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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Ein gelungener Reihenauftakt

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch

Oliver Pötzsch, Autor von zahlreichen historischen Krimis entführt uns in das Wien des Fin de Siècle. Es ist die Zeit der krassen Gegensätze zwischen arm und reich, der Großbürgertums, des Antisemitismus unter Bürgermeister Karl Lueger sowie der rasanten Modernisierung, die auch vor der Polizei und ihren Ermittlungsmethoden nicht Halt macht.

Leopold von Herzfeldt, ein junger ehemaliger Untersuchungsrichter, kommt im Herbst des Jahres 1893 nach Wien, um hier als Inspektor beim Wiener Sicherheitsbüro zu arbeiten. Man hat ihn in die Hauptstadt der Habsburgermonarchie entsandt, um die neuen Ermittlungsmethoden, die in Graz von Professor Gross, dem Begründer der Kriminalistik, entwickelt worden sind, zu etablieren.

Nun, die Beamten des Sicherheitsbüros sind von dem forsch auftretenden jungen Kollegen, der noch dazu hochdeutsch spricht statt wienerisch, so gar nicht angetan. Außerdem sorgt seine Herkunft aus einer wohlhabenden jüdischen Familie für ständige Konflikte.

Bei seiner Ankunft treibt ein Serienmörder, der es auf junge Dienstmädchen abgesehen hat, sein Unwesen. Die Frauen werden nicht nur einfach ermordet, sondern post mortem gepfählt. Wer hat einen solchen Hass auf Frauen, dass er sie gleichsam „übertötet“?

Meine Meinung:

In diesem historischen Krimi spielt Oliver Pötzsch seine ganze Klasse aus. Geschickt verwebt er historische Fakten mit Fiktion. Er schickt Ermittler und Leser gleichermaßen in diverse Sackgassen. Der Showdown am Ende ist elegant und gekonnt herbeigeführt.

Wie schon in seiner Henkerstochter-Reihe sind die Charaktere liebevoll gezeichnet, auch wenn sie echte Ungustl sind. Neben dem sympathischen Ermittler Herzfeldt, der in seinem jugendlichen Elan die alteingesessenen Beamten mehrmals vor den Kopf stößt, gibt es mit dem Totengräber Augustin Rothmeyer und dem Telefonfräulein Julia Wolf zwei spannende Figuren geschaffen. Julia kann von dem mageren Gehalt als Telefonistin im Sicherheitsbüro kaum überleben und verdingt sich nächtens in einem zwielichtigen Lokal als Tangotänzerin und Sängerin.

Die Gegenspieler Herzfeldt sind neben dem Mörder sein Kollege, der Antisemit Oberinspektor Leinkirchner sowie beider Vorgesetzte, der sein eigenes Süppchen zu kochen scheint.

Selbst die kleinsten Rollen wie Herzfeldts neugierige Zimmere sind authentisch dargestellt. Spannend sind auch die innerfamiliären Querelen des Walzerkönigs Johann Strauss. Hier geht es, wie häufig, um Geld.

Als Wienerin, die ein Faible für die Geschichte und Geschichten ihrer Stadt hat, habe ich zahlreiche Orte, die in diesem Buch eine Rolle spielen, wieder erkannt. Oliver Pötzsch hat die Stimmung dieser Zeit bestens eingefangen. Die Verflechtung von Adel und Politik in das (organisierte) Verbrechen sind sehr gut dargestellt.

Sprachlich ist dieser Krimi, wie alle Bücher des Autor, ein Genuss. Obwohl Münchener, versteht er es, seine Figuren im authentischen Wiener Dialekt sprechen zu lassen. Für Leser aus Deutschland empfehle ich ein Glossar, denn manche Ausdrücke sind vielleicht nicht so geläufig.

Fazit:

Diesem historischen Krimi, der den Auftakt einer Reihe bildet, gebe ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Beste Krimiunterhaltung

Donau so rot von Thomas Baum

Das ist mein erster Krimi mit dem eigenwilligen, aber sympathischen Chefinspektor Robert Worschädl.

