Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Gaby 2707:

Sylt ist immer eine Reise wert

Inselglück im Schneegestöber von Anni Deckner

Semra Sievers ist kreuzunglücklich. Hätte sie ahnen müssen, dass ihr langjähriger Freund sie verlassen wird? Hätte sie die kleinen Anzeichen ernster nehmen müssen? All diese Überlegungen führen zu nichts. Semra muss einfach raus aus Flensburg und den Kopf frei kriegen. Berge, Schnee und Skiurlaub werden ja nun nix.

Also das Kontrastprogramm: Sylt im Winter. Schnee, Wind und eiskalt. Ob sich da Semras Herz erholen wird?


Seit ich im Sommer eine Woche auf der Insel der Schönen und Reichen verbringen durfte, liebe ich Sylt. Daher musste ich natürlich dieses Buch, das mir die Insel in der kalten Jahreszeit nahebringt unbedingt lesen. Und ich habe es nicht bereut.

Aus der Sicht von Semra erzählt, lässt sich die Geschichte leicht und flüssig lesen und ich bin sehr schnell inmitten der Insel angekommen. Durch die bildhaften und farbigen Beschreibungen habe ich einige Örtlichkeiten sofort wiedererkannt und fühle mich im Buch richtig wohl.

Semra mag ich ab der ersten Seite. Natürlich, herzlich und offen, aber auch verletzlich und manchmal etwas zickig, versucht sie ihren Kummer hier loszuwerden. Ihr Herz neu zu verschenken kommt erst mal gar nicht infrage. Aber da hat sie die Rechnung ohne Rick Richardson gemacht. Der Pubbesitzer schleicht sich ganz leise und langsam immer weiter in ihr Herz. Ihn habe ich mit seiner humorigen und liebevollen Art ebenfalls sofort ins Herz geschlossen. Aber auch die anderen Protagonisten, sei es Semras Freundin, Ricks Freund oder seine Schwester Tilda, die eine kleine Wohlfühlpension führt – hier habe ich gleich an meine Wirtsleute denken müssen – kommen äußerst sympathisch daher. Nicht zu vergessen zwei Hunde, die mein Herz im Sturm erobert haben.

Das war wieder so ein Buch, das ich in einem Rutsch weg gelesen habe. Ich habe mit Semra gelitten gehofft, gebangt und mich narrisch gefreut, dass es ihr zum Schluss doch wieder richtig gut ging. Ein absolutes Wohlfühlbuch mit einem kleinen Schuss Spannung. Nicht nur für Liebesroman-Liebhaber.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Rezensionen von PeLi:

nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte

Sweet Sorrow von Nicholls David

Da ich den Autor schon von anderen Büchern kannte, die mir sehr gut gefielen und auch vom Klappentext her, hatte ich große Erwartungen an dieses Buch. Eventuell auch zu große, denn von "Sweet Sorrow" bin ich leider etwas enttäuscht.
Ich habe gelesen und gelesen und immer gewartet, dass der Funke endlich überspringt und dass man nun von der großen ersten Liebe liest, die für immer im Gedächtnis bleibt und wie aufregend es ist, wenn man dann diese erste Liebe nach vielen Jahren wiedersehen kann.

Leider ging es in einem Großteil des Buches eher um Belanglosigkeiten, es wurden Nebensächlichkeiten viel zu ausführlich beschrieben ( wie das Lernen für die Theaterstücke oder überhaupt die Beschreibungen der einzelnen Stücke) Für mich persönlich kam leider keine Romantik und keine großen Gefühle rüber. Ich habe sehr lange gebraucht für dieses Buch weil ich immer wieder unterbrochen habe, ohne Neugier darauf, wie es weitergeht. So etwas passiert mir bei Büchern, die mich richtig fesseln, einfach nicht.
Ich fand "Sweet Sorrow" okay, man konnte gut, immer mal ein paar Seiten nebenher lesen, aber es wird mir sicher nicht lange im Gedächtnis bleiben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PeLi

