Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Rückkehr nach North Falls
Tödliches Verderben von Karin Slaughter
Nachdem ich letztes Jahr bereits den Vorgänger "Dunkle Sühne" gelesen habe, wollte ich natürlich wissen wie es mit Emmy in North Falls weitergeht.
Dabei wurde meine Geduld zunächst aber ganz schön auf die Probe gestellt.
Eigentlich wusste ich ja auch, dass die Autorin immer sehr ausführlich erzählt und es immer relativ lange dauert, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt.
Trotzdem fand ich die vielen Wiederholungen und Gespräche zwischen Emmy und Jude gerade zu Beginn wirklich anstrengend und sehr langatmig.
Auch dieses typisch Amerikanische, das hier immer so ein wenig zelebriert wird, das Pathetische, die Arbeit der Cops und was es bedeutet, ein Sheriff zu sein, sowie die vielen verschiedenen Namen und verwandtschaftlichen und sonstigen Verstrickungen habe mich etwas ermüdet.
Erst nach gut der Hälfte (da sind andere Bücher schon zu Ende) kam dann so richtig Zug in die Geschichte und den Fall und da konnte ich es dann auch kaum noch aus der Hand legen. Das war auf jeden Fall nichts für schwache Nerven und ging ganz schön an die Nieren.
Auch aufgrund des Endes und einiger offen gebliebener Erzählstränge gehe ich davon aus, dass es einen weiteren Teil geben wird, den ich sicher auch lesen werde - auch wenn ich es zu Beginn wohl wieder ein wenig verfluchen werde.
Der Twist rettet das Buch
Perfect Little Monsters von Cindy R. X. He
Es fällt mir nicht leicht, eine Bewertung zu schreiben, da mich das Buch sehr zwiespältig zurückgelassen hat.
Ich mag YA-Thriller mit Highschool-Setting wirklich gern und deshalb war mir schnell klar, dass ich "Perfect Little Monsters" unbedingt lesen möchte, auch wenn ich dieses Alter schon längst überschritten habe.
Und von den Zutaten hatte es auch alles, was es für eine spannende Geschichte braucht: Die neue an der Schule, eine manipulative Cheerleaderin, ein Mord und ganz viele Motive.
Und dann das große Aber: Ich fand den Schreibstil einfach nur grausig. Er war dermaßen simpel, hölzern und oberflächlich, das hat fast weh getan. Ich weiß auch nicht, ob es an der Übersetzung lag oder doch an der Autorin selbst. Letztlich ist das aber eigentlich egal, Fakt ist, dass ich es zwischendurch kaum ausgehalten und ernsthaft überlegt habe, abzubrechen. Im Grunde habe ich nur durchgehalten, weil ich Bücher in der Regel auch zu Ende lese.
Doch dann ist etwas passiert, mit dem ich wirklich nicht gerechnet habe: Es wird ein Plot-Twist ausgepackt, der mir regelrecht die Schuhe ausgezogen hat. Das hatte ich überhaupt nicht kommen sehen und es hat das Buch schlagartig aufgewertet. Den für meinen Geschmack schlimmen Schreibstil hat es zwar nicht wettmachen können, die Entwicklung und das Ende waren aber wirklich klasse.
Wunderbar tröstlich und berührend
Die Ballade von Ronan McCoy von Colin Morgan
Was für ein wunderbares Buch! Nach der Lektüre musste ich das Gelesene zuerst einmal ein wenig sacken lassen, denn schon länger hat mich ein Buch nicht mehr emotional so mitgenommen, sowohl in Höhen als auch in Tiefen.
Nach dem Klappentext habe ich einen Coming-of-Age-Roman über die Kraft von Freundschaft erwartet und das habe ich auch bekommen, aber gleichzeitig noch so viel mehr.
Erzählt wird aus Sicht des 16-jährigen Brendan, der sein letztes Jahr in der Schule beginnt. Den Schreibstil fand ich einfach großartig, absolut passend für einen Heranwachsenden, der vielleicht auch ein bisschen schnell erwachsen werden musste. Er berichtet mit einer gewissen Sachlichkeit, schafft es aber trotzdem, auch durch seine große Empathie, Emotionen zu wecken. Und trotz des schweren Themas gelingt es dem Autor, eine gewissen Leichtigkeit zu erzeugen, ohne jedoch oberflächlich zu werden.
