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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Neues aus der Welt der Normannen

Die Normannen von Hubert Houben

Dieses, im Juli 2024 in der Reihe C.H.Beck Wissen erschiene Buch über die Normannen ist die aktualisierte Auflage des Standardwerks von 2012.

Hubert Houben bietet in diesem Buch einen kompakten Überblick über die Normannen, die das Mittelalter entscheidend und vielfältig geprägt haben: Ob als Herrscher in der nordfranzösischen Normandie, Eroberer Englands in der Schlacht von Hastings 1066 oder durch die Gründung von Städten und Königreichen in Süditalien und auf Sizilien sowie im Vorderen Orient den langlebigsten Kreuzfahrerstaat.

Oft ist den Menschen gar nicht bewusst, dass hinter all diesen Gründungen die berühmt-berüchtigte Nordmänner stehen.

In drei großen Abschnitten, die in mehrere Kapitel unterteilt sind, können wir die Geschichte der Normann nachlesen. Einiges wird aus historischen Roman bekannt sein, anderes vielleicht neu.

Die Entstehung einer Region und eines Volkes
Der Sprung über den Kanal
Die Verlockungen des Südens

Zu jedem Abschnitt gibt es ein Landkarte sowie eine Auflistung der wichtigsten Herrscher.

Dass im ausgehende Mittelalter die Spuren der Normannen verblassen, liegt unter anderem daran, dass sie sich recht schnell an die Umgebung angepasst haben. Nicht Misserfolg, sondern gelungene Integration und Anpassungsfähigkeit heißt ihr Erfolgsrezept.

„Mit ihrer Expansion nach England und den Eroberungen im Süden veränderten die Normannen im 11. und 12. Jahrhundert die politische Landkarte und das kulturelle Gesicht Europas. Andere normannische Eroberer und Abenteurer hinterließen langfristig keine Spuren, sind aber als Grenzgänger zwischen Orient und Okzident von Interesse. Der nachhaltige Erfolg der Normannen im Norden und Süden Europas erklärt sich, wie wir gesehen haben, mit ihrer Fähigkeit, sich unterschiedlichen geografischen, politischen und kulturellen Umgebungen anzupassen und sich zu integrieren.“

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen. Gerne gebe ich dieser Neuauflage 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Mord im idyllischen Forst

Baumsterben von Christoph Stoll

„Baumsterben“ ist der zweite Krimi rund um den Kunstlehrer und Waldbesitzer Justus Hauer und Kommissarin Helliger.

Während der Osterferien weilt Hauer im Haus seiner dementen Mutter, als nächtens ein mächtiger Baum aus seinem Wald ausgerechnet auf das Einfamilienhaus der Bürgermeisterin fällt.

Zum Glück gibt es nur Sachschaden und Bürgermeisterin sowie deren Kinder bleiben unverletzt.

Da Justus Hauer, gemäß den Forstgesetzen als Waldbesitzer für den Baum, der das Haus der Ortsbürgermeisterin getroffen hat, verantwortlich ist, muss er sich zum Forsthaus aufmachen. Schnell wird klar, dass der Baum so angeschnitten worden ist, dass er genau dieses Haus mit voller Wucht trifft. Mordversuch oder „nur“ Einschüchterung? Immerhin ist die Bürgermeisterin und eine Gruppe Einwohner gegen den Ausbau des Sägewerks zu einer riesigen Pelletsfabrik.

Als sich die Indizien für eine vorsätzliche Tat verdichten, ermitteln Justus Hauer und Kommissarin Helliger gemeinsam.

Gleichzeitig erhalten Hauer so wie einige andere Waldbesitzer Angebote, ihren Wald zu eigentlich überhöhten Preisen zu verkaufen.

Als dann ein, als erfahrener geltender Forstarbeiter von einem Baum erschlagen wird, ist klar, hier hat jemand nachgeholfen.

