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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Reiseweise:

Gut wie immer

Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling

Dieses Buch - oder Hörbuch, wer es von Marc-Uwe Kling selbst vorgelesen hören will - ist für Fans des Känguruhs und der allgemeinen Kleinkunst einfach gut wie immer. Die Charaktere sind bekannt und unterhaltsam wie immer, das Geplänkel und die Running Gags zwischen Beuteltier und Kleinkünstler sind gut wie immer, und die Sprache ist gut wie immer.

Inzwischen wird jeder wissen, ob man das mag oder nicht - und für Fans ist es genau das richtige Buch / Hörbuch. Man fühlt sich wie immer bestätigt in seinen eigenen Ansichten und freut sich, dass das mal endlich jemand so eloquent mitteilt und lacht über die neuesten Ideen - endlich eine gute Begründung, warum der zweite Todesstern bei Star Wars gebaut wurde!
Insgesamt also eine gute Ergänzung für die bekannte Reihe und nicht nur ein Abklatsch der alten Ideen, das ist erfreulich und unterhaltsam.

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Nachdenklich

Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann

In ihrem neuen Buch macht sich die Autorin auf den Weg nach Radom in Polen, um etwas über ihren Großvater, der bei der SS war und den sie nie kennen gelernt hat, herauszufinden. Ihre Mutter hat ihr kaum etwas über ihn erzählt und sie empfindet dies als eine große Leerstelle in der Familiengeschichte, die sie gerne schließen möchte.

Im Laufe der Recherchen muss sie aber feststellen, dass sie diese Lücke nicht schließen können wird - zu viel wurde vergessen, zu wenige Informationen haben überdauert und zu viel bleibt offen. Dies nimmt sie zum Anlass, um darüber nachzudenken, wie Erinnerungen in Familien funktionieren und was und wie erinnert wird. Sie reist weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und sinniert darüber, wie sich selbst Geschwister manches erzählen und manches verschweigen.

Insgesamt ein sehr nachdenkliches Buch, in dem man der Autorin auf ihrer Sinnsuche folgen kann und selbst ins Nachdenken gerät, wie Erinnern in der eigenen Familie funktioniert (oder nicht). Nachdenklich und besonnen!

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Freiheitstauben

Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider

Noah ist vierzehn, lebt im Irak und sein größtes Hobby ist das Züchten von Tauben - sein Onkel ist Vorsitzender des Taubenzüchtervereins und Noah verbringt viel Zeit auf dem Dach seines Hauses und kümmert sich um die Tauben. Doch dann übernimmt der IS die Herrschaft in der Stadt - das Kalifat hat jetzt die Macht und für Noah stellt sich die Frage, ob das Taubenzüchten nun überhaupt noch erlaubt ist.

Außerdem beobachtet er, wie sich die verschiedenen Menschen unterschiedlich mit den Mudschaheddin arrangieren oder leisen Widerstand leisten.

Abbas Khider erzählt in kurzen - manchmal sogar sehr kurzen - Kapiteln davon, wie es ist, wenn sich eine totalitäre Herrschaft über eine Gemeinschaft legt. Manche arrangieren sich, andere kollaborieren, manche leisten leisen oder lauten Widerstand, Grausamkeiten wie Hinrichtungen werden zu etwas Alltäglichem, manchmal finden sich aber auch unerwartete Verbündete und aus Freunden können Feinde werden. Sehr berührend und hochaktuell!

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Beklemmend

Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman

Der dystopische Roman von Jacqueline Harpman liegt nun in neuer Übersetzung und mit neuem Cover (und Titel) auf Deutsch vor, nachdem er bei BookTok und in der Online-Community international sehr erfolgreich war. Die Geschichte selbst ist schnell umrissen: In einem Keller werden vierzig Frauen von anonymen Wärtern festgehalten, bis diese plötzlich eines Tages verschwinden und die Frauen den Kerker verlassen können - und sich in einer einsamen Einöde zurechtfinden müssen.

