Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gerlisch:
Die Macht der Gerüche
Das Parfüm des Todes von Katniss Hsiao
Die Tatortreinigerin Yang Ning hat durch die psychische Belastung nach dem Tod ihres jüngeren Bruders ihren perfekten Geruchssinn fast komplett verloren. Nur wenn sie Tod und Verwesung erschnüffelt, gerät sie in einen wahren Rausch der Gerüche. Eines Nachts nimmt sie einen dringenden Auftrag an, der sehr kurzfristig erledigt werden muss.
Viel zu spät merkt sie, dass jemand sie in eine Falle gelockt hat. Sie reinigt einen Tatort, vernichtet alle Spuren und wird dadurch zur Hauptverdächtigen in einem Mordfall.
Leider hat mir dieser Thriller nicht gefallen. Der Plot klang sehr vielversprechend, doch die Sprache der Autorin empfand ich gewöhnungsbedürftig. Die Wechsel der Handlungsstränge innerhalb der Kapitel sind sehr verwirrend. Hier stockte mein Lesefluss und ich musste manche Absätze nochmal lesen um mich wieder zu orientieren.
Stellenweise war die Story zwar fesselnd, aber dadurch, dass ich keinen Zugang zu den Charakteren fand, verlor ich immer wieder den Faden und somit den Lesespaß.
Durch die Hintergründe von Yang Nings psychischer Belastung ist die Atmosphäre in diesem Thriller sehr düster. Nach außen erscheint sie knallhart und immer auf Krawall gebürstet, doch in ihrem Inneren ist sie sehr verletzlich. Der Verwesungsgestank ist für Yang Ning wie eine Droge, denn nur dann läuft sie zur Höchstform auf.
Wer sich zum Lesen dieses Buches entscheidet, sollte sich auf brutale Szenenbeschreibungen mit Ekelfaktor einstellen. Mein Geschmack war es leider nicht.
Eiskalt und geheimnisvoll
Tödlicher Winter von Lioba Werrelmann
Der Journalist Paul Schwarzmüller kehrt nach über 6 Monaten wieder zurück in seine alte Heimat Siebenbürgen, denn er kann die mysteriöse Maia nicht vergessen. Sie lebt auf seinem Hof, den er von seiner Tante Zinzi geerbt hat. Doch als er bei ihr anklopft, öffnet ihr frisch angetrauter Ehemann die Tür.
Als dieser am nächsten Tag tot aufgefunden wird, gerät Paul sofort unter Verdacht. Doch es bleibt nicht bei dem einen Toten und Paul beginnt auf eigene Faust mit den Ermittlungen.
Ich habe Paul bereits in seinem ersten Fall nach Siebenbürgen begleitet. Auch diese Mal ist die Story wieder sehr fesselnd und spannend. Das Buch kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Die verschiedenen, gut dargestellten Charaktere sorgen für eine interessante Handlung. Besonders Paul wirkt manchmal etwas verpeilt, er handelt oft unüberlegt und hat ein Talent sich immer wieder in Schwierigkeiten zu bringen.
Die Story punktet mit viel Abwechslung, temporeichen Handlungen und humorvollen Dialogen. Geheimnisvolle Szenen fesseln den Leser ans Geschehen.
Auch diesmal, im tiefsten Winter, hat Lioba Werrelmann eine malerische Kulisse mit viel Lokalkolorit als Rahmen für diesen sehr lesenswerten Krimi geschaffen.
Absoluter Pageturner
Finsteres Herz von Holger Karsten Schmidt
In ihrem zweiten Fall bewachen die Kriminalkommissare Frank Elling und Lona Mendt Kronzeugen in einem Safehouse. Als die Zeugen zur Staatsanwaltschaft zur Aussage gebracht werden sollen, ereignet sich ein brutales Massaker. Elling und Mendt kämpfen mit dem Tod und das 12jährige bulgarische Waisenmädchen Sarah ist spurlos verschwunden.
Der LKA beamte Hagen Dudek und Maja Kaminski von der Rostocker Bundespolizei übernehmen den Fall.
„Finsteres Herz“ kann auch ohne Kenntnisse des ersten Falls gelesen werden.
