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Rezensionen von gaby2707:

Einfach grandios

Acht Wölfe von Ulla Scheler

Acht junge Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben einen Abenteuerurlaub gebucht, der sie in den Wood-Buffalo-Nationalpark in Alberta, Kanada, führt um dort die unberührte Natur zu erleben und die Nordlichter zu sehen. So treffen am Flughafen, wo sie von ihrem Guide Nick in Empfang genommen werden, die Schwestern Kristina und Valentina, Ole und Alexander, alle aus Deutschland; Tonya aus Chicago, Alice und Peter aus Vancouver und Jacob aus Boston aufeinander.

Sympathisch sind sie sich anfangs noch nicht. Auf ihrem Trip lernen sie Feuer machen, sich vor Bären zu schützen und Nick bringt ihnen bei, wie man Essbares findet. Sie treffen auf Bisons und die größten Kraniche der Welt. Als sie bemerken, dass Nick absolut nicht der ist, für den er sich ausgibt, dass er sogar gefährlich ist, schweben sie in allerhöchster Gefahr. Ohne Ausrüstung, ohne Orientierung und nur auf sich allein gestellt, versuchen sie der grünen Hölle und Nick mit seinen Kumpanen zu entkommen.

Aber es geht hier nicht primär um die Jagd auf die jungen Leute, sondern um deren Flucht, wie sie sich zusammenraufen müssen, zusammenhalten und sich gemeinsam durchschlagen. Wie aus 8 Individuen eine stabile, verlässliche Gruppe wird.
Für mich ist es das erste Buch, das ich von Autorin Ulla Scheler gelesen habe. Aber es wird ganz sicher nicht das letzte gewesen sein. Sie hat mich mit ihren vielschichtig angelegten Figuren, die mir anfangs alle nicht sonderlich sympathisch waren, sich aber nach und nach in eine für mich sehr positive Richtung entwickeln, sofort in den Bann der Geschichte gezogen. Da die einzelnen Abschnitte immer von einem anderen der Gruppe erzählt werden, komme ich sowohl der Geschichte in ihren verschiedenen Facetten als auch den Gedanken, Empfindungen und Gefühlen der jungen Leute sehr nahe. Dadurch lerne ich sie auch immer besser kennen und finde gerade den wachsenden Zusammenhalt sehr interessant und intensiv.
Das Setting, den Wood-Buffalo-Nationalpark in Kanada, finde ich einfach genial. Ich hatte Gänsehaut, wenn irgendwo ein Ast geknackt hat und konnte mir den Blick auf eine Bisonherde sehr gut vorstellen. Die Beschreibungen der Natur dort kommen so eindringlich und greifbar rüber, genau so wie die Angstgefühle und die Beklemmung der Gruppe. Genau so gut beschrieben finde ich auch die Zeit nach dem Dschungel, als die jungen Leute feststellen, dass sie nicht mehr in die Form ihres früheren Lebens passen. Die innere Zerrissenheit gerade von Tonya hat mir richtig weh getan.
Ich habe mit der Gruppe gefroren und der Winterkälte getrotzt, gehungert und mich vor manchem Getier geekelt, gebangt, gelitten und die Hoffnung nie aufgegeben. Aber auch mal geschmunzelt und mich mit ihnen gefreut. Sie sind mir in diesen 410 Seiten so richtig ans Herz gewachsen.

Eine Geschichte, die mich berührt hat, mit jungen Menschen, die eine tolle Wandlung hingelegt haben, mit einer atemberaubenden Kulisse von einer Autorin, deren Erzählstil ich einfach wunderbar finde.
„Acht Wölfe“ ist eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr.

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Es müssen nicht immer die großen Abenteuer sein

Die kleine Finca am Mittelmeer von Andrea Micus

Nachdem ihr Mann Paul sie für eine andere, jüngere Frau verlassen hat, nimmt Vera ihr Leben nach einem kurzen Tief wieder selbst in die Hand. Als sie dann auch noch ihren Job verliert, verkauft sie das gemeinsame Haus und erwirbt ein Wohnmobil. Sie hatte sich immer eine Tour im Wohnmobil gewünscht, aber der Alltag mit Pflichten statt Träumen kam immer dazwischen.