Ich-Erzählerin und Protagonistin ist die namenlose „Kleine“, die als Einzige noch ein Teenager ist und das Leben vor dem Keller nicht kennt.

Die Geschichte ist eine typische Dystopie wie aus dem Lehrbuch - Anklänge an die heutige Zeit, unklares zeitliches Setting in der Zukunft, Vertrautes, mit dem gebrochen wird. Die Atmosphäre ist beklemmend, einsam und düster und man liest die ganze Zeit weiter, um endlich eine Antwort auf die vielen Fragen zu erhalten - befinden sich die Frauen überhaupt auf der Erde? Wer hat sie eingesperrt und warum? Wo sind alle anderen? Das Ende lässt einen ratlos zurück. Die Autorin hat auf jeden Fall den Mut aufgebracht, den Leser mit sehr vielen offenen Fragen unbefriedigt zurückzulassen. Oder es ist alles eine Metapher, die sich nicht ganz erschließt…

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Der Poet als Spion

Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson

Jakob Dreiser ist erfolgreicher Dichter - nicht nur irgendeiner, sondern jung und ein Dichter der Wendezeit, wo sich nun alles zum Guten wendet und Ost und West endlich zusammenwachsen. Aber das langweilt ihn auch irgendwie. Er schlägt sich von Gartenparty zu Gartenparty und auf dem Empfang der russischen Botschaft im schönen Rom wird er von einem Geheimdienstmitarbeiter angeworben - und nun beginnt eine ungewöhnliche Reise, die ihn nach Kasachstan und St.

Petersburg bringt.

Dies ist eindeutig eine Spionagegeschichte, kein Spionagethriller oder auch nur Krimi. So richtige Spannung wird auch nicht aufgebaut, aber die Geschichte lebt von ihren skurrilen Figuren. Die allerdings auch sehr skurrile Namen tragen (Fishbowl, Aquatone), was mich etwas gestört hat. An manchen Stellen wirkte die Geschichte glaubwürdig, an anderen nicht, das Ende kam recht abrupt. Insgesamt aber nett zu lesen.

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Nette Bildergeschichte

Obacht! von Kerstin Hau

Diese kleine, nette Bildergeschichte ist wirklich sehr hübsch anzuschauen - auch wenn ich mich ehrlich frage, ob die in stylischen Orange- und Schwarztönen gehaltenen (aber wirklich sehr süßen) Zeichnungen wirklich für Kinderaugen so sehr geeignet sind oder ob hier nicht doch eher die Eltern angesprochen werden sollen, denn die Optik ist doch eher für Erwachsene gemacht.

Das Buch macht sich sicherlich auch gut auf dem Coffee Table… Die Geschichte ist nett und nicht allzu pädagogisch aufgezogen: Da liegt ein riesiges Tier vor der Stadt und schlummert vor sich hin. Aber wie soll man nun in die Stadt gelangen? Die kleinen Einwohner haben kreative Ideen und bauen eine Brücke, eine Umgehungsstraße, holen eine große Decke um das Tier zuzudecken - nur auf die naheliegendste Idee, das Tier zu bitten, etwas Platz zu machen, kommt keiner.

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Einfühlsam

Alexander von Ferdinand von Schirach

In Ferdinand von Schirachs erstem Kinderbuch widmet sich der bekannte Autor ähnlichen Fragen, wie in seinen Büchern aus dem Thema Recht - auf eine kindgerechte Art und Weise. Um zu verhindern, dass in der antiken Stadt Kaliste jemals wieder ein Tyrann die Herrschaft übernimmt, wird der kleine Alexander losgeschickt, gerechte Gesetze zu finden.

Er begegnet verschiedenen verschrobenen Persönlichkeiten, von denen er aber wichtige Dinge lernt. Geschickt lässt der Autor etwas griechische Historie (Tyrannenherrschaft), Mythologie (die Sphinx), politische Theorie (Rawls Schleier des Unwissens) in die Geschichte einfließen, um auf die grundlegenden Menschenrechte zu kommen - Gleichheit trotz Unterschiedlichkeiten, Menschenwürde, Meinungsfreiheit, und andere wichtige Konzepte. Diese können anhand des Buchs Kindern gut erklärt werden.

