Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Toller Thriller mit Flair
Er lügt von Rebecca Taylor McKay
Dieses Buch hat mich wirklich überrascht, und das in mehrerlei Hinsicht.
Ich war gleich mittendrin in der Geschichte von Clara, die als Erzählerin fungiert und uns mit auf ihre Hochzeitsreise mit dem etwas älteren und gut betuchten Spencer nach Positano in Italien nimmt.
Es ist Anfang der 60er Jahre, was ich einfach toll umgesetzt fand, nicht nur in der Sprache, die die beiden frisch Vermählten, aber auch die anderen Personen verwenden oder ihrem Verhalten, sondern es herrschte auch ein gewisses Flair, alles war etwas altmodisch, aber auf eine sehr elegante Art und Weise.
Manchmal fühlte ich mich richtig in einen Agatha-Christie-Roman versetzt, nur ohne Hercule Poirot, dessen Auftauchen mich aber auch nicht gewundert hätte.
Es gibt nicht unbedingt den atemlosen Thrill, aber es entfaltet sich eine Geschichte, die wirklich toll konstruiert ist, ohne jedoch konstruiert zu wirken und die mich immer wieder überraschen konnte, trotz der Enge des Settings und des Personenkreises.
Im Mittelpunkt steht natürlich Clara, die uns mit ihrer Innenschau tief blicken lässt, wenn es auch einige Wiederholungen in ihren Gedanken gab. Diese verstärken aber nur ihre Gefühle und haben mich wirklich berühren können.
Das Ende fand ich sehr stimmig, wenn auch aus persönlichen Gründen etwas unbefriedigend. Dies tat aber dem positiven Gesamtbild keinen Abbruch, ich mochte "Er lügt" wirklich sehr und kann es uneingeschränkt empfehlen.
Nicht ganz mein Fall
Die Auster von Yael Inokai
Es fällt mir nicht gerade leicht, eine Bewertung zu schreiben, da ich objektiv gesehen durchaus den Hut ziehen kann vor der Sprache und dem Stil der Autorin. Subjektiv gesehen muss ich aber relativ schlicht konstatieren, "Die Auster" war leider nicht mein Fall. Vielleicht wurde ich auch aufgrund des Inhalts fehlgeleitet in der Annahme, es handele sich um einen Krimi, obwohl auf dem Cover groß Roman steht.
Denn nur, weil jemand ermordet wird, muss das ja nicht bedeuten, dass die Aufklärung und die Psyche des Täters oder der Täterin im Vordergrund stehen.
Im Vordergrund steht hier nämlich die 73-jährige Leonora Bloch, ihres Zeichens seit Langem Reinigungskraft des Ermordeten und daher bestens mit seinem Leben und den Gegebenheiten des Kaufhauses vertraut, in dem das Opfer Geschäftsführer war.
Das war es dann aber auch mit den Tatsachen, denn die (Lebens-)Geschichte von Leonora, die sich nun vor mir erstreckte, war mir an vielen Stellen zu vage und nicht eindeutig genug. Ich hatte ständig das diffuse Gefühl, dass mir Informationen fehlen und das fand ich mit der Zeit recht anstrengend.
Am Ende laufen die Fäden zwar durchaus zusammen, aber da hatte mich der Roman leider schon ziemlich verloren. Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen, ansonsten war "Die Auster" leider nicht ganz mein Fall.
Eher Familiengeschichte als Thriller
Eine zu viel von Samantha Hayes
Ich mag den Schreibstil der Autorin einfach, er ist wirklich einnehmend und sie schafft es, das Innenleben ihrer Figuren sehr nahbar darzustellen. Es gibt viele unterschiedliche Perspektiven in kurzen Kapiteln, was mir als Leser einen umfassenden Blick auf die Geschehnisse erlaubt. Auch wenn es mit der Zeit manchmal ein wenig anstrengend war; da alles in Ich-Form geschrieben ist musste ich mich schon immer mal wieder sortieren, wer denn jetzt eigentlich gerade erzählt.
Und obwohl Thriller draufsteht, war es für mich eigentlich eher eine Familiengeschichte oder Familientragödie, wenn auch eine wirklich spannende. Schon der Klappentext verrät, dass jemand sterben wird, nur wer, wie und wann, das weiß man nicht, was für sich genommen schon ein typisches Thriller-Element ist. Trotzdem passt diese Einordnung für mich nicht so ganz, was meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tat.