Rezensionen von Anja:

sehr komplexe – teils verwirrend-verworrene – Fantasygeschichte

Der Untergang der Könige von Jenn Lyons

Kihrin sitzt im Gefängnis. Seine Gefängniswärterin Klaue fordert ihn auf, die Geschichte zu erzählen, wie er dort gelandet ist, obwohl sie selbst Anteil daran hat. Beide schildern das Geschehen von geheimen Intrigen, gefallenen Königen und einem Jungen aus armen Verhältnissen, der erst zum Lord, dann zum Sklaven und später zur Schlüsselfigur im Kampf gegen einen mächtigen Gegner wird…

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir aufgrund der verschiedenen Zeitstränge und Erzählebenen nicht ganz leicht.

Kihrins Gefängniswärterin Klaue will von ihm seine Geschichte hören. Abwechselnd schildern die beiden Kihrins Erlebnisse. Kihrins Schilderung setzt etwa vier Jahre zuvor an. Er erzählt in der Ich-Perspektive, was ihn letztlich in diese Lage gebracht hat. Klaue setzt noch etwa 6 Monate vorher an und ergänzt den Zeitraum bis zu Kihrins Start der Geschichte teils in der personalen, teils eher auktorialen Erzählweise.
Die ständigen Sprünge zwischen beiden Geschichten, die aber die selbe Figur im Zentrum haben, fand ich teilweise verwirrend, da ich immer, wenn ich das Buch wieder zur Hand genommen habe, für mich sortieren musste, in welcher Zeit ich mich gerade befinde. Zudem enthalten beide Geschichten immer wieder kleine Hinweise und Verknüpfungen, die für das Verständnis der jeweils anderen wichtig sind.
Die Verwirrung perfekt gemacht haben die Erklärungen in den über 150 Fußnoten, die Bemerkungen und Ergänzungen zu diesen Schilderungen von einem weiteren Ich-Erzähler beinhalten. Da mich zum einen das ständige Blättern genervt hat (ich habe das Buch als ebook gelesen, zwar kann man hier problemlos zur Fußnote und zurück springen, aber wehe man müsste in der Fußnote blättern, dann heißt es umständlich die eigentliche Textstelle wiederfinden…), zum anderen konnte ich die Bemerkungen auch oft nicht zuordnen und sie haben mich so in meinem Lesefluss gestört, sodass ich sie irgendwann gar nicht mehr angeschaut habe. Erst ganz am Ende ist mir die Bedeutung klar geworden, nachdem ich diesen zusätzlichen Ich-Erzähler einordnen konnte.

Überhaupt hat mir die Geschichte zu viele Anhänge. Neben den zahlreichen, teils sehr umfangreichen Fußnotenerläuterungen gibt es ein riesiges Personenverzeichnis, Erklärungen zur Aussprache und auch einen ewig weit verzweigten Stammbaum.

Sich diesen mal anzuschauen, wäre hier und da vielleicht hilfreich gewesen, wäre da nicht wieder das Problem mit dem Blättern und zusätzlich der viel zu winzigen Anzeige im ebook gewesen… denn die Vielzahl an Figuren hat mich auch oft vor Probleme gestellt.

Die Fantasywelt, die erschaffen wird, ist unglaublich komplex und mit den verschieden Völkern und magischen Fähigkeiten eigentlich auch total interessant. Allerdings ist nicht nur die Wiedergeburt Verstorbener möglich, sodass sich Figuren an ihr früheres Leben erinnern, sondern bestimmte magische Artefakte oder Fähigkeiten ermöglichen auch den Körpertausch bzw. die Übernahme eines Körpers. Und hier wurde es dann teilweise verworren, wenn Figuren schon so lange leben und in verschiedenen Körpern gesteckt haben, dass ein Charakter plötzlich drei Namen hat und nicht jeder der ist, für den er gehalten wird. Dies hat zwar für Spannung und Überraschungen gesorgt, teilweise habe ich in den komplizierten Verstrickungen von Figuren teilweise aber auch nicht mehr durchgesehen, wer wer ist und wer mit wem im Bunde ist.