Der Autor überzeugt mit seiner sprachlichen Qualität. Er besitzt die Fähigkeit Figuren zu schaffen, die lebendig und greifbar wirken. Gut eingeflochtene private Informationen geben den Charakteren noch zusätzlich Tiefe.
Dieser geschickt konzipierte und sehr komplexe Kriminalfall ist so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. In zwei zweitversetzten Erzählsträngen wird der Leser quasi durch die fesselnden Handlungen und Dialoge gejagt, bis zu einem erschütternden Twist, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen. Obwohl der die Story im Jahr 2006 spielt, sind die von Holger Karsten Schmidt aufgegriffenen brisanten Themen immer noch aktuell und berührend.
Das Buch ist ein absolutes Krimihighlight, welches ich uneingeschränkt empfehlen kann.
Du gehörst mir
Everything We Never Said - Liebe lässt uns böse Dinge tun von Sloan Harlow
Auf der Heimfahrt von einer Party, kommt Ella von der Straße ab. Ihre Freundin Hayley, die nicht angeschnallt war, hat durch die Wucht des Aufpralls die Windschutzscheibe durchbrochen und wurde in den Fluss geschleudert. Sie wurde nicht gefunden und gilt seitdem als tot. Ella leidet seit dem Unfall sehr unter den Schuldgefühlen und dann verliebt sie sich auch noch ausgerechnet in Hayleys Freund Sawyer.
Als Ella zufällig auf Hayleys Tagebuch stößt, erfährt sie daraus unfassbare Geheimnisse, hat ihre Liebe jetzt noch eine Chance.
Aus wechselnden Perspektiven lernen wir Ella und Sawyer kennen. Ellas Schuldgefühle werden von der Autorin sehr einfühlsam und emotional beschrieben. Sawyer ist als netter Boyfriend dargestellt, der aber auch eine dunkle Seite hat. In immer wieder eingefügten Tagebucheinträgen kommt Hayley zu Wort, die uns dort an einer erschütternden Liebesbeziehung teilhaben lässt.
Mit einem fesselnden Schreibstil wird hier die Geschichte einer toxischen Beziehung geschildert, die sehr bewegt. Gefallen hat mir das Storytelling zu den wichtigen Themen Schuld, Trauer und verbotener Liebe.
Diese Mischung aus Romance und Thriller hat mir sehr gut gefallen, leider kann ich hier aber keine 5 Sterne vergeben, da die Handlung doch eher vorhersehbar ist.
Wie gut kennst du deine Familie
Nachtwald von Tríona Walsh
Nachdem Lizzie aus der Entzugsklinik entlassen wird, fährt sie mit ihrer Familie in den Westen Irlands. Es gibt etwas zu feiern, ihre Mutter hat wieder geheiratet und Butler Hall, ein etwas verfallenes Herrenhaus in einem düsteren einsamen Wald gehört ihrem neuen Ehemann George. Nachdem lange Funkstille zwischen ihrer Mutter und ihr herrschte, hofft Lizzie an diesem Wochenende den Familienfrieden wieder zu kitten.
Doch als plötzlich ein unerwarteter Gast vor der Tür steht, eskaliert die Situation und es gibt weit und breit keine Hilfe.
Mit einem fesselnden Schreibstil wurde ich sofort in die Story hineingesogen, auch die Atmosphäre in dem in die Jahre gekommenen Herrenhaus sowie der düsteren Umgebung versprachen einen nervenaufreibenden Thriller.
Die Zeichnung der Charaktere ist ganz gut gelungen, sie wirken lebendig und greifbar, allerdings keiner wirklich sympathisch. Gefallen hat mir hier die Entwicklung des in letzter Zeit gelittenen Verhältnisses zwischen Lizzie und ihrer Mutter.
Durch interessante Wendungen wird immer wieder Spannung aufgebaut und nach und nach treten immer mehr Geheimnisse ans Tageslicht. Leider wirkten manche Handlungen der Protagonisten unrealistisch, abgehoben und überzogen.
Ich habe lange überlegt, wie ich diese Story bewerten soll. Aufgrund des Unterhaltungswerts habe ich mich letztendlich für 4 Sterne entschieden, obwohl das Buch doch etwas von einem Thriller-Klamauk hatte.