Man glaubt, was man glauben will oder verdächtigt vielleicht im ersten Moment eher diejenigen, die sich seltsam verhalten als diejenigen, die immer nett und freundlich wirken. Das Spiel mit diesen Gewissheiten oder eher Ungewissheiten beherrscht die Autorin auf jeden Fall. Hier ist wirklich nichts so, wie es scheint.
Das erhöht natürlich die Spannung und sorgt immer wieder für Twists, manchmal war es dann aber fast zu offensichtlich, dass es so nicht sein kann. Trotzdem fand ich den Weg dorthin wirklich sehr unterhaltsam. Nur den letzten Twist, den habe ich erraten, was ich kurz schade fand, letztendlich aber die ganze Geschichte abgerundet hat.
Mir hat "Eine zu viel" gut gefallen und ich habe die Lektüre genossen. Wer einen richtig knackigen Thriller sucht, ist hier vielleicht falsch. Spannend und unterhaltsam war es aber allemal.
Spannend bis zum Schluss
Alles ihre Schuld von Andrea Mara
Der Beginn hat es wirklich in sich und mich gleich mitten reingezogen in die Geschichte. Die Vorstellung, dass man sein Kind bei einem Playdate wähnt und dieses sich am Ende als nicht existent herausstellt, ist wirklich schockierend.
Nach diesem heftigen Einstieg gelangt das Buch allerdings schnell in ruhigere Fahrwasser und es scheint auch relativ klar, was passiert ist, trotzdem liegt eine subtile Spannung über allem und natürlich eine gewisse Erwartungshaltung, denn so einfach kann und soll es ja wohl nicht sein.
Ich mochte den Schreibstil und die verschiedenen Perspektiven, hauptsächlich in der Gegenwart spielend, allerdings gab es auch immer wieder Einschübe aus der Vergangenheit, Andeutungen und falsche Fährten. Ich fand die Lektüre wirklich sehr unterhaltsam und kurzweilig und bin auch lange im Dunkeln getappt bzw. befand mich mehrfach auf dem falschen Dampfer.
Die Auflösung fand ich dann ein wenig überladen, vor allem im Vergleich zum Rest des Buchs. Natürlich kann oder will man aus Spannungsgründen vielleicht nicht schon ab der Hälfte damit anfangen, die Zusammenhänge zu erklären. Hier hätte es aber gerne etwas ausgewogener sein können. Und manche Nebenhandlungen hätte es für meinen Geschmack sogar überhaupt nicht gebraucht.
Alles in allem hat mir "Alles ihre Schuld" aber gut gefallen, es war toll zu lesen, spannend und unterhaltsam.
Ein unheimlich wilder Ritt
Ein unheimlich guter Mensch von Kirsten King
Was für ein wilder Ritt!
Am Anfang hatte ich ein bisschen Probleme mit der Lektüre, weil ich Lillian so unfassbar unsympathisch fand, dass ich kurz dachte, ich könnte keine Sekunde weiterlesen, was in ihrem Kopf vorgeht. Denn als Leser ist man mittendrin in ihren teilweise wirklich kruden Gedanken und ich kam mit dem Kopfschütteln gar nicht mehr hinterher.
Aber auf der anderen Seite war es auch wie der sprichwörtliche Unfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann bzw. in diesem Fall einfach weiterlesen muss.
Lillian behandelt im Grunde alle Menschen in ihrem Umfeld schlecht, vor allem auch ihre einzige Freundin Jamie, schafft es aber immer wieder, sich als Opfer darzustellen. Dabei rechtfertigt sie jede noch so schlimme Handlung vor sich selbst und ja, sie schafft es tatsächlich auch, dass ich zwar objektiv nicht verstehen kann, dass sie so handelt, aber subjektiv durchaus sehen kann, dass es sich in ihrem Kopf richtig anfühlt. Schon das ist eine unglaublich großartige Leistung der Autorin, wie überhaupt der ganze Schreibstil. Ich habe selten ein Buch gleichzeitig so abstoßend und unterhaltsam gefunden wie dieses.
