Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Wenn Erinnerungen bleiben
Nichts als Tage von Susanne Steck
In diesem Roman mit seinen hellen und schweren Momenten entfaltet sich eine Geschichte, die nach und nach immer stärker berührt. Im Mittelpunkt steht Frida, deren Leben von der Liebe zu Theo geprägt wird, der viel zu früh stirbt. Die gemeinsamen Jahre auf dem Hof am Rand des Schwarzwalds bilden ein festes Fundament, das ihr über die Jahre einen Halt gibt.
Die Kriegsjahre und die Zeit danach sind spürbar, bestimmen den Ton jedoch nicht komplett. Stattdessen zeigt sich eine Familie, die trotz Entbehrungen zusammenhält. Frida meistert den Alltag mit den gemeinsamen Kindern, sorgt dafür, dass sie morgens gut versorgt sind, hilft bei den Arbeiten auf dem Hof und bewahrt das Andenken an Theo. Kleine Momente, wie die gemeinsame Feldarbeit oder Spaziergänge mit der Enkelin Sissi, bringen Wärme und Nähe in den oft entbehrungsreichen Alltag. Dabei wird deutlich, wie sehr Frida sich nach Sicherheit und Zusammenhalt sehnt und wie tief die Erinnerung an Theo in ihr verankert bleibt.
Der frühe Verlust von Theo liegt wie ein stiller Schatten über allem, doch die Autorin schildert das sachlich und einfühlsam. Fridas Weg als Mutter und später als Großmutter zeigt, welche Stärke in ihr steckt. Die Verbindung zwischen den Generationen wirkt glaubwürdig und fein gezeichnet, besonders wenn alte Geschichten wieder in Erinnerung kommen. Man spürt, wie sehr Frida Verantwortung für ihre Familie trägt und gleichzeitig kleine Freuden findet, die ihr weiterhin Kraft geben.
Die klare und einfache Sprache macht die Szenen sehr authentisch. Viele Momente treffen gerade durch ihre Schlichtheit mitten ins Herz. Die Autorin hat ein gutes Gespür dafür, wie die Vergangenheit in den Alltag hineinwirkt. Der Roman bleibt nah an den Figuren und lässt gleichzeitig Raum, eigene Gedanken zu entwickeln.
Am Ende entsteht ein rundes Bild einer Familie, die trotz schwerer Verluste ihren Weg findet. Der Roman berührt ohne große Worte und hinterlässt einen warmen Nachklang. Ein starkes Debüt, dem ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.
Ein Lebensweg, der trotz allem weitergeht
Ich mache einfach von Valérie de Montmollin
Beim Lesen entsteht der Eindruck, dass hier jemand mit großer Klarheit auf ein Leben zurückschaut, das von viel Schmerz geprägt ist und dennoch nie aufgegeben wurde. Die Offenheit, mit der über Gewalt, Missbrauch und seelische Überforderung gesprochen wird, wirkt ruhig und entschlossen, nicht reißerisch.
Auffällig ist, wie oft aus kleinen Resten wieder etwas aufgebaut werden musste und wie sehr Musik und einzelne Menschen dabei Halt gaben.
Sehr berührend ist die Stelle, an der spürbar wird, wie drei einfache Worte zu einer inneren Stärke wachsen, die den ganzen Weg im Buch begleitet. Die Verletzungen der Kindheit, der Druck des familiären Umfelds und die späteren Demütigungen in einer zerstörerischen Beziehung bleiben nicht im Hintergrund, werden aber auch nicht breit ausgeleuchtet. Vielmehr entsteht das Gefühl, wie schwer es war, Ordnung in all diese Brüche zu bringen und wie viel Kraft dieser Schritt erforderte.
Der Ton bleibt trotz der schweren Themen überraschend warm. Manche Passagen zeigen, wie sich stiller Mut langsam zurückmeldet, auch wenn die Lage festgefahren scheint. Die ruhige Sprache erleichtert es, die schweren Inhalte aufzunehmen, ohne dass sie den Leser erdrücken. Gleichzeitig entsteht Respekt dafür, dass über Dinge gesprochen wird, die in vielen Familien noch heute ein Tabuthema sind.