Von Bamberg aus macht sie sich auf den Weg nach Andalusien – da will sie hin. Leider kommt sie vorerst nur bis Gandia Playa an der spanischen Küste zwischen Valencia und Alicante. Dort macht ihr Wohnmobil schlapp und sie ist froh, dass Ina, eine Frau in ihrem Alter, sie mit zu sich bzw. ihren Eltern in die Finca nimmt.
Zwischen Orangen und Oliven beginnt hier für sie hier das Abenteuer Leben und Liebe ganz neu.

„Orangenduft und das große Abenteuer“ ist der 2. Band aus der „Die kleine Finca am Mittelmeer"-Reihe. Obwohl ich Band 1 nicht kenne, hatte ich keine Probleme der Geschichte zu folgen.
Der Schreib- und Erzählstil von Andrea Micus ist so locker-leicht und bildhaft, dass sich mein Kopfkino nach den ersten Seiten schon eingeschaltet hat. Sie beschreibt die Gefühlswelt in der sich Vera bewegt sehr anschaulich und ich kann mich gut in sie hinein versetzen. Auch die anderen Menschen, die ich hier kennenlerne sind, bis auf ganz wenige Ausnahmen, so herzlich und zugewandt, dass ich gerne mit ihnen befreundet wäre. Ich habe mich so für Vera gefreut, dass sie gerade hier, inmitten einer so bezaubernden Landschaft und solch tollen Menschen, gestrandet ist. Und vor allem auch dem Abenteuer Liebe begegnet.
Ich hatte beim Lesen den Duft von Meersalz, Orangen, Jasmin und Bougainvillea in der Nase, den Geschmack von Paella und Rotwein auf der Zunge und das Rauschen des Meeres im Ohr. Die Umgebung in der sich Vera aufhält, beschreibt die Autorin so anschaulich, dass ich Fernweh bekomme und dort unbedingt mal hin möchte.
Am Ende der Geschichte bekomme ich noch drei Rezepte. Die Fideua, Paellapfanne nur mit Nudeln anstatt Reis, werde ich bestimmt mal ausprobieren.

Ein tolles Buch, das zeigt, dass man auch mit 50 noch mal neu durchstarten kann um das Leben in vollen Zügen zu genießen. Eine Wohlfühlgeschichte, die mir bezaubernde und unterhaltsame Lesestunden geschenkt hat. Ich komme bestimmt wieder zur kleinen Finca am Mittelmeer.

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Was passiert, wenn die Vergangenheit dich einholt…

Nur eine Lüge – Zwei Familien, eine tödliche Verbindung von Malin Stehn

… das erfahren Emily Brandt und ihr Verlobter William Nihlzén ausgerechnet am Tag ihrer Traumhochzeit, die doch das größte und schönste Erlebnis in ihrer beiden Leben werden sollte. Das große Problem an der Sache: die beiden Familien sind nach einem schwerwiegenden Vorfall von vor 8 Jahren heillos zerstritten.

Auf der Feier, die die beiden Familien wieder verbinden soll, kommt es zu Spannungen, versteckten Vorwürfen, vergrabene Wahrheiten kommen langsam ans Licht. Und am Ende liegt Emilys Bruder Erik tot am Ufer des Öresunds und die Suche nach einem Schuldigen beginnt.

Autorin Malin Stehn hat mich mit ihrem fesselnden und emotionalen Schreibstil mit dieser Geschichte, die sie in zwei Zeitzonen erzählt, sofort gefesselt. Sie lässt die Mitglieder der Familie Brandt, Emily, ihren Bruder Erik, Vater Mats und Mutter Annika die Geschehnisse vom Tag der Hochzeit, von vor drei Monaten und von den Geschehnissen von vor 8 Jahren aus ihren eigenen Blickwinkeln in der Ich-Form erzählen. Hier erkennt man, dass jeder seine kleinen und größeren Geheimnisse mit sich herum trägt und sich hinter Lügen versteckt.
Lange habe ich mich gefragt, in welche Richtung die kleinen Anspielungen, die immer wieder gemacht werden, wohl führen werden. Als sich die Vergangenheit dann ganz langsam lichtet, war ich schockiert und konnte gut verstehen, warum sich die Menschen hier so verhalten, wie sie sich verhalten. Emily hat mir dabei richtig leid getan.

