Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Spannende Beziehungsgeflechte
Schattengrünes Tal von Kristina Hauff
Ich hatte durchaus gewisse Erwartungen an das Buch, nachdem mir zuletzt „In blaukalter Tiefe“ von der Autorin wirklich sehr gut gefallen hat. Am Anfang war ich daher etwas enttäuscht oder besser gesagt ernüchtert, weil diesmal der Funke nicht so recht überspringen wollte.
Gerade Lisas Perspektive war eher eine Aneinanderreihung von Aktivitäten, was mich nicht direkt gelangweilt hat, aber auch nicht unbedingt total unterhaltsam war.
Erst mit der Zeit kam dann diese subtile Spannung auf, die mir beim letzten Buch so gefallen hatte und dann war ich auch richtig gefesselt.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, das mag ich sowieso gerne, weil es einen besseren Überblick über die Geschehnisse, aber auch das Innenleben der Personen gibt und man Situationen dadurch umfassender einschätzen kann.
Die Autorin schafft es immer besonders gut, das Zwischenmenschliche darzustellen, mit behutsamem Blick auf die Gefühle ihrer Protagonisten. Und über allem liegt eine feinsinnige Spannung mit verschiedenen Beziehungsgeflechten auch und insbesondere toxischer Art, das fand ich wirklich sehr packend zu lesen und auch die Entwicklung der Figuren mitzuverfolgen.
Nach kurzen Startschwierigkeiten hat mir „Schattengrünes Tal“ am Ende wirklich gut gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der oder die leise Spannung und psychologischen Tiefgang mag.
Rezensionen von Ameland:
Zuckersüße Naschhexe
Bella Karamella - Achtung, zauberhafte Freundin! von Gundi Herget
Elfie teilt sich ihre Süßigkeiten sehr genau ein, weil ihre Mama nicht über viel Geld verfügt und es deswegen nur wenig Naschkram gibt. Aber plötzlich bedient sich jemand an ihrer Schokolade. Wer kann das bloß sein?
Elfie ist ein liebenswertes Mädchen. Ich mochte sie sofort, auch weil sie ihr Glück nicht über Geld, teure Kleider oder das neuste Smartphone definiert.
Aber auch die kleine quirlige Naschhexe muss man einfach gerne haben. Auch wenn der Start zwischen Elfie und Bella nicht so gut verläuft, werden sie noch beste Freundinnen.
Ein zauberhaft geschriebenes Kinderbuch von Gundi Herget voller Abenteuer und einer guten Prise Humor, bei dem man sehr gut mitfiebern kann. Es geht dabei nicht nur um Freundschaft, sondern auch um Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Zusammenhalt und auch Neid. Mindestens genauso bezaubernd sind auch die vielen Illustrationen von Barbara Korthues.
Rezensionen von Rinoa:
Habe mir mehr erwartet
Die Geschichte des Klangs von Ben Shattuck
Das Buch hat mich am Ende so ein wenig ratlos zurückgelassen. Auf der einen Seite fand ich die Geschichte von Lionel und David wirklich schön und auch poetisch geschrieben. Auf der anderen Seite sind knapp über 100 Seiten nicht gerade viel und für meinen Geschmack vielleicht sogar zu wenig, um alles in seiner Gänze zu erfassen.
Ich würde nicht so weit gehen, so sagen, dass ich die Erzählung oberflächlich fand, aber es gibt doch einige Lücken, die Interpretationsspielraum lassen und die gerne etwas mehr hätten gefüllt werden dürfen.
Auch waren mir die zeitlichen Abläufe bzw. wie viel Zeit insgesamt vergangen ist trotz mehrmaligen Lesens nicht ganz klar, was mich schon auch gestört hat und einen kleinen unbefriedigenden Beigeschmack hinterlassen hat.
Der zweite Teil erschien mir zwar etwas konstruiert, aber trotzdem berührend, dass der Fund der Wachswalzen und die Auseinandersetzung mit deren Geschichte auch etwas in Annie und ihrem Leben bewegt.
Alles in allem fand ich „Die Geschichte des Klangs“ nicht schlecht, habe mir aber durchaus mehr erwartet.
