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Rezensionen von gaby2707:
Eine starke Geschichte
Frankie von Michael Köhlmeier
Frank „Frankie“ Thaler lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter im 4. Wiener Bezirk. Sie arbeitet abends als Garderobiere im Volkstheater. Frank ist fast 14, als er mit seiner Mutter mit der Bahn nach Krems fährt um seinen 71-jährigen Opa, den er nur wenige male gesehen hat, abzuholen. Der ist nach 18 Jahren Knast nun entlassen worden.
Zwischen Großvater und Enkel entsteht von Anfang an eine irgendwie explosive Spannung. Bis die Geschichte mit einem Ende daher kommt, das mich zuerst sprachlos sitzen gelassen und dann meine eigenen Gedanken auf Reisen geschickt hat.
Dieser schnörkellose, eindrückliche Sprachstil den Michael Köhlmeier Frankie in den Mund legt, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, was mich ganz nah an ihm dran sein lässt, hat mich sofort gefesselt. Kurze knackige Sätze und ausdrucksstarke Dialoge, die teilweise nur mit jeweils einem Wort auskommen und hin und her springen, machen das Lesen für mich zu einem Genuss. Die immer wieder einfließenden österreichischen bzw. wienerischen Ausdrücke geben der Geschichte den lokalen Einschlag.
Allerdings kann ich bald weder mit Frankie noch mit seinem knurrigen Großvater viel anfangen. Sie bleiben mir leider bis zum Ende hin fremd. Gerade Frankies Reaktionen kann ich hier oft nicht nachvollziehen. Vielleicht bin ich aber auch schon zu weit von dieser Altersgruppe weg. Trotzdem hat mir die Gesamtgeschichte gerade wegen des Erzählstils gut gefallen.
„Frankie“ ist ein aussergewöhnlicher Roman über Familie und Erwachsen werden, der über das Ende hinaus viele Fragen aufwirft und offen lässt.
Ein grandioser Bildband
Elvis - Die Legende von Gillian G. Gaar
Als ich geboren wurde, war Elvis Aaron Presley gerade 19 Jahre alt. Und als ich 19 Jahre alt war, war Elvis mein erklärter Star mit Poster überm Bett und vielen Schallplatten in meiner Sammlung. Dass er 4 Jahre später schon nicht mehr leben würde, hätte ich mir damals nicht vorstellen können und war total entsetzt, als ich am 16.
August 1977 die schreckliche Nachricht durchs Radio erfahren habe.
Ich habe mich riesig über diesen exzellenten Bildband mit den vielen hochwertigen Bildern und den interessanten Beiträgen gefreut. Das Buch spiegelt den faszinierenden Lebensweg dieses Ausnahmekünstlers von seiner Kindheit und Jugend über seinen Aufstieg vom Lastwagenfahrer zum Plattenmillionär, seine Zeit als Soldat, seine Musik und seine Filme, Elvis als Country-Boy, Elvis und Hawaii, Elvis als Wohltäter, sein Comeback und leider auch seinen langsamen Untergang. Ich bekomme Einblicke in sein Anwesen Graceland in Memphis, das er 1957 kaufte. Und bei einer Doppelseite des Buches hatte ich Tränen in den Augen.
Autorin Gillian G. Gaar bestückt dieses Buch „ELVIS – Die Legende“ aber nicht nur mit über 150 Fotos, von denen ich viele noch nicht kannte. Sie fügt auch persönliche Briefe, Telegramme, Rechnungen, Rezepte, Filmplakate, Konzerttickets, Tourprogramme und Notenblätter mit ein.
Ein Mann, der mit seiner Musik und seinen Filmen nie vergessen werden wird. Der mit diesem Buch nochmal ein ganz besonderes Denkmal gesetzt bekommt. Ein Buch, vom Graceland Archiv autorisiert, das ich immer wieder anschauen werde. Ein Muss für alle Fans dieses großartigen unvergessenen Künstlers.
Extrem spannend
Wehrlos von Nora Benrath
Was für eine unglaublich schreckliche Vorstellung. Da sitzt du als Mutter am Spielplatz in einem ruhigen Vorort von Münster und siehst praktisch zu, wie dein Kind entführt wird. Und du kannst absolut nichts machen.