Worschädl und seine Frau Kaoline, eine Psychotherapeutin, feiern ihre Silberne Hochzeit. Während Karoline von einer Karibik-Kreuzfahrt träumt, kann sich der bodenständige Worschädl gerade einmal zu einer dreitägigen Schifffahrt auf der Donau durchringen, zumal ihn neben der Unbequemlichkeit einer Flugreise auch die horrenden Kosten abschrecken.

Dass dem Jubelpaar auf der Reise von Linz nach Bratislava nicht langweilig wird, dafür sorgt schon Fußballpräsident Breitwieser, der just während der Feier zu seinem 60. Geburtstag tot in der Nachspeise landet.

Robert Worschädl schaltet augenblicklich vom „Privatmann“ in den Modus des Chefinspektors um und beginnt zu ermitteln. Der Geruch von Bittermandeln weist den Weg zu einem gewaltsamen Tod. Doch wer ist der Mörder? Da das Schiff nirgends angelegt an, ist der Täter noch an Bord ....

Meine Meinung:

Mit Robert Worschädl hat Autor Thomas Baum einen sympathischen Ermittler geschaffen. Auf den ersten Blick wirkt Worschädl tollpatschig und ungelenk, da er ein paar Kilos zu viel auf die Waage bringt. So mancher Krimineller hat ihn schon unterschätzt und damit eingefahren. Gemeinsam mit Kollegin Sabine Schinagl hat er eine hohe Aufklärungsquote. Sein Vorgesetzter Stefan Schweitzer hat manchmal zwar seine liebe Not mit Worschädl, der die Vorschriften hin und wieder „situationselastisch“ auslegt. Doch der Erfolg gibt Worschädl recht. Schweitzer ist als Chef leider nicht so souverän wie als Polizist.

Die Charaktere haben so ihre Ecken und Kanten. Gut gefallen hat mir, wie Sabine in ihrem Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann, diesen vor Gericht eiskalt auflaufen lässt.

Entzückend finde ich, dass einige Gedanken aus Sicht eines ewig getretenen Fußballs geschrieben sind. Alle Kapitelüberschriften haben etwas mit Fußball zu tun: Corner, Freistoß oder Foul.
Trotz aller humorvollen Einlagen - wie etwa Worschädls Bad in der eiskalten Donau - nimmt sich der Autor eines ernsten Themas an: Wettbetrug und Spielmanipulationen im Fußball. Und da geht es nicht um die bekannten Vereine in der Bundesliga, sondern um die unbedeutenden Unterklassen des (nicht nur) österreichischen Fußballs.

Der Schreibstil ist locker und der Krimi lässt sich gut an Deck eines Donaukreuzfahrtschiffes lesen.

Fazit:

Das Buch hat mich bestens unterhalten. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Beste Krimiunterhaltung

Kalter Kristall von Thomas Baum

In seinem zweiten Krimi mit Chefinspektor Robert Worschädl und Sabine Schinagl lässt der Autor die beiden ohne Wissen des Chefs jenseits der Staatsgrenze in Tschechien ermitteln. Warum eigentlich?

Während einer Wanderung mit Ehefrau Karoline stößt Robert Worschädl auf eine verkohlte Frauenleiche, die als Eliska Cerny, Prostituierte des dubiosen „Flat-Rate-Puffs“ von Harry Kovac identifiziert wird.

Als Worschädl und Schinagl erfahren, dass die Tote einen minderjährigen Sohn hat, der verschwunden ist, machen sie sich auf die Suche nach Jakub.

Es gibt zahlreiche Spuren, doch welche führt zum Ziel? Eine davon ist, neben dem Puff ein Asia-Laden, der neben Reis und Sojasauce noch andere Spezialitäten verkauft. Eine andere bringt die beiden Ermittler in den Wellnesstempel von Clemens Wiesbauer sowie zu dessen Bruder, dem rollstuhlfahrendem Rallye-As Florian, der Eliska sehr gut gekannt hat.

