Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Krani:
Fesselnd erzählt
Die Tochter der Drachenkrone von Sabrina Qunaj
Die Autorin schrieb schon einige Romane, die im mittelalterlichen Wales an den Fürstenhöfen spielen und das Leben historischer Persönlichkeiten schildern. Hier steht eine starke Frau im Mittelpunkt: Gwenllian ferch Rhys.
Die Lebensgeschichte der Gwenllian ist fesselnd und emotional erzählt. Als kleines Mädchen und Tochter eines großen Fürsten erlebt sie furchtbare Demütigungen und Kriege.
Ihre Brüder bekämpfen einander, und sie selbst muss Position beziehen. Das Leben der Fürsten besteht aus Bündnissen und Kriegen, die immer wieder neu aufflammen. Gwenllian lehnt es ab, sich nur zu Bündniszwecken zu verheiraten. Sie hat das seltene Glück, eine große Liebe zu finden, die auch noch in die fürstliche Politik passt. Aber von schlimmen Erfahrungen bleibt sie nicht verschont.
Die Hauptperson entwickelt sich vom radikalen Kind zu einer reifen Frau. Durch eigene Kinder verschieben sich ihre Wertigkeiten und sie schafft es, Bündnisse und Freundschaften mit dem Feind einzugehen, um zu überleben und um den Frieden zu sichern. Ihre Entwicklung und ihr Charakter sind glaubhaft und sympathisch - sie könnte eine Frau von heute sein.
Detailreich wird auch die Lebensweise geschildert: Frauen und Männer leben getrennt von einander, selbst Eheleute treffen sich nur am Abend. Geiseln werden im Rahmen der Bündnispolitik freiwillig gegeben: Nur wenn sich der „Bündnispartner“ gut benimmt, erhält er sein Familienmitglied unverletzt zurück, auch wenn das Jahre dauert. Und selbst bei ihren eigenen Brüdern ist Gwenllian nicht vor Überraschungen sicher.
Eine ganz normale Frauengeschichte aus einer fremden Zeit, mitreißend erzählt. Weil ich wirklich abtauchen konnte, vergebe ich hier alle fünf Sterne.
Bäuerliches Leben heute
Alles büddn wild von Annemarie Paulsen
Die Autorin betreibt einen preisgekrönten Instagram-Kanal mit 150.000 Followern, auf dem sie in kurzen Filmchen die Arbeit auf dem Bauernhof vorstellt. Nun also ein Buch.
Sie schreibt witzig und manchmal nachdenklich. Schon auf Instagram hat sie viel Humor an den Tag gelegt, der macht jetzt ihre gedruckten Texte angenehm zu lesen.
Sie schildert Autobiografisches, auch aus ihrer Kindheit und Jugend. Damit umfasst ihr Buch rund dreißig Jahre bäuerliches Leben in Deutschland.
Ich hatte etwas mehr skurrile Geschichten erwartet, so wie in der Leseprobe. Zwar beginnt jedes Kapitel mit einer witzigen und schrägen Anekdote, aber meistens folgen Betrachtungen und Gedanken über das heutige Leben der Bäuerinnen und Bauern. Das ist interessant für Leute aus der Stadt, die davon keine Ahnung haben, aber hohe Ansprüche an ihre Nahrung stellen. Und es ist interessant für Leute vom Lande, die sich manchmal auch Gedanken machen müssen, wie es weiter gehen kann mit der Landwirtschaft, mit dem eigenen Hof und den Tieren.
Somit war es ein interessanter und unterhaltsamer Einblick in eine Welt, über die ich wenig wusste, allerdings mit Längen.
Frau, Wut, Drachin
When Women were Dragons - Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen von Kelly Barnhill
Eine alternative Gegenwart: Im Jahr 1955 verwandeln sich hunderttausende Frauen in den USA in Drachen. Dieser Sache auf den Grund zu gehen, ist nicht möglich, denn es gibt Denkverbote. Und es gibt Scham. Die Drachinnen werden als etwas Unanständiges betrachtet.