Der Text wirkt sehr persönlich, bleibt aber klar und geerdet. Man spürt, wie viel Wahrheit darin steckt und wie konsequent eine Stimme gefunden wurde, die sich nicht mehr zum Schweigen bringen lässt. Genau diese Mischung aus Schmerz, Klarheit und innerer Stärke macht das Buch lesenswert. Vier Sterne, da einige Stellen etwas lang geraten sind und sich Gedanken wiederholen.
Wiener Gefühl mit Biss und Wärme
Bussi Bussi - Kein Kind von Traurigkeit von Laura Roth
Zwischen Champagnerlaune und kleinen Rissen im eigenen Lebensentwurf entwickelt sich eine Geschichte, die eine lebendige Atmosphäre aufbaut. Der Blick fällt auf eine Frau, die ihr Leben gern glatt und kontrolliert hält, doch diese Fassade beginnt früh zu bröckeln. Der Druck der Arbeit, die große Chance rund um den Opernball und ein Angebot, das moralisch an Grenzen geht, zeigen, wie unsicher der schöne Schein sein kann.
Zwischen lustigen Szenen und gefühlvollen Augenblicken entsteht ein angenehmes Gleichgewicht. Die Autorin führt locker durch Situationen, die oft chaotisch wirken, aber immer wieder Platz für nachdenkliche Momente lassen. Die Begegnung mit einem Künstler, der Carmens gewohnte Haltung durcheinanderbringt, sorgt für Szenen, die amüsieren und gleichzeitig etwas in ihr anstoßen. Dass vieles schief läuft, macht die Figuren nahbar und lebendig.
Die Rückkehr der Schwester und die kleinen Spannungen aus früheren Jahren fügen sich stimmig ein, ebenso die Gespräche mit den Freundinnen, die ihren Alltag meistern. Dadurch wirken die Protagonisten nahbar und lebendig.
Die Stadt spielt dabei ganz nebenbei eine Rolle. Wien taucht immer wieder in kleinen Bildern auf und gibt der Geschichte einen warmen Rahmen. Das Flair der Stadt mischt sich unauffällig, aber spürbar in den Erzählton und verstärkt die Lebendigkeit der Szenen. Am Ende zeigt sich eine Frau, die sich nach und nach öffnet und ihren eigenen Weg findet. Diese Entwicklung bleibt glaubwürdig und angenehm zurückhaltend.
Bei diesem Buch handelt es sich um den dritten Band rund um Eva, Marina und Carmen, und auch die beiden Vorgängerbände habe ich mit großem Vergnügen gelesen.
Eine humorvolle, warm erzählte Lektüre, die leicht wirkt und trotzdem viel Gefühl mitbringt. Fünf Sterne sind hier auf jeden Fall angebracht.
Ein Antiquariat voller Rätsel
Das Antiquariat am alten Friedhof von Kai Meyer
Diese Geschichte entwickelt ihr ganz eigenes Tempo. Die Atmosphäre baut sich Stück für Stück auf. Alles fügt sich ruhig zusammen, vieles zeigt sich nach und nach. Das passt gut zu diesem besonderen Setting, denn das Antiquariat wirkt wie ein Raum voller Schichten, die sich erst mit der Zeit öffnen.
Die beiden Zeitebenen greifen gut ineinander. Die frühen Jahre der vier jungen Männer im Graphischen Viertel zeigen, wie leicht sich Abenteuerlust und eine gewisse Orientierungslosigkeit zu etwas entwickeln können, das große Folgen hat. Kleine Hinweise auf ihre Suche nach besonderen Büchern, die nicht nur selten, sondern auch riskant sind, setzen Akzente, ohne die Handlung auszubremsen.
Die Rückkehr nach Leipzig nach dem Krieg hat einen ganz anderen Klang. Die zerstörte Stadt, die Unsicherheit und die Arbeit mit den geraubten Büchern verleihen der Geschichte eine spürbar schwerere Stimmung. Alte Wege kreuzen sich wieder, und Fragen, die lange verdrängt waren, stehen plötzlich im Raum. Dabei bleibt die Spannung eher ruhig, getragen von den inneren Konflikten und den Schatten früherer Entscheidungen.