Als Karoline in Linz überfallen und bös zugerichtet wird, lässt er alle guten Vorsätzen fallen und aktiviert wieder seinen unorthodoxen Ermittlermodus. Dass dies weder bei seinem ehrgeizigen Chef Stefan Schweitzer noch im Innenministerium gut ankommt, versteht sich von selbst.

Meine Meinung:

Auch dieser zweite Fall für Worschädl & Schinagl hat mir wieder ausgezeichnet gut gefallen. Neben den Einblicken in ihre Arbeit dürfen wir auch wohl dosiert an ihrem Privatleben teilhaben.

Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Da ich erst im April selbst in den Bezirken Rohrbach und Freistadt unterwegs war, habe ich mich über die Beschreibung der kurvenreichen Straßen amüsiert. Ja, doch, manche Einheimische (Männer wie Frauen) fahren Rallye, wenn sie die Kinder in die Schule bringen oder den täglichen Einkauf erledigen.

Über den im Wellnesstempel urlaubenden und nörgelnden Landesrat musste ich recht herzlich schmunzeln. Dass der dann (angefüttert durch ein Zimmer-upgrade und ähnliche Guttis) zugunsten der Wiesbauer-Brüder im Innenministerium interveniert, ist leider ein typisches Beispiel der österr. Bürokratie. Während sich Stefan Schweitzer davon beeindrucken lässt, zuckt Worschädel nur mit den Schultern und ermittelt einfach weiter.

Wie von Thomas Baum gewöhnt, ist der Schreibstil sehr flüssig und angenehm zu lesen.
Der Kriminalfall ist bestens durchdacht und dicht gewebt. Die vielen kurzen Kapitel bringen Abwechslung und animieren (passt zum Puff) die Leser zum stetigen Weiterlesen. Von Beginn an spannend, undurchsichtig und manchmal auch erschütternd, gibt es eine stimmige Auflösung. Der Leser wird, wie die Ermittler, in so manche Sackgasse gelotst.
Auch diesmal widmet sich der Autor einem ernsten Thema: der florierenden Drogenerzeugung im Nachbarland.

Fazit:

Ein Krimi, der nicht nur durch seine hervorragend durchkomponierte Handlung, sondern auch durch den schwarzen Humor besticht. Gerne gebe ich auch hier 5 Sterne.

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Fesselnd bis zur letzten Seite

Tod in Brügge von Marvin Entholt

Dieser Krimi fällt ein wenig aus dem üblichen Rahmen. Wieso?

Claire van de Velde, eine alleinerziehende Mutter mit ständig schlechtem Gewissen, erhält die Leitung über das Morddezernat zugesprochen auf die ihr Kollege Vincent sowie ihr Ex-Freund Marc gespitzt haben. Besonders Vincent kann mit dieser Niederlage nicht gut umgehen.

Die erste Bewährungsprobe lässt auch nicht lange auf sich warten. Binnen weniger Tage werden drei Frauen erstochen. Allen ist gemeinsam, dass sie einen helfenden Beruf haben, mit dreizehn Messerstichen getötet worden sind und auf ein und demselben Online-Partnersuchportal nach dem Mr. Right gesucht haben.

Es ist ausgerechnet jene Datingplattform auf der auch Claire, zwar nicht den Traummann aber einen Sexpartner sucht. Es meldet sich ein dominanter Typ, der sie nächtens auf öffentlich Plätze bestellt und dort mehr oder weniger wortlosen, aber nahezu brutalen Sex mit Claire hat. Hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Befriedigung muss Claire tagsüber einen Mörder fangen, der wie ein glitschiger Aal nicht zu fassen ist.