Menschliche Abgründe
Blutbuße von Viveca Sten
Im tiefverschneiten Bergdorf Åre wird die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind brutal ermordet in ihrem Hotelzimmer aufgefunden. Ihr Plan, ein altes verlassenes Hochgebirgshotel in ein Luxusresort zu verwandeln, schein auf Widerstand zu stoßen. Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog beginnen sofort zu ermitteln.
Schon die ersten Sätze haben mich in ihren Bann gezogen. Durch mehrere Rückblicke erfahren wir von Geschehnissen aus dem Jahr 1973. Im Laufe der Story offenbaren sich immer mehr Verbindungen zur Gegenwart, doch nichts ist wie es scheint und so einige menschliche Abgründe tun sich auf.
Die Beschreibungen von Land und Leuten sind sehr stimmig und tragen noch zusätzlich zur atmosphärischen Spannung bei.
Gerne habe ich auch über die private Entwicklung von Hanna und Daniel gelesen. Viveca Sten besitzt einfach die Fähigkeit Figuren zu schaffen, die lebendig und greifbar wirken.
Gefallen haben mir die komplexen Ermittlungen der Kommissare und die klaren Dialoge bewirken, dass man sich hautnah dabei fühlt. Trotz der geringen Anzahl an Verdächtigen blieb der Fall konstant spannend und überraschte immer wieder durch unerwartete Wendungen.
„Blutbuße“ ist ein Muss für alle die nordische Krimis lieben.
Fürstenkriege
Die Tochter der Drachenkrone von Sabrina Qunaj
Nach dem Tod ihres Vaters gerät die junge Fürstentochter Gwenllian zwischen die Machtkämpfe ihrer rivalisierenden Brüder. Als Gruffydd sie aus politischen Gründen an einen verhassten Normannen verheiraten will, kämpft sie um ihre Unabhängigkeit.
Gwenllian ist eine mutige Frau, die keine Angst hat, sich in der damaligen durch Männer dominierenden Welt durchzusetzen.
Wir verfolgen ihr Heranwachsen von einer vorlauten bockigen 13Jährigen bis zu einer selbstbewussten Frau.
Die Autorin hat die Stellung der Frauen in der damaligen Zeit gut eingefangen. Es ist erschreckend, wie sie damals zum Spielball der Männer in ihren Machtkämpfen eingesetzt wurden. Ich habe mich in guten Zeiten mit ihnen gefreut und bei Gefahr mit ihnen gebangt.
Anfangs hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten mit den Namen der zahlreichen Protagonisten, aber durch das Personenregister am Anfang des Buches ging es dann schnell besser. Ein fesselnder Schreibstil hat dafür gesorgt, dass ich tief ins Mittelalter eintauchen konnte. Die historischen Details wurden gut recherchiert und gaben einen interessanten und spannenden Einblick in die walisische Geschichte und das angevinische Reich zur Zeit von Johann Ohneland, dem Bruder von Richard Löwenherz.
Da es sich bei diesem Buch um den Auftakt zu einem großen historischen Epos handelt, bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzung und auf Gwenllians weiteres Leben. Fans von historischen Romanen kann ich diese opulente Geschichte sehr empfehlen.
Der Schlüssel zu Excalibur
Jewel & Blade, Band 1 - Die Wächter von Knightsbridge von Anne Lück
Nach dem Tod der Mutter übernimmt Harper das Familienunternehmen, eine Goldschmiede. Eines Nachts steht der überaus gutaussehnde Archer vor ihrer Tür mit der Bitte, einen wertvollen Ring zu säubern. Bei der Berührung hat sie plötzlich eine Vision vom Tod König Artus. Harper macht sich mit Archer auf den Weg nach London um die Geschichte des Rings zu erfahren, aber auch das geheimnisvolle Rätsel vom Verschwinden ihres Vater zu lösen.
Eine tolle Story, die mich gleich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat, sie hält eine Mischung aus Fantasy, Mystic, Romance und Thriller bereit. Der Schreibstil der Autorin ist fesseld und wunderbar klar und sorgte dafür, dass ich mühelos in die fantastische Welt der legendären König-Artus-Sage abtauchen konnte.
