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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Dagmar Pfleger:

Einsamer, rätselhafter Mann!

Seltene Affären von Bayer Thommie

Der Ich-Erzähler Peter Vordem lebt ein zweigeteiltes Leben: von Montag bis Freitag werkt er als Manager in einem Nobelrestaurant - freitags bis sonntags verbringt er einsam in einem kleinen Provinznest im Schwarzwald. Seine Kontakte zur Außenwelt sind klar geregelt, hier ausschließlich geschäftlicher Umgang mit seinen Partnern und Gästen, dort kein einziger persönlicher Kontakt außer fallweisen Telefonaten mit seinem Zwillingsbruder.

Die Wochenenden verbringt er mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, die aber unter dem Namen des Zwillingsbruders erscheinen. Armer, einsamer, rätselhafter Mann mit seltsamen Marotten! Man frägt sich beim Lesen ständig, was zu seiner selbstgewählten asketischen Lebensweise geführt hat. Die Auflösung dieser Frage erfolgt in Rückblenden - und man erfährt in reizvoller Weise, wie das Leben diesen einsamen Wolf geprägt hat. Ein geheimnisvolles Dreiecksverhältnis zwischen seinem Bruder, dessen Frau Anne und Peter Vordem ist die Ursache dafür - und das in knapp 190 Seiten herauszufinden ist interessant, hintergründig und unterhaltsam.

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Essen und Co

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens von Stradal J. Ryan

Der Anfang des Buches hat sich etwas gezogen. Dann wurde es allerdings lustig und spannend. Fancy Familiengeschichte gemixt mit Essensgeschichten macht aus den Seiten eine leichte und meist flüssig zu lesende Lektüre. Was mit Sicherheit bleibt: Chilli und Papprikermammelarde.

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Im wahrsten Sinne des Wortes "Verloren"

Das Geheimnis der verlorenen Zeit von John Wray

Die letzte Seite dieses Buches ist gelesen, zurück bleibt eine gewisse Ratlosigkeit: Habe ich das Geheimnis der verlorenen Zeit nun verstanden oder ist die persönliche Zeit gemeint, die ich verloren habe, indem ich mich durch dieses ?megalomanische? Werk durchgequält habe.
Dabei ist der Plot der Geschichte reizvoll, die Idee, dass der Ich-Erzähler Waldemar Tolliver gefangen ist in einer Blase angehaltener Zeit und in Briefen an eine mysteriöse Mrs.

Haven zu ergründen sucht, wie es dazu gekommen ist.
Dabei wird in Rückblenden die Familiengeschichte der Toula /Tollivers erzählt, ausgehend vom Urgroßvaters des Protagonisten, einem Gurkenfabrikanten und Hobbyphysiker aus dem k.u.k. Znaim, der just, als er das Geheimnis der verlorenen Zeit und damit die Fähigkeit zur Zeitreise entdeckt hatte, von einem Auto überfahren wurde.
Aber wie diese Erkenntnisse dann über drei Folgegenerationen weitergegeben werden, wie die Geschichten der beiden Söhne des Gurkenfabrikanten, des mysteriösen Großonkels von Waldemar, des Großvaters mit seinen beiden Frauen und 3 Kindern mit diesem Umstand verbunden und verwoben sind, habe ich in seiner Komplexität leider nicht ganz verstanden. Zu viele Girlanden an Ausschweifungen, Andeutungen, Nebenhandlungen gilt es zu verfolgen und in den Kontext zu bringen. Um das alles zu durchdringen müsste ich das Buch noch einmal lesen, aber dies lässt meine Chronosphäre nicht zu!
Das Buch wäre gute Urlaubslektüre, wenn man stundenlang in der Geschichte abtauchen kann, aber zu starker Tobak für Alltagslektüre.

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Gute Idee ... zu wenig tiefgang

Der Trick von Bergmann Emanuel

Diese Geschichte ist die Verflechtung zweier Handlungsfäden: Handlungsfaden eins erzählt die Geschichte des Prager Juden Mosche Goldenhirsch, der sich magisch angezogen von der Zauberei des ?Halbmondmannes? und auch von den Reizen der Assistentin des Magiers, einem fahrenden Zauberzirkus anschließt.

