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Rezensionen von Krani:

Spannender Kreuzfahrt-Thriller

Kein Land in Sicht von Christina Pertl

Die Hauptperson erwacht ohne jede Erinnerung auf einem Kreuzfahrtschiff. Wir begleiten ihre Versuche herauszufinden, wer sie ist und worin ihre Aufgabe besteht. Die zweite Hauptperson befindet sich in einer äußerst misslichen Lage, und sie weiß sehr genau, wer sie ist und welches Verbrechen es hier aufzuklären gilt.

Nur wir als Lesende müssen noch etwas warten.
Das ist schon vom Konstrukt her sehr auf Spannung ausgelegt. Ein typischer Thriller, in dem die Gefahren wachsen, Verbündete sich als Verräter entpuppen und die Protagonistin in kleinen Schritten entdeckt, worum es hier geht und was sie zu tun hat. Der Stil ist knapp aber flüssig, es gibt keine umfassenden Schilderungen und Beschreibungen. Es geht ausschließlich um Spannung, und das funktioniert auch.
Die Gäste auf dem Kreuzfahrtschiff sind etwas grob gezeichnet. Fast alle Passagiere sind unsympathisch und lenken nicht von der Entdeckungsreise der Protagonistin ab. Allerdings habe ich mich gefragt, ob sie nicht mehr wissen müsste aus ihrem früheren Leben, trotz Amnesie. Den Text von Bohemian Rhapsody kennt sie schließlich auch noch. Aber erst als sie ihren Namen und ihre Aufgabe wiederfindet, gewinnt sie auch menschlich an Profil.
Eine gelungene Spannungsgeschichte für entspannte Lesestunden.

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Komplex

Das große Spiel von Richard Powers

Es beginnt mit einer Gottheit, und dann startet das große Spiel des Lebens auf unserer Erde – im Wasser. Dann geht es um vier Personen, die zunächst jeder für sich eine Persönlichkeit entwickeln, erwachsen werden und dann aufeinander treffen.
Die Geschichte geht viel zu langsam los und erschließt sich auch nach zweihundert Seiten nur sehr zögernd.

Nun kommen die vier Hauptpersonen auf der Pazifik-Insel Makatea zusammen und eine neue Herausforderung kommt auf sie alle zu.
Einzelne Szenen zu lesen, macht wirklich Freude, der Stil ist einfühlsam und sehr flüssig. Beeindruckend sind die Tauchgänge, in denen Evie die seltsamen Wesen schildert, die dort in der Tiefe leben. Aber allzu schnell und sehr konsequent wechselt der Autor immer wieder zu ganz anderen Szenen, und auch in ganz andere Zeiten und Mileus. Die junge Evie braucht nur ein paar Dutzend Seiten, um eine alte Frau zu werden. Da muss man beim Lesen immer gut im Blick haben, wo und wann man sich gerade befindet. Ich hatte „Der Klang der Zeit‟ gelesen, deshalb war ich neugierig auf das neue Buch von Powers. Es ist mir zu kompliziert.
Eher etwas für Literaturstudiere im höheren Semester.

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Grenzen der Wahrnehmung

Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig

Grace ist pensionierte Mathematiklehrerin. Sie hat Ehemann und Sohn verloren und führt ein trauriges, trostloses Leben. Überraschend erbt sie ein Haus auf Ibiza und fährt hin, um es sich anzusehen. Hier trifft sie auf ein Wesen von einem anderen Stern.
Wie schon in früheren Werken setzt der Autor Science-Fiction und Fantasy ein, um Fragen zu stellen: Was zeichnet das Leben aus? Was macht es zu etwas Besonderem? Wie kann man Heilung finden?
Für mich hatte das durchaus einen Sog.

Die rationale Mathematikerin ist ein glaubhafter Charakter und der Esoterik vollkommen unverdächtig. Gemeinsam mit ihr erleben wir Erstaunliches. Sie erfährt eine fundamentale Veränderung hin zum Besseren.
Was Grace auf Ibiza erlebt, regt zum Nachdenken an. Eine gute Geschichte ist es außerdem. Empfehlenswert für Inselfans und Freunde der Fantastik.

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Der böse Wolf

Lupus von Tibor Rode

Jenny ist Tierärztin und lebt mit ihrem Vater auf einen Hof in der Nähe von Greifswald. Eines Tages ist ihr Vater verschwunden. Dann wird sie gerufen, um eine Herde Schafe, von denen die meisten von einem wilden Tier gerissen wurden, zu untersuchen. War das etwa ein Wolf? Schon sind wir mitten drin in einer Geschichte um wilde Tiere, Nachzuchten und den Schutz der Natur.

