Kunden em pfehlungen
Rezensionen von ReiShimura:
Nachkriegs-Cluedo-Geschichte
Mord in der Charing Cross Road von Henrietta Hamilton
Endlich wieder mal ein klassischer, englischer Krimi. Kein Wunder immerhin wurde die Autorin bereits 1920 geboren. Bei dem Buch handelt es sich um keine Neuerscheinung, sondern um eine Neuentdeckung. Dies alles sollte einem bereits vor dem Lesen bewusst sein und man sollte auch die damalige Moralvorstellung beachten, wenn man dieses Buch bewerten möchte.
Manche im Buch angesprochenen Themen wirken für die heutige Zeit altbacken oder gar irritierend, waren aber zu der Zeit als Henrietta Hamilton das Buch schrieb normal.
Schon nach wenigen Seiten war ich vollkommen in den Bann gezogen und wollte das Buch am liebsten nicht mehr weglegen. Bereits im ersten Kapitel lernt man mehr oder weniger alle handelnden Personen kennen und auch der Handlungsort wird genau beschrieben. Von der Flut an Personen war ich im ersten Augenblick ein wenig überwältigt, doch dieses Gefühl legte sich recht schnell wieder.
Der bereits im Titel erwähnte Mord ereignet sich recht früh in der Geschichte und wie es bei einem klassischen Krimi nun mal der Fall ist, geht es darum herauszufinden, wer der Mörder ist. Zusätzlich gibt es dann auch noch eine Geistergeschichte und Bücherdiebstählt zu klären. Klingt auf den ersten Blick alles ein wenig viel, Henrietta Hamilton schafft es aber daraus eine durchaus runde Geschichte zu machen.
Der Spannungsbogen ist eher mäßig gespannt, dafür bekommt man einen guten Einblick in das London der 50iger Jahre. An vielen Stellen erinnerte mich das Buch an das Brettspiel Cluedo. Wobei der Tatort und die Mordwaffe bereits klar waren und nur die Frage offen war, wer war es und warum. Auch die im Klappentext erwähnte Liebesgeschichte kommt eher auf leisen Sohlen daher. Auch dies ist für mich stimmig für die damalige Zeit.
Mich freut es besonders, dass es sich bei Mord in der Charing Cross Road nicht um einen Einzelroman handelt, sondern um den Auftakt einer Serie. Die beiden Hauptpersonen Sally und Johnny waren mir von Anfang an sehr sympathisch und ich freue mich schon darauf, mehr über die beiden zu erfahren.
Im Vergleich zu modernen Krimis kommt das Buch sehr langsam und getragen daher und wirkt auf den ersten Blick langweilig und spannungsarm. Dafür versprüht das Buch einen Vintage Charme und einen herrlichen Hauch von Nostalgie. An die großen englischen Krimis kommt das Buch leider nicht ganz ran. Ich fühlte mich aber durchgehend gut unterhalten.
Leicht und locker statt düster und mystisch
Mirror: Weiß wie Schnee von Lucia Herbst
Ich finde es immer wieder spannend, wenn bereits bekannte Geschichten oder Märchen adaptiert und neu erzählt werden. In den letzten Jahren habe ich schon einige solcher Werke gelesen und ein paar davon waren fast sogar besser als das Original. Daher war für mich gleich klar, dass ich Mirror: Weiß wie Schnee unbedingt lesen muss.
Die Idee, dass die böse Stiefmutter aus dem Märchen Schneewittchen den Platz mit einer Ärztin tauscht, finde ich wirklich grandios und daher bin ich auch mit großen Erwartungen an das Buch heran gegangen. Nach den ersten Kapiteln war ich dann allerdings etwas ernüchtert. Erwartet hatte ich mir eine eher düstere Geschichte, was unter andrem sicher daran liegt, dass die meisten Adaptionen, die ich bisher gelesen habe, eher düster waren. Die Geschichte, die vor mir lag, war von düster und unheimlich ganz weit entfernt.
Dies soll aber nicht als Kritik an der Autorin oder dem Buch verstanden werden, sondern wirklich nur als Hinweis. Ich hätte das Buch mit dem Wissen wahrscheinlich eher nicht gelesen.
