Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nishi93:
Viele Denkanreize
Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten? von Sara Weber
Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten? Selten hat mich ein Titel so sehr angesprochen, obwohl ich meinen Job sehr gerne habe und durchaus zufrieden bin.
Nur das Cover, das finde ich jetzt nicht so prall, aber der Inhalt ist ja das wichtigste.
Sara Weber greift verschiedene Aspekte der aktuellen Arbeitswelt auf und spricht das aus, was ich mir in den letzten Jahren häufiger mal gedacht habe.
Pandemie, Waldbrände, Krieg, und wir machen alle weiter wie bisher. Dabei gibt sie viele gute Denkanreize.
Einzig das Kapitel über Minderheiten hat mir nicht so gefallen, da sich hier inhaltlich widersprochen wird (einerseits wird vorgeschlagen, dass niemand mehr selbst seine Wohnung putzen sollte, andererseits wird festgestellt, dass Putzkräfte ja dann selbst keine Zeit mehr für ihre eigene Care-Arbeit haben...) und ich das Kapitel an dieser Stelle etwas erzwungen fand, es passte für mich persönlich nicht so gut in den gesamten Kontext. Ich verstehe natürlich, dass dieses Thema der Autorin am Herzen liegt, ich denke, da könnte man aber sicher ein eigenes Buch mit füllen.
Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen und ich werde sicher den einen oder anderen Vorschlag mal in einem Personalgespräch auf den Tisch bringen.
Historisch interessant
Die Siegel des Todes von Peter Orontes
Die Siegel des Todes erzählt die Geschichte von Elias, der eines Tages ohne Wissen um seine Herkunft im Schwarzwald von einem Schinder aufgenommen wird. Er hat ein kupfernes Medaillon, der einzige Hinweis auf seine Herkunft.
Der Klappentext verspricht, dass wir die Suche nach Elias' Herkunft begleiten.
Das ist am Anfang auch immer wieder präsent, dann driftet die Geschichte aber irgendwie ziemlich ab.
Elias weiterer Werdegang wird beschrieben, die verschiedenen Stationen, die er durchlebt. Dabei werden interessante Einblicke in das Leben im 14. Jahrhundert gegeben und eine zweite Perspektive, die einer jungen Frau, wird ebenfalls dazu genommen. Das ist per se nicht schlecht, ich als Leserin habe mich aber sehr oft gefragt, wo die Geschichte nun hin möchte.
Auf den letzten 100 Seiten (von insgesamt 700!) geht es dann Schlag auf Schlag, das Mysterium löst sich auf, die Relevanz des zweiten Handlungsstranges erklärt sich und am Ende steht der Leser da und denkt sich... Joa, eigentlich hätte man sich das ja denken können. Denn ohne genau diese Auflösung hätten viele viele Kapitel komplett ohne Zusammenhang da gestanden. Es hinterlässt mich ein wenig ratlos und alles in allem würde ich sagen : "war OK"
Leseabenteuer
Die Crew: Die Rückkehr zum 9. Planeten von Andreas Ulich
Die Crew ist natürlich kein klassisches Buch, daher ist es etwas schwierig, das hier zu rezensieren.
Es handelt sich um zwei Bücher mit unterschiedlichen Perspektiven eines Leseabenteuers. Am Anfang wird ausführlich das Spielprinzip erklärt und alle handelnden Personen werden eingeführt. Das macht den Start leider sehr zäh und wenig interaktiv.
Im Buch selbst liest man dann mehr oder weniger kurze Abschnitte, kann Entscheidungen für sich oder die zweite Perspektive fällen und wird von Abschnitt zu Abschnitt navigiert.
Zwischen den Abschnitten kommen ziemliche Zeitsprünge vor, dadurch ist das ganze eher wenig immersiv. Doof auf, wenn zwischen Abschnitten eigentlich Wochen vergangen sind und sich auf eine Entscheidung "von eben" bezogen wird.
Es ist leider auch sehr schwierig, einen Überblick über die Daten zu behalten, oft habe ich sie einfach übersehen.
Die Bücher selbst sind in einem leider sehr dünnen Schuber, der wohl häufiges verstauen und raus holen nicht überleben wird.
Insgesamt schon eine coole Idee, hinterlässt aber leider eher gemischte Gefühle bei mir.
Highlight!
Lightlark von Alex Aster
Lightlark führt uns in eine Welt, in der sechs Völker unter einem Fluch leiden, der ihre Fähigkeiten und Macht immer weiter schwinden lässt. Nur ein mal alle 100 Jahre haben die Herrscher der Völker 100 Tage Zeit, um den Fluch zu brechen. Der Centennial.
Protagonistin Isla ist Teil des naturverbundenen Wildfolk und ohne Kräfte geboren worden - das darf niemand erfahren.
