Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Was macht uns aus?
Real Americans von Rachel Khong
Das Buch hat mich so ein wenig ambivalent zurückgelassen.
Auf der einen Seite fand ich es super zu lesen, je weiter ich kam, desto mehr habe ich den Schreibstil geliebt. Und obwohl ich einen ganz anderen Hintergrund habe, konnte ich mich wirklich gut in Lilys Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen.
Es hätte langweilig sein können, weil im Grunde erst einmal gar nicht so viel passiert, aber das war es nicht und das lag definitiv an der Art der Autorin, zu schreiben und der Zeichnung der Charaktere.
Dann wechselt die Perspektive zwanzig Jahre in die Zukunft und zu Lilys Sohn Nick, was für mich ein sehr harter Bruch war und wo mich das Buch auch so ein wenig verloren hat. Was mich vorher noch fesseln konnte, fand ich nun eher zäh und langatmig.
Gegen Ende gibt es nochmals einen Wechsel, diesmal zu Nicks Großmutter Mei und da wurde es für mich auch wieder interessanter.
Trotzdem habe ich mich öfter bei der Frage ertappt, was das Buch mir eigentlich sagen will. Natürlich muss nicht hinter jeder Geschichte eine riesige Botschaft stehen, aber nach den Ankündigungen als "großer Bestseller", den es "nur alle zehn Jahre" gibt, hatte ich schon andere Erwartungen.
Die Frage, was uns zu dem macht, wer wir sind, wird durchaus gestellt und oft genug aufgegriffen. Um diesem Gedanken ernsthaft folgen zu können, wurden mir hier aber zu viele Themen aufgeworfen und diese dann nicht tiefgreifend genug behandelt. Vielleicht hätte das den Rahmen gesprengt, vielleicht hätte man dafür andere Dinge weniger ausführlich darstellen können. Diese Überlegungen sind letztlich natürlich müßig.
So fand ich "Real Americans" durchaus unterhaltsam, zwischendurch aber auch zäh und langatmig. Aufgewertet wurde das Buch auf jeden Fall durch den Schreibstil, der mich wirklich begeistern konnte.
Intensiv und berührend
Solange ein Streichholz brennt von Christian Huber
Von der ersten Zeile an hat mich das Buch in seinen Bann gezogen, mich mittenrein getroffen und ganz tief drinnen berührt. Ich weiß nicht, wie der Autor das geschafft hat, ob es am tollen Schreibstil oder der Art liegt, wie er das Zusammentreffen und später auch Zusammensein von Alina und Bohm beschreibt.
Aber es hat auf jeden Fall irgendwas in mir zum Schwingen gebracht.
Und gleichzeitig eine große Sympathie geweckt für Bohm, dessen Schicksal mich sehr bewegt hat. Ich bin der Meinung, dass Obdachlosigkeit jeden treffen kann und auch nicht immer selbst verschuldet ist. Hier wurde das Leben auf der Straße für mich so eindringlich und eindrücklich beschrieben, dass ich die Kälte und den Schmerz fast selbst spüren konnte, ohne jemals auch nur annähernd in einer vergleichbaren Situation gewesen zu sein.
Leider kam für mich ungefähr ab der Hälfte so ein wenig ein Bruch und der Zauber (wenn man das bei der Thematik überhaupt so nennen kann) ging irgendwie verloren.
Ich fand es immer noch wunderbar geschrieben und konnte mich auch immer noch wahnsinnig gut hineinfühlen, vor allem in Alinas Gedanken, aber es hat mich nicht mehr ganz so tief berührt, wie in der ersten Hälfte. Vielleicht lag das auch daran, dass nun viel mehr passiert als noch zu Beginn und es sich dadurch nicht mehr so intensiv anfühlte.
Aber das ist auch irgendwie Jammern auf hohem Niveau, denn „Solange ein Streichholz brennt“ ist für mich trotzdem ein unfassbar tolles und berührendes Buch, von dem ich mir durchaus vorstellen könnte, es nochmals zu lesen, auch, weil mir Alina und Bohm wirklich sehr als Herz gewachsen sind.
Am Ende hat es mich aber trotzdem ein klein wenig unbefriedigt zurückgelassen, ohne dass ich genau erklären kann, warum. Dies ändert aber nichts daran, dass ich es uneingeschränkt weiterempfehlen kann und werde.
Luft nach oben
Spielverderberin von Marie Menke
Ich fand den Einstieg etwas holprig und hatte zu Beginn so meine Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Der Schreibstil ist recht kurz, fast abgehackt und es gab sehr viele Andeutungen. An den Schreibstil habe ich mich mit der Zeit gewöhnt, ein vages Gefühl, etwas Entscheidendes verpasst zu haben, bliebt allerdings.
