Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Dagmar Pfleger:
Auf der langen und holprigen Reise zu sich selbst
Jahre mit Martha von Martin Kordic
Ich empfinde dieses Buch als ein für mich durchaus gut zu lesendes, als eine Spurensuche zu sich selbst, die mich mit einer irgendwie einfachen, aber doch die Emotionen spürbar machender Sprache abgeholt hatte. Ein (junger) Mann mit sogenanntem Migrationshintergrund sehnt sich nach Akzeptanz, Anerkennung, Toleranz innerhalb der deutschen Gesellschaft, in der er lebt: zwischen den Kulturen leben - seine eigene Vergangenheit ins jetzt integrieren sollen, aber nicht können - seinen Traum erfüllen, aber sein Ziel nicht finden können - Distanzierung von und Annäherung an seine Familie - Aufstieg und Fall - Orientierung suchen, finden mit Martha, diese verlieren und ohne Martha, aber eingebetet in die eigene Familie wieder finden - sich gegenseitig die Welt erklären und sie nicht verstehen können .
.. und manchmal doch - Reichtum versus materiell einfaches Leben. Unter anderem tut sich eine Welt der Gegensätzlichkeiten auf, in der die "Liebesgeschichte" an sich für mich ein "Sideevent" ist, nicht jedoch Martha als Person. Allein das platte Ende - ein happy End - überraschte mich zuletzt etwas unangenehm. Aber trotzdem spreche ich eine Leseempfehlung aus!
Dabei bleiben hilft
Utopia Avenue von David Mitchell
Ich nahm das Buch in die Hand und dachte mir: was für ein genialer Einband! Die gesamte Gestaltung des Buches hat mich sofort angesprochen und ad hoc große Lese-Vorfreude ausgelöst. Die Idee, das Entstehen einer Band in England in den 60er Jahren in einen Roman zu verpacken und dabei die damalige Zeit in all ihren Facetten im Kopf aufleben zu lassen, empfand ich als große Musikfreundin schon sehr verlockend.
Zudem liest es sich locker salopp, sehr lebendig und mit gutem Stil dahin. Was ich aber UNBEDINGT empfehlen möchte: lesen Sie es im Urlaub - lesen Sie es in einem Zug ohne Pause durch - legen Sie es nicht zur Seite - und vor allem: lesen Sie es nicht, wenn Sie zur Zeit keine Kapazität für genau diese Anregungen haben. Denn es hat seine Lääängen, was es für mich schwer gemacht hat, nach Lesepausen wieder motiviert hineinzufinden. Weniger Seiten hätten es für mich auch getan. ABER: der nächste Urlaub kommt bestimmt!
Volle Konfrontation
Der Riss von Hye-young Pyun
Für mich ein Buch, dass auf volle Konfrontation geht mit Erlebnissen, die man vielleicht hatte und viel mehr noch mit möglichen Ängsten vor dem, was kommen kann: Hilfsbedürftigkeit, Pflege, Ausgeliefert sein. Unglaublich ergreifend beschreibt die Autorin Sprachlosigkeit, psychische Gewalt und Hilflosigkeit.
Ein Buch, das mir nicht im eigentlichen Sinne gefallen hat, das ich aber "verschlingen" musste.
Zwei in Einem
Der Abgrund in dir von Dennis Lehane
Mit diesem Buch „Der Abgrund in dir“ hat man eigentlich zwei Bücher in einem gekauft. Der erste Teil beschreibt das vaterlose Aufwachsen von Rachel und ihre spätere Suche nach dem Vater, Ihr berufliches Werden und das spätere Scheitern. Der Autor Dennis Lehane entwickelt in guter Sprache ein Psychogramm der Protagonistin, das mich berührt hat und mein Interesse entfacht hat, wie diese detailreich beschriebene Entwicklung der Persönlichkeit von Rachel mit der im Eröffnungskapitel beschriebenen Tat -Zitat: „An einem Dienstag im Mai, im Alter von 36 Jahren, erschoss Rachel ihren Mann“- in Zusammenhang zu bringen ist.
Man erwartet sich nach diesem ersten Teil eine subtile Wandlung, eine in der aus der Not der gequälten Seele begründete Tat, allein es kommt ganz anders. Was folgt ist eine unglaubwürdige Gangster-Story, eine abenteuerliche Verfolgungsjagd. Die vorher so verletzliche, von Panik-Attacken gequälte Rachel ist plötzlich handlungsfähig, strategisch und verschlagen wie eine Superwoman. Das vorher sorgfältig aufgebaute Bild von Rachel fällt so als unglaubwürdig in sich zusammen.
