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Rezensionen von Wolle:

Lange Anlaufzeit

Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester

Kate lebt mit ihrem Mann Jerry ein glückliches und privilegierte Leben in London, bis letzterer plötzlich und unerwartet verstirbt. Kurz nach dessen Tod erscheint die erfolgreiche Serie „Betrug“ auf Netflix. Als alle nur noch von dieser Serie reden, sieht sich auch Kate die Sendung an und erkennt detailgenau ihr Leben mit Jerry.

Verwirrt recherchiert Kate wer hinter dieser Serie steht und wie intimste Details, über die eigentlich niemand Bescheid weiß, an diese Person gelangten. Schnell gelangt Phebe in den Fokus.

Die Handlung des Romans besteht aus zwei abwechselnden Sichtweisen. Die von Kate und die von Phoebe. Auch werden abwechselnd immer wieder Ereignisse aus der Gegenwart sowie aus der Vergangenheit der beiden Hauptpersonen erzählt. In welch enger Verbindung die beiden Frauen stehen wird erst im Verlauf der Handlung, vor allem gegen Ende, deutlich. In kurzen Zwischenkapiteln werden prägnante Auszüge aus der Serie „Betrug“ wiedergegeben.

Anfangs empfand ich die Handlung etwas langatmig und nicht sonderlich spannend. Erst ab etwa der Hälfte des Romans nimmt die Story endlich an Fahrt auf. Allerdings gestaltete sich der Verlauf des Romans nicht ganz so wie ich es erwartet hätte. Anders als in der Beschreibung des Klappentextes empfand ich nicht die Suche wer hinter der Serie und der Nacherzählung des eigenen Lebens steckt als Mittelpunkt der Handlung, sondern die Aufarbeitung der Vergangenheit der beiden Frauen, sowie den anschließenden Racheplan. Amüsiert haben mich vor allem die Abschnitte die Phoebes Mutter gewidmet waren.

Das Cover des Buches finde ich nicht gelungen. Es wirkt lieblos und unkreativ. In einem Buchladen würde es auf keinen Fall aus der Masse herausstechen. Auch der Titel konnte mich nicht überzeugen. Er ist für mich nicht eingängig und erschließt sich erst gegen Ende der Handlung. Außerdem steht er lediglich für einen Teil der Handlung.

Insgesamt handelt es sich bei dem Roman um eine schwach beginnende Handlung die sich jedoch je weiter man liest immer mehr steigert. Es lohnt sich also nicht vorschnell abzubrechen. Während humorvolle Szenen bereits zu Beginn vereinzelt zu findet ist, muss man für die Spannung schon bis zur Mitte des Romans lesen. Dafür wird man dann mit überraschenden Wendungen belohnt.

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Man hätte mehr aus der Geschichte machen können

Das Knistern im All von Stephan Lohse

Matti steckt mit seinen 15 Jahren mitten in der Pubertät, mit all deren Problemen. Doch nicht nur in Beziehung auf die Liebe ist der Jugendliche außerordentlich verwirrt, es stellt sich heraus, dass ihn auch psychologische Probleme quälen.

Während einer Klassenfahrt nach Amrum bricht Matti zusammen.

Im Anschluss verbringt er viel Zeit bei seiner Psychologin und schließlich in einer Klinik. Nach seiner Genesung taucht er dann für einige Tage unter. Während der ganzen Zeit, durch alle Höhen und Tiefen, begleiten ihn seine Freunde, die immer zu ihm stehen. Auch die Eltern, sehr betucht und stets bemüht um ihren Sohn, halten immer zu Matti. Genau deshalb hatte ich mit der ganzen Geschichte auch ein Problem. Es fühlt sich so unecht an. Kein Streit, stets Harmonie zwischen allen Personen. Das einzige mit was Matti nicht zurecht zukommen schein ist seine Umwelt: der Reichtum seiner Eltern, der Nazi in der Klasse und das Erwachsenwerden im Allgemeinen. Aber die zwischenmenschliche Harmonie finde ich wirklich extrem unrealistisch. Selbst als Matti die Luxuskarosse seiner Mutter schrottet und verbrennt, überdies auch noch filmt und live seiner Mutter präsentiert, ist diese zwar nicht erfreut, schafft es angesichts ihres glücklichen Sohnes aber nicht auch nur ein böses Wort zu sagen. Ich fand dieses Verhalten etwas verwirrend, oder sollte es angesichts des Reichtums der Eltern einfach nur dekadent wirken?