Nebenbei macht Vincent ihr das Leben schwer. Erst als Jasper, das EDV-Genie illegal in der Datingplattform stochert, kommen sie dem Täter näher. Claire ist immer in Gefahr, dass ihr gefährliches Privatleben auffliegt. Trifft sie sich mit einem Mörder? Wird sie selbst auch zum Opfer?

Meine Meinung:

Die verwinkelte Altstadt von Brügge mit ihren Nischen und kleinen Parks eignet sich perfekt für das Szenario.

Auf die Leser wartet ein fesselnder Krimi, in dem hin und wieder kleine Glaubwürdigkeitsmängel auftauchen. Dass Claire einen Ausgleich zwischen Beruf und Muttersein braucht, versteht man als Leser sofort. Beides ist fordernd. Ein bisschen ein Problem habe ich, wenn sie sich wissentlich in Gefahr begibt. Als Polizistin sollte sie ja wissen, dass die Spinner und Mörder nicht aussterben.
Natürlich werfen die sexuellen Kontakte in der Öffentlichkeit (auch wenn es Nacht ist), das Kopfkino an. Sex im Freien, wo man jederzeit ertappt werden kann, gibt so manchem Paar erst den richtigen Kick.

Interessant ist, Claire zuzusehen, wie sie abwägt, ob der Mann der Mörder ist und ob sie selbst gefährdet sein könnte. Diese Zweifel, die sie mit Freundin Emma bespricht, sind gut dargestellt. Da kommt ziemlich Spannung auf. Claire wirkt ziemlich zerrissen, doch dann zieht sie ihr Ding durch.

Fazit:

Ein ungewöhnlicher sowie spannender Krimi, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

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Eine gelungene Fortsetzung

Die Richterin und das Ritual des Todes von Liliane Fontaine

In ihrem nunmehr 4. Fall muss sich die französische Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt zwei Episoden aus ihrer Vergangenheit stellen: Die eine ist ihre 6-monatige Schulzeit im Chateau des Cigales, einem noblen Internat, und das andere ist das Wiedersehen mit einem Ex-Freund, der nun dort Lehrer ist.

Es schwebt das Damoklesschwert der Befangenheit über Mathilde ...

Doch zurück zum Anfang:

Der augenscheinliche Reitunfall, bei dem Patricia, eine 17-jährige Schülerin des Chateaus ums Leben kommt, stellt sich bei näherer Betrachtung als kaltblütiger Mord heraus. Also müssen Mathilde, Felix und Rachid die Ermittlungen aufnehmen. Die Gespräche mit den Schülern fördern wenig zu Tage. Patricia sei nett, umgänglich, hilfsbereit gewesen und ja, eine sehr gute Schülerin und eine Pferdenärrin. Mehr wisse man nicht zusagen.
Als sie unter den Lehrkräften ihren Ex-Freund entdeckt, muss sie sich der Frage nach einer eventuellen Befangenheit stellen, worauf eine Abgabe der Ermittlungen folgen müsste. Rashid, der zu einem guten Freund geworden ist, bestärkt sie, weiter zu ermitteln.

Dann gibt es mit dem beliebten Sportlehrer einen weiteren Toten und die Ermittler erfahren, dass vor einigen Jahren ein Schüler an einer Herzkrankheit gestorben ist. Für Mathilde und ihr Team sind das zu viele Zufälle. Deshalb wird Brigadier Coralie Mollard, die sich im Vorgängerband gut eingeführt hat, mit Billigung des Schuldirektors, dem der gute Ruf seiner Schule über alles geht als Aushilfssportlehrerin eingeschleust.

Wird es Coralie gelingen, die Mauer des Schweigens unter den Schülern zu durchbrechen?

Meine Meinung:

Wer nie in einem Internat war, wird die absurden Rituale kaum verstehen, denen Schüler ausgesetzt werden. Der Gruppendruck und die Angst als Außenseiter dazustehen, verleitet viele Jugendliche, sich auf so etwas einzulassen.