Es gibt so viele wunderbare und berührende Szenen, die gleichzeitig eigentlich richtig traurig sind, auf der anderen Seite aber auch tröstlich und voller Hoffnung. Ich habe mir beim Lesen immer wieder die Augen wischen müssen, was mir auch schon lange nicht mehr passiert ist.
"Die Ballade von Ronan McCoy" ist so ein wunderbar kluger, tröstlicher und einfach rundum gelungener Roman, dass ich ihn nur jedem ans Herz legen kann und möchte. Selbst jetzt beim Schreiben, wo die Lektüre schon ein bisschen her ist, merke ich wieder, wie sehr es mir ans Herz geht. Ich bin wirklich froh, dieses Buch entdeckt zu haben. Von mir gibt es eine ganz große Leseempfehlung!
Unterhaltsame Geschichtsstunde
Falls jemand fragt, wer wir waren von Eva Kranenburg
Bücher, die um den zweiten Weltkrieg oder danach spielen, sind normalerweise nicht unbedingt mein bevorzugtes Genre, hier haben mich allerdings der Klappentext und auch das schlichte Cover so neugierig gemacht, dass ich mich aus meiner Komfortzone herausgewagt habe. Und ich habe es nicht bereut.
Der Autorin gelingt es, Geschichte und insbesondere die Geschichte um den Volksaufstand des 17.
Juni lebendig zu machen, auch dank der historischen Einordnung im Nachwort. Da ich selbst viel später und in einer ganz anderen Ecke Deutschlands geboren bin, fand ich das wirklich sehr spannend zu lesen und noch einmal ganz anders lehrreich, als zum Beispiel im Schulunterricht.
Trotzdem steht hier natürlich die Freundschaft von Tilla und Rena im Vordergrund, doch wie nebenbei werden eben auch die damaligen Zustände, Lehren und Glaubensfragen vermittelt und die Risse bzw. die Zerrissenheit, die aus den Unterschieden entstehen können.
Den Schreibstil bzw. die Erzählweise von Tilla fand ich richtig toll, irgendwie lakonisch, aber auch sehr nahbar und authentisch. Gut gefallen hat mir auch die Entwicklung, die sie im Laufe der Geschichte durchlebt.
Ich habe das Buch wirklich sehr gerne gelesen und kann es durchweg empfehlen. Es war unterhaltsam, spannend und authentisch.
Großartiger Thriller
Die Lüge in ihrem Gesicht von Anne Keßel
Wow, was für ein packender Thriller. Hier hat für mich einfach alles gestimmt, der Plot, die Figuren, der Spannungsbogen, der Schreibstil.
Ich war gleich mittendrin in der Geschichte, denn schon der Anfang hat es wirklich in sich. Und nach und nach entwickelt sich eine fast schon unglaubliche Geschichte (was auch so ziemlich der einzige Kritikpunkt wäre, müsste ich unbedingt einen nennen, dass es nämlich manchmal für meinen Geschmack ein bisschen zu weit hergeholt erschien).
Doch darüber konnte ich problemlos hinwegsehen, weil ich das ganze Drumherum einfach so wahnsinnig gut gemacht fand.
Mit am besten gefallen hat mir aber die Entwicklung von Marlene, die mir am Anfang wirklich unsympathisch war und sehr selbstgefällig und fast getrieben wirkte in ihrem Bestreben, die Unbekannte unbedingt entlarven und auch bestrafen lassen zu müssen, nur aufgrund eines sehr vagen Verdachts. Doch die Erkenntnis, dass vielleicht nicht immer alles so ist, wie es scheint, dass man auch immer die Hintergründe kennen muss, um das große Ganze zu verstehen, verändert auch ihre Sicht auf manche Dinge, das war wirklich sehr authentisch und glaubhaft beschrieben.
Alles in allem fand ich "Die Lüge in ihrem Gesicht" wirklich großartig, es war spannend, unterhaltsam und ich konnte es wirklich kaum aus der Hand legen. Ganz klare Leseempfehlung.
