Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Karo:
Augenöffnend
Queergestreift von Kathrin Köller; Irmela Schautz
Hält man "Queergestreift" in den Händen fällt direkt auf, wie wunderschön gestaltet dieses Buch ist! Ein großes Lob an den Verlag und alle dafür verantwortlichen. Es ist schon fast zu schade, um es einfach nur in den Schrank zu stellen.
Auch der Inhalt ist sehr gelungen. Es handelt sich hier um ein Aufklärungswerk über die LGBTQIA+ Community und man bekommt einen Eindruck über die verschiedenen Personen innerhalb dieser Community.
Durch mehrere Gespräche mit Mitgliedern der Gesellschaft wird ein gelungener, tiefgehender Einblick vermittelt und man kann in das Thema eintauchen. Auch wenn man vorher kaum Berührungspunkte mit der Community hatte, bekommt man hier einen wunderbaren Einblick und versteht die Community und ihre Mitglieder sehr viel besser. Meiner Meinung nach sollte jeder Queergestreift lesen, um einen Einblick zu bekommen und dazu zu lernen.
Sehr spannend!
Flug 416 von T. J. Newman
Der Pilot Bill Hoffmann hat eben den Flughafen von Los Angeles verlassen, als er einen Anruf bekommt, der sein Leben verändern wird. Ein Entführer hat seine Frau und seine Kinder in Gefangenschaft genommen und fordert nun eine folgenschwere Entscheidung von Bill. Entweder bringt Bill das Flugzeug zum Absturz und bringt somit alle 149 Passagiere in Todesgefahr oder aber er entscheidet sich dafür, dass seine Familie vom Entführer getötet wird.
In der Maschine befindet sich ein Komplize des Entführers, der genau überwachsen soll, dass das Flugzeug abstürzt und Bill so seine Verpflichtung erfüllt. Die Maschine nähert sich New York an, während in der Luft ein Kampf um Leben und Tod entbrennt.
Es handelt sich hier um ein sehr fesselndes Werk, mit einem gelungenen Schreibstil, der Spannung schafft und einen sehr gradlinig durch das Werk leitet. Obwohl es hier zu mehreren Perspektivwechseln kommt, kann die Spannung aufrecht gehalten werden. An einigen Momenten wird jedoch deutlich, dass der Autor zu einigen Klischees gegriffen und damit sehr übertrieben hat. Es hat dem Lesefluss und der Spannung nicht gestört, aber meiner Meinung nach hätte es diese Klischees nicht gebraucht. Ich finde, dass es einige Parallelen mit anderen Werken gibt, irgendwie hat es mich an einen Fitzek erinnert. Vermutlich ist das nicht gewollt gewesen, aber die Vergleiche sind mir beim Lesen irgendwie sehr deutlich geworden. Trotz der Übertreibungen überzeugt das Werk durch eine spannende Handlung und sehr gut gestaltete Charaktere!
Bewegend
Nachtschwärmerin von Leila Mottley
In “Nachtschwärmern” lernen wir die siebzehnjährige Kiara kennen. Das junge Mädchen lebt gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Marcus in einem Apartment. Beide haben die HighSchool ohne Abschluss verlassen und versuchen sich nun durchs Leben zu schlafen - ohne Unterstützung oder Kontakt zu ihren zetern.
Kiara versucht einen Job zu finden, um ihren Bruder zu unterstützen, doch niemand möchte eine Minderjährige einstellen, weshalb Kiara sich plötzlich in der Prostitution wiederfindet. Ihr einziger Lichtblick ist der zehnjährige Nachbarssohn Trevor, um den sie sich hingebungsvoll kümmert. Bis ihr Name im Rahmen eines Skandalprozesses gegen die Polizei genannt wird.
“Die Nachtschwärmerin” ist ein unglaublich ehrliches Buch und zeigt den Kampf einer jungen Frau, die auf der Suche nach ihrem eigenen Selbstbestimmten Leben ist. Das Buch zeigt eine unglaublich düstere Welt. Nachdem Kiara in die Prostitution gerutscht ist gerät sie in die Hände der Polizei. Diese hilft dem jungen Mädchen jedoch nicht, stattdessen beginnen auch die Polizisten das junge Mädchen auszunutzen. Der Schreibstil der Autorin ist unglaublich bewegend und sehr authentisch. Es handelt sich hier um ein sehr ernstes Thema, welches angemessen aufbereitet wurde.