Meine Meinung:

Christoph Stoll lässt in seinem zweiten Wald-Krimi den Kunstlehrer Justus Hauer abermals zum unfreiwilligen Ermittler werden. Unfreiwillig deswegen, weil Hauer so gar nicht einem Helden entspricht. Er ist sehr zurückhaltend, nicht nur dem anderen Geschlecht gegenüber, sondern dem Leben an sich. Nur wenn es um Kunst geht, blüht er auf. Da nimmt er jedes Detail wahr. Auch seinen geerbten Wald kennt er ganz genau, weiß wo die besten Pilze oder die köstlichsten Beeren wachsen. Da er in Frankfurt lebt und unterrichtet hat er wenig Zeit, den Wald eigenhändig zu pflegen und hat diese Arbeiten an die Oberförsterin ausgelagert.

Dieser Krimi ist ein leiser Krimi. Er vermittelt Idylle im Forst an der Lahn, ähnlich wie seinerzeit die Vorabendserie, die in einem Forsthaus spielt. Autor Christoph Stoll kombiniert seine sympathischen Ermittler (Hauer und Helliger) mit aktuellen, brisanten Themen sowie klugem Humor. Dass es zwischen Hauer und Helliger ein bisschen knistert, macht die Geschichte(n) lebendig.

Geschickt weist Stoll auf die bestehenden Gesetze hin, dass Waldbesitz auch zahlreiche Pflichten beinhaltet. So ist darauf zu achten, dass regelmäßig jene Bäume dem Wald entnommen werden müssen, die von Krankheiten und/oder Schädlingen befallen sind. Diese Informationen vermittelt Christoph Stoll seinen Lesern ganz unterschwellig, stammt er doch selbst aus einem mehrere Jahrhunderte alten nassauischen Förstergeschlecht. So mag ich das!

Der Schreibstil ist leicht und der Krimi lässt sich leicht lesen. Der feine Humor und die liebenswürdig gestalteten Hauptfiguren machen diesen Krimi zu einer feinen Lektüre. Dieser zweite Fall macht mich auf den ersten „Waldesdunkel“ neugierig.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es erinnert mich an frühere Fotos mit dem gezahnten Rand.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem raffinierten Wald-Krimi und seinem sympathischen Ermittler wider Willen 5 Sterne.

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Rezensionen von La Calavera Catrina:

Finsteres Katzenbrunn

Finster von Ivar Leon Menger

Das Buch spielt in einem 80er Jahre Setting in einem kleinen Dorf namens Katzenbrunn. Der zehnjährige Nikolaus Kämmerer verschwindet spurlos. Der Greifer hat wieder zugeschlagen. Zwei Monate sind seit dem vergangen. Den pensionierter Kommissar Hans J. Stahl haben die erfolglosen Ermittlungen nie losgelassen, und er kehrt nach Katzenbrunn zurück.

Ein sehr atmosphärischer Thriller, der in einem Dorf spielt, welches allmählich ausstirbt, und in dessen Zentrum eine psychiatrische Klinik steht. Die Kapitel sind kurz, mitreißend geschrieben und es gibt eine Vielzahl an Figuren, die alle ihre Geheimnisse zu haben scheinen. Diese mehrperspektivische Betrachtungsweise mochte ich ausnahmsweise, weil sie spannend umgesetzt ist und jede für sich interessant. Die verwitwete Wirtin des Dorfes ist herzlich und offen. Es ist wirklich entzückend, auf wen sie ein Auge geworfen hat und welche Rolle sie noch spielt, während ich sehr mit dem Opfer gebannt habe, wobei mich schockiert hat, wozu die Frau des Pfarrers fähig war, um den Wunsch am Ende aufzugreifen. Es ist wirklich finster und trotzdem tun sich immer wieder Lichtblicke auf. Schön fand ich auch, dass es keine Längen hat, sondern einfach spannende Unterhaltung bietet, die einem auch Gänsehaut beschert, ohne das es übermäßig grausam wird. Lediglich die große Enthüllung erfolgte für meinen Geschmack zu früh. Glücklicherweise bleibt es nicht bei einer. Empfehlenswerter Thriller!

