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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Reiseweise:

Ein Drama in fünf Akten

Die Insel des Zorns von Alex Michaelides

Der Erzähler dieses spannenden Thrillers sagt schon recht früh, dass man als Leser vielleicht glauben mag, diese Art von Geschichte zu kennen, damit aber falsch liegt. Und so ist es dann auch.
Der Erzähler ist einer der Charaktere selbst und er spricht ganz oft direkt zum Leser, weist auf Unzuverlässigkeiten hin, entschuldigt sich für beschönigende Dinge und ist eindeutig unzuverlässig.

Der Thriller ist wie ein Theaterstück aufgebaut: Im ersten Akt denkt man sich, es solle endlich losgehen, man hat schließlich schon eine Ahnung, was kommen wird. Der zweite Akt ist wie ein Hollywoodfilm. Der dritte Akt liefert die Vorgeschichte, der vierte Akt ist voller dramatischer Wendungen und der fünfte Akt ist das große Finale - ,her sei nicht verraten. Die ungewöhnliche Erzählweise macht diesen Thriller zu einem, der sich abhebt von anderen im Genre.

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Kreatives Buch für Kinder

Der Wortschatz von Rebecca Gugger

Es gibt so viele schöne Wörter - quietschgelb, honigsüß, sommerleicht… und sie alle machen unseren Wortschatz aus. Was passiert aber, wenn man mit all diesen schönen Wörtern nicht achtsam umgeht und sie gedankenlos ausspricht? Darum geht es in diesem kreativen Kinderbuch mit wunderschönen Zeichnungen, die die schöne kleine Geschichte sehr gut untermalen.

Zeichnungen und Text harmonieren gut und auch einige der Wörter werden gemalt. Mit diesem schönen, wenn auch insgesamt doch recht kurzen Werk lernen Kinder, dass man seine Worte gut wählen sollte, da sie eine Wirkung in der Welt entfalten und es eben ganz und gar nicht egal ist, was wir mit unserer Sprache anstellen. Denn Sprache schafft Wirklichkeit, das wird hier schon den ganz kleinen Leserinnen und Lesern anschaulich beigebracht. Geeignet für alle Kinder von Kindergarten an.

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Erwachsenwerden, aber melancholisch

Klarkommen von Ilona Hartmann

Was die Erzählerin in Ilona Hartmanns Roman „klarkommen“ beschreibt, kommt vermutlich den meisten Leser:innen in irgendeiner Form sehr bekannt vor aus der eigenen späten Jugend oder frühen Erwachsenenzeit. Das Gefühl, man müsste zu einer Party, aber nicht, weil man wirklich dahin will, sondern nur, um sich nicht zu ärgern, sie verpasst zu haben.

Das Heimweh nach Elternhaus und Heimatort, um sich dann dort sofort eingeengt zu fühlen und in die Großstadt zurück zu wollen, die einen aber irgendwie auch überfordert. Die Frage, ob eigentlich alle anderen an der Uni genau wissen, was sie tun und wie man cool ist, und man die einzige Person ist, die das noch nicht gelernt hat.
Der Roman ist in viele, meist sehr kurze und episodenhafte Kapiteln unterteilt, so dass man ihn schnell liest, weil man doch so ein kurzes Kapitel noch schnell lesen kann - das gibt dem Roman einen unterhaltsamen Sog, der die Melancholie trotzdem wirken lässt.

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Komplexe Kurzgeschichten

Nachbarn von Diane Oliver

Die Autorin Diane Oliver starb bereits 1966, als erst einige wenige ihrer Kurzgeschichten veröffentlicht worden waren, mit Anfang zwanzig. „Nachbarn“ ist nun die Veröffentlichung von vierzehn Kurzgeschichten der Autorin, die so viele Jahre nach ihrem Tod wiederentdeckt wurde.
Und dass sie wiederentdeckt wurde, ist ein wahrer Glücksfall: Die Kurzgeschichten stellen die Lebensgeschichten, den Alltag und die Herausforderungen Schwarzer in den Südstaaten der USA zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung auf eindringliche Weise dar.