Die magischen Fähigkeiten der Protagonisten, insbesondere von Harper, wurden super in der Geschichte verarbeitet und sorgten immer wieder für spannende Szenen. Die Darstellung und Interpretation der Legende fand ich sehr gelungen, ebenfalls die anschließende Frage, wer von den Charakteren ist gut und wer gehört zu den Bösen. Mit der krassen Wendung zum Schluss hätte ich so nicht gerechnet. Der einzige Kritikpunkt wären die teilweise gehäuften Wortwiederholungen, doch dies mindert den positiven Gesamteindruck für mich nicht.
Die Fortsetzung "Die Hüter von Camelot" muss ich auf jeden Fall auch lesen.
Kupernikus und Annabelle ermitteln
Mord im Himmelreich von Andreas Winkelmann
Der ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus ist als Vagabund mit seinem alten Wohnmobil unterwegs und kaum auf dem idyllischen Campingplatz Himmelreich angekommen, als er auch schon einen kleinen Hund retten muss, der auf einem SUP-Board auf dem See treibt. Kupernikus bekommt einen Riesenschreck als er bemerkt, dass unter dem SUP eine Leiche festgezurrt wurde.
Die Polizei geht zuerst von einem Unfall aus, doch Kupernikus ist schnell klar, es handelt sich um Mord. Mit Hilfe der charmanten Künstlerin Annabelle Schäfer macht er sich auf die Such nach dem Täter.
Andreas Winkelmann, der sonst knallharte Thriller schreibt, hat mit dem ersten Band seiner Wohlfühlkrimi-Reihe einen absoluten Volltreffer gelandet. Mit seinem gewohnt fesselnden Schreibstil entführt uns der Autor in den Mikrokosmos Campingplatz.
Die Figurenzeichnung ist einfach herrlich, Kupernikus hätte in seiner Schauspiel-Kariere so gerne eine Tatort-Rolle ergattert und fühlt sich jetzt als Hobby-Ermittler äußerst wohl. Mit der Künstlerin und ehemaligen Lehrerin Annabell an seiner Seite erlebte ich einige ziemlich schräge Szenen, die mich oft zum Lachen brachten.
Doch trotz der humorvollen Handlungen bleibt der Kriminalfall spannend und lädt zum Miträtseln ein. Einige Kapitel aus Sicht des „Beobachters“ geben einige Hinweise, doch bis zum Schluss war mir die Identität des Täters unklar.
Dieser kurzweilige Cosy-Krimi hat mir sehr gut gefallen und ich freue mich auf den nächsten Fall im Himmelreich.
Tödliche Fallen
Invictum von Danielle Trussoni
Nach einem Unfall leidet Mike Brink am Savant-Syndrom, ein Phänomen, dass ihn die schwersten Rätsel in sekundenschnelle lösen lässt. Aufgrund dieser Inselbegabung wird Mike vom japanischen Kaiser eingeladen, das Geheimnis der sagenumwobenen Drachenschatulle zu lösen. Niemand weiß was diese Rätselbox enthält und Mike hat nur eine Nacht Zeit.
Eine gefährliche Schnitzeljagd durch Japan beginnt.
Obwohl ich das erste Rätsel in „Ingenium“ bisher nicht kenne, konnte ich mich gut in das faszinierende Savant-Syndrom und die Synästhesie von Mike Brink hineindenken. Die Schriftstellerin verfügt über einen flüssigen Schreibstil und die Begabung ihre Figuren überzeugend und authentisch darzustellen. Trotzdem hatte ich einige Schwierigkeiten mich auf die Story einzulassen. Nicht nur, weil die für mich schwer lesbaren japanischen Namen den Lesefluss unterbrochen haben, auch einige Ungereimtheiten und ein paar Details die nicht zusammengepasst haben, störten mich im Verlauf der Handlungen.
Interessant und lehrreich sind die Passagen in denen die Geschichte und die Traditionen Japans dem Leser nahegebracht werden.
Ein bisschen Utopie, ein bisschen KI und raffinierte Rätsel machen diesen Thriller sehr abwechslungsreich.