Es geht zurück bis in die alte DDR. Da es auf der anderen Seite um Jennys familiäre Herkunft geht und dann auch noch eine Liebesgeschichte hinzukommt, wird das Ganze nicht nur lang sondern auch überfrachtet. Da ging mir unterwegs die Spannung verloren.
Wir haben hier einen fesselnden, höchst professionell erzählten Thriller. Die Personen sind nicht allzu komplex, aber zumindest Jenny ist sympathisch genug, dass man ihr gerne folgt. Sie trägt allerdings nicht über die ganze, lange Geschichte. Und das ist das Dilemma: Für einen Thriller ist das Ganze zu überladen, für einen erzählenden Roman aber sind die Personen zu flach.
Mit dem Lektorat war ich nicht so zufrieden. So sind zum Beispiel an einer Stelle die Protagonisten schon per Du, obwohl das erst später dran ist.
Vielleicht hätte Rode sich mehr fokussieren sollen und ausführlicher in ein oder zwei der Themen einsteigen können. So ist einfach alles zuviel.

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Weltverbesserung im Alltag

Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen? von Till Raether

Till Raether ist Journalist und Krimiautor. Ein hat bereits einen erfolgreichen Essay über Depressionen veröffentlicht. Nun also Hoffnung.
Unsere heutige Welt ist so komplex, dass man sich an vielen Stellen fragen muss, was es eigentlich nützt, wenn man sich engagiert. Wenn man zum Beispiel klimaneutral lebt oder vegan, hilft das wirklich irgendwem? Wenn man nichts bei Amazon bestellt und auch nichts bei Kik und Primark kauft, verändert sich deswegen irgendetwas?
Raether stellt Fragen, die sich heutzutage viele Menschen stellen.

Einfache Antworten gibt es nicht. Aber es gibt Hoffnung. Was das genau bedeutet, darüber denkt er hier ausführlich nach. Seine Quellen sind die Literatur (wie Emily Dickinson) und allgemein zugängliche Zeitschriften und Bücher. So gibt ein Vaclav Havel zugeschriebenes Zitat Anlass zum Nachdenken: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht sondern dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
Die meisten Überlegungen hat man schon einmal irgendwo gelesen oder mit anderen ausgetauscht. Durch die persönliche Herangehensweise und die zahlreichen Anekdoten ist das Buch flüssig zu lesen, zumal es nicht lang ist und die Kapitel kurz sind. Es kann helfen, einige Fragen in ein realistisches Licht zu rücken. Neues bietet es nicht.

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Superkräfte! Neues und Bekanntes aus der Welt der Vögel

Die Superkräfte der Vögel von Silke Hartmann

Die Autorin will die Welt für die Vögel besser machen. Deshalb teilt sie ihre Faszination im Internet und jetzt auch in diesem Buch. Sie ist Autodidaktin und gibt ihr Wissen als selbst Erlerntes weiter.
Schon die allererste der aufgezählten Superkräfte zeigt eine andere Herangehensweise an das Thema, als man es von anderen Sachbüchern gewohnt ist: Verzaubern.

Vögel verzaubern. Dies ist keine Listung von Arten oder Familien, hier steht das Staunen im Mittelpunkt. Es geht um die besonderen Kräfte und Fähigkeiten, die die Vögel, Nachfahren der Dinosaurier, im Laufe einer langen Evolution entwickelt haben. Teilweise werden sie mit denen von uns Menschen verglichen, was der Anschaulichkeit dient. Andere Eigenschaften sind nicht vergleichbar, wie zum Beispiel die Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes, die den Zugvögeln bei der Orientierung hilft. Eine echte Superkraft ist, dass sie heilen können, denn Vogelgezwitscher ist nachweislich gesundheitsfördernd für uns.
Aufgelockert wird der Text durch Fotos und Zeichnungen sowie ein Layout mit Rufzeichen und Hervorhebungen, die das Erstaunliche noch einmal betonen. Auf Schemazeichnungen, Diagramme und Tabellen kann verzichtet werden.
Ein Sachbuch voller Faszination. Aber nicht alles ist neu. Manches ist eher dem besonderen Blick der Autorin aufgefallen. Und für die, die bereits einiges wissen über die „Superhelden“, gibt es auch viel Bekanntes.

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Ganzheitlich

Was ein gutes Leben ausmacht von Gladys McGarey

Die Autorin ist studierte Ärztin der Schulmedizin und hat sich ihr Leben lang in den verschiedensten „Grenzbereichen“ weiter gebildet. Aus siebzig Jahren ärztlicher – ganzheitlicher – Praxis hat sie sechs Grundregeln für ein glückliches Leben abgeleitet, die sie hier beschreibt.
Dass das Behandeln von körperlichen Symptomen allein oft nicht ausreicht, um gesund zu werden, ist heute keine ganz neue Erkenntnis mehr.

Immer sollte der ganze Mensch behandelt werden. Aber was ist tatsächlich wichtig, um ein gutes Leben zu haben, um gesund und glücklich zu sein? Die Autorin gibt Antworten und Anleitungen.
Die Sprache ist einfach und gut zu verstehen. Es gibt zahlreiche Beispiele, teilweise aus dem Leben der Autorin selbst und teilweise aus ihrer Praxis. Sie illustrieren sehr gut, sind aber manchmal etwas langwierig zu lesen.
Auch die sechs Grundregeln sind ohne Medizinstudium durchaus verständlich und eigentlich auch naheliegend. Sie lenken den Blick auf Dinge, die wir wichtiger nehmen sollten.
Ein kluges Buch einer erfahrenen Ärztin.