Perfekter Einstieg
Perfect Day von Romy Hausmann
Man hört ja viel Gutes über Romy Hausmann und ihre Thriller, weshalb ich mich entschieden habe mit “Perfect Day” herauszufinden, was hinter dem Lob steckt.
Perfect Day thematisiert das Verschwinden von Mädchen im Alter von 6-10 Jahren. Seit dem ersten Fall vor 14 Jahren tauchen immer mehr Leichen auf und der Täter ist auch 14 Jahre später noch immer unbekannt.
Doch plötzlich scheint ein Täter gefunden zu sein. Der renommierte Anthropologe Walter Lesniak wurde verhaftet, weil er des Mordes an zehn Mädchen beschuldigt wird. Seine Tochter Ann, die bei der Verhaftung anwesend war, glaubt an die Unschuld ihres Vaters und versucht diese zu beweisen.
Bereits das Cover ist ansprechend. Schlicht gehalten und doch passend für einen Thriller. Auch die anderen Werke der Autorin haben ähnlich gestaltete Cover, weshalb die Werke gut zusammenpassen. Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd und kreiert eine Spannung, die das gesamte Werk hinüber gehalten wird. Die Kapitel aus verschiedenen Perspektiven sorgen für abwechslungsreiche Einblicke und tragen zum Aufrechterhalten der Spannung bei. Ich kann verstehen, wieso Romy Hausmann sie viel Lob für ihre Werke erhält und werde mich mit Freude an weitere Thriller der Autorin machen.
Spannende Unterhaltung
606 von Candice Fox
Aus einem Hochsicherheitsgefängnis in der Wüste Nevadas brechen 606 Gefangene aus. Unter ihnen die gefährlichsten Menschen der USA - Mörder, Psychopathen und andere Gewalttäter. Sie verschwinden in alle Himmelsrichtungen und lösen die größte Menschenjagd der US-amerikanischen Geschichte aus.
Unter ihnen befindet sich auch John Kradle.
Er sitzt wegen des Mordes seiner Frau und seines Kindes vor fünf Jahren im Gefängnis, beteuert aber seine Unschuld und möchte seine Freiheit der Flucht nutzen, um seine Unschuld zu beweisen. Doch seine Flucht wird dadurch erschwert, dass eine Aufseherin des Todestrakts auf seinen Fersen ist. Sie hat persönliche Gründe um ihn zu hassen und scheint jeden seiner Schritte vorherzusehen.
Der Thriller fesselt die LeserInnen von der ersten bis zur letzten Seite. Das Tempo des Thrillers ist schnell, die Spannung lässt zu keiner Sekunde nach. Ein großer Vorteil des Werkes sind die wunderbar gestalteten Charaktere. Sie sind wirklich lebendig gestaltet, ihre Handlungen sind nachvollziehbar und doch so unverständlich. Ihre Handlungen machen Sinn und doch irgendwie so gar nicht. Die Charaktere machen das Buch lebendig und spannend und sorgen dafür, dass jeder das Werk lesen sollte.
Royalty
Diana von Julie Heiland
Lady Di, die sogenannte Prinzessin der Herzen und eine der wohl bekanntesten Frauen ihrer Zeit. Der Roman von Julie Heiland stellt die Frau vor, deren Lebensgeschichte wohl fast die ganze Welt kennt. So beginnt der Roman im London 1978, als die damals siebzehnjährige Diana ein Polospiel besucht und einen Flirt mit dem britischen Kronprinzen beginnt.
Nicht mal drei Jahre später heiratet sie eben diesen Kronprinzen und wird zur zukünftigen Königin Großbritanniens. Im Roman wird der Kampf Dianas vorgestellt, mit sich und ihrer Rolle im Königshaus - dessen alte Regeln gar nicht zu der modernen jungen Frau passen.
Auch wenn die Geschichte Dianas bekannt ist, gelingt es Julie Heiland eben diese Geschichte spannend neu zu erzählen. Einige Details sind neu und der Schreibstil ist so spannend, dass man auf die weitere Entwicklung hinfiebert, auch wenn man sie bereits kennt.
Unerfülltes Potential
Misfits von Michaela Coel
Bei Misfits handelt es sich um die Verschriftlichung einer Rede, die Michaela Coel 2018 beim Edinburgh TV Festival gehalten hat. Michaela Coel ist Schauspielerin, Autorin und Poetin und sah sich während ihrer Kindheit und Jugend am Rand der Gesellschaft – ein Misfit – der nicht in das existierende Bild passt.
