Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Claudia R:
spannender Fall für Trost
Der Fall des Grazer Königs von Robert Preis
Klappentext:
Ein ehemaliger Richter kommt auf der A9 ums Leben, getötet durch einen zweitausend Jahre alten Pfeil in seiner Brust. Armin Trost vermutet einen Zusammenhang mit den umstrittenen Ausbauplänen der Autobahn, gegen die sich massiver Protest formiert. Als er auf Parallelen zu einer geheimnisvollen Keltenlegende stößt, aus deren Zeit die Tatwaffe zu stammen scheint, nimmt der Fall eine spektakuläre Wendung.
Cover:
Das Cover zeigt eine kleine Gasse mit verschiedenen Häuserfrinten. Auf den ersten Blick wirkt es sehr idyllisch, aber auch ein wenig einsam und weckt Interesse.
Meinung:
Dies ist bereits der siebente Fall für Armin Trost, aber auch ohne die vorherigen Bücher zu kennen, kommt man in diese hinein, da die Bücher in sich geschlossen sind und jeweils einen eigenen Fall beinhalten.
Jedoch kannte ich Trost schon und war daher schon wieder sehr gespannt, auf seine Ermittlungen und auch, wie es mit ihm und den anderen weitergeht.
Der Fall beginnt bereits sehr mystisch mit einer Rückblende in die Vergangenheit, die einige Rätsel aufwirft und auch zu Beginn bleibt der Fall recht verwirrend und mystisch und gibt so einige Rätsel auf, doch Trost kann dies mit seinem Ermittlergeschick nach und nach aufdröseln.
Der Schreibstil ist auch in diesem Band sehr angenehm und flüssig und lässt sich sehr gut und locker lesen. Schnell wird mit in die Geschichte hineingesogen und regelrecht von dieser gefesselt.
Auch das Privatleben des Ermittlers bleibt hier nicht aus und wird an einigen Stellen näher erläutert, so dass man auch hier so einige Einblicke erlangt, ohne dass der fall ins Hintertreffen gerät.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und mich auch sehr gut unterhalten. Man fiebert förmlich mit den Ereignissen und auch den Ermittlungen mit. Die Handlungen und Geschehnisse werden sehr gut und bildlich beschrieben und auch die Emotionen und Gefühle werden transportiert.
Nach und nach nimmt der Krimi immer mehr an Fahrt auf und hinterlässt ein Wechselbad der Gefühle. Er geht unter die Haut und berührt. Die Aufklärung ist überraschend, aber schlüssig und auch das private und authentische Drumherum wird sehr gut erfasst und führt schlüssig zusammen.
Fazit:
Ein spannender und ergreifender Regional-Krimi der den Leser zum mitfiebern einlädt.
Rezensionen von Leserin71:
Wer ist der König von Graz?
Der Fall des Grazer Königs von Robert Preis
Armin Trost ist ein österreichischer Kriminalbeamter, der seine bisherigen Fälle mit ungewöhnlichen Methoden löste. Auch in seinem siebten Fall spielt seine Intuition eine entscheidende Rolle.
Armin Trost wollte eigentlich nur Wein kaufen und gerät mitten rein in einen Mordfall an einem ehemaligen Richter.
Seine Intuition führt ihn zu zwielichtigen Personen und in undurchdringliche Wälder.
Politische Verstrickungen, eine historische Schlacht zwischen Römer und Germanen, Ausgrabungen, Landleben vs Stadtleben und Sicherung von Ernährung werden in einer guten Mischung zu einem tollen Krimi zusammengeführt. Für die Leser der Reihe ist die weitere persönliche Entwicklung von Armin Trost und auch Annette Lemberg von Interesse, aber auch diese Kenntnisse sind für die Lösung des Falls nicht von Belang.
Der Titel des Buches erfährt im Laufe der Geschichte immer wieder eine neue Bedeutung.
Erst nach einigen Irrungen und Wirrungen wurde ich in den Strudel um die Lösung des Falls hineingezogen, spannender geht es nicht mehr.