Wie seine Vorgänger ist der Krimi in einem angenehmen Erzählstil gehalten. Daneben erfährt der Leser ganz nebenbei einiges aus der Geschichte der Provence.
Mit Martin, dem deutschen Historiker machen die Entdeckungsreisen recht viel Spaß - kulinarische Genüsse inklusive.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

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gelungener Auftakt zu einer neuen Serie

Die Totenärztin: Wiener Blut von René Anour

René Anour entführt uns in das Wien von 1908. Es ist die Zeit des Fin de Siècle und des Großbürgertums. Erst seit 1900 dürfen Frauen Medizin studieren und so ist unsere Heldin Fanny Goldberg eine der ersten promovierten Medizinerinnen. Wenn sie wenigstens als Kinderärztin praktizieren würde, aber nein, sie hat sich in den Kopf gesetzt, Pathologin zu werden und „den Toten, um die sich niemand kümmert, eine Stimme zu geben“.

Doch da Medizin im Allgemeinen und die Gerichtsmedizin im Besonderen eine reine Männerdomäne ist, bleibt ihr nur die undankbare Arbeit als Prosekturgehilfin.

Als eine männliche Leiche auf dem Sektionstisch landet, stellt Fanny ein paar Ungereimtheiten fest: Der Mann ist wie ein Obdachloser in stinkende Kleidung gehüllt, ist aber gleichzeitig wohlgenährt und hat manikürte Hände. Heimlich obduziert sie diese Leiche und auch die nächste, eine Frau aus höheren Kreisen, was ihr den Verlust des Arbeitsplatzes einbringt, denn höhergestellte Personen werden einfach nicht obduziert.

Neugierig wie sie ist, will sie dem Geheimnis, die die beiden Toten umgibt nachgehen, denn beide Leichen haben mehr eine Gemeinsamkeit. Immer tiefer dringt sie in die Machenschaften eines als Graf Waidring bekannten Mannes ein und gerät dadurch in Gefahr. An ihrer Seite steht Tilde, ihre beste Freundin, und Max Meisel, bei dem sie nicht sicher sein kann, ob er Freund oder Feind ist.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman, der vor der Kulisse des bereits erodierenden Habsburgerreich spielt, ist bestens gelungen. Autor René Anour schafft es, die Atmosphäre glaubhaft darzustellen. Überall ist der Aufbruch in die Moderne zu spüren: Es gibt elektrische Trambahnen, vereinzelt Automobile und immer mehr Frauen legen das Korsett ab. Federführend ist hier Emilie Flöge, die mit ihren „Reformkleidern“ eine neu Mode kreiert. Während sich rundherum einiges ändert, bleibt in den Köpfen der meisten Männer alles beim Alten. Frauen sind schmückendes Beiwerk, sollen sittsam sein, ihr hübsches Köpfchen nicht überanstrengen und sich vorrangig um den Ehemann, Haushalt und Kindern widmen.
Im teilweise jüdischen (Groß)Bürgertum erhalten zwar Mädchen eine fundierte Ausbildung, die über Klavierspielen, sticken und stricken hinausgeht, aber spätestens bei der Heirat ist damit Schluss. Fanny Goldmann verkörpert als moderner Frauentyp das genaue Gegenteil und eckt damit beinahe überall an. Bei der Verwandtschaft wie Tante Agathe genauso wie bei ihrem Chef, Prof. Kuderna und der Polizei. Auch Clemens Valdery, einer der beiden Ärzte, denen sie als Prosekturgehilfin zugeteilt ist, macht keinen Hehl aus seiner Abneigung.

Der Autor hat viel Zeit und Energie in die Recherche gesteckt. Der Schreibstil ist angenehm, humorvoll und sprachlich ausgefeilt. Die Handlung ist gut durchdacht und die Dialoge glaubwürdig.