Die Protagonisten wirken mit ihren Ecken und Kanten glaubwürdig. Ihre Entwicklung über die Jahre, die Risse in alten Freundschaften und der Umgang mit Schuld und Loyalität machen die Geschichte sehr anschaulich. Emotionen sind vorhanden, aber sie bleiben wohldosiert und sind nachvollziehbar.
Der Roman überzeugt weniger durch große Wendungen als durch die stetige Spannung, die zwischen den Zeilen entsteht. Historische Atmosphäre, menschliche Entscheidungen und leise Geheimnisse greifen ineinander und machen die Geschichte sehr lebendig. Einige Passagen ziehen sich etwas, was den Lesefluss spürbar bremst, dennoch bleibt die Geschichte insgesamt stimmungs- und eindrucksvoll.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Zwischen Freundschaft und Liebe
Nitnatsnok ist kein Palindrom von Kai Bischof
Schon von den ersten Seiten an fällt die ruhige und einfühlsame Erzählweise auf. Konstantin und Hannah wirken sofort lebendig, ihre Welt ist nah und greifbar. Die beiden kennen sich schon seit Jahren, doch ganz langsam verändert sich etwas in ihrer Freundschaft. Diese Veränderung zeigt sich Schritt für Schritt in den Momenten, die sie miteinander teilen.
Viele Szenen wirken harmonisch und vertraut. Ein Blick, ein kurzes Lächeln oder ein stiller Augenblick sagen oft mehr als Worte. Auf der Klassenfahrt nach Berlin wird das besonders deutlich. Die Stadt bleibt nur im Hintergrund und gibt den beiden Zeit, ihre Gefühle leise entstehen zu lassen.
Der Autor vermittelt sehr ehrlich, wie unsicher diese ersten Emotionen sein können. Konstantin und Hannah begegnen sich auf Augenhöhe, offen und verletzlich. Und sie beginnen dem anderen gegenüber dünnhäutig zu werden.
Die Geschichte erzählt leise und klar von Freundschaft, vom ersten Verliebtsein und davon, wie es Mut braucht, seinen eigenen Weg zu gehen. Alles wirkt echt und glaubwürdig. Am Ende bleibt eine angenehme Wärme zurück und die Erinnerung daran, wie besonders die ersten Momente der Nähe sein können.
Fazit:
Dieses Buch kann auch wunderbar von Erwachsenen gelesen werden. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Ein eindrucksvoller Abschluss
Die Berghebamme – Zeit der Kinder von Linda Winterberg
Die Geschichte führt noch einmal in das Bergdorf und begleitet eine Frau, die vieles erreicht hat und dennoch mit einer großen Lücke leben muss. Maria arbeitet inzwischen sicher und geachtet in ihrem Beruf und steht auch in ihrer Ehe stabil da. Doch der unerfüllte Kinderwunsch wirkt schwer. Diese Spannung zwischen äußerem Glück und innerer Unsicherheit ist sehr einfühlsam erzählt und macht den Einstieg berührend und nah.
Nachvollziehbar werden die Sorgen um die vielen jungen Frauen geschildert, die damals ohne Unterstützung dastanden. Der Wunsch, für sie ein Schutzhaus zu schaffen, entsteht nicht plötzlich, sondern wächst aus Marias Erfahrungen und ihrer eigenen Verzweiflung heraus. Die Reaktionen im Dorf sind glaubwürdig geschildert. Zwischen Verständnis, Ablehnung und offenen Anfeindungen entsteht ein klares Bild der damaligen Zeit, in der ledige Mütter kaum Rechte hatten und oft allein gelassen wurden. Manche Szenen gewinnen gerade dadurch an besonderer Wirkung, weil sie ohne große Dramatik auskommen und zeigen, wie viel Mut es brauchte, sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen und den Frauen einen sicheren Ort zu geben.
