Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fesselnd bis zur letzten Seite
Monster von Nele Neuhaus
Der elfte Fall für Oliver von Bodenstein und Pia Sander (ehemals Kirchhoff) verlangt den Ermittlern einiges ab. Immer dann, wenn Kinder oder Jugendliche Opfer von Verbrechen werden, ist das Team des K11 ziemlich dünnhäutig.
Als die 16-jährige Lissy ermordet aufgefunden wird, und Zeugenaussagen sowie DNA-Spuren zu einem Asylwerber hinweisen, lassen Oliver und Pia nichts unversucht, den Asylwerber zu finden, denn der ist wegen einer Vergewaltigung bereits aktenkundig.
Trotz landesweiter Fahndung bleibt der Mann verschwunden.
Wenig später läuft ein halb nackter, schwerst misshandelter Mann panisch vor ein Auto, wird von dessen Fahrer erfasst und stirbt. Die Identität steht bald fest, denn auch dieser Mann ist ein verurteilter Straftäter. Er hat bei einem illegalen Straßenrennen eine schwangere Frau und das ungeborene Kind getötet.
Bei ihren Ermittlungen stoßt Bodensteins Team auf eine Reihe ungeklärter Todes- und Vermisstenfälle, die allesamt verurteilte Straftäter betrifft.
Und dann wird Oliver von Bodenstein Zeuge, wie sich Richter Konstantin Hawelka gemeinsam mit zwei Angeklagten und deren Verteidigern im Gerichtsgebäude in die Luft sprengt, nicht ohne zuvor noch seine Lebenspartnerin Kathrin Fachinger, eine Polizistin aus Bodensteins Team, mit einem gezielten Kopfschuss töten.
»Ich habe vollstes Verständnis für alles, was Sie gerade vorgebracht haben. Bei der Polizei haben wir auch immer wieder mit denselben Tätern und Problemen zu tun. Und ich bin Ihrer Meinung: Man muss das aussprechen dürfen! Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, die Zustände zu verbessern und …«
»Entweder sind Sie ein Idealist oder ein Idiot, Herr von Bodenstein«, unterbrach Hawelka ihn und lachte. »Und beides ist schlecht! Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich war nämlich auch mal ein Idealist.«
Als man Fachingers und Hawelkas Vergangenheit durchleuchtet, kommen ähnlich Biografien zum Vorschein: Fachingers Eltern wurden bei einem Raubüberfall vor den Augen der damals Zehnjährigen ermordet und Hawelkas Familie stirbt bei einem Unfall, den ein sogenannter Gully-Werfer verursacht hat.
Folgender Satz des Richters macht Bodenstein und sein Team stutzig:
«Ich hätte euch niemals kennenlernen dürfen – Wolf, Markus, deinen Bruder und dich. Ihr habt aus mir ein Monster gemacht.«
Verbirgt sich hinter dieser Geiselnahme und Selbstmord etwas viel Schlimmeres?
Meine Meinung:
Dieser ziemlich komplexe Fall zehrt an den Nerven der Ermittler. Die Gefahr eines Ermittlungsfehlers ist greifbar nahe. Zumal die Bevölkerung zuerst gegen Asylwerber und Ausländer hetzt, sich dann aber auf Lissys Mathe-Lehrer einschießt, der sie angeblich sexuell belästigt hätte. Daher wird eine kompetente Ermittlern aus Düsseldorf zur Verstärkung geholt. Die Sicht von außen bringt andere Ideen, ändert den Blickwinkel und kann verfahrene Situationen entschärfen.
Neben den Emotionen, die bei den Ermittlern hochgehen, erhalten wir Einblick in Lissys Familie sowie in Saras Gedanken. Sara ist Lissys beste Freundin und fühlt sich von ihr hintergangen, weil sie von Lissy nicht in ihre letzten Geheimnisse eingeweiht war. Daher versucht sie, auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen.