Sowohl die Geschichte wie auch der Erzählstil ist eher leicht und locker gehalten. Langatmige Beschreibungen der Umgebung oder der Personen gibt es kaum. Einerseits ein Vorteil, da keine Langeweile beim Lesen aufkommt, andererseits hat mir dadurch ein wenig die Tiefe gefehlt. Lenas Gedanken und Gefühle werden zwar immer wieder erörtert, trotzdem kratzte die Autorin immer nur an der Oberfläche. Bei den Nebencharakteren handelt es sich Großteils natürlich um bereits bekannte Märchenfiguren und -gestalten. Aber auch hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe erwartet.
Meiner Meinung nach plätschert das Buch über lange Zeit einfach so dahin. Auftretende Probleme werden in Rekordzeit gelöst und alles geht irgendwie so einfach. Der Spannungsbogen spannt sich erst gegen Ende des Buches. Hier überschlagen sich die Ereignisse dann fast sogar ein wenig. Da es sich bei Mirror: Weiß wie Schnee um den ersten Band der Spieglein, Spieglein Reihe handelt, werden nicht alle Handlungsstränge zu 100% abgeschlossen.
Wie es sich für ein gutes Märchen gehört, gibt es eine Moral von der Geschichte. Diesen Grundsatz greift die Autorin sehr gut auf und bietet einige gute Denkansätze.
Mirror: Weiß wie Schnee hat mir ein paar entspannt, vergnügliche Lesestunden beschert. Wirklich fesseln und mitreißen konnte mich die Geschichte aber nicht, dafür fehlte einfach die Tiefe.
Collegeliebe mit Tiefgang
The Ivy Years - Was wir verbergen von Sarina Bowen
‚Was wir verbergen‘ ist der zweite Teil der Ivy Years Reihe von Sarina Bowen. Der Schauplatz, das Harkness College, ist bei allen Büchern der gleiche, trotzdem sind die Romane in sich abgeschlossen und keine Fortsetzungsromane. Wobei die Hauptpersonen des ersten Buches in diesem hier auch vorkommen und vice versa.
Der erste Band der Reihe hat mir bereits sehr gut gefallen, genauso wie die True North Reihe der Autorin, daher war ich sehr gespannt auf ‚Was wir verbergen‘.
Meiner Meinung nach kann das Buch definitiv mit dem ersten Band mithalten, unterscheidet sich aber doch sehr von ihm. Zuerst zu den Gemeinsamkeiten: Natürlich geht es wieder um ein Paar, dass sich kennen- und lieben lernt und auf ihrem Weg zur Liebe, die eine oder andere Schwierigkeit überwinden muss. Neben der Liebesgeschichte gibt es aber auch noch die ernsteren Töne, der Grund warum Scarlets Vater verhaftet wurde und Bridgers kleine Schwester die heimlich bei ihm wohnt.
Bei den erotischen Szenen habe ich das Gefühl, dass sich die Autorin in diesem Buch etwas zurückgehalten hat. Natürlich kommen sie vor und werden auch detailliert beschrieben, sind aber eher selten vorzufinden. Meiner Meinung nach einerseits eine Konsequenz aus der Handlung, aber auch ein großer Pluspunkt des Buches.
Die Charaktere sind gut beschrieben und man bekommt sehr schnell eine Vorstellung, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Der Schreibstil ist wieder einmal sehr angenehm und flüssig und man taucht schnell in die Geschichte ein. Manche Teile der Handlung sind vorhersehbar, an anderer Stelle wartet aber die eine oder andere Überraschung.
An vielen Stellen hat das Buch mich zu Tränen gerührt, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass ich selbst Mutter bin und daher die Sorgen und Probleme von Bridger ganz besonders gut nachvollziehen kann.
Für mich eine gelungene Fortsetzung der Ivy Years Reihe und ich freue mich schon sehr darauf die weiteren Bücher zu lesen
Männer Moratorium
Wie heiß ist das denn? von Ellen Berg
Bestellerautorin Ellen Berg ist nicht ohne Grund ein Fixstern am Unterhaltungshimmel. Schon seit Jahren begeistern ihre (K)ein Romane die Leserschaft. Jedes der Bücher der Reihe besticht mit ihrer besonderen Mischung aus Humor, Spritzigkeit, Kalendersprüchen und unterschwelliger Ernsthaftigkeit.
