Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Ein spannendes Familiendrama
Das Waldhaus von Liz Webb
Die 37-jährige Hannah kümmert sich um ihren dementen Vater. Eigentlich ein schöner Zug von ihr, aber die Art und Weise wie sie es macht, ihre permanenten Alkoholprobleme und ihr Verhalten ihrem Bruder gegenüber, haben dafür gesorgt, dass sie mir ziemlich schnell unsympathisch wurde.
Ihre Mutter Jen ist bereits Jahre zuvor unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen.
Nun hält ihr Vater sie für ihre längst verstorbene Mutter und bittet diese immer wieder um Entschuldigung. Hannah möchte endlich erfahren, was damals vorgefallen ist und lässt ihm in dem Glauben, dass sie Jen ist. Es folgt eine spannende Reise in die Vergangenheit, die mehr offenbart als ich zuvor vermutet hätte.
Die Geschichte wird aus Hannahs Sicht erzählt. Die Spannung baut sich zunächst recht langsam auf, da zuvor die Charaktere ausführlich beschrieben werden.
Lügen, Intrigen, Betrug und Schuldgefühle, hier wurde nichts ausgelassen, so dass sich das Tempo und die Spannung nach und nach enorm steigern. Bis zur Auflösung folgen zahlreiche unerwartete Wendungen. Ich habe gerne mitgerätselt und auch wenn es für das Lesevergnügen nicht wirklich wichtig ist, das düstere Cover mit den leuchtenden Quitten ist hier einfach toll gewählt.
Pina, Anna und Maria
Die Frauen der Familie Carbonaro von Mario Giordano
Familie Carbonaro hat viel zu erzählen. Bereits in dem ersten Band, in dem Barnaba, der Mann von Pina im Vordergrund stand, haben wir viel über die deutsch-italienische Familie erfahren und nun
erfolgt die Erzählung aus einer anderen Perspektive.
Wieder befinden wir uns in Sizilien und München und die Handlung springt zwischen dem Ende des 19.
Jahrhunderts und der Mitte des 20. Jahrhunderts hin und her.
Drei Frauen, drei Generationen mit Pina der Großmutter, Anna ihrer Schwiegertochter und ihre Enkelin Maria stehen im Wechsel im Vordergrund. Sie erzählen von den Herausforderungen des Lebens, von Träumen, dem Kampf um Unabhängigkeit, Zusammenhalt, zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikten innerhalb und außerhalb der Familie.
Die Perspektive wechselt immer wieder wodurch sich die einzelnen Charaktere gut entwickeln und entfalten können.
Mario Giordano hat hier ein emotionales deutsch-italienisches Familiendrama über drei Generationen hinweg in Worte gefasst, die Bilder lebendig werden lassen.
Schwierig, aber durchaus spannend
9mm Cut von Sybille Ruge
Eve Klein soll als Privatermittlerin in der Schweiz eine Stiftung überprüfen bei der es Differenzen in der Buchhaltung gegeben hat. Damit taucht sie ein in die Welt der Schönen und Reichen, was gleichbedeutend ist mit einer Welt in der Korruption, Betrug, Gier, Ausbeutung und Geldwäsche vorherrschen.
In solch einer Umgebung lebt es sich gefährlich und nachdem der Geschäftsführer der Stiftung erschossen wird, verschwindet dann auch noch sein Stellvertreter.
Spannung ist hier durchaus gegeben, aber ich habe den Schreibstil der Autorin als extrem anstrengend empfunden. Die Figuren sind originell, anfreunden oder identifizieren konnte ich mich mit ihnen nicht, dafür blieben sie mir zu oberflächlich.
Die Story selbst und die Ereignisse sind durchaus spannend, aber der abgehakte Schreibstil hat es mir leider schwer gemacht in einen flüssigen Lesemodus zu kommen.
Zusammengefasst kann ich sagen, mir gefällt die Idee, aber die Umsetzung ist nichts für mich.
Afrika
Trophäe von Gaea Schoeters
Hunter White ist ein amerikanischer Jäger, der zum wiederholten Male nach Afrika zur Großwildjagd reist. Er besitzt bereits zahlreiche Trophäen, die er seiner Frau geschenkt hat. Diese kann sich nicht für die Jagd begeistern, aber für die mitgebrachten ausgestopften Tiere. Was noch fehlt ist ein Nashorn und genau das will er dieses Mal erlegen.
Für Hunter ist die Jagd ein Teil seiner Persönlichkeit. Für die anstehende Spitzmaulnashornjagd hat er extra eine Lizenz erworben, es ist also alles legal. Er tut sogar noch etwas Gutes, da das Geld, das er zahlt für bedrohte Tierarten eingesetzt wird.
Der Autorin ist es gut gelungen ein Bild von Afrika zu malen, wie ich es noch nie zuvor gesehen hat. Hunters Gedanken sind nachvollziehbar, sein Charakter wirkt in sich schlüssig, aber wenn ich unsere westlichen Werte und Normen heranziehe, ist das Vorgehen von Hunter unmoralisch und unethisch. Ich hatte fast das Gefühl beim Lesen manipuliert zu werden. Gaea Schoeters gelingt es alles in Frage zu stellen und eine Sicht auf eine Kultur zu geben, die ich zuvor noch nicht hatte.
In den afrikanischen Jagdgebieten herrscht ein täglicher Kampf um das Leben und das nicht nur für die Tiere. Der Roman macht eine Wahrheit sichtbar, die dafür sorgt, dass Gedanken über Leben, Tod, Moral und Würde eine ganz neue Bedeutung bekommen.