Zwar als Roman ausgeschrieben ist diese Geschichte für mich der reinste Psychothriller. Super spannend, hoch emotional und voller kleiner Hinweise, die meine Sicht auf die Dinge immer wieder in einen anderen Blickwinkel gerückt haben und ich dadurch immer wieder umdenken musste. Auch die ausführlich gezeichneten Protagonisten haben mir mit ihren sehr unterschiedlichen Charaktereigenschaften sehr gut gefallen. Die Hochzeitslokation konnte ich mir durch die detaillierten Beschreibungen ebenfalls sehr gut vorstellen. Einfach ein Traum. Der durch die Vergangenheit zum Albtraum wird.
Das am Ende nicht feststeht, wer nun der Täter ist, hat mich in diesem Fall absolut nicht gestört.

„Nur eine Lüge“ ist ein meisterhaftes, tiefgründiges Verwirrspiel mit, wie es der Titel schon sagt, Lügen, Täuschungen und den Blick vor der Wahrheit verschließen bis sie ungefiltert ans Licht kommt. Ein Pageturner, den ich nicht aus der Hand legen konnte.
Dies war mein erstes Buch, das ich von Malin Stehn gelesen habe. Es ist definitiv nicht mein letztes gewesen.

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Schwarzer Humor vom Feinsten

Ablage Mord von Simon Wasner

Theo Baumgartner, 35, empfindet sich selbst als den faulsten Menschen der Welt. Und in gewisser Weise gebe ich ihm da recht. Er lebt in einem Wohnwagen im Garten seiner Eltern Ernst und Gudrun in Göbelrath im Kraichgau in der Nähe von Karlsruhe. Lässt sich von Mama mit Essen verwöhnen und zockt den ganzen Tag mit Schülern und Pubertieren im Internet.

Bis zu dem Tag an dem er das Testament seiner Eltern findet und nun endlich den Hintern hoch kriegen muss, denn sonst wird er enterbt. Sein Freund Dave besorgt ihm ein Vorstellungsgespräch bei der Firma Columbus Solutions und entgegen aller Voraussicht bekommt er die Stelle und steigt nach zwei Wochen sogar weiter auf. Er hat also großes Potential, das er hier dann auch auspackt.
Um was für einen Job es sich handelt und wie sich Theo da schlägt, das lest ihr in dem Buch von Simon Wasner „Ablage Mord“.

Mit diesem Buch hatte ich nicht nur sehr unterhaltsame sondern auch amüsante und mitreißende Lesestunden mit schwarzem Humor vom Allerfeinsten. Das beginnt schon mit den sehr vielseitigen Zitaten und Kalendersprüchen von Theos verstorbener Großtante Marlies, von der er anscheinend seinen Hang zum Nichtstun geerbt hat. Denn auch sie scheint sich ihr Leben lang bei Theos Eltern durch schmarotzt zu haben. Dann die verschiedensten Beschreibungen von Theos neuen Arbeitskollegen wie z.B. Michel und sein haariges Büchlein oder Kappi, der mit seinen vier verbliebenen Zähnen 3 Zigaretten auf einmal rauchen kann. In diesem Stil gibt es einiges, wo mir die Bilder nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die Typen bzw. Arbeitskollegen mit denen Theo in Trupp C zusammen arbeiten soll, Michel, Kappi, Ali und Sven haben alle ihre Eigenheiten, die sie für den Job, den sie machen, aber auch dringend brauchen. Aber Theo wäre nicht Theo, wenn er nicht auch hier von einem Fettnapf in den anderen tritt und sogar um sein Leben fürchten muss.
Aber neben all dem „umziehen“ und „um de Ecke bringen“, geht es hier auch um Zusammenhalt und vielleicht sogar um ein Quäntchen Freundschaft.
Richtig gut gefallen haben mir neben Mama Wu Theos stockkonservative Eltern: Vater Ernst, der Vater aller Gartenzwerge und Mutter Gudrun, die zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit einen Kuchen backt. Einfach herrlich die Beiden. Und dazu Sohnemann Theo...
Obwohl großes Gemetzel normalerweise gar nicht mein Ding ist – hier hat es mir überhaupt nichts ausgemacht. Im Gegenteil, die Bilder habe ich zum Teil jetzt noch im Kopf. Man muss es nur so verpacken, wie es hier Autor Simon Wasner gemacht hat.