Insgesamt konnten mir die Personen, insbesondere Matti auch nicht so nahekommen. Die Handlung wirkt sehr distanziert. Die Probleme mit denen sich Matti herumschlägt werden lediglich immer wieder nur kurz angerissen. Ich denke 167 Seiten sind hier einfach etwas knapp um die Handlung vernünftig zu erzählen. Was aus der Geschichte hängen geblieben ist, ist die extreme Hin- und Hergerissenheit Mattis, das für sein Alter so bezeichnend ist sowie seine Identifikation mit dem Leben seiner Eltern. Insgesamt war mir die Handlung jedoch viel zu oberflächlich. Die Geschichte hätte viel mehr Potenzial gehabt.

Das Cover ist ein echter Hingucker. Die Beschreibung mit der Antilope im Innenteil passt aber nicht zusammen. Matti beschreibt das Tier ohne Hörner. Außergewöhnlich sind das Cover sowie der Tiel jedoch allemal und wecken somit sofort die Neugier auf den Inhalt des Romans.

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Ein modernes Mädchen

Eine kleine Schwindelei von Rosanna Pike

Im mittelalterlichen England verliert die jugendliche Tibb nach der Geburt ihrer Schwester ihre Mutter früh. Allein beginnt für die Landstreicherin nun eine Reise durch das Land. Dabei trifft sie auf die unterschiedlichsten Menschen.

Neben den vielen hartherzigen Bekanntschaften, lernt sie aber auch so manche gute Seele kennen.

Immer handelt es sich dabei selbst um Außenseiter und Ausgestoßene der Gesellschaft. Der Roman zeichnet so das überaus beschwerliche und düstere Leben der damaligen Zeit nach, das ein wahrer Überlebenskampf ist. Bei Tibb wechseln sich melancholische, überaus selbstkritische aber auch heitere und gar sehr freche Stimmungslagen miteinander ab. Auch in den schwierigsten Lebenslagen fängt sie sich immer wieder und findet neuen Lebensmut. Tibb ist so ein unterhaltsamer Charakter, dass man gar nicht genug von ihr bekommen kann.

Die Handlung besteht entgegen den vielen anderen historischen Romanen nicht darin geschichtliche Ereignisse zu erzählen, sondern die Lebens- und Stimmungslage der Zeit einzufangen. Mit der modernen und frechen Sprache wirkt der Roman dabei alles andere als wie eine verstaubte historische Erzählung.

Durch kurze Kapitel und einen reichhaltigen Handlungsverlauf lässt sich das Buch schnell durchlesen. Unterbrochen wird die Reise Tibbs durch kurze Zwischenkapitel, in denen schnell klar wird, dass es sich hier um das spätere Schicksal Ivos, ihrem frühen Freund, handelt. Der lange unklare Zusammenhang der beiden Handlungsstränge hält die Spannung aufrecht.

Das Cover mit dem Heiligenschein auf dem blonden Mädchen zieht den Blick auf sich und ist auf jeden Fall außergewöhnlich. Tibb wirkt darauf wie ein Engel, was sie ja in keinster Weise ist und wie sie sich selbst sicher auch nicht sehen würde. Ein ganz besonderer Mensch, der unter den vielen Menschen mit ihrer verengten und kleinlichen Sicht heraussticht ist sie jedoch allemal. In ironischer Weise passt das Cover hervorragend zu dem Mädchen, dass sich in keine Schublade stecken lässt.

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Abgründe

FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister

Fünf Menschen stehen an einem Bahnsteig. Eines ist schon am Anfang der Handlung klar. Einer von gleich sterben. Doch wer wird es sein? Diese Frage wird – obwohl die ganze Handlung nur wenige Minuten dauert – erst ganz am Ende des Romans beantwortet.

Zunächst wird die Situation am Bahnsteig in einer Rahmenhandlung in allen Details erörtert.

