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Rezensionen von peedee:

Die Liebe zur Mathematik

Pi mal Daumen von Alina Bronsky

Oscar ist 16, hochbegabt, studiert Mathematik – die Königsklasse. Moni ist 53, Mutter und Grossmutter, hat mehrere Jobs und studiert ebenfalls Mathematik. Wie kann das sein? Oscar hält sie zuerst für die Putzfrau, die sich auf dem Weg zur Mensa in seinen Hörsaal verlaufen haben muss. Und wieso – um Himmels willen – kennt ausgerechnet Moni den berühmtesten Mathematik-Professor der Universität persönlich?

Erster Eindruck: Ich mag das Cover des Schutzumschlages sehr gerne (auch wenn ich kein Fan von Schutzumschlägen bin) – es ist witzig, ebenso der Titel.

Oscar ist also hochbegabt, hat einen Adelstitel, ist vorurteilsbehaftet und hat kein Interesse an sozialen Kontakten. Er tut mir leid. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, mit 16 Jahren bereits zu studieren. Von seiner Intelligenz her ist das wohl keine Frage, aber in puncto Sozialkompetenz fehlt ihm einiges. Er ist sehr von sich überzeugt (tja, eben, die Intelligenz ist ja vorhanden), aber dadurch wirkt er auch wie ein Snob. So wie Moni zuerst beschrieben wurde, hätte man denken können, dass sie kurz vor der Rente stünde. Aber nein, sie ist erst 53. Warum darf ihr Umfeld nicht wissen, dass sie studiert?
Zu den erwähnten Vorurteilen: Oscar denkt u.a., dass Moni vielleicht gar keine Schulbildung genossen hätte (aber wie wäre sie dann zum Studium zugelassen?) oder dass sie doch besser nur einen einzigen Job als drei Jobs hätte. Nun ja, lieber Oscar, wenn aber das Geld sonst nicht für den Alltag reicht? Es ist arrogant von Oscar, Moni als sein Wohltätigkeitsprojekt zu betrachten. Aber ihm ist das nicht einmal bewusst. Das gehört wohl auch zu seinem autistischen Verhalten.

Zwei ungewöhnliche Protagonisten, die scheinbar nichts gemeinsam haben. Nein, stimmt nicht, ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist die Mathematik (Wortspiel beabsichtigt). Gegen Schluss gibt es eine für mich unerwartete Wendung und ein abruptes Ende. Was wollte mir die Autorin nun eigentlich mit ihrer Geschichte sagen? Das ist für mich immer das Beste und zugleich das Schlimmste, was Autor:innen einem „antun“ können: sie bringen einen mit ihrer Geschichte zum Nachdenken! Für mich war es das erste Buch von Alina Bronsky, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten – 4 Sterne.

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Einstieg geglückt

Salute - Der letzte Espresso von Friedrich Kalpenstein

Lanza & Zeitler, Band 1: Paul Zeitler, Ex-Hauptkommissar aus München, hat am Gardasee ein Café eröffnet, nachdem er den Polizeidienst quittiert hatte. Sein Café „Monaco“ läuft bei Touristen und Einheimischen gut. Aber wenn der letzte Gast seine Konsumation nicht bezahlt, ist das unschön.

Der Gast konnte jedoch nicht mehr bezahlen, da er umgebracht wurde und im Waschraum aufgefunden wird! Commissario Lorenzo Lanza nimmt die Ermittlungen auf. Zeitler kann jedoch nicht einfach die Hände in den Schoss legen und abwarten: Wer hat den Journalisten umgebracht? Und wieso in seinem Café?

Erster Eindruck: Das Cover in den Farben Rot, Schwarz, Weiss gefällt mir – ich mag den Retro-Stil.