Die Erzählung macht deutlich, wie gefährlich die Lage für Frauen werden konnte, die keinen Ausweg sahen und zu heimlichen Mitteln griffen. Es entsteht ein Gefühl von Beklemmung und Respekt vor ihrer Not. Gleichzeitig gibt es immer wieder kleine Gesten der Solidarität, die der Geschichte Wärme verleihen. Manche Unterstützer kommen unerwartet und wirken gerade dadurch glaubwürdig.
Der Roman lebt von seiner ruhigen Art. Die Figuren sind vertraut, ihre Entscheidungen nachvollziehbar und die Stimmung bleibt durchgehend menschlich und nah. Der Blick auf Maria ist liebevoll und zeigt, wie sehr sie ringt, zweifelt und dennoch Schritt für Schritt vorangeht. Auch die Beziehung zu Georg fügt sich ruhig in die Handlung ein.
Das Finale der Saga ist rund erzählt. Es fühlt sich an wie ein würdiger Abschluss, der die Entwicklung der Figuren respektiert und gleichzeitig noch einmal zeigt, wie viel Kraft notwendig war, um in einer festgefahrenen Umgebung neue Wege anzustoßen. Die Geschichte wirkt dadurch sehr echt und bleibt gut in Erinnerung. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Eine fesselnde Rückkehr nach St. Pauli
Elbnächte. Schatten über St. Pauli von Henrike Engel
Die Fortsetzung führt zurück in das lebendige und oft raue St. Pauli des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Die bereits aus Band 1 vertrauten Figuren stehen erneut vor schweren Entscheidungen, und ihre Wege berühren auch diesmal Themen, die weit über einen historischen Kriminalfall hinausreichen. Besonders deutlich wird, wie sehr sich Louise, Ella und Paul seit den früheren Ereignissen verändert haben und wie aus vorsichtigen Bündnissen ein gemeinsamer Halt geworden ist.
Die Spannung entsteht nicht nur aus den Ermittlungen, sondern auch aus dem Wissen, wie gefährlich jeder Schritt werden kann, denn Louises Mann ist auf freiem Fuß und seine Rache schwebt wie ein Schatten über allem. Die Angriffe auf ihr Haus und die Verletzungen der Menschen in ihrem Umfeld zeigen, wie ernst die Lage ist. Gleichzeitig wächst die Verbindung zwischen den drei Hauptfiguren weiter.
Ella entwickelt eine Stärke, die ganz besonders anrührt. Ihr neues Leben, die Arbeit beim Bäcker, die Abende in der Schule und ihr Mut, Joshua und dessen Pflegefamilie beizustehen, geben dem Roman eine warmherzige und menschliche Note. Paul kämpft mit seiner Vergangenheit und seinem verlorenen Arm. Gerade diese Unsicherheit macht seine Figur glaubwürdig. Die Szenen rund um die Prothesenwerkstatt bringen ein Stück Zeitgeschichte in ein Licht, das selten so offen dargestellt wird.
Louise ist in ihrem neuen Leben angekommen, doch der Kampf gegen ihren früheren Mann holt vieles wieder an die Oberfläche. Ihre Zusammenarbeit mit Kommissar Thönnis bleibt angespannt, aber zielgerichtet. Heimliche Entdeckungen, verdeckte Ermittlungen und unerwartete Gefahren treiben die Handlung voran, ohne den Lesefluss zu brechen.
Der Roman verbindet Spannung, historische Atmosphäre und menschliche Geschichten auf eine natürliche Weise. Hamburg wirkt lebendig und mit wenigen, klaren Bildern greifbar. Es entsteht das Gefühl, die Protagonisten nicht nur zu begleiten, sondern nah bei ihnen zu stehen.
Besonders berührend ist, wie viel Mut die Figuren zeigen, obwohl die Umstände oft gegen sie arbeiten. Ihr Wunsch nach Freiheit und einem eigenen Platz in der Welt lässt das Buch trotz aller Bedrohung hoffnungsvoll wirken. Die Mischung aus Kriminalfall, Frauenschicksalen und einem Blick auf soziale Ungerechtigkeiten macht diese Fortsetzung zu einem runden Abschluss der Dilogie.