In langen Einschüben wird dann jeweils das Leben jeder einzelnen dieser Personen unter die Lupe genommen. Mit der Zeit bildet man sich bereits sein Urteil, wenn es trifft oder treffen sollte. Doch die Autorin weiß, für wen wir uns entscheiden.

Ich fand den Thriller interessant, da er etliche ungewöhnliche Stilmittel enthält, die ihn aus der Masse herausheben. Einerseits wird der Leser immer wieder direkt angesprochen. Außerdem handelt es sich nicht um einen actionreichen Thriller bei dem dauern etwas anderes passiert, sondern der Fokus wird auf das psychologische Innenleben der fünf Protagonisten gelegt, dagegen bleiben einige weitere Passanten, von denen auch im Buch berichtet wird, weitgehend anonym. Alle diese Figuren verbergen Abgründe in sich, die man so nicht erahnt hätte. Vor allem die Geschichte von Mrs. Worth ist schockierend. Schlussendlich ist auch die Besonderheit, dass der Tod am Ende des Romans eintritt und dass die ganze Handlung nur wenige Minuten dauert herauszuheben. Trotz der ungewöhnlichen Erzählweise fand ich den Thriller dennoch sehr spannend. Man wird in jedem Kapitel wieder aufs Neue überrascht.

Das nette Titelbild täuscht über den Inhalt. Cover und Titel beziehen sich lediglich auf die besondere Zeitdarstellung des Romans. Die Abgründe hinter den Betroffenen werden hier nicht thematisiert

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Eine weitere Reise ins Immerland

Immerland - Der Ozean der Ewigkeit von Flix

Mika reist ein weiteres Mal ins Immerland. Dieses Mal ist es seine Klassenkameradin Stessika, die er eher unfreiwillig in die fantasievolle Parallelwelt begleitet. Bei einem Schulausflug gelangen sie durch eine Tropfsteinhöhle nach Immerland. Dort treffen sie so manche alte Bekannte, aber auch viele neue fantastische Wesen, wie den Glastiger oder den Zweihai.

Wie bereits im ersten Band geht es auch bei seinem zweiten Besuch in Immerland äußerst turbulent zu. So jagt ein Ereignis das nächste. Selbst beim Lesen scheint man kaum zu Atem zu kommen. Von der ersten bis zur letzten Seite kommt daher keine Langeweile auf. Dabei verbirgt sich hinter der Handlung immer ein dezenter Humor, der den Roman gerade auch für Erwachsene lesenswert macht.

Besonders gelungen finde ich die vielen Illustrationen in dem unverwechselbaren Stil des Autors. Auch das Cover ist in diesem Stil gestaltet. Bereits mit einem kurzen Blick auf das Titelbild kann man das turbulente Abenteuer, das den Leser erwartet, erahnen.

Insgesamt eine äußerst fantasiereiche, humorvolle und eigenwillige Jugendbuchreihe die aus der Masse heraussticht. Wir freuen uns schon auf den dritten Band

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Sprachlich billiant

Querfeldein von Alex Capus

Der Gasthof im Tal des deutsch-schweizerischen Grenzverlaufs mit dem ungewöhnlichen Namen „zur Moskau“ ist der zentrale Schauplatz des Romans. Von seiner Entstehung durch Arnold, als dieser noch Junggeselle war, bis hin zu seinem Schwiegersohn, der sich in politische Schwierigkeiten verwickelt.

Was mir an diesem Roman wirklich sehr gut gefallen hat ist der einzigartige Schreibstil des Autors.

Mit Witz und Poesie erzählt er die Geschichte um Arnold. Oft gleicht die erzählerische Darstellung geradezu einem Märchen. Auch die sprachlichen Dialoge zwischen den einzelnen Personen sind überaus amüsant. Ebenso sind die Charaktere sehr besonders. Vor allem Betty und die erstgeborene Tochter zeichnen sich durch eine eigenwillige und starke Persönlichkeit aus.

Das Cover mit dem Tal und dem Gasthof darin, passt sehr gut zum Inhalt. Farblich ist es sehr harmonisch und dennoch auffallend gestaltet.

