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Rezensionen von Shilo:

Wenn das Leben keinen festen Plan hat

Zwischen Abschied und Neubeginn von Regine Kölpin

In der Wesermarsch Anfang der 1980er Jahre arbeitet eine kleine Hebammenpraxis, in der Esther und Luise viele ganz unterschiedliche Frauen begleiten. Da ist eine junge Frau, die als Friedensaktivistin lebt und sich gleichzeitig mit ihrer Rolle als Mutter schwer tut. Eine andere Frau bangt nach der Geburt um ihr Neugeborenes.

Und dann gibt es noch einen Mann, der um sein uneheliches Kind kämpft.
In der Praxis treffen all diese Lebensgeschichten aufeinander. Esther und Luise sind dabei oft die ersten Ansprechpartnerinnen, wenn Angst, Unsicherheit oder auch Hoffnung im Raum stehen. Es geht um Geburten, aber genauso um das, was die Menschen davor und danach bewegt.
Im Verlauf der Geschichte wird auch deutlich, dass die Arbeit der beiden nicht einfach bleibt. Die Praxis gerät unter Druck und Esther steht plötzlich selbst vor Entscheidungen, die sie stark belasten. Nicht alles lässt sich leicht lösen und manches zieht größere Folgen nach sich, als zunächst gedacht.
Die Erzählung bleibt ruhig und ohne große Dramatik. Gerade dadurch wirken die einzelnen Schicksale sehr nah. Vieles passiert im Kleinen, in Gesprächen oder stillen Momenten, und genau das macht die Geschichte glaubwürdig.
Am Ende bleibt eine bewegende Geschichte über Menschen, die in einer unsicheren Zeit versuchen, ihren Weg zu finden, und trotzdem nicht aufgeben.
Es ist eine ruhige und sehr menschliche Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Alltag in einer Hebammenpraxis, in der nicht nur Geburten begleitet werden, sondern auch viele persönliche Sorgen Raum bekommen.
Die verschiedenen Schicksale sind einfach erzählt, wirken aber gerade dadurch sehr echt. Auch die Entwicklung rund um die Praxis bringt eine Spannung in die Handlung, sodass die Seiten nur so dahin fliegen.
5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die gefühlvolle Geschichten mögen, die nah am Leben bleiben und starke Frauenfiguren in den Mittelpunkt stellen.

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Wenn ein Haus Geschichten erzählt

Blaubeerzeit auf Halsterö von Michaela von Kügelgen

Auf Halsterö, einer kleinen Insel im Stockholmer Schärengarten, entfaltet sich diese Geschichte in einem ganz eigenen Tempo. Der Sommer liegt über allem, mit viel Licht, Wasser und dieser besonderen Ruhe, die sich langsam beim Lesen einstellt.
Louise kommt dorthin, nachdem ihre Kochsendung endet.

Es ist kein großer Aufbruch, eher ein vorsichtiger Schritt in etwas Neues. In der Villa Hilda übernimmt sie die Küche und versucht, wieder Halt in ihrem Alltag zu finden. Thomas, ein Journalist aus Finnland, ist ebenfalls dort gelandet, auf der Suche nach einem neuen Anfang, ohne genau zu wissen, wohin das führen soll.
Beide bewegen sich zunächst eher nebeneinander als miteinander. Doch mit jedem Tag, mit jeder gemeinsamen Aufgabe in der Vorbereitung der ersten Saison, verändert sich fast unbemerkt etwas zwischen ihnen.
In der Villa entsteht ein Alltag aus Kochen, Planen und kleinen Begegnungen mit den ersten Gästen. Dazwischen tauchen Geschichten des Hauses auf, Spuren aus der Vergangenheit, die sich nicht sofort erklären lassen, aber eine eigene Wirkung entfalten.
Was besonders hängen bleibt, ist diese Mischung aus äußerer Ruhe und innerer Bewegung. Vieles wirkt nach außen hin unspektakulär, doch unter der Oberfläche passiert mehr, als man zuerst vermutet.
Louise trägt ihre Unsicherheit mit sich. Thomas wirkt oft zurückhaltend, fast suchend. Gerade das macht beide nahbar, weil nicht alles sofort klar ist und vieles zwischen den Zeilen bleibt.
Halsterö selbst ist mehr als nur Kulisse. Die Insel wirkt wie ein Ort, der die Zeit anders laufen lässt. Ruhig, abgeschieden, aber nicht leer. Immer wieder spürt man, dass hier Geschichten liegen, die lange gewartet haben.
Die Begegnungen im Gästehaus bringen Bewegung in diesen stillen Rahmen. Menschen treffen aufeinander, die sonst wohl nie zusammengefunden hätten, und genau daraus entstehen kleine Reibungen, aber auch Verbindungen.
Am Ende bleibt ein Gefühl von Veränderung. Nicht alles ist gesagt, nicht alles gelöst, aber vieles hat sich verschoben.
Vier Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die leise Geschichten mögen, in denen Gefühle nicht laut ausgesprochen werden müssen, sondern sich langsam im Hintergrund entwickeln und genau dadurch wirken.