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Rezensionen von La Calavera Catrina:

Ein überhebliches Mathe-Genie zum Schmunzeln

Pi mal Daumen von Alina Bronsky

Bei dem Cover könnte man meinen, es geht um Moni Kosinsky. Eine Frau über Fünfzig, die aus einfach Verhältnissen stammt und die sich ihren Traum von einem Mathe-Studium erfüllt, obwohl es ihr niemand zutraut. Tatsächlich wird der der Roman konsequent aus der Perspektive des hochbegabten Oscar erzählt.

Der erst Sechszehnjährige ist ein überhebliches Genie. Im menschlichen Miteinander erweist sich Oscar als schwierig. Er ist zunächst abweisend und wirkt arrogant, weil er sich den meisten Menschen intellektuell überlegen fühlt. Moni lässt das unbeeindruckt und im Verlauf des Romans entwickelt sich eine interessante Freundschaft, bei der Oscar über sich hinaus wächst und sogar für seine Freundin lügt. Diese Entwicklung fand ich gut dargestellt, denn Oscar sie Moni als eine Art Forschungsgegenstand. Mir haben besonders die vielen Monologe von „dem Kleinen“ gefallen. Tatsächlich gibt es überraschend wenig Dialoge und so erhält man viele Eindrücke davon, wie Oscar die Welt sieht und auch vom Uni-Leben. Manchmal hätte ich mir aber auch die Sichtweise von Moni gewünscht, denn sicher liegt Oscar bei seinen Annahmen auch daneben. Der Schreibstil war angenehm flüssig und diese kleine Geschichte hat mich gut unterhalten.

Insgesamt eine humorvolle Hommage an die Mathematik und Einsichten eines Hochbegabten. Lesenswert!

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Rezensionen von La Calavera Catrina:

Schurken, Schergen und Mordlust

Long Live Evil von Sarah Rees Brennan

Rea ist dem Tode nah, als eine fremde Frau ihr die Chance bietet, in eine fiktive Welt überzuwechseln. Ausgerechnet die kurz vor der Exekution stehende Lady Rahelia Domitia ist Raes Körper, mitten in die Lieblingsbuchreihe «Zeit des Eisens» ihrer Schwester Alice, die sie selbst kaum kennt. Eine Welt von Adligen, fieser Schurken, böser Schergen, Ghule, gefräßiger Monster, voller Verrat, Intrigen und Mordlust.

Zusammen mit dem sarkastische Humor steht guter Unterhaltung doch nichts mehr im Weg, oder?

Ich bin mit diesem Buch einfach nicht warm geworden, obwohl ich es komplett gelesen haben, um zu erfahren, ob und wie Rea ihren Plan umsetzten kann. Dabei gab es viele Aspekte und Wendungen, die ich mochte. Besonders die Isekai-Grundidee ist toll und voller spannender Gedankengänge: „»Hast du noch nie das Gefühl gehabt, jemand anderem stünde die Welt offen und er würde alles bekommen, was er haben will? Unsere Welt hat Regeln. Wir kennen sie nur nicht. Hier haben wir das Handbuch gelesen!“ Manchmal wirkte alles wie ein großes Durcheinander und es fehlte mir an Struktur. Es gibt viele Figuren, manche werden auch erzählerisch näher beleuchtet, die Welt ist komplex ausgearbeitet und der Text ist sehr dialogreich. Die Fülle an Ausschweifungen bei den Dialogen und der im Verhältnis zu kurz kommenden Handlung hat mich ingesamt ernüchtert. Für mich war es ein durchschnittliches Buch, welches ich manchmal am liebsten abgebrochen hätte.

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Rezensionen von La Calavera Catrina:

Aufregender Zeitreisekrimi

Die Zeitdetektive, 4, Die gefiederte Schlange von Fabian Lenk

Schon der erste Band der Reihe um «Die Zeitdetektive» ließ auf weitere spannende Abenteuer hoffen, während man etwas über Geschichte lernt. Das zeichnet die Bücher aus. Diesmal reisen Kim, Julian, Leon und Katze Kija an einem heißen Sommernachmittag ins Jahr 906 nach Christus in die Stadt Chichén Itzá und lernen etwas über die Maja, die Sensationelles vollbracht haben, obwohl vieles noch nicht erfunden war.