Manchmal hätte ich mir vielleicht noch eine andere Perspektive gewünscht, zum Beispiel Jamies, und sei es auch nur, um Lillians Gedankenwelt und Ich-Bezogenheit ein paar Momente zu entfliehen. Anderseits hätte das das Buch wahrscheinlich komplett verändert und es war schon echt gut so, wie es ist.
Das Ende schafft es, dem Ganzen dann noch die Krone aufzusetzen und ein bisschen bin ich froh, unbeschadet aus der Sache rausgekommen zu sein. Aber ich würde es immer wieder tun.
Habe mir mehr erwartet
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Die Bewertung fällt mir tatsächlich ganz so leicht. Nach der Lektüre kam mir ein Satz in den Sinn, der es ganz gut trifft: Ich hätte es gerne lieber gemocht. Aber am Ende war es dann doch nicht ganz mein Fall.
Zunächst habe ich wirklich lange gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Zum einen bin ich mit dem Schreibstil nie richtig warm geworden, der für meinen Geschmack sehr bildhaft und fast ein wenig zu blumig und pathetisch war, vor allem für einen Thriller.
Auf der anderen Seite fand ich die Art des Erzählens ziemlich schwammig und hatte ständig das Gefühl, mir fehlen entscheidende Informationen. Natürlich soll das die Spannung erhöhen, mich hat es allerdings eher genervt, dass wichtige Dinge so unkonkret dargestellt werden. Das war mir alles einfach zu wenig greifbar.
Der Wechsel der Perspektiven zwischen Anna und der Polizistin Katharina hat mir dagegen gut gefallen, auch wenn die eigentliche Polizeiarbeit ein wenig zu kurz kam. Die Gefühls- und Gedankenwelt vor allem von Anna wurde auf jeden Fall sehr anschaulich und einnehmend dargestellt.
Mit ein paar Twists konnte die Autorin mich auch durchaus überraschen, insgesamt war die ganze Handlung aber doch sehr konstruiert und manche falschen Fährten zu offensichtlich. Außerdem wird am Ende plötzlich noch ganz viel aus dem Hut gezaubert, während für mich einige Fragen aber offen blieben.
Es wäre zu viel gesagt, dass ich von dem Buch enttäuscht war, aber letztendlich hatte ich mir schon mehr erwartet. Für mich ist leider der Funke nicht übergesprungen.
Mehr Mystery als Thriller
Komm spielen von Linwood Barclay
Als erstes fällt der für meinen Geschmack doch besondere Schreibstil auf, es wirkt fast wie eine Nacherzählung und nicht so, als wäre man direkt dabei, obwohl ich dem Geschehen schon mit Spannung gefolgt bin. Dabei wirkt das Ganze eher emotionslos und distanziert, ist aber wirklich gut zu lesen.
Es gibt mehrere Abschnitte, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben und auch zeitlich schwer einordenbar sind, mit der Zeit rücken aber immer mehr Puzzleteile an ihren Platz und es entspinnt sich eine Geschichte, die auch viele Mystery- oder sogar leichte Horror-Elemente enthält.
Eigentlich mag ich so etwas nicht so gern, weil es mir oft zu unrealistisch ist, hier konnte ich mich dem aber irgendwann nicht mehr entziehen und mich hat wirklich das Gruseln gepackt. Außerdem wollte ich unbedingt weiterlesen und wissen, wie und ob sich alles auflöst.
Das Ende fand ich sehr stimmig und für mich blieben keine Fragen offen. Und obwohl "Komm spielen" wirklich ganz anders war, als ich erwartet hatte und ich Mystery eigentlich wie bereits erwähnt nicht so viel abgewinnen kann, hat es mir doch gut gefallen. Es war unterhaltsam und für mich mal etwas Neues.
Aus den genannten Gründen kann ich aber nicht die volle Punktzahl vergeben und auch durchaus verstehen wenn der ein oder andere Leser nach der Lektüre enttäuscht ist.
Solider Krimi
Vega Varg - Das Schweigen der Insel von Åsa Hellberg
Von Beginn an ist natürlich klar - das sagt ja bereits der Titel -, dass es hier auch viel um Vega Varg und ihre Vergangenheit gehen wird.