Die Charaktere, ob gute oder böse, sind authentisch dargestellt. Sie haben ihre Ecken und Kanten. Selbst Nebendarsteller wie Valdery oder Fannys Cousin Schlomo, der sich Maître François nennt und als Maskenbildner am Burgtheater arbeitet, sind herrlich gezeichnet. Ob wir schon Schlomo/François noch mehr lesen werden? Er wirkt auf mich wie das männliche Pendant zu Fanny. Er geht seinen ungewöhnlichen Weg, auch wenn es ihn den Kontakt zu seiner Familie kostet. Er ist augenscheinlich homosexuell, was zu dieser Zeit verboten ist und strafrechtlich verfolgt wird. Zwar gibt es prominente Vertreter wie Luziwuzi, Erzherzog Ludwig Viktor, den Bruder des Kaisers, doch was bei den Habsburgern toleriert wird, gilt nicht für Bürger.

Der echt fiese Cliffhanger lässt uns ungeduldig auf Band 2, der im Oktober 2021 erscheinen wird, warten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Eine gelungene Fortsetzung

Palais Heiligendamm - Stürmische Zeiten von Michaela Grünig

Dieser zweite Teil der Trilogie rund um das Hotel Palais Heiligendamm beschäftigt sich mit der Zeit zwischen 1922 und 1933, also der Weimarer Republik bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Nach einem langsamen Aufschwung bremst die Weltwirtschaftskrise den Höhenflug des Hotels erneut.

Hoteldirektorin Elisabeth Kuhlmann muss abermals um die Existenz des Hotels fürchten. Doch dann scheint ein Lichtschimmer am Horizont auf: das Hotel wird zur Filmkulisse. Während sich zahlreiche Schauspiellegenden aufhalten, braut sich in der Weltgeschichte neues Unheil zusammen: der Aufstieg der Nationalsozialisten. Paul, in der unglücklichen Ehe mit Helene gefangen, verliebt sich in den SA-Mann Carl, tritt der Partei bei und bringt damit seine Schwester Johanna und ihren Mann, der Jude ist, in höchste Gefahr. Als er erkennt, dass er
von Carl ausgenützt und betrogen wird, ist es fast zu spät.

Dass die SA nicht unbedingt die elitäre Gruppe ist, für die sie sich hält, sieht man daran, wen sie als Mitglied aufnimmt. So gibt es ein Wiedersehen mit Konrad, dem ehemaligen Bediensteten des Hotels, der seinerzeit Minna beinahe vergewaltigt hat und deswegen entlassen wurde. Endlich kann er, als SA-Mitglied, Rache an Minna und den Kuhlmanns üben.

Meine Meinung:

Auch mit diesem zweiten Teil ist Michaela Grünig ein wundervoller historischer Roman gelungen, der dem ersten in nichts nachsteht! Sie schafft es, den Leser voll und ganz in die Goldenen Zwanziger Jahre mitzunehmen, die so golden gar nicht waren. Geschickt flicht die Autorin die politischen Verhältnisse in den Roman ein. Der Kampf der Sozialisten und Kommunisten gegen Monarchisten und Nationalsozialisten wird glaubwürdig dargestellt. Der Antisemitismus, bisher nur verhalten gelebt, kriecht aus allen Löchern. Kaum glaubt man als Leser, endlich ginge es wieder aufwärts, kommt der nächste Dämpfer.

Die Charaktere dürfen sich entwickeln. Nachdem Elisabeth mit den Nazis nichts zu tun haben will, wird Paul Hoteldirektor und macht seine Sache nicht ganz so schlecht wie befürchtet.

Gut gefällt mir, dass der Fokus nicht nur auf Elisabeth und Julius, also auf die Chefetage, liegt, sondern auch die Angestellten wie Minna genügend Platz bekommen.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe. Gespannt warte ich auf den dritten und letzten Teil, der ein endgültiges Ende des Hotels befürchten lässt.

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Spannung bis zur letzten Seite

Der Tintenfischer von Wolfgang Schorlau; Claudio Caiolo

In diesem zweiten Fall für das sympathische Duo, den Sizilianer Antonio Morello und seine Triestiner Kollegin Anna Klotze müssen beide an ihre Grenzen gehen.

