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Rezensionen von @lust_auf_literatur:

Spannendes Hörbuch Erlebnis

Sprich mit mir von Lidia Ravera

Ich höre in diesem Hörbuch die Aufzeichnungen der über 60-jährigen Gianna, die so lebensecht und authentisch wirken, dass ich kaum glauben kann, dass es sich nicht um autobiographisches Material handelt.

Es ist nicht nur die Geschichte des Romans, die mich so in den Bann zieht, nein es ist vor allem der Schreibstil von Ravera.

Es ist wahrscheinlich der Gesamtkomplex aus dieser äußerlich unspektakulären Hammerstory und diesem Hammerschreibstil, der in jeder Zeile leuchtet.
Er leuchtet vor Lebensweisheit und Tiefsinn, kleine Wahrheiten in jedem Satz. Und trotz ihrer Lebenserfahrung wird sich Raveras Erzählerin irren. Ihre Zurückgezogenheit und ihre Selbstkontrolle wird bröckeln.

Die Schreiberin berichtet über die Veränderungen in ihrem Leben, als eine neue junge Familie in die Nachbarwohnung einzieht und ihre komplett kontrollierten einsamen Alltag durcheinander bringt.
Die junge Familie beherrscht bald in obsessiver Weise die Gedanken der Erzählerin und erschüttert ihre mühsam und teuer erworbene innere Ruhe. Der Einzug dieser Familie setzt eine Entwicklung in Gang, die das Leben von Gianna für immer verändern wird…
Genauso wie ich, teasert die Erzählerin öfter Ereignisse an, die in ihrer Vergangheit und auch in der Zukunft liegen. Damit erzeugt Ravera eine unglaubliche Spannung und Sog. Ich bin wahrhaft gefesselt.
Zum Ende hin, nimmt der Roman noch mal richtig Fahrt auf und der Schluss birgt für mich wahrhaft katharsische Momente.

Diese Geschichte ist sicherlich kein Fall für jede*n, doch mir hat das Hörbuch wirklich sehr gut gefallen und wunderbare Stunden bereitet und wenn euch meine Beschreibung auch nur dezent ansprechen, wagt einen Versuch!

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Grenzerforschend und lohnenswert

Jetzt bist du da von Sandra Hoffmann

So ganz war ich nicht vorbereitet auf dieses schwierige und disputable Thema, das Sandra Hoffmann in ihrem Roman behandelt. Und doch beschäftigt mich das Thema Verantwortung und Begehren seit längerem im weiteren Zusammenhang und wird in meinem näheren Umfeld diskutiert.

Hoffmanns Protagonistin ist Claire, eine lebenserfahrene Frau, die sich aus dem sozialen und gesellschaftlichen Netz entfernt hat und sich alleine in einer Hütte im Wald am wohlsten fühlt.

Es sind ihre Gedanken, ihr Lebensweg und ihre Entscheidungen, die Hoffmann ins Zentrum des Romans stellt.

Nach und nach erfahre ich in Rückblicken, warum Claire den sozialen Beziehungen den Rücken gekehrt hat und sie nicht mehr das Risiko einer Beziehung eingehen möchte.
Ihre sichere Welt gerät ins Wanken, als sie bei einem Waldcamp für Jugendliche, die sie leitet, den 16-jährigen Janis kennenlernt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine besondere beidseitige Anziehung und Verbindung. Nach dem Camp bricht ihr Kontakt ab, aber in Gedanken beschäftigt die Begegnung beide nachhaltig.
Eines Tages taucht Janis überraschend und unangemeldet bei Claire am Waldhaus auf…

Die äußere Handlung von “Jetzt bist du da” ist sehr reduziert, Hoffmann gestaltet ihren Roman wie ein Kammerspiel.
Es gibt zwei Handelnde und zwei Perspektiven.

Hoffmann lässt keinen Zweifel über die Gegensätze zwischen Janis und Claire und stellt sie gegenüber: der unerfahrene Jugendliche, der gerade mitten im sensiblen Prozess des Erwachsen werdens nach Orientierung sucht, und die ältere Frau, die die Welt nicht mehr romantisieren kann.