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Verbundene Schicksale

Und sie schenkten ihnen ein Zuhause von Laura Baldini

In diesem Buch geht es um 2 Frauen, die beide ihren Platz im Leben noch nicht gefunden haben. Ihre Geschichten spielen in unterschiedlichen Zeiten, hängen aber nach und nach zusammen. Daraus entsteht ein ruhiger Roman über Herkunft, Verlust und neue Wege.
Die Handlung verläuft auf zwei Ebenen. 1987 steht Rose im Mittelpunkt, die beim Ordnen des Nachlasses ihrer Mutter auf ein lange verborgenes Familiengeheimnis stößt.

Diese Spur bringt sie dazu, mehr über ihre Herkunft herauszufinden.
Die zweite Ebene führt nach London in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dort arbeitet Helen in einem von Anna Freuds Kinderhäusern und kümmert sich um Kinder, die in den Wirren des Krieges Sicherheit finden wollen.
Mit der Zeit zeigt sich, wie beide Ebenen miteinander verbunden sind.
Das Buch entwickelt sich ruhig und unaufgeregt. Gerade die Kriegskapitel haben Gewicht, weil sie sehr nah bei den Kindern bleiben und zeigen, wie schwierig es ist, wieder Vertrauen zu fassen.
Die Geschichte um Rose wirkt dagegen eher suchend und zurückhaltend. Durch den Wechsel der beiden Ebenen bleibt die Handlung in Bewegung, auch wenn sich vieles erst spät zusammenfügt.
Der Schreibstil ist klar und unaufdringlich. Die Autorin bleibt nah an ihren Figuren und erzählt ohne große Ausschmückungen. Besonders die Szenen mit den Kindern wirken glaubwürdig und bleiben im Kopf. Insgesamt liest sich das angenehm ruhig und flüssig.
Ein ruhiger Roman, der seine Wirkung vor allem über die Verbindung der beiden Zeitebenen entfaltet. Die Geschichte von Rose und Helen fügt sich Stück für Stück zusammen und ergibt am Ende ein stimmiges Bild.
Der Teil aus der Kriegszeit bleibt der stärkere, weil er emotional mehr trägt und die Arbeit in den Kinderhäusern sehr greifbar macht. Die Gegenwartsgeschichte ergänzt das sinnvoll, auch wenn sie weniger intensiv wirkt.
Unterm Strich eine berührende und gut recherchierte Geschichte, die ohne große Effekte auskommt und gerade dadurch nachwirkt.
4 Sterne und eine Leseempfehlung

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Ungewöhnlich, jedoch gut

Bis die Bären tanzen von Michael Hugentobler

Der Roman beginnt ruhig und ohne große Worte. Nach und nach entsteht das Bild einer Familie, die zusammengehört und trotzdem auseinandergeht. Dabei bleibt von Anfang an eine gewisse Nachdenklichkeit hängen, die sich durch das ganze Buch zieht.
Im Mittelpunkt steht eine Familie in einer Zeit, in der vieles ins Wanken gerät.

