Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Barbara Maria Angerer:
Zu dicht und vielschichtig
Männer sterben bei uns nicht von Annika Reich
Annika Reich zeichnet in schöner Sprache und flüssigem Schreibstil ein dichtes Bild von unterschiedlichen Frauenleben. Die Patriarchin manipuliert, dirigiert die Mitglieder der Familie wie Marionetten, von Männern gibt es nur vereinzelte Spuren.
Traumata blitzen bei jeder Frau durch das Geschehen, vieles wird erahnbar, manches eventuell im Laufe des Buches verstehbar – jedoch, Erzählstränge versanden oder bleiben vage.
Aus der Ich-Perspektive des Kindes gelingen der Autorin wunderschöne, sehr einfühlsame Szenen und Bilder, aus der Ich-Perspektive der erwachsenen Frau, gelingt ihr dies weniger und die Verknüpfungen bleiben lose.
Das Buch hätte so viel mehr Potenzial, wenn Annika Reich dem sehr dichten Inhalt mehr Luft und Raum gegeben hätte. Ein bisschen kommt es mir vor, als habe die Autorin eine interessante und sehr schöne Geschichte nur mit Emojis erzählt.
Umbrüche
Wovon wir leben von Birgit Birnbacher
Birgit Birnbacher verwebt in ihrem Roman „Wovon wir leben“ unzählige Fragestellungen der Jetztzeit zu einem bunten Panorama von Lebensrealitäten. Allein die Eingangsgeschichte der Icherzählerin Julia, eine Krankenschwester in der Stadt, beschreibt dicht, kurz und relativ neutral die Situation und Herausforderungen der Menschen in diesem Beruf und ihre körperliche Reaktion darauf.
Ihr bleibt die Luft weg. Sie beschließt, zurück in ihr Heimatdorf und in ihr Elternhaus zu gehen, um zu genesen und eventuell neue Perspektiven zu finden. Zurück in die Enge des dörflichen Lebens, mit all den gesellschaftlichen, persönlichen und auch landschaftlichen Begrenzungen. Dort begegnet sie Oskar, einem in der Stadt aufgewachsenen Mann, ebenfalls am Beruf erkrankt, der eine andere Perspektive einbringt. Dieser Perspektivenwechsel zwischen den Schicksalen, Herausforderungen, Geschichten und Gegebenheiten aller beteiligter Personen macht den Roman sehr bunt. Getragen durch sprachliche Feinheiten, hinterlässt er sowohl ein schales Gefühl als auch die Perspektive für Veränderung und Erneuerung.
Wir geben den Dingen ihre Bedeutung
Das Dämmern der Welt von Werner Herzog
Werner Herzog erschuf aus einer waren Begebenheit ein Buch – Drehbuch für den Kopf – in dem er detailreich beschreibt, wie wir den Dingen ihre Bedeutung zuschreiben. Der Soldat Onoda bekommt das Ende des Krieges nicht mit und gibt allen realen Ereignissen die Bedeutung, dass der Krieg immer noch andauert und er für sein Land kämpfen muss.
Eine psychologisch beeindruckende Beschreibung, erfreulich kurz und fantasievoll.
Satire, Parodie oder was?
Salonfähig von Elias Hirschl
Ein junger Autor beschreibt seine Generation der Leistungsträger, salopp, bissig und ironisch. Ich gehe davon aus, dass dieses Buch begeistern kann. Meine Nachdenklichkeit nach der Lektüre ist jedoch größer als die Begeisterung ... .
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Barbara Maria AngererFaszinierendes Kaleidoskop einer Familiengeschichte
Der Kolibri von Sandro Veronesi
"Der Kolibri" von Sandro Veronesi ist ein forderndes Buch - in seiner Sprache, seinen Zeitsprüngen und seiner Vielfältigkeit. Für mich war es faszinierend und spannend, über die Lebens- und Familiengeschichte es Protagonisten Marko zu lesen. Die Leichtigkeit mit der Veronesi über schlimmste Schicksale in wenigen Sätzen hinweggeht, faszinierte mich ebenso, wie die Beschreibung der inneren Zerrissenheit der beteiligten Personen.