Er entflieht damit seiner Abstammung und Herkunft und schafft es, im Deutschland der Zwischenkriegszeit als ?Der große Zabbatini?, als Magier und Mentalist vorgeblich persischer Abstammung, Karriere zu machen. Lug und Trug sind nicht nur Basis seines Berufes sondern auch seines ganzen Lebens, bis das Lügengebäude zusammenbricht und er ins KZ Auschwitz kommt, wo er mit knapper Not dem Tod entrinnt.
Handlungsfaden zwei erzählt die Geschichte des 10-jährigen Max Cohn, der verzweifelt versucht, die Trennung seiner Eltern zu verhindern, indem er einen Zauberer sucht, der einen Liebeszauber der ewigen Liebe für seine Eltern sprechen kann. Diese fixe Idee hat er von einem Langspielplatte aus dem Besitz seines Vaters über einen legendären Zauberer ?Der legendäre Zabbatini?. Und just diesen Zauberer findet er in einem naheliegenden Altersheim als senilen, lebensmüden, an nackten Frauen und Frauenunterwäsche interessierten Lustgreis.
Wie dann die beiden Handlungsfäden miteinander verbunden werden, ist aber leider dilettantisch, die Erzählweise platt und krampfhaft um Witzigkeit bemüht. Der Autor schafft es nicht, die guten Ansätze aus dem ersten Handlungsfaden fortzuspinnen. Letztendlich fehlt der Geschichte der Tiefgang. Als zuletzt die Großmutter in dem Zauberer Ihren Lebensretter aus dem KZ erkennt und der Liebeszauber über die Eltern von Max in der Kindergeburtstagsfeier auch von Erfolg gekrönt ist, wird es auch noch kitschig.
Meine Begeisterung an diesem Buch hat sich in Grenzen gehalten.

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Langsam ... sehr langsam

Letzter Bus nach Coffeeville von Henderson J. Paul

Ich habe lange gebraucht, bis ich in diese Geschichte hineingefunden habe. Gestört und gehindert haben mich die sehr ausführlichen "Side-Events", also die eingefügten Geschichten der dazukommenden Figuren, die zwar vom Konstrukt her in Ordnung, für mich aber oft unnötig lange waren. Ab der zweiten Hälfte gefiel mir der Roman besser, weil er dann bei der Hauptstory blieb, die ja an sich ganz nett und kurzweilig war.

Ich fand die Geschichte dann sogar zeitweise witzig, wobei der Humor stellenweise auch wieder etwas platt wirkte. Humor in Kombination mit Alzheimer ist halt doch eine sehr anspruchsvolle Gratwanderung, die hier nicht immer gelingt. Gefallen haben mir allerdings die Charaktere der Reisenden, die füreinander da sind, sich helfen und Warmherzigkeit verbreiten, ohne von Vorurteilen getrieben zu sein. In einer Zeit wie diesen etwas, was gut tut. Lesenswert, aber nur, wenn man nicht die ultraspannende und anspruchsvolle Lektüre erwartet!

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Langeweile gepaart mit Eintönigkeit

Fabelhafte Eigenschaften von Adam Soboczynski

Für mich ein eher mühsames Leseereignis: die Kapitel erscheinen mir abgehackt - wie nicht miteinander in Verbindung stehend. Einzelne Geschichtchen reihen sich aneinander, kommen für mich erst im letzten Drittel mehr ineinander. Obwohl der Autor an sich intensive Gefühle innerhalb von Partnerschaften und solchen Beziehungen, die es einmal waren oder vielleicht werden wollen, beschreibt, sind diese Ausführungen oberflächlich, beinahe sachlich und berührten mich gar nicht.

Auch konnte ich den im Klappentext erwähnten Humor nirgendwo nur annähernd finden ... und ehrlich gesagt bzw geschrieben auch keine sprachliche Eleganz. Insgesamt fand ich diese Lektüre langweilig, eintönig ... und letztendlich nicht empfehlenswert.