Ich bin ein grosser Fan der Provinzkrimi-Reihe rund um Kommissar Tischler („Prost, …“). Daher war es keine Frage, dass ich natürlich auch die neuen Ermittler am Gardasee unterstützen „muss“. Die neuen Buchtitel („Salute…“) sind ähnlich zu denen der Brunngrieser Ermittler – etwas ganz Neues wäre schön gewesen. Aber das ist ja nur eine Kleinigkeit, jetzt zum Inhalt:

Paul – oder „Paolo“, wie ihn die italienischen Gastronomen und Lieferanten nennen – hat mir gut gefallen. Er hat einen rigorosen Schnitt unter sein bisheriges Leben als Hauptkommissar gezogen, als er an den Gardasee auswanderte und zum Barista wurde. Des Italienischen ist er leider noch nicht so wirklich mächtig, aber da wird ihm immer wieder ausgeholfen. Mir haben die benachbarten Unternehmer:innen, insbesondere Lisa Kaiser, die Boutique-Besitzerin und Frauchen von Chihuahua-Hündin „Principessa“ oder auch der kapriziöse Konditor Manuel Leone gut gefallen.
Lorenzo Lanza ist – wenn überrascht es? – mässig erfreut, dass es sich bei Paul quasi um einen Ex-Kollegen handelt. Er ist sich sicher, dass der Neo-Barista seine Nase in Dinge hineinstecken wird, die ihn nichts angehen. Und? Er hat natürlich recht!
Als ich „Ein Fall für Lanza & Zeitler“ las, war ich automatisch davon ausgegangen, dass die beiden zusammenarbeiten. Aber dem war dann doch nicht so. Es gibt viel gegenseitiges Misstrauen, was wiederum nachvollziehbar ist, denn die beiden Alphatiere müssen sich erst noch kennenlernen.

Italienisches Flair ist absolut vorhanden, in Sachen Spannung gäbe es für mich noch Steigerungspotenzial. Einstieg geglückt – 3 Sterne. Beim nächsten Fall bin ich sicherlich wieder mit dabei.

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Auswirkungen der Vergangenheit

Inselsommer auf Sylt von Julia K. Rodeit

Inselträume auf Sylt, Band 2: Fentje Jannen liebt ihr zurückgezogenes Leben auf ihrem Selbstversorgerhof. Sie hat ein Geheimnis, über das nicht einmal ihre Freunde Bescheid wissen. Als sie beim Joggen mit dem Fuss umknickt, eilt ihr ein Mann zu Hilfe. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um Dominik Thannheimer, den erfolgreichen Skirennläufer! Er macht Urlaub auf Sylt und brütet über einem Problem.

Da ihm Fentje gleich gefällt, möchte er sie gerne näher kennenlernen. Kann Fentje ihren Verteidigungsschutzwall so weit abbauen, dass Dominik eine Chance hat?

Erster Eindruck: Ein sehr schönes Cover mit dem Picknickkorb am Strand (nur der Seestern und die Muscheln sehen „draufmontiert“ aus, das gefällt mir nicht).

Dies ist Band 2 der Reihe, kann jedoch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden. Da ich erst vor ein paar Tagen Band 1 gelesen habe (nachdem ich mit Band 4 in die Reihe eingestiegen bin), war ich noch ganz im Sylt-Modus.

Fentje hat einen kleinen Hof mit ein paar Hühnern, einem Esel und baut Gemüse an – sie lebt sehr zurückgezogen. Es ist sehr rücksichtsvoll, dass ihre Freunde auf Sylt da nicht weiter nachhaken, womit sie eigentlich ihr Geld verdient, denn es ist wohl allen klar, dass sie mit ihrem Selbstversorgerhof kaum genügend Geld für den Lebensunterhalt verdient. Sie respektieren, dass die Zeit noch nicht reif ist, um das Geheimnis zu lüften.
Dominik ist es gewohnt, dass ihn viele Menschen erkennen, auch wenn er sich abseits der Skipisten bewegt. Aber er weiss auch, dass ihm ein zweifelhafter Ruf in punkto Frauenbekanntschaften vorauseilt. Er will Fentje zeigen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht – er ist nicht so, wie ihn die Medien zeigen. Er spürt, dass sie etwas zurückhält. Was ist es? Und an welchem Problem knabbert er selbst?