Dadurch habe ich die Geschichte streckenweise als zäh empfunden, nicht zuletzt weil ich in den verworrenen Intrigen und Rückblicken in vergangene Zeiten nicht immer folgen konnte, wenn mir die Sortierung der Figuren nicht mehr möglich war… Komplizierte, teils ähnliche Namen, machen die Zuordnung nicht leichter.
Gut war, dass sich der Grundhandlung um Kihrin trotzdem halbwegs folgen ließ, auch wenn ich nicht immer wusste, wer der Feind ist bzw. in wessen Körper er nun gerade steckt.

Als im letzten Viertel die Erzählstränge zusammenlaufen und es nur noch eine Zeitebene gibt, wurde die Orientierung einfacher. Hier wird die Geschichte, die ohnehin viele spannende Passagen hat, immer temporeicher. Der entscheidende Kampf steht bevor. Es wird dramatischer und aufregender und hier habe ich nun auch wirklich mitgefiebert, wobei es auch dabei verwirrende und zähe Passagen gab.

Am Ende sind einige Kämpfe gefochten. Viele Figuren mussten ihr Leben lassen. Viele Fragen sind beantwortet. Das Schicksal des Landes bleibt allerdings dennoch völlig offen.

Fazit

Sehr komplexes Fantasysetting, das so facettenreich ausgearbeitet wird, dass es aufgrund diverser Möglichkeiten einen neuen Körper zu erhalten, oft in der Vielzahl der Figuren kompliziert wird. Auch die zwei Erzählperspektiven, die aber den selben Charakter zur Hauptfigur haben, fand ich fürs Hineinfinden nicht ideal. Von den Anhängen und Fußnoten habe ich mich komplett erschlagen und aus dem Lesefluss gerissen gefühlt, sodass ich diese nicht mehr gelesen habe. Ihr Sinn hat sich mir auch erst ganz am Ende erschlossen, nachdem ich Anfang und Schluss nochmal gelesen hatte und den entsprechenden Erzähler sowie den Adressat der verschachtelten Erzählung zuordnen konnte. Die Handlung an sich ist grundsätzlich spannend und weist viele Überraschungen und Wendungen auf. Es gibt aber auch etliche langatmige, zu ausschweifende Ausführungen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Anja

Rezensionen von C. P.:

Grandiose fantastische Ideen und Abenteuer auf einer neuen Arche

Die Spiegelreisende 3 - Das Gedächtnis von Babel von Christelle Dabos

Der dritte Band der Spiegelreisenden-Tetralogie führt Ophelia auf die Arche Babel, wo sie ihren vor knapp drei Jahren verschwundenen Ehemann Thorn zu finden erhofft. Im Gegensatz zu bisher ist sie diesmal komplett auf sich allein gestellt und muss sich in einer ihr völlig fremden Welt zurechtfinden, um an die ersehnten Informationen zu gelangen.