Jedoch konnte ich es nur in kleinen Happen genießen, denn es ist zu dicht. Viele bunte Steinchen von unterschiedlichsten Geschichten, die wie in einem Kaleidoskop immer wieder neu zusammengemischt werden und faszinierende Bilder ergeben. Durchaus empfehlenswert!
Historiendrama einmal anders
Für die Ewigkeit von Helmut Krausser
Helmut Krausser schreibt einen historischen Roman kurz und prägnant, beinahe im Telegrammstil. Das lässt alle Atribute vermissen, die ich einem historischen Welzer zuschreiben und hat durchaus Charme. Ein passendes Sommerbuch.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Barbara Maria AngererTief berührend und beeindruckend!
Ich bleibe hier von Marco Balzano
Wieder macht sich ein Autor daran, Zeitgeschichte lebendig werden zu lassen. Er beschreibt konkrete Schicksale und gibt damit dem Grauen des Nationalsozialismus und des Faschismus Gesichter. Die einfache, klare und prägnante Sprache macht die Geschichte absolut fesselnd, hält jedoch auch die nötige Distanz, die es mir ermöglichte, mich tief berühren zu lassen, ohne vom Drama überrannt zu werden.
Ein gelungener Roman, der mir "Nachgeborenen" einen weiteren Puzzlestein unserer Geschichte näher gebracht hat. Unbedingt lesenswert!
Eine zutiefst berührende Geschichte
Rote Kreuze von Sasha Filipenko
Sasha Filipenko hat sich an ein Kapitel der russischen Geschichte gewagt, die mich aus der Nachkriegsgeneration stammende Leserin aufgewühlt und erschüttert hat. Die Präzision, mit der der junge Autor geschichtliche Fakten mit der Geschichte einer jungen Frau in den Kriegswirren des 2. Weltkrieges vermischt, ist eindringlich, faszinierend und erschütternd.
Es gelingt ihm ausgezeichnet, gegen das Vergessen und Verwischen von Gräueltaten anzuschreiben und trifft die alte große Frage nach Gut und Böse. Wer sind wir Menschen, was macht uns aus und womit gehen wir wie um? Ergebnisse der Hirnforschung geben klar Auskunft, wie ein Mensch radikalisiert wird. Wir alle sind und bleiben gefordert, mit Wohlwollen, Respekt und Achten den Menschen in unserer Mitwelt zu begegnen.
Ich bin schon gespannt auf die nächsten Bücher des Autors.
Ein schrilles Buch
Rate, wer zum Essen bleibt von Philipp Tingler
Kein Blatt vor den Mund nimmt sich der ungebetene Gast und spricht aus, was der kultivierte und den gesellschaftlichen Gepflogenheiten entsprechende Mitmensch niemandem zumuten würde. Soweit so gut, erfrischend flapsig und durchaus fesselnd. Jedoch - mir ist das Buch zu laut, nervig und absehbar. Ein durchschnittliches Lesevergnügen.
Ein vergnügliches Kaleidoskop
Der Sprung von Simone Lappert
Das Buch von Simone Lappert bietet alles, was ich mir von einer gelungenen Lektüre erwarte.
Der Einstieg ist fulminant und trotz der augenscheinlichen Tragik keineswegs beklemmend. Wie durch ein Kaleidoskop schaue ich auf bunte Geschichten von unterschiedlichen Menschen, die allesamt dicht, intensiv und berührend beschrieben sind.
Die Autorin schreibt leicht, tiefgründig und witzig. Manchmal brauche ich bewusst eine Pause, um mich von den Milieustudien einer Schweizer Kleinstadt und der beschriebenen Charaktere zu erholen. So dicht zeigt die junge Autorin auf, wie das Leben so spielt ... .
Ich freu mich schon auf weitere Bücher von ihr.