Außerdem hatte ich große Probleme mit der Ich-Erzählerin Sophie, die ich wirklich sehr unsympathisch fand. Nun muss ich natürlich die Protagonistin nicht unbedingt mögen, um ein Buch gut zu finden, da diese hier aber sehr viel Raum einnimmt war es relativ schwer, ihrer für mich sehr ichbezogenen und empathielosen Art zu entkommen. Vor allem, da im Gegensatz dazu Lotte und Romy eher blass bzw. im Hintergrund blieben.
Auch die - zweifellos ungünstige - Dynamik zwischen den Dreien bliebt für mich bis zuletzt genauso schwammig, wie der Rest der Geschichte. Da wäre viel mehr Potential drin gewesen, welches leider so ein wenig verpufft ist.
Einzig am Ende gab es dann nochmals einen richtigen Hallo-Wach-Moment, da war ich fast schon schockiert und es ist das durchgeblitzt, was ich mir für das ganze Buch gewünscht hätte. Doch dann war es auch schon vorbei.
Harte Kost
Lola im Spiegel von Trent Dalton
Dieses Buch hat mir wirklich einiges abverlangt. Von Beginn an fand ich es sehr anstrengend zu lesen, was nicht unbedingt am Schreibstil des Autors lag, den ich eigentlich ganz gut fand. Aber alles ist wahnsinnig ausführlich beschrieben und zieht sich daher so ein wenig, darüber hinaus wird auch nicht linear erzählt, sondern recht durcheinander, was ich doch sehr verwirrend fand.
Ich habe zwischendurch ernsthaft überlegt, das Buch abzubrechen, weil ich mich schon eher durch die Seiten gequält habe und unglaublich langsam vorankam. Leider lässt es mein innerer Monk nur schwer zu, angefangene Bücher nicht zu Ende zu lesen und so bin ich drangeblieben.
Ungefähr ab der Hälfte war ich dann sogar froh darüber, denn ab da wurde es für meinen Geschmack wirklich besser und ich konnte mich auch mehr auf die doch sehr schöne Sprache, die schockierende, aber auch sehr berührende Geschichte und die durchaus lebensklugen Aussagen einlassen.
Allerdings bin ich dann gegen Ende wieder ein wenig verloren gegangen bzw. haben mir die Entwicklungen nicht so zugesagt.
Größter Kritikpunkt ist für mich aber nach wie vor die doch sehr sprunghafte Erzählweise. Geschichten müssen nicht total linear ablaufen und ich mag auch durchaus Rückblenden, wenn sie in irgendeiner Form als solche erkennbar sind. Hier war es mir aber oft zu wechselhaft und fragmentarisch.
Alles in allem war "Lola im Spiegel" für mich schon eher harte Kost, inhaltlich, aber auch vom Leseerlebnis her.
Spannend mit kleineren Schwächen
Das Signal von Ursula Poznanski
Ich habe schon viele Bücher von Ursula Poznanski gelesen, sie ist eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen und entsprechend war ich auch sehr gespannt auf ihren neuen Thriller.
Und ich kam auch gleich gut rein, der Schreibstil ließ sich wie immer sehr gut lesen und es war aufgrund des Settings gleich Spannung da.
Dafür hatte ich mit der Ich-Erzählerin Viola allerdings so ein wenig meine Probleme. Zum einen war sie mir nicht besonders sympathisch (was auch nicht unbedingt sein muss), zum anderen kam ich aber auch einfach nicht an sie ran, von Beginn an hatte ich das Gefühl, sie verbirgt etwas und verhält sich einfach merkwürdig.
Außerdem werden die Ereignisse durch die Erzählform natürlich sehr subjektiv geschildert, insbesondere auch die Mimik und Gestik von anderen Personen und deren Interpretation.
Doch mit der Zeit entwickelte das Buch eine regelrechte Sogwirkung, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich alles auflöst, ob Vio mit ihren Verdächtigungen recht hat, ob sie die falschen Schlüsse zieht oder einfach paranoid wird. Fragen über Fragen, die mich nur so durch die Seiten fliegen ließen.
Am Ende war es dann nicht ganz so wie gedacht und für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten und auch ein wenig unrealistisch. Trotzdem war die Geschichte wirklich absolut spannend und da kann ich dann auch etwaige Logik- oder sonstige Schwächen besser verzeihen. Alles in allem habe ich die Lektüre wirklich sehr genossen.
Erstes Jahreshighlight
This Story Might Save Your Life von Tiffany Crum
So früh im Jahr und schon ein absolutes Highlight, das war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch beendet hatte.
