Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Thaliomee:
Wer ist verrückt, wer lügt?
Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus. von Nova Winter
Das Buch hält auf jeden Fall was Cover und Titel versprechen. Die Kapitel sind aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, den größten Anteil nimmt aber Smilla ein. Sie hat eine Brustkrebserkrankung überstanden und ist mit ihrem Mann Jonas in den Schwarzwald gezogen. Bei ihrer ersten Joggingrunde rettet sie einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken, aber als die Mutter dazu kommt ist diese abweisend und undankbar.
Gleichzeitig hat Smilla das Gefühl diesen Jungen zu kennen, es fühlt sich so an, als sei es ihr eigenes Kind. Es stellt sich heraus, dass der Junge der Sohn ihrer Nachbarn Quentin und Lou ist. Beim gemeinsamen Abendessen ist die Stimmung angespannt, Lou ist unfreundlich und Quentin scheint etwas zu verbergen.
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, durch die kurzen Kapitel taucht man immer weiter in die Geschichte ein und lernt die vier Nachbarn kennen. Was ich wirklich gut fand ist, dass Smilla zwar das Gefühl hatte "Das ist mein Kind", aber gleichzeitig weiß, dass es gar nicht sein kann. Sie hat diese Ahnung, ist aber nicht besessen davon. Irgendwann verrennt sie sich in eine Idee, was mich als Leserin immer verärgert, aber natürlich wird erst einmal nach naheliegenden Lösungen gesucht. Dabei liegt die Wahrheit tief in der Vergangenheit...
Klassiker, für Kinder und Erwachsene
Würfelkönig (Spiel) von Nils Nilsson
Zuerst muss ich zugeben, dass die Grafik mich nicht wirklich abholt. Das Thema ist trotzdem ganz passend und gut umgesetzt, wenn auch vermutlich komplett austauschbar. Man versucht die bestmöglichen Kombinationen mit seinen Karten zu erreichen und dabei pokert man manchmal auch zu hoch und bekommt an Ende nichts.
Die Regeln sind sehr einfach, schon Kinder können gut mitspielen. Aber auch für Erwachsene gibt es Herausforderungen und sei es nur auf das eigenen Würfelglück zu vertrauen. Auch wenn der Glücksfaktor hoch ist, können doch taktische Entscheidungen getroffen werden, was den Wiederspielwert deutlich erhöht.
Das Spiel an sich besteht aus Karten und Würfeln und kommt in relativ kleinem Packmaß. Es lässt sich gut mitnehmen und wegen der kurzen Spieldauer auch zwischendurch spielen. Wirklich empfehlenswert, wenn Erwachsene und Kinder Spaß an einem Spiel haben wollen.
Jugendliche mit Superkräften
Mystery Eye von Susann Blum
Die Hauptfigur Tammy wächst in den sprichwörtlichen "schwierigen Verhältnissen" auf, mit einer abwesenden Mutter und einem noch abwesenderen Vater. Als Kind einer sozial schwachen Familie nimmt sie an einem Ferienlager teil, für das sie sich mit 15 Jahren schon viel zu alt findet. Tatsächlich ist sie im selben Alter wie einige der Betreuer, zumindest von denen die ebenfalls nicht freiwillig mitfahren.
Isaac kommt aus einer reichen Familie, muss aber als Sozialauflage mit zu diesem Camp fahren und hat keinerlei Interesse seinen Betreueraufgaben nachzukommen.
Als er und Tammy sich zufällig ansehen, passiert etwas, was alles verändern wird. Sie sehen eine Art flammendes Auge und hören einen Ton. Beide verstehen, dass sie eine Gabe besitzen. Doch während Tammy alles darüber herausfinden will, versucht Isaac es mit allen Mitteln geheim zu halten. Natürlich geraten beide in einen Strudel von Ereignissen, der sie nach London führt, wo sie zwei weitere Jugendliche mit dieser Begabung kennen lernen.