Eine Kriminalkomödie, die mit tiefschwarzem Humor glänzt, voller Wortwitz, schräger Sprüche und grotesker Gags. Die trotzdem spannend ist und voller Mord steckt. Wenn ich demnächst bei meinem Lieblings-Chinesen meine Frühlingsrollen esse, werde ich ganz bestimmt an Theo denken müssen.

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Toni und Güntherlein ermitteln auch im Urlaub

Mord am Saar-Hunsrück-Steig von Marion Demme-Zech

Antonia „Toni“ Kuppertz hat Geburtstag, den 35 und sie begeht ihr 15jähriges Dienstjubiläum. Klar, dass sich die lieben Kollegen da ein ganz besonderes Geschenk ausgedacht haben. Sie schicken Toni zusammen mit dem Polizeihund in Ausbildung, Dackel Günther, der unbedingt abspecken muss, auf eine Wandertour auf den Saar-Hunsrück-Steig.

Güntherlein ist von der Idee, dass er Toni begleiten darf, genau so wenig begeistert wie sie selbst. Hundetrainerin Lodi van der Pütten, die in finanziellen Schwierigkeiten steckt, hat für diese Tour als Wanderguide angeheuert. Zusammen mit Grundschullehrerin Conny, den Öko-Reisebloggern Kola und Anja, Survivaltrainer und Wildniscoach Walli, Witwe Regine, Felix Brecht vom Adrenalin Innovationsmanagement in Köln, der au der Tour den Fotografen spielt und Jungwinzer Myong Hoseok Schmitt, geht es von Perl in 8 Etappen über den Saar-Hunsrück-Steig bis nach Trier.
Was die Gruppe da alles sieht und vor allem erlebt, und wie Güntherlein sich todesmutig in die Ermittlungen und eine Rettung stürzt, das lest ihr in dem neuen Wanderkrimi von Marion Demme-Zech „Mord am Saar-Hunsrück-Steig“.

Ich bin nun schon einige Jahre mit der Autorin im Saarland auf krimineller Mission unterwegs. Und auch diesmal hat es mir in der Gegend, die sie mir hier auf einer Wanderung vorstellt, sehr gut gefallen. Durch Kola, der sich anscheinend hervorragend auf die Tour vorbereitet und eingelesen hat, erfahre ich einige interessante Begebenheiten und Legenden aus der Gegend, die die Gruppe hier durchwandert. Aber es ist diesmal nicht nur die Gegend, die fasziniert. Es gibt auch einige unschöne Begebenheiten in die die Wandertruppe da hinein gerät, und die diese auf dramatische Weise verkleinert.
Zu jeder Etappe der Wanderung gibt es einen Kartenausschnitt, wo ich den Verlauf und die Länge der Strecke mit den Sehenswürdigkeiten, die voraussichtliche Dauer und die Höhenmeter angezeigt bekomme.
Die Teilnehmer der Wanderung sind lebensecht und farbig gezeichnet, so dass ich sie mir bald gut vorstellen kann. In den einzelnen Kapiteln kommt auch jeder von ihnen mal zu Wort, was die Story mit der Ich-Form-Erzählung noch lebendiger macht und die Vorkommnisse aus den verschiedenen Blickwinkeln zeigt. Ein älteres Ehepaar, das in saarländischer Mundart darauf pocht, als erstes ins Kneippbecken zu dürfen, trägt zum typisches Flair des Saarlandes genau so bei wie die verschiedenen Spezialitäten, die hier richtig Appetit machen.
Bei dem, was hier alles so passiert, hatte ich schon mal den ein oder anderen in Verdacht. Der Täter allerdings wird von der Autorin so gut getarnt, dass ich auf den nie gekommen wäre. Für mich auch immer sehr wichtig, dass alles so aufgeklärt wird, dass ich es gut nachvollziehen kann. Und genau so ist es hier. Ich bin mit der Aufklärung und auch dem Ende rundum zufrieden.

