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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Ein komplexer Krimi, bei dem wenig so ist, wie es scheint

Die Medici-Morde von David Hewson

Nachdem ich den historischen Krimi „Garten der Engel“ von David Hewson gelesen habe, der im von den Nationalsozialisten besetzten Venedig spielt, schwer begeistert war (und noch immer bin), habe ich zu „Die Medici-Morde“ gegriffen.

Der Inhalt ist im Klappentext wie folgt umrissen:

„Wurde dem erfolgreichen TV-Historiker Marmaduke Godolphin seine intrigante Rücksichtslosigkeit zum Verhängnis? Godolphin ist alles andere als ein umgänglicher Zeitgenosse und berüchtigt für seinen Narzissmus.

Um seine ins Stocken geratene Fernsehkarriere zu befeuern, plant der »Duke« die Inszenierung einer sensationellen historischen Entdeckung rund um zwei Morde an Mitgliedern der Medici-Familie im 16. Jahrhundert. Auch ehemalige Schüler:innen und Weggefährt:innen aus seiner Zeit in Cambridge hat er dazu nach Venedig eingeladen. Doch bevor es zur Enthüllung kommt, wird Godolphin tot in einem canale aufgefunden. Ermittlerin Valentina Fabbri hat Verdächtige genug. Sie bittet den pensionierten Archivar Arnold Clover um Mithilfe.“

Das klingt nach einem fesselnden, vielschichtigen und komplexen Krimi. Doch irgendwie dauert es für mein Gefühl ewig, bis der Krimi so richtige Fahrt aufnimmt. Dabei ist das Auftauchen von neuen Dokumenten zu einem mehr als 500 Jahre alten Verbrechen ziemlich brisant. Muss die Geschichte rund um die Medicis neu geschrieben werden? Das soll das Treffen der Historikerinnen und Historiker im Venedig der Gegenwart unter der Leitung von Marmaduke Godolphin herausfinden, dem auch Arnold Clover, ein Archivar, der in der Vergangenheit den einen oder anderen Strauß mit dem selbstherrlichen und intriganten Godolphin ausfechten musste, angehört. Doch bevor Godolphin mit seiner explosiven Enthüllung an die Öffentlichkeit treten kann, wird er - ganz im Stile der Medici - ermordet.-

Dass es Dutzende Personen gibt, die ein veritables Motiv haben, den arroganten Godolphin um die Ecke zu bringen, macht es der Ermittlerin Signora Capitano Valentina Fabbri nicht gerade leicht. An eine Aufklärung „bis zum Abendessen in einem Nobelrestaurant“ ist nicht zu denken.

Doch leider, leider verzettelt sich der Autor in seitenlangen, detaillierten Beschreibungen der Stunden und Tage vor dem Mord. Auch die Teilnehmer an der Historikerrunde sowie die Sichtung der Unterlagen zum Mord in der Renaissance sind genau beschrieben. Das zieht sich für meinen Geschmack stellenweise. Gut gefällt mir, dass uns der Autor in die eine oder andere Calle Venedigs mitnimmt, die einem als Tourist verborgen bleiben.

Das Geschehen rund um den historischen Mord ist ebenfalls ausführlich beschrieben, fesselt aber mehr als das aktuelle Verbrechen. Als Leser kann man ob der Schilderung nicht klar erkennen, was Fakt oder Fiktion ist.

Hängen das historische Rätsel und der aktuelle Mord zusammen? Oder ist Godolphins gewaltsamer od nur das zufällige zeitliche Zusammentreffen von Ereignissen, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben?

Fazit:

Diesem raffinierten in das trübe winterliche Venedig eingebetteten Krimi gebe wegen der zahlreichen langatmigen Stellen 4 Sterne.

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Rezensionen von chabli:

Wenn die KI über Leben bestimmt

Die Burg von Ursula Poznanski

Die Burg ist ein Thriller von Ursula Poznanski aus dem Jahr 2024. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe soll eine neue Escape-Raum-Erfahrung testen, die vollständig auf künstlicher Intelligenz beruht. Es handelt sich um ein regelrechtes Labyrinth unter einer historischen Burg, in der zig Räume aneinander gereiht sind.