Es fiel mir ein wenig schwer in dieses Buch hineinzukommen, aber dann hat es mich doch gepackt. Die Story ist gut gemacht und die Charaktere sehr sympathisch. Dass sie alle noch so jung sind und trotzdem mit Flugzeug, Auto und Co herumreisen habe ich weitestgehend ignoriert, es spielt im Grunde nur eine untergeordnete Rolle. Alles in allem hatten ich nach diesem Buch den Wunsch sofort weiter zu lesen und genau das macht wohl einen guten ersten Band aus.
Erklärt die Grundlagen der Hirnforschung
Ein Date mit deinem Gehirn von Damir del Monte
Das Buch ist erst einmal wunderschön gestaltet! Es geht um unser Gehirn und wie wir es besser verstehen können. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und der Schreibstil ist gut lesbar. Es ist kein Fachbuch, sondern für interessierte Menschen auch ohne Vorkenntnisse gut geeignet. Leider hat es mich nicht immer mitgerissen, ich hatte es etwas kurzweiliger erwartet.
An manchen Stellen durchaus humorvoll und lehrreich, insgesamt macht der Autor aber einen sehr großen Bogen und deckt viele Themen ab.
Dabei nutzt er gern Vergleiche und versucht immer, die Leser_innen abzuholen und nicht zu fachlich zu werden. Man sollte etwas Zeit mitbringen um dieses Buch zu lesen, trotz der bunten Aufmachung und teils lockerer Sprache geht es doch um Wissenschaft und natürlich geht das nicht ohne Fachbegriffe und Erklärungen.
Alles in allem ein gutes Buch, auch wenn ich denke, dass es bessere in diesem Bereich gibt.
Fesselnd, spannend und sehr düster
Wellengrab von Stefan Ahnhem
Obwohl dieses Buch Teil einer Serie um den Ermittler Fabian Risk ist, lässt es sich sehr gut einzeln lesen.
Zunächst geht es um einige Straftaten die zum Teil nicht sehr schwer erscheinen. Aber auch ein Mord geschieht – und wird zunächst für einen Schlaganfall gehalten. Der Zusammenhang wird nach und nach klar, denn alles führt zu einem viel größeren Verbrechen.
Aber auch das ist noch nicht das große Ganze, hier entwickelt sich auf über 600 Seiten eine komplexe Geschichte.
Das Buch ist spannend geschrieben und gut zu lesen obwohl man permanent zwischen den einzelnen Schauplätzen springt. Dabei kommt man immer ein Stück weiter, gerade wenn ich dachte ich habe verstanden, warum die Personen so gehandelt haben, kam ein völlig neuer Aspekt dazu. Das Ende hat mir zwar weniger gefallen, aber die
Es geht u.a. um Gewalt gegen Kinder, wer eher schwache Nerven hat sollte auf dieses Buch verzichten.
Das Cover ist typisch für einen düsteren nordischen Krimi, der Titel ist allerdings völlig wahllos. Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber ich konnte keinen Bezug zum Inhalt finden.
Vier Wochen Kurklinik
Narbenmädchen von Lilly Bogenberger
„Wir sind schon ganz schön krass eigentlich. Wir haben ja auch eine Menge Shit durchgemacht und da sind wir trotzdem immer irgendwie durchgekommen.“
Diesen Satz sagt Lara zu ihren neuen Freunden Finn und Neo. Lara ist 15, schneidet sich und verbringt deshalb vier Wochen in einer Kurklinik für Kinder und Jugendliche.
Viele der Jugendlichen haben einen konkreten Grund für ihr Verhalten, aber nicht immer wird der ernstgenommen. Die Therapeut_innen und anderen Angestellten der Klinik wirken überfordert und wenig hilfreich. Das mag zum einen daran liegen, dass viel zu wenig Zeit für die Patient_innen da ist, zum anderen aber auch am Konzept: Vier Wochen rausgerissen aus dem Alltag, danach wieder entlassen. Wird es alles besser bleiben die Jugendlichen zu Hause, wird es schlimmer kommen sie in die Psychiatrie.