Im letzten Teil bündeln sich alle Fäden. Entscheidungen, die früher getroffen wurden, holen die Figuren ein, und die Gefahr erreicht ihren Höhepunkt. Das Finale ist kraftvoll und zugleich bewegend. Eine leichte Wehmut bleibt, da die Reihe hier endet. Die Protas wirken so lebendig, dass man ihnen gerne noch ein Stück weiter gefolgt wäre.
Ein starker und atmosphärischer Roman, der bindet, bewegt und mit einer warmen Menschlichkeit erzählt wird. Fünf Sterne und eine klare Empfehlung.
Zwischen Fluch und Liebe
Das Schicksal der Seherin von Gabriele Breuer
Die Handlung führt nach Schottland, in eine Epoche voller Aberglaube, Stolz und alter Flüche. Schon früh entsteht eine dichte, geheimnisvolle Stimmung, in der sich Tragik und Hoffnung berühren. Der Roman verbindet historische Elemente mit einem Hauch von Mystik und erzählt von Liebe, Schuld und der Sehnsucht, das eigene Schicksal zu überwinden.
Im Mittelpunkt steht Sean, dessen Leben von einem alten Fluch überschattet wird. Als er sich in Iseabail verliebt, scheint ein neues Glück greifbar, doch das Schicksal stellt beide auf eine harte Probe. Die Autorin verknüpft diese dramatische Geschichte mit lebendigen Bildern des mittelalterlichen Schottlands und einer greifbaren Emotionalität, die die Figuren lebendig wirken lässt.
Besonders eindrucksvoll gelingt die Darstellung der inneren Zerrissenheit Seans, der zwischen Liebe und Verhängnis gefangen ist. Iseabail wirkt stark und klar in ihrem Glauben an ihn, ohne an Natürlichkeit zu verlieren. Ihre Beziehung macht die Handlung lebendig und verleiht ihr zugleich Wärme und Spannung.
Die Geschichte wird dabei durch die Erzählweise von Gabriele Breuer zusätzlich getragen. Sie schildert alles mit viel Gespür für die Stimmung der Zeit. Die Sprache ist bildhaft, leicht zugänglich, und die Übergänge zwischen den Zeiten wirken meist fließend. Nur vereinzelt geraten die Zeitsprünge etwas abrupt, was den Lesefluss kurz unterbricht. Dennoch bleibt der Roman stimmig und durchgängig spannend.
Die Mischung aus Historie, Gefühl und einer Prise Übernatürlichem ist überzeugend gelungen. Besonders das Ende hallt nach, weil es den Gedanken an Bestimmung und Liebe über die Zeit hinaus spürbar macht. Insgesamt ist dies ein berührender historischer Roman mit einer geheimnisvollen Note, der Vergangenheit und Gegenwart eindrucksvoll verbindet und die Macht von Liebe und Schicksal spürbar werden lässt. Eine Geschichte, die sich wunderbar zum Eintauchen in vergangene Zeiten eignet. Ideal für Leser, die gefühlvolle, atmosphärische Romane mit historischem Hintergrund mögen. 4 Sterne.
Ein eindrucksvoller Beginn der Neuguinea-Saga
Aufbruch ins Paradies von Tara Haigh
Im Jahr 1884 verlässt die Familie Berger nach einem Unglück in ihrer Möbelfabrik ihre Heimat und begibt sich auf eine lange Reise nach Neuguinea. An Bord der Prinz Heinrich wachsen Hoffnungen und Zweifel gleichermaßen. Und schon bald wird deutlich, dass nicht nur eine neue Zukunft beginnt, sondern auch alte Konflikte und unausgesprochene Wünsche ihren Platz fordern.
Tara Haigh zeichnet den Aufbruch mit lebendiger Anschaulichkeit. Die Schilderung des Lebens an Bord vermittelt spürbar, wie eng und unruhig diese Tage auf dem Meer gewesen sein müssen, geprägt von Unsicherheit, Erwartung und dem Gefühl, etwas unwiderruflich hinter sich zu lassen. In der neuen Welt treffen Träume auf eine raue Wirklichkeit. Hitze, Krankheiten und kulturelle Fremdheit stellen alle Erwartungen auf die Probe.