Was sich als schwieriger herausstellt als zunächst gedacht. Die neuesten Vorkommnisse auf Babel deuten allerdings darauf hin, dass sie sich auf der richtigen Spur befindet. Und auf einer äußerst gefährlichen dazu.
Diesmal entführt die Autorin den Leser in eine faszinierende neue Welt, in der alles streng reglementiert ist und Roboter viele Arbeitsplätze verdrängen. Durch diese neuen Ideen und Charaktere erhält die Saga neuen Aufschwung. Ophelia, die zu Beginn der Reihe recht passiv und devot wirkte, muss nun aus sich herauskommen, Zielstrebigkeit und Mut beweisen. Doch obwohl sie sich wie ein Mantra vorbetet, dass sie bereits genug durchgemacht hat, fällt sie erneut in die Opferrolle und muss vieles über sich ergehen lassen. Was ich persönlich als sehr schade empfinde, wobei zumindest ihre stark übertriebene Schusseligkeit deutlich nachgelassen hat. Und Thorn, nunja, der verhält sich Ophelia gegenüber weiterhin zum an-die-Wand-stellen.
Auf Babel kommt Ophelia der Spur Gottes ein wenig näher sowie dem "Anderen", welcher die Welt angeblich zu zerstören droht. Ebenso hat Gott selbst wieder ein paar Auftritte, welche parallel stattfinden und den Bezug zu Ophelias früheren Freunden in der Erzählung aufrecht erhalten. Von den bisherigen Bänden hat mir dieser am besten gefallen, da Ophelia nun komplett allein agieren muss und dadurch an ihren Aufgaben wächst. Und die fantastischen Einfälle der Autorin sind weiterhin grandios.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von C. P.

Rezensionen von C. P.:

Die Totenbändiger im neuen Blickwinkel

Die Spiegelreisende 3 - Das Gedächtnis von Babel von Christelle Dabos

Im zweiten Band der Urban Fantasy Serie rund um Geister und Wiedergänger in heutigen London gibt es einen Einblick auf die andere Seite der Totenbändiger. Auf diejenigen, die in der Akademie groß werden - und diese mit vorgefertigter Meinung über die Menschen verlassen. Eine von ihnen ist Schülerin Jaz, die als neuer Charakter zur Serie hinzukommt, bevor es mit Familie Hunt und ihren Freunden weitergeht.

Diesmal wird die Welt der Totenbändiger ein wenig erweitert, es kommen neue Personen hinzu und man erfährt mehr über politische und gesellschaftliche Meinungen und Hintergründe. Der Fokus liegt vor allem zu Beginn auf Jaz, bevor es langsam in der Handlung voran geht. Dadurch, dass die Welt nach und nach aufgebaut wird, kommt man als Leser gut mit, Perspektivenwechsel sorgen zudem für ausreichend Abwechslung. Die Action bleibt diesmal im Hintergrund, dafür lässt sich bereits erahnen, dass die Serie sich angenehm komplex gestalten wird.
Zwar befindet sich die Welt der Serie noch im Aufbau, zeigt sich aber bereits jetzt äußerst vielschichtig und bietet neben einer faszinierenden Welt auch interessant gestaltete Charaktere.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von C. P.

Rezensionen von BarbaraM:

Ein Bilderbuch, in dem ganz viel wunderschöne weihnachtliche Atmosphäre steckt

Unsere eigene Weihnachtsgeschichte von Annette Langen; Marije Tolman

„Unsere eigene Weihnachtsgeschichte“ von Annette Lange ist 2019 im NordSüd-Verlag erschienen und umfasst 32 Seiten.

Mia bringt ihrem jüngeren Bruder Jona bei, wie sich die Geschichte mit Jesus, Maria und Josef damals in Bethlehem abgespielt hat. Sie macht dies auf eine sehr liebevolle, kindliche Art und Weise, indem sie die Weihnachtserzählung zusammen mit ihrem Bruder nachspielt – so wie es Kinder eben sehr gerne in einem Rollenspiel tun.

Annette Lange hat dies alles wunderbar in eine kindgerechte Sprache verpackt und sie lässt eine sehr warme und weihnachtliche Atmosphäre im Buch entstehen, die sich sofort auf die Leser überträgt. Meine Kinder, mit denen ich dieses Buch gelesen und angesehen habe, waren sofort davon fasziniert und konnten sich gut in Mia und Jona hineinversetzen.
Marije Tolman unterstreicht und ergänzt die Geschichte mit ihren wunderbaren Zeichnungen. Die Zeichnungen sind nicht zu überfrachtet und laden zum genauen Betrachten ein. Es findet sich auch manches zum Schmunzeln.