Kontrolle abgeben, Vertrauen, Vergebung, Liebe, Freundschaft – von allem ein bisschen. Fentje und Dominik haben mir sehr gut gefallen. Beide haben ihr Päckchen zu tragen, wie das halt auch im wahren Leben so ist. Auch die Begegnung mit ihren Freunden fand ich sehr schön. Es ist ein bunter Haufen mit unterschiedlichen Charakteren – ich mag sie alle! Meine Lieblingsfigur war jedoch dieses Mal Frauke, die Mutter von Fentjes Freundin Anne. Ein weiterer lesetechnischer Besuch auf Sylt ist zu Ende – von mir gibt es wiederum 5 Sterne und ich freue mich auf Band 3.

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Ein Dorf und zig Verdächtige

Finster von Ivar Leon Menger

Katzenbrunn, Mai 1986. Ein Junge verschwindet spurlos von einem Jahrmarkt. Leider passiert das in diesem Dorf nicht zum ersten Mal. Seit Jahren werden immer wieder Kinder vermisst. Hans J. Stahl, Kriminalkommissar a.D., hat bereits vor Jahren in Katzenbrunn gearbeitet, doch der Fall konnte nicht gelöst werden.

Da er nun pensioniert ist, will er jenen Fall doch noch zum Abschluss bringen. In diesem Dorf, das vor allem für seine psychiatrische Klinik bekannt ist, gehen mysteriöse Dinge vor…

Erster Eindruck: Ein im wahrsten Sinne finsteres Cover – gut gemacht; mir gefällt die Haptik.

Das Buch wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, so dass die Leser:innen mehr wissen als die einzelnen Protagonisten. Dies macht das Ganze lebendig, aber auch sehr herausfordernd.

Bereits nach den ersten Beschreibungen von Katzenbrunn war ich schon deprimiert. Würde ich dort wohnen – ich weiss, es ist nur ein fiktiver Ort –, würde ich umgehend meine Sachen packen und das Weite suchen. Eine düstere Stimmung; merkwürdige, geheimnisvolle Dorfbewohner; tragische Vorkommnisse. Wie kann man dort noch wohnen wollen? Eine Person nach der anderen hatte aus meiner Sicht das Zeug dazu, hinter all dem Grauenhaften zu stecken.
Hans Stahl war mir sympathisch. Einerseits ehrt es ihn, dass er den Fall noch lösen will – er meint, es den Eltern der Kinder schuldig zu sein –, andererseits ist allen bewusst, dass er nicht mehr ermitteln dürfte, sondern dies seinen Polizeikolleg:innen überlassen müsste. Mit der Gastwirtin Geli findet er unerwarteterweise Unterstützung. Die Lage spitzt sich zu, als wiederum ein Kind vermisst wird…

Für mich war es das erste Buch des Autors, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Schon als ich die Inhaltsbeschreibung las, war mir klar, dass dies keine Wohlfühllektüre werden würde. Beim Fortschreiten der Geschichte dachte ich, zu wissen, wer nun die gesuchte Person ist, aber dann – ein paar Seiten weiter – musste ich meine „Erkenntnisse“ bereits wieder über den Haufen werfen.
Fazit: Düster, beklemmend, sehr spannend – 5 Sterne.

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Ein Hotel im Süden oder eine Pension im Norden Deutschlands?

Inselliebe auf Sylt von Julia K. Rodeit

Inselträume auf Sylt, Band 1: Hotelmanagerin Lene hat Pläne. Grosse Pläne. Ihr Zehn-Jahres-Plan bricht jedoch zusammen, als sie ihren Freund beim Fremdgehen mit der besten Freundin erwischt. Als wäre das nicht schon genug, verliert sie auch noch den Job. Eine unverhoffte Erbschaft führt sie nach Sylt: sie hat eine Pension geerbt.

