Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Krani:
Bunt
Exoplaneten von Wendy Bjazevich
Das Thema ist faszinierend: Könnte es Leben wie unseres auf einem anderen Planeten geben? Das Buch richtet sich an Kinder ab zehn Jahren.
Die Techniken, mit denen die Wissenschaft heute nach Exoplaneten sucht, sind recht anspruchsvoll. Doch wer sich für das Thema interessiert und schon weiß, was ein Planet überhaupt ist, kann hier eine Menge erfahren.
Es gibt kurze Texte und prächtige Abbildungen, die vieles gut erklären. Zu Beispiel, dass flüssiges Wasser von großer Bedeutung ist, und dass das keineswegs überall vorkommt. Die heute bekannten Exoplaneten werden klassifiziert und in Illustrationen anschaulich gezeigt, jeweils im Vergleich mit der Erde.
Die bunten Farben und großflächigen Bilder verlocken dazu, immer wieder in die Texte hinein zu lesen. Das ist hilfreich, wenn man nicht auf Anhieb alles versteht. Zentrale Themen wie Statistik und Spektroskopie werden beleuchtet, aber nicht allzusehr vertieft. Ein schöner, kindgerechter Einblick in ein spannendes, hochmodernes Fachgebiet!
Mir fehlte der Gedanke, dass Leben auch ganz anders aufgebaut sein könnte als das unsere.
Übersinnlich
Die Geister von La Spezia von Oliver Plaschka
Mit einer übersinnlichen Reise in die Erinnerungen der Autorin Mary Shelley soll das Geheimnis um den Tod ihres Ehemannes Percy aufgeklärt werden.
Die Idee, gezielt in die Erinnerungen eines Menschen zu reisen, um etwas zu erfahren, ist spannend. Mit dieser Voraussetzung entsteht eine wilde Reise, auf der die Perspektiven wechseln wie die Menschen, in deren Erinnerung sich die Protagonistin gerade aufhält.
Entsprechend unterschiedlich sehen die Dinge und die Menschen aus, und auch die Ereignisse sind nicht genau dieselben.
Eine Voraussetzung, um diese Geschichte zu verstehen ist, dass man sich mit den historischen Personen auskennt. Ein hilfreiches Namensverzeichnis gibt es nicht. Wie die Verwandtschaften und Beziehungen zusammen hängen, wird nicht erklärt sondern vorausgesetzt. Das machte mir das Lesen recht schwer.
Die Charaktere sind mir alle recht fremd geblieben. Die Sprünge zwischen verschiedenen Zeiten und Lebensphasen waren für mich kaum zu durchschauen und die Entwicklungen der Personen blieben unklar.
Der Stil ist flüssig zu lesen, die Atmosphäre geheimnisvoll und gespenstisch. Wer in die Literaturgeschichte und in die Zeit der Erschaffung von Frankensteins Monster eintauchen möchte, findet hier eine neue Version.
Sinnlich und poetisch
Melken von Sanna Samuelsson
Ellen ist lesbisch und hat in der Stadt Karriere gemacht. Nach einer Trennung besucht sie den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Sie trifft einen Freund aus Kindertagen wieder.
Die Geschichte ist recht handlungsarm. Die Protagonistin schildert Erinnerungen an ihre Kindheit auf dem Milchhof. Durch die Naturbeschreibungen wirkt diese Kindheit geradezu idyllisch.
Doch für ihre Eltern war es harte Arbeit, an jedem einzelnen Tag. Inzwischen wird der Hof längst nicht mehr bewirtschaftet, Fremde wohnen hier. Nicht nur die Kindheit der Protagonistin ist vorbei, die Lebensweise der kleinen Bauern ist es auch. Der Gegensatz zwischen dem Lebensgefühl in der Stadt und dem auf dem Land wird in der Protagonistin sehr deutlich. Die Fichtenwälder, durch die Ellen heimfährt, sind für die Bauerstocher ein Friedhof.
Der Stil ist poetisch und sehr sinnlich. Das ist schön zu lesen. Es ist ein leises Buch, von Empfindungen und Wahrnehmungen getragen, in dem nicht viel passiert. Weil es eher eine Betrachtung ist als ein Roman, vergebe ich nur drei Sterne.
Unterhaltsam
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Das White Octopus Hotel ist längst geschlossen und verfällt. Die Kunstgutachterin Eve Shaw ist mit diesem Hotel verbunden. Sie trägt ein Oktopus-Tattoo, das über ihren Körper zu wandern pflegt. Außerdem trägt sie eine schwere Schuld mit sich herum. Als sie das Hotel betritt, wird sie in die Vergangenheit versetzt.
Kann sie sich auf diesem Weg von ihrer Schuld befreien?
