Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Wolle:
Eine Frau
Grüne Welle von Esther Schüttpelz
Eine Frau fährt nach dem allmonatlichen Kinobesuch mit ihrer Freundin nicht nach Haus, sondern begibt sich immer weiter weg. Es wird eine Reise in das Innenleben der Frau.
„Eine Frau“ oder „die Freundin der Frau“, so beginnt fast jeder 2. Satz in dem Roman. Wer die Personen genau sind erfahren wir nicht.
Ein distanzierter Blick entsteht. Aber auch eine Verallgemeinerung, „die Frau“ könnte stellvertretend für so viele unglücklich verheiratete Frauen stehen. Während der Fahrt erfährt der Leser immer mehr über die Vergangenheit und seelischen Beweggründe der Frau. Es handelt sich um einen Roman ohne große Sensationen, der aber dennoch zum Nachdenken anregt.
Obwohl der Schreibstil aufgrund der ständigen Wiederholungen etwas eintönig wirkt, fand ich diesen doch durchaus interessant. Leider gibt es bei dieser anonymisierten Schreibweise ja auch nicht so viele alternative Begriffe. Aufgrund der kompakten Struktur des Romans mit nur 200 Seiten, empfand ich diesen Stil als durchaus gelungen.
Das Cover ist ganz im üblichen Stil des Verlags, schlicht, ohne allzu große Aussagekraft, aber dennoch passend.
Ein weiteres Abenteuer für Cassandra
Cassandra Morgan, Band 2 - Die magische Flöte von Skye McKenna
Im zweiten Teil von Cassandra Morgan befindet sich die angehende Hexe immer noch in der Ausbildung und wohnt bei ihrer Tante, der Haghexe. Sie hat sich inzwischen gut eingelebt, hat Freundinnen gefunden und Montague ist zu einem treuen Begleiter geworden. Ihre Mutter ist hingegen immer noch verschwunden und es ist Cassandra sehnlichster Wunsch diese mit ihren wachsenden magischen Kräften eines Tages aufzuspüren.
Doch erst mal stehen neue Abenteuer vor der Tür. Ein junger Verwandter und eine neue Hexenlehrerin ziehen in das Heim der Tante und somit auch Cassandras Zuhause ein. Die Tante muss hingegen aufgrund eines wichtigen Termins für einige Zeit verreisen. Außerdem werden immer mehr Dorfbewohner von einem seltsamen Fluch getroffen. Wie Cassandra und ihre Freundinnen bald herausfinden, geht es dabei um eine magische Lanze, die der Erlkönig mithilfe seiner verfluchten Opfer in seinen Besitz bringen möchte. Da die Zeit immer mehr drängt und die Haghexe nicht da ist, beschließen die Freundinnen auf eigene Faust das Problem anzugehen und begeben sich in den berüchtigten Hagwald.
Ich fand diese zweite Folge von Cassandra Morgan sogar noch spannender als die erste. Man kennt bereits die meisten Protagonisten und weiß um die Gefahr, die im Hag lauert. Die vielen magischen Wesen machen das Buch richtig lebendig. Besonders schön finde ich auch die Verbundenheit mit der Natur, die an ganz vielen Stellen des Romans in den Vordergrund tritt.
Wirklich ganz fantastisch ist natürlich das Cover und der Farbschnitt. Auch die Innengestaltung des Buches ist sehr gut gelungen.
"Wem gehört ein Ort?"
Melken von Sanna Samuelsson
Ellen wuchs auf einem Bauernhof auf. Doch ihre Familie ist schon lange weggezogen und hat den Hof verkauft. Nach der Trennung von ihrer Freundin empfindet Ellen jedoch so große Sehnsucht nach ihrem alten Leben, dass sie kurzerhand auf den Hof fährt. Die neuen Besitzer sind verreist, doch der Schlüssel liegt in seinem angestammten Versteck.
Und so verschafft sich Ellen Zutritt zu ihrem alten Zuhause. Alles sieht ganz anders aus, ist anders eingerichtet und die Kühe, ein ehemals elementarer Bestandteil des Hofes, sind weg. Ellen legt sich in ein Bett, benutzt die Toilette und schwelgt immer mehr in ihren Erinnerungen. Die heimliche Inbesitznahme des alten Hofs wird auch nicht unterbrochen, als Max, ein ehemaliger Schulfreund und Nachbar, der sich während der Abwesenheit um den Hof kümmert, die Anwesenheit Ellens bemerkt.