Sowohl Bodenstein als auch Sander sind durch private Probleme belastet. Vor allem Pia Sander muss sich entscheiden, ob sie ihrem Mann Christoph ein Jahr nach Afrika folgt und wie es mit ihrer dementen Mutter weitergehen soll. Pflegeheim oder 24-Stunden-Hilfe oder weiterwursteln wie bisher? Ausgerechnet Pias Ex-Mann Prof. Kirchoff findet eine passable Lösung.
Wie wir es von Nele Neuhaus gewöhnt sind, ist auch dieser Fall packend erzählt. Die Autorin schaut auch dem Volk „aufs Maul“. Die folgenden Worte aus Richter Hawelkas Mund sind nicht von der Hand zu weisen.
»Ein Mordopfer ist für immer tot. Ein Mensch, der von einem Raser getötet wurde, ist für immer tot. Kinder sterben. Eltern sterben. Familien werden für immer zerstört«, sagte er. »Die Täter sind aber nach ein paar Jahren – oder sogar sofort – wieder auf freiem Fuß. Das ist nicht gerecht. Wer denkt an die Opfer und ihre Familien? Allein im letzten Jahr wurden hier in Frankfurt sieben hochgefährliche Straftäter wegen zu langer Verfahrensdauer aus der Untersuchungshaft entlassen! Fünf von ihnen wurden nur wenige Stunden oder Tage nach ihrer Entlassung sofort wieder straffällig. Keiner dieser sieben Straftäter hatte die deutsche Staatsbürgerschaft, aber das sei nur am Rande angemerkt.«
Der eine oder andere wird sicher ähnliche Gedanken haben. Vermutlich auch einige Polizisten, denn nichts ist frustrierender, als wenn Täter endlich überführt sind und beim anschließenden Gerichtsverfahren mit Hilfe von Winkeladvokaten entweder überhaupt frei gehen oder nur zu geringen Haftstrafen verurteilt werden.
Die Charaktere entwickeln sich weiter. Auch wenn sich das eine oder andere Mal ein Mitglied der Truppe für eine Auszeit verabschiedet, bleibt das Stammpersonal dasselbe. Es scheint, als würde der nächste Fall ohne Pia Sanders gelöst werden. Aber, das werden wir bestimmt bald erfahren ...
Fazit:
Ein spannender 11. Fall, der durch einen hohen Spannungsbogen zu fesseln weiß. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Alais:
Ein wunderbares Leseerlebnis mit Magie, Abenteuern in der historischen Welt des Indischen Ozeans im Mittelalter und ganz viel Frauenpower
Die Abenteuer der Piratin Amina al-Sirafi von Shannon Chakraborty
Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht und verzaubert. Schon die großzügige Gestaltung macht Freude: mit einer Karte in der vorderen Buchinnenklappe, umfangreichen Anmerkungen der Autorin zu ihrer Recherchearbeit, einem kleinen Glossar und einem hübschen Bild in der hinteren Buchinnenklappe.
Die Autorin beschreitet ganz eigene Wege im Fantasy-Genre, präsentiert die seltsamsten Wesen, von denen ich trotz langjähriger Fantasy-Liebe noch nie gehört hatte, ungewöhnliche Helden und Heldinnen mit altersbedingten Schwächen, Bösewichte mit hervorragendem Gruselfaktor oder auch mal hinreißend komisch in ihrer Selbstverliebtheit und mit der mittelalterlichen Welt des Indischen Ozeans auch einen weitestgehend realen, aber mir völlig unbekannten und daher für mich umso spannenderen Handlungsort.