Rezensionen von bedard:
Erschreckend realistische Politsatire
Das Geschenk von Gaea Schoeters
Nach dem großen Erfolg ihres Romans Trophäe hat Gaea Schroeter mit ihrem neuen, nur 138 Seiten umfassenden Buch eine Politsatire veröffentlicht, die angelehnt ist an eine wahre Begebenheit:
Als Reaktion auf die europäische Kritik an Botswanas Regulierung der Elefantenbestände durch Abschuss forderte der damalige Präsident Mokgweetsi Masisi im Jahr 2024 die Bundesregierung auf, 20.
000 afrikanische Elefanten aufzunehmen. Zugleich wehrte er sich gegen die neokoloniale Bevormundung.
Im Roman tauchen eines Morgens aus heiterem Himmel Elefanten vor dem Bundeskanzleramt in Berlin auf. Erst nur einzelne, dann werden immer mehr gesichtet. Zunächst weiß niemand, woher sie kommen. Der fiktive Bundeskanzler Winkler erfährt aber bald, dass es sich um ein Geschenk der botswanischen Regierung handelt. Sollten Tiere getötet werden, wird sofort Ersatz geliefert. Zunächst fallen die Reaktionen der Bevölkerung eher positiv aus. Doch bald kommt es zu ersten Konflikten und Unfällen, die Elefanten fressen nicht nur viel, sie scheiden auch entsprechend viel aus.
Das Problem beschäftigt schließlich das gesamte Bundeskabinett, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten werden hin- und hergeschoben. Alles vor dem Hintergrund, dass sich die rechte Opposition das Versagen der Regierung zu Nutze macht. Schließlich wird eine Elefantenbeauftragte eingesetzt, die das Problem entweder lösen soll oder im Falle des Scheiterns die Verantwortung tragen muss.
Die erste Hälfte dieses Romans unterhält mit vielen Seitenhieben auf den Politikbetrieb und auf unschwer zu identifizierende Bundesländer und deren Regierende, die Sonderrechte für sich beanspruchen, wenn es um die Verteilung von Lasten geht. Sehr nah an der Realität ist auch der Umgang mit Frauen und deren Rolle im politischen Machtzentrum.
In der zweiten Hälfte sind die Auswirkungen politischer Entscheidungen deutlicher spürbar. Entscheidungen, die wider besseren Wissens getroffen werden und nur auf kurzfristige nationale Lösungen ohne Rücksicht auf Nachbarn oder globale Konsequenzen zielen. Am Ende steht der fiktive Kanzler vor der Entscheidung, ob er die moralisch richtige Entscheidung trifft, dafür aber seine Wiederwahl gefährdet.
Stilistisch und inhaltlich hat mir der Roman sehr gefallen. Die treffenden Beobachtungen zum Regierungshandeln und die fundierten Kenntnisse über afrikanische Elefanten sind beeindruckend.
Klare Leseempfehlung!
Rezensionen von Eternal-Hope:
Dieses Buch spricht mir aus der Seele
UNIversal gescheitert? von Lisa Niendorf
Vor kurzem habe ich "UNIversal gescheitert?" von Lisa Niendorf fertig gelesen und ich bin voll der Bewunderung für dieses großartige Buch einer mutigen Frau, die so vieles von dem, was ich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Laufe der Jahre als Studierende und Mitarbeitende auf unterschiedlichen Universitäten erlebt haben, offen ausspricht.
Wie die Autorin das am Anfang ihres Buches anspricht, gibt es in den Köpfen vieler Menschen immer noch ein überhöhtes, idealistisches Bild von Universitäten und Wissenschaft, als ob das ein heiliger Raum wäre, in dem keine Missstände herrschen würden.
Wer aber näher mit diesem System in Berührung kommt, ob als Studierende oder später vielleicht als hoffnungsvolle Doktorandin oder wissenschaftlicher Projektmitarbeiter, wird oft bitter desillusioniert von all den Missständen, die es da gibt und gegen die man sich oft so machtlos fühlt. Denn kaum jemand unterhalb der ordentlichen Professuren - die nur von ganz wenigen privilegierten Menschen und wenn überhaupt, meist erst frühestens im mittleren Erwachsenenalter erreicht werden - hat kaum jemand eine gut abgesicherte Position auf einer Universität, die es erlaubt, offen Kritik zu üben, ohne die eigene Vertragsverlängerung zu gefährden.