Ein bisschen Probleme hatte ich mit der geografischen Zuordnung, was liegt in Norwegen, was in Schweden, wer wohnt wo? Das hat den Lesefluss gerade anfangs doch etwas gestört.
Ansonsten hat mich der Schreibstil so ein wenig an die Hulda-Reihe erinnert, irgendwie einfach (ohne das negativ zu meinen) und sehr angenehm zu lesen.
Als ich mich an die örtlichen Gegebenheiten und doch recht vielen Personen und Namen gewöhnt hatte, entspann sich ein typischer Krimi, eher ruhig und besonnen als actionreich, aber durchaus spannend.
Den eigentlichen Fall fand ich gut konstruiert und schnell wird klar, dass er für Vega Varg sehr persönlich ist. Immer wieder gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, als ihr Mann ermordet wurde, und die Zeit danach.
Am Ende wurde es dann richtig dramatisch, das hat für mich nicht so ganz zum Rest gepasst. Als müsste man jetzt noch möglichst viele Wendungen einbauen. Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen.
Ansonsten hat mir "Vega Varg" aber gut gefallen, es war spannend und hat mir einige unterhaltsame Lesestunden beschert. Ich weiß nicht, ob hier ein weiterer Teil angedacht ist, so ganz kann ich mir das gerade nicht vorstellen, werde aber durchaus danach Ausschau halten.
Düsterer Thriller
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Was für ein toller Thriller!
Erzählt wird aus Sicht von Marsibil zehn Jahre nach dem Verschwinden ihrer älteren Schwester Kristin, genannt Stina und es wird schnell klar, dass es Marsi aus diversen, teilweise auch unbekannten Gründen nicht gut geht. Hierbei entspinnt sich eine beklemmende und trostlose Atmosphäre, die durch das Verhalten der Eltern sowie Marsis Gedanken noch verstärkt wird.
Dazwischen gibt es regelmäßig Rückblenden zu Stina aus der Zeit kurz vor bis zu ihrem Verschwinden, parallel findet Marsi auch immer mehr heraus, so dass es zwischen ihr und dem Leser eigentlich kaum einen Wissensvorsprung gibt, das war schon gut gemacht.
Und obwohl ich anfänglich über die vielen isländischen Namen gestolpert bin und diese bestimmt allesamt innerlich ganz falsch ausgesprochen habe, fand ich den Schreibstil der Autorin sehr angenehm zu lesen und absolut passend zu der düsteren Stimmung im Buch.
Auch die Auflösung fand ich richtig toll, da saß einfach jeder Twist und jedes Detail, alles war stimmig, teilweise auch überraschend und für mich blieben keine Fragen offen.
Mir hat "Home Before Dark" wirklich sehr sehr gut gefallen, für mich war es ein absoluter Volltreffer, den ich nur wärmstens empfehlen kann.
Überraschend anders
Summer Heat von Solveig-Marie Kastner
Ich kam erst einmal nicht so gut rein in die Geschichte, obwohl der Schreibstil gut zu lesen war. Irgendetwas hat mir allerdings gefehlt.
Doch das hat sich mit der Zeit fast unmerklich verändert, es kommen weitere Perspektiven dazu und erweitern den Blick auf die Geschehnisse. Überhaupt fand ich den Aufbau wirklich sehr gut gelungen und die Autorin konnte mich mit einigen Wendungen wirklich überraschen, wenn auch manche Entwicklungen etwas konstruiert wirkten.
Ich hatte aber nie das Gefühl, dass ich ganz bewusst und offensichtlich auf eine falsche Spur geschickt werde, das hat mir wirklich gefallen.
Es hat mich nicht in atemlose Spannung versetzt, aber doch gefesselt auf eine eher ruhige, durchaus intensive Weise. Alles baut sich recht langsam auf und ich bin den Ereignissen gespannt gefolgt, vor allem im Hinblick auf das was noch kommt.
So richtig sympathisch war mir keine der Figuren (was aber natürlich auch nicht sein muss), trotzdem habe ich am Ende insbesondere mit Mia mitgefiebert und mir ein gutes Ende für sie gewünscht.
Mir hat "Summer Heat" gut gefallen, es war anders als gedacht und konnte mich sowohl unterhalten als auch überraschen.