‚Wie heiß ist das denn‘ ist hierbei keine Ausnahme.
Die Mischung aus altbekannten Gesichtern und neuen Charakteren begeistern sowohl Ellen Berg Neulinge als auch Fans der Reihe. Die Charaktere sind wieder einmal liebevoll überzogen dargestellt, was den besonderen Charme ausmacht und trotzdem so nah dran an der Realität, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann.
Ellen Berg hält sich nicht mit langen und unnötigen Beschreibungen der Umwelt oder der Umgebung auf, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche. Das sind ihre Charaktere und deren Gedanken- und Gefühlswelt. Gewürzt wird das ganze immer wieder mit (altklugen) Sprüchen, manche davon sind vielleicht schon ein wenig abgedroschen oder platt, aber der Unterhaltungswert ist garantiert.
Die Geschichte wirkt an manchen Stellen ein wenig zu vorhersehbar, meiner Meinung nach ist dies aber von der Autorin absichtlich herbeigeführt worden. Das macht den Überraschungseffekt an manchen Stellen nämlich nur größer.
Wer bereits einmal ein Buch von Ellen Berg gelesen und es gemocht hat, wird meiner Meinung nach, immer wieder zu einem ihrer Romane greifen. Die Bücher ähneln sich in ihrem Aufbau sehr, trotzdem macht es immer wieder Spaß und am Ende des Buches bleibt das Gefühl zurück, dass man sich gut unterhalten fühlt und trotzdem eine (wichtige) Lektion gelernt hat.
Vergnügliche Lesestunden garantiert
Komm schon, Baby! von Ellen Berg
Bereits 13 Jahre sind seit Erscheinen des ersten Bandes der (K)ein… Roman Reihe vergangen. 13 Jahre und 22 Bände später hat Ellen Berg nichts von ihrem Humor eingebüßt.
Wie immer gilt, der Roman ist zwar Teil der Reihe, aber als eigenständiges Buch lesbar und in sich vollkommen abgeschlossen.
Ich selbst habe einige, aber auf keinen Fall alle Bände der Reihe gelesen und definitiv nicht in der richtigen Reihenfolge.
Ellen Berg überzeugt wieder mal mit einer guten Mischung aus spritzigem Humor, liebenswerten, aber teils schrulligen Charakteren und einem Hauch von Ernsthaftigkeit. Ein Grund für mich, immer wieder zu ihren Büchern zu greifen sind die Charaktere, liebenswert, aber doch ein wenig eigenartig, manchmal schrullig und meistens ein wenig überzeichnet. Für mich macht gerade dies den Charme von Ellen Bergs Büchern aus. Dieses hier ist keine Ausnahme, wenn ich auch sagen muss, dass es nicht mein Lieblingsband werden wird. Gerade Oma Hilde und ihr Partner Walter haben es mir in diesem Buch angetan, von den beiden hätte ich gerne noch mehr gelesen.
Die Geschichte an sich ist recht vorhersehbar und wartet nur mit wenigen kleinen Überraschungen auf. Für mich persönlich nicht weiter schlimm, denn es hat das Lesevergnügen in keiner Weise beeinträchtigt.
Ellen Bergs Schreibstil ist gewohnt flüssig und locker, so dass die Seiten nur so an einem vorbeifliegen. Bereits in anderen Romanen von ihr ist mir ihre Liebe zu ‚(Kalender)Sprüchen‘ aufgefallen. Ein paar wenige sind ja ganz lustig, auch wenn man sie meistens schon öfters irgendwo gehört oder gelesen hat. In diesem Roman hat sie es aber vielleicht ein klein wenig übertrieben. Wie so vieles ist dies aber natürlich Geschmackssache.
Alles in allem wieder mal eine solide Leistung von Ellen Berg, wenn auch nicht ihr bester Roman. Vergnügliche Lesestunden sind aber garantiert.
Märchen trifft Monty Python
Ich fürchte, Ihr habt Drachen von Peter S. Beagle
Peter S. Beagle ist sehr vielen (wahrscheinlich) unbekannt und trotzdem kennen sie eines seiner größten Werke. Also zumindest den Film der auf seinem Buch basiert: Das letzte Einhorn.