Auch der zweite Teil ist für sich gesehen durchaus interessant geschrieben, wenn man Gangster-Stories gerne hat!
Zusammenfassend: Zwei ganz gute Bücher in einem, leider nicht für ein und dieselbe Person!
No flow!
Am Beispiel des Affen von Amitava Kumar
Leider so gar nicht mein Buch! Die vielen Fußnoten ließen für mich keinerlei Lesefluss entstehen und nahmen dem Geschriebenen jegliche (Aussage-) Kraft. Letztendlich bin ich in ein Querlesen geschlittert, nur um zum Ende zu kommen. Leider kann ich diese Lektüre nicht weiter empfehlen.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde Dagmar PflegerGeschichte "über das Leben"
Acht Berge von Paolo Cognetti
Eine „unaufgeregte“, jedoch unglaublich schöne Geschichte „über das Leben“: einerseits beschreibt Cognetti sprachlich grandios die wunderbare und einzigartige Buben –und Männerfreundschaft von Pietro und Bruno, die, wie es scheint, unterschiedlicher nicht sein könnten; andererseits geht es auch um ihre sehr differenten Lebensentwürfe, die sie allerdings nicht zu entfremden vermögen.
Bei aller Unterschiedlichkeit ähneln ihre Leben sich jedoch wieder: der eine, ewig im Dorf Verbliebene, findet nämlich seine Lebenszufriedenheit irgendwie genauso wenig wie der, der nur manchmal im Sommer zu seinem im Dorf lebenden Freund dazu stößt. Vielleicht sind sich die Männer deshalb so nah. Was bleibt trotz eines bisschen Wehmuts, der Suche nach der Essenz im Leben, der sie fordernden und prägenden Familien, Träume und Ängste? Ein warmes Gefühl um`s Herz mit der dringenden Empfehlung, das Buch zu lesen!!!!
Extremste Dimensionen im Leben
Underground Railroad von Colson Whitehead
Theoretisch ?weiß man? es ja: Sklaven erfuhren massivste Gewalt! Aber dann liest man diesen Roman ... und ist nur noch betroffen. Whitehead gelingt ein tolles, höchst emotionales Werk, das alle denkbaren Formen von Gewalt gegenüber Sklaven und damit die absolute Missachtung jeglicher Menschenwürde an Hand der Geschichte über Cora lebendig werden lässt.
Vieles im/vom Leben, was es eigentlich ausmacht, hier im Besonderen in dem von Coras, bekommt eine noch tiefere, speziellere Dimension: die Würde des Menschen, Bindung, Familie, Angst, Freundschaft, Zeit, ... alle in irgend einer Form ausschließlich extremst existent. Absolut lesenswert ... gerade in Zeiten wie diesen!
Duett Mobbing und Leistungsdruck
Geständnisse von Minato Kanae
Für mich ist dieser Roman eine sehr gelungene Geschichte, die ich begeistert gelesen habe. Der Mord an der kleinen Manami wird aus verschiedenen Perspektiven her dargestellt, wobei im Laufe der Handlung immer deutlicher wird, was Mobbing und Leistungsdruck mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern machen.
Menschen, ob Kindern oder Erwachsene, verlieren sich, rächen sich, verlieren das Mensch sein an sich aus den Augen. Minato gelingt es, in ansprechender Schreibweise eine spannende Story zu erzählen, von der durchaus Fäden in die Realität gedacht werden können.
Langsam ... schön
Ein Festtag von Swift Graham
Langsam, schön und vielleicht auch eine klitzekleine Spur von Flachheit ... vielleicht war es gerade das vermischt mit einer wunderbaren Sprache, das mich viel Freude beim Lesen empfinden ließ.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde Dagmar PflegerBluna, Fredi-Keks und Autostopp
Strandbadrevolution von Kurt Palm
An Bluna, Fredi-Keks, Autostopp und einander Nachrichten auf der Rückseite alter Rechnungen schreiben erinnert spürt man förmlich die 70er wieder, was mir beim Lesen Spaß gemacht hat. Palm skizziert in seinem Buch eine Gruppe Jugendlicher, pubertierend und aufmüpfig, die per Sprayen und Flugblätter verteilen gegen die spießige Gesellschaft protestiert, anders und besser als diese sein will.
Eine kurzweilige und oftmals witzige Geschichte, die am Ende gar nicht mehr witzig ist.