Ein spannender Regionalkrimi in einer Landschaft, bei der es sich lohnt, sie mal zu besuchen, mit einem Schuss Humor und sehr interessanten Menschen. Mir hat der Besuch im Saarland großen Spaß und gute Unterhaltung gebracht.

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Malous Geschichte geht weiter

Die Reporterin - Worte der Wahrheit von Teresa Simon

Den ersten Band der Reihe um die Reporterin Malou Graf „Zwischen den Zeilen“ habe ich mit Leidenschaft verschlungen und mich sehr auf den zweiten Teil der Geschichte gefreut. Der hört ja mit einem gigantischen Cliffhanger auf und setzt nun hier genau dort wieder an.

Marie-Louise, die alle nur Malou nennen, arbeitet weiterhin als geschätzte Gesellschaftskolumnistin bei der Zeitung „Der Tag“ den Promi-Klatsch auf.

Sie hat ein so seltenes Gespür für Menschen, entlockt ihnen einiges, was die nie an andere Journalisten weitergeben würden. So zählen Romy Schneider, Roy Black, Heintje (wie habe ich ihn angehimmelt) die Rolling Stones, Udo Jürgens, Zarah Leander, Jimmi Hendrix, Esther und Abi Ofarim, die Beatles und viele andere zu den Interviewpartnern der Gräfin, wie sie von vielen liebevoll genannt wird.
Aber sie hat neben einigen persönliche Schicksalsschläge auch den Neid, die Frotzeleien und die Missgunst dreier Kollegen wegzustecken. Ich bewundere die junge Frau, wie sie ihren Weg als berufstätige Mutter meistert und sich nie unterkriegen lässt. Wie sie mit der Zeit lernt auch mal Hilfe anzunehmen. Die Liebe allerdings steht erst mal hinten an.
Das Jahr 1969 beschließt die Geschichte auf eine so wunderschöne Weise...

Ich habe mich in die zweite Hälfte der 1960er Jahre hinein fallen lassen, was mir bei dem lebendigen und gefühlvollen Erzählstil von Teresa Simon ganz leicht gefallen ist. Habe mir eine Leseauszeit genommen um die politischen und sozialen Recherchen der Autorin und ihre Geschichte um Malou richtig genießen zu können. Dabei habe ich sehr viele Bilder von damals im Kopf gehabt. Seien es die Studentenunruhen, die Mondlandung, der Prager Frühling in der ČSSR oder der Sechs-Tage-Krieg in Israel. Alles wird wie nebenbei in die Geschichte eingeflochten und macht sie rund und lesenswert.
Da ich in München lebe, ziehen die Beschreibungen der Orten, die hier vorkommen, an meinen inneren Augen vorbei. Genau so habe ich von Iffeldorf, wohin sich Malou eine Zeit lang zurückzieht, und den Osterseen Bilder im Kopf.
Die meisten Menschen, denen ich hier begegne kenne ich ja schon aus Bd. 1, weswegen ich auch anregen möchte, diesen zuerst zu lesen. Es wird doch immer wieder auf Geschehnisse zurück gegriffen, die man sonst hier nicht richtig einzureihen weiß. Die wenigen neuen Protagonisten sind genauso lebensecht und farbig gezeichnet, dass es auch bei ihnen sehr einfach war, sie mir vorzustellen. Neben Malou, die ich auch weiterhin absolut ins Herz geschlossen habe, habe ich mich gefreut ihre Freundin Roxy wiederzulesen. Auch Onkel Julius ist weiterhin ein Platz in meinem Herzen sicher. Und natürlich die kleine Leonie, die die Welt von Malou ganz schön durcheinander wirbelt.
Die Lieder der Playlist am Anfang der Geschichte kenne ich zum großen Teil noch aus meiner Kindheit und Jugend. Die beiden Zitate von Frida Kahlo und Mascha Kaléko haben mich sehr berührt.

Ich habe mich mit Malou über ihren Erfolg und später über ihr Glück gefreut. Ich habe mit ihr getrauert und hatte dabei ein paar Tränen in den Augen. Es war spannend diesen Weg mit ihr gemeinsam zu gehen und es tut mir leid, dass ich diese bezaubernde junge Frau nun gehen lassen muss.
Sie hat mich mit ihrer Geschichte bestens unterhalten und mir wundervolle Lesestunden geschenkt.