Der gesamte Roman besteht größtenteils aus Erinnerungen. Die Handlung ist wenig spektakulär, sondern beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Gefühlswelt von Ellen. Eine melancholische Stimmung liegt über dem gesamten Roman. Kurze Kapitel mit kurzen Gedankengängen prägen den Schreibstil. Es bleibt viel Raum für eigene Gedanken. Auch insgesamt ist das Buch mit etwas mehr als 150 Seiten sehr knappgehalten.
Ich konnte mich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzten. Ein altes Zuhause kann tiefe Gefühle hervorrufen. Ein Ort kann für den einen so viel bedeuten und für den anderen gar nichts. In diesem Zusammenhang fand ich folgende Überlegung Ellens besonders aussagekräftig: „Wem gehört ein Ort? Die mit dem nötigen Geld oder, denjenigen die geschuftet haben…?
Das Cover des Romans mit dem Ausschnitt eines Gesichts und den Milchflecken ist genauso besonders wie der Inhalt des Buches. Mir hat der Roman gut gefallen und ich kann ihn nur weiterempfehlen.
Reise durch die Zeit
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Eve Shaw leidet unter einem schrecklichen Ereignis, das sich in ihrer frühesten Kindheit zugetragen hat. Sie ließ an ihrer Geburtstagsfeier das Tor offenstehen, so dass ihre kleine Schwester auf die Straße rannte und überfahren wurde. In der Folge zerbrach ihre heile Familie und somit ihre ganze Welt.
Die Mutter gab ihr die Schuld und konnte ihr nie verzeihen.
Als Erwachsene besitzt Eve ein Tattoo mit einem Octopus, der sich auf magische Weise über ihren Körper bewegen kann und Tinte absondert. Außerdem bewundert Eve die Musik des früheren Komponisten Max Everly. Als plötzlich ein alter Herr auftaucht, der verblüffende Ähnlichkeit mit dem Musiker aus dem letzten Jahrhundert hat, beginnt ein spannendes Abenteuer zu einem abgelegenen Hotel in der Schweitzer Alpen und durch die Zeiten.
Der Roman ist zwar nicht besonders tiefgründig aber durchaus unterhaltsam und spannend. Gut gefallen hat mir die fantasievolle Einarbeitung des Octopusthemas. Auch das Cover ist sehr schön gestaltet.
Konnte mich nicht überzeugen
Die Geister von La Spezia von Oliver Plaschka
Mary Shellys Mann ist bei einer Schiffsreise ums Leben gekommen. Angeblich war es ein Unfall. Doch der Vater des Verstorbenen verdächtig Mary des Mordes. Die Privatermittlerin und übernatürlich begabte Pat soll den Fall aufklären.
In dem Roman werden wahre historische Begebenheiten und Fantasie miteinander verwoben.
Leider ist dem Autor dies aus meiner Sicht nicht besonders gut gelungen. Gleich im Teil ein, nach Abschluss der Rahmenhandlung werden eine Vielzahl von Personen eingeführt, von denen man nicht weiß wer sie sind. Dieses Kapitel war sehr undurchsichtig und anstrengen. Ab dem zweiten Kapitel wird die Handlung dann wieder etwas übersichtlicher, bis dahin muss man sich aber erst mal durchquälen. Sehr seltsam kam mir auch Gus vor, der durch verschiedene Tiere spricht sowie das alternative Ich. Auch dass Pat in den Erinnerungen Marys wie eine ganz normale Person in der Handlung teilnimmt, obwohl sie ursprünglich doch gar nicht dabei war, ist merkwürdig.
Insgesamt kam mir die ganze Handlung sehr konstruiert, stellenweise auch schwer verständlich und langatmig vor. Aus dem Potenzial der Geschichte hätte man sicher mehr machen können. Leider konnte mich der Roman aber nicht wirklich überzeugen. Das Cover hat mir hingegen gut gefallen, anhand des Titelbildes hätte ich mir einen spannenden Abenteuerroman vorgestellt.