Genau so ergeht es Mareike „Mieke“ Ganter mit ihrer 4-jährigen Tochter Nele, die von einem etwas älteren Mädchen vom Spielplatz weggeführt und dann in ein Auto gezerrt wird.
Polizist Ben Andersen und sein Team sehen sich vor einer schwierigen Aufgabe. Aber nach und nach lüften sie ein Geheimnis nach dem anderen. Oder ist es für die kleine Nele schon zu spät?
Dies ist das erste Buch, das ich von Nora Benrath gelesen habe. Aber es wird definitiv nicht das letzte gewesen sein. Die Autorin hat einen so mitreißenden, aber auch nüchternen Erzählstil, der mir schon bei den ersten Seiten eine Gänsehaut über den Rücken treibt. Wie hier jemand über Einsätze und Ware redet, würde ich die in kursiv geschriebenen Seiten am liebsten zerreißen. Dieses Thema ist nichts für sensible Thrillerseelen.
Es wird sehr schnell klar, dass es um Kindesentführung geht. Lösegeldforderung geht aber keine ein und dann erkenne ich, dass es hier um so viel mehr geht. Ich will mir gar nicht vorstellen, was mit den Kleinen passiert.
Der Auslöser sind hier die sozialen Medien, wo manche Mütter ihre kleinen Kinder präsentieren, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was sie damit evtl. auslösen. Genau wie Mieke es mit Nele gemacht hat. Nur, dass hier zu der Entführung noch ein sehr persönlicher Grund dazu kommt.
Durch die kurzen, knappen Kapitel aus unterschiedlicher Sicht von Mutter Mieke, Polizist Ben, einer Nachbarin und weiteren, nicht namentlich genannten Personen wird die Geschichte ab der ersten Seite sehr spannend und schnell. Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen, hatte immer Angst etwas zu verpassen.
Meine Sympathien sind hier schnell vergeben, wobei mir Polizist Ben neben Mieke am besten gefällt. Durch ihn erfahre ich einiges über die Aktionen der Polizei bei einer Entführung und durch einen seiner Mitarbeiter auch über das Darknet.
Eine extrem spannende Geschichte über eine Entführung mit sehr vielen Emotionen und der Frage, in wie weit man sich gerade mit Kindern in die Welt des Internets einlassen sollte.
Hat mich überzeugt
Blutige Tarnung von Jessica Potthast
Gerade noch in Hochstimmung über ihren Erfolg mit ihrem Parfum DARE, muss Patricia Wagner feststellen, dass der Serienmörder, der sich in Holzminden im Weserbergland gerade an alleinerziehenden Frauen vergreift, auch ihre Freundin Katharina erwischt und mit ihrem Parfum übergossen hat. Als sie selbst anonyme Botschaften bekommt, die ihren Tod ankündigen, die Polizei aber nicht in der Lage scheint, sie zu beschützen, macht sie sich selbst auf die Suche nach dem Täter.
Ihr Freund Christoph Lorenz, der als Therapeut hinter dem Täter einen Psychopathen zu erkennen glaubt, hilft ihr dabei.
Werden sie es schaffen, den Täter zu stellen bevor es noch mehr Tote gibt?
Mich hat der Klappentext des Buches angesprochen und ich muss sagen,der hält absolut was er verspricht. Ich war ab den ersten Seiten, wo ich schon auf den „Tiger“ stoße, gefesselt. Die Spannung steigt kontinuierlich an und hält sich dann sehr hoch. Die kurzen Kapitel machen die Geschichte sehr schnell. Das Buch mal aus der Hand zu legen war fast unmöglich. Hier und da habe ich mein Kopfkino allerdings ausgeschaltet. Einige Szenen waren mir da zu brutal. Also nichts für schwache Nerven.