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Die WoidGeschichten gehen weiter

Der Wolf und das Hühnchen suchen Lisa von Beate Freitag

Mit der Ruhe im Wald ist es eines Morgens ganz plötzlich vorbei. Was es mit dem Lärm, den die Menschen machen auf sich hat, wollen der Fuchs und der Wolf erkunden. Was die beiden erfahren, hört sich nicht gut an. Ein Kind ging verloren und wird nun gesucht. Alle Tiere des Waldes beschließen ebenfalls nach der kleinen Lisa zu suchen.

Der Wolf und der Marder koordinieren die Spähtrupps. Wahrhaftig haben die beiden Buntspechte das kleine Mädchen bald gefunden und eine große Rettungsaktion beginnt.
Was die Tiere alles anstellen damit Lisa wieder wohlbehalten zu ihren Eltern zurück kommt, das lest ihr, oder lasst es euch vorlesen in dem neuen Buch von Beate Freitag: Der Wolf und das Hühnchen suchen Lisa.

Beate Freitag hat sich wieder eine so liebevolle und reizende Geschichte mit dem Wolf und dem Hühnchen ausgedacht. Hier liest man, wie effektiv und schön es ist, wenn alle zusammenhalten und zusammen helfen, wenn jemand wie hier die kleine Lisa in einer Notlage ist.
Mir hat diese 3. Geschichte um den Wolf und das Hühnchen, die zusammen unschlagbar sind, wieder sehr gut gefallen. Die farbenfrohen Illustrationen von Tuula Schneider runden auch hier die Geschichte so richtig ab.

Eine wundervolle Geschichte voller Empathie, Mitgefühl, Mut, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt über alle Grenzen hinweg. Ich bin jetzt schon gespannt, was der Wolf, das Hühnchen und die anderen Tiere des Waldes noch alles erleben werden.

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Spannung bis zur letzten Seite

Borkumer Rache von Peter Gerdes

Vor vielen Jahren hat Steffen Baalmann, 65, seine Heimatinsel Borkum verlassen. Nun hängt er hier an einer Litfaßsäule vor dem Haus in dem er aufgewachsen ist. Was zuerst nach einem Suizid aussieht, entpuppt sich schnell als Mord. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Klaas starb vor einem halben Jahr abgefüllt mit teurem Whisky in einem Bushäuschen in Oldenburg.

Hängen die beiden Todesfälle zusammen? Und wenn ja, wer hatte solch einen Hass auf die beiden Brüder?
Hauptkommissar Stahnke mit seinem Oldenburger Team bekommt Verstärkung aus Leer/Emden und von Borkum und tut sich bei den vielen Verdächtigen nicht leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen.

In Rückblicken ab November 1964 lerne ich die beiden Brüder Steffen und Klaas Baalmann beim beruflichen Pläne schmieden und ihrem privaten Leben kennen. Da es auf der Insel nicht so viele Möglichkeiten gibt um Geld zu verdienen, wollen sie Musik machen, vielleicht als Wattführer arbeiten. Besonders Steffen geht seinen Traum von einer großen Musiker-Karriere gezielt an, lernt Gitarre spielen und singen. Und auch Klaas schafft es mit seinem sonnigen Gemüt ihr Publikum, vor allem die Frauen, zu begeistern. Um seine Freundin Silke, die noch verheiratet ist und ein abgesichertes Leben anstrebt, endgültig an sich zu binden, studiert Klaas auf Lehramt, was für die gemeinsamen Auftritte der Brüder immer wieder und immer mehr Probleme mit sich bringt. Als sich Silke schließlich dem erfolgreicheren Steffen zuwendet, zerbricht die Band und Feindschaft trennt die beiden Brüder.

