Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Island :
Ein Garten, wie er sein sollte
Slow Gardening von Elisabeth Grindmayer; Stephanie Haßelbeck
Das Titelbild mit dem bunten, dicht bewachsenem Garten und der reichen Ernte hat direkt mein Interesse geweckt. Der Begriff "Slow Food" ist mir bereits aus dem Bereich der Gastronomie im Sinne von Nachhaltigkeit ein Begriff und hier ist er nun auf den Gartenbereich übertragen. Im Prinzip kann man sagen, dass damit so etwas wie die Küchengärten und bunten Bauerngärten, wie sie früher noch viel häufiger anzutreffen waren, gepaart mit Ruhezonen für Mensch und Tier gemeint ist.
Die beiden Autorinnen, die auf Instagram unter farmmade_sisters aktiv sind, haben 2016 damit begonnen, den alten Bauerngarten ihres Großvaters bei München zu reaktivieren und eine der beiden Schwestern lebt mittlerweile in Schweden, wo sie unter etwas anderen klimatischen Bedingungen ebenfalls einen Nutzgarten anlegt.
Im Buch gibt es dann natürlich auch viele ansprechende Fotos von den Gärten, den Pflanzen und der schmackhaften Ernte. Da es sich aber mehr um einen Ratgeber als um einen Bildband handeln soll, finden sich natürlich auch eine Menge Tipps, wie man selbst zu so einem bunten und in jeder Hinsicht nützlichen Garten kommen kann. Angefangen mit dem Anlegen von Beeten, über die Bodenpflege, zu halbwegs unkomplizierten Pflanzen, der Aussaat und passenden Beetnachbarn. Auch Zeitpläne, was wann gemacht werden sollte und Ratschläge zu verschiedenen Schadbildern, fehlen nicht und, für die erfolgreiche Ernte gibt es Rezepte und Tipps zur Haltbarmachung. Auch die Tierwelt und der Genuss für's Auge durch bunte Blumen werden berücksichtigt. Somit bekommt man richtig Lust, sich direkt an die Garten(um)gestaltung zu machen. Prinzipiell richtet sich das Buch eher an Gartenanfänger würde ich sagen, es liefert Basic-Informationen und viel Inspiration, den eigenen Garten bunt und naturnah zu gestalten und dafür noch mit leckerem selbst geernteten Gemüse, Obst und bunten Blüten belohnt zu werden. Dabei gilt aber immer auch der Grundsatz, auszuprobieren und nicht zu verbissen an die Sache heranzugehen, sondern den Garten auch als Ort des Genusses und der Erholung zu sehen.
Humorvoller Allgäu-Krimi mit aktuellen Themen
Lückenbüßer von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Dies ist mein erster Kluftinger-Krimi, auch wenn die Reihe schon aus einer Menge an Bänden besteht. Dennoch fiel es mir nicht schwer, in das Geschehen hineinzufinden. Das Cover hatte direkt mein Interesse geweckt, mit dem Wald und den Tieren darauf und grundsätzlich der Art der Gestaltung.
Kluftinger ist aktuell Interims-Polizeipräsident, anscheinend, ohne sich so wirklich um den Posten gerissen zu haben.
Außerdem hat er sich bereit erklärt, bei der Gemeinderatswahl auf dem hintersten Listenplatz zu kandidieren, damit die Liste voll wird. Auch diese Aufgabe führt er zunächst recht unmotiviert aus, entwickelt aber nach und nach plötzlich Ehrgeiz, um seinem Konkurrenten Doktor Langhammer eins auszuwischen. Zunächst stirbt aber ein Polizist bei einer von Kluftinger geleiteten großen Übung in den Bergen und er und sein Team müssen Herausfinden, ob es ein Unfall war oder doch etwas ganz Anderes dahinter steckt.
Für mich war der Krimi eine gute Mischung aus Kriminalfall, einer ordentlichen Dosis Humor, aber auch ernsthaften Themen, die die aktuelle Zeit prägen. So ging es auch um die konsequent Unzufriedenen und die Querdenkerszene. Auch ordentlich Lokalkolorit und zuweilen etwas Kritik an den unguten Auswüchsen des Tourismus waren vorhanden. Sowohl die Hauptperson Kluftinger als auch die verschiedensten Nebenfiguren waren überzeugend ausgestaltet. Ich konnte mir Kluftinger mit seiner pragmatischen Art sehr gut vorstellen. Aber auch die Lokal- und Ex-Bundespolitiker wurden sehr gut getroffen und die "Feinheiten" der Lokalpolitik etwas auf die Schippe genommen, ohne, dass es zu sehr in Klamauk ausartete. Etwas Spannung, was die Auflösung des Kriminalfalls angeht, war natürlich ebenfalls vorhanden.