Patricia habe ich mit ihrer taffen Art und ihrer außerordentlichen Nase, die kleinste Gerüche und auch Angst riechen kann, schnell ins Herz geschlossen. Auch ihr Freund Christoph, der als Kindertherapeut sein Geld verdient, mochte ich. Er tut Patricia, die immer noch von ihrem Ex Dr. Torben Mertens, der leider auch ihr Chef ist, gestalkt wird, richtig gut. Oberkommissar Carsten Mahrenholz hätte ich am liebsten mal ein bisserl angeschoben, damit er in die Gänge kommt. Die, wie ich finde, unmögliche Art der Ermittlungen sind der einzige Minuspunkt, den ich hier vergebe.
Die Geschichte selbst ist sehr dich gewebt, super spannend, mit Menschen, deren Ecken und Kanten gut sichtbar sind und einem roten Faden, der nie abreißt. Es kommt zu kleinen Wendungen, die mir gezeigt haben, dass der Täter, den ich vermutet hatte, es nicht sein kann. Über die Auflösung war ich zugleich erstaunt und schockiert.
Jessica Potthast legt hier einen Thriller vor, der mich gefesselt, schockiert und vor allem sehr gut unterhalten hat. Ich hoffe, es gibt bald mehr davon.
Genau so reizend wie die erste Geschichte vom Wolf und dem Hühnchen
Blutige Tarnung von Jessica Potthast
Der Wolf und sein Hühnchen beobachten zwei Männer mit einer Schaufel, die im Wald ein Loch graben und dort etwas verstecken. Natürlich sind sie neugierig und zusammen mit der Eule Schuhu und der Elster schauen sie nach, was in den Säcken drin ist, die dort vergraben wurden. Der Fuchs hatte gehört, wie zwei Männer von einem Raub erzählten.
Da beschließen die Tiere des Waldes die Räuber zu fangen und das Diebesgut zurück zu geben.
Und dann rückt langsam der 1. Advent und Weihnachten näher. Welche Ideen das Hühnchen dazu hat und was die anderen Waldtiere davon halten, das lest ihr am besten selbst.
Es ist zwar nicht erforderlich den ersten Band zu kennen. Aber ich finde, es ist einfach schöner, den Wolf und das Hühnchen kennenzulernen, als sie noch nicht zusammen im Wald lebten und ihren Weg dorthin zu begleiten. Ich kann das nur empfehlen.
Das Buch in einem ansprechend großen Querformat ist für Kinder ab 2 ½ bis 3 Jahren geeignet. Beim Vorlesen kommen immer wieder Worte vor, die erklärt werden müssen, was aber dem Wortschatz der Kleinen zugute kommt.
Auch mir als Vorleseoma hat die Geschichte großen Spaß gemacht. Durch die große Schrift kann sie aber auch von Leseanfängern gut selbst gelesen oder als Leseübung genutzt werden.
Auf der letzten Seite bekommen wir noch einen Tischaufsteller mit zwei verschiedenen Motiven zum ausschneiden und aufstellen als Goodie dazu.
Tuula Schneider hat ihre Illustrationen wieder mit soviel Liebe zum Detail gezeichnet, dass es Spaß macht, allein die Bilder immer wieder zu betrachten. Ausserdem ergänzen sie die Geschichte absolut gekonnt.
Mir hat die Geschichte dieser ganz besondere Freundschaft zwischen Wolf und Hühnchen wieder sehr gut gefallen und ich hoffe, dass es noch einige Abenteuer der Beiden zu bestehen gibt. Es ist so schön zu lesen, wie die Waldtiere vorleben, dass ein friedliches Miteinander auch zwischen andersartigen Tieren (und auch Menschen) sehr gut funktionieren kann, wenn sich alle ein bisserl Mühe geben.
Eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, Toleranz, Miteinander und Zusammenhalt, die wir bestimmt noch sehr oft lesen und anschauen werden.
Gelungener Auftakt…
Der Strand: Vermisst von Karen Sander
… zu der neuen Thriller-Trilogie von Karen Sander. Nach „Der Strand – vermisst“ kommen im kommenden Jahr die beiden nächsten Bücher „Der Strand – verraten“ und „Der Strand – vergessen“ heraus in denen „Engelhardt und Krieger ermitteln“.
Worum geht es in diesem ersten Teil?