Mit Ich fürchte, Ihr habt Drachen, hat es Beagle geschafft ein neues Meisterwerk zu erschaffen. Ähnlichkeiten mit dem letzten Einhorn sind meiner Meinung nach vorhanden, trotzdem ist das Buch einzigartig.
Die Charaktere sind vielschichtig, wie man es selten in einem Fantasy-Einzelroman findet und so dermaßen liebenswürdig, dass man gleich mit ihnen mitlebt und -leidet. Der Roman ist auf den ersten Blick ein Märchen bzw. weist sehr viele Elemente eines Märchens auf. Doch damit allein ist es nicht getan. Zu dem märchenhaften kommt eine gehörige Portion Ironie, Sarkasmus und ganz viel Witz.
Peter S. Beagle spielt mit den Emotionen des Lesers bzw. der Leserin und so lacht man an manchen Stellen Tränen, während man an anderer Stelle diese aus dem gegenteiligen Grund vergießen möchte.
In diesem Roman ist niemand wie er zu sein scheint, weder die Prinzessin Cerise, noch der Drachen(be)kämpfer Robert oder Prinz Reginald. Jeder der drei kämpft mit seinem Schicksal und der Rolle, die ihm zugedacht wurde. Nicht einmal die Drachen sind so wie man es sich erwarten würde oder wie man es aus anderen Romanen gewöhnt ist.
An vielen Stellen des Buches hatte ich das Gefühl mir einen Sketch von Monty Python anzusehen. Diese Mischung von Ernsthaftigkeit, Slapstick, Tragik und Komik kenne ich ansonsten nur von der britischen Truppe. Die ernsteren Töne sind teilweise nur auf den zweiten Blick zu erkennen, stimmen einen dafür aber umso nachdenklicher.
All dies hat für mich dazu geführt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und von mir ganz klar eine Empfehlung, nicht nur für Fans von Fantasyromanen. Denn auch wenn Fantasyelemente enthalten sind, hat Ich fürchte, Ihr habt Drachen so viel mehr zu bieten.
Wie geht es leicht
Die Reise deines Lebens 1 - Wien von Jule Pieper
Die wichtigsten Fakten zuerst: „Die Reise deines Lebens: Wien“ ist der Auftakt zu einer Serie. In diesem Buch lernt man die Hauptperson Betty Ulrich kennen und begleitet sie auf ihre ungeplante Reise nach Wien.
Das Buch ist in sich abgeschlossen, des besteht also kein Zwang die weiteren Bücher der Reihe zu lesen.
Einige Dinge bleiben trotzdem offen, die Antworten kann man entweder seiner Fantasie überlassen oder aber man liest den nächsten Band und erfährt, wie es wirklich mit Betty weitergeht und welche ihrer Vorhaben sie tatsächlich umgesetzt hat.
Die Reise deines Lebens ist sowohl ein Roman als auch ein Ratgeber und Selbsthilfebuch. Vergleichbar ein wenig mit Das Café am Rande der Welt von John Strelecky. Mir persönlich, hat Julie Piepers Buch aber deutlich besser gefallen. Dies liegt vor allem an der Hauptperson Betty. Mir ihr konnte ich mich von Anfang an gut identifizieren.
Die Mischung aus Roman und Selbsthilfebuch ist interessant, macht an vielen Stellen sehr viel Spaß, wurde mir aber ab und an auch zu viel. Obwohl alle Ratschläge durchaus ihre Berechtigung haben, klingen viele wie platte Kalendersprüche. Julie Pieper schafft es aber immer wieder den Kalendersprüchen Tiefgang zu geben. Vor allem dadurch, dass sie den inneren Kampf von Betty gut zum Ausdruck bringen kann. Denn Betty geht es sich nicht anders als der Leserin oder dem Leser. Auch für sie sind die Ratschläge manchmal ein wenig seltsam anmutend und auch das Thema Spiritualität macht ihr Kopfzerbrechen.
Julie Pieper schafft es zum Nachdenken anzuregen. Betty lernt im Laufe ihrer Reise sehr viele Personen kennen, erlebt so einiges, bekommt Ratschläge mit auf den Weg und hinterfragt sich selbst und ihr Leben. Genauso ging es mir beim Lesen, auch ich habe immer wieder über mein Leben nachgedacht und mich gefragt, was ich denn ändern könnte oder was ich gern anders hätte.