Der Charakter und die Natur der Anziehung und Beziehung zwischen Claire und Janis lotet Hoffmann tief gehend aus und geht dahin, wo es schmerzt. Sie geht in die Vergangenheit von Claire als Kind und Jugendliche und beschreibt dort eine große Scham und ihre Ursachen. Hier geht Hoffmann äußerst sensibel vor und vermeidet jede Pauschalisierung und schwarz-weiß Malerei.

Das gefällt mir, und ich empfinde es teilweise als widersprüchlich unangenehm und intim, so tief in die komplexe Gedankenwelt Claires einzudringen.
Mir gefällt der literarisch meisterliche Romanaufbau, in dem Hoffmann die Handlung und die Motive der jungen Claire in der Gegenwart spiegelt und doch verfremdet.
Der Roman lädt mich ein, in Gedanken mit den Rahmenbedingungen der von Hoffmann gewählten Konstellation zu spielen und so durch die Genzverschiebungen meinen eigenen moralischen Rahmen zu finden.

Meine persönlichen Kritikpunkte: Das ausufernde Beschreiben von Wald, Natur und Tiere setzt Hoffmann als Stilmittel ein und erzeugt dadurch die waldgrüne Stimmung einer abgeschiedenen Welt. Doch genauso wie der kammerspielartige Fokus auf detaillierte Tätigkeitsbeschreibungen, ist das in dieser Dosierung nicht so mein Ding. Es entsteht bei mir in manchem Lesemomenten der Eindruck einer schriftstellerischen Fingerübung. Die Figur und die Gedankenwelt von Janis bleiben für mich etwas blaß. Umso stärker und nachvollziehbar finde die Gedankengänge von Claire.

Für mich war das ein grenzerforschender, lesens- und lohnenswerter Roman. Die fesselnde und sensible Bearbeitung eines vielleicht schwierigen Themas aus ungewöhnlichem und mutigen Blickwinkel.

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Autobiografisches Hörbuch Highlight

Jetzt bist du da von Sandra Hoffmann

Ganz kurz habe ich gezögert, mir dieses Hörbuch zu holen, aus dem (dämlichen) Grund, dass ich dachte, alles was nach „I`m glad my mom died“ von Jennette McCurdy kommt, muss ja daneben abfallen.
Well…das tat es nicht.

Page schenkt mir mit seiner Autobiografie ein Wahnsinnshörbucherlebnis, von ergreifender Selbstoffenbarung und emotionalem Tiefgang.

Da ich die Klatschpresse und das Leben von Filmstars eher nicht so verfolge, sind mir viele Aspekte über Pages Leben neu. Z.b. dass er nicht, wie ich vermutete, ein amerikanischer Schauspieler ist, sondern in Kanada geboren und aufgewachsen ist.
Page geht in seinem Buch bis in seine frühe Kindheit zurück und zu den Anfängen seiner ersten traumatischen Erfahrungen, die sich im Laufe seines Lebens immer mehr häufen werden.
Seine Eltern trennen sich früh, und vor allem das Verhältnis zu seinem Vater und seiner dessen neuer Lebensgefährtin gestaltet sich schwierig und konfliktgeladen.
Auch das Umfeld, in dem Page aufwächst, ist zutiefst geprägt von zementierten Geschlechterrollen und heteronormativen Stereotypen.

„Ich verbrauchte meine ganze Energie, mein Unbehagen zu verstecken.“

Als die Schauspielkarriere von Page an Fahrt aufnimmt, wechselt er vom engstirnigen Provinzsetting in das Haifischbecken der Fernseh- und Kinoindustrie.

Page offenbart mit seiner Geschichte ein furchtbares frauen-, queer und transfeindliches System, das stellvertretende für Teile der ganzen Gesellschaft gesehen werden kann.

Die Autobiografie ist nicht linear erzählt, sondern Page greift auf der Zeitschiene vor und zurück, was es für mich abwechslungsreich macht und mir gut gefällt. Dadurch bekommen machen Erlebnisse eine zusätzliche, besondere Tiefe, weil sich die Bewertung und Deutung in der Retrospektive oder im Vorgriff ändern.

