Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Reiseweise:
Zwei Freundinnen, zwei Leben
Goodbye, Honeysuckle von Tayari Jones
In diesem Roman von Tayari Jones geht es um Niecy und Annie. Die beiden Schwarzen Mädchen wachsen ohne Mutter im segregierten Süden der Vereinigten Staaten auf, zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung. Beide entfliehen ihrem kleinen Dorf Honeysuckle in Louisiana - während Niecy am renommierten Spelman College in Atlanta, Georgia, studieren darf und in die Schwarze High Society der Stadt einheiratet, schlägt sich Annie in Memphis, Tenessee, durch und sucht ihre Mutter in den Jazzkneipen der Stadt.
So unterschiedliche ihre Wege auch sein mögen, bleiben die beiden verbunden.
Diese selbstgewählten Bande, die eine echte Familie ersetzen können, geht es in dem Roman. Das ist oft berührend erzählt, hat aber teilweise auch Längen, obwohl diverse Handlungsstränge gar nicht auserzählt werden und andere abgebrochen werden. Insgesamt aber ein lesenswertes Buch, auch wenn ich den Hype auf BookTok nicht ganz nachvollziehen kann.
Über Demenz
In die Schweiz von Emma Cline
„In die Schweiz“ ist ein beeindruckender und zugleich bedrückender Roman über das langsame Verschwinden der eigenen Identität. David weiß, dass sein Verstand ihn aufgrund seiner Demenz zunehmend im Stich lässt und reist deshalb zu einer Sterbehilfe in die Schweiz. Während die Gegenwart für ihn immer schwerer zu greifen ist, drängen Erinnerungen an seine Kindheit, seine Familie und vergangene Beziehungen an die Oberfläche.
Besonders gelungen fand ich die Perspektive. Davids Gedankenstrom ist sogartig geschrieben. Man erlebt unmittelbar mit, wie sich seine Wahrnehmung verändert, wie Erinnerungen und Gegenwart ineinanderfließen und wie er immer wieder versucht, Zusammenhänge herzustellen, die ihm zunehmend entgleiten. Gerade die Perspektive eines Menschen, der die Kontrolle über seine eigenen Gedanken verliert, fand ich sehr interessant umgesetzt. Gleichzeitig liegt genau darin auch meine Schwierigkeit mit dem Roman. Davids Gedanken kreisen immer wieder um dieselben Erinnerungen und Fragen. Was anfangs faszinierend und beklemmend wirkt, wurde für mich irgendwann wiederholend. Immer wieder verliert er sich in seinen eigenen Gedankengängen, ohne wirklich zu einem neuen Verständnis zu gelangen. Das ist natürlich auch Teil der Krankheit: David kann seine Lebensentscheidungen nicht mehr so klar hinterfragen oder einordnen, wie es eine klassische Romanfigur tun würde. Dadurch entsteht ein ungewöhnlich unmittelbarer Einblick in seinen Zustand. Gleichzeitig hat diese Erzählweise bei mir irgendwann den Reiz verloren.
„In die Schweiz“ ist deshalb für mich ein Buch, das sprachlich und konzeptionell interessant und stellenweise sehr berührend ist. Aber gerade die Wiederholungen haben mich im Verlauf immer stärker aus der Geschichte herausgebracht. Andere Bücher von Emma Cline haben mir deshalb besser gefallen.
Schnell und einfach
Koch! Mich! Jetzt! von Leon Schreiber
Die diversen Rezepte in diesem Kochbuch sind schnell und einfach gemacht und sicherlich auch für die unerfahrensten Köchinnen und Köche ohne größere Schwierigkeiten erfolgreich zu meistern. Die einzelnen Kapitel sind in verschiedene Themenbereiche gegliedert, beispielsweise One-Pot-Gerichte, Bowls, Ofengerichte und so weiter.
Den Teil, der Fließtext ist und keine Rezepte enthält, liest sich in einem üblichen Kochbuch ja ehrlicherweise niemand durch, also schreibe ich dazu auch nichts. Aber zu den Rezepten sollte man folgendes wissen:
Ich habe knapp 15 davon ausprobiert, zehn davon waren wirklich lecker. Allerdings muss man darauf achten, bei jedem Rezept noch ein oder zwei Zutaten zu ergänzen. Sonst sind sie sehr einfach und meist sehr arm an Gemüse. Beim Handbrot z.B. ergänzt man einfach Pilze und Lauchzwiebeln, bei den Spätzle Kürbis oder einen Tomatensalat. Dann wird es erst richtig lecker!