Worum es geht: Die Piratin Amina, alleinerziehende Mutter und eigentlich eine „Banditin im Ruhestand“, möchte nach Jahren des Rückzugs doch noch einmal zu einer großen Reise aufbrechen, um die entführte Enkelin einer mächtigen und nicht ganz ungefährlichen Großmutter zu retten. Doch dazu muss sie zunächst einmal ihr Schiff und ihre Crew befreien …
Amina ist eine großartige Hauptfigur: aufbrausend, mit einem herrlich trockenen Humor sowie einem großen Herzen gesegnet, im mittleren Alter, was für Fantasy-Heldinnen ja eher ungewöhnlich ist, und, ebenfalls eher ungewöhnlich in der Fantasy-Literatur, wie die Autorin selbst eine liebevoll gläubige Muslimin. Ihre bunt gemischte Crew liegt ihr sehr am Herzen und sie ist bereit, wie eine Löwenmutter für sie zu kämpfen. Mit einigen von ihnen, wie der giftmischenden Dalila oder dem Katzenfreund Tinbu, hat sie schon so manches Abenteuer bestanden, sodass ich anfangs sogar kurz den Eindruck hatte, dass es Vorgänger-Bände geben könnte. Amina und ihre Crew beeindruckten und begeisterten mich nicht nur durch ihre ausgeprägten Charaktere und liebenswerte Seltsamkeit, sondern vor allem dadurch, dass sie einander nicht im Stich lassen und sich immer wieder den gefährlichsten Situationen stellen, auch wenn die Lage hoffnungslos erscheint.
Das Eintauchen in diese exotische Welt war für mich zunächst eine Herausforderung, aber die Erzählung packte mich schnell mit ihrem Mix aus Abenteuern, Gruselmomenten, ganz viel Action, Humor, Frauenpower und Magie. Der Autorin fielen immer wieder neue überraschende, aber überzeugende Wendungen ein. Dem Piratenteam fällt nichts in den Schoß, sie müssen sich alles hart erkämpfen und auch Niederlagen einstecken. Wie die Autorin in ihren Anmerkungen im hinteren Teil des Buches verrät, griff sie bei ihren Recherchearbeiten zu diesem Buch unter anderem auf ein Gaunerhandbuch mit hilfreichen Gaunertricks aus dem 13. Jahrhundert und alte Reiseberichte zurück und ließ sich von Volkssagen und Seemannsgarn inspirieren – kein Wunder, dass daraus eine derart bunt schillernde und faszinierende Romanwelt entstand, in der nebenbei bemerkt auch Wesen aus ihrer Daevabad-Romantrilogie auftreten.
Ein wunderbares Leseerlebnis!
Rezensionen von Bibibabby:
Spannend aber düster
Das Buch der gestohlenen Träume (Das Buch der gestohlenen Träume 1) von David Farr
Das Buchcover finde ich spannend. Es zeigt zwei ängstlich aussehenden Kinder, die in der Nacht rennen. Im Hintergrund sind lauter Häuser aber statt auf einer Straße laufen die Kinder auf einem offenen Buch. Die Szene ist so dargestellt, dass es wie ein Pop-Up Buch aussieht.
Das Cover verspricht Abenteuer und Phantasie.
Die Geschichte ist jedoch düsterer als man erwartet. Im Buch sind zwar phantastische Elemente, doch der Großteil der Handlung ist eher politisch. Es erinnert mich an die dystopischen Geschichten wie Fahrenheit 451 oder 1984, die ich in meiner (nordamerikanischen) Schule gelesen habe.
Tod, Diktatur und Unterdrückung sind durchgehende Themen im Buch. Für ein Kinderbuch finde ich die Handlung teilweise sehr ernst und grausam. Ob das Buch altersgemäß ist, ist eine persönliche Entscheidung, aber eine Begleitung durch die Eltern ist keine schlechte Idee, um die Themen zu verarbeiten.
Rezensionen von Hammerherr:
Ehrlicher geht's wohl kaum! - Ein kluger Mann teilt seine Erfolgsstrategie mit der Allgemeinheit
Dieses Buch ist bares Geld wert von Markus Elsässer
Herr Dr. Elsässer beweist mit diesem Buch wieder einmal seine profunde Fachexpertise in einfachen Worten für jedermann gut verständlich. Es handelt sich um einen wertvollen Ratgeber für das berufliche als auch für das private Leben allgemein. Es warten auf Sie wichtige Lektionen für das Leben sowie ein praktischer Wertekompass.