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Aufeinandertreffen von Mensch und Zeit

Der Fisch in der Streichholzschachtel von Martin Amanshauser

Zwei verschiedene Jahrhunderte - zwei kulturelle Gesellschaften (die eine auf einem Kreuzfahrtschiff der Jetztzeit und die andere auf einem Piratenschiff des 18. Jahrhunderts), die unterschiedlicher nicht sein könnten: die Idee, diese genannten aufeinanderprallen zu lassen, machen das Buch nach einem schleppenden Start doch noch zu einem vergnüglichen Leseabenteuer.

Nach dem Aufeinandertreffen von Mensch und Zeit ist man oft mit einer unterhaltsamen Zweideutigkeit von Gesagtem konfrontiert. Letztendlich kurzweilig wird das Buch durch die vielen "Einzelgeschichten" begleitet von unterschiedlichen individuellen Eindrücken, Erlebnishintergründen und Charakteren der Personen.

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Hotel Alpha - ein Ort der Gefühle

Hotel Alpha Roman von Watson Mark

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen - eine leicht zu lesende aber gar nicht seichte Geschichte für den Urlaub. Es ist für mich ein wirklich sehr inniges und warmherziges Buch über einen Ort, an dem Freundschaft, Verantwortung, Zuneigung, Liebe, Angst, Begeisterung und Enttäuschung aber auch die Vergänglichkeit wirksam sind.

Die handelnden Personen sind nicht perfekt, machen Fehler ... und sind gerade deshalb so liebenswert. Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen.

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Suche nach dem Lebensweg

Der Löwensucher von Bonert Kenneth

Bonert schildert in seinem ersten und für mich sehr gelungenen Werk das Leben einer jüdischen Familie, die 1924 von Litauen nach Südafrika auswandert. Im Mittelpunkt steht Isaak, der als Bub am fremden Kontinent ankommt, seit jeher nach seinem Lebensweg sucht und dabei von vielen Menschen mit besonderen Lebensgeschichten beeinflusst wird: die Mutter, die ein Familiengeheimnis mit sich trägt, beharrlich ihre Erwartungen an ihren Sohn äußert und darauf bedacht ist, dass ihr Sohn sich nicht mit Schwarzen abgibt; Yvonne, Mädchen aus gutem Hause, die den Umgang der Weißen mit den Schwarzen kritisch hinterfragt und Issak mit der Eingeborenenfrage konfrontiert; Hugo, der ihn immer wieder mit seinen Geschäftsideen beeinflusst und dabei selbst oft scheitert oder der geheimnisvolle Avron, der die Bedeutung des Inneren für einen Mann und das Bild des Löwen, der sich auch nimmt, was er möchte, betont.

Ich finde, es gelingt dem Autor sehr gut, Isaacs Inneres zu transportieren ? spüren zu lassen, wie zerrissen er sich manchmal fühlt ? hin-und hergerissen zwischen den unterschiedlichen Erwartungen, den eigenen Träumen und dem Möglichen.
Der Roman ist leicht zu lesen ? aber als Gesamtes doch anspruchsvoll und empfehlenswert. Die einzige Kritik, die ich äußern kann, ist, dass es zum Ende hin dann doch etwas langatmig wird.

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Indische Kontrapunkte

Die Farben der Hoffnung von Sankaran Lavanya

Wenn man die anfänglichen Längen dieses Romanes überwunden hat, taucht man ein in ein Aufeinanderprallen von unterschiedlichen sozialen Schichten aber auch Charakteren in einem indischen Umfeld: Arm trifft Reich, Ober trifft Unter, Politik trifft Industrie verknüpft mit Korruption - die reiche Herrin als unzufriedene und oberflächlich scheinende Frau trifft auf das starke Dienstmädchen Kamala, das um ihr Überleben und die Bildung ihres Sohnes kämpft; der Ehemann, zu Hause nicht wirklich präsent, lebt mit einer Frau, der Partys und Reichtum wichtig sind - eine Welt, die ihm nicht wichtig ist.

Ich habe das Buch gerne gelesen, weil es der Autorin gelungen ist, diese Charaktere sehr gut darzustellen. Ich konnte diese unterschiedlichen Persönlichkeiten förmlich spüren. Wer hohe literarische Kunst erwartet ist hier falsch. Wenn man ein gut lesbares aber sprachlich betrachtet ein weniger anspruchsvolles Buch lesen möchte, sind "Die Farben der Hoffnung" eine gute Wahl.

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