Für mich war es weniger die Handlung als die sprachliche Kunst und die Charaktere die den Roman zu etwas ganz Besonderem machen. Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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Lebenswege

Magisch von Annika Büsing

Im Mittelpunkt des Romans stehen Marie und Paul Magisch. Vor vielen Jahren, bevor beide aus ihrem Heimatdorf wegzogen, waren sie ein Paar. Nun treffen sie sich wieder. Beide haben andere Wege eingeschlagen als einst gedacht, während sich Magisch mit einem zwielichtigen Jobs, bei denen er tote Tiere entsorgt, über Wasser hält, betreibt Marie eine Hundetagesstätte.

Nach ihrem Wiedertreffen nähren sich Marie und Magisch immer weiter an und lernen sich erneut lieben. Ganz unkonventionell, ohne viel Schnickschnack oder viel Geschnulze wird die Beziehung der beiden beschrieben.

Aber da ist auch noch Maries Bruder. Der rechten Szene zugetan, hasst er alles was nicht in sein eng gestecktes Weltbild passt; und dazu gehört auch Magisch, der einfach anders ist. Die Eltern stehen dem Lebenswandel des Sohnes hilflos gegenüber während Marie zwischen Zuneigung zu ihrem Bruder und Abgewandheit schwankt.

Insgesamt ein wunderbares Buch, das perfekt den aktuellen Zeitgeist passt ohne zu überfordern. Locker leicht wird die Liebesgeschichte und der belastete Zusammenhalt der Familie um Marie beschrieben. Der Titel und Name von Magisch ist dabei Programm und verdeutlicht den Inhalt des Romans sehr gut.

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Ein Roman mit vielen Wendungen

Sommerhaus von Rachel Joyce

Die vier erwachsenen Kinder von Vic vergöttern ihren Vater Vic, obwohl er so manche Schwächen hat. Als er verkündet, dass er lange nach dem frühen Tod der Mutter, eine 27-jährige heiratet, stellt das ihre Welt auf den Kopf.

Nach und nach erfahren wir im Verlauf der Handlung immer mehr über die einzelnen Personen und ihre Vergangenheit.

Der Vater ist Künstler ein wahrer Schwerenöter, der seine Kinder nach dem Tod der Mutter alleine aufzieht und sogar vor Affären mit jedem einzelnen Kindermädchen nicht halt macht. Sein künstlerisches Talent hält sich dagegen sehr in Grenzen, er ist vor allem ein Kopierer. Seine Kinder schlagen sich mit ihren eigenen Problemen herum. Während Netta von Alkoholproblemen geplagt ist, ist Susan in einer unglücklichen Ehe gebunden, Goose hat eine gescheiterte Künstlerkarriere hinter sich und Iris hat eine geheime Affäre.

Doch dann erscheint die mysteriöse Bella-Mae auf der Bildfläche. Obwohl der Vater in den höchsten Tönen von dieser scheinbar überirdischen Frau schwärmt, bleibt sie den Blicken seiner Kinder immer wieder verborgen. Man könnte glauben, dass es sich um einen Geist handelt und diese sagenumwobene Frau gar nicht existiert. Sogar die Hochzeit findet im Geheimen und unter Ausschluss der Kinder statt.

Doch dann findet der Vater schon kurz nach der Hochzeit einen überraschenden Tod und eine Zeit lang könnte man glauben, dass sich die Handlung in Richtung eines Krimis entwickelt. Hat Bella-Mae den Vater umgebracht? Vor allem Susan ist von diesem Verdacht besessen. Alle Kinder reisen an den Todesort, an die Sommervilla am Ortasee in Oberitalien. Auch Bella-Mae findet sich nach einiger Zeit dort ein, sowie ihr Cousin. Der Tod des Vaters wird von der Polizei noch erörtert. Verteilungskämpfe um das Erbe beginnen. Anwohner sprechen ihr Beileid aus-

Doch dann kommt wieder alles ganz anders. Plötzlich steht nicht mehr Bella-Mae im Fokus, sondern das Lebenswerk des Vaters. Überraschungen treten zutage. Bilanzen werden gezogen und ein Wendepunkt ändert die Leben aller Kinder für immer.