Spannend mit kleineren Schwächen
DAISY – Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe
Ich hatte mich sehr auf das neue Buch von Melanie Raabe gefreut, deren Thriller ich bisher ausnahmslos sehr mochte. Die Story klang zwar ein wenig abgefahren - eine Anwältin auf einem nächtlichen Feldzug für die Gerechtigkeit –, aber das ist ja erst einmal nichts Schlimmes.
Durch den sehr nahbaren Schreibstil war ich auch gleich drin im Geschehen und im Leben von Luca, die ich auch wirklich sympathisch fand, trotz ihres etwas fragwürdigen "Hobbys".
Ihre Beweggründe konnte ich aber tatsächlich nachvollziehen, wer ärgert sich nicht manchmal darüber, dass manche Menschen offenbar mit allem davonkommen und dadurch Leid über andere bringen.
Die Autorin schafft es, die Spannung durchgehend hoch zu halten und den Leser auf die ein oder andere falsche Fährte zu locken, auch durch die immer wiederkehrenden Rückblenden in Lucas Vergangenheit, das war schon echt gut gemacht.
Trotzdem gab es für mich aber auch immer wieder Längen bzw. zu viele Wiederholungen ein und desselben Gedankengangs.
Was mich jedoch am meisten gestört oder fast schon geärgert hat, waren einige für mich doch grobe Logikfehler, bei denen ich tatsächlich nicht verstehen kann, wie sie beim Lektorat nicht auffallen konnten, wenn sie mich schon beim ersten Lesen quasi angesprungen haben. Das waren zwar nicht unbedingt geschichtenverändernde Dinge, gestört haben sie mich allerdings trotzdem.
Davon mal abgesehen hat mir "Daisy" aber gut gefallen, es war zwar vielleicht thematisch für meinen Geschmack nicht ganz so realistisch, dafür aber auf jeden Fall sehr unterhaltsam und spannend und ich habe es gern gelesen.
Düster und atmosphärisch
Das Krähenzimmer von Carolin Frey
Erstaunlicherweise fällt es mir bei Büchern, die mir richtig gut gefallen haben, teilweise schwerer, eine Bewertung abzugeben, als bei Büchern, die mir nicht so gut gefallen haben. Dies ist hier so ein Fall.
Ist es der tolle Schreibstil? Die atmosphärische, teilweise düstere Darstellung des Örtchens am Meer? Die toll gezeichneten Figuren, allen voran Lotta, die ich von Anfang an mochte? Die unheimlichen Zwischensequenzen und Tagebucheinträge?
Ich bin jedenfalls ganz tief eingetaucht die diese kleine Welt, die mich wirklich gefangen genommen hat.
Den Beginn fand ich zwar ein wenig konstruiert und auch zwischendurch gab es immer wieder Momente, die mir ein bisschen zu sehr passend gemacht worden waren. Aber - und das unterscheidet dann vielleicht auch ein gutes Buch von einem weniger guten Buch - das war mir völlig egal, weil ich einfach so in der Geschichte drin und gefesselt war, dass mich das, auch im Nachhinein, überhaupt nicht gestört hat.
Bis zum Schluss bin ich völlig im Dunkeln getappt, obwohl der Personenkreis doch recht klein war, auch das ein Verdienst der tollen Arbeit der Autorin, von der man hoffentlich noch viel hören bzw. lesen wird.
Für mich ist "Das Krähenzimmer" auf jeden Fall ein Jahreshighlight, ich fand es unglaublich unterhaltsam, spannend und es hat mich regelrecht in seinen Bann gezogen. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.
Enttäuschend
FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister
So ist das leider mit Erwartungen, und von denen hatte ich nach dem Klappentext und den ersten Seiten eine ganze Menge. Doch letztendlich ist das Buch ganz anders aufgebaut als erwartet und die Enttäuschung darüber konnte ich bis zum Ende nicht ganz abschütteln.
Aber fangen wir mal mit dem für mich Positiven an, dem Schreibstil der Autorin, den ich wirklich großartig und sehr unterhaltsam fand.
Sei es als allwissende Erzählerin, die meint, die Gedanken ihrer Leser erraten zu können oder als Chronistin der Lebensgeschichten ihrer Figuren.
Die Charaktere waren für meinen Geschmack allerdings recht überzeichnet und ein krasses Schicksal reihte sich an das nächste. Das war mir klar zu viel.