Coel erzählt in Misfits mehrere Geschichten aus ihrem Leben, in denen sie gemerkt hat, dass sie als Außenseiterin auf eine Gesellschaft schaut, die ihr keinen Platz in ihrer Mitte einräumt und vermittelt diese mit viel Emotion und Sprachgewalt, sodass man sich an ihre Position versetzt fühlt.
Diese Offenheit ist der große Überzeugungsfaktor des Manifests, Coel hält sich nicht zurück, sondern lässt die LeserInnen schonungslos an ihren Erfahrungen teilhaben. Trotz dieser Ehrlichkeit gelingt es Misfits aber nicht, mich zu überzeugen. Die knapp 120 Seiten hat man in einer Sitzung schnell durch und ich musste schnell feststellen, dass nur einige wenige Passagen wirklich hängen geblieben sind und mich nachhaltig bewegt haben. Ich denke, dass diese Wirkung eine ganz andere wäre, wenn ich nicht nur das Manifest lesen würde, sondern Coels Vortrag gehört hätte, da die Worte durch das Vortragen der Autorin und die Emotionen in ihrer Stimme wohl eine ganz andere Wirkung bekommen hätten.
Als Buch überzeugt es mich leider nicht, hier hätte ich mich eher über eine längere Biografie der Autorin gefreut, über tiefergehende Einblicke in ihr Leben als Schwarze Jugendliche in London und ihren Weg in das Rampenlicht. Da Misfits meiner Meinung nach für ein Buch zu oberflächlich ist, gebe ich nur drei Sterne.
(Ernste) Gefühle auf Island
The Sky in your Eyes von Kira Mohn
Island, das Traumland von sehr vielen Menschen auf der ganzen Welt. In diesem Paradies treffen wir die Isländerin Elin. Elin wurde von ihrem Freund verlassen und zweifelt seitdem an sich, muss sie doch ständig an die Aussagen ihres Ex-Freundes denken, der über ihr Aussehen und insbesondere ihr Gewicht gelästert hat und große Selbstzweifel in Elin ausgelöst hat.
Beim Besuch eines veganen Kochkurses lernt Elin dann Jon kennen. Er ist ein Traum von einem Mann, attraktiv, charmant, witzig und sehr an Elin interessiert. So gerne diese sich auf ihn einlassen würde, schließlich spürt sie ebenfalls Gefühle für ihn und kann sich in seiner Nähe kaum konzentrieren, so sehr hat sie Angst davor ihn näher zu lassen. So kommen doch immer wieder die Kommentare ihres Ex-Freundes hoch und Elin zweifelt an sich.
„The Sky in your Eyes“ ist kein typischer, leichter Roman. Themen wie Bodyshaming, Selbsthass und Selbstfindung werden so detailliert thematisiert, dass es definitiv wichtig ist, eine Triggerwarnung für diesen Roman auszusprechen. Es ist Kira Mohn sehr gut gelungen, diese Thematiken umzusetzen. Man kann die Zweifel, die Elin durchmacht mitfühlen, vor allem weil der Roman sehr authentisch geschrieben ist. Die Zweifel, die Elin durchlebt; ihre Versuche, ihren Körper zu verstecken und die Anpassung ihres Verhaltens an die Meinung von anderen sind sehr detailliert beschrieben. Nachdem Elin Jon kennengelernt hat, werden ihre Zweifel noch stärker. Jon scheint ein absoluter Traummann zu sein, unglaublich attraktiv und kann laut Elin doch keine Gefühle für sie entwickeln. Die Gedanken, die Elin durchlebt sind wirklich stark ausgearbeitet und könnten bei Personen, die selbst unter Selbstzweifeln leiden, wohl negativ wirken, weshalb eine Triggerwarnung sehr wichtig ist.
Trotzdem finde ich, dass „The Sky in your Eyes“ ein gelungener Roman ist. Die Innenwelt der Charaktere ist gut ausgearbeitet und mir gefällt sehr, dass ein so schwieriges Thema in einem New Adult Roman so gelungen aufgearbeitet wurde. Wenn man sich als LeserIn bewusst macht, welche Thematik thematisiert wird und dass dieses potenziell triggern kann, würde ich den Roman auf jeden Fall allen empfehlen, die sich eine Auseinandersetzung mit der Thematik zu trauen.