Es gibt einiges zu bestaunen, und dabei stolpern die Freunde direkt in große Gefahren, Intrigen und einen spannenden Fall. Es wird aufregend, abwechslungsreich und das Setting begeistert. Dies ist bereits der vierte Band, der nicht ganz so überzeugen konnte, wie seine Vorgänger. Dafür war die Handlung manchmal ein bisschen zu konstruiert und Entscheidungen schwer nachvollziehbar, während die Wissensvermittlung nach wie vor überzeugt. Darüber hinaus, macht es aber Spaß und letztlich stiehlt der „kleine Jaguar“ Kija sowieso allen die Show. Die Aufmachung ist sehr lesefreundlich und bleibt der Gestaltung der Reihe treu. Es gibt ein Personenregister, ein Glossar, große Schrift und moderne Illustrationen in Schwarz-Weiß, die alles noch lebendiger machen.

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Rezensionen von La Calavera Catrina:

Das Leben danach

Mein drittes Leben von Daniela Krien

Nach einem tragischen Unglück trauert Linda um ihre verstorbene Tochter und nichts ist mehr wie es war. Gleichgültigkeit bricht in ihr Leben. Sie isoliert sich, existiert nur noch, ist „blind, taub und fühllos“.

Ihr Leiden als verwaiste Mutter schmerzt und berührt zutiefst. Ihr Heilungsprozess ist erschütternd realistisch und wahrhaftig.

Man durchlebt ihn mit Linda und sie beweist, wie belastbar Menschen sein können und wie individuell der Trauerprozess ist, während das Leben eigene Pläne macht. Es ist Unterstützung und Liebe, die sie im Leben halten. Ihr Mann Richard, der, trotz aller Umstände, für sie da ist. Die Hündin Kaja und schließlich die Ablenkung in der Gartenarbeit und ihre Hilfsbereitschaft geben ihr Hoffnung. „Doch hier in meinem Dritten Leben sitze ich auf einem Küchenstuhl und lasse alle Gefühle kommen.“ Das schmerzhafte Durchleben in der ersten Hälfte hatte eine große Wucht. Ich wollte wissen, wie Linda sich zurück ins Leben kämpft. Doch es ist kein Kampf, sondern ein Überstehen der Tage und es sind kleine Dinge, die sie am Leben halten. „Ich kann wieder lesen.“ Dazu passt der distanzierte Schreibstil, der Abstand erlaubt, den es braucht. Ein unbequemes Buch, das Gedanken anstößt, Hoffnung schenkt, mitfühlen lässt und dankbar macht, für das Leben davor. Es wirkt nach. Kein leichtes Buch, aber sehr empfehlenswert!

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Rezensionen von La Calavera Catrina:

Hoffnungs- und fantasievoll

Die Tiere der Nacht von Sarah Ann Juckes

Das wunderschön schimmernde Cover lässt auf den ersten Blick nicht vermuten, dass es sich um ein tiefgreifendes Buch mit ernsten Themen handelt, das auf tröstliche und magische Weise Mut und Hoffnung spendet.

Für die zehnjährige Nora hat sich aller verändert, nachdem bei ihrer alleinerziehenden Mutter eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert wurde.

Nora musste in kurzer Zeit eigenständig werden, weil sie ihrer Mutter helfen möchte, aber sie ist noch ein Kind und überfordert mit der Situation. Für Nora wird PTBS zunehmend zu einem Tabuthema, welches mit Scham- und Schuldgefühlen verknüpft ist. Die schwierigen Themen dieser Geschichte erfahren Leichtigkeit durch die fantasievollen Geistertiere, die Nora begegnen und die Veränderungen, die sie bewirken. Sarah Ann Juckes schildert dies wunderbar bildhaft und gefühlvoll. Die schwarz-weiß-Illustrationen im Buch haben mir auch sehr gefallen. Je nachdem, um welches Tier es geht, tauchen sie in verschiedene Positionen immer zum Kapitelanfang auf. Hervorheben möchte ich auch die angenehme Kapitellänge und die große Schrift, die das Lesen erleichtert.