Besonders kann ich bei diesem Allgäu-Krimi das Hörbuch empfehlen, da es einfach noch einmal einen Unterschied macht, wenn der Allgäuer Dialekt von Kluftinger authentisch wiedergegeben wird.
Zusammen sind wir stark
Stronger Than Ever (Erstauflage exklusiv mit Farbschnitt und Character Card) von Larissa Schira
Bei diesem neuen Young Adult Roman aus dem Hause GU hat mich die Covergestaltung zunächst nicht so sehr angesprochen, da sie relativ nichtssagend ausfällt. Andererseits fügt sie sich so gut in die Reihe verschiedenster Young Adult Roman ein und ist als solcher direkt erkennbar. Neugierig gemacht hat mich die Handlung und das Konzept, unter dem nun mehrere Young Adult Romane verschiedener Autor:innen beim GU-Verlag erscheinen.
Neben der Geschichte, die im Mittelpunkt der Handlung steht, geht es nämlich auch immer um psychische Probleme und darum, welche ersten Schritte unternommen werden könnten, um diese zu bearbeiten.
Josie freut sich total, dass sie ein Volontariat bei einer der bekanntesten britischen Zeitschriften für Investigativjournalismus in London ergattert zu haben. Allerdings soll sie dort dann das Social-Media-Profil der Redaktion betreuen, eine Aufgabe, die ihr eigentlich gar nicht liegt, weil sie sehr schüchtern ist. Man stellt ihr den recht bekannten und nicht unattraktiven True-Crime-Podcaster Ryan zur Seite, dessen Podcast gerade in einer kleinen Krise steckt, sodass er den Job bei der Zeitschrift gut brauchen kann. Gleich zu Beginn ihrer Zusammenarbeit sorgt dann ein spektakulärer Skandal, den die Redaktion aufgedeckt haben will, für einen riesigen Shitstorm, den insbesondere Josie und Ryan im Social Media Team ungefiltert abbekommen, was Josie zu schaffen macht. Aber auch Ryan hat neben dem nun noch weiter schwindenden Erfolg seines Podcasts eine große Baustelle in seinem Leben, die es zu bewältigen geht. Da ist es wirklich hilfreich, dass die Redaktion auch psychologische Unterstützung für ihre Mitarbeiter:innen anbietet, wenn dies von Nöten ist.
Ich fand es interessant, durch den Roman tiefere Einblicke in die Arbeit eines Podcasters und Influencers und in die Social Media Abteilung eines Verlags zu bekommen. Dabei wurde das Ganze nicht zu sehr idealisiert, sondern auch negative Aspekte spielten eine Rolle. Wobei der Verlag, in dem Josie und Ryan arbeiten, schon eher der Wunschtraum einer jeden Volontärin / eines jeden Volontärs wäre, mit einer netten Vorgesetzten, toller Ausstattung und sogar einer eigenen Psychologin. Josie und Ryan als Protagonist:innen waren mir recht sympathisch, manchmal sicher noch etwas unreif in ihrem Verhalten, aber es handelt sich schließlich um einen Young Adult Roman. Sehr gut gefällt mir das Konzept mit dem Fokus auf psychischen Problemen. Besonders Ryans Problem ist sicher vielen (jungen) Menschen bekannt und das Buch liefert zumindest erste Anstöße, wie man dem begegnen kann. Dafür hat sich die Autorin auch professionelle Unterstützung beim Schreiben geholt, was ich wichtig finde. Positiv fand ich auch, dass es keine zu explizit beschriebenen Sexszenen gab, wie es in Young Adult Romanen in letzter Zeit ja sehr oft der Fall ist. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar.
Eine Figur zu viel
Stille Falle von Anders de la Motte
Der Krimi "Stille Falle" ist der Beginn einer neuen Reihe um die Kriminalinspektorin Leo Asker, die eigentlich bald in Malmö die Leitung der Abteilung für Kapitalverbrechen übernehmen sollte, dann aber aufgrund einer Intrige in den Keller des Gebäudes zur "Abteilung für hoffnungslose Fälle" strafversetzt wird.
Aber auch dort lässt sie ihr letzter Entführungsfall nicht los, bei dem sie nach zwei verschwundenen Student:innen gesucht hat. Die beiden tauchen nämlich plötzlich als Figuren in einer Modellbahnanlage auf. Außerdem scheint es eine Verbindung zu Leos Jugendfreund Martin Hill zu geben, der mittlerweile an der Uni lehrt und sich auf verlassene Gebäude spezialisiert hat.