Der Erste Weltkrieg verändert das Leben spürbar. Die Geschwister gehen danach eigene Wege. Einer geht nach Berlin, eine Schwester zieht bis nach Australien, eine andere nach Brasilien. Kontakt bleibt, aber eher aus der Ferne.
Die Handlung läuft langsam. Vieles wird nicht direkt erklärt, sondern einfach erzählt, ohne viel Drumherum. Manche Abschnitte ziehen sich etwas, andere springen stärker. Das ist nicht immer gleich leicht zu greifen, passt aber zur Art des Buches.
Die Erzählweise ist besonders. Es gibt viele Bilder und ungewöhnliche Gedanken. Nicht alles wirkt sofort klar. Man muss manchmal ein Stück mitgehen, ohne alles sofort einordnen zu können.
Beim Lesen bleibt eine ruhige Stimmung. Es gibt keine großen Ausschläge nach oben oder unten. Einige Szenen wirken nach, auch wenn sie nicht stark betont werden.
Insgesamt ein ruhiger Familienroman, der sich Zeit nimmt und nicht alles ausformuliert. Manche Passagen sind etwas zäh, andere bleiben im Kopf. Wer sich darauf einlässt, findet eine eigene Art von Geschichte, die nicht sofort greifbar ist. Dafür gebe ich dem Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leser, die ruhige Familiengeschichten mögen, bei denen nicht alles direkt erklärt wird und manches offen bleibt. Wer sich gern auf eine etwas andere Erzählweise einlässt und auch mit längeren, ruhigen Passagen zurechtkommt, wird hier fündig. Für alle, die eine sehr klare und schnelle Handlung erwarten, kann es stellenweise etwas schwerer zugänglich sein.

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Zwischen Not und Zusammenhalt

Die Titscha von Odilo Abgottspon

Die Geschichte spielt in einer kargen, schwer zu bewirtschaftenden Landschaft, in einem Oberwalliser Bergdorf, Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Brüder Gustav und Alphons Briggeler müssen aus Not das Dorf verlassen und arbeiten als Melker in Schlesien. Dort lernen sie die Schwestern Anna und Elisabeth kennen.

Jahre später kehren die Familien ins Wallis zurück. Nach Annas frühem Tod bleibt Elisabeth zurück und wird von den Dorfbewohnern ausgegrenzt. Sie wird die Titscha genannt und muss sich ihren Platz im Dorf mühsam erkämpfen. Gustav und Elisabeth stehen gemeinsam vor Herausforderungen, die von harter Arbeit, wenig Geld und einem schweren Unfall geprägt sind.
Die Geschichte wird ruhig und klar erzählt, ohne dass die Härte des Lebens übertrieben dargestellt wird. Alles wirkt glaubwürdig, und die Figuren sind nachvollziehbar. Die Ausgrenzung von Elisabeth und ihr leiser Kampf berühren, ohne dass es gekünstelt wirkt. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie sorgt für kleine, warme Momente, die die Handlung lebendig machen.
Über die Jahre hinweg zeigt sich, wie das Dorf sich langsam verändert. Die Entwicklungen sind nachvollziehbar und realistisch. Dadurch entsteht das Gefühl, ein Stück Leben mitzuverfolgen, das über Generationen hinweg geprägt ist.
Am Ende bleibt eine bewegende Geschichte, die im Gedächtnis bleibt.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, lebensnahe Geschichten schätzen, in denen es nicht um große Dramen geht, sondern um das, was Menschen durch schwierige Zeiten trägt.

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Was von Martha blieb

Vier Seiten Leben von Dorothee Kohler

Ein Name, der plötzlich auftaucht und Fragen hinterlässt. Mehr braucht es nicht, um in diese eindringliche Geschichte hineinzufinden.
Beim Lesen entsteht schnell das Gefühl, dass hier etwas lange verborgen geblieben ist. Zwischen alten Unterlagen taucht eine Frau auf, über die in der eigenen Familie nie gesprochen wurde.