Mich hat «Die Tiere der Nacht» sehr berührt, begeistert und mitgerissen. Es ist ein Plädoyer dafür, dass wir uns anderen anvertrauen, wenn wir Hilfe brauchen, einander zuhören und unvoreingenommen bleiben, auch wenn wir nicht gleich alles verstehen. Es geht um Freundschaft, Unterstützung, Anderssein und Mut. Ich glaube, dass Kinder aus diesem Buch viel über Mitgefühl und Akzeptanz lernen können, und wie man schwierigen Situationen bewältigen kann, während der fantasievolle Teil zum Träumen einlädt. Denn Krankheiten oder Probleme stehen hier stellvertretend für Herausforderungen, die Nora glaubhaft durchlebt und Gefühlen der Angst und Wut begegnet, während alles vertrauensvoll seinen Lauf nimmt. Zudem ist es eine spannende Geschichte, die angetrieben wird von den Fragen: Warum sieht Nora die Geistertiere? Was wollen sie ihr zeigen? Und wie kann sie ihrer Mum helfen, wieder gesund zu werden? Ich bin wirklich froh, dass es Kinderbücher gibt, die auch vor solchen Themen nicht zurückschrecken, zum Nachdenken anregen und gleichzeitig spannende Unterhaltung bieten.

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Wasser zeigt die Verbindungen zwischen Orten und Zeiten

Am Himmel die Flüsse von Shafak Elif; Grabinger Michaela

"Am Himmel die Flüsse", das neue Buch der britisch-türkischen, international aufgewachsenen und mit vielen Literaturpreisen ausgezeichneten Schriftstellerin Elif Shafak, ist ein ganz besonderes literarisches Werk.

Es geht um die Verbundenheit von allem und allen auf dieser Welt, metaphorisch dargestellt durch das Wasser, das in seinen vielfältigen Formen, ob als Wassertropfen, unterirdischer Fluss oder überwältigende Sturzflut, menschliche Schicksale und Zeiten miteinander verknüpft.

Beginnend mit der Geschichte des Herrschers Assurbanipal im antiken Ninive begleiten wir schließlich den hochbegabten, aber in bitterste Not hineingeborenen Arthur, den "König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere", auf seinem Lebensweg in der Zeit der Industrialisierung, genauso wie im Jahr 2014 die 9-jährige Narin auf dem Weg zu ihrer Taufe ins Lalischtal, begleitet von ihrer liebevollen, geschichtenerzählenden Großmutter, sowie eine junge Hydrologin in London im Jahr 2018... und einen Wassertropfen auf seiner Reise durch die Weltregionen und die Jahrtausende.

Was macht für mich ein literarisches Meisterwerk aus?

Erstens die ganz besonders schöne, poetische Sprache: ein Buch, das schon mit seiner Wortwahl ein besonderer Lesegenuss ist und mit treffend gewählten Sprachbildern die Fantasie anregt. Davon findet sich ganz viel in diesem Buch, hier ein paar Beispiele:

"Die Kinder entwurzelter Eltern sind in den Stamm des Erinnerns hineingeboren."

"Arthur weiß inzwischen, dass die Grenzen zwischen Klassen in Wirklichkeit die Grenzen auf einer Landkarte sind. Wenn man in einer reichen und privilegierten Familie zur Welt kommt, erbt man einen Plan, auf dem der weitere Weg vorgezeichnet ist, der Abkürzungen und Nebenwege enthält, und der die üppig grünen Täler, in denen man rasten kann, ebenso nennt wie die schwierigen Stellen, die man besser umgeht. Wer die Welt ohne eine solche Karte betrifft, dem fehlt es an guter Orientierung. Der kommt viel leichter von seinem Weg ab, weil er auf vermeintliche Haine und Gärten zugeht, um schließlich festzustellen, dass er in Sumpf und Moor gelandet ist."