Mir hat dieser erste Teil der neuen Reihe, bei der auch künftig "Lost Places" eine Rolle spielen sollen, sehr gut gefallen. Leo Asker ist eine sehr vielschichtige und interessante Persönlichkeit mit ihrer Vorgeschichte, die sie bis heute verfolgt und ihrem selbstbewussten, aber nicht arroganten Auftreten. Auch der Fall blieb lange spannend, auch wenn ich irgendwann schon so eine leichte Ahnung hatte. Der Schreibstil war recht modern und zugleich gut lesbar. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf weitere Bände dieser neuen skandinavischen Krimireihe.
Wie viel Wahrheit steckt dahinter?
Between Us - Die große Liebe kennt viele Geheimnisse von Mhairi McFarlane
Roisin Walters, die Protagonistin des Romans, arbeitet als Lehrerin in der Sekundarstufe, ihr langjähriger Partner, Joe Powell schreibt Drehbücher und hat damit nun endlich Erfolg. Als sie dann sein neuestes Projekt im Fernsehen sieht, muss Roisin feststellen, dass er sich dafür anscheinend von einem traumatischen Erlebnis aus ihrer Kindheit inspirieren lassen hat, ohne das mit ihr abzusprechen.
Und auch ansonsten erinnert der Protagonist der Serie sie sehr an Joe und und Roisin fürchtet nun, dass dessen miese Verhaltensweisen auch auf wahren Begebenheiten aus Joes Leben beruhen und er eine Art Doppelleben führt.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, Roisin war mir sehr sympathisch und ihre Arbeit als Lehrerin wurde von der Autorin sehr realitätsnah dargestellt, ohne etwas zu beschönigen oder zu übertreiben. Die Handlung war abwechslungsreich und, was genau hinter der Sache mit Joe steckt, war lange nicht vorhersehbar. Der Schreibstil der Autorin ist lebendig und gut lesbar und auch eine Prise Humor ist immer wieder enthalten.
Ganz große Mode
Jil Sander. Eine Annäherung von Maria Wiesner
Der Name Jil Sander ist wahrscheinlich auch weniger modeaffinen Menschen ein Begriff, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Über die Person Jil Sander weiß man jedoch relativ wenig, da die Modemacherin die Öffentlichkeit eher scheute. Die Journalistin Maria Wiesner befasst sich in diesem Buch mit Jil Sander und ihrer Mode.
Ich fand es sehr interessant, mehr über die Mode Jil Sanders und das Unternehmen, das sie gegründet hat, sowie dessen doch recht turbulente Geschichte in den letzten Jahrzehnten zu erfahren. Es hat mich auf jeden Fall beeindruckt, wie sie ihr Ding konsequent durchgezogen hat und ihrem zeitlosen Stil treu geblieben ist. Man merkt auch, dass Maria Wiesner sorgfältig recherchiert hat, sie verweist auch immer wieder auf ihre Quellen. Über die Privatperson Jil Sander erfährt man dann (wie fast zu erwarten war) dennoch wenig, da die Designerin es sehr gut verstand, zwischen Beruflichem und Privatem zu trennen.
Für kleine und große Besserwisser
Das Klugscheißerchen von Marc-Uwe Kling
Das neueste Kinderbuch von Marc-Uwe-Kling dreht sich um "Das Klugscheißerchen". Dieses lebt im Dachboden des neuen Hauses der Familie und wird nur für Bewohner:innen sichtbar, die ebenfalls immer alles besser wissen. Und darin ist die Familie Theufel mit ihren Kindern Theo und Tina sehr gut.
Zunächst haben die beiden jüngsten Familienmitglieder eine Begegnung mit dem Klugscheißerchen, wollen dann aber unbedingt, dass auch ihre Eltern als Klugscheißer entlarvt werden.
Zusätzlich zur Geschichte gibt es witzige und ansprechende bunte Illustrationen, im Stil der Coverabbildung, von Astrid Henn, die alles auflockern, veranschaulichen und für noch mehr Spaß beim Lesen oder Vorlesen sorgen.
Durch die große Schrift und die nicht zu überladenen Seiten ist das Buch gut für Leseanfänger:innen geeignet. Ab und an findet sich aber doch mal ein recht verschachtelter Satz und auch manche Aussage der fünf Klugscheißer ist vielleicht noch nicht für jede Altersgruppe nachvollziehbar und benötigt bei jüngeren Kindern eine kleine Hilfestellung. Dafür ist das Buch aber auch für die erwachsenen Vorleser:innen recht unterhaltsam und sie erkennen sich bestimmt in der ein oder anderen Verhaltensweise wieder.