Nur wenige Spuren sind vorhanden, vor allem eine knappe Akte aus einer psychiatrischen Einrichtung. Und doch beginnt sich nach und nach ein Bild zu formen.
Die Geschichte wird ruhig und klar erzählt. Ohne große Worte, jedoch mit viel Feingefühl. Gerade das macht sie so eindringlich. Es geht nicht nur um das, was damals geschehen ist, sondern auch um das Schweigen danach. Warum wurde Martha aus der Erinnerung gelöscht? Diese Frage bleibt die ganze Zeit präsent.
Im weiteren Verlauf wird die Suche nach Antworten immer persönlicher. Die wenigen Fakten stehen fest, doch vieles dazwischen bleibt offen. Und in diesen Lücken entfaltet das Buch seine besondere Wirkung. Es sind oft nur kleine Details, die hängen bleiben. Ein Satz aus einem Dokument, eine vorsichtige Einordnung. Daraus entsteht nach und nach ein Gefühl für das Leben dieser jungen Frau.
Auffällig ist, wie behutsam mit den vorhandenen Informationen umgegangen wird. Nichts wirkt ausgeschmückt oder übertrieben. Stattdessen entsteht ein stilles Nachdenken darüber, was gewesen sein könnte.
Der Blick auf die damalige Zeit wirkt bedrückend. Der Umgang mit jungen Frauen erscheint hart und oft kaum nachvollziehbar. Begriffe wie „unfügsam“ lassen erahnen, wie schnell jemand abgestempelt wurde. Dabei bleibt vieles unausgesprochen, und genau das wirkt nach.
Zum Ende hin wird das Buch noch ruhiger. Es geht weniger um neue Erkenntnisse als um das, was bleibt. Die wenigen Spuren fügen sich nicht zu einem vollständigen Bild. Denn nicht alles lässt sich klären.
Nach dem Lesen bleibt ein ruhiges Nachdenken. Gedanken kehren immer wieder zu dieser jungen Frau zurück, zu ihrem Widerstand und zu dem, was daraus geworden ist.
Dieses Buch ist ruhig, unaufgeregt, dabei sehr eindringlich und bleibt im Kopf.
Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für ruhige, wahre Geschichten und vergessene Schicksale interessieren.

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Und plötzlich ist alles anders

LavendelSommerTräume (Im Herzen der Provence) von Hanna Holmgren

Manchmal gibt es Geschichten, die genau das ausstrahlen, was man beim Lesen sucht. Ruhe, Wärme und das Gefühl, für eine Weile ganz woanders zu sein. Genau so ein Buch liegt hier vor. Schon nach wenigen Seiten entsteht ein Bild von weiten Lavendelfeldern, warmem Licht und einem Ort, an dem ein Neuanfang möglich scheint.

Dabei fühlt sich alles leicht an, ohne oberflächlich zu wirken.
Im Mittelpunkt steht Mia, die ihrem alten Leben den Rücken kehrt und in der Provence neu anfängt. Ohne festen Plan, aber mit dem Wunsch, wieder zu sich selbst zu finden. Diese Suche zieht sich leise durch die Seiten und wirkt dabei ehrlich und greifbar. Die kleinen Schritte, die sie geht, fühlen sich stimmig an und lassen gut nachvollziehen, wie schwer und zugleich befreiend so ein Neuanfang sein kann.
Besonders schön ist die Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Die Provence wird mit ruhigen Bildern beschrieben, ohne überladen zu wirken. Auch die Begegnung mit Jules fügt sich stimmig in die Handlung ein. Zwischen den beiden entsteht etwas Zartes, das sich langsam entwickelt und gerade dadurch glaubwürdig bleibt.
Ganz ohne Schatten bleibt es allerdings nicht. Gerade als sich alles ein wenig sortiert und leichter wirkt, holt Mia ihre Vergangenheit ein. Das bringt Unruhe in ihr neues Leben und sorgt dafür, dass man beim Lesen automatisch wissen möchte, wie es für sie weitergeht. Vor allem die ruhigeren Szenen zeigen, dass sie noch nicht ganz angekommen ist und vieles noch offen bleibt.
Der Schreibstil ist ruhig und angenehm zu lesen. Alles wirkt klar und verständlich, ohne kompliziert zu sein. Die Seiten lassen sich flüssig lesen, und es fällt leicht, in die Handlung einzutauchen. Dabei stehen nicht große Ereignisse im Vordergrund, sondern die leisen Momente, die lange nachwirken. Genau das macht den Reiz dieses Buches aus und sorgt dafür, dass man gern weiterliest.
Am Ende bleibt ein warmes Gefühl, das noch eine Weile anhält. Die Mischung aus Neuanfang, leiser Liebe und der Suche nach dem eigenen Weg wirkt stimmig und ehrlich. Die Handlung entwickelt sich ruhig, ohne langweilig zu werden, und lädt dazu ein, einfach mitzugehen.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige Geschichten mögen, die ohne große Dramatik auskommen und gerade dadurch berühren. Dafür vergebe ich sehr gern 5 Sterne.

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Zwischen Farbe und Freiheit

In Zeiten des blauen Lichts von Paula McLain

Am Anfang steht ein leiser Traum. Es geht um eine Farbe, die mehr sein soll als nur ein schöner Ton. Ein Blau, das Weite und Hoffnung in sich trägt und das Leben verändern kann.
Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die in einer Welt lebt, in der ihr vieles nicht erlaubt ist. Trotzdem hält sie an ihrem Wunsch fest, selbst Farben herzustellen.