Denkanstöße
Die Rückkehr der Hoffnung von Rutger Bregman
Rutger Bregman ist einer jener Sachbuchautoren, deren Bücher man eigentlich immer lesen kann. Klar argumentiert, schnell zu lesen, interessante Gedanken. So auch in diesem (zugegebenermaßen sehr schmalen) Bändchen, in dem er seine Vorträge aus den Reith-Lesungen der BBC zusammengeführt hat.
Wer seine anderen Bücher kennt, wird vermutlich nicht so viele neue Gedanken in diesen Vorlesungen finden können, aber wer das Werk von Bregman noch nicht kennt, kann mit diesem kleinen Büchlein bestimmt gut starten, da viele seiner grundlegenden Gedanken hier knapp und präzise zusammengefasst dargelegt werden.
Vielen dieser Gedanken kann man zustimmen, manchen vielleicht nicht (zum Beispiel denke ich nicht, dass „ein Großteil“ der Politiker Blender sind, auch wenn es sicherlich auf viele einflussreiche zutrifft), aber man fühlt sich immer aufgefordert, mitzudenken und die eigenen Argumente zu schärfen. Insbesondere die Überlegungen dazu, wie soziale Bewegungen die Welt verbessern können, fand ich überzeugend.
Niedlich
Play+ Mein allererstes Soundbuch Tiere im Wald - ab 12 Monate von Maria Höck
In diesem kleinen Ton-Büchlein kann man diverse Tiere des Waldes und ihre Geräusche kennen lernen. Fuchs (da weiß ja niemand, wie der macht…), Hirsch, Eule… die Tiere werden in kleinen Texten vorgestellt und auch diverse andere Waldtiere gesellen sich dazu. Auf jeder Doppelseite kann man mehrere Tiere entdecken, aber nur eines ist mit Ton versehen.
Die Tiere, die man suchen soll, sind in klein an der Seite dargestellt und sehen auch genau so aus wie auf der großen Seite, was bei diesen Suchbüchern nicht immer der Fall ist. Außerdem sind sie mit Artikeln versehen (der Schmetterling, das Eichhörnchen, der Bienenkorb), was für das Erlernen der Wörter aus wissenschaftlicher Sicht sehr sinnvoll ist. Das ist also gut umgesetzt.
Die Zeichnungen sind schlicht und ohne viele Details, aber auf jeden Fall kindgerecht für Kinder im alten von ungefähr einem Jahr. Das Buch ist allerdings mit fünf Doppelseiten sehr kurz.
Sehr viel Fleisch
Ochsenkopf von Manik Sarkar
In diesem Roman von Manik Sarkar geht es um Fleischwurst, Zervelatwurst, Hähnchenschenkel, Frikandel, Blutwurst, Ribeye-Steak, Tartar, Entrecote, Räucherwurst, Leberwurst, Hammelfleisch. Um die Schlachtung von Rindern, Schweinen, Hühnern, Katzen, Schafen. Um Holsteiner Bunte, Weißblaue Belgier, Hereford-Rinder.
Und vor allem geht es ums Schlachten, Zerlegen, Zerhacken, Blut auslassen und es geht ganz viel ums Scheitern, um geplatzte Träume, um traurige Leben und um sich verändernde Dörfer.
Das ist alles meist ziemlich traurig und deprimierend.
Zentrale Figur des Romans ist Rensing (Junior, der Sohn von Rensing und Sohn), der ein talentierter Metzger ist und das Geschäft seines Vaters übernimmt, aber in Zeiten von aufkommenden Supermarktketten mit seinen hochfliegenden Träumen vom perfekten Fleisch scheitert. Und das Ende des Romans schockiert tatsächlich.
Splitter
Die Straße von Robert Seethaler
In Robert Seethalers neuem Roman stellt er das Leben der Bewohner der Heidestraße in kurzen Absätzen dar. Es geht um Liebe, Verlust, das Altern, das Scheitern, die Veränderung. Alles in sehr kurzen Bruchstücken erzählt, teilweise nur eine Zeile lang. Wo genau diese Straße liegt, wird nicht erwähnt (irgendwo in Österreich, denn es gibt ein Magistrat in der Straße und es werden Buchteln in der Bäckerei verkauft).