Very British Cozy Crime
Die unhöfliche Tote von S J Bennett
Es steht ein neuer Fall für die Queen an. Am Pool des Buckingham Palace findet man eine Tote und außerdem fehlt ein wertvolles Bild aus dem Besitz ihrer Majestät. Als dann noch herauskommt, dass mehrere Angestellte des königlichen Haushaltes Drohbriefe bekommen haben, fängt die Queen an, im Hintergrund der offiziellen Ermittlungen selbst Nachforschungen anzustellen.
Im zweiten Teil der Reihe bringt die britische Autorin S.J. Bennett die Queen in einem interessanten Fall zurück. Während mir der erste Teil der Reihe nicht besonders zugesagt hat, gefällt mir der zweite Teil deutlich besser. Die Queen ist sympathisch in ihren Ermittlungen und auch die Fakten, die die Autorin in das Werk eingebracht hat, sind besonders gelungen und zeigen, dass S.J. Bennett gut recherchiert hat. So spielt das Werk zur Zeit des Brexit-Referendums und dieses wurde ebenso in den Roman eingebracht, wie auch die Biografien von Personen aus dem Umfeld der Queen.
Alles in allem gefällt mir dieser Teil deutlich besser als der erste Teil der Reihe. Viele Punkte, die im ersten Teil nicht gelungen sind, wurden hier verbessert. Die Charakterentwicklung ist sehr gut gelungen, die verschiedenen Charaktere sind rund ausgearbeitet und man kann sich gut in ihre Geschichten hineinversetzen. Man erhält in diesem Band auch einen viel besseren Einblick in die Gedanken der Queen und kann die Handlung viel besser nachvollziehen. Während ich den ersten Band nicht weiterempfohlen habe, würde ich den zweiten Teil auf jeden Fall weiterempfehlen.
Erreicht den vorherigen Erfolg nicht
Wie schön wir waren von Imbolo Mbue
In ihrem zweiten Roman bringt uns Imbolu Mbue in ein kleines afrikanisches Dorf namens Kosawa. Die BewohnerInnen dieses Dorfes leben in ständiger Angst, da das dort ansässige amerikanische Ölunternehmen das Dorf nach und nach zerstört. Das Land ist mittlerweile unfruchtbar, da Öllecks den Boden degradiert haben.
Hierdurch fehlt vielen BewohnerInnen die Grundlage, um ihre Familien zu ernähren und Geld zu verdienen. Da auch das Trinkwasser vergiftet ist, werden viele Menschen krank und Kinder sterben an den Folgen der Vergiftung. Der Konzern verspricht Aufräumarbeiten und finanzielle Reparationen, diese kommen allerdings nicht bei den BewohnerInnen Kosawas an, sondern werden von der korrupten Regierung abgefangen. Nachdem das Unternehmen dann noch mit Gewalt in das Dorf kommt, die Menschen unterdrückt und einige BewohnerInnen des Dorfs umgebracht werden, wird der Widerstand im Dorf stärker. Der Kampf im Dorf dauert Jahrzehnte und auch jüngere Generationen werden zu RevolutionärInnen herangezogen, allen voran die junge Thula.
Imbolu Mbues ersten Roman habe ich für ein Uniseminar zu Contemporary Transnational Fiction gelesen und geliebt. Dementsprechend bin ich mit einer hohen Erwartung an „Wie schön wir waren“ gegangen und wurde leider ziemlich enttäuscht. Der Einstieg bis zur Mitte war meiner Meinung nach gelungen und ich habe ihn sehr gerne und schnell gelesen, ab der Mitte kamen mir allerdings viele Dinge als unnötige Wiederholungen vor, weshalb das Lesen der letzten Hälfte doch sehr langwierig war. Die letzte Hälfte hat sich leider sehr gezogen, weshalb ich beim Lesen öfter mal darüber nachgedacht habe, den Roman abzubrechen. Ich habe „Wie schön wir waren“ schlussendlich fertiggelesen, muss aber sagen, dass der schöne Schreibstil leider nicht über die Wiederholungen und die oft zähe Handlung hinwegtröstet. „Wie schön wir waren“ kommt meiner Meinung nach nicht mal in die Nähe von „Das geteilte Land“, weshalb ich Mbues Debütroman allen ans Herz legen möchte, „Wie schön wir waren“ muss man aber meiner Meinung nach nicht unbedingt gelesen haben.