Von meinen Kindern und mir gibt es eine absolute Lese- und Kaufempfehlung. Das Buch ist zum Vorlesen sicherlich für Kinder ab 4 Jahren geeignet und es lädt zum kindlichen Rollenspiel förmlich ein.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von BarbaraM

Rezensionen von C. P.:

Düsterer Antiheld und mächtige Gegner

Im Zeichen des Raben von Ed McDonald

Dark Fantasy, wie man sie sich wünscht: Mächtige Zauberer, genannt die Namenlosen, instrumentalisieren Menschen, um gegen die dunklen Könige zu kämpfen, welche ihrerseits Menschen als Marionetten und Kanonenfutter missbrauchen. Eingebettet in eine künstlich erzeugte Einöde, treffenderweise als Elend bezeichnet und bevölkert von gruseligen Mutationen früherer Lebewesen.

Und mittendrin Söldner Ryhalt Galharrow, Hauptmann der Schwarzschwingen und dem Namenlosen Krähfuß verpflichtet.
Galharrow ist ein beeindruckender Antiheld, der mit grimmigem Humor die Story erzählt, sich gern mit Alkohol betäubt und alles andere als zimperlich zu Werke geht. Sein neuester Auftrag ist, Lichtspinnerin Ezabeth zu retten, seine einstige Jugendliebe. Dabei wird er in mächtige Pläne verwickelt, bei denen lange nicht klar ist, wer auf wessen Seite kämpft und gegen wen intrigiert. Und die dunklen Könige bereiten derweil ihren großen Angriff vor.
Eine faszinierende Welt, anders als bisherige Fantasywelten und mit eigener Magie sowie Kreaturen versehen. Alles wirkt düster, grob und brutal, wird jedoch durch Galharrows trockenen Humor recht gut aufgelockert. Zu Beginn brauchte ich etwas länger, um überhaupt in der Story Fuß zu fassen - ein strafferer Beginn hätte mir besser gefallen. Schonungslose Kampfszenen, Twists und eine geheimnisvolle Maschine ergeben einen spannenden Mix. Kombiniert mit Galharrows Gedanken und Kommentaren eine überwiegend geniale Unterhaltung.
Das Hörbuch wird von Josef Vossenkuhl gesprochen, der Galharrow sowie sämtliche anderen Charaktere hervorragend interpretiert und für das Buch der reinste Glücksgriff ist.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von C. P.

Rezensionen von HEYN Leserunde, Harald Schellander :

Verwässerter Eintopf

Rate, wer zum Essen bleibt von Philipp Tingler

Man nehme: den (leicht abgewandelten) Titel eines bekannten Filmes, verwende bekannte Ingredienzien (für die Karriere wichtiges Abendessen, in das eine unangepasste Person platzt, die unheile Welt von Akademikerpaaren, die Suche nach sich selbst ...), würze zurückhaltend mit ein paar gelungenen Dialogen und dekoriere übermäßig mit Lebensweisheiten.

Heraus kommt in diesem Fall ein verwässerter Eintopf, in dem man vergeblich nach Gehaltvollem stochert.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Harald Schellander

Rezensionen von HEYN Leserunde, Silvia Grutze:

Zwischendurch beißt man sich die Zähne aus

Rate, wer zum Essen bleibt von Philipp Tingler

Das Cover ist interessant gestaltet und kündigt durch die Wolken einen Wechsel von Gefühlen an. Zu Anfang verspricht es also interessant zu werden, doch irgendwie komme ich nicht gleich in die Erzählung hinein. Die Dialoge der fünf Personen beim ersten Essen wirken für mich so hart. Der Schriftsteller lässt seine eigene Meinung als Kritiker mit einfließen.