Nun gut, fix nach Sylt, Pension verkaufen und mit dem Erlös ein Hotel kaufen – sie will ihre Pläne wieder auf Kurs bringen. Auf Sylt angekommen, stellt sie fest, dass die Pension ziemlich heruntergekommen ist und renoviert werden muss. Ihr Nachbar, Jasper geht ihr zur Hand und weist sie darauf hin, öfters spontan zu handeln…

Erster Eindruck: Ein sehr schönes Cover mit dem Schäfchen und den Möwen (nur der Seestern und die Muschel sehen „draufmontiert“ aus, das gefällt mir nicht).

Dies ist Band 1 der Reihe, für mich jedoch bereits der zweite – wie ist das möglich? Tja, ich bin mit Band 4 eingestiegen und „muss“ jetzt mit den vorherigen Bänden nachsitzen.

Der Einstieg im Arbeitsalltag von Lene, die ein Hotel managt, war sehr turbulent. In einem Hotel läuft eben immer mal wieder etwas aus dem Ruder: kapriziöse Gäste beschweren sich, ein Personalausfall oder ein Wasserrohrbruch, der die Durchführung der bevorstehenden Hochzeitsfeier in Frage stellt… Aber bei all diesem Tohuwabohu läuft Lene zur Höchstform auf. Nichts bremst sie aus. Nein, es gibt doch etwas: sie erwischt Alexander, ihren Freund und zugleich Chef, mit der besten Freundin in flagranti. Das ist zu viel!
Als Lene das Schreiben betreffend Erbschaft erhält, muss sie gezwungenermassen nach Sylt fahren, um sich das Haus anzusehen und um die weiteren Schritte bezüglich Verkauf einleiten zu können. Dabei kann sie sich auch in Ruhe Gedanken über ihre Zukunft machen. Der Schock ist gross, als sie den Zustand der Pension erfasst. Als Jasper vom Nachbarhaus sieht, dass jemand in der alten Pension ist, will er gleich nach dem Rechten schauen. Lene hat das Gefühl, als stünde ein Wikinger vor ihr…

Mir haben Lene und Jasper sehr gefallen. Lene wird von Jaspers Freunden sehr gut aufgenommen. Einzig merkwürdig fand ich, dass sie aus dem Erlös einer alten renovierungsbedürftigen Pension ein eigenes Hotel eröffnen wollte. Nun gut, ich kenne die Immobilien- bzw. Grundstückspreise auf Sylt nicht, aber ich denke, dass ein Hotel doch enorm viel Geld kosten wird. Wie auch immer: ich fühlte mich auf Sylt wohl und vergebe 5 Seesterne (ja, Wortspiel beabsichtigt).

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Danke!

Jeder neue Tag ist ein Geschenk von Andi Weiss

Es gibt solche und solche Tage. Manche scheinen heiter und voller Sonnenschein, aber andere nur beschwerlich und dunkel. Das ist einfach der Alltag. Hier kommen Menschen zu Wort, die von ihrer Dankbarkeit erzählen. Es sind „wahre Mutmachgeschichten, die das Herz bewegen.“

Erster Eindruck: Ein sehr schönes Hardcover – die unterschiedlichen Schmetterlinge vermitteln eine Leichtigkeit, was mir sehr gut gefällt.

Dieses Buch ist eine Sammlung von unterschiedlich langen Geschichten. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Personen, die hinter der jeweiligen Geschichte stecken, gleich nach dem Titel vorgestellt worden wären (so musste ich immer zuerst ans Ende blättern, um zu sehen, von wem die Geschichte ist).