Die Fähigkeit und den Mut Pages so offen über seine verletzlichsten Zeiten zu schreiben, beeindrucken und bewegen mich sehr! Auch über seine Sexualität, seine Körperdysphorie und seine Missbrauchserfahrungen schreibt Page ausführlich und aufwühlend offen.
Er beschreibt eindrücklich welche Schwierigkeiten und Hindernisse er mit seinem queeren Outing überwinden musste. Die aber noch in keinster Weise mit den Beschämungen und Anfeindungen zu vergleichen sind, die Page nach seinem Outing als Trans erleben musste.

Pages Geschichte geht mir nahe und und unter die Haut.

Es berührt und inspiriert mich sehr, dass Page trotz dieser alarmierenden Anfeindungen, seine Stimme und Sichtbarkeit dafür nutzt, sich für Menschlichkeit, Toleranz und Liebe stark zu machen.

Für mich war „Pageboy“ erneut ein autobiografisches Highlight, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann!

Eingesprochen wird das Hörbuch sehr authentisch und mitreißend von Jonathan Perleth.

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Lesenswert und abgründig

Die schönen Jahre von Teresa Ciabatti

Mit „Die schönen Jahre“ von Teresa Ciabatti habe ich die Stimme einer bekannten und preisgekrönten Autorin in der Hand.

Und zwar einen äußerst wahrhaftigen, schonungslosen Roman mit einer äußerst zweifelhaften Erzählerin.

Ciabattis Erzählerin ist eine berühmte Schriftstellerin (zu oft wiederholt und betont um glaubhaft zu sein) Ende Vierzig, in den Wechseljahren und mit Vergangenheit.

Als Teenagerin ist sie mit Frederica befreundet. Die Freundschaft ist mit ambivalenten Gefühlen besetzt und eine Notgemeinschaft.

„Auf dem Teppich in deinem Zimmer will ich du sein, gib mir die Hand.“

Die beiden Jugendlichen, eine reich und eine arm, eint der Wunsch, attraktiv genug zu sein, um dazu zugehören.

So attraktiv wie Fredericas Schwester Livia, der feuchte Traum dreier Männergenerationen. Auch das mehrfach wiederholt.
30 Jahre später treffen sich die Wege der beiden einstigen Freundinnen wieder. Die Leben der beiden Frauen haben sich sehr verändert. Die arme Erzählerin ist eine berühmte, geschiedene Schriftstellerin geworden und hat eine erwachsen Tochter. Frederica kümmert sich um ihre mittlerweile geistig behinderte Schwester Livia.

Wie wurde aus dem einstigen Männertraum eine verwirrte Person, die ständiger Aufsicht und Pflege bedarf?

Eher langsam und unzuverlässig lässt Ciabatti ihre Erzählerin aufdecken, was damals geschah und wie die Freundschaft der beiden wirklich endete.
Ciabatti greift in ihrem Roman verschiedene Themen auf, doch nicht alle offenbaren sich sofort gleichermaßen. Da ist der Konflikt der Erzählerin mit ihrer erwachsenen Tochter, die sie nicht mehr sehen will. Zuviele Fehler machte sie einst als Mutter mit narzisstischer Neigung.
Vordergründig scheint die Erzählerin eine egomanische und im sich selbst kreisende Figur, doch Ciabatti lässt sie offen und schrittweise offenbarend erzählen, sodass ich dahinter eine große Verletztheit erahne. Und eine zutiefst menschliche Suche nach Liebe und nach einem gesehen werden, die allem zu Grunde liegt.

„Der Wunsch, vergewaltigt zu werden, entführt zu werden, die verzweifelte Sehnsucht, bei irgendetwas die Hauptperson zu sein.“

Schriftstellerisch und stilistisch finde ich hier großes Kino. Ich mag Ciabattis wiederborstigen und schwer eingängigen Schreibstil. Sie lässt ihre Erzählerin mich als Leser*in direkt ansprechen und erwischt mich kalt in meinen Gedanken.
Kleinere Abstriche muss ich beim Unterhaltungsfaktor machen. Ja, manche Stellen sind schwierig und erschließen sich nur durch freie Assoziation. Das ist anstrengend und einige Deutungsoptionen bleiben mir sicher verschloßen.

Ein lesenswerter, abgründiger Roman, in dem der Wahrheitsgehalt über die Vergangenheit und der Gegenwart faszinierend verschwimmt und nur noch meiner eigenen Deutung überlassen bleibt.