Manchmal kann ich dabei gar nicht so genau beschreiben, was genau mir so gut gefallen hat, manchmal passt es eben einfach, wie auch im echten Leben. Und das war hier so ein Fall.
Zunächst einmal fand ich es wahnsinnig gut geschrieben, der Schreibstil hat mich von Anfang an gepackt.
Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Benny und Joy (bei Letzterer in Form von Auszügen aus ihrem bisher unveröffentlichten Memoir) und dabei spürt man die besondere Verbindung zwischen den beiden wirklich sehr, das hat mich schon auch berührt.
Dabei gibt es viele Andeutungen über die zuletzt vorgefallenen Ereignisse, was natürlich hauptsächlich der Spannung dient, für mich am Ende aber unspektakulärer war als erwartet.
Nach ca. zwei Dritteln und mit Beginn des zweiten Teils kam dann so ein kleiner Bruch, da habe ich kurz gebraucht, um mich wieder zurechtzufinden. Außerdem hätte ich Joy in der Phase ab und an echt schütteln können, sie wirkte teilweise doch sehr naiv und die Probleme teilweise so ein wenig hausgemacht.
Aber das ist letztendlich Jammern auf hohem Niveau und ohne das Verhalten der Protagonisten gäbe es natürlich auch das Buch in der Form nicht.
Für mich war "This Story Might Save Your Life" wie schon erwähnt auf jeden Fall ein Highlight und ich habe jede Minute genossen.
Gut durchdachte Leselern-Box
Leserabe Sonderausgaben - Deine große Leseraben Box von Tiffany Crum
Die große Leseraben-Box zum Lesen lernen in der 1. Klasse ist wirklich prall gefüllt mit tollen Sachen, von Ravensburger habe ich ehrlich gesagt aber auch nichts anderes erwartet.
Es gibt ein Mini-Buch, Abc-Rätsel zum Lesenlernen, Baumhausgeschichten mit der Silbenmethode, aber auch ein Leselineal, ein Abc-Poster, ein Türschild, ein Wörter-Memory, ein Silbenquartett und eine Leseraben-Figur.
Darüber hinaus hält die Box viele Tipps und Anregungen bereit. Wie wäre es beispielsweise, für Zuhörer vorzulesen, vielleicht die Eltern oder auch eine Kuscheltier-Runde? Wichtig ist es auch, das Lesen im Alltag zu üben, mit der Müsli-Packung, (Tür-)Schildern oder was einem sonst noch so begegnet.
Da Lesen anstrengend ist, kann zwischendurch ruhig eine Pause gemacht und das ebenfalls enthaltene Puzzle gelegt oder eine der vorhandenen Postkarten ausgemalt werden.
Außerdem gibt es noch Sticker zur Belohnung, falls die Motivation nachlässt oder das Lesenlernen frustriert.
Ich persönlich finde, dass die Box durchaus ein gewisses Grundwissen voraussetzt, sie dient daher also eher der Unterstützung neben dem, was die Kinder in der Schule lernen. Insbesondere die Baumhaus-Geschichten fand ich für den Anfang recht schwer, da hier schon alle Buchstaben verwendet werden. Zur Unterstützung und Motivation ist die Box allerdings wirklich gut durchdacht.
Ob und wie gut man damit lernen kann bzw. wie hilfreich das Ganze ist, ist aber denke ich genauso individuell wie jedes Kind.
Wichtiges Thema, erstaunlich unterhaltsam
Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross
Das Buch greift ein wichtiges Thema auf, das leider an Aktualität nie zu verlieren scheint. Es geht um Männer, die offenbar meinen, sich von Frauen einfach alles nehmen zu können, was sie wollen, hier in Form von Hazels Schuldirektor. Für ihn soll sie die Auserwählte sein, die ihm das Schuljahr über sexuell zu Diensten sein soll.
Doch Hazel sagt Nein und plötzlich ändert sich nicht nur für sie alles.
Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Hazel, ihrem jüngeren Bruder Wolf, ihrer Mutter Claire und ihrem Vater Gus. Den Schreibstil fand ich etwas speziell, allerdings gut zu lesen.
Schwer verdaulicher war da schon das Thema des Buchs, bei dem ich auf der einen Seite immer denke, so etwas kann doch eigentlich nicht passieren, auf der anderen Seite aber natürlich genau weiß, dass es passiert. Und zwar nicht nur einmal, sondern jeden Tag. Das ist schon schwer zu ertragen.