Jede dieser vielen Geschichten zeigt deutlich Dankbarkeit. Da muss nichts weltbewegend Grosses vorgefallen sein, damit Dankbarkeit empfunden wurde, nein, manchmal waren es die klitzekleinen Dinge im Alltag, die aufzeigten, dankbar zu sein. Ein paar Beispiele von kleinen und grossen Auslösern: der Mitarbeiter im Kino, der einer Frau aus dem Rollstuhl in den Kinosessel und nachher auch wieder zurück in den Rollstuhl hilft; ein Kind, dem geholfen wurde, die verklemmte Fahrradkette wieder gangbar zu machen; ein Vater, dessen Eintrittskarte zu einem Konzert der musizierenden Tochter von einer unbekannten Person bezahlt wurde. Oder eine Frau, die aus einem Kriegsgebiet flüchten und Angehörige zurücklassen musste, und dankbar für den neu erlebten Frieden ist; ein Ehepaar, das zwei Tage nach der Geburt ihres Sohnes bereits wieder Abschied von ihm nehmen mussten und später nochmals den Mut zu einer Schwangerschaft hatte.

Zwei Zitate, die mir besonders gut gefallen haben:
- „Die deutsche Sprache verbindet danken mit denken. Wer richtig denkt, der ist auch dankbar. Wenn ich richtig nachdenke über mein Leben, so habe ich genügend Gründe, dankbar zu sein.“ (Pater Anselm Grün)
- „Manchmal hat Dankbarkeit eine kleine Schwester an der Hand und ihr Name ist Hoffnung.“ (Janina Dück)

Mir hat das Buch sehr gefallen, mich sehr nachdenklich gemacht (was das Beste und Schlechteste ist, was ein Buch tun kann!) und ich vergebe absolut verdiente 5 Sterne.

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Schier unvorstellbar

Das gebrochene Gelübde von Edith Flubacher

Edith Flubacher, geb. 1922, begann nach ihrer Pensionierung, die Geschichte ihrer Familie zu erforschen. Insbesondere interessierte sie die Person ihres Grossvaters, über den nicht viel gesprochen wurde. Ihre Recherchen führten sie 150 Jahre zurück in die Vergangenheit. Sie erfuhr sodann mehr, als sie wollte – das gelüftete Geheimnis wog schwer: Ihr Grossvater war katholischer Priester und zeugte mit vier Frauen acht Kinder! Aber da war noch mehr… Die Geschichte wurde mit Unterstützung von Marc Zollinger aufgeschrieben.

Erster Eindruck: Der alte Kinderwagen auf dem Cover des Schutzumschlages gefällt mir (Schutzumschläge hingegen mag ich nicht); ein sehr hilfreicher Stammbaum der Familie.

Ach, wie konnte er nur!? Ja, hier benötigt es ein Ausrufezeichen und ein Fragezeichen. Aber nun der Reihe nach:

Ich interessiere mich sehr für Glaubensthemen, daher habe ich auch schon etliche Bücher gelesen, in denen katholische Priester heimlich Väter waren. Es ist für mich schwer, solche Entscheidungen nachvollziehen zu können. Der Zölibat ist aus meiner Sicht mehr als fragwürdig, aber zu den geltenden Regeln des Priestertums gehört er halt eben dazu. Dass sich Männer jedoch nicht immer daran halten – und sie auch Partnerinnen finden, die um den Zölibat wissend mitmachen –, kann ich verstehen. Aber, nun kommt das grosse Aber: Wenn dies passiert, müsste der Priester die Konsequenzen tragen – alles andere sind für mich nur Lügen. Am Sonntag in der Kirche predigen, sich aber selbst nicht an die Regeln halten? Das geht für mich nicht.

„Anton war ein Vulkan! Er hatte sich inzwischen viel Wissen angeeignet und auch gelernt, gescheit zu reden. Er konnte rhetorisch Feuer entfachen, Gewitter entladen und Steine ins Rollen bringen.“

Das Buch von Edith Flubacher gab Einblicke in das Leben ihrer Vorfahren. Ich konnte es kaum glauben, dass ihr Grossvater, mehrfach Kinder innerhalb der eigenen Familie gezeugt hat, und er sogar noch zugleich ihr Urgrossvater war! Das Schicksal der Kindsmütter bzw. der Kinder hat mich sehr betroffen gemacht.

Hut ab, dass Frau Flubacher diese Geschichte über Jahre recherchiert hat und den Mut hatte, sie sodann auch zu veröffentlichen. Von mir gibt es 5 Sterne.