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Unvergesslich und intensiv: ein Hörbuch Highlight

Die Postkarte,2 Audio-CD, 2 MP3 von Anne Berest

Ich zögere noch, meine Worte für diese Rezension zu wählen. Die Angst, diesem Roman nicht gerecht zu werden, lähmt mich. Ich möchte so gerne klar machen, wie sehr und wie emotional mich dieses Hörbuch berührt hat!
Eine solch gelungene Mischung aus spannender Spurensuche, Zeit- und Familiengeschichte und Selbsterkundung finde ich sonst selten.

Zudem von Berest in einer literarischen Form und einem solch gelungenen Aufbau ausgearbeitet, dass ich mich unmöglich entziehen kann.

Eine Postkarte mit den Namen von vier Angehörigen Berests, die in Ausschwitz ermordet wurden, wird 2003 an ihre Mutter geschickt, ohne Absender oder weitere Information.

Ephraim
Emma
Noemie
Jacques

Berests Mutter Lelia konnte in der Vergangenheit schon einige Informationen über die tragische Geschichte der jüdischen Familie Rabinowicz ihrer Mutter Miriam sammeln. Ursprünglich aus Russland stammend, zwingen Anfeindungen und Restriktionen die Familie schon lange vor der Nazi Zeit auf eine Wanderschaft durch Europa.
Ein generationenüberspannendes Trauma, das bis heute anhält.
Schließlich landet die Familie Rabinowicz in Paris, Frankreich, wo die beiden Schwestern Miriam und Noemi in die gleiche Schule gehen, die auch Anne Berest Jahrzehnte später besuchen wird.
Doch die Familie ist den Anfeindungen nicht entkommen, wie eine Krankheit breitet sich der National Sozialismus bis nach Frankreich aus. Und mit ihm seine Verbrechen und Grausamkeit, die nicht mit der Menschlichkeit vereinbar sind und unsere Vorstellungskraft und unsere Herzen sprengt.

Anne Berest vermischt die Spurensuche mit der Erzählung des Schicksals ihrer Familie. Es ist die Geschichte von Ephraim, Emma, Noemi und Jaques, aber auch die Geschichte ihrer Großmutter Miriam, ihrer Mutter Lelia und ihre eigene Geschichte. Während Berest versucht den Ursprung der Postkarte zu ermitteln, muss sich selbst mit ihrer eigenen Identität als Jüdin auseinandersetzten und lässt mich an ihren Gedanken teilhaben.

Es ist für mich ein sehr schmerzhaftes Hörbuch und es schnürt mir mehrmals die Kehle zu. Kaum zu ertragen die Schilderungen der Situation der Mütter mit ihren Kindern in den Deportationslagern in Frankreich, oder die der, aus den Vernichtungslagern zurückkommenden zerstörten Körpern und Seelen. Dabei ist Berests Schreibstil nie lenkend, sondern bewahrt eine neutrale Distanz, die umso mehr Kraft entfaltet, da sich meine Gefühle aus meiner eigener Vorstellungskraft nähren können.

Anne Berest schreibt mit ihrem Roman gegen das Vergessen. Eine Geschichte, die mir tief unter die Haut geht und so bei mir für lange bleiben wird!

Das Hörbuch wird von Simone Kabst in einer Art gelesen, dass ich fast glaube, Anne Berest selbst erzählt mir diese Geschichte.
Ein Erlebnis und eine unbedingte Hörbuchempfehlung!

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Luftige Geschichte vom Neuanfang und Loslassen

Wo du mich findest von Anne Barns

Und wieder ein Roman mit dem Cover Hype Schwimmen. Auch im Roman spielt das Wasser und das Schwimmen eine wichtige Rolle.
Nach meinem Leseverständnis steht es sinnbildlich für Loslassen und Neuanfang.

Und einen Neuanfang braucht Sophie dringend nach zwei großen Verlusten in ihrem Leben.
Bei einem kurzen Aufenthalt auf Rügen hat sie eine sehr kurze Zufallsbegegnung mit einem Mann, der sie danach in ihrem Träumen verfolgt.