Sehr empfehlenswert!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Mach Lust aufs Kochen
Österreich express von Katharina Seiser
„Österreich express“ von Katharina Seiser ist ein geniales Kochbuch! Zum einen hat die Autorin 120 Klassiker der österreichischen Küche gesammelt und ausprobiert und zum anderen dauert die Zubereitungszeit rekordverdächtige 30 Minuten.
Die Autorin selbst ist Oberösterreicherin und lebt mit ihrem Mann in Wien.
Sie hat die traditionellen Rezepte behutsam auf die Anforderungen von heute angepasst. Die Rezepte sind übersichtlich in XX Kapitel zusammengefasst.
Kalte Jause
Warmer Imbiss
Gemüse, Erdäpfel & Schwammerl
Teigwaren & salzige Mehlspeisen
Fisch, Fleisch & Wurst
Warm & Süß
Kalt & Süß
Ergänzt werden die Rezepte für Speisen mit selbst gemachten Vorräten, die nicht nur in der Speis, sondern auf im Tiefkühler aufbewahrt werden können. Ein Glossar mit den österreichischen Küchenausdrücken darf auch nicht fehlen.
Die Rezepte sind für zwei Personen ausgelegt, denn „Mengen verdoppeln geht bei Bedarf viel einfacher als beispielsweise Eier halbieren.“ wie Katharina Seiser schreibt. Hier kann ich ihr nur beipflichten.
Ein Motto der Autorin, die bereits 18 Kochbücher (mit)geschrieben hat lautet: Lieber weniger Fleisch, dafür Bio und aus vertrauenswürdiger Quelle. Auch sonst achtet sie penibel darauf, nur beste Bio-Qualität zu verarbeiten. Das kann für manches schmale Budget durchaus zur Herausforderung werden. Nicht jede(r) hat einen Garten zur Verfügung, in dem die passenden Kräuter wachsen.
Sehr gut gefällt mir, dass zu Beginn die wichtigsten Küchenrequisiten vorgestellt und ihr Gebrauch sowie ihr Nutzen erklärt werden. Die Erdäpfelwiege kannte ich bislang nicht. Ich habe eine Erdäpfelpresse zur Herstellung von Erdäpfelteig. Ich befürchte, hier muss ich eine Bestandsaufnahme machen und das eine oder andere Küchenwerkzeug ersetzen. Gut, Holzbretter sollten kein Problem darstellen, habe ich doch einen Tischlermeister als Sohn.
Katharina Seiser bricht eine Lanze für die Renaissance des Holzschneidbrettes und des Geschirrhangerls (= Geschirrtuch). Beides war ja längere Zeit zugunsten von Kunststoffunterlagen und Küchenpapier verpönt.
Schmunzeln musste ich über das Geständnis der Autorin, so manches Wiener Gericht nicht zu kennen, wie z.B. „Einbrennte Erdäpfel“. Hier kann ich eine Anekdote aus meiner Kindheit beisteuern: Ich habe von unserer Viktualienhändlerin (also Gemüsefrau) gehört, dass eben diese Gericht äußerst schmackhaft sei, weshalb ich meine Oma ziemlich energisch gebeten habe, mir selbige zu kochen, ohne zu wissen, was mich erwartet. Meine Enttäuschung war grenzenlos. als ich die Speise dann auf dem Teller hatte: keine knusprigen Bratkartoffel sondern gekochte Erdäpfel mit einer Einbrenn drüber ...
Die Aufmachung ist, wie für den Brandstätter-Verlag, gediegen und das Cover passt sehr gut wie der Untertitel „So macht Kochen im Alltag wieder richtig Spaß und Freude!“.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Kochbuch 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
regt zum Nachdenken an
Balkanschönheit oder Schlemihls Bastard von László Végel
Autor László Végel weiß, worüber er schreibt, ist er doch 1941 in Srbobran (Wojwodina) im damaligen Königreich Jugoslawien als Angehöriger der ungarischen Minderheit geboren. Daher kennt er das Nicht-Dazugehören sowie die wechselnden politischen Verhältnisse. Nach seinem Studium in Novi Sad sowie in Belgrad, arbeitete als Journalist, Autor von Drehbüchern, Bühnenstücken, Essays und Romanen.