In den fünfziger Jahren können Frauen praktisch nur Hausfrau und Mutter sein, etwas anderes ist nicht möglich.
Alex ihat eine Begabung für Mathematik, sie hat Mutter und Tante verloren und ihr Vater lehnt es ab, ihr ein Studium zu finanzieren. Um Klos zu putzen, so sein Argument, brauche es keinen Universitätsabschluss.
Die Sprache ist schön, oftmals poetisch und sehr angenehm zu lesen. Die Hauptperson Alex ist leidenschaftlich, zielstrebig und durchaus glaubwürdig. Doch die Geschichte einer Frau, die sich gegen alle Widerstände Bildung und ein eigenes Leben erkämpft, hat man schon allzu oft gelesen. Alle anderen Persönlichkeiten wirken etwas blass.
Die Idee, dass unterdrückte Frauen aus Wut zu Drachinnen werden, funktioniert als Geschichte nicht so richtig. Die Wut ist mehr als begreiflich. Aber Drachen mit Lippenstift und Handtäschchen? Zwar gehören Feuerspeien und das Verschlingen von Menschen zu den Dingen, die diese Drachinnen tun. Doch sie backen auch Kuchen, häkeln und besuchen den Gottesdienst oder eben Schulen und Universitäten.
Eine kühne Idee, deren Umsetzung mich nicht überzeugt hat. Besonders unpassend fand ich den englischsprachigen Titel für ein Buch in deutscher Sprache.
Gerstenmus, Pestilenz und Wiedertäufer
Am Fluss der Zeiten von Ulrike Renk
Westfalen, 1550: Auf dem Bauernhof Kalmule lebt Elze mit ihrer Familie. Sie hat zwei Geschwister, ihre Eltern, eine Schwägerin und eine Tante. Sie alle sind Eigenbehörige (Leibeigene) des Amtes Lüdinghauses und des Domkapitels von Münster. Was das bedeutet und wie der Alltag auf so einem Hof ablief, ist Inhalt der Geschichte.
Dann muss Elze den Hof verlassen.
Die Story entfaltet sich nur langsam. Vieles muss erklärt werden. Es gibt zwar ein Glossar und auch ein Personenverzeichnis, aber wie genau die Menschen im 16. Jahrhundert auf dem Lande lebten, das ist uns heute vollkommen fremd.
Die Autorin nimmt ihre Aufgabe, uns das damalige Leben zu zeigen und verständlich zu machen, sehr ernst. Das ist eine besondere Qualität aber auch eine Schwäche des Buches, weil es das Lesen anfangs etwas schwer macht. Wenn man sich aber daran gewöhnt und sich eingelesen hat, wird die Geschichte sehr fesselnd und die Menschen erscheinen immer vertrauter. Sinnlich und bilderreich werden wir in eine fremde Zeit geleitet, aus der die unsere entstand.
Elze ist eine sympathische, fleißige und pragmatische Person, der manchmal auch übel mitgespielt wird. Sie ist ungewöhnlich intelligent. Im Laufe der Geschichte wird sie einige Jahre älter und um einige Erfahrungen reicher.
Wer sich für Geschichte und die Lebensweise der „kleinen Leute‟ interessiert, findet hier detailreiche und spannende Lektüre. Alle anderen müssen ein bisschen Geduld mitbringen, die aber belohnt wird.
Schön und hilfreich
Slow Gardening von Elisabeth Grindmayer; Stephanie Haßelbeck
Hier geht es um den Nutzgarten, wie man ihn seit vielen Generationen auf Bauernhöfen pfegt. Es wachsen Gemüse und Obst, Kräuter für die Küche und Blumen für die ganze Wohnung wachsen. Die Autorinnen haben sich ihr Gartenwissen selbst angeeignet. Dafür haben sie aus vorherigen Generationen gelernt, aber vor allem von der Natur selbst.
Dazu laden sie hier ein.