Wann genau die Geschichten spielen, ist auch unklar (es wird aber noch in Mark und Groschen bezahlt).
Teilweise sind die kurzen Beobachtungen interessant und man möchte gern wissen, wann die erzählenden Personen wieder auftauchen. Oftmals sind sie aber auch belanglos, verworren und verwirrend. Es ist selten klar, wer genau gerade erzählt - bei manchen löst es sich auf, bei vielen aber auch nicht. Viele Erzählstränge bleiben leider offen, was sehr unbefriedigend ist. Insgesamt liest sich der Roman schnell, was aber auch daran liegt, dass man viele Seiten mehr oder minder überfliegt, da die Erzählsplitter einen nicht abholen.
Filmreif
Die Queen von Mayfair von Alex Hay
Dies ist eine Geschichte von zwei Häusern in London: Eines groß und hässlich, aber an der besten Adresse und bewohnt von einer uralten Adelsfamilie. Das andere ist auch groß (und nicht besonders schön), aber an einer weniger guten Adresse und bewohnt von einer Königin der halblegalen Welt: Quinn.
Sie möchte die Adelsfamilie um ihren Reichtum erleichtern, indem sie den jungen Duke heiratet - in fünf Tagen, nach einem festgelegten Ränkespiel. Doch jemand scheint sie daran hindern zu wollen…
Die Geschichte, die Alex Hay hier spinnt, lässt sich bestimmt hervorragend verfilmen. Ein bisschen Bridgerton, ein bisschen Heist Movie, ein bisschen Komödie, ein bisschen Spannung… Die Charaktere sind interessant, die Story allerdings teilweise sehr verworren und etwas unglaubwürdig. Innerhalb eines Tages wird ein Haus umgebaut, innerhalb von zwei Tagen ein Duke verführt, und alles baut darauf, dass der Betrug nicht erkannt wird. Einige Wendungen kamen unerwartet, andere waren sehr vorhersehbar. Insgesamt aber nett.
Schräger Humor
Verlorene Schäfchen von Madeline Cash
Die Vorstadtfamilienidylle der Flynns ist keine mehr - Cat Flynn hat die kriselnde Ehe geöffnet, Bud Flynn versinkt in Selbstmitleid und den Takeaway-Kartons in seinem Auto und die drei Töchter machen sowieso, was sie wollen. Die jüngste ist einer Verschwörung auf der Spur, die mittlere bastelt an einem Sprengsatz und die älteste datet Wes, genannt Kriegsverbrecher-Wes.
Und dann ist da noch dieser exzentrische Milliardär, und ist an der Verschwörung, der die Jüngste auf der Spurt ist, nicht doch etwas dran…?
Daraus entspinnt sich eine absurde Geschichte, bei der es tatsächlich weniger um die Geschichte geht, sondern mehr um die Wortspiele und verrückten Ideen der Autorin. Die Wortspiele nehmen manchmal etwas überhand, aber meistens ist der Humor absurd-trocken, aber auch die zärtlichen und ernsten Momente sind sehr glaubwürdig und die Charaktere sehr liebenswert. Ein unterhaltsames Buch.
Gut wie immer
Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling
Dieses Buch - oder Hörbuch, wer es von Marc-Uwe Kling selbst vorgelesen hören will - ist für Fans des Känguruhs und der allgemeinen Kleinkunst einfach gut wie immer. Die Charaktere sind bekannt und unterhaltsam wie immer, das Geplänkel und die Running Gags zwischen Beuteltier und Kleinkünstler sind gut wie immer, und die Sprache ist gut wie immer.
Inzwischen wird jeder wissen, ob man das mag oder nicht - und für Fans ist es genau das richtige Buch / Hörbuch. Man fühlt sich wie immer bestätigt in seinen eigenen Ansichten und freut sich, dass das mal endlich jemand so eloquent mitteilt und lacht über die neuesten Ideen - endlich eine gute Begründung, warum der zweite Todesstern bei Star Wars gebaut wurde!
Insgesamt also eine gute Ergänzung für die bekannte Reihe und nicht nur ein Abklatsch der alten Ideen, das ist erfreulich und unterhaltsam.