Ich schätze die Ehrlichkeit der Autorin, mit der sie zugibt, selbst eine der wenigen zu sein, die im akademischen Mittelbau einen unbefristeten Vertrag erhalten haben, und wie das ihr dabei hilft, sich zu trauen, so ein mutiges Buch zu schreiben, das viele Widerstände so deutlich offen legt.
Um welche Missstände geht es in dem Buch? Um stark unterfinanzierte Universitäten, marode Gebäude, überfüllte Studiengänge. Um ein extrem hierarchisches System, in dem, wie oben beschrieben, alle unterhalb der allerhöchsten Positionen auch bei exzellenten Leistungen und noch so viel Fleiß und Anstrengung ständig um ihre Stelle zittern müssen, und das strukturell zu Machtmissbrauch regelrecht einlädt.
Denn es handelt sich bei näherer Betrachtung um ein System, das Ausbeutung und Missbrauch nicht nur verleugnet, sondern teilweise regelrecht fördert: denn Karriere macht etwa, wer die meisten Publikationen aufweisen kann. Und wer dafür abhängige wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausnützt, ihnen viele unbezahlte Überstunden aufbrummt, sie fast die ganze Arbeit alleine machen lässt und dann aber ausschließlich den eigenen Namen auf die Publikationen schreibt, der hat auf dem Papier eine längere und eindrucksvollere Publikationsliste vorzuweisen. Ehrlichkeit, Redlichkeit und insbesondere die Qualität der eigenen Lehre oder gar besonderes Engagement für Studierende zählen hingegen kaum etwas für das Vorankommen im akademischen Bereich, können sogar hinderlich sein.
Der Autorin gelingt es, überzeugend und anhand von vielen Beispielen und einer fundierten Analyse des Aufbaus des wissenschaftlichen Systems, zu zeigen, dass die vielen Missstände in diesem Bereich eben keine Ausnahmefälle sind, sondern mit der Struktur dieses Systems zusammenhängen, welche zum Teil aktiv und bewusst aufgebaut wurde und geschützt wird, um die Interessen der Mächtigen zu vertreten. Da ist es auch kein Wunder, dass mit jeder Hierarchieebene auf den Universitäten mehr weiße heterosexuelle Männer aus sozioökonomisch privilegierten Milieus vertreten sind und alle, die in einer oder mehreren Kategorien davon abweichen, weil sie etwa Frauen, queer, migrantisch, mit Betreuungspflichten oder aus Arbeiterfamilien sind, sich schwer tun, hier ihren Platz zu finden und ihn zu behalten. Denn Menschen fördern meist die, die ihnen ähnlich sind, und auch Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Ausbeutung und sexualisierte Gewalt sind nicht nur in der Gesamtgesellschaft, sondern auch auf Universitäten weit verbreitet, wie die Autorin eindrucksvoll anhand von aktuellen Zahlen und Beispielen belegt.
Sprachlich ist das Buch sehr zugänglich und gut verständlich geschrieben und die Autorin hat sich große Mühe gegeben, sich nicht hinter akademischer Sprache zu verschanzen, sondern das Buch für eine breite Menge an Interessierten lesbar zu machen und alle nicht allgemein bekannten Konzepte zu erklären.
Ich wünsche diesem Buch von Herzen, dass es viele Leserinnen und Leser findet, in der allgemeinen Bevölkerung, aber auch unter jenen in Machtpositionen, bei denen es vielleicht ein Umdenken bewegen möge, um eine wissenschaftliche Landschaft zu gestalten, die gerade die engagiertesten und klügsten Köpfe aus der gesamten Bevölkerung nicht frustriert und vertreibt, sondern wertschätzt und ihnen einen Raum gibt, sich einigermaßen abgesichert zu entfalten und damit zum Wohle aller zur Vielfalt der Perspektiven im wissenschaftlichen Bereich beizutragen. Das würde den aktuellen und zukünftigen Studierenden, der Forschung und der Gesamtgesellschaft sehr zugute kommen. Danke für dieses mutige Buch!
Rezensionen von Shilo:
Mutig zwischen Herz und Freiheit
Das mutige Mädchen von Lotte Römer
Schon der Anfang der Geschichte hat mich direkt gepackt, weil alles so anschaulich beschrieben ist. Die Schilderungen lassen Innsbruck mit seinen engen Gassen, Stoffläden und dem geschäftigen Treiben deutlich vor dem inneren Auge entstehen. Lotte Römer beschreibt die Stadt so lebendig, dass ich mich sofort mitten im Geschehen gefühlt habe.