Diese Familiengeschichte spielt in Novi Sad, der aktuell zweitgrößten Stadt in Serbien und Hauptstadt der Vojvodina. Auf Serbokroatisch heißt sie Novi Sad, auf Deutsch Neusatz, auf Ungarisch Újvidék und auf Slowakisch Nový Sad.
Ebenso wie die Stadt haben die Protagonisten dieses Familienromans je nach der historischen Zeit, mehrere Namen
Johann Schlemihl oder János Slemil oder Jovan Šlemil – und sein Enkel Franz/Franjo/Ferenc/ leben im Újvidék des 20. Jahrhunderts von der Zeit der Monarchie bis heute auf der ständigen Suche nach ihrer Identität und ihrem Vaterland. Die beiden gehören zu den „kleinen Leuten“, sind Handwerker und wollen eigentlich nur in Ruhe gelassen werden und ihrem Tagewerk nachgehen. Dabei mussten und müssen sie sich mit den jeweils aktuellen Machthabern arrangieren, was mitunter zu komisch anmutenden Szenen führt. So muss Johann, ein gelernter Schmied, mehrmals die Wappen ändern bzw. austauschen.
Gut dargestellt ist die Günstlingswirtschaft für Parteigenossen und ihre Angehörigen, denen Häuser, Wohnungen und Posten zuschanzt, während andere sehen müssen, wo sie bleiben.
Das Buch ist nichts für zwischendurch, da man immer genau lesen muss, in welcher Epoche man sich gerade befindet. Das inzwischen schon übliche Fehlen von Redezeichen erleichtert das Lesen auch nicht.
Der Schreibstil erinnert an manchen Stellen an Schwejk’schen Humor, ohne den vermutlich das Überleben in den wechselnden Machtverhältnissen nicht möglich gewesen wäre. Da passt der Familienname Schlemihl/Slemil/Šlemil recht gut, bedeutet er doch unter anderem „ungeschickte Person“, „Pechvogel“ oder „Narr“.
Das Buch ist in gediegener Ausstattung als Hardcover mit Lesebändchen im Verlag Wieser erschienen. Der Verlag Wieser aus Klagenfurt/Celovec ist bekannt dafür, Kleinode, also Bücher abseits des Mainstreams zu verlegen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Buch 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Biografie einer kontroversen Persönlichkeit
Rudolf Hess von Manfred Görtemaker
Als Rudolf Hess, einer der Stellvertreter Hitlers, 1987 in der Festung Spandau stirbt, gibt es, man ist versucht, zu sagen, natürlich, Unklarheiten und Spekulationen um seinen Tod.
Manfred Görtemaker versucht auf Basis zahlreicher bisher unter Verschluss gehaltener Dokumente sowie historischer Fakten den Lebensweg des in Alexandria, Ägypten, geborenen nachzuzeichnen.
Wer ist er nun, der Rudolf Hess (1894-1987), die neben Hitler blass wirkende NS-Größe? Weshalb ist er 1941, ohne Wissen des Diktators nach Schottland geflogen ist? War ihm klar, dass Deutschland einen 2-Frontenkrieg nicht gewinnen könnte? Warum hat er nie ein Ministerium erhalten?
Manfred Görtemakers Biografie ist in drei große Abschnitte gegliedert, die jeweils zahlreiche Unterkapitel enthalten.
Erster Teil - Suche nach Orientierung
Zweiter Teil - An Hitlers Seite
Dritter Teil - Häftling der Alliierten
Um es gleich vorwegzunehmen, alle Rätsel, die Rudolf Hess ausmachen, kann der Autor auch mit den neuen Quellen nicht lösen.