Das Buch enthält viele nützliche Tipps, die auch einer gartenlosen Städterin helfen können. Zum Beispiel über Schnittblumen oder Pflanzen, die auch im Haus oder auf dem Balkon gedeihen. Einige Gemüsesorten, die gerne hier wachsen, werden genauer vorgestellt. Manche Pflanzen bevorzugen ganz bestimmte Nachbarn. Manche Samen lassen ich leichter ziehen als andere. Listen, was in welchem Monat zu tun ist, ergänzen die Inspirationen. Rezepte und Tipps für die Haltbarmachung gibt es auch.
Insgesamt ein pragmatisches Werk mit wunderschönen Fotos. Wer es mal versuchen möchte, findet hier einen guten Start. Wer bereits gärtnert, findet Neues und Hilfreiches. Leseempfehlung!
Spannender Kreuzfahrt-Thriller
Kein Land in Sicht von Christina Pertl
Die Hauptperson erwacht ohne jede Erinnerung auf einem Kreuzfahrtschiff. Wir begleiten ihre Versuche herauszufinden, wer sie ist und worin ihre Aufgabe besteht. Die zweite Hauptperson befindet sich in einer äußerst misslichen Lage, und sie weiß sehr genau, wer sie ist und welches Verbrechen es hier aufzuklären gilt.
Nur wir als Lesende müssen noch etwas warten.
Das ist schon vom Konstrukt her sehr auf Spannung ausgelegt. Ein typischer Thriller, in dem die Gefahren wachsen, Verbündete sich als Verräter entpuppen und die Protagonistin in kleinen Schritten entdeckt, worum es hier geht und was sie zu tun hat. Der Stil ist knapp aber flüssig, es gibt keine umfassenden Schilderungen und Beschreibungen. Es geht ausschließlich um Spannung, und das funktioniert auch.
Die Gäste auf dem Kreuzfahrtschiff sind etwas grob gezeichnet. Fast alle Passagiere sind unsympathisch und lenken nicht von der Entdeckungsreise der Protagonistin ab. Allerdings habe ich mich gefragt, ob sie nicht mehr wissen müsste aus ihrem früheren Leben, trotz Amnesie. Den Text von Bohemian Rhapsody kennt sie schließlich auch noch. Aber erst als sie ihren Namen und ihre Aufgabe wiederfindet, gewinnt sie auch menschlich an Profil.
Eine gelungene Spannungsgeschichte für entspannte Lesestunden.
Komplex
Das große Spiel von Richard Powers
Es beginnt mit einer Gottheit, und dann startet das große Spiel des Lebens auf unserer Erde – im Wasser. Dann geht es um vier Personen, die zunächst jeder für sich eine Persönlichkeit entwickeln, erwachsen werden und dann aufeinander treffen.
Die Geschichte geht viel zu langsam los und erschließt sich auch nach zweihundert Seiten nur sehr zögernd.
Nun kommen die vier Hauptpersonen auf der Pazifik-Insel Makatea zusammen und eine neue Herausforderung kommt auf sie alle zu.
Einzelne Szenen zu lesen, macht wirklich Freude, der Stil ist einfühlsam und sehr flüssig. Beeindruckend sind die Tauchgänge, in denen Evie die seltsamen Wesen schildert, die dort in der Tiefe leben. Aber allzu schnell und sehr konsequent wechselt der Autor immer wieder zu ganz anderen Szenen, und auch in ganz andere Zeiten und Mileus. Die junge Evie braucht nur ein paar Dutzend Seiten, um eine alte Frau zu werden. Da muss man beim Lesen immer gut im Blick haben, wo und wann man sich gerade befindet. Ich hatte „Der Klang der Zeit‟ gelesen, deshalb war ich neugierig auf das neue Buch von Powers. Es ist mir zu kompliziert.
Eher etwas für Literaturstudiere im höheren Semester.