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Spannend und brutal

Adama von Lavie Tidhar

Im neuen Roman von Lavie Tidhar zeigt der Autor anhand der Geschichte einer Familie im Kibbuz auf, wie sich die spannende und gewaltvolle Geschichte Israels auf ebenso spannende und gewaltvolle Weise mit den Geschichten der Menschen dort verknüpft.
In verschiedenen Zeitsprüngen und Zeitabschnitten wird das Leben von Ruth und ihrer Familie geschildert - von den Anfängen, als Ruth als zionistische Widerstandskämpferin gegen die britische Mandatsarmee kämpfte über den Krieg nach der Staatsgründung, den Aufbau des Kibbuz, den Sechs-Tage-Krieg, den Jom-Kippur-Krieg bis hin zum Lebensende von Ruth.

Man nimmt an Ruths Suche nach ihrer Schwester teil, von der sie nicht weiß, ob sie die Konzentrationslager in Europa überlebt hat, man begleitet ihre Enkel beim Aufwachsen und ihre Verstrickungen in kriminelle Machenschaften. Sehr kunstvoll und gelungen ist, dass immer wieder Personen, Erinnerungen und Orte in Zeitabschnitten auftauchen, in denen man sie nicht erwartet hatte. Wichtig ist zu wissen, dass eigentlich alle Charaktere früher oder später in der Geschichte jemanden (oft brutal) umbringen… Ein spannendes Buch!

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Rache Inc.

Hustle von Julia Bähr

Der Roman beginnt mit einer Racheaktion, die so kreativ ist, dass man sie heimlich gerne auch mal ausprobieren möchte: Leonie befeuchtet Sessel, Teppich, Mousepad und Aktenordner im Büro ihres fürchterlichen Chefs und streut großzügig Kressesamen aus… In ihrem neuen Job in München bestimmt sie Insekten in der Zoologischen Staatssammlung und da man in München mit einem normalen Gehalt nicht über die Runden kommt, entwickelt sie ein Side-Hustle für kreative Racheaktionen.

Dabei wird sie in eine Freundinnengruppe aufgenommen, die alle einen nicht legalen Nebenerwerb haben, damit sie sich München leisten können…

Der Roman ist locker-lakonisch geschrieben, die Figuren haben Tiefe, typische Klischees werden geschickt vermieden, die Figuren sind divers aber nicht auf eine Art und Weise, die verkrampft wirkt - und dann noch viel Kritik am Wohnungsmarkt und hochnäsigen Münchnern? Hervorragend!

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Sommer im Exil

Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies

Ein Buch von Florian Illies, wie man es kennt: In kleinen Episoden erzählt er in ironischem und sehr präzisem Ton von den Manns, der größten deutschen Schriftstellerfamilie. Basierend auf deren Tagebucheinträgen und anderen historischen Quellen zeichnet der Autor nach, wie schwer sich Thomas Mann und Katia im erzwungenen Exil im Süden Frankreichs taten.

Die Kinder, die fast alle Literaten eigenen Ranges waren oder wurden, erkannten viel schneller die mörderische Gefahr des Nazi-Regimes und drängten die Eltern und Großeltern zum Exil und publizistischen Widerstand, in dem Bruder Heinrich Mann schon angekommen war.
Besonders interessant waren die Informationen über und Einblicke in das Leben und die Gedanken von Klaus, Erika und Golo Mann. Auch die Atmosphäre des kleinen Sanary-sur-Mer mit seinen anderen berühmten Exilanten ist gut eingefangen. Dieses Buch sollte man zwischen Uwe Wittstocks Winter 1933 und Marseille 1940 lesen, um ein vollständiges Bild des Exils deutscher Schriftsteller:innen zu erhalten.

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