Meine Meinung:
Diese mehr als 750 Seiten starke Biografie ist gut strukturiert und lässt sich auch für Laien gut lesen. Allerdings ist mir nicht ganz klar, wer die Zielgruppe dieser Biografie sein soll. Leser, denen Rudolf Hess kein Begriff ist (Gibt es solche?) oder Insider, die sich neue Erkenntnisse erhoffen? Einiges, wie der Röhm-Putsch und andere Intrigen innerhalb der NSDAP sind hinlänglich bekannt und müsste meiner Ansicht nach nicht abermals erklärt werden. Die meisten Leser, die sich mit der NS-Zeit auseinandersetzen, wissen darüber Bescheid. Jedenfalls überfrachtet Görtemaker einige Stationen im Leben des Rudolf Hess mit allzu viel nebensächlichen Detailwissen. Nicht alles, was ein Autor weiß, muss dem Leser nähergebracht werden.
Interessant ist, dass es jeweils Frauen sind, die ihn in seiner Ideologie bestärken: zunächst seine Mutter und später seine Ehefrau Ilse.
Das Buch beleuchtet insbesondere den mysteriösen Flug nach Schottland im Jahr 1941, der Hess' Leben dramatisch verändert und bis heute Rätsel aufwirft. Mit seiner Darstellung der Nürnberger Prozesse und Hess' Verurteilung wirft Görtemaker ein kritisches Licht auf die Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg.
Manfred Görtemaker gelingt es, seinen Lesern die komplexen politischen und persönlichen Entwicklungen zu vermitteln, wobei das eine oder andere durchaus ein wenig gestrafft werden hätte können.
Fazit:
"Rudolf Hess: Der Stellvertreter" bietet einen detailreichen Einblick in das Leben dieser kontroversen Persönlichkeit, die ihre letzten Geheimnisse nach wie vor nicht preisgibt. Gerne gebe ich dieser Biografie 4 Sterne.
Rezensionen von Marie aus E.:
Prokrastinieren de luxe
Kleine Probleme von Nele Pollatschek
Lars ist 49 und hat in diesem Jahr einiges schleifen lassen. Nun ist es der 31. Dezember und die To-Do Liste ist lang. Auf geht‘s Lars!
Wie sich dann aber herausstellt, hat Lars es nicht nur in diesem Jahr schleifen lassen, das geht schon ewig so. Dabei will er ja, er will sogar das beste Buch der Welt schreiben, aber ach.
Anfangs hat mir das Buch gut gefallen. Lars‘ Prokrastinieren war zwar in Vollendung, aber irgendwie auch sehr realistisch geschildert, ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen.
Es wird alles aus seiner Ich-Perspektive geschildert bzw. aus seiner Vorstellung, wie Frau und Kinder nun kommentieren würden. Trotzdem- oder gerade deshalb- ist es sehr lebendig.
Mit der Zeit nervt Lars jedoch zunehmend und ich habe mit Johanna, seiner Frau und seinen Kindern gefühlt. Wie konnten sie so ein Zusammenleben so lange ertragen?
Das war alles -obwohl doch Lars wirklich ein extremer Fall ist- so real für mich, sehr gut geschrieben.
Anstrengend war es aber auch, weil Lars sich in philosophischen Betrachtungen beispielsweise über Schrauben verliert, anstatt endlich mal zu putzen. Das hat mir zu viel Raum eingenommen, auch wenn es sein Wesen natürlich treffen beschreibt.
Es gab auch lustige Stellen. Meine Lieblingsszene war die Zubereitung eines Nudelsalats.
Insgesamt hatte ich mir vom Buch anhand des Klappentextes, der mich sehr angesprochen hat, aber mehr erwartet.
Rezensionen von Meli:
Beziehungskrisen, neue Lebensabschnitte und wenige Fortschritte
A Night of Shadows and Betrayals von Anne Pätzold
Enthält Spoiler zum Vorgänger!