Nicht alle Kurzgeschichten sind gleich stark und sie sind teilweise in überraschend unterschiedlichem Stil geschrieben (literarisch besonders ungewöhnlich ist „Gefrorene Stimmen“, das allerdings als einzige Geschichte ohne klare Darstellung Schwarzer Charaktere bleibt). Alle Geschichten eint aber, dass auf eindringliche und immer wieder berührend melancholische Weise die großen gesellschaftlichen Probleme an kleinen individuellen Schicksalen eindrucksvoll beschrieben werden. Absolute Leseempfehlung!

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Ein thematischer Rundumschlag

Im Spiegel des Kosmos von Neil deGrasse Tyson

Der bekannte Astrophysiker Neil deGrasse Tyson kann humorvoll und kenntnisreich über eine Vielzahl aktueller Themen schreiben, das steht außer Frage. In seinem neuen Buch versucht er auf der Grundlage der Überlegung, dass Wissenschaft und Rationalität als Leitperspektiven eine Vielzahl der aktuellen Streitthemen eigentlich beilegen können müssten, sich diesen Themen aus eben jener wissenschaftlich-rationalen Perspektive zu nähern.

Dabei schreibt er allerdings nicht sehr viel Neues: Mir war auch schon vorher bewusst, dass es keinerlei wissenschaftliche Basis für rassistische Einteilungen von Menschen gibt. Ich wusste schon vorher, dass Geschlecht auch und gerade aus naturwissenschaftlicher Perspektive auf einem Kontinuum abgebildet wird und einfache Mann-Frau-Einteilungen Unsinn sind. Und dass Menschen mit Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht umgehen können und lieber an höhere Mächte glauben. Das ist insofern schade, als dass ich mir neue Erkenntnisse gewünscht hätte.
Zum Schreibstil ist zu sagen, dass er humorvoll, aber etwas zu anekdotenreich ist. Und in der Übersetzung fielen einige Ungenauigkeiten auf, z.B. „blind einen Pfeil werfen“ („throw a dart blindly“), die ungelenk schienen.

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Für altkluge Kinder…

Das Klugscheißerchen von Marc-Uwe Kling

Tina und Theo Theufel - mit einem bzw. zwei TH im Namen, bitte! - dürfen noch auf dem Dachboden spielen, nachdem sie ihre Eltern - schon sehr alt, mit komischem Geschmack, denn wer bitte isst eklige Bete, wenn es auch Kroketten hätte geben können? - erfolgreich genervt haben. Als sie beim Spielen die Zahl der Weltmeere nicht korrekt nennen, erscheint das Klugscheißerchen, um sie zu verbessern.

Dieses Wesen erscheint nur Menschen, die wirklich gut klugscheißern können. Ob es die Eltern auch sehen können…?

Der typische Sprachwitz von Marc-Uwe Kling kommt auch in dieser kurzweiligen Geschichte zum Tragen, auch wenn es nicht ganz so viel Sprachwitz gibt wie beispielsweise in den Geschichten über das Neinhorn. Die Zeichnungen sind aber auch gelungen und treffen den besserwisserischen Gesichtsausdruck der Kinder ebenso gut wie den erschöpften der Eltern.

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Schmuckstück

Büchermenschen von Stéphanie Vernet; Camille de Cussac

Dieses aufwendig gestaltete Werk - ein Teil Bilderbuch, ein Teil Sachbuch - ist ein wahres Schmuckstück für alle, die gern lesen und vor allem für die, die gerne wissen wollen, welche Schritte passieren, bevor man tatsächlich ein schönes Buch in den Händen hält. Die liebevollen Zeichnungen illustrieren die Produktionsschritte eines Buches ebenso wie dessen Nutzung und die Texte bieten viel Hintergrundwissen über die Entstehung von Büchern - und einiges an netten, kleinen Anekdoten.