Durch die KI wird ein einmaliges Erlebnis versprochen, da alles simuliert werden kann. Wind, Geruch, Bilder, Ton. Man fühlt sich, als wäre man in einer vollkommen anderen Welt. Die Gruppe von Leuten macht sich erst motiviert an das Lösen der Rätsel, aber bereits nach kurzer Zeit übernimmt die KI die Kontrolle und das spaßige Spiel wird zum Albtraum.
Die Idee und auch das Cover waren sehr beeindruckend. Ich habe mich schnell in die Charaktere eingefühlt und fand auch die Vielfalt dieser sehr interessant. Auch die Rätsel, bei denen man teilweise mitraten kann, ist sehr erfrischend. Ich war unheimlich beeindruckt. Nach einer Weile ermüdete das Ganze aber schnell und zog sich in die Länge. Nicht nur einmal habe ich mir gedacht, dass das Spiel jetzt langsam einmal enden könnte. Auch machen die Figuren im Laufe des Buches kaum Entwicklungen durch und wurden mir höchstens immer unsympathischer. Auch die Figuren, die der KI entsprangen, waren sehr merkwürdig. Nicht nur einmal hatte ich das Gefühl, dass sie einem gemeinen Fiebertraum der Autorin entspringen. Auch fand ich es befremdlich, dass die künstliche Intelligenz zu sehr vermenschlicht wird, sogar einen Namen erhält (Kismet). Wieso reden die Entwickler die ganze Zeit mit „ihr“, anstatt Quellcode zu schreiben?
Ich war sehr gespannt auf das Buch und die Idee ist auch wirklich toll. Leider hat sie mich nicht so abgeholt, wie ich es mir gewünscht hätte. Das Buch ist empfehlenswert, nur müssen gewisse Abstriche gemacht werden.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine unbedingte Leseempfehlung

Marseille 1940 von Uwe Wittstock

Die Flucht der Dichter und Denker aus Nazi-Deutschland und Österreich setzt recht bald nach der Machtübernahme Hitlers ein. Trotzdem gibt es viele, die ihre Heimat nicht verlassen wollen, die nicht glauben können, dass das „Land von Schiller und Goethe“ zu solchen barbarischen Mitteln greift, wie man es sich leise und hinter vorgehaltener Hand erzählt: Alle jene, die nicht ins Regime passen, weil sie jüdischer Abstammung oder Regime kritisch sind, werden gnadenlos verfolgt, eingesperrt und vernichtet.

Letztendlich befinden sich Tausende deutschsprachige Intellektuelle in Frankreich als die deutsche Wehrmacht die Niederlande und Belgien überrollt bis nach Paris vorstößt und 1940 Teile Frankreichs besetzt hat.

Die Flucht geht innerhalb Frankreichs weiter bis sie in Marseille landen und auf eine Möglichkeit hoffen, eine Ausreise- bzw. Einreiseerlaubnis in die USA erhalten zu können. Doch die USA will in die Angelegenheiten Europas nicht verwickelt werden und stellt für die jüdischen Flüchtlinge kaum Einreisebewilligungen aus. Hier kommt nun Varia Fry, Mitarbeiter des Emergency Rescue Committee ins Spiel, der namhaften europäischen Intellektuellen, Künstlern, Politikern und Gewerkschaftlern die Ausreise ermöglichen soll.

Ursprünglich war die Aktion als befristetet Maßnahme geplant. Doch sie entwickelte eine eigene Dynamik. Zwischen Juni 1940 und Juni 1942 gelingt es Varian Fry und seinem Team rund 2.000 Menschen aus dem besetzten Frankreich zu retten. Die Liste jener, die auf abenteuerlichen und gefährlichen Wegen wie über die Pyrenäen in Sicherheit begracht werden konnten, liest sie wie das Who is Who der deutschen Intellektuellen: von Hannah Arendt über Maler Marc Chagall, Lion Feuchtwanger, die Manns, Alma Mahler und Franz Werfel sowie Marc Ophüls und Alfred Polgar, um nur einige zu nennen. Nicht allen gelingt die Flucht. Walter Benjamin begeht Suizid.

Bevor die Flüchtlinge noch ihre gefährliche Reise antreten konnten, mussten sie noch aus den diversen Internierungslagers wie Gurs herausgeholt werden. Das gelingt Fry & Co oft nur unter in letzter Minute, dann gilt es, Geld und die notwendigen Ausreisedokumente sowie Einreisezertifikate aufzutreiben. Amerika stellt bald keine mehr aus, so sind dann südamerikanische Staaten das Ziel oder das französische Insel Martinique, auf der die Geflohenen erst recht wieder interniert werden.