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Vier Frauengenerationen

Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe

Hauptperson des Romans „Unerwünschte Töchter“ ist die Autorin selbst. Sie erzählt die Geschichte der Frauen ihrer Familie bis in die vierte Generation vor ihr. Tagebucheintragungen dienten der Autorin dabei als wichtige Quelle. Dabei spielt ein alter Bücherschrank eine zentrale Rolle. Dieser wird durch alle Generationen vererbt und begleitet das Leben jeder Frau in dieser Familie.

So unterschiedlich die Frauen dieser Geschichte auch sind, alle haben eine Gemeinsamkeit, sie leiden unter den strengen Vorgaben ihrer Eltern/Mutter und der Moralvorstellungen der Zeit. Eine glückliche und unbeschwerte Kindheit bleibt allen verwehrt. Unglückliche Partnerschaften, unerfüllte Berufswünsche, Ausgrenzungen und Vorurteile sind an der Tagesordnung. Während der Urgroßmutter noch ihr Wunschpartner verwehrt wurde und die Großmutter unter dem DDR-Regierung leidet, sieht sich die Urenkelin rassistischen Vorurteilen ausgesetzt.

Das Thema Rassismus nimmt einen besonders großen Raum innerhalb des Romans ein. So hat bereits die Freundin der Großmutter mit ihrem Umzug nach Afrika erste Bekanntschaft mit einer anderen Zivilisation gemacht und ihre Vorurteile ungeniert preisgegeben, was zu dieser Zeit jedoch noch ganz normal war. Ihre Tocher traf es aber besonders hat, als sie sich in einen jungen Afrikaner verliebte.

Teilweise wirken die einzelnen Abschnitte etwas in die Länge gezogen. Ich habe den Roman als Hörbuch gehört. Die Vorleserin hat eine angenehme Erzählstimme und man hört ihr gerne zu, so dass man auch bei breit ausgeschmückten Darstellungen gerne noch zuhört. Insgesamt finde ich den Roman vor allem unter Berücksichtigung der gewandelten Wertevorstellungen von Urgroßmutters Zeiten bis heute sehr interessant. Das Cover hätte man vielleicht etwas kreativer gestalten dürfen, vielleicht mit dem viel erwähnten Bücherschrank.

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Düstere Visionen

Insel der Ratten von Jo Nesbø

Den Autor kannte ich bisher nur als Verfasser von Kriminalromanen. Mit „Insel der Ratten“ zeichnet er ein Endzeitszenario der Menschheit auf, das düsterer nicht sein könnte. Korrumpierende Banden beherrschen dabei die Welt.

Es wird eine Gesellschaft beschrieben wie wir sie heute schon in Ansätzen sehen können, wenn einstige gemäßigte Regierungen immer radikaler werden und wenn Naturkatastrophen ihren Lauf nehmen.

Beides zusammen nimmt in diesem Roman einen äußerst verheerenden Verlauf. An einigen Stellen wird das Geschehen äußerst brutal.

Mit einer übersichtlichen Seitenanzahl und einem flüssigen, eher einfachen, Sprachstil, lässt sich der Roman innerhalb kurzer Zeit lesen. Spannend und ereignisreich wird es dabei auf keiner Seite langweilig. Das Geschehen wird stets schnell auf den Punkt gebracht, ohne lange Ausschweifungen. Erzähltechnisch gelungen fand ich die Unterbrechung des normalen Textflusses durch immer wiederkehrende kursiv gedruckte Unterbrechungen, bei denen man zunächst nicht weiß wie sie sich in das Gesamtgeschehen einfügen sollen. Der Zusammenhang wird mit fortschreiten der Handlung jedoch immer klarer und hält so zusätzlich die Spannung hoch.

Was mir an dem Buch gar nicht gefallen hat ist nicht der Inhalt, sondern der äußerst ungewöhnliche Einband. Dass kein Umschlag vorhanden ist, finde ich sogar vorteilhaft, da dieser meist nur stört. Das Buch ist aber in einen dicken Karton, geradezu plump eingebunden. Irgendwie wirkt der Einband sehr unprofessionell. Die motivische Gestaltung des Covers finde ich dagegen gelungen.

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