Ich habe zuvor noch kein so unbequemes und zugleich unfassbar gutes Buch gelesen.
Über Freundschaft und Zusammenhalt
The Fort von Gordon Korman
Nachdem ein Hurrikan in der kleinen Stadt Canaan sein Unwesen getrieben hat, machen sich die fünf Jugendlichen Evan Donnelly, Mitchell Worth, C. J. Sciutto, Jason Brax und Ricky Molina gemeinsam auf den Weg in den Wald. Dort entdecken sie einen alten Bunker, der durch das Unwetter freigelegt wurde. Neugierig schauen sie sich diesen näher an und er wird ihr Rückzugsort.
Die Geschichte wird im Wechsel aus der Perspektive einer der fünf Jungen und der von Evans Bruder Luke erzählt. Dadurch erfährt man eine ganze Menge über die einzelnen Charaktere mit seinen positiven und negativen Eigenheiten. Sie sind vollkommen unterschiedlich und jeder von ihnen hat seine eigenen Probleme.
Es ist eine spannende Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und unterschiedliche Familienverhältnisse. Mir gefiel es, wie sich die Dynamik zwischen den Freunden im Verlauf der Handlung verändert hat.
Alles wird sehr lebendig beschrieben und zwischenzeitlich fließt auch immer wieder eine gute Portion Humor mit ein.
Da die Spannung durchgehend gehalten wird und mich das Ende nochmals überraschen konnte, muss ich diesem Buch 5 Sterne für gelungene Unterhaltung für jedes Alter geben.
Beeindruckend
Eine Fingerkuppe Freiheit von Thomas Zwerina
Auch wenn mir die aus sechs Punkten bestehende Brailleschrift, die international genutzt wird durchaus bekannt war, wusste ich bisher nichts über ihr Zustandekommen.
Louis Braille, ihr Erfinder, ist bereits mit fünf Jahren erblindet. Er besucht die Blindenschule in Paris. Sein Wissensdrang ist groß und seine Möglichkeiten sind kompliziert und begrenzt.
Mit Hilfe der Nachtschrift des Artilleriehauptmanns Charles Barbier erstellt er ein vereinfachtes System, das zu der später bekannten Brailleschrift wird.
Dem Autor Thomas Zwerina, der inzwischen selbst erblindet ist, gelingt es hier gut, die Schwierigkeiten eines blinden Menschen zu Beginn des 19. Jahrhunderts darzustellen. Dabei bedient er sich einer ausufernden Sprache, die perfekt in die Zeit passt, aber ein wenig anstrengend zu lesen ist.
Ich hätte gerne noch mehr über Louis Braille als Menschen erfahren. Seine Lebensgeschichte wird hier sehr kompakt dargestellt und ich meine, dass dem Buch ein paar Seiten mehr gut getan hätten.
Dennoch hat das Buch einen guten Einblick in die Probleme und Schwierigkeiten blinder Menschen gegeben und dabei gleichzeitig den Protagonisten gelungen in den Vordergrund gerückt.
Die Entschlüsslerin der DNA
Das verborgene Genie von Marie Benedict
Ich wusste bisher nur wenig über Rosalind Franklin. Sie war mir als die Wissenschaftlerin, die die DNA-Struktur entdeckte bzw. entschlüsselte bekannt, aber mehr wusste ich nicht über die.
In dieser Romanbiografie widmet sich Marie Benedict ihrem Leben und verknüpft Fakten mit Fiktion.
Das Buch liest sich leicht und macht schnell deutlich wie schwierig es in der damaligen Zeit für Wissenschaftlerinnen war, sich zu behaupten.
Zu gerne drängelten sich die Männer in der Vordergrund und auch ihre Familie hat es ihr nicht leicht gemacht. Aber Rosalind lebt für die Wissenschaft.
Dadurch, dass der Roman aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, konnte ich mich gut in die Wissenschaftlerin hineinversetzen. Neben ihrem Leben habe ich eine Menge über ihre Forschungsarbeiten erfahren. Diese hat die Autorin auch für einen Laien gut verständlich erklärt.
Rosalin Franklin war eine faszinierende, brillante und total unterschätze Wissenschaftlerin, die leider durch ihre Arbeit erkrankt und verstorben ist.
Mir hat dieser biografische Roman über das viel zu kurze Leben über Rosalind Franklin gut gefallen.
Aus dem Leben der Familie Hartmann
Der Lärm des Lebens von Jörg Hartmann
Der Schauspieler Jörg Hartmann ist vielen als Kommissar Faber aus dem Dortmund-Tatort bekannt. In diesem Buch dürfen wir ihn persönlich kennenlernen, aber es handelt sich nicht um eine Biografie.
Hartmann berichtet über seine Familie, seine Eltern und Großeltern, seinen Anfängen als Schauspieler, den Schwierigkeiten Engagements zu bekommen und den damit verbundenen Ortswechseln.
Er geht dabei nicht chronologisch vor, sondern springt zwischen den Rückblicken in die Vergangenheit und der Gegenwart hin und her. Wir dürfen ihn dabei von der Berliner Schaubühne bis in seine Heimat im Ruhrpott begleiten. Dabei erzählt er auf charmante und humorvolle Art und Weise eine Menge Persönliches und das nicht nur von sich, sondern auch von seinen Eltern und Großeltern.
Es ist ein Buch aus dem Leben, über die Familie, die Heimat, das unterhaltsam und berührend zugleich ist.