Dies ist nun schon der 19. Fall für den Oldenburger Kommissar Stahnke, dessen Vornamen ich bis zum Schluss nicht heraus gefunden habe. Und auch diesen Fall schließt er ab, ohne dass ich Vorkenntnisse zu den anderen Fällen gebraucht hätte.
Autor Peter Gerdes habe ich erst mit diesem Buch kennengelernt, werde ihn aber sofort auf meine Lieblingsautoren-Liste setzen, da mir sein Erzählstil hier sehr gut gefallen hat. Bestimmt werde ich auch noch den ein oder anderen vergangenen Fall mit HK Stahnke zusammen lösen.
Ich lerne die Ermittler neben ihren Fällen auch sehr gerne privat etwas näher kennen. Wie hier OK Nidal Ekinci vom Fachkommissariat 1 der Polizeiinspektion Leer/Emden für den bei seinen beiden dauerbrüllenden Kleinkindern seine Übermüdung schon zum Normalzustand geworden ist. Auch OK Johann „Joke“ Reents von der Polizeistation Borkum hat sich meine Sympathie schnell gesichert. Aber auch die anderen Ermittler in diesem doch relativ großen Team mag ich gerne.
Etwas anders sieht es bei den beiden Toten und deren Umfeld aus. Da gibt es fast niemanden, mit dem ich unbedingt befreundet sein möchte.
Die Handlung, die zwischen den Ermittlungen und den Rückblicken in die Vergangenheit abwechselt, fand ich sehr interessant. Vor allem die Ermittlungen zum Tod der beiden Brüder, die dann ja immer weiter in die Vergangenheit gehen und sich dort der Grund für die beiden Morde findet.
Sehr gut gefallen haben mir auch die Dialoge, die nicht direkt mit dem Fall zu tun hatten; bei denen immer wieder mal Fakten aus der Kategorie unnützes Wissen auftauchen, die ich sehr interessant fand. Und natürlich viele Fakten zu den 1970er Jahren wie Lehrerüberschuss, Berufsverbote und Radikalenerlass. Das alles zusammen macht für mich einen Fall erst richtig authentisch und rund. Und vor allem lerne ich auch noch was.

Ein spannender Kriminalfall mit einigen Wendungen, bei dem ich gut mit ermitteln konnte und einem Täter, dem ich die Morde bis kurz vor Schluss nicht zugetraut habe, hat mich richtig gut unterhalten.

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Es geht hart zu in der Sterne-Gastronomie

Lyoner-Komplott von Greta R. Kuhn

Der bekannte Saarbrücker Sternekoch Markus Wendemann ist verschwunden. Seine Schwester Mareike meldet ihn als vermisst. Und tatsächlich findet Hauptkommissarin Veronika Hart in seinem Restaurant „Le Table“, wo man wochenlang auf einen Tisch warten muss, Spuren einer Entführung. Das GHB, das in der Lyoner gefunden wird, die noch angebissen auf dem Frühstückstisch liegt und Blutspuren, verstärken diesen Eindruck auch noch.

Erpresserschreiben gibt es keines. Aber die Wurstfabrik aus der die Lyoner stammt, bekommt verschiedene Drohbriefe und auf einen Tiertransporter wird ein Anschlag verübt. Hängt das alles zusammen? Und wenn ja, wie? Geht es vielleicht um Schutzgeld, Geldwäsche oder organisiertes Verbrechen?
HK Veronika Hart, im Moment selbst mit privaten Problemen stark behaftet, tut sich bei ihren Ermittlungen nicht leicht. Gut, dass sie da ihre Kollegen Sven Becker und Max Langner an ihrer Seite hat.

