Kunden em pfehlungen
Rezensionen von April1985 :
Ein perfekter Wohlfühlroman
Happy Ever After - Wo das Glück zu Hause ist von Jenny Colgan
Wer sich für "Happy Ever After - Wo das Glück zu Hause ist" aus der Feder von Jenny Colgan entscheidet, hält einen richtigen Wohlfühlroman in den Händen. Das Buch ist witzig, einfühlsam, romantisch, verträumt - einfach wunderschön!
Besonders gefallen haben mir die einleitenden Worte der Autorin, wo es sich nicht überall gut lesen lässt.
Hier wurde mir schon das eine und andere Schmunzeln entlockt. Vom Lesegefühl her war es auch so, als ob mir eine gute Freundin Ratschläge geben würde. Nach den zauberhaften einleitenden Worten, lernt man gleich die Protagonistin Nina kennen. Nina ist eine verträumte, junge Frau mit einer überaus romantischen Ader, die - wie sollte es nach dem Prolog anders sein - als Bibliothekarin arbeitet. Ninas Lebensziel ist es für jede Frau, jeden Mann und jedes Kind das richtige Buch zu finden. Für Nina ist es einfach unvorstellbar ohne Buch das Haus zu verlassen, umso geschockter ist die junge Frau natürlich, als sie eines Tages aufgrund von Einsparungsmaßnahmen ihren Job als Bibliothekarin verliert. Ein paar Gespräche mit ihren Freunden, ein Berufsorientierungsseminar sowie eine Zeitungsanzeige später, scheint die Lösung zum Greifen nah - Nina möchte sich selbstständig machen und ihren eigenen fahrenden Buchladen eröffnen. Und wenn dabei die Liebe zur Tür herein kommen würde, wäre das Glück perfekt.
An Nina's Seite stehen ganz wundervolle Charaktere, angefangen bei der manchmal etwas aufbrausenden, aber im Grunde warmherzigen Surinder. Surinder ist nicht zur Nina's Zimmervermieterin und WG-Genossin, sondern auch die beste Freundin, die man sich nur wünschen kann. Sie ist ehrlich und nimmt kein Blatt vor dem Mund und weist Nina auch schon mal den Weg in die richtige Richtung. Nina's Kollege Griffin ist da schon anders gestrickt. Bei ihm hatte ich immer ein bisschen das Gefühl, dass er ein wenig gekünstelt ist. Einerseits schwärmt er Nina hinterher, andererseits gönnt er ihr den neuen Erfolg im Leben (zunächst) nicht.
Und dann ist da noch Marek, ein lettischer Einwanderer, der als Zugführer arbeitet und der verträumten Nina Herzchen in die Augen zaubert.
Am besten haben mir allerdings Jim, Mareks Kollege, und Highland-Bauer Lennox gefallen. Die beiden sind derart verbissene, grantige Charaktere, dass sie mir jedes Mal ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben. Ich mag es einfach, wenn die Protagonisten, aber auch Nebendarsteller, Ecken und Kanten haben und nicht nur gut gelaunt durchs Leben gehen.
Die Geschichte ist in England und großteils Schottland angesiedelt. Jenny Colgan hat die Orte und Schauplätze des Geschehens, genau wie ihre Charaktere, sehr bildhaft und detailiert beschrieben. Ich konnte das Gras auf der Wiese vor Loch Ness nahezu schmecken. Die Autorin hat einen sehr angenehmen, leicht zu lesenden Schreibstil, bei dem man sich einfach wohlfühlt.
Jenny Colgan schildert auf liebevolle Art, dass jeder sein ganz persönliches Glück finden kann, wenn er sich nur traut auch mal über den Tellerrand zu blicken bzw. über seinen eigenen Schatten zu springen. Manchmal muss man seine selbst gesteckten Grenzen einfach erweitern und den eigenen Horizont erweitern, um dem Glück auf die Sprünge zu helfen. Denn von nichts kommt auch nichts.
Ich habe den neuesten Roman von Jenny Colgan sehr wehmütig beendet. Es war einfach fantastisch Nina auf ihrem Weg zum Glück zu begleiten.
Danach
Nach Mattias von Peter Zantingh
"Nach Mattias" des niederländischen Autors Peter Zantingh beschreibt einfühlsam das Leben der Hinterbliebenen nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Im Mittelpunkt steht Mattias, der mit Mitte 30 aus dem Leben gerissen wird. Welchen Einfluss dieses Ereignis auf das Umfeld von Mattias hat bzw.
welche Maschinerie dadurch in Gang gesetzt wird, wird in diesem Roman behandelt. Der Autor hat dabei den Tod, der hier zentrales Thema ist, geschickt in den Hintergrund gerückt. Vielmehr stehen die Leben der Menschen, die Mattias mehr oder weniger gut gekannt haben im Vordergrund.
Der Autor porträtiert einfühlsam das Leben von 8 Menschen aus Mattias Umfeld und schildert, wie diese mit der Trauer und dem Schmerz umgehen und welche Methoden der Trauerbewältigung sie für sich gefunden haben. Dabei lernen wir als Leser auch Mattias nach und nach kennen und haben am Ende ein vollständiges Puzzle von ihm.
Der Schreibstil von Peter Zantingh ist sehr einprägsam. Der Autor schreibt sehr direkt und schnörkellos und großteils in kurzen und prägnanten Sätzen. Beschönigungen und (unnötige) Füllwörter sucht man vergebens. Der Roman umfasst auch "nur" ca. 230 Seiten - in der Kürze liegt die Würze!
Schön finde ich, dass am Ende des Buches eine Playlist gedruckt wurde. Die Playlist hat den Autor nicht nur während des Schreibvorganges begleitet, die Lieder spielen auch eine Rolle in den Leben der Personen im Buch.
Auch das Interview mit Peter Zantingh, was sich Anschluss an die Lektüre findet, ist sehr interessant zu lesen. Was hat den Autor bewogen dieses Buch zu schreiben? Wie sind die Figuren entstanden? Diese Fragen beantwortet uns Peter Zantingh. Durch dieses Interview habe ich die eine oder andere Passage im Buch auch besser verstanden bzw. konnte mich besser in so manchen Charakter hineinversetzen.
Warum kann ich trotz allem nur 2 Sterne vergeben? Wie gesagt, ich finde die Idee des Autors sehr gut und die Umsetzung auch sehr individuell und einzigartig. Leider habe ich mich an ziemlich vielen Stellen aber einfach gelangweilt. Von den acht Charakteren haben mich eigentlich nur Amber, Mattias Lebensgefährtin, und der alkoholkranke Nathan so richtig bewegt. Ihre Geschichten habe ich wirklich gerne gelesen. Bei den anderen Personen musste ich mich teilweise zwingen zu lesen und habe auch immer wieder nachgeschaut wie viele Seiten es denn noch bis zum nächsten Kapitel sind.
Ich habe mich beim Lesen auch die ganze Zeit über gefragt was denn nun mit Mattias eigentlich passiert ist. Dieses Rätsel wird erst ziemlich spät im Buch gelüftet, was mich einerseits zum Weiterlesen animiert hat, andererseits auch etwas genervt hat.
Für mich war "Nach Mattias" ein Ausflug in ein für mich neues Genre. Das Buch hat mich zwar nicht wirklich begeistert, ich bin aber dennoch froh es gelesen zu haben und einen neuen Autor kennen gelernt zu haben.



