Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Manfred Fischer:
Empfehlung: Buch zur Sonnenfinsternis, inklusive Sonnenfinsternis-Brille
Sonnenfinsternis über Europa von Werner E. Celnik
Am 12. August ist nach langer Pause in Europa wieder eine Sonnenfinsternis zu bestaunen. Wer die Finsternis als Totale erleben möchte, muss nach Spanien reisen. Die Totalitätszone zieht sich quer über die Iberische Halbinsel. Bei uns – Ostermiething, Oberösterreich - wird zu ihrem Höhepunkt um 20h15m 90% der Sonnenscheiben vom Mond verdeckt werden.
Passend dazu empfehle ich Ihnen das Buch „Sonnenfinsternis über Europa“ von Werner E. Celnik, das im Kosmos Verlag erschienen ist. Es enthält alle wichtigen Informationen zur Sonnenfinsternis mit übersichtlichen Karten über den Verlauf und den Bedeckungsgrad in verschiedenen europäischen Regionen. Fototipps zum Festhalten des Ereignisses finden sich in dem Büchlein ebenfalls. Weiters ist eine Sonnenfinsternis-Brille zur gefahrlosen Beobachtung der Sonne enthalten.
Die wichtigsten Daten zur Mondfinsternis am Morgen des 28. August finden sich im Buch ebenfalls.
Daher: sehr empfehlenswert!
Tiefer Einblick in Innviertler Geschichte
Das südliche Innviertel (Historischer Atlas von Bayern, Altbayern/Innviertel) von Roger Michael Allmannsberger-Nietsche; Stephan Hubinger; Gerhard Schwentner
Die zwei Bände „Südliches Innviertel“ des Historischen Atlas von Bayern geben auf 2500 Seiten eine detaillierte Darstellung des Werdens des jüngsten oberösterreichischen Viertels von der Vor- und Frühgeschichte bis in die unmittelbare Gegenwart. Herausgegeben wurden sie vom Oberösterreichischen Landesarchiv.
Sie sollten in keiner historischen Bibliothek zum Innviertel fehlen.
Die beiden Bände sind das Ergebnis einer langjährigen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Kommission für bayerische Landesgeschichte und dem Oberösterreichischen Landesarchiv zur Erforschung der gemeinsamen Vergangenheit.
Die historische Erschließung der Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen des alten Innbayerns (so wurde das Innviertel vor 1779 genannt) ist nicht nur für die heimatkundliche, sondern auch für die landesgeschichtliche Forschung eine unverzichtbare Grundlage. Viele heute noch gültige Strukturen wie Bezirks- und Gemeindegrenzen gehen in ihren Ursprüngen auf diese historischen Gegebenheiten zurück.
Graphic Novels – neuer Zugang zur Wissensvermittlung?
Quantix von Laurent Schafer
Graphic Novels sind eine Kombination aus Bildern und Text, die komplexe Inhalte auf visuell ansprechende Weise vermitteln wollen. In „Quantix. Einstein, Hawking und der ganze Rest“ versucht Laurent Schafer dies wissenschaftlich fundiert mit Inhalten zur modernen Physik von der Relativitätstheorie bis zur Quantenphysik.
Von Albert Einstein bis Stephen Hawking stellt er die revolutionären Theorien vor und versucht den physikalischen Phänomenen wie Schwarzen Löchern, rätselhaften Quanteneffekten oder der Relativitätstheorie auf den Grund zu gehen.
Ich fand es spannend das Buch zu lesen. Zu Beginn war ich der Ansicht, dass Graphic Novels kein Konzept der effektiven Wissensvermittlung für mich sind. Diese Ansicht hat sich mit dem Lesen etwas verändert, wenn gleich nicht alle meine Vorbehalte zerstreut wurden.
Meine Empfehlung daher: Bilden sie sich selbst eine Meinung und riskieren sie den Kauf des Buches.
Interessantes Buch zum immer wieder Hineinschmökern
Atlas der 60er Jahre von COLUMBUS Verlag GmbH & Co. KG
Die Umbrüche der 60er Jahre anhand von mehr als 200 (Land-)Karten und visuellen Darstellungen zu erzählen, finde ich außergewöhnlich. Sie ist mit diesem Atlas sehr gut gelungen.
Wo man beim Lesen langer Texte längst ausgestiegen wäre, laden die Karten zum Wiedereinstieg ein. Etwa wenn es ab S.
38 um die Mondlandungen der Apollo-Missionen geht. Gerade hatte ich die Nachrichten zur aktuellen Artemis-Mission der NASA verfolgt, da lud mich dieser Abschnitt ein auf die Mondlandungen vor mehr als 40 Jahren zurückzusehen.
Durch die Karten und bildliche Darstellungen lassen sich Entwicklungen, Zusammenhänge und globale Trends schnell erfassen und einordnen. Die Kartografie wird dabei selbst zum Analyseinstrument.