Es fällt mir schwer es zu lesen und tröste mich mit dem Gedanken, dass es sich erst noch entwickeln wird. Ich fühle mich etwas überfordert und geradezu unbelesen wie da mit für mich fremden Wörtern in den Dialogen regelrecht herumgeschossen wird.
Die Gastgeberin will alles richtig machen - die Gäste führen sich auf als ob.... und dann, fällt ein Gast vom Stuhl.
Die zweite Hälfte des Romans (ab Tag IV) liest sich dann viel flüssiger für mich, als ob jemand anders das Buch weitergeschrieben hätte oder der Autor es plötzlich verstanden hat einen Roman zu schreiben. Flüssig und humorvoll, dass einem nicht langweilig wird - auch skurriler und zynischer Witz kommt nicht zu kurz und ich musste manchmal herzhaft lachen.
In Connis Ratschlägen entdeckte man wahre Worte trotz ihres schrägen Humors und der Ironie dahinter- es hat was Berührendes.
Herr Trutz ist mir am unsympathischsten in dieser Geschichte, denn er hasst Bücher im Grunde. Er kann sich für Literatur nicht begeistern- was ist das nur für ein Mensch ? - doch schön langsam taut er mit entsprechenden Gesprächsthemen auf.
Doch das Ende packt mich nicht wirklich bis auf eine Aussage: „Vielleicht sollte der Mensch, statt zu sich zu kommen, besser versuchen, zur Welt zu kommen."
Es soll sich jeder seine eigene Meinung zu diesem Roman bilden - entscheide selbst ob du es liest !

im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Silvia Grutze

Rezensionen von Bibliomarie:

Häutungen

Die Wunder von Little No Horse von Louise Erdrich

Agnes als Schwester Cecilia im Kloster heimisch, dient Gott, ehrfürchtig und demütig. Doch wenn sie Klavier spielt, verselbstständigt sich ihr Seele, Musik durchdringt sie und das ist den Mitschwestern suspekt. Sie verlässt das Kloster und kommt auf einer Farm unter. Doch auch dieses Leben bleibt eine Episode.

Zufällig kann sie in die Identität eines Missionspfarrers schlüpfen – Damien Modeste – und geht an seiner Stelle ins Objiwe Reservat. Dort in No Little Horse wird der Priester schon erwartet und Father Damien richtet sich ein.

Jahrzehnte später, Modeste ein Greis, läuft sein Leben noch einmal vor ihm ab, als er Auskunft über das Wirken einer Nonne aus dem Reservat geben soll, deren Seligsprechung ansteht.

Louise Erdrich entfaltet sprachmächtig und überwältigend einen ganz eigenen Kosmos. Die diversen Clans der First Nation, ihre Streitigkeiten, ihr Kampf ums Überleben wird sichtbar. Die Missionierung der Familien, die ihnen den alten Glauben raubt, den neuen aber nicht verinnerlichen lässt, fällt Agnes/Damien ins Auge. Er interessiert sich für die Überlieferung und Riten, er lernt die Sprache und im Lauf der Jahre wird er fast einer der Ihren.

Mit Agnes/Damien habe ich eine Figur kennengelernt, die den weiblichen Blick mit männlicher Entschlossenheit vereint und eine ganz besondere Schöpfung der Autorin ist.

Eine unglaubliche Vielzahl an Charakteren, die sich manchmal auch über die Generationen hinzieht, machte es mir nicht immer ganz einfach. Ohne den Figurenstammbaum zu Beginn des Buches wäre ich fast verloren gewesen. In ihrem Roman mischen sich Überlieferungen, alte Mythen und reale Begebenheiten zu einem vielschichtigen Epos. Wie gesagt, nicht immer einfach zu lesen, aber ein besonderes Leseerlebnis.

Manche der Figuren und Familien tauchen auch in anderen Romanen der Autorin auf und es erleichtert sicher den Einstieg, wenn man schon Bücher von Louise Erdrich kennt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bibliomarie