Auch konnten mich die Geschichten allesamt, bis auf einige Momente am Schluss, nicht wirklich berühren, sie ließen mich sogar seltsam kalt, obwohl sich die Autorin wirklich Mühe gibt.
Am Ende bleibt die Frage, was mir das Buch eigentlich sagen will, denn ein reiner Unterhaltungsroman soll es wohl auch nicht gewesen sein, das legt zumindest das Nachwort nahe.
Dass man Menschen und ihre Geschichte nicht nach dem ersten Eindruck beurteilen soll? Ja, das ist auf jeden Fall so. Darüber hinaus konnte ich allerdings nicht allzu viel mitnehmen und das Buch wird mir trotzdem des ungewöhnlichen Plots und des tollen Schreibstils wohl nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben.
Toller Thriller mit Flair
Er lügt von Rebecca Taylor McKay
Dieses Buch hat mich wirklich überrascht, und das in mehrerlei Hinsicht.
Ich war gleich mittendrin in der Geschichte von Clara, die als Erzählerin fungiert und uns mit auf ihre Hochzeitsreise mit dem etwas älteren und gut betuchten Spencer nach Positano in Italien nimmt.
Es ist Anfang der 60er Jahre, was ich einfach toll umgesetzt fand, nicht nur in der Sprache, die die beiden frisch Vermählten, aber auch die anderen Personen verwenden oder ihrem Verhalten, sondern es herrschte auch ein gewisses Flair, alles war etwas altmodisch, aber auf eine sehr elegante Art und Weise.
Manchmal fühlte ich mich richtig in einen Agatha-Christie-Roman versetzt, nur ohne Hercule Poirot, dessen Auftauchen mich aber auch nicht gewundert hätte.
Es gibt nicht unbedingt den atemlosen Thrill, aber es entfaltet sich eine Geschichte, die wirklich toll konstruiert ist, ohne jedoch konstruiert zu wirken und die mich immer wieder überraschen konnte, trotz der Enge des Settings und des Personenkreises.
Im Mittelpunkt steht natürlich Clara, die uns mit ihrer Innenschau tief blicken lässt, wenn es auch einige Wiederholungen in ihren Gedanken gab. Diese verstärken aber nur ihre Gefühle und haben mich wirklich berühren können.
Das Ende fand ich sehr stimmig, wenn auch aus persönlichen Gründen etwas unbefriedigend. Dies tat aber dem positiven Gesamtbild keinen Abbruch, ich mochte "Er lügt" wirklich sehr und kann es uneingeschränkt empfehlen.
Nicht ganz mein Fall
Die Auster von Yael Inokai
Es fällt mir nicht gerade leicht, eine Bewertung zu schreiben, da ich objektiv gesehen durchaus den Hut ziehen kann vor der Sprache und dem Stil der Autorin. Subjektiv gesehen muss ich aber relativ schlicht konstatieren, "Die Auster" war leider nicht mein Fall. Vielleicht wurde ich auch aufgrund des Inhalts fehlgeleitet in der Annahme, es handele sich um einen Krimi, obwohl auf dem Cover groß Roman steht.
Denn nur, weil jemand ermordet wird, muss das ja nicht bedeuten, dass die Aufklärung und die Psyche des Täters oder der Täterin im Vordergrund stehen.
Im Vordergrund steht hier nämlich die 73-jährige Leonora Bloch, ihres Zeichens seit Langem Reinigungskraft des Ermordeten und daher bestens mit seinem Leben und den Gegebenheiten des Kaufhauses vertraut, in dem das Opfer Geschäftsführer war.
Das war es dann aber auch mit den Tatsachen, denn die (Lebens-)Geschichte von Leonora, die sich nun vor mir erstreckte, war mir an vielen Stellen zu vage und nicht eindeutig genug. Ich hatte ständig das diffuse Gefühl, dass mir Informationen fehlen und das fand ich mit der Zeit recht anstrengend.
Am Ende laufen die Fäden zwar durchaus zusammen, aber da hatte mich der Roman leider schon ziemlich verloren. Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen, ansonsten war "Die Auster" leider nicht ganz mein Fall.