Varian Fry fällt in Amerika mit seinen Bemühungen, möglichst viele Menschen, darunter auch solche, die weder berühmt noch Fürsprecher in den USA haben, aus dem besetzten Frankreich herauszuholen, recht bald in Ungnade. Besonders für jene, die als sozialistische Gewerkschafter um ihre Leben fürchten müssen, ist in den USA kein Platz.
Fry widersetzt sich mehrmals den Aufforderungen nach Amerika zurückzukehren, setzte seine Ehe aufs Spiel und muss, um seiner Verhaftung durch französische Behörden, selbst fliehen.

Wer zu diesem Thema noch mehr lesen möchte, dem sei Varian Frys Buch „Auslieferung auf Verlangen – Die Rettung deutscher Emigranten in Marseille 1940/41“ sowie Herbert Lackners „Die Flucht der Dichter und Denker. Wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen“.

Fazit:

Diesem Stück Zeitgeschichte, das aufzeigt, dass auch das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, ziemlich beschränkt und begrenzt war. „America first“ - dieser Spruch ist nicht erst seit Trump bekannt. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine Leseempfehlung

Mütter Europas von Karin Bojs

In diesem Buch “Mütter Europas - Die letzten 43.000 Jahre” geht die schwedischen Wissenschaftsjournalistin Karin Bojs (Übersetzung Erik Gloßmann) unter anderem folgenden spannenden Fragen nach:

Wann und warum entstand das Patriarchat?
Wie lebten Frauen in der Stein- und Bronzezeit?
Wie waren die Geschlechterverhältnisse in der Zeit vor Erfindung der Schrift?

Die Antworten darauf beruh(t)en bislang mehr oder weniger auf Spekulationen, zumal die Wissenschaft männlich dominiert ist und die Funde aus der Vorzeit vorrangig aus Stein, Ton oder Wandmalereien bestehen.

Organisches Material wie Stoffe oder Leder sind nur rudimentär vorhanden.

Erst seit den prähistorischen Forschungen die Möglichkeit aus Knochenfragmenten oder Zähnen mittels DNA-Analysen zu untersuchen, zur Verfügung steht, gibt es auf einige Fragen Antworten. Allerdings werfen genau diese Antworten dann neuerliche Fragen auf.

In 24 Kapiteln geht Karin Bojs auf die neuen Forschungsansätze ein, die von den DNA-Analysen bestätigt werden. Sie stützt sich vor allem auf die Theorie der Prähistorikerin Marija Gimbutas, die in den 1950-er Jahren eine Theorie entwickelt hat, nach der in «Alteuropa» eher friedliche, matrilineare Gesellschaften existiert hätten, die einem Kult der Muttergöttin huldigten und eher gleiche Geschlechterverhältnisse produzierten. Dieser Theorie zufolge, sind diese Gesellschaftsstrukturen durch patrilineare Reitervölker aus dem Osten verdrängt worden - und das nicht nur ein Mal.

Karin Bojs nimmt uns mit auf die verschlungenen Wanderungen, die die Menschen der Ur- und Frühgeschichte unternommen haben. Dabei spart sie Klimaveränderungen wie Eiszeiten nicht aus. Diese Änderungen in den Lebensbedingung zwingen die Menschen ihr angestammtes Territorium zu verlassen und sich einen neuen Lebensraum zu suchen. Dabei treffen sie auf Gegenden, die bereits bewohnt sind und gehen Beziehungen ein. Zahlreiche dieser Migrationen sind durch DNA-Analysen eindeutig belegt. So werden aus Jägern und Sammlern sesshafte Bauern, die wildlebende Tiere domestizieren und Pflanzen kultivieren.

Die Autorin geht dabei sehr detailliert auf die Rolle der Frauen ein. Leider sind ihre Spuren, weil sie ja eher mit organischem Material hantieren in der Dunkelheit der Vergangenheit verschwunden.

Schmunzeln musste über die Diskussionen, ob die, als „Venus von Willendorf“ bekannte Statuette eine Mütze oder geflochtene Haare auf ihrem Kopf trägt. Die Mütze, so die Autorin, lässt auf handwerkliche Fähigkeiten der Frauen schließen: Schafe halten, Wolle ernten, spinnen, färben und verarbeiten. Die geflochtenen Haare scheinen männliche Ansichten von Frauen zu entspringen.

Der Schreibstil ist für Leserinnen wie mich, die sich schon länger mit Ur- und Frühgeschichte beschäftigen sehr gut zu lesen. Für manch andere wird der Griff zur Internet-Recherche notwendig sein.

Besonders interessant finde ich die Anregung, das bisher gebräuchliche Dreiperiodensystem die Zeiten der Menschheitsgeschichte (also Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit) anders einzuteilen und entsprechend umzubenennen. (siehe Kapitel 2).