Im Abschnitt „Krieg und Konflikte“ werden etwa die zahlreichen Auseinandersetzungen im Zuge des Kalten Krieges anschaulich dargestellt. Man sieht gleich was sich wo ereignet hat.
Der 60er-Jahre-Atlas ist kein Buch zum von vorne bis hinten durchlesen, sondern eines zum immer wieder Hineinschmökern.
Cosmic Latte ist die Farbe des Universums - interessant!
Auf einen Kaffee im All von Eva Freistetter; Jana Steuer; Elka Xharo
Das Buch "Auf einen Kaffee im All" von Eva Freistetter, Jana Steuer und Elka Xharo enthält auf 251 Seiten interessantes Wissen über das Weltall und ist leicht lesbar. Neu war mir beispielsweise, dass das Universum eine eigene spezielle Farbe hat – Cosmic Latte heißt diese und ist ein helles Beige.
Wie es zu dieser Zuschreibung kam, liest mann/frau auf Seite 11.
Besonders aufschlussreich finde ich auch den Abschnitt "Horoskope, Mondmythen und andere Märchen", der den Unterschied zwischen AstroNOMIE und AstroLOGIE gut verständlich und leicht nachvollziehbar argumentiert.
Ein Teil ist „Frauen, die nach den Sternen greifen“ gewidmet. Er hebt Frauen hervor, die für die Astronomie große Bedeutung hatten, deren Namen aber in der Astronomie-Geschichte unter den Tisch fallen. Etwa der von Vera Rubin, die sich Verdienste bei der Jagd nach der Dunklen Materie erwarb (S. 65ff).
Weitere Kapitel behandeln die Exoplanetenforschung, seltsame Objekt im Weltall, die Planetare Verteidigung vor Asterioden und anderes mehr.
Das Buch verschriftlicht die Beiträge des Podcast "Cosmic Latte" (https://cosmiclatte.podigee.io/episodes) von Eva Freistetter, Jana Steurer und Elka Xharo.
Leicht lesbare gut zusammengefasste Darstellung
Die Steinzeit von Hermann Parzinger
Dem international renommierten Archäologen und Prähistoriker Hermann Parzinger ist mit diesem Buch eine leicht lesbare und übersichtliche Darstellung der Steinzeit gelungen – immerhin eine Zeitperiode von vor ca. 2,7 Millionen Jahren bis zum Ende des Neolithikums etwa 3000 vor unserer Zeitrechnung.
Der Untertitel lautet „Vom ersten Faustkeil bis zur Sesshaftwerdung“.
Der Autor teilt den langen Zeitraum in fünf Kapitel auf. Im ersten von 2,7 Millionen bis 45.000 Jahre vor heute beschreibt er die Entwicklung vom Homo habilis über den Homo erectus bis zum Homo sapiens und dessen Weg aus Afrika heraus. Er geht dabei auch auf den Neandertaler und die Denisoveraner ein.
Er verweist auf die durch die Genanalyse möglich gewordenen neuen Erkenntnisse. Etwa, dass nicht jede mit Waffen als Beigaben bestattete Person ein Mann gewesen ist. Dies zeigte, dass auch Frauen jagten und am Erlegen von Tieren beteiligt waren.
Parzinger nimmt weiters die Entwicklungen außerhalb Eurasiens in Augenschein und betrachtet die «neolithische Revolution» – also die Sesshaftwerdung und den Beginn des bäuerlichen Lebens – in einem globalen Zusammenhang. Interessant und lesenswert, finde ich.
Unterhaltsames Buch zu Bibelzitaten
Mit Feuereifer und Engelszungen von Rainer Metzner
Ja, Sie lesen richtig … unterhaltsam und Bibelzitate. Mit „Feuereifer und Engelszungen“, das kürzlich im C.H. Beck Verlag erschien, ist Rainer Metzner ein lesenswertes, unterhaltsames Buch zu Bibelzitaten gelungen.
Der Theologe der Humboldt-Universität Berlin und evangelische Pfarrer greift in einer lexikalen Zusammenstellung 280 Wendungen und Wörter aus der deutschsprachigen Übersetzung der Bibel durch Luther auf, die in unseren allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden haben.
Er legt ihr Vorkommen in der Bibel, ihre Bedeutung in der Originalsprache und in der deutschen Übersetzung dar. Er zitiert die Bibelstellen und liefert Hintergrundwissen zu den Textstellen.