Eve ist eine sympathische Heldin, die zu Beginn verletzlich und unsicher wirkt. Doch sie ist etablierte Gutachterin in einem Museum, und ihre Expertise ist gefragt. Sie wird mit Geheimnissen konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet ist. Auch die zweite Hauptperson, ein Soldat aus den Schützengräben des ersten Weltkrieges, wirkt glaubhaft und lebendig.
Der Stil ist sehr ansprechend und bildhaft. Es entsteht eine mystische, gruselige Atmosphäre, voller Emotionalität und Spannung. Es ist nicht immer alles leicht zu verstehen, da die Zeitreisen auch Schleifen bilden. Da ist es hilfreich, dass beinahe jedes Kapitel mit den Namen der jeweiligen Hauptperson und der Zeit überschrieben ist, in der es spielt. Immer neue Rätsel sind zu lösen. Das Ende fand ich allerdings unbefriedigend. Nach so viel Verwirrung hätte es mir besser gefallen, wenn sich die einfache Wirklichkeit wieder eingestellt hätte.
Ich hätte Eve lieber in einem rein realistischen Setting weiter begleitet. Die Zeitreisen kamen mir doch ein bisschen konstruiert vor. Außer der Pracht des Luxushotels ist mir wenig in Erinnerung geblieben. Am besten gefielt mir der Kleiderschrank, der immer nur ein einziges Outfit enthielt: das Passende.
Komplex und brutal
Kala von Colin Walsh
In einem kleinen Ort an der irischen Küste wachsen Anfang der 2000er Jahre sechs Jugendliche zusammen auf. Eine von ihnen verschwindet spurlos, ein anderer wird schwer verletzt, ein dritter stirbt. Fünfzehn Jahre später werden die damaligen Ereignisse wieder aufgerollt, als ein menschliches Skelett gefunden wird.
Die vier Hauptpersonen in diesem Buch berichten alle aus ihrer jeweils eigenen Sicht, und zwar sowohl die Geschichte von damals als auch die von heute. Sie alle sind glaubwürdig dargestellt, besonders als die pubertierenden Jugendlichen im kleinen Dorf der Vergangenheit. Das ist schön zu lesen. Doch es sind ja insgesamt acht verschiedene Storys. Viel zu viele Perspektiven, als dass man dem aktuellen Geschehen gut folgen könnte, obwohl es nur wenige Tage umfasst. So wird das Lesen zu einer komplexen Ermittlungsarbeit, die die Spannung zerstört. In welche Richtung das Ganze geht, wird erst auf den letzten 50 Seiten klar. Bis dahin herrscht eine zunehmend dichte Atmosphäre von Angst und Ungewissheit, was es durchaus spannend machen könnte, wenn man immer genau wüsste, wer gerade was weiß und denkt und getan hat usw. Es gibt viel Brutalität in der Geschichte, die beschriebenen Grausamkeiten hätten eine Triggerwarnung verdient.
Insgesamt eher enttäuschend und manchmal etwas länglich.
Echt
Villa Rivolta von Daniel Speck
Valerias Vater ist Revolutionär in Italien und wird von den Deutschen in den letzten Kriegstagen erschossen. Ihre Mutter geht mit ihr nach Mailand, wo Freunde des Vaters ihr eine Anstellung in ihrem Haus geben. Sie leben in der Villa Rivolta, dem Haus jener Autobauerfamilie, die mit der Isetta bekannt wurde und später sehr elegante und schnelle Sportwagen baute.
So kommt es, dass Valeria in einer prächtigen Villa aufwächst mit Piero, dem Sohn des Unternehmers, als bestem Freund.
Die Geschichte ist sehr lebendig erzählt. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Valeria und Piero. Beide sind starke, unabhängige Persönlichkeiten, die sich ihren höchst unterschiedlichen Herausforderungen stellen. Die Sprache ist poetisch und bildreich. Das Nachkriegsitalien mit seinen bestimmenden Klassenunterschieden, seiner Hitze, seiner Autoleidenschaft und den revolutionären Träumen wird sehr anschaulich gezeigt. Man hat das Gefühl, mitten im echten Leben zu sein.
Ich fand es erschreckend und faszinierend zugleich, wie das Bewusstsein einer Klassenzugehörigkeit von den Eltern ganz unterschwellig an die Kinder weitergegeben wird. So hat der Unternehmersohn ein ganz anderes Selbstbewusstsein und Lebensgefühl in der Welt als die Arbeitertochter. Trotzdem sind sie enge Freunde. Dies ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern eher eine Studie über Klassismus und das Verhältnis von Reich und Arm. Und über Freundschaft.
Ich habe es verschlungen. Ein großartiges Buch, auch wenn nicht alle Fragen geklärt werden. Aber das ist im Leben ja auch nicht anders.
Reizlos
Schwarzer September von Sandro Veronesi
Gigio erzählt die Geschichte des Sommers, als er zwölf Jahre alt war, und an dessen Ende seine Familie für immer zerstört wurde. Er ist ein Einzelgänger, der sich für Sport interessiert und sich mit allen möglichen Disziplinen gut auskennt. Selber betreibt er aber keinen Sport. Er begeistert sich für die Olympischen Spiele 1972 und für Sammelbildchen, und er verliebt sich zum ersten Mal.