Hedwig, Clara und Anna stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Jede von ihnen trägt ihren eigenen Anteil an Sehnsucht und Enttäuschung. Hedwigs innerer Konflikt zwischen Pflicht und dem Wunsch nach Freiheit verleiht der Handlung Gewicht. Claras Einsamkeit und Annas ungestümer Glaube an ein besseres Leben fügen dem Familienbild glaubwürdige Facetten hinzu. Auch die männlichen Figuren sind sorgfältig gezeichnet und zeigen, wie Ehrgeiz und Schwäche oft nah beieinanderliegen.
Die Sprache ist klar, bildhaft und gut lesbar, der historische Hintergrund sorgfältig recherchiert. Besonders gelungen ist die Atmosphäre, die sowohl die Schilderung der Überfahrt nach Neuguinea als auch die Fremdheit des neuen Landes spürbar macht. Im Mittelteil verliert die Handlung kurzzeitig etwas an Schwung, gewinnt aber im letzten Drittel wieder an Intensität.
So entsteht das Bild einer Familie, die alles hinter sich lässt und lernen muss, mit Verlust, Hoffnung und Neubeginn umzugehen. Der Roman berührt durch seine Nähe zu den Protagonisten sowie durch eine glaubhafte emotionale Entwicklung und bildet einen gelungenen Auftakt zu einer Saga, die noch viele Wege offenlässt.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Eine starke Fortsetzung voller Spannung und Gefühl
Die Frauen vom Tafelberg. Catharina Ustings' mutiger Kampf um ihr Glück von Inès Keerl
Vor rund zwei Jahren erschien "Die Löwin vom Tafelberg", ein Roman, der mich damals sehr begeistert hat. Umso schöner, dass Inès Keerl die Geschichte nun fortsetzt und erneut nach Südafrika ins 17. Jahrhundert führt. Die Handlung schließt an die Ereignisse des ersten Bandes an, weshalb es hilfreich ist, diesen vorher zu kennen, um die Entwicklung der Figuren und den geschichtlichen Hintergrund besser einordnen zu können.
Wieder steht die außergewöhnliche Catharina Ustings im Mittelpunkt, jene Frau, die einst als Mann verkleidet ans Kap der Guten Hoffnung segelte. Sieben Jahre sind vergangen, seit sie sich in der neuen Heimat ein Leben aufgebaut hat. Doch nach schweren Verlusten wird sie des Mordes beschuldigt und soll nach Mauritius verbannt werden. Entschlossen kämpft sie um ihre Freiheit, ihr Zuhause und ihre Familie gegen Vorurteile, Intrigen und Ungerechtigkeit.
Die Autorin hat erneut sehr sorgfältig recherchiert. Mit klaren Worten zeigt sie das harte Leben in Kapstadt im 17. Jahrhundert, die Spannungen zwischen Siedlern, Soldaten und Einheimischen und den geringen Handlungsspielraum, den Frauen in dieser Zeit hatten. Dadurch entsteht ein lebendiges Bild vom Alltag in einer frühen Kolonie, das glaubwürdig wirkt und die damalige Welt greifbar macht. Historische Fakten und die erzählte Handlung greifen dabei stimmig ineinander.
Inès Keerl verbindet geschichtliche Genauigkeit mit einer Erzählung voller Emotion und Spannung. Es geht um Mut, Verrat, Machtspiele, Freundschaft und Liebe, aber auch um Standhaftigkeit und der Suche nach Gerechtigkeit. Die Entwicklungen bleiben klar nachvollziehbar, nichts wirkt gestellt oder übertrieben.
"Die Frauen vom Tafelberg" ist ein eindrucksvoller historischer Roman über Stärke, Hoffnung und den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Eine gelungene Fortsetzung, die die Atmosphäre und Kraft des ersten Bandes aufgreift und überzeugend weiterführt. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.