Ich hoffe, dass Armin Trost bald wieder einen besonderen Fall lösen darf und vergebe sehr gerne 5 von 5 Sternen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Regt zum Nachdenken an
Kauf mich! von Nunu Kaller
Nunu Kaller beleuchtet in diesem Buch unser Kaufverhalten, das von den großen Konzernen geschickt manipuliert wird. Sie spart auch nicht mit Kritik an der Produktion von Fast Fashion, die in Bangladesch unter kriminellen Bedingungen erzeugt, von Influencerin massiv beworben und von uns gekauft wird, um wenig später - oft ungetragen - im Müll landet.
Sie prangert auch das sogenannte „green washing“ der Konzerne an, die nichts anderes als Augenauswischerei und eine Mogelpackung ist. Nur weil die Verpackung eine grüne Farbe hat und „öko/fair“ drauf steht, ist ein Produkt noch lange nicht fair produziert.
Die Autorin weiß, worüber sie schreibt, war sie doch selbst dem Kaufrausch verfallen. Nach einem Jahr, der Askese, die sie in ihrem Buch Kauf nix“ verarbeitet hat, hat sie nun einen anderen Weg eingeschlagen.
Sie schlägt vor, weniger, aber dafür bessere Qualität zu kaufen, auf Reparierbarkeit zu achten und auf die Produzenten zu achten. Klingt irgendwie bekannt?
Ja, eh - wir sollten nur auch regelmäßig danach handeln. Eine Umstellung von null auf hundert wird kaum gelingen, aber in kleinen Schritten, lassen sich die Einkaufsgewohnheiten ändern.
Allerdings macht es einem der Handel nicht immer leicht. Ich wollte heute, im (zu Fuß erreichbaren) Supermarkt laktosefreies Joghurt im 250-Gramm-Becher kaufen, erklärt mir die Filialleiterin, dass das ausgelistet wurde. Die Kunden, sagt sie, wollten nur die großen Tiegel (400 bzw. 500gr). Bin ich jetzt kein Kunde? Soll ich jetzt den großen Tiegel nehmen und den ungebrauchten Rest wegwerfen? Und wie passt das zur Nachhaltigkeitsstrategie des Supermarktes, der sich auf die Fahnen heftet, keine Lebensmittel zu verschwenden? Ach ja, nicht der Konzern verschwendet, sondern ich.
Gut, zurück zum Buch, das leicht lesbar und durchaus humorvoll daherkommt. Nunu Kaller gibt Tipps, die anregen, seine Einkaufsgewohnheiten zu überdenken. Als Gegenpol zu der riesigen Internetplattform hat sie währen der Covid-Pandemie eine Initiative gegründet, auf der zahlreiche kleinere und mittlere Betriebe aus Österreich gelistet sind, die kontaktfrei liefern. Diese Firmen arbeiten in Österreich und zahlen dort Steuern. (Siehe „liste.nunukaller.com“)
Fazit:
Eine Anregung, seine Einkaufsgewohnheiten zu überdenken, der ich gerne 5 Sterne gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine unbedingte Leseempfehlung!
Sieben Heringe von Jürgen Wiebicke
Autor Jürgen Wiebicke ist ein sogenannter „Kriegsenkel“, also Sohn eines Elternpaares, das den Zweiten Weltkrieg hautnah erlebt hat. Wie Hunderttausende andere Deutsche konnten seine Eltern nicht über die NS-Zeit sprechen.
Während er beim Tod des Vaters jene Fragen, die ihn schon lange beschäftigen, noch nicht aufschreiben kann, zeichnet er die Lebenserinnerungen der Mutter kurz vor ihrem Tod auf.
Einem Archäologen gleich betritt er die verschütteten Erinnerungen seiner Mutter auf. Dabei erfährt er Tragisches, aber auch Komisches. So erzählt sie, dass sie einmal sieben Heringe als Tauschware erhalten hat. Doch nur sechs davon sind gegen andere Lebensmittel eingetauscht worden. Warum? Den siebten Hering hat sie selbst gegessen.