Die gehörlose Lilli Sternberg, die nach dem Verschwinden ihrer Mutter vor 19 Jahren bei ihren Großeltern Walter und Grit aufgewachsen ist, kommt bei einer Verabredung mit ihrer Freundin Fabienne Mauritz am Weststrand der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an der Ostsee nicht an.
Dafür erhält Fabienne kurze Zeit später eine Nachricht von Lillis Whats-App-Account. Eine wahllos in den Sand gemalte Zeichenfolge. KHK Tom Engelhardt, der die Leitung des Falles vorerst übernimmt, und Kryptologin Mascha Krieger vom LKA suchen mit der ihnen zugeordneten Verstärkung den Ort Sellnitz, den Strand und das Hinterland ab. Ohne Erfolg. Lilli bleibt verschwunden.
Haben ihre Freundin, die etwas zu verbergen scheint, und Lillis Freund Sören Brandner, mit dem sie seit einem Jahr zusammen ist und ihr guter Freund Benjamin „Ben“ Reichert irgendetwas mit Lillis Verschwinden zu tun?
Die kurzen Kapitel, beginnend am 05.09. bis zum 12.09., wechsel von Ort zu Ort, so dass die Geschichte sehr schnell wird. Die vielen Informationen weiß ich noch nicht richtig einzuordnen. Es scheint alles sehr mysteriös. Doch das wird sich im Laufe der anderen beiden Bände sicherlich ergeben.
Tom Engelhardt, allein erziehender Vater einer kleinen Tochter, mochte ich ab dem ersten Kennenlernen. Was ich nicht mag ist seine Tablettensucht. Mascha Krieger muss sich meine Sympathien erst noch verdienen. Mit ihr bin ich noch nicht warm geworden. Ich mag es sehr, wenn ich wie hier einiges persönliches von den Ermittlern erfahre. Das macht sie für mich noch menschlicher, noch realer.
Die Spannung setzt schon auf den ersten Seiten ein und hält sich sehr hoch bis zum Schluss. Der geniale Cliffhanger, was Fabienne weiß, wird mich noch eine Zeit lang beschäftigen.
Der Auftakt dieser Trilogie glänzt auch mit sehr viel Lokalkolorit: ein typischer Küstenkrimi, hier angesiedelt an der Ostsee, auf der Halbinsel Fischland- Darß-Zingst. Die Beschreibungen der Autorin, sowohl von der Umgebung als auch von den Stimmungen, haben sich in meinen Kopf eingebrannt und ich bin im Geiste ganz nah am Geschehen dran.
Und dann für mich der Schock. Lilli wird nicht gefunden und das Buch ist aus. Jetzt muss ich wahrhaftig bis März warten um zu lesen, wie´s weiter geht.
Ein, wie ich finde, sehr gut gelungener Auftakt einer neuen Thriller-Trilogie, auf deren Fortsetzungen ich gerne warten werde.
Wenn die Vergangenheit wieder auftaucht
Der Strand: Vermisst von Karen Sander
Beim Spaziergang am Steinhuder Meer in der Nähe von Hannover entdeckt ein Ehepaar im „Toten Moor“ eine Hand, die sich aus dem Morast streckt. Effi Lu vom Polizeistützpunkt Neustadt-Marsdorf ist mit einem Kollegen in der Nähe und entdeckt in dieser Hand ein Sonargerät. Damit hatte der Tote wohl die beiden PKW´s entdeckt, die im Moor anschließend gefunden werden und hier wohl schon einige Jahrzehnte gelegen haben.
Ein Fall für die neu gegründete Cold Case Gruppe, bestehend aus dem dauermiesepetrigen Kriminalhauptkommissar Montag genannt Monday und der Neuen, Effi Lu. Ob es den beiden gelingt, die Spur der Toten aufzunehmen und diese Verbrechen zu klären?
Das lest ihr am besten selbst in dem überaus spannenden und interessanten Krimi von Eva-Maria Silber „Moorgrab“.