Die Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs
TINTE und SCHWERT – Verwandlung (Band 1) von Matthias Soeder
Der Autor beschreibt in „Tinte und Schwert“ eine fiktionale Geschichte während des Beginns des Dreißigjährigen Kriegs, mit realistischem historischem Hintergrund. Der Krieg bestimmt die Lebensläufe der handelnden Personen und prägt ihren Charakter. Der Schwerpunkt der Auseinandersetzungen findet als Religionskrieg zwischen den Machtansprüchen der Katholiken und der Protestanten statt.
Der 17jährige empathische Jacob wollte eigentlich ein geistliches Amt anstreben, um sich um das Seelenheil anderer Menschen zu kümmern. Doch es kommt ganz anders. In den Wirren des heraufziehenden Krieges wird seine Familie, so wie viele andere Menschen, auf brutalste Weise umgebracht. Er selbst findet sich nach dem verehrenden Überfall als Söldner auf dem Schlachtfeld in Böhmen wieder.
Als charakterlicher Gegenpol steht dem jungen Jocob der General Heinrich gegenüber, der für seine Karriere und sein Ansehen wortwörtlich über Leichen geht. Am Anfang des Romans entsteht so ein Schwarz-Weiß-Bild zwischen Gut und Böse. Doch nach einem Drittel der Handlung und auf dem Höhepunkt Jacobs Leidenswegs findet schließlich ein Wendepunkt statt, als dieser sich dem Rachefeldzug gegen seine Peiniger verschreibt. Eine Mitstreiterin findet er in der als Hexe verfolgten Anna.
Die Charaktere des Romans sind gut ausgearbeitet und man kann sich gut in die Personen hineinversetzen. An vielen Stellen sind die Schilderrungen sehr brutal. Man mag sich gar nicht vorstellen unter welchen Entbehrungen und Leiden die Menschen in dieser Zeit lebten. Die Epoche die der Autor hier beschreibt fand ich sehr interessant, da der Dreißigjährige Krieg in historischen Romanen eher selten verarbeitet wird und man sich viele Romane eher mit dem Mittelalter befassen. Der religiöse Fanatismus steht dieser Zeit jedoch in nichts nach, die Brutalität ist hingegen eher größer.
Das Cover sowie die ersten Innenseiten mit Bildern von Jaques Callot sind sehr passend und verbildlichen die Atmosphäre die den Leser im Roman erwartet. Eine schöne Überraschung war das Autogramm im Buch sowie die beigelegte Postkarte mit dem eindrucksvollen Galgenbaum.
„Tinte und Schwert“ ist als Auftakt einer Trilogie gedacht. Ich bin gespannt auf die kommenden Bände.
Beziehungsgeflecht
Niemands Töchter von Judith Hoersch
„Niemand Töchter“ erzählt die Geschichte zweier Töchter und zweier Mütter. Alle Frauen hadern dabei mit ihrer jeweiligen Mutter bzw. Tochter.
Wie die einzelnen Personen miteinander in Beziehung stehen wird erst mit der Zeit ersichtlich. Aufgrund dessen ist es nicht ganz einfach sich am Anfang des Buches zurechtzufinden.
Erst um die Seite 120 wurde mir das Beziehungsgeflecht der vier Frauen sowie der beiden Väter, die am Rande der Handlung auch von Bedeutung sind, vollkommen klar. Daraus ergibt sich auch eine Überraschung.
Der Roman ist in einer einfachen Sprache geschrieben, so dass sich der Roman schnell und leicht lesen lässt. Die Autorin versteht es die verborgenen Gefühlsregungen der Personen einfühlsam zu beschreiben. Die Atmosphäre des Romans ist überwiegend bedrückend und melancholisch. Als erheiternde Einlage empfand ich die selbstbewusste Alma als Kind. Die nicht nur ihren Familienmitgliedern, sondern auch dem Pfarrer provokante Fragen stellt. Trotz oder gerade aufgrund der kindlichen Naivität treffen diese den Nagel jedoch auf den Kopf.