In stundenlangen Gesprächen mit seiner Mutter entdeckt er, wie die Auswirkungen der Ereignisse von damals sein eigenes Leben von heute beeinflussen. Er rät jedem, die Erinnerungen der Eltern festzuhalten, solange es noch geht. Die Zeitzeugen werden immer weniger. Natürlich ist manches im Rückblick ein wenig verschwommen. Doch gerade in Zeiten wie diesen, in denen zahlreiche Menschen den Rechtspopulisten Gehör schenken, lässt sich durch die Dokumentation persönlicher Geschichten ein wenig gegensteuern.
Fazit:
Sprechen wir mit unseren Eltern, solange dies noch möglich ist. Ich persönlich habe es verabsäumt, was mir ziemlich leidtut. Gerne gebe ich hier 5 Sterne
Rezensionen von yellowdog:
Das unbekannte Meer
Wenn Haie leuchten von Julia Schnetzer
Wenn Haie leuchten ist ein Sachbuch, das beweist, dass Meeresbiologie spannend und unterhaltsam sein kann, aber dennoch gründlich und informativ. Das Meer und seine Bewohner sind unglaublich vielfältig und rätselhaft. Das allermeiste von dem Buch, was geschildert wird, war mir vollkommen unbekannt.
Es geht um mehr als nur Haie, auch wenn deren Anteil wichtig für das Buch ist. Es geht aber auch um Quallen, Delfine, Insekten, Fische, Viren, Riesenkalmar, Muscheln und anderen ungewöhnliche Arten.
Nach dem Lesen des Buches hätte man fast Lust, selbst Meeresbiologie zu studieren und die Weiten des Meeres zu erforschen. Die Autorin Julia Schnetzler macht aber auch deutlich, dass das nebenbei auch harte Arbeit erfordert. Das macht es eigentlich umso reizvoller, denn große Erkenntnisse kommen nicht ohne Anstrengung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine unbedingte Leseempfehlung!
Jude ist kein Schimpfwort von Alexia Weiss
„Man kann ruhig Jude, Jüdin, Juden sagen. Denn: Jude ist kein Schimpfwort.“
Diese Aufmunterung richtet Autorin Alexia Weiss an alle jene, die sich scheuen, die Worte Jude bzw. Jüdin auszusprechen. Oftmals ist von „jüdischen Bewohnern“ die Rede, was für die Autorin nach Kategorisierung klingt.
Bewohner einer Stadt sind alle jene, die dort wohnen. Punktum!
Mit diesem Buch wünscht sie sich einen sorgfältigeren Umgang mit der Sprache. Vieles ist unbewusst, wie zum Beispiel der Gebrauch des Buchstabieralphabets, das in Österreich nach wie vor Siegfried und Zeppelin (selten auch Zürich) beinhaltet. In Deutschland wurde „Samuel“ bzw. „Zacharias“ amtlich festgelegt. Da ich häufig buchstabiere, werde ich dies ab sofort beherzigen.
Alexia Weiss (also Wilhelm - Emil - Ida - Samuel - Samuel) zeigt durch ihre Interviews mit sieben Jüdinnen und Juden wie breit das Spektrum des Glaubens und der Lebensweise innerhalb der israelischen Kultusgemeinde ist. Von einer streng orthodoxen Jüdin über Rabbiner bis hin zu einer Organisatorin von queeren israelischen Musikfestivals. Der eine schickt seine Kinder in Selbstverteidiungskurse, damit sie sich im Notfall verteidigen können, der andere ignoriert verbale Angriffe. Allen sieben Interviewten ist gemein, dass sie sich über das Unwissen der Gojim (also aller Nicht-Juden) beklagen. Aufklärung und Bildung könnte ein Weg zum verständnisvollen Miteinander sein, der den Alltag für beide Seiten bereichert.
Meine Meinung:
Dieses Buch zeigt den Alltag der Wiener Juden heute zwischen „Umarmung und Ablehnung“. Es informiert über belastete Orte, über das religiöse Leben und Möglichkeiten, sich zusätzliches Wissen über das Judentum anzueignen. Ich werde, sobald das wieder möglich ist, eine der zahlreich angebotenen Führungen durch das jüdische Wien in Anspruch nehmen. Mehr über das Judentum zu wissen, schadet nie.