Die bildhafte Erzählweise von Eva-Maria Silber, bei der ich mich wie die Dritte im Bunde zwischen Montag und Effi Lu fühle, war genau nach meinem Geschmack. Ich bin überall dabei und schaue ihnen über die Schulter. Für mich war es irre spannend die Gedankengänge gerade von Effi Lu nachzuvollziehen. Kurze knackige Sätze machen die Handlung sehr schnell und ich hatte keine Mühe, die Geschichte in einem Rutsch durchzulesen.
Ich finde es immer gut, wenn ich die Menschen mit denen ich es hier zu tun habe, von Anfang an kennenlernen kann. Mit KHK Montag, der den Auftrag bei der Kriminalfachinspektion 1 Hannover eine Cold Case Gruppe zu gründen aus persönlichen Gründen sehr gerne annimmt, hatte ich zuerst ein paar Probleme mit ihm warm zu werden. Er ist so gar nicht mein Typ, stellt sich aber im Laufe der Zeit als zuverlässig und vor allem teamfähig heraus.
Effi Lu dagegen mochte ich ab unserer ersten Begegnung. Die Chinesin mit deutscher Staatsbürgerschaft hat, wie ich finde, einen besonderen Blick auf das Geschehen und ist sich für nichts zu schade, geht auch mal Risiken ein.
Die Leiterin des KFI 1 Karen Austerlitz, mit der Montag und Effi Lu zusammen arbeiten müssen und mit der Montag vor einiger Zeit mal ein Techtelmechtel hatte, ist mir sofort abgrundtief unsympathisch. Und das hat sich bis zur Auflösung des Falles nicht geändert.
Auch die Einblicke ins Privatleben der Protagonisten haben mir gut gefallen und haben für mich genau die richtige Dosis.
Die Spannung steigt hier sehr schnell auf ein hohes Level und hält sich bis zum Schluss. Ich hatte zwischendrin schon mal einen Verdacht, wurde dann vom Ausgang aber doch ziemlich überrascht. Auch wenn ich hier einiges etwas zu viel und für mich nicht ganz nachvollziehbar finde, hat mich der Fall bzw. die Fälle sehr gut unterhalten.
Mir hat der erste Fall für Kommissar Montag und Effi Lu trotz eines minimalen Kritikpunktes sehr gut gefallen und ich bin schon heute gespannt auf den nächsten Fall, der sich hier schon ankündigt.
Manege frei für Circusdirektor und Roncalli-Gründer Bernhard Paul
Meine Reise zum Regenbogen von Bernhard Paul
„Wenn man keine Träume hat, hat man aufgehört zu leben“ ist ein Zitat und das Lebensmotto von Circus Roncalli-Gründer Bernhard Paul und zieht sich durch seine gesamte Autobiographie wie ein roter Faden.
Als ich 1981 das erste mal bei einer Show von Circus Roncalli dabei war, habe ich mich in die so andere Art dieses Circus verliebt.
Seitdem habe versucht bei jeder neuen Shows einmal dabei zu sein. Nun halte ich seine Autobiographie in Händen und bin einfach nur begeistert von diesem Mann, der trotz aller Widrigkeiten all seine Träume hat wahr werden lassen.
Geboren 1947 als Sohn einer Handwerkerfamilie wächst Bernhard Paul in Wilhelmsburg in Niederösterreich auf und geht dort zur Schule. Er ist ein Außenseiter und die Nachkriegsjahre sind für ihn nicht einfach. Aber schon als kleiner Bub beschäftigt er sich mit dem Zirkus und will Zirkusclown werden.
Nach Beendigung der Volks- und Hauptschule beginnt er ein Hoch- und Tiefbau-Studium um in die Baufirma eines kinderlosen Onkels einzusteigen. Da dies gar nicht sein Ding ist, wechselt er auf die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und arbeitet anschließend als Art Director eines österreichischen Nachrichtenmagazins und bei einer internationalen Werbeagentur.