Und natürlich mach dieses "Nein" nicht nur etwas mit Hazel und ihrer Familie, auch das Umfeld des Direktors wird aus seinem Alltag herausgerissen, insbesondere die Tochter. Es gibt nie immer nur ein Opfer. Das fand ich von der Autorin gut herausgearbeitet, genauso wie dass Hazel fast so ein wenig Kapital aus dem Vorfall schlägt, ohne das zu forcieren, damit aber auch hadert.
Ein bisschen Probleme hatte ich mit der Darstellung von Hazels Umfeld. Dieses (allem voran ihre Mutter) wirkte auf mich sehr künstlich und auch irgendwie abgehoben, ich weiß nicht, ob das der Geschichte und ihrer Botschaft so guttut. Letztere wurde damit für mich so ein wenig zu einem zahnlosen Tiger. Vielleicht sollte das aber auch so sein und ich habe es nur nicht richtig verstanden.
Alles in allem hat mir das Buch wirklich gut gefallen, es war trotz des etwas schwereren Themas unterhaltsam und leicht zu lesen.
Bleibt hinter den Erwartungen zurück
Die Housesitterin - Ein Traum von einem Job. Oder? von Emily Rudolf
Nachdem das erste Buch der Autorin für mich damals ein Jahreshighlight war, bin ich mit großen Erwartungen an "Die Housesitterin" herangegangen. Rückblickend gesehen war dies wahrscheinlich ein Fehler, denn insgesamt war das Buch für mich im Vergleich eher enttäuschend.
Doch zunächst fiel mir der Einstieg leicht, ich mag den Schreibstil, der wirklich gut zu lesen ist und war gleich drin in der Geschichte.
Natürlich blieben zunächst auch einige Fragen offen, es soll ja schließlich spannend bleiben.
Im Laufe der Lektüre wechselte allerdings immer öfter die Perspektive, was mir auf der einen Seite gut gefallen hat, weil man so einfach einen breiteren Einblick in die Geschehnisse erhält. Ein bisschen anstrengend fand ich es allerdings schon, da alles in Ich-Form geschrieben ist und ich so immer mal wieder überlegen musste, wer jetzt eigentlich gerade an der Reihe ist. Außerdem sind Ich-Erzähler nicht unbedingt verlässlich, was hier für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr ausgereizt wurde.
Genervt haben mich irgendwann die etwas sehr überhand nehmenden spicy Szenen (gegen die ich grundsätzlich nicht habe, für einen Thriller war es mir allerdings zu viel) sowie der absolut inflationäre Gebrauch eines Wortes mit f… als Umschreibung für den Akt an sich.
Außerdem wurden mir manche Dinge ein wenig zu sehr so zurechtgebogen, dass sie passen. Das hat das Ganze doch relativ unrealistisch und teilweise weit hergeholt gemacht, gepaart mit einigen Logiklücken und ganz vielen glücklichen Fügungen.
Das Ende hat mich dann tatsächlich so ein wenig versöhnt, wenn insgesamt aber schon ein kleiner unguter Beigeschmack übriggeblieben ist. Ich möchte auch nicht alles schlecht reden, das Buch war durchaus spannend und konnte mich durch die verschiedenen Perspektiven und den geschickten Aufbau auch überraschen. Trotzdem kann ich keine bessere Bewertung abgeben.
Subtile Spannung
Wem du traust von Petra Johann
Von der ersten Seite an hat mich das Buch mit seiner subtilen Spannung gepackt, so dass ich es kaum aus der Hand legen konnte.
Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Eva (in Ich-Form) und der Kommissarin Heidi Westphal (in der 3. Person). Dieser Wechsel hat mir sehr gut gefallen, da er nicht nur unterschiedliche Perspektiven zeigt, sondern auch verschiedene Gefühlsebenen, einmal eher emotional und einmal eher sachlich.
Dazwischen gibt es auch immer wieder Einschübe einer unbekannten Person, deren Einordnung mir erst im Laufe der Lektüre klar wurde, die aber dazu beitrugen, den Spannungsbogen hoch zu halten.
Nach und nach entfaltet sich eine unglaubliche Geschichte, die allerdings - zugegebenermaßen - für mich doch recht vorhersehbar war. Ich hatte relativ früh einen gewissen Verdacht, der sich letztendlich dann auch bestätigt hat.
Trotzdem hat es mich gefesselt, den Weg dorthin zu verfolgen, auch wenn mir am Ende so ein bisschen das Überraschungsmoment gefehlt hat. Ich habe die Lektüre durchaus genossen, zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass mir das Buch wahrscheinlich nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben wird. Doch das ist ja auch gar nicht immer unbedingt nötig.
Ich kann gleichwohl eine Empfehlung an alle abgeben, die gerne spannende und psychologisch dichte Krimis lesen.