Sie richtet all ihre unerfüllten Sehnsüchte auf diesen Mann, den sie nur wenige Augenblicke getroffen hat und von dem sie nicht einmal den Namen kennt.
Natürlich merkt Sophie, dass sie massiv projeziert, sie kann und will den Trost der Träume aber nicht aufgeben.
Währenddessen zerbricht ihre Ehe, die schon länger nicht mehr lebendig war und sie beschließt nach Rügen zu fahren und den unbekannten Mann ihrer Träume ausfindig zu machen.
Die Autorin arbeitet schön heraus, dass es bei dieser Suche nicht (nur) um eine romantische Schwärmerei geht.
Sophie ist auf der Suche nach sich selbst. Durch die letzten Schicksalsschläge fühlt sie sich aus der Bahn geworfen und kann sich selbst nicht mehr finden.

Trotz dieser vielversprechenden Ansätze bleibt „Wo du mich findest“ für mich nur eine leichte Urlaubslektüre und geht mir nicht unter die Haut.
Das liegt eher weniger an den (zu) sympathisch ausgearbeiteten Figuren, als an den eingestreuten…Kalendersprüchen der Lebensweisheiten („Du musst nur an dich glaube, Sophie“), was die Lektüre leider für mich manchmal ins Triviale abrutschen lässt. Auch die Geschichte an sich habe ich so oder ähnlich schon öfter gelesen und bietet mir außer netter Unterhaltung nichts wirklich Neues. Wenn ich meine strenge feministische Messlatte anlegen würden, hätte ich sicher noch weitere Kritikpunkte.

Der Schluss ist wunderbar rund und perfektioniert mit seinen zarten Andeutungen diese luftige Geschichte vom Neuanfang und Loslassen, reicht mir aber persönlich nicht, damit ich den Roman in bleibender Erinnerung behalten werde.
Aber das muss ja auch nicht immer sein.

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Lesenswert und intensiv!

Idol in Flammen von Rin Usami

Die asiatische Idol-Culture, wie ich sie schon öfters in Dokus gesehen habe, fasziniert und irritiert ich gleichermaßen. Deswegen wollte ich den Roman „Idol in Flammen“ unbedingt lesen!

Atari, die junge Protagonistin, steckt mitten der sensiblen Phase des Erwachsenwerdens und Seins. Vom Elternhaus und der leistungsorientierten Gesellschaft fühlt sie einen Druck, dem sie sich nicht gewachsen sieht.

Sie fühlt sich ANDERS als alle anderen, eine (mutmaßliche) Neurodiversität verstärkt dieses Gefühl der Isoliertheit.
Atari lebt in einer der vielen Gesellschaften, in der es salonfähig ist, die große Entfremdung vom Selbst durch verschiedene Surrogate zu lindern.
Die große Lücke von Sinn und Lebenszweck in ihrem Leben füllt Atari mit ihrem Idol Masaki, einem Mitglied einer bekannten J-Pop Band.

„Masakis Fan zu sein ist das Zentrum meines Lebens, die eine Konstante. Mein Idol ist meine Körpermitte, meine Wirbelsäule.“

Das Fan sein gibt ihr die Motivation, morgens aufzustehen, zur Schule und zur Arbeit zu gehen und das Leben irgendwie zu ertragen.

Doch was, wenn sich dein angebeteter Gott als fehlbarer Mensch erweist? Wenn das Bild Risse bekommt und in Flammen aufgeht?

Besonders gut gefällt mir an diesem kurzen Roman, dass die Autorin Rin Usami selbst sehr jung ist, und ihre Beschreibungen nicht durch jahrelangen Abstand gefiltert oder verfälscht werden, sondern sich unglaublich direkt und nah dran lesen.
Meine eigenen Jahre als junge*r Erwachsene*r liegen schon eine Weile hinter mir. Diese intensiven und emotionalen Jahre haben mich extrem geprägt, wie keine andere Periode in meinem späteren Erwachsenenleben mehr danach, und die Erinnerungen daran werden durch diesen kurzen Roman wieder lebendig. Ich mag das.

Rin Usami fängt diese Suche nach Halt, Orientierung und Sinn mit ihrer verlorenen Figur wunderbar ein und das macht diesen kurzen Roman für mich besonders und persönlich. Lesenswert und intensiv!

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