1975 verwirklicht er seinen Traum und gründete zusammen mit André Heller den Circus Roncalli. Nach einigen Querelen verlässt Heller den Circus und Bernhard Paul, den das finanziell ruiniert, bereitet aber in Gedanken schon eine Neugründung vor. Das Geld dafür erarbeitet er sich auf Jahrmärkten mit dem Roncalli-Panoptikum. Im Juni 1980 ist in Köln Premiere und er selbst tritt oft in der Manege auf und verkörperte die Clownsfigur des dummen Augusts genannt „Zippo“. Und heute führt er seinen Circus in die digitale Welt ohne Tiere. Aber eines wird immer bleiben – die Träume, die im Zirkus entstehen.
Ich finde es herrlich zu lesen, wie Bernhard Paul ab seinen ersten Lebensjahren sein Leben in bunten Bildern so interessant beschreibt. Eine kleine Anekdote folgt der nächsten. Und eine Geschichte ist interessanter als die andere. Allein wen dieser Mann alles zu seinen Freunden zählt finde ich bemerkenswert. Da merkt man erst, wie wenig man über diesen Mann, der vielen von uns solch phantasievolle Stunden im Zirkuszelt geschenkt hat, weiß. Er ist aber nicht nur Circusdirektor, Clown, Musiker und Architekt, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler von Zirkusplakaten, Alltagskultur der Jahrhundertwende, alten Schaustellergeschäften vom Karussell bis zur Schiffsschaukel, alten Kutschen, Verkaufswagen und vielem mehr. Dazu seine Zirkus- und Varieté-Sammlung. Und er ist Besitzer von 40 kompletten Kaufmannsläden mit Waren und Fassaden (vom Tante-Emma-Laden bis zum Friseur)
Mir hat dieser Blick in das Leben dieser schillernden Persönlichkeit, das mit vielen Fotos untermalt ist, sehr gut gefallen. Ein absolut lesenswertes Buch nicht nur für Zirkus-Fans.
Die Erfolgsstory geht weiter
Dallmayr. Der Glanz einer neuen Ära von Lisa Graf
1905, Therese Randlkofer wird 58 Jahre alt, ihr jüngster Sohn Paul macht seine Ausbildung in Wiesbaden, Sonia, die Frau ihres Ältesten Hermann erwartet ihr zweites Kind und Tochter Elsa genießt ihre Freiheit in der Schweiz. Das Feinkostgeschäft in der Dienerstraße in München läuft weiter sehr gut und ist nun sogar Hoflieferant.
Aber Therese, die mit ihrem Gespür für Delikatessen Köstlichkeiten aus aller Welt nach München gebracht hat, denkt nicht daran, sich auf ihren Ruhestand vorzubereiten. Im Gegenteil – sie schmiedet immer neue Pläne, die gerade Hermann nicht immer gefallen...
Ich habe es sehr genossen die Geschichte des Hauses Dallmayr von 1905 bis 1920 verfolgen zu können. Ich begleite Hermann ins Krankenhaus zu seiner Frau, die wegen ihrer Schwangerschaft unter Beobachtung steht; bin dabei, wie Elsa in St. Gallen eine Russin vor dem Ertrinken rettet und etwas später in München einen Heiratsantrag bekommt; ich erlebe mit, wie sich Paul, der in Wiesbaden eines Verbrechens bezichtigt wird, von diesem Verdacht befreien kann; mit Schwager Max, der immer weiter versucht einen Fuß ins Dallmayr zu bekommen, bin ich am Kesselberg bei einem Autorennen dabei; Therese macht sich mit einem Hof in der Nähe von Ismaning von ihrem Geflügellieferanten unabhängig und ich sehe dort die Allee entstehen, die sie mit Schmuhgeld errichten lässt, vor meinem inneren Auge entstehen; durch Ludwig, der in Südfrankreich als Chocolatier in seinem eigenen Geschäft arbeitet, erfahre ich einiges über die Herstellung von Schokolade. Die Rechte der Frauen weden ganz langsam erweitert. Und dann beginnt der 1. Weltkrieg und Terese muss ihre hochfliegenden Pläne erst mal auf Eis legen.