So etwa zum Begriff „Denkzettel“: „Das Wort Denkzettel steht seit dem 15. Jahrhundert für ‚schriftliche Nachricht, Vorladung, Urkunde‘, dann auch für ‚Merkzettel, Notizbuch‘. Die alte Lutherbibel (LÜ 1545) gebraucht den Ausdruck als Übersetzung für das himmlische ‚Gedenkbuch‘ (revidiert) der Gerechten (Mal 3,16, hebr. sefär sikkaron) und für die an Stirn und Arm getragenen ‚Gebetsriemen‘ (revidiert), die auf Pergamentstreifen verzeichnete Schriftworte als Merkzeichen’ (Dtn 6,8; 11,18) enthalten (Mt 23,5, griech. phylakteria).“
Die Redewendung „sich ein Feigenblatt umhängen“ beziehungsweise „etwas als Feigenblatt benutzen“ (also etwas verbergen) spielt auf Gen 3,7 an. Feigenblätter sind bekanntlich „die als Notbehelf gewählte Kleidung“, die sich Adam und Eva als Schurze über die Genitalien legen, nachdem sie sich ihrer Nacktheit bewusst wurden.
Unbedingt lesen ...
Die Medizin und Ihre Feinde von Herbert Lackner; Christoph Zielinski
Ein sehr empfehlenswertes Buch, das mit den Lügen der Scharlatane und Verschwörungstheoretiker, die seit Jahrhunderten die Wissenschaft bekämpfen, aufräumt.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fischer, Journalist u. HistorikerPerspektivenwechsel - Geografischer Raum ins Zentrum gerückt
Geogeschichte von Christian Grataloup
Wenn ein Geograf ein Geschichtsbuch schreibt, kann Spannendes herauskommen – wie beim Buch „Geogeschichte“ von Christian Grataloup. Es ist spannend, mit ihm die Perspektive zu wechseln. Er hebt die Rolle von Territorien, Ressourcen, Verkehrswegen und Klimazonen beim Erfolg oder Misserfolg menschlicher Unternehmungen und historischer Prozesse hervor.
Der geografische Raum rückt gleichsam von der Hinterbühne ins Zentrum und wird zum historischen Akteur. Er legt dar, welchen Einfluss die Geografie auf die Entwicklung von Kulturen hatte.
Damit begibt er sich auf den Weg der französischen Annales-Schule, einer Gruppe französischer Historiker des 20. Jdhdts, wie Fernand Braudel, Lucien Febvre und Marc Bloch, die in der Geschichtswissenschaft für die Hinwendung zu Wirtschaft und Gesellschaft, die Erschließung quantifizierbaren Materials und die Orientierung an langfristigen Entwicklungen stehen.
Ein Atlas-Abschnitt in der Buchmitte mit aufschlussreichen Karten setzt den Text visuell in Landkarten um. Die Karte auf S. 29 etwa veranschaulicht, wie vernetzt die Welt bereits im Jahr 200 unserer Zeitrechnung gewesen ist. Die Globalisierung ist also keine Erscheinung unserer Zeit, sondern war schon immer vorhanden.
Dieser Kartenabschnitt macht Lust auf ein anderes Buch Grataloups, „Die Geschichte der Welt. Ein Atlas“, das im Beck Verlag bereits in mehreren Auflagen erschienen ist. Auf 515 Karten wird darin die Geschichte der Menschheit visualisiert und von ihrer eurozentrischen Perspektive befreit.
Techno-Milliardäre gefährden Demokratie – Wege dagegen
Silicon Valley attacks von Marietje Schaake
In ihrem Buch „Silicon Valley attacks“ schildert die KI-Expertin Marietje Schaake wie die Techno-Milliardäre aus dem Silicon Valley in den USA die Macht von öffentlichen und demokratischen Institutionen zu ihren weltumspannenden Unternehmen verlagert haben. Durch ihre gesellschaftspolitischen Ansichten sind sie damit zu einer Bedrohung für unsere Demokratie, Freiheit und die Menschenrechte geworden.
So meint etwa Peter Thiel, Mastermind der Techno-Milliardäre, dass Freiheit und Demokratie nicht kompatibel seien und plädiert gegen die Demokratie für die unbeschränkte Freiheit der Tech-Giganten.
Tech-Giganten wie Google, Meta und Amazon umgingen in den letzten Jahrzehnten jede Regulierung. Sie haben sich dabei eine Macht gesichert, von der selbst Diktaturen nur träumen können. Die Spielregeln, wie Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren sollen, liefert Silicon Valley. Zunehmend manipulieren seine Algorithmen Märkte und liefern autoritären Regimen oder dem Handel mit persönlichen Daten aller die Werkzeuge zur totalen Kontrolle.
Marietje Schaake zeigt im Buch (ab S.315) Wege auf, wie die Attacken aus Silicon Valley zurückgedrängt werden können. Dieser Abschnitt ist für mich der wertvollste, denn er bietet Handlungsstrategien an, um der Macht von Peter Thiel, Elon Musk, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg Grenzen zu setzen.
Schaake skizziert konkrete Maßnahmen, um das digitale Machtgleichgewicht wiederherzustellen. Sie fordert eine strikte Regulierung von Tech-Konzernen, den Schutz von Bürgerrechten im digitalen Raum und eine stärkere demokratische Kontrolle über Technologien wie Künstliche Intelligenz und Big Data.