"Endlich habe ich meine Berufung gefunden: Es ist meine Pflicht, das Zerbrochene zusammenzufügen, den Menschen zu helfen, sich an das zu erinnern, was jahrhundertelang vergessen war, und das, was irgendwo auf dem Weg durch jene Zeit verloren gegangen war, wiederzufinden. Ich möchte wie die Themse sein. Ich werde mich um alles Weggeworfene, Beschädigte, Vergessene kümmern."

Mit solchen Sprachbildern ist das Buch voll.

Zweitens die komplexen, gut recherchierten und miteinander verbundenen Themen:

Beim Lesen dieses Buches kann man nebenbei sehr viel lernen. Zwar sind die Figuren fiktiv, doch das, was diese erleben oder ihnen zustößt, beruht überwiegend auf sehr sorgfältig recherchierten historischen Tatsachen (wie die Autorin im Nachwort auch selbst detailliert beschreibt). Dieses Buch hat mir Wissen über so unterschiedliche Gebiete wie das alte Mesopotamien, London zur Zeit der beginnenden Industrialisierung, das Wassergedächtnis, die vergrabenen unterirdischen Flüsse von London, Paris und vielen weiteren Metropolen (auch in Wien gibt es solche), den Völkermord an den Eziden in der Geschichte des osmanischen Reiches sowie durch den IS, Organhandel, die Klimakrise auch als Wasserkrise, die Problematik des Verschleppens von Kunstschätzen in ferne Museen und vieles mehr vermittelt, einfach so nebenbei beim Lesen.

Drittens das Bewusstsein für soziale und kulturelle Unterschiede, Benachteiligungen und Privilegien und wie sie die Möglichkeiten der einzelnen Menschen und ihre Weltsicht prägen. Das Buch zeigt etwa an vielen Beispielen (siehe z.B. das mittlere Zitat oben) auf, wie die eigene soziale Schicht und der eigene kulturelle und familiäre Hintergrund Türen öffnet oder schließt, wie schwierig es sein kann, diesem Hintergrund zu entfliehen und wie wenig Bewusstsein auf Seiten der Privilegierten dafür oft besteht, sowohl historisch als auch in der heutigen Zeit. Damit bietet das Buch viel Stoff zum kritischen Reflektieren und auch für Diskussionen mit anderen und eignet sich dadurch auch besonders gut für gemeinsame Leserunden.

Viertens authentisch gezeichnete, tiefgründige und facettenreiche Figuren und eine spannend erzählte Geschichte. Dieses Buch hat mich gepackt, wie schon länger keines mehr, und als ich die liebevoll gezeichneten Figuren einmal kennen gelernt hatte, war ich sehr schnell emotional tief mit ihnen und ihrem Schicksal verbunden, habe mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Bis zum Ende, das die verschiedenen Handlungsstränge noch einmal geschickt miteinander verwebt, war das Buch absolut fesselnd.

Es handelt sich hierbei also um ein literarisches Meisterwerk, wie ich schon länger keines mehr gelesen habe. Im Klappentext findet sich die Aussage des Schriftstellers Hanif Kureishi, es handle sich bei Elif Shafak um "eine der besten Schriftstellerinnen der Welt" - dem kann ich absolut zustimmen und werde definitiv noch weitere Bücher von ihr lesen.

Empfehlen kann ich das Buch allen, die sich für wirklich gute Literatur und/oder für die angesprochenen Themen interessieren, dieses Buch ist wirklich ein besonderer Lesegenuss.

Nötig ist allerdings, sich innerlich auch für sehr schwierige Themen menschlicher Grausamkeit zu wappnen: diese hat es in der Geschichte immer wieder gegeben, es gibt sie leider bis heute, und sie kommen auch detailliert im Buch vor.

Das macht beim Lesen gerade deshalb emotional besonders betroffen, weil es aufgrund der gut recherchierten wahren Hintergründe eben nicht möglich ist, sich mit der Vorstellung, es sei nur eine Geschichte, davon zu distanzieren: schreckliche Dinge werden Menschen, Tieren und der Natur durch andere Menschen angetan, bis zum heutigen Tag, und Elif Shafak spricht das klar und mutig an.