"Wir stehen noch am Anfang einer wissenschaftlichen Revolution, aber immerhin hat sie schon begonnen."

Zwei Landkarten, 19 Abbildungen der Artefakten sowie ein ausführliches Personen- und Ortsverzeichnis ergänzen das Buch, das im Verlag C.H.Beck erschienen ist. Ich empfehle, die Print-Ausgabe zu lesen, denn hier lassen sich interessante Stellen, zu denen vielleicht noch ergänzende Erklärungen notwendig sind, durch Lesezeichen oder Post-it leicht markieren.

Fazit:

Dieser spannende Entdeckungsreise in die Welt der Ur- und Frühgeschichte, die nun am Anfang einer wissenschaftlichen Revolution steht, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Bester Krimiunterhaltung

Geheimnisse, Lügen und andere Währungen von Wolfgang Ainetter

Dieser Krimi hat mir mehrere Male ein Schmunzeln entlockt! Warum?

Nun, der Anlass ist zunächst nicht zum Lachen: Hans-Joachim Lörr, der wichtigste Beamte eines Ministers, verschwindet während eines Geschäftsessens. Nur wenige vermissen ihn wirklich, denn der als „Schattenminister“ bekannte Hans-Joachim Lörr hat sich während seiner Dienstzeit mehr Feinde geschaffen als Sterne am Himmel stehen.

Als wenig später eine Nachricht eintrifft, das Lörr Opfer einer Entführung geworden ist, beauftragt man den charismatische Wiener André Heidergott, der vor Jahren der Liebe wegen nach Berlin gezogen ist, mit den Ermittlungen.

Die Liste jener, die mit Lörr eine ganze Hendlfarm zu rupfen haben, ist entsprechend lang. Selbst der Name des Ministers ist dort zu finden. Je tiefer Heidergott in die Intrigen und Machtspiele Lörrs eindringt, desto mehr liegen die Sympathien bei den Tätern. Denn jede und jeder, der das Missfallen Lörrs erregt hat, dessen Karriere wird systematisch und nachhaltig ruiniert, egal ob Reinigungskraft, Sekretärin oder sonstige Mitarbeiter.

Gemeinsam mit seiner Vorgesetzten Emily Schippmann ermittelt André Heidergott im Berliner Regierungsviertel, in dem gute Beziehungen alles sind, ein aus Wien wohl bekanntes Szenario.

Meine Meinung:

Dieser Krimi hat mir ausgezeichnet gefallen! Gäbe es solche Racheakte doch auch in Wirklichkeit! Da würde sich vielleicht der eine oder andere Politiker bei seinen Intrigen zurück halten.

Die Handlung ist fesselnd, denn wir erhalten auch Einblick in Lage des Opfers. Der Schattenminister ist nun völlig hilflos seinen Entführern ausgesetzt. Statt Macht nur Ohnmacht! Da kann ich nur sagen: Ätsch! Recht geschieht ihm! Lachen musste ich, dass der verfressene Beamte nun mit Sushi gefüttert wird, die er hasst. Natürlich liegt spätestens da der Verdacht nahe, dass es sich bei den Entführern um Insider handeln muss. Doch nur wer?

Herrlich auch die diversen Anspielungen auf politische Skandale und Skandälchen an denen die Alpenrepublik auch nicht gerade arm ist. Autor Wolfgang Ainetter kennt den Intrigantenstadel der österreichischen Innenpolitik ziemlich genau. Als er das eine oder andere unseriöse Angebot erhalten hat, lässt er sich nicht korrumpieren sondern zieht das Exil in Deutschland vor.

Der Krimi besticht durch Wortwitz und Ironie. Die Ermittlungen halten dann die eine oder andere Überraschung bereit. Am meisten musste ich lachen, als sich Hans-Joachim Lörr in seinem Lügengeflecht verheddert und ihm die Rechnung für den Polizeieinsatz präsentiert wird: rund 93.000 Euro. Das schmerzt den Geizkragen wohl am meisten.
Wie es dazu kommt? Das lest bitte selbst.

Fazit:

Diesem herrlichen Krimi, der aus Wortwitz und Ironie gestrickt ist und die eine oder andere Überraschung enthält, gebe ich gerne 5 Sterne.

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Ein gelungener Abschluss

Im Jahr der Flut von Lena Johannson

Dieser historische Roman ist der Abschluss der Trilogie rund um den Nord-Ostsee-Kanal, der das Leben von vier Frauen über viele Jahre geprägt hat. Diese vier Frauen sind Sanne, Justine, Mimi und Regina.