Winnie versucht ihre Schwester zu finden, aber sie kann auch nicht wirklich zur Polizei gehen und sie vermisst melden, schließlich waren es Vampire, die Sasha mitgenommen haben. Und dann ist da natürlich Jo: nicht nur Jos Geheimnis steht zwischen ihnen, Winnie kann auch nicht umhin, Jo die Schuld am Verschwinden ihrer Schwester zu geben.
Es steht viel zwischen ihnen und die Beziehung der beiden nach diesem schweren Schlag steht auch im Mittelpunkt der Geschichte. Nach allem, was geschehen ist, muss Winnie Jo erstmal verzeihen, bevor sie ihr wieder vertrauen kann, gleichzeitig tickt die Uhr und die Suche nach Sasha hat Vorrang. Jo versucht ja auch, neue Spuren zu finden, aber man spürt auch, dass ihr auf emotionaler Ebene mehr daran liegt, sich mit Winnie zu versöhnen.
Dann ist da noch Sashas Perspektive, die hier mehr Raum einnimmt. Sie kann sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern und versucht, sich an ihr neues Leben als Vampir zu gewöhnen, auch wenn sie nicht weiß, wie ihr Leben vorher ausgesehen hat. Aber ein paar vage Erinnerungen hat sie doch noch und sie versucht mehr herauszufinden, während ihre neuen Verbündeten ihr meistens helfen, ihr manchmal aber auch ein wenig im Weg stehen, weil sie eigene Pläne verfolgen.
Leider konnte mich die Fortsetzung auch nicht so richtig überzeugen, ich hatte wieder das Gefühl, dass sich die Geschichte in die Länge zieht und erst auf den letzten Seiten passiert wirklich etwas, damit es spannend endet. Sasha hat mit dem Großteil ihrer Erinnerungen auch ihre Gefühle verloren und wirkt sehr steif und emotionslos, Winnie und Jo waren mir etwas zu weinerlich und ich hätte mir bei ihren drängenden Problemen gewünscht, dass sie noch etwas aktiver sind.
Rezensionen von Marie aus E.:
Australischer Regenwald-Mystery-Thriller mit einigen Längen
Der flüsternde Abgrund von Veronica Lando
Hier hatte mich mal wieder das Cover: der feuchte australische Regenwald sprang mich da förmlich an und auch als Thrillerort habe ich mir das sehr spannend vorgestellt.
Im Buch kehrt Callum Haffenden nach dreißig Jahren zurück in sein Heimatdörfchen. Man sagt, im australischen Regenwald werden durch ein unheimliches Flüstern Kinder magisch angezogen und zum Springen von Klippen verführt.
Der Part driftet etwas in die Mystery-Schiene ab, aber nicht so stark, dass ich als "eher Thriller-Leserin" davon genervt gewesen wäre.
Callum ist dabei, als eine Leiche geborgen wird und man ahnt gleich, dass das wohl kein natürlicher Tod war. Callum versucht herauszufinden, was geschehen ist und macht sich damit im Örtchen gar keine Freunde. Ganz langsam entblättert sich auch die Story, was früher geschehen war.
Leider etwas zu langsam, das Buch hatte streckenweise schlimme Längen. Ein richtiger Spannungsaufbau fand für mich nicht statt, gefühlt gab es doch auch einige Schleifen. Es bliebt lange Zeit alles so fürchterlich nebulös, immer nur Andeutungen - nicht ganz mein Geschmack bei einem Thriller. Überhaupt bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt ein Thriller ist.
Die Auflösung und den Abschluss fand ich hingegen sehr gelungen, das war voll nach meinem Geschmack. Es war auch schön schlüssig und hat mich im Rückblick dann wieder mit dem zögerlichen Verlauf versöhnt, weil alles so stimmig war.
Nichtsdestotrotz hätte das Buch für mich etwas mehr Fahrt gebraucht.