Elsa ist mir schnell ans Herz gewachsen. Ihre Leidenschaft für das Nähen, ihre stille Entschlossenheit und ihr Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wirken glaubhaft und berührend. Ich konnte gut nachvollziehen, wie sie zwischen Pflicht und Freiheit, zwischen Gefühl und Vernunft ihren eigenen Weg sucht. Besonders mochte ich, dass sie dabei nicht als makellose Heldin erscheint, sondern als junge Frau, die trotz Rückschlägen an sich glaubt.
Der Kontrast zwischen dem charmanten Richard und dem bodenständigen Clemens sorgt für Spannung, ohne ins Klischee abzurutschen. Ich war neugierig, wem Elsa am Ende wirklich vertrauen kann, und ob ihr Traum von der eigenen Schneiderei wahr wird. Die Szenen, in denen sie an ihren Entwürfen arbeitet, haben mir besonders gut gefallen.
Beeindruckt hat mich auch, wie feinfühlig die Autorin die gesellschaftlichen Grenzen der damaligen Zeit beschreibt. Frauen, die mehr wollten als Heirat und Häuslichkeit, mussten Mut beweisen. Genau das macht Elsa deutlich. Und es war schön, alte Bekannte aus dem ersten Band wiederzutreffen.
Frau Römer erzählt warm und detailreich. Ihre Sprache ist flüssig und ungekünstelt, sie schafft es, die Geschichte lebendig werden zu lassen. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und war bis zum Schluss ganz bei Elsa. Ihre Entwicklung hat mich bewegt, ihr Mut hat mich beeindruckt.
Für mich ist dieser Band sogar noch runder und gefühlvoller als der erste. Die Balance zwischen Romantik, Zeitgeschichte und persönlicher Stärke stimmt einfach. Ich habe das Buch mit einem Lächeln beendet und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, die Josefas Geschichte erzählen wird.
Fazit: Ein warmherziger historischer Roman über Mut, Selbstvertrauen und die Suche nach dem eigenen Weg. Voller Gefühl, aber ohne Kitsch. Lotte Römer hat mich erneut mitgenommen in eine vergangene Zeit, die sich ganz nah anfühlt.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung
Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:
Auf geht’s zum dritten Mal an den Gardasee
Salute - Das letzte Gebet von Friedrich Kalpenstein
Zum dritten Mal nimmt uns Friedrich Kalpenstein mit an den Gardasee und lässt uns dort mit Lanza und Zeitler ermitteln :
Toll konstruierter Fall, der den Leser / die Leserin völlig in ihren Bann zieht. Man rätselt und ermittelt mit und trifft natürlich auf alte Bekannte, aber auch auf neue Figuren.
Und genau das mag ich so sehr an den Büchern von Friedrich Kalpenstein : er hat die wundervolle Gabe, die Figuren seiner Bücher so bildlich und authentisch darzustellen, dass man zu jeder Figur ein klares Bild vor Augen hat. Wer die beiden vorherigen Bände kennt ( was nicht zwingend notwendig ist, weil die Büber in sich abgeschlossen sind ), der erlebt mit, wie die Figuren wachsen und von Buch zu Buch fühlt es sich immer mehr an, als würde man auf gute Freunde treffen.
Der Schreibstil von Friedrich Kalpenstein ist flüssig und leicht, so dass man von Anfang an gut in das Buch hineinkommen und in der Geschichte landet. Die Kulisse des Gardasees ist da das Tüpfelchen auf dem I – wunderschön dargestellt und beschrieben, so dass man ganz in das Buch eintauchen kann.
Für mich ist der dritte Tel der Salute-Reihe absolut gelungen und Friedrich Kalpenstein lässt definitiv nur einen Wunsch offen : möge das nächste Buch ganz schnell erscheinen !
Eine absolute Leseempfehlung von mir !!!!
Rezensionen von clematis:
Schneiderliebe
Das mutige Mädchen von Lotte Römer
Elsa liebt das Nähen, immer wieder zieht es sie in das schöne Weißwarengeschäft von Herrn Tannhäuser, der ihr die Schneiderei näher bringt und ihr irgendwann auch eine Mitarbeit in Aussicht stellt. Der Traum, ungebunden und unabhängig von einem Mann zu sein, ist greifbar nahe und während der charmante Richard trotz aller Sehnsucht nach Eigenständigkeit ihr Herz höher schlagen lässt, ist der Stoffhändler Clemens ein verlässlicher Freund in schwierigen Zeiten.