Gerade erst fertig gestellt, entpuppt sich der Kanal als zu klein dimensioniert. Man hat aus Kostengründen die mahnenden Worte von Mimis Vater ignoriert und lediglich eine Sparvariante ausgeführt.

Nun muss nachgebessert sprich gebaggert werden, was zahlreiche Anrainer in Bedrängnis bringt.

Justine hat mit ihren Geschäften Erfolg und Regina findet ihre Berufung in dem von ihr gegründeten Arbeiter-Wohlfahrtsverein. Sanne, die Zeit ihres Lebens um berufliche Anerkennung als Technikerin gekämpft hat, hat die nun zwar erreicht, aber ihr persönliches Glück scheint auf der Strecke zu bleiben.

Meine Meinung:

Ich bin (wieder einmal) beim letzten Band einer Reihe eingestiegen. Doch die eine oder andere Rückblende ermöglicht es, diesen historischen Roman auch ohne Vorkenntnisse folgen zu können. Trotzdem werde ich die beiden Vorgänger demnächst lesen.

Manche der aufgeworfenen Themen sind auch heute noch aktuell: Fremdarbeiter, die man braucht, aber nicht haben will, sie aber dafür jedes nur erdenklichen Verbrechens beschuldigt, große Bauprojekte, die aus finanziellen Gründen verkleinert werden und wenig später um viel Geld wieder nachgebessert werden müssen, Missgunst und Neid in der eigenen Familie, Armut, Naturkatastrophen sowie Großmannsucht der Regierung (hier des Kaisers liebstes Spielzeug - die Marine).

Die Handlung ist sehr gut strukturiert und der Schreibstil flüssig.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Abschluss der Trilogie rund um den Nord-Ostsee-Kanal, der das Leben zahlreicher Menschen geprägt hat, 5 Sterne.

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Auftakt einer neuen Krimi-Reihe

Unter falscher Flagge von Marc Jansen

In ihrem ersten Fall bekommt es Svea Roth, Polizeitaucherin beim LKA in Hamburg, mit einer Gruppe Umweltaktivisten zu tun, die die Jacht des Bauunternehmers Teschner überfallen. Dabei eskaliert die Situation, Teschner wird angeschossen und stirbt wenig später. er wird nicht der einzige Tote in diesem Krimi bleiben.

Svea Roth und ihr neuer Partner Jan Brixn haben alle Hände voll zu tun, die Spuren richtig zu deuten. Sie müssen sich kleinweise durch die Akten über diverse Umweltschutzgruppen durcharbeiten. Doch auch das Geschäfts- sowie das Privatleben von Teschner scheint nicht ganz friktionsfrei zu sein.

Nachdem Svea die Tatwaffe, ein Sturmgewehr der Bundeswehr, das sich als gestohlen herausstellt, im Schlick der Elbe findet, kommt langsam der Verdacht auf, der Piratenüberfall auf Teschners Jacht könnte ein anderen anderen Hintergrund als das umstrittene Bauvorhaben haben. Nur welchen?

Meine Meinung:

Ich liebe ja Krimis, die in Hamburg, meiner deutschen Lieblingsstadt spielen, weshalb ich hier natürlich sofort zugegriffen habe. Baulöwen, die ohne Rücksicht auf Natur und Menschen, ihre Projekte durchziehen, sind immer einen Krimi wert. Dass hier nicht immer alles so ist, wie es scheint, ergibt sich erst durch die Ermittlungsarbeit, die recht gut dargestellt ist. Der nautisch anmutende Titel passt hier sehr gut!

Die Charaktere haben mehr Ecken und Kanten als üblich. Sowohl Jan als auch Svea müssen sich ihren eigenen Problemen stellen. Sie scheint mehr schultern zu müssen, als notwendig. Ihre Vergangenheit bietet zahlreiche Rätsel: zum einen hat sie lange in Südamerika gelebt, ihre Mutter ist Opfer eines Verbrechens geworden und nebenbei muss muss sie sich um ihre Schwester kümmern, deren Mann gewalttätig ist. Dabei ist ihr eigenes Trauma recht groß: ihre kleine Tochter Lena ist bei einem Unfall vor zwei Jahren gestorben. Den Tod des Kindes hat die Ehe zwischen Svea und Lars, der ebenfalls beim LKA Hamburg seinen Dienst verrichtet, zerbrechen lassen. Dennoch irrlichtert Lars weiterhin durch Sveas Leben und stellt mit seinem Alkoholproblem nicht nur Sveas sondern auch meine Geduld auf eine harte Probe.