Die Autorin Lilly Bogenberger schreibt schon länger professionell und das merkt man auch diesem Buch an. Sprachlich sehr gut und vor allem bei der Hauptperson Lara sehr authentisch formuliert. Bogenberger hat vieles von dem, was sie im Buch behandelt, selbst erlebt. Das führt einerseits dazu, dass sie die Kurklinik mit all ihren Dynamiken und Unzulänglichkeiten unglaublich plastisch beschreiben kann, andererseits muss man sich klar machen, dass man hier eine ganz eigene Perspektive bekommt. Es gibt keine Erzählungen aus Sicht der Erwachsenen Personen, keine ausgewogene Berichterstattung sondern Laras Geschichte. Und die ist so mitreißend, dass es nichts anderes braucht um das Buch lesenswert und wichtig zu machen.
Sie darf niemandem trauen
Die Psychopathin - Wer manipuliert dich wirklich? von Rose Klay
Schauplatz dieses Thrillers ist eine Schraubenverbrik im Westerwald. Wie spannend kann es also werden? Sehr!
Karolin Bogner arbeitet in einer Firma, die Spezialschrauben herstellt und vertreibt. Sie ist schon lange dort und kennt sich mit den internen Machenschaften aus, hat aber auch ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zum Inhaber.
Dieser wird sich bald zur Ruhe setzten und sie macht sich berechtigte Hoffnungen auf die Nachfolge.
Außerdem hat sie ein Verhältnis mit dem neuen Kollegen Chris und beide stehen kurz davor ihre Beziehung öffentlich zu machen. Es läuft also gut für Karolin, bis immer mehr Dinge geschehen, die aussehen, als wolle ihr jemand schaden. Ist es jemand aus der Firma oder ihrem privaten Umfeld?
Der Prolog zeigt zwar, wie es enden wird, aber ich habe eine ganze Weile gebraucht um einen Verdacht zu entwickeln, wer hinter all den merkwürdigen Geschehnissen steckt. Mehr als einmal war ich dabei auf der völlig falschen Spur. Dieses Buch ist gut zu lesen und wirklich fesselnd geschrieben. Das Ende war für mich ein wenig zu konstruiert, aber es wird mehr als deutlich, was die Autorin uns hiermit sagen möchte.
Fesselnder Thriller, der ganz ohne Blut eine unglaubliche Spannung erzeugt.
Genauso kaltblütig wie emotional
Die Ärztin - Gefährlicher Besuch von Meike Dannenberg
Dieses Buch reiht sich nahtlos an „Die Ärztin – Gefährliche Nachtschicht“ an, man kann es aber auch gut ohne Vorkenntnisse lesen. Die Hauptfigur ist wieder Gynäkologin Dr. Eva Mares, die nach wie vor am Klinikum in Bremen arbeitet. Mit ihrer Familie wohnt sie in der Wildeshauser Geest und pendelt regelmäßig zwischen Landidylle und Großstadt.
Als ein Mann mit seiner schwangeren Tochter vor ihrer Tür steht, versucht sie zu helfen. Beide sind nicht krankenversichert und Eva organisiert einen kostenlosen Untersuchungstermin im Krankenhaus. Doch die junge Frau wird ihn nicht wahrnehmen und Eva beginnt nachzuforschen.
In kurzen Kapiteln wechselt die Perspektive von Eva mit der einer unbekannten Frau und den ermittelnden BeamtInnen. Dadurch ist es ab der ersten Seite spannend, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Mir sind die Charaktere sehr ans Herz gewachsen, besonders natürlich Eva, die versucht das Richtige zu tun und dabei immer wieder vor Hindernissen steht.