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Sehr gute Unterhaltung

Es klopft von Franz Hohler

Manuel Ritter, HNO-Spezialist, erlebt auf der Rückfahrt nach einem Ärztekongress zum Thema Tinnitus etwas Merkwürdiges: Eine ihm unbekannte Frau klopft gegen das Fenster seines Zugabteils. Ein paar Tage später steht diese Frau in seiner Praxis und sagt, dass sie ein Kind von ihm möchte. Er ist überrascht, schockiert (schliesslich ist er verheiratet und zweifacher Vater), aber auch geschmeichelt und willensschwach.

Neun Monate später erhält er einen Brief: „Es hat geklappt“. Davon darf niemals jemand etwas erfahren. Jahre später ist das Geheimnis immer noch gewahrt, doch dann stellen sich stressbedingt Klopfgeräusche in seinen Ohren ein…

Erster Eindruck: Auf dem Cover des Schutzumschlages ist leicht verschwommen eine gut gekleidete junge Frau zu sehen – ich mag keine Schutzumschläge.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, zuerst aus Manuels, später u.a. auch aus der Sicht seiner Frau Julia und den mittlerweile erwachsenen Kindern. Dies macht die Erzählung lebendig und lässt den Leser mehr wissen als die Protagonisten.

Hätte ein Bekannter Manuel erzählt, dass er das erlebt hat, was Manuel mit der ihm unbekannten Frau erlebt hat, hätte er es nicht geglaubt. Er hätte den Bekannten auf jeden Fall als willensschwach und/oder triebgesteuert abgestempelt – denn genau das war er – Manuel – ja offensichtlich auch. Wie hatte er es nur so weit kommen lassen? Er hatte doch alles: eine Frau, zwei kleine Kinder, eine gutgehende Praxis, ein Eigenheim an der Goldküste. Was wollte er mehr?
Die Jahre vergehen, Manuel hat den Zwischenfall zu verdrängen versucht. Manchmal erfolgreich, manchmal weniger. Als sein erwachsener Sohn Thomas der Familie seine neue Freundin Anna vorstellt, wird ihm angst und bang, denn Anna erinnert ihn sehr an seinen Seitensprung. Wie kann das sein?

„Heute war ihm auf einmal klar geworden, dass es eine Verjährung zwar in der Justiz geben mochte, niemals aber im Leben.“

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und das Buch war aufgrund der geringen Seitenzahl im Nu ausgelesen – ich mag den Stil des Autors. Von mir gibt es 4 Sterne.

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Eine magische Geschichte

Silva Akademie - Die Stimme des Waldes von Lilly Oakley; Marie Juniper

Die Zwillinge Ves und Ella streiten sich viel. Wo ist ihre Verbundenheit von früher? Ein merkwürdiger Zwischenfall sorgt dafür, dass sie an die Silva Akademie müssen – das ist eine Schule, an der die Magie der Bäume gelehrt wird. Warum müssen sie jetzt in diese Schule, wo sie niemanden kennen? Und warum sprechen die anderen immer von Essenzen? Aber am schlimmsten: Wieso hören die Zwillinge ein Stimme in ihrem Kopf, die um Hilfe ruft?

Erster Eindruck: Ein schönes Hardcover mit matten und glänzenden Elementen, schwarz-weisse Illustrationen sowie ein Übersichtsplan der Silva Akademie im Innern des Buches – gefällt mir.