Besonders ein bestimmtes Blau lässt sie nicht los, weil es für sie Freiheit bedeutet.
Die Handlung führt in das Paris des 17. Jahrhunderts, mitten hinein in die Arbeit der Gobelin-Manufaktur. Dort wächst Alouette als Tochter eines Färbers auf und kennt die Welt der Farben von klein auf. Doch obwohl sie alles sieht und versteht, bleibt ihr der Zugang verwehrt. Frauen dürfen dieses Handwerk nicht ausüben. Gerade das macht ihren Wunsch nur stärker. Heimlich beginnt sie, eigene Versuche zu machen, und arbeitet Schritt für Schritt an ihrer Idee von diesem besonderen Blau.
Beim Lesen entsteht schnell eine Nähe zu Alouette. Ihre Gedanken und ihr leiser Widerstand lassen sich gut verstehen. Vieles passiert im Kleinen. Sie probiert aus, arbeitet heimlich weiter und muss stets aufpassen, nicht entdeckt zu werden. Das wirkt glaubwürdig und macht ihre Situation greifbar.
Gleichzeitig gibt es noch eine zweite Handlung, die viele Jahre später spielt. Die Stimmung ist dort deutlich schwerer. Mit Kristof kommt eine Figur dazu, die versucht, Menschen zu helfen. Erst wirken beide Geschichten getrennt, später wird klar, dass sie zusammenhängen.
Auch die Beziehung zu Étienne fügt sich gut in die Handlung ein. Sie steht nicht im Mittelpunkt, ist aber wichtig für Alouette. Es geht um Nähe, aber auch darum, was es bedeutet, zusammenzuhalten, wenn es schwierig wird.
Dazu kommt die Atmosphäre in Paris, die sich gut vorstellen lässt. Die Werkstätten, die Arbeit mit den Farben und das Leben in der Stadt sind einfach beschrieben und geben ein klares Bild. Man spürt die Geduld und die Arbeit, die hinter allem steckt.
Im weiteren Verlauf wird deutlich, wie viel Mut es braucht, den eigenen Weg zu gehen. Alouette stellt sich gegen feste Regeln und geht dabei ein großes Risiko ein. Auch im zweiten Handlungsstrang zeigt sich, wie schwer es ist, durchzuhalten, wenn alles unsicher wird.
Die Geschichte bleibt dabei ruhig und konzentriert sich auf das, was wirklich zählt. Es geht um Hoffnung und darum, nicht aufzugeben, auch wenn es nicht leicht ist.
Am Ende fügt sich alles gut zusammen. Die beiden Zeitebenen greifen ineinander und ergeben ein stimmiges Bild. Die Figuren wirken nahbar und die Handlung entwickelt sich ohne Umwege. Ein ruhiger Roman, der noch eine Weile im Kopf bleibt.
5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die ruhige historische Romane mögen, in denen starke Frauen, leise Gefühle und zwei Zeitebenen im Mittelpunkt stehen. Besonders für alle, die Geschichten mögen, die ohne große Dramatik auskommen und trotzdem nachwirken.

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Prag, zwei Leben und ein Geheimnis

Das Mädchen aus Prag von Tereza Vanek

Julia steht früh vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern wird. Sie ist jung, liebt die Musik und ihr Leben in Prag, doch mit dem Einmarsch der deutschen Truppen gerät alles ins Wanken. Die vertraute Welt fühlt sich plötzlich unsicher an. Aus tiefer Sorge um ihren Bruder lässt sie sich auf einen Weg ein, der ihr innerlich widerstrebt und doch unausweichlich scheint.