Dies ist zwar schon Band 4 der Saarland-Krimireihe um die taffe HK Veronika Hart und ihr Team, den ich aber auch sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen konnte. Da mich dieses Ermittlerteam aber stark für sich eingenommen hat, werde ich demnächst auch die ersten drei Fälle mit ihnen noch gemeinsam lösen.
Wie das Cover schon andeutet, geht es hier um die Wurst, von der ich im Laufe der Geschichte einiges erfahre. Vor allem von der Zubereitung und von den Arbeitsbedingungen in einer Wurstfabrik, die alles andere als angenehm sind. Da kann man leicht zum Vegetarier werden. Aber auch in der Sterne-Gastronomie geht man nicht zimperlich mit den Angestellten um. Hier wird mit harten Mitteln, sehr viel Druck, Disziplin und Engagement um jeden einzelnen Kunden gekämpft. Ich bin mir jetzt gar nicht mehr so sicher, ob ich mich in einem solchen Gourmet-Tempel auch mal verwöhnen lassen möchte.
Greta R. Kuhn habe ich mit diesem Buch erst kennengelernt. Ihr sehr bildhafter, eingängiger und emotionaler Erzählstil hat mich sehr schnell in die Story hinein gezogen. Die kurzen Kapitel lassen die Geschichte sehr rasant erscheinen.
Mich haben auch die sehr gut ausgearbeiteten Protagonisten, einige sympathisch, andere weniger, gleich in Beschlag genommen. Der entführte Sterne-Gastronom und auch der Entführer kommen immer wieder mal zu Wort. Das heizt die Spannung, die sich von Anfang an stetig aufbaut, noch weiter an. Ich konnte die Handlungen und die Gedankengänge hier sehr gut nachvollziehen und der Fall bzw. die Fälle lösen sich für mich nachvollziehbar auf.
Aber nicht nur der Kriminalfall hat mich gefesselt. Auch zu Veronika mit ihrem derzeitigen Gefühlschaos habe ich mich schnell hingezogen gefühlt.

Ein spannender Regionalkrimi mit einem Schuss Humor und einer Portion Lokalkolorit, der mich gepackt, gefesselt und vor allem sehr gut unterhalten hat. Sehr gerne würde ich Veronika Hart bei weiteren Fällen begleiten.

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Vergangenheitsbewältigung

Koffer voller Briefe von Stefanie Gregg

Elias Brand, 48, weiß zuerst gar nicht, was die Polizisten vom ihm wollen, die ihn nach Isabella Faber fragen, die eines unnatürlichen Todes gestorben ist. Bis er sie auf einem Foto als die 18-jährige Isi erkennt, mit der er damals für kurze Zeit zusammen war. Man hat Briefe gefunden, Briefe an ihn, nicht nur die drei oder vier, die er hat ungeöffnet zurück gehen lassen.

Viele, sehr viele. Isi hat ihm 30 Jahre lang jeden Tag einen Brief geschrieben. Koffer voll. Elias ist erschüttert und fühlt sich erbärmlich. Ist er unbewusst mit Schuld an Isabellas Tod?

Was für eine emotionale, wunderschöne aber auch tragisch-traurige Geschichte. Ich bewundere Elias, wie er sein Leben als alleinerziehender Vater mit seinem elfjährigen Sohn Leo und seiner 15-jährigen Tochter Anne, die ihm eine große Hilfe ist und darüber sich selbst vergisst, meistert. Sie habe ich besonders ins Herz geschlossen. Seine Frau Sabrina ist vor ein paar Jahren an einer schweren Krankheit gestorben. Seitdem bewältigt Elias sein Leben so gut es geht, bis er von den Briefen aufgeweckt wird.
Die Briefe von Isi, manche sehr kurz, andere länger, die hier abgedruckt sind, haben mich richtig erschüttert. Wie einsam muss diese Frau gewesen sein, wie versessen auf ein Leben an Elias Seite. Wenn ich mir überlege, dass diese Geschichte eine wahre ist, trifft mich das noch mehr.
Ich mag den Erzählstil von Stefanie Gregg sehr und auch hier zieht sie mich sofort in die Geschichte hinein. Ich lerne nach und nach einige Menschen aus Elias Umfeld kennen. Tauche in seine Lebensgeschichte ein. Er scheint in seiner Jugend ein ganz schöner Schlawiner gewesen zu sein. Auch das gefällt mir hier sehr gut: Stefanie Gregg wertet nicht, sie lässt mir die Wahl zu entscheiden, ob und wen ich mag und wen nicht.

Dies ist mal wieder ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte. Das die Gegenwart mit der Vergangenheit vereint und zeigt, was unwissentlich alles schief laufen kann. Die Entwicklung, die Elias hier durchmacht, wie er seine neuen Erkenntnisse in etwas Gutes wandelt, hat mir sehr gut gefallen.

Ein wundervolles Buch einer wahren Lebensgeschichte, das mir einige spannende und unterhaltsame Lesestunden geschenkt hat. Das aber auch nachdenklich macht und das ich sehr gerne weiter empfehle. Ein Buch, das meine 5 goldenen Sterne absolut verdient hat.

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