Jan Brixn gilt als Kameradenschwein, weil er eine Gruppe korrupter Kollegen an seiner früheren Dienststelle in Berlin auffliegen hat lassen. Er selbst ist Witwer und lebt mit seine pubertierenden Tochter nun wieder in Hamburg.

Wir erhalten auch Einblicke in die Szene der Umweltschützer, die im Laufe der Zeit jedes Augenmaß verlieren. Langsam sollte es sich herum gesprochen haben, dass mit Anschlägen auf Menschen und Sachbeschädigungen von Allgemeingut keine der, oft durchaus gerechtfertigten Forderungen Erfolg haben werden.

Der Krimi selbst ist gut gelungen und lässt sich flüssig lesen. Nach zahlreichen Wendungen sind die Auflösung und Motiv für mich nicht unerwartet gewesen. Ein bisschen weniger von Sveas Privatleben wäre in meinen Augen der Story dienlich gewesen, bietet aber vermutlich diversen Stoff für nachfolgende Fälle.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt, der mich nicht ganz überzeugt hat 3 Sterne.

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Eine gelungene Fortsetzung

Orkantief von Susanne Bergstedt

Als während einer Gewitternacht im Garten des leerstehenden Guthauses der Familie Holthusen eine uralte Eiche auseinander bricht, entdeckt die Nachbarin die mumifizierte Leiche des seit drei Jahren vermissten Kalli Holthusen. Das Kind ist damals verschwunden und trotz groß angelegter Suchaktionen nicht gefunden worden.

Darüber ist die Ehe seine Eltern Anne und Clemens zerbrochen. Wenig später verreist Anne mit dem Familienhund, kommt in der neuen Wohnung nie an und niemand kennt ihren Aufenthaltsort. Für die Polizei in Kiel gilt, dass jeder erwachsene das Recht hat, seinen Wohnort (auch im Ausland) selbst zu bestimmen und den niemandem mitteilen muss.

Natürlich wittern Telse Himmel und Wanda Holle sofort Ungereimtheiten. Warum hat der Ehemann seine Frau nicht mittels Privatermittler suchen lassen, wenn er, wie behauptet wird so sehr an seinem Hund, wenn nicht an Anne, gehangen hat? Und warum hat man nach Kallis unerklärlichen Verschwinden keine Hundestaffel eingesetzt?

Nachdem Wandas Nachbar, KHK Olaf Wuttke sich hinter allerlei Vorschriften versteckt und untätig bleibt, beginnen die beiden Freundinnen eigenständig zu recherchieren. Da kommt ihnen die Gruppe Umweltschützer, die gegen das Bauvorhaben im Olympia-Hafen von 1972 demonstriert, in dem sie das Gelände besetzen, gerade recht. Telse schließt sich für kurze Zeit der Gruppe an, weil sich auch Anne für Naturschutz eingesetzt hat und dort bekannt gewesen ist.

Ein weiteres Ziel der Hobby-Detektivinnen ist das leerstehende Anwesen der Holthusen. Als sie dort unbefugt eindringen, machen sie die Bekanntschaft der Nachbarin Matilde Albers und deren Drohne. Matilde ist nicht mehr gut zu Fuß, aber als ehemalige Kartografin liebt sie es, ihre Drohen Aufnahmen der Umgebung zu lassen. In Matilde Wohnung, die mit Katasterplänen und Kartografischen Darstellungen aller Art gepflastert ist, haben Telse und Wanda eine zündende Idee.

Meine Meinung:

Dieser zweite Fall für Himmel & Hölle hat mir recht gut gefallen. Als gelernte Vermesserin liebe ich alte und neue Karten, Katasterpläne sowie Luftaufnahmen und Orthophotos. Da habe ich mich Matilde gleich tief verbunden gefühlt.

Neben den mehr oder wenig geschickt angestellten Nachforschungen der beiden Frauen, beschäftigt sich der Krimi mit gleich mehreren anderen Themen: Das eine ist Gewalt in der Familie, das auch in der Oberschicht anzutreffen ist. Ein weiteres sind Bauvorhaben auf den letzten naturbelassenen Grundstücken und die Aktivitäten dagegen. Telse, die sich den Umweltschützern anschließt, um Informationen rund um Annes Verschwinden zu erhalten, muss gleich mehrfach für ihr Engagement bezahlen: erstens, wird sie während der Nachtwache niedergeschlagen, zweitens wird sie zur Direktorin der Schule, in der sie als Aushilfslehrerin arbeitet zitiert und für ihren Protest gegen die Verbauung der Wiese gescholten und drittens entdeckt sie, dass die, ach so umweltbewussten Naturschützer die Wiese nach ihrem Abzug als Müllhalde hinterlassen haben.