Die Zwillinge haben sich nicht viel zu sagen: Ves gehört zu den Coolen, der auch Anführer seiner Gang ist, Ella zu den Aussenseitern, dabei möchte sie so gerne Freunde haben. Aber an der Silva Akademie ist es plötzlich anders. Ella hat sich schon immer in der Natur wohlgefühlt, aber hier fühlt sie sich zum ersten Mal angenommen, wie sie ist. Und: Sie findet gleich Freunde! Die Schule gefällt ihr sehr und sie hofft, für immer hier bleiben zu können. Ves sieht das ganz anders: Er mag die Natur auch, aber hier kennt er niemanden und es scheint auch niemand daran interessiert zu sein, ihn kennenzulernen. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, ist ihm fremd und zum ersten Mal kann er nachvollziehen, wie sich seine Schwester fühlt, wenn seine Jungs sie ausschliessen. Aber das würde er natürlich niemals zugeben.
Die Silva Akademie ist eine ganz besondere Schule mit aussergewöhnlichen Lehrpersonen und Schulfächern. Die Kinder, die hier zur Schule gehen, gehören zu den Talissa. Ella und Ves wollen herausfinden, was es mit der Stimme auf sich hat, die um Hilfe ruft. Warum können nur sie beide diese hören? Mit Hilfe ihrer neuen Freunde wollen sie das Rätsel lösen.

Das Buch ist für Kinder ab 10 Jahren ausgeschrieben. Aus meiner Sicht hat es dafür sehr viel Text und zu wenig Illustrationen. Fantasy, Magie, Märchen, Natur, Zwillinge, Freundschaft – von allem ein bisschen. Wer sich gerne verzaubern lässt, liegt mit diesem Buch richtig.

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Sehr guter Einstieg

Ein kleines Stückchen Seligkeit von Pam Rhodes

The Dunbridge Chronicles, Band 1: Neil Fisher tritt seine erste Stelle als Vikar in der Kleinstadt Dunbridge an. Dort wird er bei Pastorin Margaret seine Vikariatszeit absolvieren. Er freut sich sehr, die Menschen in ihrem Glaubensleben und auch ihrem Alltag zu begleiten. Die Bewohner der Kleinstadt wachsen ihm gleich ans Herz, so unterschiedlich sie auch sein mögen: Linda wurde von ihrem Mann betrogen und jetzt kann sie ihn nicht verlassen, da er erkrankt ist.

Weiter wären da Lehrer Graham, der endlich seine Frau fürs Leben finden will; die alleinerziehende Nachbarin Claire, die es nicht so mit dem Glauben hat; Wendy, die Neil als ihren Zukünftigen auserkoren hat…

Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir mit seiner Dreiteilung (Dorf, Buchtitel, Augenpartie) leider nicht so gut.

Ich habe mich in Dunbridge gleich wohlgefühlt. Ein kleines Dorf, wo sich die Bewohner kennen und auch über alles gleich Bescheid wissen. Aber: Sie stehen auch füreinander ein. Die Kleinstadt erinnert mich an Stars Hollows aus „Gilmore Girls“ oder auch Virgin River aus der gleichnamigen TV-Serie.

Pastorin Margaret und ihr Mann Frank haben mir sehr gefallen: Sie ist forsch, chaotisch und immer hektisch, aber geht völlig in ihrem Job auf. Ihr Mann, der pensioniert ist und sich selbst als „Pfarrersfrau“ sieht, unterstützt sie nach Kräften. So gegensätzlich sie scheinen, so gut harmonieren die zwei.
Neil hat mir ebenfalls gefallen. Er ist schüchtern und spricht nicht gerne vor Menschen. Eigentlich erstaunlich, dass er dann diese Ausbildung gewählt hat, wie er selbst sagt. Aber er wächst an seinen Aufgaben, schliesslich ist dies seine Berufung, und nicht nur irgendein 9-to-5-Job. Dass er Theologie studieren wollte, hat seiner Mutter gar nicht gefallen. Sie hatte „Höheres“ für ihn im Sinn. Ein Besuch in Dunbridge erscheint Neil besorgniserregend, aber dann ist er überrascht – von der Gemeinde und seiner Mutter…

Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und mich sehr gut unterhalten (mit Emotionen aller Art) – einzig das offene Ende war für mich nicht überzeugend. Dies ist Band 1 der Reihe, wovon die Folgebände leider nicht auf Deutsch übersetzt wurden. Mal schauen, ob ich mir die englischen Versionen zulegen werde. Von mir gibt es 4 Sterne.

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