Im weiteren Verlauf zeigt sich, wie sehr Julia innerlich unter dem leidet, was sie für ihre Familie auf sich nimmt. Die Ehe mit Arthur Spengler bringt ihr nach außen Schutz, fühlt sich für sie selbst aber fremd an. Als sie Antonin begegnet, verändert sich etwas leise in ihr. Zwischen ihnen entsteht eine Nähe, die vorsichtig beginnt und doch schnell an Bedeutung gewinnt. Gerade weil alles im Verborgenen bleiben muss, wirkt jedes Aufeinandertreffen umso intensiver.
Mit dem Fortschreiten des Krieges wird die Lage immer bedrückender. Entscheidungen lassen sich nicht mehr aufschieben und ziehen Folgen nach sich, die sich nicht rückgängig machen lassen. Gleichzeitig öffnet sich ein zweiter Erzählstrang, der viele Jahre später spielt. Dort folgt die Geschichte Marina, die in Prag einen Neuanfang wagt und sich nach und nach mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinandersetzt. Ihre Nachforschungen führen Schritt für Schritt zurück zu Julia und machen deutlich, wie eng beide Lebenswege miteinander verbunden sind.
Gerade dieser Wechsel zwischen den Zeiten sorgt dafür, dass sich vieles erst nach und nach erschließt. Während Julias Weg von Verzicht, Angst und inneren Konflikten geprägt ist, wirkt Marinas Suche ruhiger, aber nicht weniger bewegend. Nach und nach fügt sich beides zusammen, und das, was lange im Verborgenen lag, bekommt ein Gesicht.
Die Geschichte wird ruhig und klar erzählt und lebt vor allem von der Nähe zu ihren Figuren. Besonders Julia bleibt lange im Gedächtnis, weil ihre Entscheidungen nachvollziehbar wirken, auch wenn sie oft schmerzhaft sind. Die wechselnden Zeiten fügen sich stimmig zusammen und lassen nach und nach erkennen, wie tief die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt.
Beim Lesen entsteht eine leise Spannung, die weniger von großen Wendungen lebt, sondern von dem, was unausgesprochen bleibt. Gerade die stilleren Momente haben eine besondere Wirkung. Nicht alles überrascht, manches ist in seiner Entwicklung absehbar, doch genau darin liegt auch eine gewisse Ruhe, die gut zur Geschichte passt.
Am Ende bleibt ein Eindruck, der noch nachklingt. Die Verbindung von persönlichem Schicksal und geschichtlichem Hintergrund wirkt glaubwürdig und nahbar, ohne sich in Details zu verlieren.
4 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, gefühlvolle historische Romane mit einem Blick in die Gegenwart schätzen.

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Ein schweres Leben voller Kraft und Durchhalten

Die Löwenmutter von Hera Lind

Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass Claudia kein leichtes Leben hat. Was sie aushalten muss, geht nah, und trotzdem macht sie immer weiter.
In den achtziger Jahren beginnt ihr Leben mit großen Hoffnungen, doch schon bald wird sie vor Aufgaben gestellt, die kaum zu bewältigen sind. Die Geburt von Fünflingen, viel zu früh und voller Sorgen, verändert alles.

Verluste, Angst und die ständige Verantwortung prägen ihren Alltag. Dazu kommt eine Beziehung, die ihr mehr Kraft nimmt als gibt.
Trotz allem bleibt sie nicht stehen. Sie kümmert sich um ihre Kinder, bekommt noch eine weitere Tochter und entscheidet sich später, auch ein fremdes Kind bei sich aufzunehmen. Immer wieder versucht sie, so etwas wie ein Zuhause zu schaffen. Dabei wird deutlich, wie viel Kraft sie das kostet. Vieles gerät ins Wanken, manches ist kaum auszuhalten, und trotzdem macht sie weiter.
Das erste Viertel des Buches braucht etwas Zeit. Es zieht sich stellenweise, weil vieles sehr ausführlich geschildert wird. Danach wird die Handlung deutlich dichter. Es kommt mehr Spannung auf und die Ereignisse entwickeln sich schneller. Gegen Ende nimmt das Tempo noch einmal zu und vieles geht sehr direkt weiter.
Der Schreibstil bleibt dabei ruhig und gut verständlich. Alles lässt sich flüssig lesen, ohne kompliziert zu wirken. Gerade durch die einfache Sprache wirken die schweren Themen umso stärker.
Beim Lesen kommt man Claudia schnell nah. Es wird deutlich, wie viel sie aushalten muss. Die Erzählweise bleibt ruhig, trotzdem geht das Geschehen nicht einfach vorbei. Man bleibt dran, weil man wissen will, wie es mit ihr weitergeht.
Was Claudia erlebt, ist oft schwer. Trotzdem macht sie weiter. Veränderungen lassen lange auf sich warten, und genau das wirkt glaubwürdig und nah am Leben. Nichts wirkt glatt oder geschönt.
Am Ende bleibt ein starker Eindruck im Kopf zurück. Für alle, die solche Lebensgeschichten mögen, ist das Buch sehr lesenswert und bekommt von mir 5 Sterne.

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