Das Corona-Virus hat auch Venedig fest im Griff. Es scheint, als gehörte die Serenissima nur den Einheimischen, wenn, ja, wenn da nicht David, ein junger afrikanischer Flüchtlig wäre, der Selbstmord begehen möchte.

Das können Antonio Morello und Anna Klotze gerade noch verhindern und schlittern mit dieser Hilfeleistung in einen neuen Fall, der Morello ausgerechnet in seine alte Heimat Sizilien führt.

Noch bevor sie sich aufmachen können, Davids Freundin aus den Fängen Mafia zu befreien, müssen sie Trickbetrügern, die in Venedig alte Menschen berauben, das Handwerk legen.

Meine Meinung:

Auch wenn viele Leser das Thema Covid-19 nicht mehr hören können oder darüber lesen wollen, ist die Pandemie ein einschneidendes Ereignis, das auch in der Literatur seinen Eingang findet. Zahlreiche Zeitungen haben ja vom (fast) menschenleeren Venedig berichtet, so dass dies eine grandiose Kulisse für einen Krimi bietet.

Morello, der gebürtige Sizilianer, der gegen seinen Willen, aber zu seiner eigenen Sicherheit in die Lagunenstadt versetzt worden ist, fühlt sich zwar noch immer nicht heimisch, aber er hadert nicht mehr so häufig mit dem Schicksal. Dennoch ist es für ihn selbstverständlich, nach Sizilien zurückzukehren und Davids Freundin zu retten. Dass er damit in die Höhle des Löwen, sprich mitten in das Zentrum des organisierten Verbrechens eindringt, und mehrmals in akute Lebensgefahr gerät, versteht sich von selbst. Die dortigen Kriminellen, deren Tentakel wie von einem Kraken bis in die höchste Politik reichen, spielen in einer anderen Liga. Der Strudel der Machenschaften der Mafia reißt Morello beinahe in den Abgrund.

Der Spannungsbogen ist hoch und verliert sich bis zum Schluss nicht. Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet.

Liebhaber der italienischen Küche finden im Anhang einige interessante Rezepte zum Nachkochen.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der mir schöne Lesestunden verschafft hat. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Beste Krimiunterhaltung

Endstation Waldviertel von Günther Pfeifer

Gemächlich dampft der „Wackelstein-Express“ des Waldviertler Schmalspurbahn-Vereins zwischen Heidenreichstein und Alt-Nagelberg dahin. Es ist sogar Zeit, einen prächtigen Pilz vom Lokführerstand auszumachen und zur Gaudi der Mitreisenden zu brocken. Dass das Schwammerl vom Dangl-Hannes nur zu diesem Zweck versteckt worden ist, wissen die Touristen und eingefleischten Eisenbahnfreaks natürlich nicht.

Doch dann kommt es zu einem folgenschweren Unfall: Der Dangl-Hannes wird vom Wackelsteinexpress gerädert und den Vereinsmitgliedern stellt sich zunächst die Frage, wer denn wohl in Zukunft das Schwammerl verstecken würde. Allerdings ist das nicht die einzige Frage, denn schnell steht fest, dass der Hannes ermordet worden ist. Wieso und warum? Und vor allem von wem?

Mitten drin in den Spekulationen ist der Huber-Hans, den alle - ob seiner Umtriebigkeit - nur den „G‘Schaftl“-Huber nennen, denn der traut dem unbeliebten Dorfsheriff genau gar nichts zu.

Zentrale der Gerüchteküche ist das Dorfwirtshaus der Liesl Lang, einem Urgestein, das durch fast nichts zu erschüttern ist.