Die Auflösung des Falles ist ziemlich aufgelegt und hat mich daher nicht wirklich überrascht. Zuerst streitet das Ehepaar Holthusen über den Verkauf des Anwesens. Anne will den Gutshof nicht hergeben und danach ist ein Verkauf für den charismatischen Arzt Clemens Holthusen kein Thema mehr. Da fällt es uns Lesern schwer, nicht doch einen Zusammenhang zu Annes Verschwinden zu vermuten.

Ein bisschen hat mich die Darstellung der Rolle der Polizei gestört. Kümmert es die sich wirklich so gar nicht, wenn eine erwachsene Person verschwindet? Also Olaf Wuttke hat noch ein wenig Potential zur Entwicklung.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung 4 Sterne.

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Trotz dreier Verbrechen wenig Spannung

Im Schatten des Thronfolgers von Christine Neumeyer

Dieser historische Krimi, der 1909 angesiedelt ist, ist der dritte in der Reihe rund um den sympathische Polizeiagenten Johann Pospischil und seinem technikaffinen Assistenten Dr. Leopold Frisch, Entomologe und Pathologe.

Wie schon im Krimi zuvor, wird im Umfeld des Thronfolgerpaares Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Sophie ermittelt.

Schauplatz ist diesmal das Schloss Artstetten in dessen Gärten der intrigante Baron von Wald, zum Vergnügen frisch nobilitierter Herren, aber auf Kosten von jungen Mädchen aus dem Dorf spezielle Jagden veranstaltet. Paradiesvögel werden die Mädchen genannt, die zur Belustigung leicht geschürzt durch Hecken laufen. Was die adeligen Herren erst später schmerzhaft erfahren werden: Sie werden mit Fotos, die sie in verfänglichen Situationen zeigen erpresst. Keiner traut sich gegen einen, im Schatten des Thronfolgers stehenden Hofschranzen Anzeige zu erstatten.

Doch das ist Pospischil und Frisch zunächst einmal unbekannt. Sie sollen mit der gebotenen Diskretion, aufklären, wie neugeborene Säugling in die Kypta der Habsburger gekommen ist. Recht schnell ist klar, dass das Baby lebensfähig war und man ihm, wie einem unerwünschten Kätzchen, das Genick gebrochen hat. Aus diskreten Ermittlungen wird nichts, denn die geschwätzige Pfarrersköchin Anna lauscht nicht nur an der Türe, sondern tratscht alles weiter. Annas einziger Pluspunkt ist ihre gute Küche, denn die beiden Polizeiagenten sind in den Gästezimmern des Pfarrhofes untergebracht.

Noch während sie den Spuren des toten Säuglings nachgehen, wird Pospischil nach Wien beordert, weil es eine Anzeige mit anschließendem Selbstmord gegen Baron von Wald wegen delikater Fotos gegeben hat. Gleichzeitig wird nahe des Schlosses die junge Hebamme des Dorfes, die sich geweigert hat, an der Paradiesvogeljagd teilzunehmen, erschlagen aufgefunden. Nun müssen sich Frisch und Pospischil mit drei Verbrechen, die vor dem Thronfolgerpaar geheim gehalten werden sollen, herumschlagen.

Dank der langjährigen Erfahrung Pospischils und dem Interesse Frischs für die neueste Technik wie kleine tragbare Fotoapparate mit Rollfilm, können sie die Verbrechen aufklären.

Meine Meinung:

Wie schon in den beiden Vorgängern versucht die Autorin die Atmosphäre der langsam untergehenden Habsburgermonarchie darzustellen. Pospischil symbolisiert die alte (kaiserliche) und Frisch die neue, moderne Welt. So brausen sie in der privaten Kraftdroschke von Leopold Frisch von Wien nach Artstetten. Man begegnet diversem Personal auf Schloss Artstetten und lernt die einerseits verschwiegene aber gleichzeitig tratschsüchtige Dorfbevölkerung kennen. Da werden allerlei Theorien über die Herkunft des toten Säuglings und auch Hinweise auf mögliche Täter am Wirtshaustisch diskutiert.