Während des Centennial weiß sie nicht, wer Feind oder Freund ist, wer lügt oder wer die Wahrheit sagt. Das ergibt eine unglaublich spannende und mitreißende Geschichte. Die Welt ist super interessant, es gibt viele viele Aspekte die neugierig machen und so viel zu lernen.
Besonders die Charaktere finde ich extrem gelungen, auch wenn nicht alle sechs Herrscher im Detail beleuchtet wurden, hier lässt man sich definitiv noch Material für die kommenden Fortsetzungen.
Besonders das Ende hat mir extrem gut gefallen, auch wenn man den Twist zum Teil ahnen konnte.
Das Buch selbst ist wunderschön aufgemacht, ein tolles Cover und in der Erstauflage hat es einen sehr schönen farbigen Buchschnitt.
Wer mal wieder in eine high fantasy Welt abtauchen möchte ist mit Lightlark auf jeden Fall gut beraten!
Distanziert, zäh
Das Gesetz der Natur von Solomonica de Winter
Das Gesetz der Natur : ein Fantasyroman im Diogenes Verlag - huch, wie konnte das passieren?
Der Grund ist wohl der einzigartige Schreibstil der Autorin Solomonica de Winter. Dieser sorgt für eine ganz eigene Stimmung im Buch, insbesondere erzeugt er aber leider eine große Distanz zu den Charakteren.
Auch, wenn man fast 600 Seiten mit der Protagonistin Gaia verbracht hat, wird man einfach nicht warm mit ihr. Sie selbst handelt distanziert, Schlüsselpersonen bekommen teilweise nicht mal Namen, Handlungen sind oft kaum nachvollziehbar.
Dazu kommt, dass sehr häufig Foreshadowing eingesetzt wird, was dann auch noch dafür sorgt, dass an einigen Stellen die Spannung raus genommen wird.
Das Setting an sich würde ich mehr als Dystopie beschreiben, Fantasyelemente finden sich im Grunde gar nicht, nur in der Protagonistin. Das könnte dennoch sehr spannend und mitreißend sein, aber der Schreibstil verhindert leider, dass mir die Geschichte Spaß macht.
Das Ende hat mir die Geschichte dann noch komplett versauert, indem noch eine unpassend religiöse Note dazu kam.
Es tut mir sehr Leid, aber das war echt nicht mein Fall.
Unsymphatische Charaktere, langatmig
EAST. Welt ohne Seele von Jens Henrik Jensen
Von nishi93
East - Welt ohne Seele ist mein erstes Buch von Jens Hendrik Jensen. Das Taschenbuch kommt mit einem rundherum Umschlag, quasi das Pendant zum farbigen Buchschnitt. Das lässt es wertig wirken.
Inhaltlich konnte mich das Buch leider gar nicht abholen. Der Protagonist Karzinski hat ein Alkoholproblem und wirkt das ganze Buch durch absolut unnahbar und unsymphatisch.
Ja, er hat eine Vergangenheit und ein Trauma, trotzdem ist er für mich nicht greifbar. Protagonistin 2, Xenia, ist mir leider ebenso unsymphatisch und hat mich tierisch genervt.
Die Suche nach "der Witwe" war absolutes Fischen im Trüben, hatte dadurch für mich auch leider keine Spannung. Mein Highlight der Story war, als die Witwe dann Karzinski findet und ihm dabei überführt, dass er absolut ahnungslos ist.
Danach plätschert es weiter vor sich hin, keiner der Schauplätze kann mich wirklich begeistern, auch der Twist kurz vorm Ende schockt mich nicht, da ich leider keinerlei Verbindung zum Protagonisten habe und daher auch nur wenig Empathie. Nach diesem Ereignis sind aber noch ca. 50 Seiten übrig, in denen das weitere Leben der Protagonisten geschildert und die absolut unnötige Romanze weiter gesponnen wird. Puh, nee, also irgendwie war das so gar nicht mein Fall.
Nicht mein Fall
Shorty von Jörg Maurer
Shorty ist ein Mann Anfang 40, der sein Leben lang von Aushilfsjob zu Aushilfsjob hüpft. Doch dann tritt ein Alien in Kontakt mit ihm und er bekommt eine wichtige Aufgabe. Na endlich, denkt sich Shorty. Und ab geht die Luzie, dachte sich wohl der Autor.
Die Story nimmt von da an absolut abgefahrene Züge an.
Shorty lernt häppchenweise mehr über den Alien, über seine Aufgabe und über andere Lebensformen, die existieren. Dabei wird der Mittelteil langatmig und für mich war es leider absolut langweilig. Mich hat es einfach nicht gepackt, orientierungslos auf der Welle der Handlung getragen zu werden, die immer abgedrehter wurde. Der im Klappentext genannte Humor hat mir leider auch sehr gefehlt, bzw da hätte ich mir viel viel mehr gewünscht.