Ich selbst bin ja im zweiten Wiener Gemeindebezirk, der Leopoldstadt, aufgewachsen, habe dort zwei Gymnasien besucht und Unterschiedliches wahrgenommen. Und wenn ich das Gebäude meiner Dienststelle in der Nähe des Karmelitermarktes verlasse, bin ich mittendrin im jüdischen Leben Wiens. Jüdische Restaurants, bewachte Gebetshäuser, Supermärkte und natürlich die zahlreichen Stolpersteine, die von der Verfolgung während der NS-Zeit berichten.
Fazit:
Ein sehr interessantes und aufschlussreiches Buch, das zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein Roman, auf den man sich einlassen muss
Lob des Opportunismus von Marek Toman
Der tschechische Autor Marek Toman, von dem ich schon „Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles“ gelesen habe, hat wieder einen Roman, diesmal mit einem ungewöhnlichen Erzähler, verfasst.
Als Erzähler fungiert diesmal ein Palast, der ein wenig eingebildet und hochnäsig wirkt.
Es handelt sich um das Stadtpalais Čzernín, das die gleichnamige Familie am Rande des Hradschins am Loretoplatz errichten hat lassen.
In elegischen Worten schwärmt der Erzähler von seinen Anfängen, vom Jahr 1669 und Graf Humprecht Johann Czernin von Chudenitz, der den italienischen Baumeister Caratti mit dem Bau beauftragt hat. Der Erzähler schwelgt in Erinnerungen an Fechtübungen und verschweigt auch nicht, dass der Palast bald ein einsames Dasein führt, denn die Familie hält sich lieber am Kaiserhof in Wien auf. So beleibt der Palast häufig unbewohnt, wird mehrmals durch Kriege beschädigt und geplündert. Dann später dient er als Kaserne und wird seiner barocken Struktur beraubt und in einen Profanbau verwandelt, der sogar als Waisenhaus herhalten muss. Diesen Niedergang berichtet der Erzähler mit wehmütigem Seufzen.
Dann, nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 kommt so etwas wie Aufbruchstimmung. Unter Präsident Tomas Masaryk wird der Palast zum Außenministerium, um nach der Annexion durch das NS-Regime dem Reichsstatthalter Reinhard Heydrich als Residenz zu dienen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird es Zeuge des „Dritten Prager Fenstersturzes“ am 10. März 1948, bei dem der damalige Außenminister Jan Masaryk unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen aus dem Fenster fiel. Über die Ereignisse jener Nacht macht sich der Palast so seine eigenen Gedanken.
Heute ist das Palais Čzernín Sitz des Außenministeriums der Tschechischen Republik.
Diese wechselvolle Geschichte des Palastes erfährt der geneigte Leser in wohl
gesetzten Worten. Nicht alle Geheimnisse des Gebäudes werden gelüftet und nicht alle geschichtlichen Ereignisse werden mit der gebotenen Neutralität betrachtet. Doch das darf sein, denn der Erzähler ist ein Überbleibsel aus längst vergangenen, manchmal glorreichen, Tagen.
Sehr interessant ist auch der Flirt mit der Loreto-Kapelle, die dem Palast gegenüber steht, aber seine Zuneigung nicht erwidert.
Fazit:
Ein Roman auf den man sich als Leser einlassen muss. Mir hat er gefallen, daher Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Kritisch + wichtig
Medienanalyse von Sabine Schiffer
In diesem Buch beleuchtet Sabine Schiller die Macht der Medien, die stetig Einfluss auf unser Leben nehmen.
In fünf großen Abschnitten erläutert sie, unterlegt mit Beispielen und Gegenmaßnahmen, wie man als Leser die Mechanismen der Medien durchschauen kann:
Theoretisch Grundlagen und Vorüberlegungen
Praxis der Medienanalyse
PR-Strategien erkennen
Hintergrundwissen Medien
Ausblick am Schluss: Von der Anleitung zur Anwendung
Anhand von vielen Bespielen, die auch mit Fotos hinterlegt sind, erklärt uns die Autorin die Macht der Medien, die uns unbewusst und unterschwellig beeinflusst.