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Fäkalien im Miteinander

Shitmoves von Iris Gavric; Matthias Renger

Das unappetitliche Titelbild ist abschreckend, aber es illustriert das Thema: Shit Moves sind Verhaltensweisen, die die zwischenmenschliche Kommunikation verderben. Es geht um Manipulation in Gesprächen die das Ziel haben, einen lösungsorientierten Austausch zu vermeiden.
Gavric und Renger produzieren einen Podcast, in dem sie humorvoll auf Themen eingehen, die in der zwischenmenschlichen Kommunikation Schwierigkeiten machen.

Hier sind die ShitMoves wohl entstanden: im Miteinander.
Gelistet sind 20 rhetorische ShitMoves, und jeder einzelne wird detailliert dargestellt und analysiert. In der Zusammenfassung gibt es eine genaue Anleitung, wie man den jeweiligen ShitMove anbringt und auch, wie man auf ihn antwortet. Beispiele aus Streitgesprächen, die sicherlich jeder schon einmal so erlebt hat, illustrieren, was gemeint ist. So ist ein persönlicher Angriff anstelle einer konstruktiven Bemerkung der ShitMove Nummer 1 in diesem Buch. Nach den rhetorischen folgen die wortlosen ShitMoves, ein Verhalten, das den Gespächspartner diskreditiert, ohne viel sagen zu müssen – Gavric und Renger vergleichen es mit Pupsen.
Generell geht es darum, Manipulationstechniken im Gespräch erkennen und sich dagegen wehren zu können. Das ist gelungen, aber genügen wird es nicht. Denn wer gar nicht kommunizieren, sondern eine Auseinandersetzung gewinnen will, dem ist jeder Shit recht.
Eine interessante und oft witzige Lektüre für Menschen, die täglich kommunizieren müssen.

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Bewegende Nachkriegsgeschichte um zwei Bäuerinnen in einem einsamen Dorf

Als wir an Wunder glaubten von Helga Bürster

Unnenmoor liegt in Ostfriesland. Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs warten die Bäuerinnen Anni und Edith noch immer auf die Rückkehr ihrer Ehemänner, die in Russland gekämpft haben. Schließlich kehrt einer zurück.

Die Atmosphäre in diesem Buch ist so düster wie die lichtlosen Katen, in denen die Menschen leben, denn Strom gibt es noch lange nicht.

In der Nähe des Dorfes stand eine Baracke, in der Zwangsarbeiter lebten, wie jeder im Dorf wusste. Der Krieg kam den Menschen also sehr nah. Die Überlebenden sind verstört und traumatisiert, sie suchen nun nach Orientierung, begleitet von Aberglauben. Zwischen Arbeit, Kirche und Kneipe erscheint das Leben eng und aussichtslos.

Mir gefielen die dichte Atmosphäre, die glaubhaften Figuren und die begreifliche Handlung, die zum Schluss fast in eine Katastrophe mündet. Gerade die emotionale Schilderung der Personen macht es leicht, ihnen zu folgen und sie zu verstehen. Die häufig gesprochene Mundart lässt das Ganze noch authentischer wirken.

Eine bewegende Geschichte, dicht erzählt und mit einem versöhnlichen Ende im Heute. Es ist der dritte Roman der Autorin.

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Fremdartig

Be Your Own Healer von Susanne Korasani

Die Autorin arbeitet seit zehn Jahren als Phytotherapeutin in eigener Praxis. Hier stellt sie die Korasani-Heilmethode vor. In ihrem „holistischen Heilkonzept“ geht es darum, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Hier beschreibt sie nicht nur Heilpflanzen, sondern auch die Themen Entgiftung, Ernährung, Bewegung, das richtige Atmen und die innere Haltung.

Jedes Kapitel endet mit konkreten Anwendungstipps.
Die Tipps, die das Buch bietet, sind zum großen Teil sehr fremdartig für uns. In unserer Kultur isst man Brot zum Frühstück oder Brötchen, gerne mit Marmelade. Dass das nicht das Gesündeste ist, ist bekannt. Aber stattdessen Miso-Suppe mit Seidentofu? Und dazu den Frühstückskaffee durch Heilpflanzentee ersetzen? Auch Kartoffeln und Tomaten sollen ungesund sein, weil es Nachtschattengewächse sind.
Es sind durchaus Rezepte dabei, die man mal ausprobieren kann. Und es gibt eine Menge Anregungen und Ideen, die zu einem gesunden Leben beitragen können. Doch insgesamt ist dies ein hochspezielles Fachbuch. Es erscheint sehr kompliziert, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Wer allgemeine und anwendbare Informationen über Pflanzenheilkunde sucht, ist mit diesem Buch definitiv nicht gut bedient. Deshalb keine Empfehlung.

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