Da ich die meisten Menschen, die ich hier immer wieder lese, schon aus dem ersten Band kenne, hatte ich keine Schwierigkeiten in die Geschichte hinein zu finden. Mir hat es großen Spaß gemacht, Therese, die drei Geschwister und auch Balbina und Ludwig auf einem Stück ihres Lebensweges zu begleiten. Dazu die politischen kleinen Geschichten aus München und die Erlebnisse im Krieg und in der Gefangenschaft. Eine, wie ich finde, absolut gelungene Mischung. Mein Kopfkino hatte sehr viel damit zu tun, mir die farbigen Bilder in den Kopf zu pflanzen. Ich kann mir diese Familien-Saga sehr gut auch als Verfilmung vorstellen.
Ein absoluter Lesegenuß, von Autorin Lisa Graf sehr gut recherchiert und mitreißend geschrieben, rund um den Feinkostladen Dallmayr, der mich ins München der Jahrhundertwende entführt. Ich würde so gerne erleben, wie es mit der Familie Randlkofer weiter geht.
Der Alptraum jeder Mutter
Denk an mich, wenn du stirbst von Jennifer Hillier
Marin Machado ist mit ihrem 4-jährigen Sohn Sebastian, den sie liebevoll "Bash" nennt, in den Markthallen von Seattle für Weihnachtseinkäufe unterwegs. Es ist hektisch, laut und voller Menschen und plötzlich ist die kleine Hand, die sie bisher gehalten hat, weg. Sebastian ist weg und er bleibt verschwunden.
Ein Überwachungsvideo, das ihn an der Hand einer fremden Person zeigt, ist das letzte Lebenszeichen – für 16 lange Monate. Bash ist immer noch nicht wieder aufgetaucht und Marin mit den Nerven am Ende. Sie heuert eine Privatdetektivin an, die zwar ihren Sohn nicht findet, aber ihren Mann Derek mit seiner Affäre entlarvt. Diese junge Frau muss weg, beschließt Marin...
Gut, Kindesentführung ist nicht neu, aber wie sie hier aufgearbeitet wird, das hat mich schon erstaunt und dann absolut fasziniert.
Das Buch beginnt mit der Entführung des kleinen Sebastian, mit dem Schmerz von Marin und Derek, mit ihrer Hilflosigkeit und dem langsamen Entfremden der beiden. Marin, eigentlich eine Powerfrau mit eigenen Frisiersalon, schließt sich einer Selbsthilfegruppe an und trifft sich immer wieder mit ihrem besten Freund Sal. Nachdem sich Marin in ihrer Trauer vollkommen verschließt, sucht Derek seine Bestätigung bei einer anderen Frau, der 24-jährigen Kenzie. Eine Affäre, die unverhofft durch die Privatdetektivin, die Marin angeheuert hat, aufgedeckt wird.
Ab hier geht die Geschichte in eine ganz andere Richtung, wie ich sie erwartet hatte.
Ich lerne Kenzie kennen, erfahren mehr über ihren Hintergrund und wie sie mit Derek zusammen gekommen ist. Diesen Teil fand ich etwas langatmig. Hier hat die Spannung für mich etwas verloren.
Richtig Fahrt nimmt sie allerdings im dritten Teil der Geschichte wieder auf. Nur wäre ich nie darauf gekommen, wohin mich das noch führt. Ich habe zwar immer noch gehofft, dass Sebastian gefunden wird, war mir dessen aber absolut nicht sicher. Bei der Auflösung des ganzen war ich dann total baff. Habe aber im Nachhinein auch Anzeichen gesehen, die mich hätten stutzig werden lassen müssen.
Jennifer Hillier schlägt bei ihrer Geschichte eher die leisen Töne an, was mir sehr gut gefallen hat. Trotzdem wächst die Spannung, hält sich im Hintergrund um dann dramatisch zuzuschlagen. Jedoch ohne viel Blutvergießen, was meinem Lesegeschmack sehr entgegen kommt.
"Denk an mich, wenn du stirbst" ist eine spannend konstruierte Geschichte über Liebe, Verlust, Rache, Habgier und Eifersucht, ausgelöst durch die Entführung eines kleinen Jungen. Mich hat dieses Buch berührt und durch eine für mich überraschende Wendung gefesselt. Ein mitreißender, packender Thriller, der durch die leisen Töne punktet und den ich nur empfehlen kann.