Ach ja, die Fotos - die sind leider mehr als schlecht abgedruckt. Zu stark gerastert, oft schlecht erkennbar. Da hätte sich der Westend-Verlag ein bisschen mehr Mühe geben können (müssen). So wirkt das an sich lesenswerte Buch ein wenig hingeschludert und billig, obwohl es das mit einem Kaufpreis von 20 Euro nicht ist.
Als Ergänzung im Deutschunterricht an Gymnasien kann ich mir dieses Buch sehr gut vorstellen.
Fazit:
Ein gut gelungenes, informatives Buch, das den Lesern Werkzeuge in die Hand gibt, die Manipulationen der Medien zu durchschauen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne. Die schlechte Druckqualität der Fotos kosten den 5. Stern.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine widersprüchliche Person
Zwischen den Welten von Siegfried Hetz
Siegfried Hetz ist vielen Lesern als Autor zahlreicher Reiseführer durch das Land Salzburg bekannt.
Diesmal hat er sich, nach Engelbert Dollfuss, wieder einer umstrittenen Persönlichkeit Österreichs angenommen: Dr. Burghard Breitner, seines Zeichens Mediziner, der von einem Teil der Bevölkerung als „Engel von Sibirien“ verehrt wurde und es dennoch, trotz jüdischer Herkunft, nicht geschafft hat, sich vom nationalsozialistischen Gedankengut zu befreien.
Wer ist er nun dieser Dr. Breitner?
1884 in Mattsee, dessen „Geschichte eine Geschichte von braunen Bonzen in herrschaftlichen Villen ist“ (© Siegfried Hetz/2016) geboren, studiert er Medizin und rückt begeistert 1913 in den Balkankrieg ein. Schon nach wenigen Tagen an der Front landet er „unverwundet“ in russischer Kriegsgefangenschaft. Dies ist nach seinen Ehrbegriffen eine Schande. In einem sibirischen Lager leistet medizinische Hilfe, soweit das mit den beschränkten Mitteln möglich ist. Erst 1920 wird er aus dem Kriegsgefangenenlager entlassen und kehrt in ein völlig anderes Österreich zurück.
Bereits 1932 tritt er der NSDAP bei, die er nach deren Verbot 1934 wieder verlässt. 1939 wird er wieder in die Partei eintreten. Dieser Ein- und Austritt sowie der Wiedereintritt wirft ein schräges Licht auf Breitner. Vor allem, wenn man weiß, dass niedrige Mitgliedsnummern während der NS-Zeit (und auch später) eine große Bedeutung haben. Wobei es verwunderlich ist, dass er wieder in die Partei aufgenommen worden ist. Um eine große Karriere zu machen, benötigt er den „großen Ariernachweis“, den er nicht beibringen kann. Ganz im Gegenteil, er sollte 1938 gemäß des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (1933)“ mit nur 54 Jahren in den Ruhestand geschickt werden. Durch Intervention wird er 1941 „deutschblütigen Personen“ gleichgestellt und sofort eingezogen. In diversen Lagern ist er an Menschenversuchen beteiligt.
Diese Beteiligung an NS-Verbrechen wird ihm 1946 (wie schon 1938) abermals den Lehrstuhl für Chirurgie an der Universität Innsbruck kosten. Er behauptet,
„Das nationalsozialistische Regime hat mich in seinen führenden Vertretern keineswegs als Gesinnungsgenossen gewertet. Ich war nur geduldet, von Vielem ausgeschlossen, in nichts gefördert.........In dem Bewusstsein, kein Parteimitglied zu sein und keins sein zu wollen, sah ich mich als unentwegter Österreicher, der die nationalsozialistischen Doktrinen schärfstens abgelehnt hat, nicht bemüssigt, auch nur in Nebensächlichkeiten meine Person politisch bemerkbar zu machen.“(S.131)
Die schriftlichen Beweise über seine Mitgliedschaft in der NSDAP wiegen schwer. Und dann geschieht das, was häufig passiert: Man sieht letztendlich darüber hinweg. So kommt es, dass Burghard Breitner 1951 als Kandidat des „Verbandes der Unabhängigen“ (VdU) als Gegenkandidat zu Theodor Körner (SPÖ) und Heinrich Gleißner (ÖVP) zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt wurde.