Trotz der packenden Story hat die Autorin hier auch ernste und lebensnahe Themen verarbeitet. Die Passagen rund um Schwangerschaft und Geburt wirken wie von einer Ärztin oder Hebamme selbst geschrieben, die Polizeiarbeit wird sehr realistisch dargestellt und trotzdem habe ich mich keine Minute gelangweilt. Vielleicht lag es an den wirklich authentischen Figuren, die auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär wirken, aber gerade dadurch so nahbar sind.
Es ist beides: Ein kaltblütiger Thriller und angenehm zu lesender Lokalkrimi. Eine seltene Kombination, die hier perfekt gelingt.
Ganz klar 5 von 5 Sternen – in der Hoffnung, dass wir noch mehr von Dr. Eva Mares lesen dürfen.
Magisch
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Dieses Buch hat mich gefesselt und irgendwann nicht mehr losgelassen. Es beginnt mit Eve, die eigentlich keine anderen Menschen mag und sich von niemandem verstanden fühlt. Dass sie ein Tattoo hat, dass sich selbstständig bewegt und über ihren Körper wandert hilft dabei nicht gerade, normal auf andere zu wirken.
Sie hat eine tragische Geschichte hinter sich, als sie noch ein Kind war starb ihre Schwester bei einem Unfall. Eve gibt sich selbst die Schuld daran.
Eines Tages bekommt sie Besuch von einem alten Mann, der – wie ihr Lieblingskomponist – Max heißt. Max stirbt direkt nach dem Besuch, bittet sie aber ins White Octopus Hotel zurück zu kehren. Das seltsame ist, dass Eve Max weder kennt noch jemals in diesem Hotel war. Eine kurze Recherche ergibt, dass es das Hotel zwar wirklich gab, es aber schon vor ihrer Geburt geschlossen wurde.
Aber ist das immer wiederkehrende Motiv des Oktopus nur ein Zufall? Eve hört Gerüchte über magische Gegenstände aus dem Hotel und sucht schließlich die Ruine auf. Von da an wird es Stück für Stück immer verwirrender, denn in diesem Hotel sind Zeitreisen möglich. Man kann also in einer Vergangenheit, an die man sich nicht erinnert, Dinge ändern, die in der Zukunft passieren. Da Menschen altern, aber in der Zeit zurück reisen können sind die Personen dabei irritierenderweise in der Vergangenheit manchmal älter als in der Gegenwart.
Parallel erfahren wir mehr über Max, dessen Jugend ebenfalls von einem harten Schicksal geprägt war. Er musste im Krieg kämpfen und hat viele Freunde im Schützengraben verloren. Auch er gibt sich an einigen Ereignissen die Schuld. Nicht zuletzt daran, dass er überlebt hat.
Es ist also nicht nur ein magisches Fantasy-Buch, sondern auch stellenweise eine traurige und erdrückende Geschichte. Insgesamt aber eine perfekte Mischung, die Autorin Alexandra Bell hat so plastisch und phantasievoll geschrieben, dass es einfach nur Spaß macht, Eve ins White Octopus Hotel zu begleiten.
Dieser Thriller baut sich langsam auf
Minnesota von Jo Nesbø
Der Autor ist bekannt für skandinavische Krimis, dieser spielt nun in Minnesota. Trotzdem erkennt man typische Muster, die ein echter Pageturner braucht. Nesbo hat dabei ein Auge für Details, die erst im Nachhinein Sinn ergeben.
Es geht ins kriminelle Milieu Minnessotas, die Opfer sind Waffenhändler oder Drogendealer.
Von Anfang an erfahren wir viel über den Täter und begleiten ihn. Dem gegenüber steht der unsympathische Ermittler Bob, dessen Ehe gescheitert ist und der sich nicht immer korrekt verhält. Natürlich hat auch er eine Vorgeschichte, die wir nach und nach erfahren. Alles zusammen ergibt ein Buch, das man nicht nebenbei lesen oder hören kann. Es hat viel Tiefe und komplizierte Charaktere und eine Story, bei der erst ganz am Ende alle Stränge zusammenlaufen.