Unnötig fand ich die lange Unklarheit wie die Personen in Beziehung zueinanderstehen, schließlich handelt es sich ja nicht um einen Krimi und aus meiner Sicht verleiht es der Handlung auch keinen Mehrwert. Als Leser kann man sich aufgrund dieses Umstands zu Beginn schlecht in die Handlung hineinversetzen. Statt dem Rätselraten um das Beziehungsgeflecht hatte die Autorin vielleicht noch mehr auf die Gefühlswelt der handelnden Personen eingehen können. Vor allem die spezielle Beziehung von Marie zu Alma finde ich zu Beginn des Romanes deutlich unterbelichtet.
Das letzte Abenteuer von Aliya
Aliya und die Unendliche Stadt (Die Schule der Zeitreisenden 1) von Laila Rifaat
Im dritten und letzten Band von Aliya, startet die gleichnamige Protagonistin wieder in ein magisches Abenteuer. Als angehende Schlosserin ist sie für das Öffnen von Portalen zuständig, was ihr noch nicht so richtig gelingt. Ein Rennen mit fliegenden Teppichen steht an und dann verschwinden plötzlich alle Schlosser wie vom Erdboden.
Die Handlung startet bereits auf der ersten Seite spannend und fantasiereich. Um sich ohne Probleme in das Geschehen zu versetzen, ist es sinnvoll die beiden Vorgängerromane zu kennen. Bereits bekannte Figuren und Themen werden hier wieder aufgegriffen.
Von der Thematik erinnert die Buchreihe sehr an Harry Potter. Was uns in dieser Reihe jedoch ganz besonders gefällt und was die Romane auch einzigartig macht, sind die vielen mythischen Gestalten aus dem Orient. Eine bunte fantasiereiche Welt wie aus 1001 Nacht entsteht. Man fühlt sich wie in einem modernen Märchen.
Zu dem orientalischen Abenteuer passt auch das kunterbunte Cover mit dem fliegenden Teppich und den Zwiebeltürmen.
Pathos pur
Mathilde und Marie von Torsten Woywod
Die alltagsgeplagte Großstädterin Marie kommt aus der hektischen Stadt Paris in das beschauliche 300 Seelen Dorf Redu. Ohne Ziel hat sich Marie auf die Reise begeben und wird ganz unverhofft von der tief geerdeten Isländerin Jónína in deren Wahlheimat in der belgischen Provinz willkommen geheißen.
Leider konnte der Roman meine Erwartungen nicht erfüllen. Thematisch finde ich das Buch durchaus interessant, doch ist die Handlung leider sehr platt umgesetzt. Alles kreis unentwegt und ausschließlich um Harmonie und Naturverbundenheit, so dass es sich ganz und gar nicht glaubhaft anfühlt. Ein Dorf mit ca. 300 Einwohnern, 13 Buchhandlungen, einem Fernseher und einer Stunde Internet pro Tag, zudem der Name Redu, den man mit "reduzieren" übersetzen kann, das ist alles etwas zu viel des Guten. Handlungsmäßig gibt es kaum einen Fortgang, es geht fast ausschließlich um die Atmosphäre die der Roman erzeugen soll. Lediglich die Figur der Mathilde bringt einen kleinen Gegenpol in die Handlung, was den Großteil des Romans jedoch nicht wirklich interessanter macht.
Düstere Atmosphäre
Das Ganymed-Fragment von David Reimer
Bei dem Roman „Das Ganymed Fragment“ handelt es sich um eine Mischung aus Science Fiction und Krimi. In einer fernen Zukunft, in der die Menschheit schon längst das Sonnensystem als ihren erweiterten Wirkungskreis für sich entdeckt hat, geschieht auf dem abgelegenen Mond Ganymed ein auf den ersten Blick unerklärlicher Mord.
Der Ermittler Alan Bishop soll sich diesem annehmen.
Was in dem Roman sehr gut gelungen ist, ist die Vermittlung der durch und durch kalten abweisenden und lebensfeindlichen Umgebung auf Ganymed. Dem entspricht auch die Mentalität der Menschen. Machthunger und purer Raubbau dominieren die Gefühlswelt. Bereits das düstere und fantastisch gestaltete Cover vermitteln diese Atmosphäre sehr gut.
Insgesamt ist der Handlungsverlauf durchaus spannend und das Eintauchen in diese so fremde Welt ist dem Autor gut gelungen, doch ich empfand die überaus und von Anfang bis Ende düstere Atmosphäre des Romans sehr bedrückend.