Man darf nicht mit der Erwartungshaltung an das Buch herangehen, dass nach dem Lesen alles besser ist. Wer aber gerade ein wenig unzufrieden mit sich selbst und seinem Leben ist, kann sich hier aber einige Inspirationen holen.
Alles in allem eine durchaus gelungene Mischung an „belehrenden“ und erzählerischen Elementen. Trotzdem bin ich mir unsicher, ob ich die weiteren Bücher der Serie lesen werde. Einerseits bin ich zwar neugierig, was aus Betty wird und wie sie ihr Leben ändern wird, andererseits glaube ich aber, dass sich die weiteren Bücher nur wenig von diesem hier unterscheiden werden. Ich glaube aber, dass dies ein Buch ist, dass ich in einiger Zeit noch mal lesen werde.
Über verlorene Gegenstände und verlorene Seelen
Die Reise deines Lebens 1 - Wien von Jule Pieper
Am schwärzesten Tag seines Lebens hat Anthony Peardew die wichtigsten zwei Sachen in seinem Leben verloren, seine große Liebe und Verlobte Therese und ein Medaillon, welches er von ihr bekommen hatte. Unter den beiden Verlusten leidet Anthony auch Jahre später noch schwer und er hofft noch immer zumindest das Medaillon irgendwann wieder zu finden.
Auf seinen Spaziergängen hält er daher ständig die Augen und offen und findet so einiges, nur nicht das was er sucht. Doch jeden gefundenen Gegenstand nimmt Anthony mit, etikettiert ihn liebevoll und bewahrt ihn auf. In der Hoffnung die Dinge irgendwann an den Besitzer zurückgeben zu können. Doch er weiß, dass ihm nicht mehr gelingen wird diese Aufgabe zu vollenden. So verfügt er, dass seine Assistentin und Haushälterin Laura sein Erbe fortführen soll. Laura tritt dieser Mammutaufgabe völlig unvorbereitet entgegen und weiß nicht wirklich wie sie dies bewältigen soll.
„Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen. Neben der Geschichte von Anthony und Laura und der einzigartigen Sammlung gibt es auch noch einen Erzählstrang über Eunice und Bomber. Außerdem werden immer wieder kleine Geschichten der verlorenen Gegenstände eingeflochten. Trotz dieser vielen und auf den ersten Blick unzusammenhängenden Erzählstränge ergibt dies von Anfang an ein rundes Bild. Ich persönlich habe beim Lesen gespürt, dass alles irgendwie zusammengehört, auch wenn die Verbindung nicht sofort greifbar war.
Neben den vielen kleinen Episoden sind es vor allem die Charaktere die dieses Buch auszeichnen und zu etwas ganz besonderem machen. Autorin Ruth Hogan beschreibt ihre Charaktere mit einer unglaublichen Liebe und Hingabe und sehr detailreich, dass ich die Personen von Anfang an vor mir gesehen habe. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern trifft dies hier auch nicht nur auf die Hauptpersonen, sondern auch auf die, vielleicht eher unwichtigeren, Nebencharaktere zu.
Mein persönlicher Favorit war und ist Sunshine, das Nachbarsmädchen mit Daunendron (Down-Syndrom) und einer unglaublichen Begabung. Sie strahlt eine unglaubliche Lebensfreude und Herzenswärme aus und ist für mich der heimliche Star des Buches. Das sie des Öfteren unter ihrer Andersartigkeit gelitten hat wird kurz und vor allem ohne erhobenen Zeigefinger thematisiert. Trotzdem sind diese Passagen sehr ergreifend und regen, jedenfalls mich, zum Nachdenken an. Aber nicht nur Sunshine, sondern auch Laura, Freddy, Eunice und Bomber habe ich sehr in mein Herz geschlossen und der Abschied ist mir schwer sehr gefallen.