Der Stil ist flüssig und gut zu lesen. Das braucht es auch, denn die Geschichte selbst ist reizlos. Obwohl gesagt wird, dass noch etwas Schlimmes kommt, wird in keiner Weise Spannung aufgebaut. Es ist ein ganz normaler Sommer, das Geschehen plätschert vor sich hin. Die Geschichte funktioniert auch nicht als Coming-of-Age-Story, denn der Protagonist erlebt keine Entwicklung, höchstens eine leichte Irritation, die ein Entwicklung roch sich ziehen könnte. Er ist ein ganz normaler Junge kurz vor der Pubertät, dem bis zur Katastrophe nichts Ungewöhnliches widerfährt.
Auch als diese endlich da ist, kommt die Geschichte immer noch nicht in Gang. Im Gegenteil: Sie endet. Das ist etwas enttäuschend.
Chaotisch
Die Enthusiasten von Markus Orths
Es geht um ein Buch. Das zehnte Buch von Laurence Sterne ist angeblich aufgetaucht und eine Gruppe Fans will es unbedingt haben. Im Zentrum dieser Gruppe steht Vince Bär, über dessen buchverrückte Eltern und Geschwister ebenfalls berichtet wird.
Von einer Geschichte kann man hier kaum reden. Es sind Erzählungen, Erinnerungen, Assoziationen, weiter gedachte Ideen, Zitate aus Büchern.
Die Sprache ist ausgefeilt und selbst immer wieder Thema. Das Ganze mäandert und wächst sich weitschweifig aus. Doch es liest sich trotzdem flüssig und leicht. Die Personen sind genauso schräg wie der ganze Text, der so viele einzelne Geschichten enthält. Es ist ein Abenteuer, das zu lesen.
Völlig hingerissen war ich, als zum Ende hin sich doch noch alles rundet, alle Fäden verknüpft werden und es trotz der äußerst chaotischen Erzählweise mit einem ganz neuen Aspekt doch noch eine Auflösung gibt. 5 Sterne!
Sinnlich
Halber Stein von Iris Wolff
Sine stammt aus Siebenbürgen, was die meisten wohl erst einmal googeln müssen. Nun ist ihre Großmutter verstorben, und sie reist mit ihrem Vater in die alte Heimat, um Abschied zu nehmen.
Heimat ist das zentrale Thema des Romans, in dem sonst nicht viel passiert. Es werden Kindheitserinnerungen geschildert, meist sehr sinnlich, die eng mit der Landschaft verbunden sind.
Erinnerungen und Gegenwartseindrücke gehen dabei absatzlos ineinander über. In den poetischen Naturbeschreibungen vermischen sich Gedanken und Träume mit Sines Suche nach eigener Identität. Sie ist gerade mit dem Studium fertig und hat noch nicht entschieden, was sie weiter machen möchte. Sie führt Gespräche mit Menschen, die sie kaum kennt, und die ihr von ihrer Herkunft erzählen. Das wird manchmal auch philosopisch.
Insgesamt ist das nicht leicht zu lesen. Für soviel Nachdenklichkeit, Sinnsuche und auch Poesie muss man schon etwas Geduld haben. Menschen, denen Heimat aktuell ein wichtiges Thema ist, könnten hier Inspiration finden. Auch wenn sie nicht aus Siebenbürgen stammen.
Etwas unklar
Spielverderberin von Marie Menke
Sophie, Lotte und Romy sind Schulfreundinnen in einem kleinen Dorf. Vier Jahre später haben sie fast vollständig den Kontakt zueinander verloren und treffen sich erstmals wieder. Sophie erzählt in Ich-Form.
Die Personen sind lebensnah und glaubhaft geschildert, der Stil ist sehr angenehm zu lesen.
Sophie muss eine Menge Verwirrungen durchstehen: will sie weiter auf dem Land leben oder in die Stadt ziehen? Ein Studium aufnehmen oder eine Ausbildung anfangen? Ist sie homosexuell? Nicht nur Sophie weiß nicht, was sie will, muss in dieser Lebensphase aber wichtige Entscheidungen über ihr Leben und ihre Zukunft treffen. Was sie wirklich ausbremst, wird aber nicht klar. Die Freundinnen sind einander da keine Hilfe.
Immer wieder wird Spannung aufgebaut. Irgend etwas ist passiert, das die Beziehungen der drei belastet. Eine von ihnen ist offenbar psychisch krank, es gibt Schuldgefühle, deren Ursache nicht erklärt wird.
Eine richtige Auflösung gibt es nicht. Auch eine gute Entscheidung, mit der alle leben können, wird nicht getroffen. Wie im richtigen Leben.