„...Da bin ich mein eigener Herr, da schafft mir keiner was an, und zum Leben hab ich genug, mir geht nichts ab, alles andere zahlt sich nicht aus...“
Zur Aufklärung des Gewaltverbrechens schickt das LKA Niederösterreich die äußerst ehrgeizige wie arrogante Dr. Philippa Limbach, die sich schon als zukünftige Polizeipräsidentin sieht, nach Heidenreichstein. An ihrer Seite soll der aus dem Waldviertel stammende Bezirksinspektor Andreas Hajdusic, quasi als Dolmetscher, die wortkargen Einheimischen ausfragen. Limbach und Hajdusic können sich auf den Tod nicht ausstehen und sorgen mit ihrer Antipathie für herrliche Szenen.

Letztendlich hat der „G‘schaftl“-Huber eine zündende Idee: Es muss jemand aus dem Waldviertel Schmalspurbahn-Verein sein. Denn wer kennst sich mit dem Bremsweg des „Wackesteinexpress“ aus?


Meine Meinung:

Dieser Krimi hat alle Zutaten zu einen gelungenen Regionalkrimi. Die Beschreibung der wild romantischen Landschaft, herrlich skurrile Typen und die Sorge, dass der „Wackelsteinexpress“ einer Fahrradtrasse zum Opfer fallen könnte.

Wie wir es von Günter Pfeifer gewöhnt sind, zeichnet sich dieser Krimi durch seine schrägen Charaktere aus. Herrlich ist auch die Beschreibung von Liesl Langs Wirtshaus und den Gästen.

Obwohl es mehrere Motive für den Tod des Dangl-Hannes gibt, dauert es eine geraume Zeit, den Täter ausfindig zu machen. Denn die Ermittler, allem voran die Dr. Limbach, kochen ihr eigenes Süppchen. Günter Pfeifer führt sowohl die Ermittler als auch die Leser einige Male an der Nase herum.

Ich hoffe, dass der „Wackelstein-Express“ noch lange fahren darf. Die Doppelausfahrten in Alt-Nagelberg sind immer wieder ein Erlebnis.

Fazit:

Dieser Waldviertel-Krimi hat mich königlich amüsiert und erhält daher 5 Sterne.

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Hat mich gut unterhalten

Kaiserjagd von Jenna Theiss

In ihrem dritten gemeinsamen Fall bekommen es Chefinspektor Paul Materna und seine Lebensgefährtin die Psychologin und Journalistin Jois Konarek mit dem Tod eines Filmstars zu tun, der hier in Ischl vor der Kamera steht. Wolfgang Jarisch, der Darsteller des Kaisers Franz Joseph, wird ermordet aufgefunden.

Recht schnell wird die Gerüchteküche über aktuelle bzw. verflossene Liebschaften auch „dank“ der aktiven Mithilfe der Klatschreporterin angeheizt.

Während Materna akribisch alle potenziellen Verdächtigen abklappert, keimt in Josi ein anderer Verdacht auf ...

Meine Meinung:

Auch der dritte Krimi rund um das sympathische Ermittlerpaar gefählt durch die gute Beschreibung von Bad Ischl. Man merkt, dass die Autorin sich dort wirklich auskennt. Natürlich fehlen auch touristisch bekannte Orte wie die berühmte Konditorei Zauner nicht.

Wir begegnen wieder einigen bekannten Charakteren wie Rosi, die Ehefrau von Inspektor Heiniger, die eine echte Traschliesl ist, sowie den Dr. Ronacher, der glaubt ein illegitimes Kind eines Habsburgers zu sein. Nicht vergessen natürlich Dackel Poldi, der seinen schönsten Dackelblick aufsetzt, um an die besten Leckerlis zu kommen.

Die Sprache ist für einen Regio-Krimi typisch und auch die österreichischen Eigenheiten fehlen nicht. Das Buch ist flüssig geschrieben und unterhaltsam zu lesen. Die Spannung steigt, der Kreis der Verdächtigen ist dann erstaunlich groß. Ermittler wie Leser werden auf falsche Fährten geführt, die manchmal in Sackgassen enden.

Fazit:

Die spannend und humorvoll erzählte Geschichte garantiert unterhaltsame Lesestunden. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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