Da dies durchaus komplexes Fachwissen ist, ist das Buch nichts für sehr junge Leser:innen, aber für solche mit etwas Erfahrung und besonders viel Begeisterung fürs Lesen.
Die Übersetzung aus dem Französischen ist hervorragend und gut an den deutschsprachigen Markt angepasst, z.B. bei den Verweisen auf deutsche Buchpreise oder die Besonderheiten deutscher Bibliotheken.

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Hervorragend!

Das Gemälde von Geraldine Brooks

Im englischsprachigen Original heißt der Roman „Horse“, und dieser Titel passt viel besser als das deutsche „Gemälde“. Denn es geht nicht (nur) um ein Gemälde - eigentlich sogar um mehrere Gemälde - sondern um Lexington, das wohl beste amerikanische Rennpferd aller Zeiten. In Zeitsprüngen zwischen dem 19.

, 20. und 21. Jahrhundert erzählt die Autorin spannend und kenntnisreich die Geschichte von Lexington und seinem schwarzen Betreuer Jarret, die gewissermaßen die historischen Protagonisten darstellen. In der Jetztzeit übernimmt diese Rolle Theo, ein junger schwarzer Doktorand an der Georgetown University, der zufällig auf ein verschollenes Gemälde eines Pferdes stößt.

Der Autorin Geraldine Brooks gelingt es gekonnt, die Atmosphäre des Pferderennsports in den Südstaaten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg einzufangen und sie schildert Rassismus, Sklaverei, Wetten und die vielschichtigen, widersprüchlichen Charaktere dieser Welt überzeugend. Ein lesenswertes Buch, auch für Menschen, die mit Pferden eigentlich nichts am Hut haben.

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Neuer Klassiker

Atalanta von Jennifer Saint

Atalanta ist eine der wenigen Heldinnen, die wir aus den antiken Sagen kennen. Als Zögling der Jagdgöttin Artemis wächst sie in den Wäldern Arkadiens zur schnellsten Läuferin und besten Jägerin heran, bis Artemis sie beauftragt, die Argonauten unter Jason auf der Suche nach dem Goldenen Vlies zu begleiten.

Jennifer Saint erzählt die Geschichte von Atalanta auf eine recht klassische Weise, ohne die vielen inneren Monologe, wie sie zum Beispiel für Madeleine Millers Romane typisch sind. Saints Version der Sage ist eher auf die Handlung fokussiert, wobei sie an einigen Stellen ihren eigenen Fokus setzt und den bekannten Sagenstoff ausschmückt, an anderen Stellen aber auch verkürzt. Immer steht Atalanta im Zentrum der Geschichte. An einigen Stellen hätte man noch gern mehr über Atalantas Beweggründe erfahren und auch einige eigentlich spannende Nebencharaktere wie Medea oder Meleagros bleiben etwas unterkomplex beschrieben. Insgesamt aber eine gut zu lesende Version der Atalanta-Sage.

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Jugendfantasy

Der Spurenfinder von Marc-Uwe Kling; Johanna Kling; Luise Kling

Der Spurenfinder Elos von Bergen und seine Kinder Ada und Naru leben in Friedhofen. In Friedhofen geschieht nichts. Eigentlich. Doch dann entspinnt sich eine unerwartete Geschichte, die sie durch das halbe Land führt und auf Gestaltwandler, Feuerläuferinnen, Schwertkünstler und rachsüchtige Herzöge treffen - und einen verworrenen Kriminalfall lösen lässt.

Dieser Roman von Marc-Uwe Kling ist ganz anders als seine bisherigen Werke, auch der Schreibstil ist anders und das Thema ohnehin. Beeindruckend ist, dass er ihn zusammen mit seinen beiden zwölfjährigen Töchter verfasst hat. Viele unterschiedliche Ideen, vielleicht etwas zu viele, wurden in der Geschichte verwendet. Die Charaktere sind meist überzeugend, auch wenn einige nicht ganz zu Ende gezeichnet scheinen - im wahrsten Sinne des Wortes, denn hübsche Zeichnungen vervollständigen das Buch, auch wenn sie nicht immer ganz mit dem Geschrieben korrespondieren. Insgesamt aber ein nettes Fantasy-Einstiegswerk für junge Jugendliche ab 10.

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