Wohin wird Elsas Lebensweg wohl führen?
Charmante Bilder aus Innsbruck im Jahre 1891 begleiten uns durch spannende Momente in Elsas Leben, denn das Schicksal sieht eine unüberschaubare Weggabelung für das sympathische Fräulein vor. Nachdem schon die ältere Schwester Fannerl aus dem Elternhaus geflohen ist, muss nun Elsa entscheiden, ob sie sich den Wünschen des Stiefvaters beugt oder sich den Herausforderungen eines Lebens auf eigenen Füßen stellt. Warmherzig und empathisch erzählt Lotte Römer diese unterhaltsame Geschichte, flicht trotz aller Ernsthaftigkeit auch immer wieder Humorvolles ein, sodass man nicht nur bangen, sondern auch schmunzeln darf und sich anhand des detailreichen Schreibstils selbst in längst vergangene Tage zurückversetzt fühlt.
Eine wunderbare Lektüre, die mir – wie schon Band 1 – zauberhafte Lesestunden beschert hat. Empfehlenswert.
Rezensionen von Micki:
Solides Buch, was man schnell runterlesen kann
No Way Home von T.C. Boyle
Insgesamt gehört das Buch mal wieder zu den besseren Werken Boyles, doch es erreicht längst nicht das Niveau seiner bekanntesten, frühen Romane. Es zeigt Borgings Stärken, bleibt aber hinter den größten Meilensteinen seiner Karriere zurück.
Der Schreibstil ist wirklich gut: flüssig, zügig lesbar und bildhaft.
Boyle schafft es, die Handlung zügig voranzutreiben, ohne sich in Schnörkeleien zu verlieren, und der Text lässt sich recht leicht „von der Hand lesen“. Das macht das Buch auch für Leserinnen und Leser attraktiv, die eher zu zeitgenössischer Belletristik greifen.
Was der Roman teilweise an Spannung und Tiefe fehlen lässt, macht er stilistisch oft wieder wett: Die Sätze fließen, die Szenen funktionieren rasch, und die Atmosphäre wird glaubwürdig eingefangen. Dennoch wirken einige Figuren blass: Charaktere wie Bethany und Terry, die nicht wirklich an Tiefe gewinnen, bleiben sichtbar, aber nicht greifbar. Ihre Motivationen und Entwicklungen ziehen sich eher exemplarisch durchs Buch, statt sich greifbar zu verankern.
Fazit: No Way Home ist ein solides bis gutes Werk von Boyle mit einem starken, lesefreundlichen Stil. Es gelingt, schnell zu fesseln, bleibt aber hinter den außergewöhnlichsten Werken des Autors zurück, insbesondere in Bezug auf Charakterzeichnung und psychologische Tiefe. Wer Boyle mag, sollte zugreifen, doch wer dessen frühere Klassiker sucht, könnte enttäuscht sein.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Ingrid Weilharter:
Genialer Plot, nicht so genialer Schreibstil....
Die Passantin von Nina George
Das Lesen dieses feministischen Werkes war für mich keine leichte Aufgabe. Ich empfand es als mühsam und irritierend und wurde aus dem Buch nicht richtig schlau. Im Nachhinein erkannte ich, dass es der Erzählstil der Autorin war, der mich irritierte.
Einerseits schreibt sie poetisch und subtil mit wundervollen symbolgeschwängerten Sätzen, dann wird sie plötzlich in ihrer Ausdrucksweise brutal und vulgär.
Das ist schade, denn die verbale Unschlüssigkeit und Ambivalenz scheint mir dem Lesen des Roman abträglich zu sein.
Mir hat die Idee des Romans gefallen, einer von außen oktruierten Identität zu entfliehen und eine neue Person und damit sich selbst zu finden. Und wie schwierig und langwierig dieser Prozeß der Selbstfindung aus feministischer Sicht sein kann. Den Plot vor dem Hintergrund der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung zu setzen, finde ich genial. Das feministische Plädoyer der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung von Frauen ebenfalls.
Schade nur, dass der Autorin die sprachliche Umsetzung nicht wirkich gut zu gelingen scheint.