Wiedersehen
Eine halbe Ewigkeit von Ildikó von Kürthy
In diesem Roman mit dem auffällig bunten und lebensfrohen Cover widmet sich Ildikó von Kürthy einer Art Rückblick und Fortsetzung ihres ersten und sehr erfolgreichen ersten Romans "Mondscheintarif" und dessen Protagonistin Cora Hübsch, die mittlerweile gut 25 Jahre älter ist.
Coras Kinder werden nun endgültig flügge, ihre Ehe ist auch nicht mehr so glücklich und sie droht in Selbstmitleid zu versinken und stellt sich viele Fragen, auf die sie keine Antwort weiß.
In dieser Situation stößt sie auf ihr altes Tagebuch von damals, der Zeitspanne, die in "Mondscheintarif" im Mittelpunkt steht und hinterfragt noch mehr Dinge. Aber auch neue und interessante Bekanntschaften macht sie in dieser Krise.
Ich fand das Wiedersehen nach so langer Zeit sehr spannend, weil Dinge wieder aufgegriffen wurden, die damals ungeklärt blieben und man sich sehr gut in Cora hineinversetzen kann und mir auch so manches, was sie beschäftigt, bekannt vorkommt. Das ist der Verdienst von Ildikó von Kürthy, die in einem sehr anschaulichen und zugleich erfrischenden Sprachstil schreibt. So habe ich diese "Fortsetzung" nach sehr langer Zeit sehr gerne gelesen und empfehle sie gerne allen, die "Mondscheintarif" kennen oder sich gerade in einer ähnlichen Lebensphase befinden, wie Cora.
Hindernisse
GUY'S GIRL von Emma Noyes
Der Titel Guy's Girl beruht darauf, dass Protagonistin Ginny sich unter Jungs immer wohler gefühlt hat, erst unter ihren Brüdern und dann während ihres Studiums mit der benachbarten Jungs-WG, mit denen sie dann auch später zusammenwohnt. Beziehungstechnisch hat sie aber wenig Glück und will sich daher erstmal auf niemanden mehr einlassen.
Dann lernt sie Adrian über ihre Jungs kennen und kann sich zum ersten Mal wieder mehr vorstellen, aber auch er ist nicht wirklich bereit für eine Beziehung. Und dann ist da noch Ginnys Essstörung und ihre Unzufriedenheit mit ihrem Körper, was ihr Leben immer mehr beeinflusst.
Für mich persönlich enthielt der Roman etwas viel Hin- und Her und ich konnte auch nicht immer nachvollziehen, wie sich Ginny und die beiden Männer, die sie am meisten verletzt hatten, verhielten, anstatt offen für einen Neubeginn zu sein. Das trug dann auch dazu bei, dass mein Verhältnis zu den Hauptpersonen etwas distanziert blieb, was aber auch dem Schreibstil geschuldet war. Was Ginnys Essstörung angeht, schildert die Autorin diese sehr authentisch, sicher auch bedingt durch ihre eigenen Erfahrungen mit der Thematik. Manche Beschreibungen hätten für meinen Geschmack aber weniger detailliert sein dürfen, zumal sich einiges wiederholte. Auch die geschilderte Sexszene war mir etwas zu viel, hier wäre es mir lieber gewesen, mehr der Phantasie zu überlassen.
Agentin wider Willen
Bevor die Welt sich weiterdreht von Luca Brosch
Die junge Schweizer Krankenschwester und Tochter eines angesehenen Davoser Hoteliers kommt schwanger vom Einsatz in einem Lazarett zurück in ihre Heimat. Ihr Vater sorgt dafür, dass das Kind heimlich geboren und direkt nach der Geburt weggeben wird, weil er andere Pläne für seine Tochter und Angst um den guten Ruf seiner Familie hat.
Als sich Johanna die Gelegenheit bietet, ihre kleine Tochter wiederzufinden, wenn sie für den deutschen Geheimdienst spioniert, lässt sie sich auf das riskante Spiel ein. Im neutralen Davos befinden sich aber auch Agenten anderer Nationen, sogar in Johannas engsten Umfeld.
Ich fand diesen Roman sehr interessant und aufschlussreich, weil der Erste Weltkrieg einmal aus einer ganz anderen Perspektive beleuchtet wurde. Besonders gut haben mir die kurzen Rückblicke gefallen, in denen man erfahren hat, welches Schicksal die jeweilige Person dazu bewogen hat, ihre besondere Tätigkeit auszuüben. Johanna als Protagonistin, die sich nicht auf ihrer reichen Herkunft ausruht und als Krankenschwester und später auch als Spionin viel Einsatz zeigt, war mir sehr sympathisch. Nur der Schluss der Geschichte stellte mich nicht so recht zufrieden. Der Schreibstil war gut lesbar, veranschaulichte aber auch die Gräuel, die ein Krieg mit sich bringt.