In Richtung des Highlights wird es dann doch noch mal spannender, Shorty flüchtet sich in andere Dimensionen, trotzdem bleibt alles schwer greifbar, oft schwer vorstellbar (ja, schon klar, Aliens, trotzdem war es für mich teilweise echt zäh).
Das Ende, besonders das letzte Kapitel war dann auch noch sehr finster und hoffnungslos, auch wenn es einen Bogen schlagen soll, hinterlässt es bei mir einen eher deprimierenden Nachgeschmack.
Für mich leider eine Enttäuschung.
Toller Anfang & Ende, Mittelteil zieht sich
Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit von Natasha Pulley
Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit - an den äußeren Hybriden im wilden Norden Schottlands gelegen, hat der Leuchtturm von Eilean Mor ein ganz besonderes Geheimnis.
Besonders schön finde ich, dass eine wahre Legende, in der Leuchtturmwärter bei diesem real existierenden Leuchtturm verschwunden sind, wohl die Inspiration für den Anfang dieses Buchs waren.
Gerade der Anfang ist auch besonders interessant und wie ich finde sehr gelungen. Sobald der Protagonist aber Joe dem Rätsel um seine Vergangenheit näher kommt, fängt es an, sich wirklich zu ziehen.
Ständig hat man das Gefühl, ein Puzzleteil zu finden, aber man kann es nicht einordnen oder die Spur verläuft sich wieder. Mit der Zeit habe ich leider auch die Symphathie mit Joe verloren, weil ich gewisse Handlungen nicht nachvollziehen konnte.
Zum Ende hin wurde es dann wieder deutlich besser. Mit dem Zeitreise-Paradoxon wird hier sehr gut umgegangen und gerade die letzten 100-150 Seiten waren dann wieder super unterhaltsam, spannend und ließen sich sehr gut lesen.
Die Auflösung am Ende ist wirklich toll geworden und versöhnt mich mit dem Buch, dessen Mittelteil mich leider fast verloren hat.
Daher: Wer es bis zum Ende schafft, wird mit einer stimmigen Auflösung und einem happy end belohnt.
Klimathriller Made in Germany
Dark Clouds von Thilo Falk
Dark Clouds - der Regen ist dein Untergang. Was ein nichtssagender und gleichzeitig reißerisch wirkender Titel. Von einem Journalisten unter Pseudonym geschrieben, verbirgt sich im Inneren doch eine wahre Perle.
Endlich mal ein Klimathriller, der ausschließlich in Deutschland spielt. Dort fängt das Wetter an, extrem schlecht zu werden.
Regen regen Regen. Klimawandel oder Wetter? Oder etwas ganz anderes?
Aus verschiedenen spannenden Perspektiven wird ein nur sehr kurzer Handlungszeitraum erzählt. Das macht es sehr sehr spannend. Auch die Schauplätze sind gut gewählt und man merkt, dass der Autor diese auch gut kennt/ gut recherchiert hat.
Natürlich handelt es sich um Fiktion und manche Handlungen wirken doch sehr konstruiert, aber darüber kann ich gut hinweg sehen, denn mich hat das Buch sehr gut unterhalten und auch zum Nachdenken angeregt. Besonders der Schreibstil hat es mir angetan : sehr modern, immer mal wieder werden Anglizismen oder Begriffe auf dem Gamerjargon genutzt, das macht die Charaktere greifbar und glaubhaft und sorgt dafür, dass das Buch auch eine jüngere Zielgruppe anspricht.
Hat mir insgesamt sehr gut gefallen.
Nichts für schwache Nerven
Blutige Stufen von Chris Carter
Blutige Stufen ist mein erster Chris Carter Thriller, daher ist diese Rezension unabhängig vom Rest der Reihe.
Das Cover ist relativ nichtssagend, aber das Genre ist immerhin erkennbar.
Das grundsätzliche Setting ist zunächst recht typisch. Ein brillanter Ermittler mit großem Fachwissen (in diesem Fall Psychologie) und sein Partner ermitteln in einem unappetitlichen Mordfall, der sich als der erste eines Serienkillers rausstellt.
Die Schilderungen sind dabei sehr explizit und blutig, das ist definitiv nichts für sensible Mägen.
Die eigentliche Ermittlung fand ich ehrlich gesagt nicht so spannend, viele Erkenntnisse stellten sich als Zufallsfunde raus. Das Finale fand ich dann auch recht vorhersehbar und die große Enthüllung am Ende auch nicht so unerwartet.
Insgesamt ein solider, brutaler Thriller. Kein Highlight, keine Enttäuschung.