Ein besonders zwielichtiger Charakter neben dem Baron von Wald, der sich wichtiger nimmt als er tatsächlich ist, ist die Pfarrersköchin Anna. Hat sie wirklich so viel Pech, dass überall dort wo sie hinkommt, Menschen sterben? Nun ja, vielleicht wird man in einem nächsten Fall etwas drüber lesen. Jedenfalls, so scheint es, hat sie unserem wackeren Pospispil auf seine alten Tage noch ein wenig den Kopf verdreht und durch das Geschwätz sowie die köstlichen Speisen Ermittler und Leser ein wenig vom Fall bzw. den Fällen ablenken. Das ist schade, denn der Kriminalfall um den toten Säugling selbst, der sich als tragische Familiengeschichte entpuppt, bei der es nur Verlierer gibt, hätte durchaus Potential zu weitaus mehr gehabt..

Ein wahrer Lichtblick ist diesmal der kurze Auftritt von Rosi, der jungen Gemahlin von Leopold Frisch. Die will nämlich mindestens die Handelsschule abschließen und arbeiten gehen. Lieber würde sie ja Jus studieren, was um 1909 noch nicht erlaubt ist. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, ab 1919 erhalten Frauen Zugang zur juridischen Fakultät. Die Vorstellung, ausschließlich Ehefrau und früher oder später Mutter zu sein, scheint sie etwas abzuschrecken. Na, schauen wir einmal, was daraus wird.

Fazit:

Ein netter Krimi, der trotz dreier Verbrechen wenig Spannung zu bieten hat, weil diese durch Brettljause, Schnitzel und Schweinsbraten sowie dem einen oder anderen Schnaps, ins Hintertreffen gerät. Das kostet den 4. Stern. Wer es sich gerne in der k. und k. Zeit gemütlich machen will, ist hier richtig. 3 Sterne.

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Rezensionen von KimVi:

Ein eher ruhiger Krimi, der dazu einlädt, eigene Überlegungen anzustellen

Das Mörderarchiv von Kristen Perrin

Bei einem Besuch auf dem Jahrmarkt wird der 17-jährigen Frances prophezeit, dass sie ermordet wird. Frances nimmt die Prophezeiung der Wahrsagerin ernst. Ihr Umfeld sieht die Sache allerdings ganz anders und hält Frances Sorge für unbegründet. Dennoch sammelt Frances über Jahre Informationen, über alle Personen, die ihr auch nur im Entferntesten verdächtig erscheinen.

Mittlerweile ist dabei ein umfangreiches Archiv entstanden. Mit dem Inhalt des Archivs muss sich nun Annie beschäftigen. Denn an dem Tag, an dem Annie ihre Großtante kennenlernen sollte, wird diese tatsächlich ermordet. Frances Testament ist klar: Wer den Mord an ihr aufklärt, soll alles erben. Da Annie ihre Großtante noch nie gesehen hat, scheint sie im Nachteil zu sein. Doch dann beginnt sie sich mit den alten Aufzeichnungen zu befassen und kommt alten Geheimnissen auf die Spur. Wird Annie den Mörder finden oder wird er sie aus dem Weg räumen?

"Das Mörderarchiv" ist ein eher ruhiger Krimi, bei dem man sich, gemeinsam mit Annie, auf die Suche nach dem Täter macht. Die Idee, dass Frances alles bereits geahnt und deshalb ein Archiv angelegt hat, ist äußerst interessant. Doch genau wie Annie, muss man sich beim Lesen die Frage stellen, wie hilfreich diese Informationen eigentlich sind. 

Die Handlung trägt sich auf zwei Zeitebenen zu. Im aktuellen Handlungsstrang beobachtet man die Nachforschungen von Annie. Diese werden immer wieder durch Rückblicke in die Vergangenheit von Frances unterbrochen. Beide Handlungsstränge sind durchgehend interessant und laden dazu ein, eigene Überlegungen anzustellen. Im Verlauf der Ereignisse kommen immer mehr Geheimnisse ans Tageslicht. Dadurch weiß man schon bald nicht mehr, wem man hier eigentlich trauen kann. 

Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm lesbar. Man kann sich Handlungsorte und Protagonisten so lebhaft vorstellen, dass man das Gefühl hat, gemeinsam mit Annie nach dem Mörder zu suchen. Dadurch kann man sich ganz auf diesen Krimi einlassen. Obwohl er eher ruhig ist, genießt man die Jagd nach dem Unbekannten. Am Ende laufen alle Handlungsfäden schlüssig zusammen, wodurch man das Buch zufrieden zusammenklappen kann. 

Ein eher ruhiger Krimi, der dazu einlädt, eigene Überlegungen anzustellen. 

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