1956 stirbt Burghard Breitner, der sich Zeit seines Lebens auch als Dichter verstanden hat.
Meine Meinung:
Der Text auf der Rückseite des Buches fasst die ambivalente Persönlichkeit des Burghard Breitners recht gut zusammen:
"Habe ich bestanden?" Die bange Frage stand brennend über seinem Leben und ist in seinen Grabstein gemeißelt. Deutschnational bis in die Knochen, jüdischer Abstammung, Nietzsche verfallen und von Otto Weiningers Geschlecht und Charakter aufgerüttelt – ständig bewegte sich Burghard Breitner zwischen den Welten. Dem Rot-Kreuz-Gedanken über 50 Jahre aufs Innigste verbunden, schaffte er es dennoch nicht, sich vom menschenverachtenden System des Nationalsozialismus ausreichend zu distanzieren.“
Autor Siegfried Hetz gelingt es, durch seine akribische Spurensuche ein plastisches Bild dieses Mannes zu zeichnen und die Widersprüche seiner Person heraus zu arbeiten.
Fazit:
Das Buch ist nicht ganz einfach zu lesen, was vor allem an der kleinen Schrift liegt. Zahlreiche Fotos und Faksimiles ergänzen diese Biografie. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von heinoko:
Viel Wind um ... ja, um was eigentlich?
Sommernacht von Foley Lucy
Das Buch macht viel Wind um sich selbst. „Spektakulär“ soll es sein. Ein „sensationeller Thriller“ soll es sein. Nun ja, in Wirklichkeit erschien mir der Thriller eher einer von der ruhigen Sorte, gut lesbar ja, aber streckenweise ermüdend langsam im Erzählen. Die Geschichte verwendet einen Plot, den man schon besser und spannender von anderen Autoren umgesetzt lesen durfte.
Da werden einige unterschiedlichen Menschen an einem abgelegenen Ort einer unbekannten Bedrohung ausgesetzt bis hin zum Mord. Und der Mörder muss unter ihnen sein.
Die Stärke des Buches ist eindeutig die teils lyrisch eindrückliche Schilderung des Handlungsortes, nämlich die abgelegene kleine Insel Cormorant Island, im Atlantik vor der irischen Küste gelegen. Es gibt gefährliche Klippen und ein ebenso gefährliches Torfmoor. Ein teils verfallener Friedhof erzählt von vielen Toten in der Vergangenheit. Jetzt leben nur noch Aoife, von Beruf Hochzeitsplanerin, und Freddy, leidenschaftlicher Koch, auf dieser winzigen Insel. Und zum ersten Mal soll nun eine Hochzeit auf dieser Insel gefeiert werden, mit allem denkbaren Luxus, der dem Brautpaar würdig ist. Jules heiratet Will, einen gefeierten Fernsehstar. Nur eine Handvoll Gäste werden an der Zeremonie und anschließenden Feier teilnehmen. Das Wetter wird zunehmend schlechter. Sturm kommt auf mit viel Wind natürlich. Der Strom fällt zeitweilig aus. Die Gäste benehmen sich zunehmend schlechter. Eine Leiche wird gefunden…
Was nun macht den Thriller eigentlich so langatmig? Vielleicht sind es die vielen Ich-Erzähler, die wechselnd ihre Sicht des Erlebens schildern. Vielleicht sind es die winzigen Gegenwartssequenzen, die von Mal zu Mal das kontinuierliche Lesen stören. Vielleicht sind es die teils ausufernden Berichte über die Interaktionen in der Freundesgruppe rund um den Bräutigam. Vielleicht ist es auch einfach die Tatsache, dass es auf dieser Insel einfach zu viele kaputte, nervige, gestörte und extrem unsympathische Akteure gibt, die sich ständig daneben benehmen. Einzig das zunehmend bedrohliche Naturambiente, das Sturmgetöse, das Brüllen des Meeres, was Lucy Foley wirklich großartig und eindrucksvoll beschreibt, lässt eine schaurige Stimmung entstehen. Wenn man ungefähr 300 Seiten durchhält, wird man allerdings durch ein wirklich spannendes, beeindruckend überraschendes Ende belohnt.