Es ist also trotz der schönen, poetischen Sprache und der spannenden Geschichte nicht nur ein reiner Lesegenuss, sondern macht auch sehr nachdenklich und sensibilisiert für das Leid der Welt und für das, was Menschen, Tieren und Natur angetan wird, bis zum heutigen Tage. Damit kann es aber auch aufrütteln, sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für eine bessere Welt einzusetzen.

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Rezensionen von Peachybookdreams :

Xanthia ein Ort voll Sünder

Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz von Beril Kehribar

Grausam, brutal und detailliert. Diese Geschichte ist nichts für schwache Nerven.

Schreibstil: Die Autorin hat mich sehr schnell mit ihrem Schreibstil fesseln können. Die ersten Kapitel zeigen die Geschehnisse, weswegen unsere Protagonistin Zoe in Xanthia gelandet ist. Bitte nehmt euch das Vorwort der Autorin zu Herzen.

Sexuelle und körperliche Gewalt werden sehr detailliert und graphisch beschrieben.Ich musste manchmal kurz durchatmen, denn ein paar Szenen sind echt nicht ohne.

Es gibt jedoch einen Kritikpunkt an dem Schreibstil. Auch wenn er spannend war, hatte ich manchmal das Gefühl, dass ein paar Szenen nicht ganz ausgearbeitet waren. Ganz besonders ist mir das bei den zwei Missionen bezüglich der Relikte aufgefallen. Bei dem Ersten musste ich ein paar Mal nachlesen, aber trotzdem kam mir die Stelle nicht logisch vor. Bei der zweiten Aufgabe hat es mich irritiert, dass Zoe, obwohl sie gerade noch an einem anderen Ort war, im nächsten Satz wieder in Alexeis Schloss war. An diesen Stellen war mir das etwas zu sprunghaft oder ich habe einfach nicht ganz verstanden, wie die Relikte funktionieren.

Charaktere: Zoe kümmert sich um ihre kranke Mutter. Für sie erträgt sie all die schrecklichen Nächte und Erfahrungen, die sie durch die Prostitution erfährt.Zoe ist mir sehr nah gegangen, ihre Gedanken und Handlungen fand ich realistisch und nachvollziehbar. Trotz des Traumas muss Zoe weiterkämpfen,um ihre Mutter wieder sehen zu können.Sorgen,Ängste aber auch Hoffnung spielen deshalb eine große Rolle in Zoe’s Entwicklung.

In Xanthia trifft sie nicht nur auf Alexei, der unerwartete Gefühle in ihr auslöst, auch Gesichtern aus ihrem Leben vor dem Tod begegnet sie hier wieder.Es gibt viele Lügen und unausgesprochene Dinge, die für Spannung sorgen. Bei Alexei bin ich noch etwas hin und hergerissen. Er überlässt Zoe die Führung, für welche Schritte sie breit ist. Dennoch mache ich mir Sorgen, denn auch er hat Geheimnis und eine brutale Seite an sich. Ich bin mir sicher, dass Alexeis Beweggründe noch tiefer gehen werden. Die anderen Nebencharaktere sind auch interessant.Sehr gespannt bin ich persönlich auf Nika und darauf, ob ich mit meiner kleinen Vermutung richtigliege.

Das Setting: Ein Blutroter Himmel, eine Welt, deren Natur von dem Blut und dem Leid der Sünder genährt wird. Genau das erwartet euch in Xanthia, dem Ort, an dem die Xathyr Sünder für ihre Verbrechen bestrafen.
Das düstere und luxuriöse Schloss, die rötliche Lichtatmosphäre und der Garten mit Pflanzen, die in Xanthia anders aussehen als gewohnt, haben eine eigene gruselige Schönheit.

Fazit: Die Welt und die Charaktere haben mir sehr gefallen und auch der Plottwist am Ende macht mich neugierig auf den zweiten Band. Die einzige Kritik, die ich habe, ist, dass es ein paar Logiklücken gab, aus denen ich nicht ganz schlau wurde. Deshalb schwanke ich zwischen 3,5-4 Sternen.

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