Die Stimmung des gesamten Buches ist eher eine ruhige und gediegene. Spannung und Action sucht man vergeblich, dies sollte aber von Anfang an klar sein, bei so einem „Feel good“ Titel. Der fehlende Spannungsanteil wird durch eine Achterbahn der Gefühle und ansprechende Wortwahl ausgeglichen. Ruth Hogan erschafft mit ihren Worten eine unglaubliche Stimmungskulisse die die Geschichte perfekt untermalt. An manchen Stellen musste ich laut lachen, während ich an anderen ein wenig zum schniefen kam oder den Kopf geschüttelt habe über diesen Irrsinn. Nach Abschluss des Buches saß ich minutenlang da, habe das Buch in Händen gehalten und über das gelesene nachgedacht. Dies passiert mir eigentlich eher selten, denn fertig, ist Ende ist aus. „Mr. Peardew“ hat bei mir aber deutlich nachgewirkt und tut es noch immer. Dies ist wieder mal eine dieser Geschichten die einem im Gedächtnis bleiben und nicht mehr loslassen.
„Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ ist meiner Meinung nach auf jeden Fall eines der Highlights des bisherigen Jahres. Liebenswerte Charaktere, eine herzerwärmende Botschaft und eine unglaubliche Stimmung machen dieses Buch zu etwas ganz besonderem.
Suchtpotential
The Ivy Years - Bevor wir fallen von Sarina Bowen
So hatte sich Corey Callahan ihren Start ins Collegeleben definitiv nicht vorgestellt: An einen Rollstuhl gefesselt. Doch seit ihrem Unfall im Jänner gehören der Rollstuhl und die Gehhilfen einfach zu ihrem Alltag dazu. Trotzdem war für Corey von Anfang an klar, ihren Studienplatz am Harkness College, an dem bereits ihr Bruder studiert hat, wird sie nicht aufgeben.
Zum Glück gibt es dort ein barrierefreies Wohnheim und auch die meisten Vorlesungssäle und Mensen sind barrierefrei zu erreichen.
Bereits am Tag ihres Einzuges lernt Corey Adam Hartley kennen, der aufgrund eines Gipsbeines vorrübergehend auch im barrierefreien Wohnheim einquartiert wurde. Corey ist vom ersten Augenblick an verzaubert von ihrem gutaussehenden, lustigen und überaus netten Nachbarn. Und auch wenn sich die beiden auf Anhieb prächtig verstehen, weiß Corey, dass sie nie bei Adam landen wird und nicht nur weil er bereits eine fantastisch aussende Freundin hat. Denn was will so ein sportlicher Traumtyp schon mit einem Mädel im Rollstuhl anfangen…
„Bevor wir fallen“ ist der Auftaktroman der voraussichtlich fünfteiligen Serie „The Ivy Years“. Wie bereits bei der Serie „True North“ der Autorin Sarina Bowen, sind die einzelnen Bücher in sich abgeschlossen und können als Einzelbände gelesen werden.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Corey und (Adam) Hartley, wobei der Fokus ein wenig stärker auf der Sichtweise von Corey liegt. Die wechselnde Erzählweise hat Sarina Bowen bereits in ihren True North Romanen verwendet und ist mittlerweile bei sehr vielen Autoren dieses Genres sehr beliebt. Hier ist es allerdings so, dass die Sichtweise auch mehrmals in einem Kapitel gewechselt wird. Die Sprünge sind klar gekennzeichnet und sinnvoll angeordnet. Verwirrung entstand bei mir dadurch kein einziges Mal.
Sarina Bowen hat mit Callahan und Hartley zwei unglaublich liebenswürdige und herzerwärmende Charaktere erschaffen. Beide sind aber weit entfernt perfekt zu sein, was sie meiner Meinung nach nur umso sympathischer macht. Von Beginn an merkt man, dass die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt und die Funken fliegen, auch wenn sie es beide nicht so richtig wahr haben wollen.
Neben den beiden Hauptpersonen werden aber auch einige Nebencharaktere vorgestellt, wie z.B. Coreys Mitbewohnerin Dana oder Hartleys Freund und Teamkollege Bridger. Die Beschreibungen der Nebencharaktere sind nicht ganz so umfangreich wie die der beiden Hauptpersonen, dennoch ausführlich genug um sich einen guten Eindruck zu verschaffen.
Auch wenn der Ausgang der Geschichte von Anfang an mehr oder weniger auf der Hand liegt, muss ich sagen, dass ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte und es in wenigen Stunden beendet hatte. Dies liegt vor allem an den detailreichen Beschreibungen der Charaktere und der Umgebung. Ich hatte oft das Gefühl „mittendrin statt nur dabei“ zu sein. Wie bereits bei True North beschreibt Sarina Bowen alles mit einer unglaublichen Leidenschaft und Hingabe, die aber an keiner Stelle langatmig oder langweilig wird. Genau das Gegenteil trifft zu: Der freche und spritzige Erzählstil der Autorin macht einen großen Teil des Lesevergnügens aus.