Grenzen der Wahrnehmung
Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig
Grace ist pensionierte Mathematiklehrerin. Sie hat Ehemann und Sohn verloren und führt ein trauriges, trostloses Leben. Überraschend erbt sie ein Haus auf Ibiza und fährt hin, um es sich anzusehen. Hier trifft sie auf ein Wesen von einem anderen Stern.
Wie schon in früheren Werken setzt der Autor Science-Fiction und Fantasy ein, um Fragen zu stellen: Was zeichnet das Leben aus? Was macht es zu etwas Besonderem? Wie kann man Heilung finden?
Für mich hatte das durchaus einen Sog.
Die rationale Mathematikerin ist ein glaubhafter Charakter und der Esoterik vollkommen unverdächtig. Gemeinsam mit ihr erleben wir Erstaunliches. Sie erfährt eine fundamentale Veränderung hin zum Besseren.
Was Grace auf Ibiza erlebt, regt zum Nachdenken an. Eine gute Geschichte ist es außerdem. Empfehlenswert für Inselfans und Freunde der Fantastik.
Der böse Wolf
Lupus von Tibor Rode
Jenny ist Tierärztin und lebt mit ihrem Vater auf einen Hof in der Nähe von Greifswald. Eines Tages ist ihr Vater verschwunden. Dann wird sie gerufen, um eine Herde Schafe, von denen die meisten von einem wilden Tier gerissen wurden, zu untersuchen. War das etwa ein Wolf? Schon sind wir mitten drin in einer Geschichte um wilde Tiere, Nachzuchten und den Schutz der Natur.
Es geht zurück bis in die alte DDR. Da es auf der anderen Seite um Jennys familiäre Herkunft geht und dann auch noch eine Liebesgeschichte hinzukommt, wird das Ganze nicht nur lang sondern auch überfrachtet. Da ging mir unterwegs die Spannung verloren.
Wir haben hier einen fesselnden, höchst professionell erzählten Thriller. Die Personen sind nicht allzu komplex, aber zumindest Jenny ist sympathisch genug, dass man ihr gerne folgt. Sie trägt allerdings nicht über die ganze, lange Geschichte. Und das ist das Dilemma: Für einen Thriller ist das Ganze zu überladen, für einen erzählenden Roman aber sind die Personen zu flach.
Mit dem Lektorat war ich nicht so zufrieden. So sind zum Beispiel an einer Stelle die Protagonisten schon per Du, obwohl das erst später dran ist.
Vielleicht hätte Rode sich mehr fokussieren sollen und ausführlicher in ein oder zwei der Themen einsteigen können. So ist einfach alles zuviel.
Weltverbesserung im Alltag
Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen? von Till Raether
Till Raether ist Journalist und Krimiautor. Ein hat bereits einen erfolgreichen Essay über Depressionen veröffentlicht. Nun also Hoffnung.
Unsere heutige Welt ist so komplex, dass man sich an vielen Stellen fragen muss, was es eigentlich nützt, wenn man sich engagiert. Wenn man zum Beispiel klimaneutral lebt oder vegan, hilft das wirklich irgendwem? Wenn man nichts bei Amazon bestellt und auch nichts bei Kik und Primark kauft, verändert sich deswegen irgendetwas?
Raether stellt Fragen, die sich heutzutage viele Menschen stellen.
Einfache Antworten gibt es nicht. Aber es gibt Hoffnung. Was das genau bedeutet, darüber denkt er hier ausführlich nach. Seine Quellen sind die Literatur (wie Emily Dickinson) und allgemein zugängliche Zeitschriften und Bücher. So gibt ein Vaclav Havel zugeschriebenes Zitat Anlass zum Nachdenken: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht sondern dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
Die meisten Überlegungen hat man schon einmal irgendwo gelesen oder mit anderen ausgetauscht. Durch die persönliche Herangehensweise und die zahlreichen Anekdoten ist das Buch flüssig zu lesen, zumal es nicht lang ist und die Kapitel kurz sind. Es kann helfen, einige Fragen in ein realistisches Licht zu rücken. Neues bietet es nicht.











