelingt ihm durch zu Hilfenahme des „Kompendium der sinnlosen Sätze“ von Dan B. Tucker aus dem er zitiert. Manchmal ist er allerdings dabei unfreiwillig komisch, denn nicht immer passt ein hingeworfenes „Meinen Sie?“ zur Situation.

Sehr aufschlussreich finde ich das Gespräch von „Mann zu Mann“, das er mit Toninho, dem Verehrer von Zara führt. (S. 165 -170).

Auch die Charaktere der Kollegen sind wieder gut ausgeführt. Carlos Esteves, niemals ohne Essbares, und die umsichtige Graciana Rosada schupfen den Laden. Immer wieder hilft die Bevölkerung mit, denn in Fuseta ist kennt man sich.

Der Plot ist wieder spannend gestaltet. Sehr interessant sind die Informationen aus der Vergangenheit, als Portugal noch Kolonialmacht war.

Fazit:

Ich habe mich durch die Fortsetzung gut unterhalten gefühlt und kann wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung vergeben.

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