Obwohl „The Ivy Years – Bevor wir fallen“ im Liebesroman Genre angesiedelt ist, handelt es sich hierbei keinesfalls um einen seichten Vertreter des Genres. Aufgrund von Coreys Beeinträchtigung werden einige Themen angesprochen die man wahrscheinlich in so einem Roman nicht erwarten würde. Für ich persönlich rundet dies die ganze Sache aber erst so richtig ab.
Sarina Bowen hat es wieder einmal geschafft mich völlig in den Bann zu ziehen und ich kann es kaum erwarten, die Nachfolgebände zu lesen.
Krimi der besonderen Art
The Ivy Years - Bevor wir fallen von Sarina Bowen
Der Herbst hält Einzug im beschaulichen Crozet und mit ihm auch ein neuer Nachbar: der Schauspieler und Model Blair Bainbridge. Die Damen von Crozet sind verzückt, denn nicht nur, dass Blair ziemlich gutaussehend ist, er scheint auch noch dazu ziemlich freundlich zu sein.
Nichts scheint den Frieden zu stören, bis Corgi Hündin Tucker und ihre beste Freundin die Tigerkatze Mrs.
Murphy eine abgetrennte menschliche Hand finden. Und plötzlich ist nichts mehr so wie es einmal war…
Bei „Ruhe in Fetzen“ handelt es sich um den zweiten Teil aus der „Ein Fall für Mrs. Murphy“ Reihe. Die Bücher sind in sich abgeschlossen und obwohl sie auf einander aufbauen, kann man sie auch als Einzelbände lesen. Ich selbst bin mit diesem Band in die Reihe eingestiegen und nicht das Gefühl, dass mir essenzielle Informationen aus dem ersten Teil fehlen würden. Zu Beginn des Buches gibt es eine kurze Übersicht und Erklärung der handelnden Personen und Tiere.
Und genau das macht das besondere dieser Romane aus, die Kombination von Mensch und Tier. Tiere die sprechen bzw. Tiere die mit anderen Tieren kommunizieren gibt es in vielen Büchern, doch selten ist mir ein Roman begegnet in dem die tierischen Hauptpersonen so einzigartig und witzig dargestellt worden sind, ohne sie dabei allzu sehr zu vermenschlichen. Gerade die Interaktion von Mensch und Tier hat etwas Natürliches und ungezwungenes, das mich begeistert und erheitert hat. Oft musste ich dabei an meinen eigenen Kater denken. Ein wenig unklar ist mir bis zum Schluss, wer jetzt eigentlich wirklich im Mittelpunkt steht, Mensch oder Tier. Natürlich dreht sich die Geschichte hauptsächlich um die Zweibeiner, die heimlichen Stars sind aber dann doch die Vierbeiner, auch wenn sie manchmal ein wenig zu kurz kommen.
Die Personen und Örtlichkeiten werden detailliert beschrieben, wobei sich die Autorin nicht mit überflüssigem Geplauder aufhält. Trotzdem hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle mehr Informationen oder tiefergehende Begründungen erwartet. Vor allem zu Beginn war ich ein wenig verwirrt was die handelnden Personen betrifft. Dies liegt vor allem daran, dass in Crozet jeder einen Spitznamen hat, der manchmal so gar nichts mit dem eigentlichen Namen zu tun hat. Von Seite zu Seite wurde dies aber leichter und mittlerweile habe ich das Gefühl Harry, Susan und Mrs. Hoggendobber schon ewig zu kennen. Und natürlich wünsche ich mir auch so treue vierbeinige Freunde wie sie Harry in Mrs. Murphy, Tucker, Simon und Tomahawk gefunden hat.
Bei „Ruhe in Fetzen“ handelt es sich meiner Meinung nach um keinen besonders anspruchsvollen Krimi, dennoch fühlt man sie gut unterhalten und ich persönlich war zumindest vom Ende sehr überrascht. Definitiv ein must-read für Katzenfans, aber nicht nur für diese.









